Der Bergbau des Plauenschen Grundes in alter und neuer Zeit

Von Geh. Bergrat Dr.-Ing. E. h. _Emil Treptow_,

Prof. i. R. der Bergakademie Freiberg.

Der Plauensche Grund ist reich an natürlichen Hilfsquellen. Die

Wasserkräfte der Weißeritz wurden seit Jahrhunderten benutzt, Klima und

Boden sind für Obst- und Getreidebau an den flacheren Hängen besonders

günstig, die weitere Umgebung ist reich an Nutzholz, dessen Beförderung

durch einen wohl eingerichteten Flößereibetrieb erleichtert wurde[1].

Aber auch das Steinreich liefert vorzügliche Rohstoffe. In ausgedehnten

Steinbruchbetrieben im Syenit werden vorzügliche Pflastersteine

gewonnen, der Porphyr hat guten Schotter geliefert, Kalksteine wurden

an vielen Stellen zur Mörtelbereitung abgebaut. Der größte Schatz aber,

die Steinkohle, wurde erst verhältnismäßig spät in größerer Menge

gehoben. Die vorhandenen Wasserkräfte und der Überfluß an Holz wirkten

hier verzögernd.

Der Erzbergbau hat im Plauenschen Grunde nicht festen Fuß fassen

können. Echte, denen von Freiberg ähnliche Erzgänge sind zwar in der

Umgebung von Edle Krone und weiter südwestlich nachgewiesen und auch

gebaut worden, im Plauenschen Grunde fehlen sie vollständig.

Die Veranlassung zu Bergbauversuchen auf Erze haben einerseits die im

Syenit örtlich, aber immer nur spärlich auftretenden Kupfermineralien,

gediegenes Kupfer, Kupferglanz, Kupferkies, der durch seine sattgrüne

Farbe auffallende Malachit und die mit ihm vergesellschaftete blaue

Kupferlasur gegeben. Es treten aber auch im Syenit Mineralgänge auf,

die neben Kalkspat, Aragonit, Quarz, Zeolithen und Baryt vereinzelt

Bleiglanz und Schwefelkies führen. Mancher Bergbaulustige mag auch

durch die phantastischen Berichte von Wahlen[2] (Wälsche, venetianische

Händler) über das Vorkommen von Gold und Silber an den dortigen Hängen

oder auch von Edelsteinen in der Weißeritz zu einem Schurfversuche

angeregt worden sein. Endlich haben auch die mancherlei Sagen von

verborgenen Schätzen Veranlassung zu Grabungen gegeben, die später als

Bergbauversuche angesprochen worden sind. Andererseits hat wohl auch

hier und da ein alter Schurf zur Sagenbildung beigetragen. Übrigens

dürfte mancher alte Stolln durch Straßen- und Eisenbahnbau, auch durch

den ausgedehnten Steinbruchbetrieb verschwunden sein.

Es sei hier bemerkt, daß der Lauf der Weißeritz im Plauenschen Grunde

die Grenze zwischen dem rechtsseitig gelegenen Altenberger und dem

linksseitig gelegenen Freiberger Bergamtsrevier bildet. Die Akten des

Altenberger Reviers sind durch mehrere Stadtbrände zum Teil vernichtet

worden[3]. Damit könnten auch Hinweise auf Bergbauversuche verloren

gegangen sein.

Fangen wir mit der Aufzählung der näher bekannten Bergbauversuche

am rechten Gehänge oberhalb Plauen an: Im Jahre 1768 wurde von zwei

Gebrüdern Lehmann[4] ein Huthaus an der Stelle erbaut, an der jetzt

das Gasthaus der Felsenkellerbrauerei steht. In dem kleinen Grunde ist

heute noch ein vermauertes Stollnmundloch vorhanden. Da das Bergwerk

keine Ausbeute gab, wurde das Gebäude 1772 zur Villa umgewandelt. Wenig

talaufwärts von der Felsenkellerbrauerei liegt in einem Seitentale,

das nach Coschütz hinaufweist, die _Villa Cosel_ (Abb. 1). An ihrer

Stelle stand früher das zum _Neuen Segen-Gottes-Stolln_[5] gehörige

Huthaus. Herr Lehrer Schumann, der mich auch sonst durch Beschaffung

älterer Literatur über die dortigen Bergbauversuche unterstützt hat,

untersuchte mit Herrn Lehrer Haupt den Stolln am 10. September 1925

und stellte etwa das Folgende fest: Durch eine Falltür und über sechs

Stufen gelangt man auf die Stollnsohle, der Stolln verläuft südlich

unter der Villa und konnte auf etwa sechzehn Meter Länge befahren

werden. Wasser hinderte das weitere Vordringen. Im Kontraktbuche vom

Jahre 1767, Fol. 111 des Dresdner Hospitalamtes St. Materni[6] findet

sich der Kaufkontrakt zwischen dem Reichsgrafen v. Cosel, dem Sohne

der Gräfin und Augusts des Starken, mit dem Hufener Andreas Rühle zu

Coschütz, betreffend das Feld zur Anlegung eines Bergwerkes nebst

Haldensturz und zum Bau eines Huthauses. Damit stimmt überein, daß sich

etwa sieben Meter vom jetzigen Stollneingange entfernt ein Portal mit

der durch anschließendes Tonnengewölbe zum Teil verdeckten Inschrift

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVI, Heft 3–6 · 第 24 / 99 题