Abb. 16. =Geologisches Profil längs des Plauenschen Grundes=]

An diesem Gebirge begannen sofort die zerstörenden Kräfte der Natur

ihre Tätigkeit, und im Laufe des Oberkarbons und des Rotliegenden

erfolgte die völlige Abtragung und Einebnung, so daß von der neuen

Landoberfläche im allgemeinen die Schichtgesteine quer durchschnitten

wurden. Dabei wurden als letzte Nachklänge der Faltungstätigkeit flache

Mulden gebildet, von denen eine das Döhlener Becken ist. Der Bergbau

hat an etlichen Stellen unter dem Rotliegenden die Schichtenköpfe der

steil gestellten silurischen Schiefer angefahren. Die flachen Mulden

wurden, wie wir schon wissen, durch Gebirgsschutt und vulkanische

Massen ausgefüllt. Auch die üppigen Kryptogamenwälder hatten an der

Ausfüllung ihren sehr wichtigen Anteil, indem sie zur Bildung der

Steinkohlen den Stoff lieferten. Mit dem Ablauf der Rotliegendzeit war

die Muldenzuschüttung beendet. Damit ist überhaupt ein wesentlicher

Abschluß erzielt; das »Grundgebirge« ist fertig.

Es folgte für unsere engere Heimat eine sehr lange Zeit geologischer

Ruhe, während im übrigen Deutschland wiederholt flaches Meer und

küstennahes Festland miteinander wechselten. Die mäßigen Hebungen

und Senkungen, die zu diesem Wechsel führten, ließen in der Mitte der

Kreidezeit auch unsere Gegend unter dem Meere verschwinden, so daß

die Gesteine der oberen Kreide, Pläner und Sandstein, sich bilden

konnten. Nach dem Zurückweichen des Kreidemeeres, also gegen Ende

der Kreidezeit, bildeten die Kreidegesteine eine vollkommen ebene

Erdoberfläche, während alle Gesteine des Grundgebirges unter diesem

»Deckgebirge« versteckt waren. Mit dem Ende der Kreidezeit beginnt erst

die Gestaltung unserer Landschaft.

[Illustration: Abb. 17. =Eiszeitliche Ablagerungen in der Kiesgrube bei

Dölzschen=]

Aus der Tertiärzeit kennen wir im Gebiete des Plauenschen Grundes keine

Gesteinsbildungen. Erst als die große Inlandeisdecke von Norden bis in

unsere Gegend kam, wurden verschiedene Gesteinsabsätze gebildet, die

uns noch heute erhalten sind. Ein schönes Beispiel für eiszeitliche

Ablagerungen bietet uns die große Kiesgrube auf der Höhe westlich von

Dölzschen. Sie zeigt uns im unteren Teile fast wagerecht geschichtete

Flußsande, in denen erzgebirgische Gesteine und solche aus dem Norden

mit dem Pläner aus nächster Nähe vermischt sind. Die Absätze stammen

also aus jener Zeit, als das fließende Wasser eben erst die Kreidedecke

durchschnitten hatte und noch in dieser Höhe floß. Im oberen Teile

der Grube sehen wir Kiesmassen, die in steiler Schichtung offenbar

von Norden über die senkrechte Sandsteinwand des von West nach Ost

verlaufenden Flußtals hereingeschüttet worden sind (Abb. 17). Die

Wassermassen, die den Sand hereingetragen haben, sind von Norden

gekommen und können nur Schmelzwässer des herannahenden Eises gewesen

sein. Über den Kiesen lagert, deren Schichtung abschneidend, ein

dicht gepacktes, aber ungeschichtetes Haufwerk, das in der Hauptsache

eckige Plänerstücke neben nordischen Fremdlingen aufweist. Es ist

die Grundmoräne des Eises, das wenige Meter zuvor beim Herabgleiten

in das Tal der »Urweißeritz« die Pläner- und Sandsteindecke

abgeschürft hatte. Umfang und Tiefe der Grube geben in gleicher Weise

zu erkennen, daß die Sande in großen Mengen gewonnen werden; man

verwendet sie zum Straßenbau und zur Mörtelbereitung. Ähnliche Sand-

und Schotterablagerungen, allerdings bei weitem nicht in derselben

Mächtigkeit, treffen wir auch gegenüber auf dem Rücken des Collmberges

und in der Nähe der Heidenschanze an.

Viel weitere Verbreitung haben lehmige Absätze, die wir auf einer

tieferen Stufe finden. Zauckerode, Döhlen, der Carolaschacht und

der obere Teil von Hainsberg auf dem linken Ufer der Weißeritz und

Coßmannsdorf, Niederhäslich und Burgk auf der rechten Seite stehen

auf dieser Lehmdecke. Eine noch mächtigere Schicht des gleichen Lehms

liegt zu beiden Seiten der Weißeritz nach dem Elbtale zu über dem

Pläner. Die Fluren von Dölzschen, Naußlitz und Löbtau einerseits und

von Coschütz und Plauen anderseits, sind durch diese Lehmbedeckung

ausgezeichnet. Völlig steinfreies, allerfeinstes Gesteinsmaterial setzt

den Lehm zusammen, in dem sich stellenweise, aber ohne Zusammenhang

eine Andeutung von Schichtung zeigt. Wir haben es teils mit Staubmassen

zu tun, die der Wind herangeweht hat, teils mit Feinerde, die vom

rieselnden Regenwasser umgelagert und hier angeschwemmt worden ist.

Für eine ganze Reihe von Ziegeleien hat der Lehm als wertvoller

Rohstoff gedient, für die Ansiedelungen bedeutet er die Grundlage des

Ackerbaues. Die Zugehörigkeit dieser Ablagerung zur Eiszeit geht aus

Pflanzen- und Tierfunden hervor, die vor unserem Auge das Bild einer

baumlosen nordischen Tundra mit Riedgräsern und Moosen auftauchen

lassen, einer Eissteppe, die im Sommer als Kleintiere Landschnecken

und Käfer trug und auf der Mammut, Pferd, Rhinozeros und Renntier sich

tummelten. (Vgl. S. 127.)

Zum Schluß seien noch die jüngsten Flußanschwemmungen der Weißeritz

und ihrer Zuflüsse erwähnt, Aulehm und Schottermassen, mit denen

Unebenheiten im Talboden ausgeglichen werden. Freilich können wir diese

Arbeit des Flusses nur an Hochwassertagen beobachten, während sonst

der Mensch dem fließenden Wasser durch den Bau von Ufermauern die ihm

zukommende geologische Betätigung verwehrt hat.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVI, Heft 3–6 · 第 23 / 99 题