An diesem Gebirge begannen sofort die zerstörenden Kräfte der Natur
ihre Tätigkeit, und im Laufe des Oberkarbons und des Rotliegenden
erfolgte die völlige Abtragung und Einebnung, so daß von der neuen
Landoberfläche im allgemeinen die Schichtgesteine quer durchschnitten
wurden. Dabei wurden als letzte Nachklänge der Faltungstätigkeit flache
Mulden gebildet, von denen eine das Döhlener Becken ist. Der Bergbau
hat an etlichen Stellen unter dem Rotliegenden die Schichtenköpfe der
steil gestellten silurischen Schiefer angefahren. Die flachen Mulden
wurden, wie wir schon wissen, durch Gebirgsschutt und vulkanische
Massen ausgefüllt. Auch die üppigen Kryptogamenwälder hatten an der
Ausfüllung ihren sehr wichtigen Anteil, indem sie zur Bildung der
Steinkohlen den Stoff lieferten. Mit dem Ablauf der Rotliegendzeit war
die Muldenzuschüttung beendet. Damit ist überhaupt ein wesentlicher
Abschluß erzielt; das »Grundgebirge« ist fertig.
Es folgte für unsere engere Heimat eine sehr lange Zeit geologischer
Ruhe, während im übrigen Deutschland wiederholt flaches Meer und
küstennahes Festland miteinander wechselten. Die mäßigen Hebungen
und Senkungen, die zu diesem Wechsel führten, ließen in der Mitte der
Kreidezeit auch unsere Gegend unter dem Meere verschwinden, so daß
die Gesteine der oberen Kreide, Pläner und Sandstein, sich bilden
konnten. Nach dem Zurückweichen des Kreidemeeres, also gegen Ende
der Kreidezeit, bildeten die Kreidegesteine eine vollkommen ebene
Erdoberfläche, während alle Gesteine des Grundgebirges unter diesem
»Deckgebirge« versteckt waren. Mit dem Ende der Kreidezeit beginnt erst
die Gestaltung unserer Landschaft.
[Illustration: Abb. 17. =Eiszeitliche Ablagerungen in der Kiesgrube bei
Dölzschen=]
Aus der Tertiärzeit kennen wir im Gebiete des Plauenschen Grundes keine
Gesteinsbildungen. Erst als die große Inlandeisdecke von Norden bis in
unsere Gegend kam, wurden verschiedene Gesteinsabsätze gebildet, die
uns noch heute erhalten sind. Ein schönes Beispiel für eiszeitliche
Ablagerungen bietet uns die große Kiesgrube auf der Höhe westlich von
Dölzschen. Sie zeigt uns im unteren Teile fast wagerecht geschichtete
Flußsande, in denen erzgebirgische Gesteine und solche aus dem Norden
mit dem Pläner aus nächster Nähe vermischt sind. Die Absätze stammen
also aus jener Zeit, als das fließende Wasser eben erst die Kreidedecke
durchschnitten hatte und noch in dieser Höhe floß. Im oberen Teile
der Grube sehen wir Kiesmassen, die in steiler Schichtung offenbar
von Norden über die senkrechte Sandsteinwand des von West nach Ost
verlaufenden Flußtals hereingeschüttet worden sind (Abb. 17). Die
Wassermassen, die den Sand hereingetragen haben, sind von Norden
gekommen und können nur Schmelzwässer des herannahenden Eises gewesen
sein. Über den Kiesen lagert, deren Schichtung abschneidend, ein
dicht gepacktes, aber ungeschichtetes Haufwerk, das in der Hauptsache
eckige Plänerstücke neben nordischen Fremdlingen aufweist. Es ist
die Grundmoräne des Eises, das wenige Meter zuvor beim Herabgleiten
in das Tal der »Urweißeritz« die Pläner- und Sandsteindecke
abgeschürft hatte. Umfang und Tiefe der Grube geben in gleicher Weise
zu erkennen, daß die Sande in großen Mengen gewonnen werden; man
verwendet sie zum Straßenbau und zur Mörtelbereitung. Ähnliche Sand-
und Schotterablagerungen, allerdings bei weitem nicht in derselben
Mächtigkeit, treffen wir auch gegenüber auf dem Rücken des Collmberges
und in der Nähe der Heidenschanze an.
Viel weitere Verbreitung haben lehmige Absätze, die wir auf einer
tieferen Stufe finden. Zauckerode, Döhlen, der Carolaschacht und
der obere Teil von Hainsberg auf dem linken Ufer der Weißeritz und
Coßmannsdorf, Niederhäslich und Burgk auf der rechten Seite stehen
auf dieser Lehmdecke. Eine noch mächtigere Schicht des gleichen Lehms
liegt zu beiden Seiten der Weißeritz nach dem Elbtale zu über dem
Pläner. Die Fluren von Dölzschen, Naußlitz und Löbtau einerseits und
von Coschütz und Plauen anderseits, sind durch diese Lehmbedeckung
ausgezeichnet. Völlig steinfreies, allerfeinstes Gesteinsmaterial setzt
den Lehm zusammen, in dem sich stellenweise, aber ohne Zusammenhang
eine Andeutung von Schichtung zeigt. Wir haben es teils mit Staubmassen
zu tun, die der Wind herangeweht hat, teils mit Feinerde, die vom
rieselnden Regenwasser umgelagert und hier angeschwemmt worden ist.
Für eine ganze Reihe von Ziegeleien hat der Lehm als wertvoller
Rohstoff gedient, für die Ansiedelungen bedeutet er die Grundlage des
Ackerbaues. Die Zugehörigkeit dieser Ablagerung zur Eiszeit geht aus
Pflanzen- und Tierfunden hervor, die vor unserem Auge das Bild einer
baumlosen nordischen Tundra mit Riedgräsern und Moosen auftauchen
lassen, einer Eissteppe, die im Sommer als Kleintiere Landschnecken
und Käfer trug und auf der Mammut, Pferd, Rhinozeros und Renntier sich
tummelten. (Vgl. S. 127.)
Zum Schluß seien noch die jüngsten Flußanschwemmungen der Weißeritz
und ihrer Zuflüsse erwähnt, Aulehm und Schottermassen, mit denen
Unebenheiten im Talboden ausgeglichen werden. Freilich können wir diese
Arbeit des Flusses nur an Hochwassertagen beobachten, während sonst
der Mensch dem fließenden Wasser durch den Bau von Ufermauern die ihm
zukommende geologische Betätigung verwehrt hat.