3. Der Syenit.

Nun wollen wir wieder zum Ratssteinbruch hinuntersteigen, diesmal

mit der Absicht, den Syenit näher zu betrachten. Wir werden uns auch

nicht mit den Beobachtungen im Ratssteinbruch zufrieden geben, sondern

der Weißeritz entgegenwandern bis zur König-Friedrich-August-Hütte,

wobei wir in mehreren großen Steinbrüchen (Abb. 7) Gelegenheit haben,

den Syenit kennenzulernen. Das Gestein zeigt keinerlei Schichtung,

wohl aber eine ziemlich starke, unregelmäßige Zerklüftung. An jeder

Bruchfläche erkennen wir leicht, daß der Syenit aus zweierlei

Mineralien zusammengesetzt ist, einem hellrötlichen und einem

schwarzen. Beide bilden Kristallkörner von ungefähr gleicher Größe und

sind durch ebene, spiegelnde Spaltflächen ausgezeichnet. Das schwarze

Mineral ist Hornblende, das hellrötliche Kalifeldspat = Orthoklas.

Die Hornblende hat ihre eigene Kristallform, die Feldspatkörner

stoßen daran ab, umschließen bisweilen sogar eine kleine Hornblende,

gegenseitig begrenzen sie sich in zufälligen, unregelmäßigen Flächen.

Vereinzelt kann man auch mitten im Gestein Titanitkristalle sehen,

die eine dunkelrotbraune Farbe besitzen und durch ihren starken Glanz

auffallen. Immer sind es nach allen Seiten modellscharf ausgebildete

Kristalle, die in bezug auf Größe nie die Feldspatkörner erreichen.

Wir schließen aus dem Gesteinsgefüge, daß der Syenit ein erstarrter

Schmelzfluß ist, aus dem die Titanitkristalle zuerst, die

Hornblendekristalle später und die Feldspatkristalle zuletzt sich

ausgeschieden haben. Das Auskristallisieren muß aber außerordentlich

langsam vor sich gegangen sein, sonst hätten sich nicht so große

Einzelkristalle aus der gleichartigen Schmelzmischung heraus entwickeln

können. Die langsame Erstarrung ist aber nur möglich bei langsamer

Abkühlung, die ihrerseits nur denkbar ist, wenn die Syenitschmelze

nicht an der Erdoberfläche gelegen, sondern, wie der Topf in einer

Kochkiste, tief in der Erdrinde gesteckt hat. Der Syenit ist ein

_Erstarrungsgestein_ und zwar ein _Tiefengestein_. Wenn wir sehen, daß

der Syenit jetzt einen Teil der Erdoberfläche darstellt, so läßt sich

das nur dadurch erklären, daß die Gesteinsmassen, in denen und unter

denen der Syenit fest geworden war, nach der Erstarrung beseitigt

worden sind. Wäre diese Abtragung nicht erfolgt, so hätten wir von der

Existenz des Syenits auch keine Kenntnis. Wollten wir aber glauben, der

Pläner sei das Hüllgestein gewesen, unter dem der Syenit entstanden

ist, so wäre unsere Meinung falsch. Der Syenit ist älter und war schon

einmal bloßgelegt, bevor er im Cenoman vom Pläner zugedeckt wurde. Wo

der Syenit mit den ursprünglichen Hüllgesteinen zusammenstößt, können

wir im Bereich des Plauenschen Grundes gar nicht unmittelbar beobachten.

[Illustration: Abb. 7. =Große Syenitbrüche im Plauenschen Grunde=]

Wenn wir uns aber nach dem neunten Lichtloch des tiefen Elbstollns

begeben – es befindet sich westlich vom Burgwartsberg in dem Tälchen,

das von Pesterwitz nach Potschappel hinunterführt, und verrät sich

durch eine Halde –, dann finden wir graue und violette Schiefer mit

schwarzen Flecken und Knötchen, die beim Bau des Elbstollns aus der

Tiefe herausgeholt worden sind. Diese Schiefer sind silurischen

Alters, aber ihr seidenartiger Glanz und die dunklen Knötchen

passen nicht zu ihrer ursprünglichen Beschaffenheit, sondern sind

Umwandlungserscheinungen, hervorgerufen durch die Hitze des Syenits und

durch die von ihm ausgehauchten Gase und Dämpfe. Diese Schiefer haben

einst das Dach gebildet, unter dem der Syenit erstarrt ist. Der tiefe

Elbstolln hat die Grenze zwischen Syenit und Schiefer durchfahren.

Der Syenit hat nicht immer dieselbe normale Gesteinsbeschaffenheit,

wie wir sie oben beschrieben haben. Es gibt auch hier und da im

gewöhnlichen Syenit verteilt, so häufig, daß sie kaum in einem

Steinbruch fehlen dürften, knollenförmige Ausscheidungen, die entweder

heller oder dunkler sind als der normale Syenit. In den dunklen Nestern

spielen Glimmer, Hornblende und Augit die Hauptrolle, während in den

hellen Knollen und Adern Kalifeldspat und Quarz die wesentlichen

Gemengteile sind. An selteneren Mineralien stellen sich z. B. Malakon,

Orthit, Turmalin, Apatit, Scheelit, Titaneisen ein. Chlorit und

Epidot, die ebenfalls vorkommen, gelten als Verwitterungsprodukte.

Von allgemeinerem Interesse sind verschiedene Kupfererze, die auch zu

wiederholten bergbaulichen Versuchen Veranlassung gegeben haben. (Vgl.

den Aufsatz über den Bergbau im Plauenschen Grunde.)

Der Syenit selbst gehört heute zu den wertvollen Bodenschätzen und wird

im Plauenschen Grund in einer ganzen Reihe großer Steinbrüche gewonnen

(Abb. 7). Diese Steinbruchindustrie ist bereits etwa hundert Jahre alt.

Zum kleinsten Teil nur werden die gebrochenen Steine zu Pflastersteinen

verarbeitet, wie auch die ganze Talstraße von Potschappel bis Plauen

keinen einzigen Syenitpflasterwürfel aufweist. Meist findet der

Syenit als Schotter für Straßen, Eisenbahnen und zur Herstellung von

Beton Verwendung. Die großen Steinbrüche sind heute ein wesentlicher

Charakterzug des Plauenschen Grundes.

[Illustration: Abb. 8. =Quetschzone im Syenit=]

In allen Syenitbrüchen beobachtet man eine starke Zerklüftung

des Gesteins. Für diese Erscheinung kann man zweierlei

Erklärung geben. Da jeder Körper beim Abkühlen sein Volumen

vermindert, können die feinen Spalten als eine Folge der

Schrumpfung während der Abkühlung nach der Erstarrung

angesprochen werden. Diese Deutung ist aber nicht in allen

Fällen stichhaltig. An vielen Stellen findet man das feste

Syenitgestein geradezu zermalmt und zerquetscht (Abb. 8),

während das unversehrte Nachbargestein bisweilen spiegelblanke

Flächen, sogenannte Harnische trägt, in die parallele Schrammen

und Riefen eingefurcht sind (Abb. 9). Wir erkennen da das

Wirken gewaltiger Kräfte geheimnisvollen Ursprungs, die

einzelne Schollen der Erde gegeneinander verschoben haben

und denen wir wohl einen Teil der Risse und Klüfte im Syenit

zuschreiben müssen.

Eine andere Erscheinung zeigen uns die Abbildungen 10 und 11,

Gesteinsgänge verschiedener Farbe. Das Gesteinsgefüge läßt

erkennen, daß wir auch hier erstarrte Schmelzflüsse vor uns

haben. Da sind also durch Gebirgsdruck und Schollenbewegung die

Klüfte zu klaffenden Spalten erweitert und von der Tiefe her

mit Schmelzmassen ausgefüllt worden. Bald ist das entstehende

Ganggestein dunkler, bald heller als der umgebende Syenit.

Andere Spalten sind dadurch wieder ausgeheilt und ausgefüllt

worden, daß Sickerwässer von oben her irgendwelche

Minerallösungen mitgebracht und in den Hohlräumen wieder

ausgeschieden haben. Derartige »Mineralgänge« sind vom

Mineraliensammler sehr geschätzt. Es seien nur die häufigeren

Mineralien erwähnt: Kalkspat, Aragonit, Laumontit, Schwerspat.

Da die Sickerwässer von oben aus dem kalkigen Pläner kommen,

ist das Vorwiegen kalkhaltiger Mineralien nicht verwunderlich.

Mit einem Hinweis auf die Verwitterung wollen wir die

Betrachtung des Syenits schließen. Während die staub-

und rauchgeschwärzten Felsen beim Felsenkeller den

Witterungseinflüssen gar nicht zugänglich zu sein scheinen,

beobachten wir beim Ausgang des Engtales nach Potschappel zu

in der Nähe der König-Friedrich-August-Hütte und an einigen

anderen Punkten eine besondere Art der Verwitterung (Abb. 12).

Frost und Sonnenbestrahlung, Regen und Wind, die Tätigkeit

der Pflanzenwurzeln und in hervorragendem Maße chemische

Vorgänge, die vor allem durch das Kohlenstoffdioxyd der Luft

bedingt sind, haben hier zu einem Zerfall des Gesteins in einen

sandigen Grus geführt, wobei einzelne abgerundete Felsgebilde

stehengeblieben sind. Es ist dies eine Verwitterung, wie man

sie sonst besonders beim Granit beobachtet und die man mit

dem Namen »Wollsackbildung« bezeichnen kann. Die losgelösten

Gesteinsbröckchen können natürlich leicht vom Winde, noch mehr

aber vom Wasser fortgeschafft werden. Da jedoch eine solche

Verwitterung nicht überall in gleicher Weise, immer aber nur

mit außerordentlicher Langsamkeit erfolgt, leistet der Syenit

gegen die Abtragung durch das fließende Wasser einen sehr

großen Widerstand. Wir erblicken darin die Ursache, daß die

Weißeritz zwischen Potschappel und Plauen ein zwar tiefes, aber

nur sehr enges und schmales Tal mit steilen, felsigen Wänden

hat eingraben können.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVI, Heft 3–6 · 第 17 / 99 题