1. Geologische Zeiteinteilung.

Gegenüber der neuen Haltestelle Dresden-Plauen fällt uns der große

Ratssteinbruch auf, der recht deutlich zwei verschiedene Gesteinsarten

erkennen läßt. Über rötlichbraunem, unregelmäßig zerklüftetem Gestein,

dem _Syenit_, zu dessen Gewinnung der Steinbruch angelegt ist, lagern

mit geringem, gleichmäßigem Gefälle nach dem Elbtale zu die ebenen

Platten eines hellgelblich grauen Schichtgesteins, das wir _Pläner_

nennen. (Abb. 2.)

An der Grenze beider Gesteine finden wir unmittelbar auf dem

festen Syenit runde und eckige Brocken von Syenit, die durch einen

grünlichgrauen Mörtel zusammengekittet sind. In dem Mörtel sind

Versteinerungen enthalten, und zwar stellen wir glatte oder gerippte

Muschelschalen, schlanke oder keulige Stacheln von Seeigeln, stark

glänzende, braune oder schwarze Haifischzähne u. a. fest. Eine kurze

Beschreibung und gute Abbildungen bietet K. Wanderer in dem Büchlein

Tierversteinerungen aus der Kreide Sachsens, Verlag von Gustav Fischer,

Jena, 1909. Über den zusammengekitteten Brocken folgen die gleichmäßig

ebenen Schichten des Pläners, bald mehr sandig und körnig, bald völlig

dicht, kalk- und tonreich. Auch in diesen höheren Schichten kommen

Versteinerungen vor, wenn auch nicht mit der gleichen Häufigkeit.

[Illustration: Abb. 2. =Pläner auf Syenit im Ratssteinbruch=]

Meeresmuscheln, Seeigel, Haifische! Da muß hier unzweifelhaft einmal

Meer gewesen sein. Ablagerungen dieses Meeres sind alle die Gesteine,

in denen wir jetzt die Versteinerungen finden, also zu unterst der

graue Mörtel, der die Syenitgerölle zusammenhält, und darüber der

ebenschichtige Pläner. Die vorzügliche Abrundung der Gerölle könnte die

Vermutung aufkommen lassen, daß ein Fluß von fern her die Blöcke in das

Meer gewälzt habe. Es sind aber keine Fremdlinge, es ist bodenständiges

Material, dasselbe Gestein, das auch an Ort und Stelle den Untergrund

bildet. Darum kann nur die Brandung des Meeres die Syenitstücke bewegt

und abgerundet haben. Der Syenit muß einst das Festland gebildet haben,

über das dann das Meer hereinbrach. Der Pläner über der Geröllschicht

lehrt uns, daß der Strand nicht an derselben Stelle blieb, sondern

allmählich weiter schritt, so daß unser Beobachtungspunkt, an dem

zuerst die Brandung getobt hatte, zum tiefen, von der Küste weiter

entfernten Meeresboden wurde, auf den sich Feinsand und Tonschlamm,

vermischt mit den kalkigen Schalenresten sterbender Meerestiere,

schichtweise niedersetzten.

[Illustration:

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVI, Heft 3–6 · 第 14 / 99 题