Der Reisende, der von Chemnitz nach Dresden fährt, genießt einen weiten
Blick über die sanft gewellte Landschaft des östlichen Erzgebirges,
gleichviel, ob er zur Linken oder zur Rechten hinausschaut. Sobald
jedoch der Zug den Bahnhof Klingenberg-Colmnitz durchfahren hat,
kündet eine Tafel ein Gefälle 1 : 40 an, und bald läßt auch das starke
Rauschen und Rucken der Bremsen uns ahnen, wie sehr es bergab geht. Das
Tal des Seerenbaches nimmt uns auf und führt uns hinunter an die Wilde
Weißeritz. Links und rechts ist der Ausblick durch die bewaldeten Wände
des Tales gehemmt, die während der Fahrt durch Edle Krone und Tharandt
immer höher und steiler zu beiden Seiten emporsteigen.
Zwischen Tharandt und Hainsberg aber eröffnet sich mit einem Male eine
neue Welt. Das Tal wird weit (Abb. 1), seine Hänge (zunächst nur zur
Rechten) werden sanfter. Für reiche Besiedelung ist Platz. Hier beginnt
der _Plauensche Grund_ im _weiteren Sinne_. Unsere Begleiterin, die
Wilde Weißeritz, vereinigt sich bald, bei Hainsberg, mit ihrer roten
Schwester. Die Eisenbahn trägt uns im Plauenschen Grunde weiter durch
das dicht besiedelte Gebiet von Freital. Dann nimmt uns noch einmal ein
tiefes, enges, mehrfach gewundenes Tal mit schroffen Felswänden auf,
der _Plauensche Grund im engeren Sinne_ (Abb. Seite 209). Er reicht von
der Friedrich-August-Hütte in Potschappel bis zur neuen Haltestelle
Dresden-Plauen, wo wir endgültig das Weißeritztal verlassen und in die
Weitung des Elbtales eintreten.
[Illustration: Abb. 1. =Eintritt der Wilden Weißeritz ins Rotliegende
bei Hainsberg=]
Dem Plauenschen Grund im weiteren Sinne, also dem Weißeritztale von
seiner Erweiterung zwischen Tharandt und Hainsberg bis zum Austritt ins
Elbtal, sind die Betrachtungen des vorliegenden Heftes gewidmet.