Es ist schon erwähnt worden, daß der Weg der Erde und der Sonne von
einer Seite der Milchstraße zur andern geht. Gegenwärtig geht die
Richtung nicht ganz gerade jenem Teil der Milchstraße entgegen, der über
uns liegt. Aber auch diese Richtung kann sich noch hinreichend ändern,
um uns statt in den Nebel des Herkules, direkt in die Milchstraße
hineinzuführen. Ja, wir könnten möglicherweise mitten durch sie hindurch
gehen. In diesem scheinbaren Sternenwall gibt es nämlich breite
Oeffnungen, durch die wir in die Unendlichkeit des Weltenraumes
scheinbar hineinsehen können, in diese dunkle Nacht, die die sichtbaren
Sternensysteme umgibt, und in diese dunkle Nacht hinein könnten wir in
unserem Fluge entführt werden, wenn unser Sonnensystem durch eine dieser
Oeffnungen hindurch kann. An einigen Stellen ist die Milchstraße
förmlich mit solchen Oeffnungen durchsetzt, wie ein mit Sternen besäter
Vorhang, durch den man mit einem Maschinengewehr geschossen hat.
Photographien dieser Oeffnungen zeigen uns die Sterne in funkelnder
Menge, rund um sie her glimmernd und glitzernd, während durch die
Oeffnung hindurch nicht ein einziger Stern zu sehen ist. Und der Blick
geht durch sie hindurch, wie durch ein Fenster, durch welches nicht der
geringste Lichtfleck hineinfällt. Es ist, als blicke man aus einem
hellen Raum durch eine offene Tür in die vollkommen schwarze, dunkle,
sternen- und mondlose Nacht. Es ist der furchtbare, bodenlose Abgrund
des Nichts, der unser Sternensystem umgibt, und in diesen Abgrund
hinein, würden wir stürzen. Gesetzt den Fall, daß unser Sonnensystem
wirklich durch einen dieser mächtigen Zwischenräume zwischen den Sternen
der Milchstraße hindurchgeht, so könnten die Folgen dieses Ereignisses
zweierlei sein. Wenn wirklich dieser kosmische Abgrund endlos und
bodenlos ist, und wirklich jenseits nichts anderes liegt, als das Nichts
selber, dann könnte möglicherweise die vereinte Anziehungskraft der
ganzen Gesamtheit der Sterne genügen, um uns zurückzuhalten und
zurückzubringen, so daß wir wieder mit unserer Sonne ein Teil jenes
Systems würden, das wir zu verlassen versucht hatten. Wenn aber, wie von
den meisten wohl angenommen wird, jenseits der großen Leere und des
großen Nichts andere, für uns der großen Entfernung wegen unsichtbare
Weltenalls liegen, dann würden wir zweifellos die Anziehungskraft jener
Welten fühlen und ihnen Folge leisten müssen, und dann würde jene Welt
die unsere werden.
Wenn die Materie unzerstörbar und unvergänglich ist, und wenn die Zeit
ohne Grenzen ist, dann kann dies alles geschehen. Die neuesten
Forschungen über die Struktur der Atome hat die Erwägung wachgerufen, ob
nicht auch das gesamte All nichts anderes ist, als ein Riesenatom, von
welchem die Sonne und alle Planeten nichts anderes, als ganz kleine
Teilchen sind und gerade so, wie die Atome des Radiums ihre Teilchen
abstoßen, so müssen auch die Sterne, die das Weltall bilden, diesem
entfliehen, wenn ihre Bewegung schnell genug dazu geworden ist, um
andere Weltenalls aufzusuchen und sich mit ihnen zu anderen Weltkörpern
zu verbinden. In all dem ist nichts Merkwürdiges, nichts, was wir nicht
in unserem Mikrokosmos des Lebens analog finden könnten. Die Atome, die
unseren Körper bilden, gehen ja auch Millionen von Veränderungen ein.
Jetzt sind sie ein Teil unseres Ichs, dann ein Teil eines Pflänzchens
oder eines Baumes; dann vielleicht Atome irgend eines Felsengesteines.
Wind und Wasser anvertraut, können sie von Hemisphäre zu Hemisphäre
vertragen werden und können rund um die Erde ziehen und in tausend
Urformen und anderen Formen erscheinen; denn die Materie ist in ihrer
Wesenheit ewig und unzerstörbar, wenn auch ihre Gestalt eine viel
tausendfach veränderliche ist. Ganz auf dieselbe Weise können die das
Weltall bildenden Sterne nicht nur ihren Platz, sondern auch ihre Form,
ihre Gestalt und ihre Wesenheit ändern und aus den Splittern und
Trümmern einer Welt kann eine oder können mehrere andere entstehen. Und
das könnte auch eine Erklärung für die Bedeutung jenes mysteriösen
Fluges sein, auf dem sich unser System gegenwärtig befindet. Die
Entdeckung dieser Bewegung wäre dann nur der Anfang ihrer Erkenntnis.