5. Wenn die Erde stehen bleibt.

Im Alten Testament finden wir die Ueberlieferung des Josua, der der

Sonne befahl, stehen zu bleiben, und sie stand still.

Die moderne Wissenschaft sagt natürlich, daß das nur figürlich gemeint

sein kann, denn die Sonne könnte nicht stehen bleiben, ohne durch diesen

Stillstand im Augenblicke zerstört zu werden und aufzuhören zu

existieren. Dasselbe gilt auch von der Erde, wenn die Erde plötzlich in

irgend einer ihrer Bewegungen gehemmt wird. Wenn sie in der Drehung um

ihre eigene Achse oder in der Bewegung rund um die Sonne oder in ihrem

Fluge durch den Weltenraum mit dem Sonnensystem zusammen gehemmt wird,

würden die Folgen gleich katastrophaler Natur sein. Würde sie in ihrer

Achse zum Stillstand gebracht werden, dann würde die Erde entweder in

Stücke fliegen oder schmelzen wie ein Geschoß, das plötzlich durch eine

Panzerplatte in seinem Fluge aufgehalten wird.

In ihrer Bewegung rund um die Sonne aufgehalten, würden die Folgen

dieselben sein, nur noch gewaltiger, krasser, weil ja die Bewegung eine

schnellere ist. In ihrer Achsenbewegung bewegt sich die Oberfläche der

Erde am Aequator 17 Meilen in der Sekunde; in ihrer Bewegung rund um die

Sonne ist die Geschwindigkeit der ganzen Erde mehr als 17 Meilen in der

Sekunde. Der Flug durch den Raum geht nicht ganz so schnell vor sich, da

die Geschwindigkeit, wie schon wiederholt gesagt, zwölf oder höchstens

fünfzehn Meilen in der Sekunde beträgt.

Nehmen wir an, daß die Erde plötzlich um ihre Achse still stehen würde,

dann würde ein so furchtbarer Wind sich erheben, wie er bisher auf Erden

noch nie gewesen war. Ganze Wälder würden entwurzelt werden und über die

Berge hin fliegen, selbst das Gras auf den Wiesen und die Halme auf den

Feldern würden ausgerissen und in die Luft entführt werden. Jede Stadt

würde in sich zusammenstürzen, als wären es Kartenhäuser, und ein Schlag

würde die ganze Erde durchzittern, so gewaltig, wie Millionen von

Erdbeben zu einem einzigen vereint. Die Hitze aber, die sich durch den

plötzlichen Stillstand entwickeln würde, müßte hinreichen, um den Ozean

zum Sieden zu bringen und alles Leben auf dieser Erde zu vernichten.

Nimmt man aber andererseits an, daß die Bewegungen durch den Raum

plötzlich aufhören würden, dann würden die Folgen noch einschneidender

sein. In diesem Falle würde die durch den Stillstand entwickelte Hitze

so kolossal sein, daß die Erde nicht nur im Augenblick schmelzen,

sondern direkt in einen gasförmigen Nebel verwandelt würde, in runden

Ziffern ausgedrückt 300000000000000000000 Kalorien betragen. Eine

Kalorie ist aber, wie man weiß, die Hitzemenge, die nötig ist, um die

Temperatur von einem Kilogramm Wasser um ein Grad Celsius zu erhöhen.

Die eben erwähnte Hitzemenge, auf die ganze Erde verteilt, würde also in

jedem Teil der Erde eine Temperatur von hundert Millionen Grad Celsius

entwickeln; aber noch ehe die Hitze diesen Grad erreicht haben würde,

wäre alles, was wir heute Erde nennen, in Dunst, Nebel und Dampf

aufgegangen. Das sind einige der Folgen und Möglichkeiten, die in der

Bewegung der Erde und der anderen Weltkörper liegen, von denen sie

umgeben ist. Die zuletzt entdeckte Bewegung durch den Weltenraum ist nur

deshalb so wunderbar, weil sie so groß angelegt ist, daß unser Denken

ihr kaum zu folgen vermag. Auf ihr aber beruht, wie gesagt, die Existenz

unserer Erde und die unserer Sonne und der anderen Planeten; denn so wie

bei uns auf Erden, so ist auch im Weltenraum die Bewegung alles. In dem

Atom, das wir die Welt nennen, sowohl, wie in dem millionenfach

kleineren Atömchen, das wir Mensch nennen, ist die Bewegung allein die

Grundbedingung des Lebens, jenes Lebens, das unendlich ist, weil es

fortwährend von einer Form in die andere übergeht.

Inhalts-Verzeichnis.

Seite

Vorwort 3

Hudson Maxim, Das 1000 jährige Reich der Maschinen 5

Robert Sloss, Das drahtlose Jahrhundert 27

Professor Cesare Lombroso, Verbrechen und Wahnsinn im XXI. 51

Jahrhundert

Rudolf Martin, Der Krieg in 100 Jahren 63

Bertha von Suttner, Der Frieden in 100 Jahren 79

Frederick Walworth Brown, Die Schlacht von Lowestoft 91

Karl Peters, Die Kolonien in 100 Jahren 105

Ellen Key, Die Frau in 100 Jahren 117

Dora Dyx, Die Frau und die Liebe 125

Baronin von Hutten, Die Mutter von Einst 137

Alexander von Gleichen-Rußwurm, Gedanken über die 151

Geselligkeit

Jehan van der Straaten, Unterricht und Erziehung in 100 161

Jahren

Björn Björnson, Die Religion in 100 Jahren 173

Ed. Bernstein, Das soziale Leben in 100 Jahren. Was können 179

wir von der Zukunft des sozialen Lebens wissen?

Hermann Bahr, Die Literatur in 100 Jahren 203

Dr. Max Burckhard. Das Theater in 100 Jahren. 211

Dr. Wilhelm Kienzl, Die Musik in 100 Jahren. Eine 227

überflüssige Betrachtung

Dr. Everard Hustler, Das Jahrhundert des Radiums 245

Professor C. Lustig, Die Medizin in 100 Jahren 269

Cesare del Lotto, Die Kunst in 100 Jahren 275

Charles Dona Edward, Der Sport in 100 Jahren 283

Frl. Professor E. Renaudot, Die Welt und der Komet 289

Professor Garrett P. Serviss, Der Weltuntergang 299

Die Welt in hundert Jahren · 第 11 / 12 题