Im Alten Testament finden wir die Ueberlieferung des Josua, der der
Sonne befahl, stehen zu bleiben, und sie stand still.
Die moderne Wissenschaft sagt natürlich, daß das nur figürlich gemeint
sein kann, denn die Sonne könnte nicht stehen bleiben, ohne durch diesen
Stillstand im Augenblicke zerstört zu werden und aufzuhören zu
existieren. Dasselbe gilt auch von der Erde, wenn die Erde plötzlich in
irgend einer ihrer Bewegungen gehemmt wird. Wenn sie in der Drehung um
ihre eigene Achse oder in der Bewegung rund um die Sonne oder in ihrem
Fluge durch den Weltenraum mit dem Sonnensystem zusammen gehemmt wird,
würden die Folgen gleich katastrophaler Natur sein. Würde sie in ihrer
Achse zum Stillstand gebracht werden, dann würde die Erde entweder in
Stücke fliegen oder schmelzen wie ein Geschoß, das plötzlich durch eine
Panzerplatte in seinem Fluge aufgehalten wird.
In ihrer Bewegung rund um die Sonne aufgehalten, würden die Folgen
dieselben sein, nur noch gewaltiger, krasser, weil ja die Bewegung eine
schnellere ist. In ihrer Achsenbewegung bewegt sich die Oberfläche der
Erde am Aequator 17 Meilen in der Sekunde; in ihrer Bewegung rund um die
Sonne ist die Geschwindigkeit der ganzen Erde mehr als 17 Meilen in der
Sekunde. Der Flug durch den Raum geht nicht ganz so schnell vor sich, da
die Geschwindigkeit, wie schon wiederholt gesagt, zwölf oder höchstens
fünfzehn Meilen in der Sekunde beträgt.
Nehmen wir an, daß die Erde plötzlich um ihre Achse still stehen würde,
dann würde ein so furchtbarer Wind sich erheben, wie er bisher auf Erden
noch nie gewesen war. Ganze Wälder würden entwurzelt werden und über die
Berge hin fliegen, selbst das Gras auf den Wiesen und die Halme auf den
Feldern würden ausgerissen und in die Luft entführt werden. Jede Stadt
würde in sich zusammenstürzen, als wären es Kartenhäuser, und ein Schlag
würde die ganze Erde durchzittern, so gewaltig, wie Millionen von
Erdbeben zu einem einzigen vereint. Die Hitze aber, die sich durch den
plötzlichen Stillstand entwickeln würde, müßte hinreichen, um den Ozean
zum Sieden zu bringen und alles Leben auf dieser Erde zu vernichten.
Nimmt man aber andererseits an, daß die Bewegungen durch den Raum
plötzlich aufhören würden, dann würden die Folgen noch einschneidender
sein. In diesem Falle würde die durch den Stillstand entwickelte Hitze
so kolossal sein, daß die Erde nicht nur im Augenblick schmelzen,
sondern direkt in einen gasförmigen Nebel verwandelt würde, in runden
Ziffern ausgedrückt 300000000000000000000 Kalorien betragen. Eine
Kalorie ist aber, wie man weiß, die Hitzemenge, die nötig ist, um die
Temperatur von einem Kilogramm Wasser um ein Grad Celsius zu erhöhen.
Die eben erwähnte Hitzemenge, auf die ganze Erde verteilt, würde also in
jedem Teil der Erde eine Temperatur von hundert Millionen Grad Celsius
entwickeln; aber noch ehe die Hitze diesen Grad erreicht haben würde,
wäre alles, was wir heute Erde nennen, in Dunst, Nebel und Dampf
aufgegangen. Das sind einige der Folgen und Möglichkeiten, die in der
Bewegung der Erde und der anderen Weltkörper liegen, von denen sie
umgeben ist. Die zuletzt entdeckte Bewegung durch den Weltenraum ist nur
deshalb so wunderbar, weil sie so groß angelegt ist, daß unser Denken
ihr kaum zu folgen vermag. Auf ihr aber beruht, wie gesagt, die Existenz
unserer Erde und die unserer Sonne und der anderen Planeten; denn so wie
bei uns auf Erden, so ist auch im Weltenraum die Bewegung alles. In dem
Atom, das wir die Welt nennen, sowohl, wie in dem millionenfach
kleineren Atömchen, das wir Mensch nennen, ist die Bewegung allein die
Grundbedingung des Lebens, jenes Lebens, das unendlich ist, weil es
fortwährend von einer Form in die andere übergeht.
Inhalts-Verzeichnis.
Seite
Vorwort 3
Hudson Maxim, Das 1000 jährige Reich der Maschinen 5
Robert Sloss, Das drahtlose Jahrhundert 27
Professor Cesare Lombroso, Verbrechen und Wahnsinn im XXI. 51
Jahrhundert
Rudolf Martin, Der Krieg in 100 Jahren 63
Bertha von Suttner, Der Frieden in 100 Jahren 79
Frederick Walworth Brown, Die Schlacht von Lowestoft 91
Karl Peters, Die Kolonien in 100 Jahren 105
Ellen Key, Die Frau in 100 Jahren 117
Dora Dyx, Die Frau und die Liebe 125
Baronin von Hutten, Die Mutter von Einst 137
Alexander von Gleichen-Rußwurm, Gedanken über die 151
Geselligkeit
Jehan van der Straaten, Unterricht und Erziehung in 100 161
Jahren
Björn Björnson, Die Religion in 100 Jahren 173
Ed. Bernstein, Das soziale Leben in 100 Jahren. Was können 179
wir von der Zukunft des sozialen Lebens wissen?
Hermann Bahr, Die Literatur in 100 Jahren 203
Dr. Max Burckhard. Das Theater in 100 Jahren. 211
Dr. Wilhelm Kienzl, Die Musik in 100 Jahren. Eine 227
überflüssige Betrachtung
Dr. Everard Hustler, Das Jahrhundert des Radiums 245
Professor C. Lustig, Die Medizin in 100 Jahren 269
Cesare del Lotto, Die Kunst in 100 Jahren 275
Charles Dona Edward, Der Sport in 100 Jahren 283
Frl. Professor E. Renaudot, Die Welt und der Komet 289
Professor Garrett P. Serviss, Der Weltuntergang 299