Zschirnstein

steigen will, wird gleich von +Reinhardsdorf+ die Wanderung antreten,

sei es, daß er von +Schandau+ mit Tagesanbruche abgereiset ist, oder

die Nacht im Dorfe zugebracht hat, um das herrliche Schauspiel der

aufgehenden Sonne auf dem Berge zu genießen. Man kann von hier fast bis

auf den Gipfel des Berges fahren, während von andern Seiten der Weg

steil und beschwerlich ist. In einer Stunde ist die Höhe erstiegen,

die nach neuen barometrischen Messungen 1761 Par. Fuß über dem Meere

liegt. Aus dem Schatten des Waldes tretend, der uns bis zum Gipfel

begleitet, überschauen wir das reiche Gemählde, das zu den herrlichsten

gehört, welche das Bergland uns darbietet, und selbst die Aussicht

vom +Winterberge+ an Umfang übertrifft, da hier unserm Blicke weit

weniger verdeckt wird. Vom fernen +Schneeberge+ breitet sich eine

Waldlandschaft bis zum Thal der Elbe aus, deren Lauf eine Sandsteinwand

bezeichnet, während der Spiegel des Stromes, dessen Windungen wir vom

Gipfel des +Winterberges+ verfolgen können, hier nur zuweilen aus dem

Dunkel des Waldes hervor blickt. Der +Schneeberg+ deckt uns nur einen

Theil Böhmens, aber eine unermeßliche Landschaft liegt vor uns, die

von +Lowositz+ bis zum +Riesengebirge+ sich ausbreitet, wovon wir in

blauer Ferne das +große Rad+, oder wie Andre glauben, die +Schneekoppe+

dämmern sehen. Aus dem böhmischen Mittelgebirge heben sich deutlich

der +Kletscher+ und die +Paszokopole+. Seitwärts vom +Rosenberge+

blickt der +Schloßberg+ bei dem böhmischen +Kemnitz+ mit den Trümmern

seiner Burg hervor, und der +Jeschkenberg+ aus dem Nebel der Ferne.

Ueber dem Buchenkranz des +Winterbergs+ ragen die +Zittauer+ Gebirge,

der +Hochwald+, der +Oderwitzer Spitzberg+, die +Landeskrone+ bei

+Görlitz+ und die +Tafelfichte+ hervor. Steigen wir auf das +Rabenbad+,

einen von der Bergkuppe sich erhebenden Felsen, so erweitert sich

die Aussicht, und von dem, in Norden aufsteigenden +Falkenberge+

zieht sich eine Bergferne über die Höhen um +Königsbrück+, +Meißen+,

+Kesselsdorf+, +Kreischa+ und über den +Kahlenberg+ und +Geiersberg+

bis zum +Schneeberge+, während die nähern Berge und Thäler von

+Stolpen+, +Hohnstein+, +Lohmen+, +Königstein+ und +Pirna+ sich zu dem

breiten, heitern Thale senken, worin unser Auge, hier und da von einem

glänzenden Bogen der Elbe geleitet, +Pillnitz+, +Dresden+ und die nach

+Meißen+ sich ziehenden Rebengebirge erblickt, und bei heiterm Himmel

selbst den +Colmberg+ bei Oschatz dämmern sieht.

Der +Zschirnstein+ ist aus Sandsteinblöcken zusammengesetzt. Am

Fuße des Berges, und noch häufiger auf der mitternächtlichen Seite

desselben, nach dem +kleinen Zschirnstein+ hinab, findet man häufig

säulenförmige Basaltgeschiebe. Ein Lager von Brauneisenstein, der

früher bergmännisch gewonnen wurde, unterbricht den Basaltzug. Auch der

letztgenannte Berg, den vom +großen Zschirnstein+ ein Thal trennt, ist

mit Basalttrümmern bedeckt.

Wer vom +Zschirnstein+ aus, die Wanderung zum +Schneeberge+ machen

will, läßt sich über +Kleingießhübel+, das am Fuße des Berges mitten

im Walde liegt, nach +Cunnersdorf+ bringen, wer aber nach +Schandau+

zurück kehren will, geht wieder nach +Reinhardsdorf+ und +Krippen+.

Haben wir den Morgen auf dem Berge genossen, so werden uns einige

Vormittagstunden übrig bleiben, unsre Wanderung zu verlängern. Es

winken uns in der Nähe drei mächtige, schroff ansteigende Felsen, der

+Hennersdorfer Stein+, der +Papststein+ und der +Gorischstein+. Wir

gehen von +Krippen+ über den +Hofeberg+ nach +Kleinhennersdorf+ und von

hier nach +Papstdorf+, dessen freundliche Kirche abgesondert vom Dorfe

und weithin sichtbar auf der Berghöhe liegt. Wir besteigen von hier den

+Papststein+ auf einem ziemlich steilen Pfade, um uns einer belohnenden

Aussicht zu erfreuen. Wir sehen über +Pillnitz+ nach +Dresden+. Die

Felsen von +Rathen+ erheben sich am jenseitigen Ufer, +Hohnstein+

blickt aus der Ferne hervor und im höhern Hintergrunde +Stolpen+ auf

seiner Basaltkuppe. Auf dem Wege vom +Papststein+ zum +Gorischstein+

verweilen wir unweit der Weinberge, wo sich uns eine herrliche Aussicht

auf die Felsenwelt von +Schandau+ öffnet, über welche die Gebirge

der Oberlausitz in dämmernder Ferne sich erheben. Der +Gorischstein+

ist schwer zu ersteigen. Am Abhange der östlichen Felsenwand stehen

mehre Felsen so gegen einander, daß sie eine hohe Pforte bilden,

wovon eine Wand auf einem natürlichen Pfeiler ruht. Man nennt sie den

+Brömmerstall+, weil die Hirsche zur Brunftzeit hier wechseln, und sich

einen Pfad rings um den Pfeiler gebahnt haben. Spuren von Steinkohlen

im Sandstein gaben um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zu einem

Versuchbau Anlaß. Es ist noch das Mundloch eines Stollns am Fuße des

Berges davon übrig. Durch den Sandstein streicht eine thonige Masse,

die der Walkererde nicht unähnlich gewesen sein soll, so wie man auch

eine der lemnischen Erde ähnliche Thonart gefunden haben will.

Wie gehen vom Fuße des Berges durch den +Rietschgrund+ an das Elbufer

zurück und folgen dem anmuthigen Pfade, der uns in kurzer Zeit zu der

Schandauer Fähre bringt.

Vergißmeinnicht Ein Taschenbuch für den Besuch der sächsischen Schweiz und der angränzenden Theile Böhmens · 第 32 / 44 题