IX. Reise nach dem Schneeberg und in den Bieler Grund.

Wir brauchen mit dem Rückwege nach +Schandau+ 10 Stunden zu dieser

Wanderung, und gehen auf dem nächsten Wege über +Klein-Hennersdorf+

nach +Cunnersdorf+, das in einem angenehmen Thale liegt. Die Straße

von Dresden und Königstein nach +Schneeberg+ und +Tetschen+ geht durch

das Dorf. Wir folgen dem Waldwege am Rande eines tiefen Grundes, in

welchem der +Fuchsbach+ hinab fließt, der durch +Cunnersdorf+ läuft und

am Fuße des +Quirls+ mit der +Biela+ sich vereinigt. Der +Katzstein+

und der +Rothstein+, beide leicht ersteiglich, ragen rechts am Wege

aus dem Walde hervor. Nach einer Stunde sind wir in +Rosenthal+, wenn

wir nicht, ehe wir in’s Dorf kommen, vom Waldwege links abweichend,

eine offene, von zwei Linden beschattete Höhe besteigen wollen, wo uns

eine weite und reizende Aussicht überrascht. In den umher liegenden

Sandsteinblöcken findet man viele schöne Versteinerungen.

Nach einem kurzen Wege über Felder und Wiesen, umfängt uns bald wieder

ein dunkler Wald, und nach einer Stunde erreichen wir das böhmische

Gränzdorf

Schneeberg,

das am Fuße des gleichnahmigen Berges liegt. Bei dem östreichischen

Zolleinnehmer hohlen wir die Erlaubniß, den Berg zu besteigen, und

in einer halben Stunde sind wir auf der Kuppe, die nach neuern

barometrischen Messungen 2240 Par. Fuß über das Meer sich erhebt.

Auf dem Standpunkte gegen Abend liegt das Gelände vor uns, das der

Gebirgkranz umfaßt, der sich vom +Falkenberg+ bis zum +Sattelberg+

ausdehnt, und unser Auge fliegt von diesem Gränzpunkte bis zum

+Kolmberge+ und zu den Gebirgen bei +Großenhain+, und von den Anhöhen

um +Meißen+ bis zu den +Annaberger+ Gebirgen und zum +Fichtelberg+.

Noch weiter ist die Aussicht in der Nähe des Telegraphen. Wir sehen vom

Erzgebirge bis zum Riesengebirge und über +Tetschen+ bis zum +weißen

Berge+ bei Prag, während im Mittelgrund das reizende Uferland der Elbe

sich ausbreitet.

Von dem +Schneeberge+, der den Mittelpunkt des Berglandes auf dem

linken oder südöstlichen Elbufer bildet, ziehen sich fast nach allen

Richtungen Gebirgstrahlen, von welchen der westwärts längs der Gränze

hinab laufende durch einen breiten Gebirgsattel bei +Höllendorf+ mit

dem Sattelberge, dem Endpunkte des Erzgebirges, verbunden wird. Es

kommt hier die seltene Erscheinung vor, daß sich von derselben Höhe die

Bäche nach Mitternacht, Morgen und Mittag in denselben Fluß ergießen.

Vergißmeinnicht Ein Taschenbuch für den Besuch der sächsischen Schweiz und der angränzenden Theile Böhmens · 第 33 / 44 题