I. Reise durch den tiefen Grund nach dem Brand, Hohnstein und Stolpen.

Wir gehen abwärts an der Elbe nach +Wendischfähre+, das seine

Entstehung und seinen Nahmen der Fähre verdankt, die hier vor Zeiten

angelegt wurde, um die Wallfahrten der oberlausitzischen Wenden zu

einem Wunderbilde in der Kirche zu +Papstdorf+ zu erleichtern. Am

+Lachsbach+ (s. oben S. 44.) hinauf wandernd, folgen wir eine Zeitlang

dem Wege, den wir auf der Reise von +Rathewalde+ nach +Schandau+

berührt haben, bis zur +Porschdorfer+ Mühle, oberhalb welcher ein

Lachsfang angelegt ist. Die Lachse, die aus der Elbe in die Bäche

hinauf gehen, stoßen hier auf ein hohes, mit spitzigen Hölzern

umzäuntes Wehr, von welchem sie, bei dem Versuche es zu überspringen,

zurück prallen, worauf sie dann an einer unbewaffneten Stelle in ein am

Wehr angebrachtes Behältniß gehen. Die jungen Lachskunzen bleiben drei

bis vier Jahre in den Bächen, und gehen dann die Elbe hinab. Von den,

in den Bächen zuweilen bis +Hohnstein+ und +Sebnitz+ hinaufsteigenden

Lachsen werden im Herbste mehre in den Mühlgraben bei +Hohnstein+

gesetzt, während des Laichens bewacht, und nachher mit Gabeln heraus

gestochen. Seit der Anlage des Lachsfangs bei Dessau sind jedoch die

Lachse in dem sächsischen Theile des Elbgebietes seltner geworden.

Nicht weit von dem Lachsfange öffnet sich rechts der grüne

+Ochelgrund+, aus welchem die +Sebnitz+ herab kommt, während wir links

einen Blick in das heitere Thal werfen, aus welchem die +Polenz+ hervor

strömt, um sich mit jenem Bache zu vereinigen. Nach einer kurzen

Wanderung stehen wie an dem Eingange eines Felsenthales, welches der

tiefe Grund

genannt wird, eines der schönsten Thäler des Gebirglandes, das seine

wilden Reize eben so herrlich entfaltet, wenn wir von +Hohnstein+

hinab, als von +Schandau+ hinauf wandern. Bald erhebt sich links von

der Fahrstraße der +Frynsberg+, auf welchem sich eine große Höhle

öffnet. Der Weg läuft längs dem hohen Uferrande eines Baches, der

meist unter dunkeln Baumgruppen verborgen, oder zwischen bemoosten

Felsenstücken fortrauscht. Das Thal wird enger, und die nackten

Felsenmassen zeigen sich, wenn sie bei den Windungen des Thales

uns bald auf allen Seiten einschließen, in ihrer ernsten Pracht,

bald furchtbar überhangend, bald in seltsamen Gestalten mauerartig

empor steigend, oder Trümmern alter Vesten und Warten ähnlich, aus

den Wolken herabschauend. Ueberall sind die grauen Sandsteinklippen

mit zerstreuten Fichten, Tannen, Buchen und Birken bekleidet, die

aus Spalten hervor wachsen, oder von den Zinnen der Felsen herab

winken, deren Stirne oft mit gelbem Moos, Waldwinden und den Wedeln

der Farrenkräuter mahlerisch geschmückt ist. -- Eine Sense, in eine

Felsenwand eingehauen, deutet die Ueberlieferung als das Andenken eines

Zweikampfes, wozu zwei junge Landleute, die beide um +ein+ Mädchen

warben, sich herausfoderten, und auf einer Stelle in der Nähe, die ein

Kreuz und die Jahrzahl 1699 bezeichnen, soll der gefallene Nebenbuhler

begraben liegen. Nicht weit von hier stürzt der +Waizdorfer+ Bach aus

einer, von Felsenblöcken gebildeten finstern Höhle, über eine moosige

Wand herab und eilt dem +Grundbach+ entgegen, der hier gleichfalls

einen Wasserfall bildet.

Links vom Wege fällt in den tiefen Grund, vom steilen Forstberge eine

Straße, die uns auf den

Vergißmeinnicht Ein Taschenbuch für den Besuch der sächsischen Schweiz und der angränzenden Theile Böhmens · 第 19 / 44 题