führt, der 3 Viertelstunden von +Hohnstein+ liegt. Näher aber ist ein
neuerlich angelegter Weg, der sich unmittelbar vom +Brand+ zwischen
hohen Felsenwänden in den tiefen Grund hinab windet, und für kundige
Wanderer, selbst für Frauen bequem ist. Das südlich ausspringende
Felsenhorn auf dem steilen Rande des +Polenzthales+, worauf wir stehen,
hat seinen Nahmen von einem ehemahligen Waldbrande. Der Reichthum
der Landschaft, die wir hier überschauen, macht diesen Standpunkt zu
einem der anziehendsten in dem Berglande. Unser Blick schweift über
die benachbarten Felsengestalten, zu dem +Königstein+ und seinen
Nachbarn hinüber. +Pirna+ und +Wehlen+ blicken aus dem Kranze einer
fröhlichen Landschaft herauf. Der +Rosenberg+, über den +Schrammstein+
hervor ragend, schließt den Kreis. Die blauen Rücken des Erzgebirges
dämmern am Himmelsrande. Den +Zschirnstein+ erblicken wir kaum von
irgend einem andern Standpunkte so herrlich als von dieser Höhe. Der
+Polenzbach+ zieht sich durch das tiefe Thal, die Elbe aber zeigt
uns nur hier und da einen glänzenden Bogen, zumahl auf einem der
günstigsten Standpunkte, wo wir die Felsen bei +Rathen+ erblicken, und
das freundliche +Wehlen+ hervor schaut. Ueber +Königstein+ und +Pirna+
zieht ein, mit zahllosen Dörfern bedecktes Gelände sich nach dem
Hintergrunde, wo die Höhen des Erzgebirges an die böhmischen Gebirge
sich anschließen, welche, obgleich weit von einander getrennt, von
diesem Standpunkte wie eine zusammenhangende Kette erscheinen.
Mehre Bänke und ein Obdach in einer Rindenhütte machen diesen Ruheplatz
seit einigen Jahren noch angenehmer, und man hat sogar die Höhlung
eines Felsens in eine Küche umgewandelt, um den Reisenden Gelegenheit
zu geben, sich eine Erfrischung zu bereiten.
Wir gehen von hier über die Hochebene des +Vorder-+ und +Hinterforstes+
nach
Hohnstein,
wohin diejenigen Reisenden, die den +Brand+ nicht besucht haben,
aus der Fortsetzung des Weges durch den +tiefen Grund+ über
die +Grundmühle+ gekommen sind. Das Städtchen liegt mit seinem
Felsenschlosse auf einem Bergrücken östlich von der +Polenz+, und
hat gegen 800 Einwohner, die sich von Weberei, Flachsspinnen und
Landwirthschaft nähren. Das Schloß, das auf einem abgesonderten Felsen
liegt, ist mit der Stadt durch eine steinerne Brücke verbunden. Die
Veste, gewiß so alt, als die Burg Rathen, und vielleicht gegen Ende
des 11ten Jahrhunderts zuerst angelegt, war wenigstens schon im 14ten
Jahrhunderte der Sitz der mächtigen Edlen +Birk+ oder +Berk von Duba+.
Dieses Geschlecht erwarb seit dem 11ten Jahrhunderte ansehnliche
Besitzungen in Böhmen, von der Elbe bis zum Riesengebirge. Die
mächtigste Linie besaß auch das Schloß Leipa in Böhmen, wovon sie den
Beinahmen führte, und dieser gehörte nach urkundlichen Beweisen schon
1353 auch +Hohnstein+. Um das Jahr 1444 kam +Hohnstein+ unter die
Obergewalt des Kurfürsten von Sachsen, Friedrichs des Sanftmüthigen,
und noch vor Ende des 15ten Jahrhunderts hörte die Herrschaft des
Hauses Birk von Duba auf, ob durch Kauf oder Tausch ist ungewiß.
Das meißnische Geschlecht von Schleinitz, dem auch die benachbarten
böhmischen Herrschaften +Tollenstein+, +Schluckenau+ und +Hainsbach+
und viele Güter in den Lausitzen gehörten, besaß +Hohnstein+, bis
es 1523 an die Besitzer der Herrschaft Wehlen, die Herren von
Schönburg, kam, die endlich 1543 beide Besitzungen an den Herzog
Moritz von Sachsen vertauschten, der ihnen einen Theil der jetzigen
Schönburgischen Herrschaften dafür überließ. +Hohnstein+ wurde der
Hauptort eines landesherrlichen Amtes, mit welchem +Lohmen+ vereinigt
ward.[5]
Das Schloß ist auf allen Seiten von sehr tiefen Abgründen umgeben,
auf deren Wänden die Burg sich erhebt, deren veste Mauern im
dreißigjährigen Kriege allen Angriffen der Kaiserlichen und der
Schweden trotzten. Das erste Gebäude, worein wir treten, ist das
mittle Schloß, das im Jahre 1620 durch einen Blitzstrahl größtentheils
zerstört wurde, und nur noch einige bewohnte Räume enthält. Im Thurme
ist ein altes Staatsgefängniß. Wir verweilen in einem, auf dem nahen
Felsen angelegten Gärtchen, wo wir in die Tiefe des Bärgartens und
der angränzenden Felsenschluchten hinab sehen. Dem mittlen Schlosse
gegenüber liegt das neue, das der Justizamtmann bewohnt. Ein langer und
breiter Felsengang führt uns in einen, mit alten Wirthschaftgebäuden,
Gefängnissen und Trümmern umgebenen Hof. Durch eine verfallene
Burgmauer treten wir auf einen Felsenvorsprung, der ein freundliches
Gärtchen trägt, das eine schöne Aussicht auf das Städtchen und über
das Thal gewährt, durch welches die 1813 vom Fuße des +Liliensteins+
nach +Stolpen+ geführte +Napoleonstraße+ läuft. Längs verfallner Mauern
kommen wir zu einem eisernen Gitterthor, das uns in die noch übrigen
Gemächer des, im 17ten Jahrhundert durch den Blitz zerstörten Schlosses
führt. In einem alten Gemache zeigt man ein, aus kurzgehacktem
Stroh mühsam geflochtenes Seil, an welchem gegen Anfang des 18ten
Jahrhunderts ein Gefangener sich aus dem Fenster seines Kerkers
herablassen wollte, ein Versuch, der aber verunglückte, weil das sonst
veste Strohseil zu kurz war. In der ehemahligen Schloßkapelle ist
jetzt das Amtsarchiv; die schön gearbeitete Kanzel von durchbrochener
Arbeit aber, die früher hier noch zu sehen war, ist seit mehren Jahren
in der Kirche zu Röhrsdorf bei Dresden. In einem engen Hofe, worein
wir aus diesem Theile des alten Schlosses treten, sehen wir die
Ueberreste eines Kerkergewölbes. Es führt den Nahmen des Freiherrn
von Klettenberg, eines betrügerischen Goldmachers, der im Anfange des
18ten Jahrhunderts den Herzog Ernst von Weimar und den König August II.
hinterging und einige Zeit hier gefangen saß, ehe er auf dem Königstein
enthauptet ward.[6] Dieser scheußliche Kerker ist seit 1770 nicht mehr
zur Aufbewahrung von Gefangenen gebraucht worden. Die Gefängnisse auf
der Burg waren vor Zeiten so furchtbar, daß das Sprichwort sagte: „+Wer
da kommt nach dem Hohnstein, der kommt selten wieder heim.+“ Von der
ältesten Burg, in deren Trümmern wir aus jenem Hof gelangen, ist nichts
als altes Gemäuer und ein Theil eines Thurmes übrig, der jedoch nicht
mehr ohne Gefahr zu ersteigen ist.
Durch den Ausfall steigen wir in die Tiefe hinab, und kommen über
einen von alten Mauern umschlossenen Rasenplatz, der einst die
Wirthschaftgebäude enthielt, auf eine Felsenebene, wo wir auf einem
günstigen Standpunkte in die furchtbare Tiefe des +Bärgartens+ hinab
schauen, und jenseit des Thales den +Hockstein+ empor ragen sehen. Der
+Bärgarten+, wohin sowohl vom Schlosse, als von dem Städtchen ein Weg
führt, wurde 1609 angelegt, um hier Bären, deren es damahl noch in den
umliegenden Wäldern gab, aufzubewahren. Auf der, nach dem Städtchen
gekehrten Seite waren die Fänge angebracht, durch welche die Bären in
Kasten gelockt wurden, so oft sie zu den Thierhetzen in Dresden und
Sedlitz gebraucht werden sollten. Auf der untern Seite befand sich ein
Wasserhaus mit großen Rädern, um die starken Eisengitter aufzuziehen,
die den Bären den Ausgang sperrten. Die Thiere pflanzten sich hier über
150 Jahre fort, bis sie endlich, da sie zuweilen die Felsenumgebungen
überstiegen und den Umwohnern gefährlich wurden, um das Jahr 1756
erschossen wurden. Hier ward auch der gezähmte Bär aufbewahrt, den
August II. aus Polen mitgebracht, und in seinem Zimmer erzogen hatte,
bis endlich das erwachsene Thier den König bedrohte, der es einst im
gefährlichen Kampfe mit dem Hirschfänger verwundete, und dann in den
+Bärgarten+ verbannte.
Die zu dem Schlosse gehörende Landwirthschaft ist schon seit langer
Zeit vor das Städtchen verlegt worden, und bildet ein ansehnliches
Kammergut, das einer der ersten Sitze der veredelten Schafzucht in
Sachsen war.
Dem Schlosse gegenüber erhebt sich, ganz abgesondert von den
umliegenden Felsenwänden, der
Hockstein,
ein steiler über 500 Fuß hoher Sandsteinfelsen, im Hintergrund des
+Polenzthales+, worein wir von +Hohnstein+ hinab steigen. Wir kommen
hier über die, durch +Hohnstein+ laufende Gränze, wo Granit und
Sandstein sich scheiden. Dem Wege folgend, der das Thal durchschneidet,
sehen wir, hoch über uns, eine im Jahre 1821 angelegte kühne Brücke,
welche über eine tiefe Schlucht gespannt ist, um den Hockstein mit
einem andern Felsen zu verbinden. Durch diese Anlage, die man den
preiswürdigen Bemühungen des königlichen Forstbeamten in Hohnstein,
Herrn von Carlowitz verdankt, ist der Felsen zugänglicher geworden,
dessen Erklimmung seither sehr beschwerlich war. Man mußte auf dem
Wege von +Rathewalde+ den steilen +Wartenberg+ hinab gehen, um aus
einer tiefen und engen Felsenschlucht, dem +Kohlicht+, den Felsen zu
erklettern; eine Oeffnung am Fuße des Felsens bildete den einzigen
Zugang zu dem Gipfel, den man in einem, die ganze Höhe des Felsens
theilenden engen Spalt, wo nur eingehauene Falze, wahrscheinlich
Ueberreste alter Bevestigungen, das Klettern erleichtern, mühsam
ersteigt, bis man endlich auf einen freien Platz tritt, der nur auf
drei Seiten von Felsen eingeschlossen, auf der vierten in einen Abgrund
stürzt; von hier aber mußte man noch eine 40 Fuß hohe steile Wand
erklimmen, um auf den freien Gipfel zu gelangen. Die 12 Ellen lange
Brücke, welche über die, gegen 75 Ellen tiefe Schlucht zum sogenannten
+kleinen Hockstein+ und von diesem auf die Straße nach +Rathewalde+
führt, erleichtert den Besuch des Felsens, wohin man nun am bequemsten
von +Rathewalde+ oder +Lohmen+ geht. Von der Brücke führen zwanzig
in den Felsen gehauene Stufen auf den höchsten Gipfel. Die 150
Schritt lange und 60 Schritt breite Fläche der Felsenkuppe zeigt uns
auffallende Spuren ehemahliger Bewohnung, z. B. ein Wasserbehältniß,
breite in ein großes Behältniß führende Stufen, und die Ueberreste
eiserner Haken an der äußersten Spitze eines zugänglichen, kühn
vorspringenden Felsenhornes, wo man, außer einem Mühlenspiel, wie
man es auf Damenbretern findet, auch Nahmen ausgehauen sieht.
Wahrscheinlich gehörte der +Hockstein+ als Warte zu dem benachbarten
+Hohnstein+, und jene Haken dienten vielleicht zu einem Hebewerke, das
den einsamen Bewohnern des Felsens ihre Bedürfnisse heraufbrachte.
Diese Verbindung gab ohne Zweifel Anlaß zu der ungereimten Sage, die
beide Felsen durch eine lederne Brücke vereinigt. Die Aussicht vom
Gipfel umfaßt eine Landschaft, wo über Felsenschluchten und Waldwipfel
der +Königstein+ hervor schaut, während gegen Mitternacht die +Polenz+
aus einem freundlichen Thale in ein wildes Felsenbett hinab fließt.
Zu der eben beschriebenen Wanderung und dem nächsten Rückwege über
+Hohnstein+ brauchen wie ungefähr 7 Stunden, und wer vom +Hockstein+
auf dem früher (S. 41.) angedeuteten Wege durch den +Amselgrund+
nach +Schandau+ zurück kehren will, hat einige Stunden mehr nöthig.
Ein dritter, sehr anziehender aber längerer Rückweg führt über den
+Waizdorfer Berg+, +Gosdorf+ und den +Kikelsberg+, den +tiefen
Grund+ und den +Ochelgrund+. Wir werden diesen Weg in der Folge erst
beschreiben, und wollen an die vorgeschlagene Wanderung die Reise nach
+Stolpen+ knüpfen. Diejenigen, welche den +Hockstein+ früher schon
besucht haben, und den geraden Weg von +Hohnstein+ wählen, brauchen
zur Ausführung dieses Reiseplans, mit Einschluß des Rückweges, eine
Tagereise. Wir kommen von Hohnstein auf einem angenehmen Wege nach
+Heeselicht+ und weiter über +Langenwolmsdorf+, in dritthalb Stunden
nach
Stolpen,
das am Abhange eines Basaltberges liegt, auf dessen Kuppe, 1010 Paris.
Fuß über dem Meere, das alte Schloß mahlerisch sich erhebt. Die Stadt,
die 1000 Einwohner zählt, welche sich meist von Landwirthschaft und
Brauerei nähren, verdankt dem König eine 1789 angelegte Wasserleitung,
die das Wasser eine Stunde weit führt, und eine Inschrift am Ausgusse
der Hauptröhre rühmt diese Wohlthat. Auf dem Markte sehen wir ein, im
Jahre 1818 am Tage der Jubelfeier des Königs errichtetes Denkmahl,
das aus erlesenen, 7 Ellen hohen Basaltsäulen besteht, die eine
obeliskenförmige, von einem metallenen Eichenkranze umschlungene
Gruppe bilden, deren oberste Säule durch seltene Größe und Stärke
sich auszeichnet. Eine Inschrift auf einem, an die Säulen gelehnten
Granitblocke spricht die Widmung des Denkmahls aus, das ein Kreis von
kleinen Basaltsäulen, den vier junge Eichen beschatten, umschließt.
Der hiesige, wegen seiner regelmäßigen Säulengestalt berühmte
Basalt, zieht die Aufmerksamkeit des Naturfreundes vorzüglich an.
Wir dürfen nur einen Blick umher werfen, um uns zu überzeugen, in
welcher Reichhaltigkeit diese Massen sich hier finden, da außer dem
großen Schlosse, auch die Mauern der Stadt, die Stadtkirche und das
Straßenpflaster von Basalt sind. Der Berg, auf dessen Kappe die
Säulen hervor ragen, läuft von allen Seiten sanft an, bis er an der
Stelle, wo der Basalt zu Tage ausgeht, sich steil erhebt. Der Basalt
ist auf einem ziemlich grobkörnigen Granit gelagert, doch lassen sich
die Gränzen, wo dieser aufhört, und die hervorragenden Basaltsäulen
anfangen, nicht genau bestimmen, und man kann dieselben nur bei dem
Anfange des steilern Ansteigens, wo man keinen Granit mehr findet,
vermuthen. Der Basalt zieht sich um das Schloß in dicht an einander
stehenden Säulen, die im Durchmesser 6, 8, 10 bis 12 Zoll haben, zwar
zuweilen über 12 Ellen lang zu sein scheinen, aber in dieser Länge
senkrecht, oder auch gebogen auf einander stehen, da man keine über 7
bis 8 Ellen lange Säulen zu Tage ausgehend findet. Die meisten sind
sechsseitig. Die schönsten zu Tage ausgehenden Säulen sieht man im
Thiergarten und im ersten Schloßhofe. Der Basalt ist schwärzlich, auf
dem Bruche uneben, mit Zeolith, kleinen Hornblendekristallen, seltner
mit Olivin, Hornstein und Augit vermischt, und zeichnet sich durch
starkes Polarisiren aus. Nach des Schottländers Macdonald[7] Bemerkung,
hat der Basalt zu +Stolpen+ in seiner Masse viel Aehnlichkeit mit
dem Basalte in der Fingalshöhle zu +Staffa+, und besonders fand
er die querliegenden Basalte im Schloßbrunnen den Säulen auf dem
südwestlichen Theile von Staffa ungemein ähnlich. Der Basalt wird
gebrochen, und besonders auch zu Amboßen, und Schlagsteinen für
Buchbinder benutzt.
Das Schloß, das wir nun besuchen, ist älter als die Stadt, sorbischen
Ursprungs und kam nebst dem Städtchen, das in frühern Zeiten +Jokrim+
hieß, und in der Gegend des nahen Dorfes +Altstadt+ lag, im Jahre
1222 an die Bischöfe von Meißen, die sich um den Anbau dieser Gegend
große Verdienste erworben haben. +Stolpen+ blieb seitdem dem Bisthum
eigen und wurde in der Folge der beständige Wohnsitz der Bischöfe. Im
15ten Jahrhunderte verwüsteten die Hussiten das alte Jokrim, und der
Ort ward alsdann am Fuße der Burg wieder aufgebaut, und nach dieser
benannt. Eine blutige Fehde zwischen dem meißnischen Bischofe und dem
Rittergeschlechte Carlowitz, gab im Jahre 1559 dem Kurfürsten August
Anlaß, sich der Burg zu bemächtigen, die seitdem landesherrliches
Besitzthum blieb. Seit dem Jahre 1716 bewohnte die Gräfinn Cosel,
Augusts II. verstoßene Geliebte, das Schloß, und zwar anfänglich den
Johannisthurm, späterhin bequemere Zimmer, bis sie im Anfange des
siebenjährigen Krieges daselbst starb. Die Preußen nahmen 1756 die
unbeschützte Veste ein, die darauf zerstört und endlich 1787 ganz
abgetragen wurde. Während des Feldzugs 1813 wurde +Stolpen+ in die
Linie gezogen, durch welche Napoleon seine Stellung an der Elbe deckte.
Die vier Höfe des Schlosses, das unmittelbar auf den Säulen des Basalts
sich erhebt, sind durch Brücken verbunden. In dem ersten Hofe, oder
der sogenannten Klengelsburg, sehen wir ein, in den Basalt gebrochenes
Wasserbehältniß, und den ehemahligen bischöflichen Marstall, wo jetzt
das Amtsarchiv und einige Ueberreste der Altäre und Verzierungen der
abgetragenen alten Schloßkirche aufbewahrt werden. Man zeigt uns in der
Nähe das furchtbare Gewölbe, das vor Zeiten die Marterkammer war. In
diesem Hofe fiel am 8. September 1756 der erste feindliche Schuß, der
den siebenjährigen Krieg eröffnete, als der preußische Generalmajor
Warneri, der das Schloß mit seinen Husaren überrumpelte, den
sächsischen Befehlhaber der Veste, welcher eben im Begriff war, seinen
Degen abzugeben, durch einen Pistolenschuß tödlich verwundete. Aus dem
zweiten Hofe führt eine Brücke längs schöner Basaltsäulen zu einem
doppelten Thore. Durch das erste Thor kommen wir zu einem schmalen
Gange, der zu einem unterirdischen Kerker führt, worein die Gefangenen
durch ein Loch hinabgelassen wurden. Das zweite Thor führt uns in
den Hof selbst, und wir erblicken links den +Johannisthurm+, den wir
besteigen, um eine, nach Mitternacht und Morgen reiche und anziehende
Aussicht zu genießen. In dem vierten Hofe sieht man die Ueberreste der
alten Schloßkirche und den Basaltbrunnen. Dieser merkwürdige, in seiner
Art einzige Brunnen wurde im Jahre 1608 angefangen, und in den durch
Feuer erweichten Basalt 287 Fuß tief gebrochen, bis man nach einer
Arbeit von 22 Jahren Wasser fand, das in der Folge 7 bis 8 Ellen stieg
und wechselweise wieder fiel. Seit dem Ueberfalle der Burg durch die
Preußen im siebenjährigen Kriege, bei welchem diese alte eiserne Kanone,
Gewehre und Kugeln in den Brunnen stürzten, ist er bis auf beinahe drei
Viertheile seiner ehemahligen Tiefe verschüttet. Der von Naturforschern
oft ausgesprochene Wunsch, den Brunnen geräumt zu sehen, um die seltene
Gelegenheit zur Untersuchung des Innern eines Basaltberges benutzen
zu können, möge hier 45 Jahre nach dem Ersten, der ihn dringend
aussprach[8] wiederhohlt werden.
Auf dem Rückwege vom Schlosse gehen wir über den Kirchhof, wo sich
das dem Geschichtschreiber Stolpens, dem verstorbenen Pfarrer Gerken
errichtete Denkmahl auszeichnet, zu dem +Thiergarten+. Kurfürst August
bestimmte diesen Platz ursprünglich zu einem Obstgarten, welchen er
aber, als die Anpflanzung mißlang, in einen Thiergarten verwandelte,
wohin er weiße Hirsche und andere seltene Thiere versetzte. Auch von
dieser Anlage ist längst keine Spur mehr übrig. Den Weg am Fuße des
Schloßberges fortsetzend, verweilen wir einen Augenblick bei dem
Basaltbruche, wo wir die regelmäßigsten Säulengestalten erblicken, und
gehen dann weiter zu der sehenswerthen königlichen Schäferei, welche
mit dem nahen Vorwerke +Rennersdorf+ den Hauptsitz der veredelten
Schafzucht in Sachsen bildet. Schon 1765 wurden, um die inländischen
Schäfereien zu veredeln, über 200 spanische Stähre und Mutterschafe,
von zwei spanischen Schäfern begleitet, nach Sachsen gebracht, und im
Thiergarten aufgenommen. Späterhin (1778) wurde dieser Stamm durch
einen Zuwachs von erlesenen Merinoschafen aus den beßten Heerden in
Leon und Castilien vermehrt und zur Erweiterung der Zuchtanstalt auch
in +Lohmen+, +Rennersdorf+ und +Hohnstein+ Schäfereien angelegt. Die
Schäferei in +Stolpen+ hat seitdem durch fortgesetzte Sorgfalt einen
vorzüglich feinwolligen Stamm erhalten. Von hier wurde die Schäferei
in +Lohmen+ veredelt, die sich in der Folge selbst fortpflanzte,
und noch immer wird aus dem Stamm im Thiergarten die Zuchtanstalt
in +Rennersdorf+ verbessert. Die Stammschäferei in +Stolpen+, ist
die einzige ursprünglich spanische Schäferei in Sachsen, und Spanien
selbst, behauptet man, habe jetzt keine Heerde mehr aufzuweisen, die
dem 1765 nach Sachsen gekommenen Stamm vollkommen gleich wäre. Sie
hat auf die Veredlung der Schafzucht in Sachsen, und dadurch auf
Landwirthschaft und Gewerbfleiß überhaupt, wohlthätig eingewirkt,
da von 1779 bis 1811 über 10,000 Stähre und Mutterschafe an andere
inländische Schäfereien gegen vestgesetzte sehr billige Preise
abgegeben wurden. Das Kriegsjahr 1813 hat zwar auch dieser Anstalt,
besonders den Schäfereien zu +Stolpen+ und +Rennersdorf+, großen
Verlust gebracht, den man jedoch seitdem zu ersetzen eifrig und mit
Erfolg bemüht gewesen ist.[9]
[5] S. Götzingers angeführtes Werk.
[6] Seine Geschichte erzählt +Engelhardt+ in den Denkwürdigkeiten
aus der sächsischen Geschichte, Bd. I. S. 1. ff.
[7] In einer Anmerkung zu +Wiedemann’s+ Uebersetzung von Faujas de
Saint Fond’s Reise durch England, Schottland und die Hebriden.
Band 2. (Göttingen 1799. 4) S. 36.
[8] Mineralogische Geographie der chursächsischen Lande, von +J. F.
W. Charpentier+ (Leipzig 1778. 4.) S. 37.
[9] S. Ueber die spanischen Schäfereien bei Stolpen, zu Rennersdorf
und zu Lohmen -- im 18ten u. 19ten Stück des
Gouvernementsblattes für Sachsen (1814). In der schätzbaren
Schrift des Freiherrn von +Ehrenfels+: Ueber das
Electoral-Schaf (Prag 1822) findet man Manches über die
sächsische Schafzucht, und Winke, die aller Beherzigung werth
sind.