Schandau

vor uns. Das freundliche Städtchen von 170 Häusern und 1000 Einwohnern

liegt, am Ausflusse des +Kirnitschbaches+, längs der Elbe, östlich und

westlich von hohen Bergen und Sandsteinfelsen umgeben, deren Gipfel

mit Nadelholz bekleidet sind, aus dessen dunkeln Wipfeln nur zuweilen

heitres Laubholz hervor blickt. Der westliche Theil, der sich nach

+Wendischfähre+ zieht, heißt die +Zauke+ und wird von Einigen für die

älteste Anlage des Ortes gehalten, dessen Nahme auf sorbischen Ursprung

deutet. Auf dem +Kiefericht+, einem nördlich sich erhebenden Berge,

findet man die Trümmer des alten Schlosses, um welches sich allmählig

die Stadt gebildet haben mag, die schon 1467 im Besitze städtischer

Gerechtsame war. Im dreißigjährigen Kriege, besonders in dem für die

Umgegend so furchtbaren Jahre 1639, erlitt sie große Drangsale, wurde

1704 nach einem verwüstenden Brande fast ganz neu aufgebaut und häufig,

zumahl 1784 und 1799, durch Ueberschwemmungen beschädigt, welchen sie

durch ihre Lage stets ausgesetzt ist. Die beßten Häuser, deren mehre

zur Aufnahme von Fremden eingerichtet sind, stehen am Markte, wo auch

Ullrichs Gasthof liegt. Im +Bade+ findet der Fremde sehr gute Aufnahme.

In der Nähe desselben gibt es auch einige freundliche Wohnungen, und

überhaupt hat in den letzten Jahren die Betriebsamkeit der Bewohner des

Städtchens sich bemüht, den zahlreichen Gästen, welche die Sommermonate

hier zubringen, einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten.

Die Bewohner nähren sich vorzüglich durch den Elbhandel. Die nahen

Sandsteinbrüche liefern den Schiffern Steine, womit sie den Strom

hinabfahren, und besonders die böhmischen Wälder Holz für das Ausland,

da das inländische nicht ausgeführt werden darf. Mit dem Getreide,

das sie die Elbe hinaufbringen, oder aus Böhmen einführen, wird ein

ansehnlicher Handel getrieben. In frühern Zeiten war der Elbhandel

von hier abwärts sehr ausgebreitet, bis die hohen preußischen

Durchgangzölle, die fast 50 vom 100 betrugen, ihn beschränkten. Die

Schifffahrt ist jedoch wegen der Nähe von Böhmen und der günstigen Lage

der Stadt, noch immer beträchtlich, und die Vortheile, die der frei

gewordene Strom darbietet, werden die Nachwehen des letzten Krieges,

dessen Zerstörungen im J. 1813 besonders gegen die Schiffe wütheten,

auch hier immer mehr heilen. Schon früher war hier wegen des lebhaften

Schiffverkehrs mit Böhmen der erste sächsische Elbzoll, den die

Elbschifffahrt-Akte (1821) bestätigt und zu einem der verfassungmäßigen

14 Elbzollämter gemacht hat. Zur Beförderung der Gewerbsamkeit dient

auch die +Kirnitschflöße+, die um 1568 angelegt wurde. Es werden

jährlich gegen 6000 Klaftern hartes und weiches Scheitholz aus den

Forsten des Amtes +Hohnstein+ auf der +Kirnitsch+ bis +Schandau+

geflößt, wo sie in Flosse gebunden und auf der Elbe weiter nach Dresden

und Meißen geschafft werden.

Mit einer gesunden Gebirgluft empfing +Schandau+ aus der Hand der

Natur das wohlthätigste Geschenk in einer kräftigen +Heilquelle+, die

kaum eine Viertelstunde von der Stadt am Eingange des Kirnitschthales

auf einer Wiese am Fuße eines Sandsteinfelsens entspringt. Man fand

beim Nachgraben, daß unter diesem Sandsteine eine, gegen 6 Zoll starke

Schale Granit durch den Sandstein setzt, der dem, eine Viertelstunde

oberhalb des Bades mit dem Sandstein gränzenden Granit ganz ähnlich,

aus röthlich weißem Feldspath, grauem Quarz und grauem Glimmer besteht,

und fein eingesprengten Schwefelkies enthält. Schon gegen Anfang des

vorigen Jahrhunderts kannte man die Quellen, deren Wässer sich auf

der sumpfigen Wiese sammelten, und die der Gesundbrunnen hießen. Im

Jahre 1730 wurden die Quellen, um die Wiesen trocken zu legen, in

eine Cisterne gefaßt, und schon die ersten, damahl vorgenommenen

unvollkommenen Untersuchungen ihres Gehalts[2] brachten sie so sehr

in Ruf, daß das Wasser häufig zum Trinken und Baden gebraucht und

sogar auf der Elbe abwärts versandt wurde. Die Quelle bewies sich zwar

seitdem gegen manche Krankheiten wirksam, blieb aber mangelhaft gefaßt

und wurde auffallend vernachlässigt, selbst als sie im Besitze eines

Arztes war, bis endlich der neue Besitzer der Wiese, der Kaufmann

Hering, mit bedeutendem Aufwande und rühmlicher Thätigkeit seit 1799

das Bad empor zu bringen wußte. Er veranlaßte in jenem Jahre eine neue

chemische Prüfung des Wassers, ließ mehre Quellen im Felsen selbst

auffassen, und statt des alten mangelhaften Behältnisses auf der Wiese

ein neues Brunnengebäude bauen, wo sie, von wilden Wässern befreit,

gereinigt wurden. Später wurden neben dem Brunnenhause auch Wohnungen

für Badegäste angelegt. Im Jahre 1803 wurde eine neue Quelle entdeckt,

die sich vor den ältern durch Gehalt an Schwefelwasserstoffluft

auszeichnet, und es sind jetzt überhaupt +neun+ Quellen gefaßt. Die

neu entdeckte gehaltreichste enthält nach den 1803 vorgenommenen

Untersuchungen des Professors Lampadius in Freiberg[3] in 100 Pariser

Kubikzoll, oder 4 Pfund, 6 Loth 1 Quentchen, 20 Gr. kölln. Gewicht des

Wassers: Salzsaure Talkerde 8¾, schwefelsaure Kalkerde 5¼, Kieselerde

1⅛, Eisenoxyd 18¼ Gran, kohlensaure Luft und Schwefelwasserstoffluft

11⅓ Par. Kub. Zoll.

Das Wasser ist sehr hell, wird aber durch Kochen getrübt, hat einen

zusammenziehenden Geschmack und erregt Aufstoßen. In der Wärme

entwickelt es Luftblasen und wird trübe. Es setzt Eisenoker ab und

färbt die metallenen Hähne in den Badestuben schwarz. Der Geruch der

Schwefelwasserstoffluft ist auffallend, wenn das Wasser in einer halb

gefüllten Flasche geschüttelt wird. Bei 18-22 Grad Luftwärme hat das

Wasser im Schatten 10 Grad Reaumur. Die Quelle hat sich vorzüglich bei

Nervenschwäche, Hämorrhoidalleiden, geschwächter Verdauung, Gicht,

Krämpfen und bei Störungen des weiblichen Organismus wirksam bewiesen.

Die Quellen geben, seit der verbesserten Fassung, in jeder Stunde

180 Kubikfuß Wasser. Der steinerne Behälter, welcher die Quelle

aufnimmt, faßt 640 Kubikfuß, wie denn die Quelle überhaupt während

der täglichen Badezeit weit über den Bedarf liefert. Das Badehaus

enthält 8 einfache und 3 Doppelbäder, die mit allen Bequemlichkeiten

versehen sind. Das Wasser kommt unmittelbar aus der Quelle in die 12

Zoll tief versenkten Badewannen. Das zur Erwärmung der Bäder nöthige

Wasser wird durch eine Pumpe gleichfalls aus dem Behälter gehohlt und

stets in Siedehitze erhalten, damit nur wenig heißes Wasser zu dem

kräftigern kalten gemischt zu werden brauche. Der Preis jedes Bades

ist 4 Groschen. Für das Trinken des Wassers wird nichts bezahlt. Das

für Badegäste und Reisende bestimmte Gebäude enthält mehre bequeme

Wohnungen, ein Gesellschaftzimmer und einen großen Saal, der im Sommer

zu Bällen gebraucht wird. Die Vorderseite des Hauses ist nach der, mit

freundlichen Anlagen geschmückten Wiese gewendet. Nicht weit davon

ließ der Besitzer des Bades 1823 ein neues Gebäude aufführen, das bloß

Wohnungen für Badegäste enthalten soll.

Die gewöhnlichen Lebensmittel liefert die Umgegend. Obst kommt aus den

benachbarten Dörfern, vorzüglich aber aus Böhmen. Treffliche Forellen

und Lachskunzen geben die nahen Bäche, Wildpret die umliegenden Wälder.

Bei dem Speisewirth im Bade findet man im Sommer eine gesellige

Wirthstafel, gute Weine und fremde Mineralwässer, und auch in Ullrichs

Gasthofe ähnliche Befriedigung.

Ein Schiff geht im Sommer wöchentlich nach Dresden. Der Besitzer des

Bades hält 5 Gondeln zur Bequemlichkeit der Gäste, und auch bei andern

Bewohnern des Ortes findet man Kähne zu Lustfahrten. Briefe besorgt ein

Postbote von Pirna.

Die Genüsse, welche die Reize der Natur darbieten, müssen die

gewöhnlichen Badezerstreuungen ersetzen, die man hier nicht suchen

darf; sie geben aber dem Aufenthalte eigne Annehmlichkeiten, die

nicht nur den wohlthätigen Einfluß der Heilquelle erhöhen, sondern

auch dazu beitragen mögen, eine freundliche Geselligkeit zu erwecken

und jene schroffen Absonderungen zu verhüten, die in andern Bädern

so störend sind. Während den rüstigen Wanderer nahe und ferne Thäler

in ihre Schatten und die Felsen auf ihre hohen Gipfel rufen, findet

auch der schwächere Badegast sanftere Pfade in der nächsten Umgegend.

Gleich links vom Badehause zieht sich ein viel besuchter Weg zur

Berghöhe hinan. In einer Felsenblende sehen wir +Luthers+ Büste,

mit der Inschrift: „+Eine veste Burg ist unser Gott. Den 31. October

1817+;“ ein Andenken an die Jubelfeier der Reformation. Ein Pfad,

den man leider alles Schattens beraubt hat, bringt uns auf einen

Felsenvorsprung über der Mündung der +Kirnitsch+, die +Karlsruhe+

genannt, und unser Auge schweift über die anmuthige Landschaft, wo

der +Lilienstein+, von Bergfernen überragt, in ernster Pracht hinab

schaut, während +Schandau+, +Postelwitz+ und +Krippen+, und die Ufer

des Stromes, von der Thätigkeit der Schiffer und der Arbeiter in den

Steinbrüchen belebt, unten im Thale in dem anmuthigsten Bilde sich

verbinden. Verfolgen wir den Weg auf dem hohen Ufer der Elbe, so stehen

wir bald auf der Höhe über +Postelwitz+, wo wir +Schandau+ von einem

der günstigsten Standpunkte erblicken. Steigen wir von der +Karlsruhe+

aufwärts, und in einer Viertelstunde haben wir die Höhe bei dem, über

dem Bade auf dem Uferrande der +Kirnitsch+ liegenden Dorfe +Ostrau+,

die sogenannte +Ostrauer Scheibe+, erreicht. Wir übersehen hier einen

großen Theil des mahlerischen Felsenlandes, das über dem heitern

Vorgrunde sich erhebt, und uns über dreißig Gipfel zeigt. Gegen Morgen

blicken über die, aus dem +Zahngrunde+ aufsteigenden Tannenwipfel der

Felsenkegel des +Falkensteins+ und die +Schrammsteinwände+, hinter

welchen der grüne Rücken des +Winterberges+ hervor ragt. Gegen Mittag

erheben sich der +Kahlstein+, der +Zirkelstein+, und in blauer Ferne

der +Rosenberg+. Ueber die Fluren von +Schönau+ und +Reinhardsdorf+ am

jenseitigen Elbufer herrscht der mächtige +Zschirnstein+. Zwischen den

+Kuppelbergen+ schaut das Dörfchen +Klein-Gießhübel+ hervor, und im

Hintergrunde winkt die Kirche von +Papstdorf+. Der +Papststein+, der

+Gorischstein+, der +Quirl+, die +Bärsteine+, der +Rauenstein+ und der

+Gamrichstein+ bilden einen Felsenring, der die Ferne deckt, und nur

hinter dem +Lilienstein+ blicken die Anhöhen von +Pillnitz+ hervor.

Seitwärts vom +Gamrichstein+ ragen die +Hohnsteiner Wände+ empor, woran

die Felsen des +Ochelgrundes+ sich lehnen, über welche der +Waizdorfer

Berg+ und der +Kikelsberg+ sich erheben. Ueber +Ulbersdorf+,

+Altendorf+ und +Mittelndorf+ schauen der +Unger+ und der +Buchberg+

bei Sebnitz hervor, und schließen das prachtvolle Rundgemählde.

Von hier führt uns ein Weg über Feld und Wiesen nach dem Walde, und

es öffnet sich ein Felsenthal, das uns in den +Zahngrund+ bringt, vor

dessen Ausgange an der Elbe das Dorf +Postelwitz+ unter Baumschatten am

felsigen Abhange liegt. Die Sandsteinbrüche, die sich von diesem Dorfe

am Strome gegen +Schmilka+ hinaufziehen, gehören zu den vorzüglichsten

des Sandsteingebirges und liefern einen feinkörnigen vesten Stein. Der

Naturforscher findet in einer, hier vorkommenden Sandstein-Breccie

viele merkwürdige Versteinerungen.

An der Ecke dieser Steinbrüche erblickt man ein vorspringendes

Felsenstück, das die +Königsnase+ genannt wird. Rechts vom Eingange

des +Zahngrundes+ ziehen sich die Gärten den Dorfes +Postelwitz+ nach

+Schandau+. Durch die anmuthige Landschaft, die das mahlerische

+Krippen+ am jenseitigen Ufer verschönert, wandern wir am Strome hin,

bis wir vor einem Garten, den ein ehemahliger reicher Bewohner von

Schandau auf der nackten Felsenwand mit großem Kostenaufwande und

eigensinniger Beharrlichkeit angelegt hat, einen Augenblick verweilen.

Eben so belohnend sind Wanderungen abwärts an der Elbe nach

+Wendischfähre+, oder in die freundliche Umgegend des Dorfes +Prossen+,

oder bis zu den ersten Mühlen in dem reizenden +Kirnitschthale+, wo wir

gleich oberhalb des Bades links einen Freiplatz unter einer Felsenwand

sehen, der im Jahre 1818 zum Andenken der Jubelfeier des Königs den

Nahmen +Friedrich Augusts Platz+ erhielt. Links vom Eingange des

Thales steigt ein Pfad den Bergabhang hinan, der uns zunächst zu einem

Standpunkte leitet, wo wir das Bad und die Oeffnung des anmuthigen

Thals überschauen, und dann weiter auf die nach +Altendorf+ und

+Lichtenhain+ führende Fahrstraße bringt.

[2] S. das Schandauer Gesundheitsbad, beschrieben von +K. F.

Montag+. Pirna (1799) 8. 6.

[3] S. dessen Beiträge zur Erweiterung der Chemie, Band 1.

(Freiberg 1804) S. 318. +John+ bemerkt dagegen (Wörterbuch der

Chemie, IV, 126) wenn das Wasser kein schwefelsaures Eisen

enthalte, sei der Eisengehalt zu beträchtlich angegeben.

Von neuern Untersuchungen der Quelle ist, so viel ich weiß,

wenigstens öffentlich nichts bekannt geworden. Billig

sollten Heilquellen von Zeit zu Zeit wiederhohlten Prüfungen

unterworfen werden.

III. Reise durch den +Kirnitschgrund+ über den +Kuhstall+, die

+Winterberge+ und das +Prebischthor+ nach +Hirniskretschen+.

Wir brauchen einen vollen Tag zu dieser Reise, wenn wir von

+Hirniskretschen+ nach +Schandau+ zurück kehren wollen, und müssen sie,

den kurzen Weg bis zu +Heidemühle+ im Kirnitschthale abgerechnet, in

der angenommenen Richtung ganz zu Fuße machen. Wer bis zum +Kuhstall+

fahren will, wählt die Straße über +Altendorf+, +Mittelndorf+ und

+Lichtenhain+, wo ein Weg zur +Lichtenhainer Mühle+ abwärts, und dann

der +Münzweg+ bis zum Eingange der Felsenhalle führt.

Wir treten gleich hinter den Gebäuden des Bades in das Thal, und

wandern auf dem linken Ufer der +Kirnitsch+, die uns entgegen rauscht.

Das Thal wird bei jedem Schritte reizender. Rechts schließen es die

hohen +Ostrauwände+ ein, über deren waldige Felsengipfel einige

Häuser des Dorfes +Ostrau+ herabsehen. Links begränzt den Weg die

felsige Uferwand, über deren Höhe sich die eben erwähnte Straße nach

+Lichtenhain+ zieht. Während der Fahrweg im Thale bis zur +Heidemühle+

fort läuft, führt uns der Fußpfad bald über einen Steg auf das

jenseitige Ufer, wo wir die Gränze zwischen dem Sandstein und dem links

von der Höhe herab einfallenden Granit bemerken, der wahrscheinlich

weit in die Tiefe unter dem Sandstein einschießt. Wir wandern auf einem

Wiesenpfade, bis wir bei den waldigen Umgebungen der +Ostraumühle+

wieder auf das rechte Ufer des Baches kommen. Die +Mittelndorfer

Mühle+, wo man Bewirthung und im Nothfall ein Nachtlager findet, umgibt

ein Kranz von Obstbäumen, unter dem Schatten des dunklen Waldes. Unweit

dieser Mühle läuft der Weg an dem Stollen eines Kupferbergwerks hin,

das der neue Segen Gottes hieß, um die Zeit des siebenjährigen Krieges

aber in Verfall gerieth, und auch nach einem spätern Versuche zu einem

neuen Bau ganz aufgegeben wurde. Wald und Wiesen laufen am linken Ufer

des Baches fort, während am jenseitigen eine nackte Granitwand sich

erhebt, bis bald auch hier wieder Sandsteinfelsen vorspringen. Jenseit

des Baches öffnen sich die kahlen Felsenwände der +Kroatenschlüchte+,

und bald kommen wir um eine vorspringende Felsenwand in ein breites

heiteres Wiesenthal, das ein üppiger Wald umgibt, aus welchem graue

Sandsteinfelsen hervor blicken. Die höher emporragenden Felsen, von

Fichten und Tannen gekrönt, drängen sich bald wieder an die Wiesenufer

des Baches, aber die Thätigkeit in den Steinbrüchen auf beiden Seiten,

wo der Naturforscher viele Muschelversteinerungen findet, belebt die

Landschaft.

An der linken Bergwand sehen wir bald einen Waldbach, das

+Beuthenwasser+, herab eilen, der zwischen dicht beschatteten

Felsenblöcken einen Fall bildet, und uns vielleicht anlockt, in der

Schlucht hinauf zu gehen, die uns nach +Lichtenhain+ bringt. Dem

Falle gegenüber führt ein Steg über den Bach in den +Dietrichsgrund+,

der zwischen hohen Felsenwänden zum +kleinen Winterberge+ sich

zieht, und aus welchem südlich die +nassen Schlüchte+ zu den beiden

+Speichenhörnern+ laufen.

Ohne uns zu diesen Abschweifungen verlocken zu lassen, setzen wir

die Wanderung im +Kirnitschthale+ fort, wo links am Wege eine Höhle,

durch welche wir gehen können, die +Metze+ genannt wird. Wir kommen

nach wenigen Schritten zu der anmuthigen +Heidemühle+. Wer in dieser

Mühle, der letzten, die wir auf unserm Wege finden, und die uns

mit wohlschmeckender Milch bewirthet, ausruhen will, kann die, eine

Viertelstunde von hier entfernte Höhle am +Wildenstein+ besuchen, und

geht dann vielleicht durch den +Habichtsgrund+ auf den +Kuhstall+.

Von der +Heidemühle+ führt der Weg wieder auf das jenseitige Ufer und

steigt dann am vorspringenden Felsen aufwärts, bis wir zum Fall des

+Lichtenhainer+ Baches kommen, der bei einer Grotte, der +hohle Stein+

genannt, zwischen hohen, von Flechten, Moosen und andern Pflanzen

mahlerisch bekleideten Felsenwänden herab stürzt, und dann über Wiesen

zur +Kirnitsch+ rinnt.

Unweit der Grotte fällt ein Fußpfad herab, der von +Lichtenhain+ zum

Kuhstall führt. Wer von +Schandau+ zum +Kleinstein+ und +Arnstein+

geht, verfolgt hier den Weg aufwärts an der Kirnitsch, die ihn zur

+Lichtenhainer+ Mühle bringt. Wir werden künftig auf diesen Weg zurück

kommen, und gehen jetzt auf das linke Ufer der +Kirnitsch+ hinüber,

wo wir am Abhange des Berges ansteigend, auf den oben erwähnten

+Münzweg+ kommen, der in einen, um den Fuß des +Hausberges+ sich

ziehenden Weg in den +großen Zschand+ fällt. An der +Münze+, wo die

gleichnahmige Pflanze häufig wild wächst, bietet uns der +Münzborn+ ein

treffliches Quellwasser, und wir ersteigen dann auf einem Pfade, den

ein Geländer bequemer macht, den +Hausberg+. Ein auf beiden Seiten von

Nadelholz eingefaßter Weg öffnet sich uns, und bald ragt die prächtige

Felsenhalle, der

Vergißmeinnicht Ein Taschenbuch für den Besuch der sächsischen Schweiz und der angränzenden Theile Böhmens · 第 17 / 44 题