gehen. Der Weg dahin von +Rathen+ am +Grünbach+ hinauf, ist leicht
zu finden. Auf einem steilen Pfade ansteigend, sehen wir rechts
den +Gamrichstein+ und den +Feldstein+, links die +Bastei+ und die
Felsenwände des +Neu-Rathen+ empor ragen. Wir gehen an einer engen
Schlucht vorüber, die +Dachsenhälter+ genannt, aus welcher ein Waldbach
(+dürre Bach+) hervor strömt, und stehen bald vor dem +Amselstein+,
wo der +Grünbach+ über eine, gegen 30 Fuß hohe Wand hinab stürzt. Im
Felsen wölbt sich eine Grotte, über deren Decke der Bach rauscht.
Diese 10 Fuß hohe und 5 Fuß breite Höhle heißt das +Amselloch+. Der
Wasserfall ist bei trocknem Wetter unbedeutend, wenn nicht der Müller
in der Lohmühle bei +Rathewalde+ bewogen wird, die Schlucht seines
Teiches zu öffnen, um den Fall zu verstärken. Ein ansteigender Pfad
zur Linken führt uns über das +Amselloch+ hinaus, und wir kommen
bald zu einem neuen Fall, wo der Bach sich bis zum +Amselstein+ über
Felsenblöcke fortwälzt. Den anmuthigen Weg am +Grünbach+ verfolgend,
treten wir nun aus der Felsenschlucht in ein breites waldiges Thal und
sehen jenseit der +Lochmühle+ das Dorf +Rathewalde+ auf dem Rande der
steilen Felsenwand.
Wir verlassen die Wanderer, die von hier den +Hockstein+ besteigen
und nach +Hohnstein+ gehen, oder die Reise nach +Schandau+ auf der
Fahrstraße fortsetzen wollen, und kehren nach +Rathen+ zurück, um
andere Reiseplane zu besprechen. Am Eingange des +Rathner Grundes+
folgen wir dem Pfade, der uns am jenseitigen Ufer des Grünbaches
zwischen den Häusern des Dorfes +Rathen+ hinan führt, ehe wir die
Anhöhe erstiegen haben, fesseln unsern Blick reizende Aussichten.
Die Felsen, die wir auf unserer frühern Wanderung sahen, die +große+
und +kleine Gans+, der +Neu-Rathen+, die +Bastei+, der +Feldstein+
und +Honigstein+, erscheinen von diesem Standpunkte gleichsam in ein
Ganzes zusammen gedrängt. Zwischen dem +Feldstein+ und dem rechts
emporragenden +Gamrichstein+ treten die hohen Wände des +Ziegenrücks+
hervor, über welche die höhern Felsen der +Hohnsteinwände+, die das
+Polenzthal+ einfassen, herab schauen. Auf dem Rücken der Anhöhe stehen
wir endlich vor dem sogenannten
Backofen,
einem, aus ungeheuren Blöcken tempelartig erbauten, mit einem platten
Dache bedeckten Felsen, durch welchen eine, auf beiden Seiten offne,
rund gewölbte Höhle geht, auf deren Hinterseite man in die furchtbare
Tiefe des Abgrunds blickt. Am Eingange der Halle überschauen wir eines
der reizendsten Landschaftbilder, durch welches sich die Elbe, zwischen
waldigen Ufern von +Königstein+ herabströmend, in einem sanften Bogen
zieht. Jenseit auf dem hohen östlichen Uferrande liegt anmuthig das
Dorf +Weissig+, hinter welchem die +Bärsteine+ und der +Rauenstein+
empor ragen. Wald und Gebüsch, Berge und Thäler, Kornfelder, Wiesen
und Obstbaumpflanzungen ziehen sich auf jenem Uferrande in reizender
Abwechselung hinab, während am Fuße des Gebirges einzelne Häuser aus
Baumschatten hervor blicken. Auf dem diesseitigen Ufer lachen Wiesen
am Fuße nackter Felsenwände und Waldhöhen, die in einem Halbkreise
bis +Wehlen+ laufen, und links blicken über den Strom und sein bunt
geschmücktes Ufer die Felsengipfel des Liliensteins und Königsteins.
Vom +Backofen+ zurückkehrend, kommen wir auf einem kurzen Wege an der
Elbe, wo wir jene Halle von einem andern Standpunkte sehen, zu einem
vorspringenden Felsenhorn, dem man +Ludwigs XVI+ Nahmen gegeben hat,
weil man in dem Umriß des Felsens eine Aehnlichkeit mit des Königs
Kopfe auf Münzen finden will.
Reisende, die der Linie folgen, welche wir in diesem Abschnitte
beschreiben, würden nur im Falle eines längern Aufenthalts in +Rathen+
noch einige Seitenwanderungen in die Gegenden machen können, die wir
nach unserm Plane erst auf künftigen Reisen besuchen. Für diejenigen,
die nicht so eilig sind, ihr nächstes Ziel +Schandau+, zu erreichen,
können wir hier nur Andeutungen geben. Die anziehendsten Punkte,
die noch von +Rathen+ besucht werden können, sind der +Lilienstein+
und +Hohnstein+, und über beide könnte, wenn man den Umweg nicht
scheut, die Reise nach +Schandau+ fortgesetzt werden. Der nächste
Weg von +Rathen+ zum +Lilienstein+ führt vom Ufer der Elbe auf den,
durch das Gebüsch die Höhe hinan steigenden +Lottersteig+, der zu
dem Dorf +Ebenheit+ am Fuße des Felsens uns bringt. Die Fahrstraße
von diesem Dorfe geht über +Walthersdorf+, und von hier über den
+Ziegenrück+ nach +Rathewalde+, oder nach +Hohnstein+, wohin Fußgänger
durch den steilen +Neuweg+, eine enge und furchtbare Felsenschlucht,
auf einem beschwerlichen Pfade hinan steigen. Ueber +Porschdorf+ geht
der Weg von +Walthersdorf+ nach Schandau. Wollen wir den Besuch des
+Königsteins+ mit der Reise zum +Lilienstein+ verbinden, so lassen
wir uns in +Rathen+ auf das linke Elbufer übersetzen und geben über
+Petzscha+ und längs den +Bärsteinen+ über +Weissig+, oder über den
+Diebskeller+ nach +Königstein+, und von hier nach +Ebenheit+ auf dem
jenseitigen Elbufer. Wer von +Rathen+ nach +Hohnstein+ gehen will,
wandert entweder auf dem oben beschriebenen Wege durch den +Amselgrund+
nach +Rathewalde+, und geht dann auf der von +Lohmen+ kommenden Straße
über den +Wartenberg+ nach +Hohnstein+, oder wendet sich von +Rathen+
gleich auf die Straße über den +Ziegenrück+. Von +Hohnstein+ führt der
Weg durch den +tiefen Grund+ in 3 Stunden nach +Schandau+; Fußwanderer
aber werden vielleicht den Umweg über den +Brand+, den +Kikelsberg+,
den +Waizdorfer Berg+, den +tiefen Grund+ und den +Ochelgrund+ wählen.
Alle diese Gegenden beschreiben wir im folgenden Abschnitte, wenn unsre
Wanderungen von +Schandau+ aus uns dahin bringen.
Die Reisenden, welche auf den Abschweifungen, die wir nach der Rückkehr
von der +Bastei+ gemacht haben, uns nicht begleiten, sondern ihren Weg
nach +Schandau+ fortsetzen wollten, finden wir in +Rathewalde+ wieder.
Hier besteigen wir mit ihnen die oben erwähnte Anhöhe bei dem nahen
+Hohburkersdorf+, wo wir einer Aussicht uns erfreuen, welche nördlich
bis über +Neustadt+ und +Stolpen+ reicht, und besonders über +Lohmen+
und +Pirna+ bis nach +Dresden+ ein herrliches Landschaftgemählde
umfaßt, über dessen Rand die Höhen des Erzgebirges bis Altenberg und
Böhmens blaue Bergrücken hervor blicken.
Der Fahrweg von +Rathewalde+ zieht sich über eine steinige Anhöhe,
den +Ziegenrück+, längs den mächtigen Felsenwänden, die über dem
+Hohnsteiner Grunde+ sich erheben. Wir blicken zuweilen in das Thal, an
dessen hohem Rande der Weg läuft, und sehen es bald von Waldschatten
verdüstert, bald von anmuthigen Wiesenmatten erheitert, durch welche
die +Polenz+ sich windet. Steil abwärts senkt sich die Straße nach
+Porschdorf+, wo eine bedeckte Brücke über den +Lachsbach+ führt,
welcher aus der Vereinigung der +Polenz+ und der +Sebnitz+ entsteht.
Jenseit der Brücke verweilen wir auf einem schönen Standpunkte, wo die
Wände des +Ochelgrundes+, aus welchem die +Sebnitz+ hervor strömt, sich
an die Felsenreihen des +tiefen Grundes+ schließen. Der Weg zieht sich
am +Lachsbach+ hinab, der bei +Wendischfähre+ in die Elbe fließt, und
wenn wir hier um den Bergvorsprung uns gewendet haben, sehen wir