zu gehen. Dieses Dorf, wo wir im Lehngerichte, Bewirthung und
Nachtlager finden, liegt auf beiden Ufern der Elbe, der kleinere Theil,
+Ober-Rathen+, auf dem linken, der größere aber, +Nieder-Rathen+,
zieht sich auf dem rechten in den Felsengrund hinauf. In der
Umgegend wächst sehr guter Hopfen, den man dem böhmischen gleich
setzen, und dem bei +Wehlen+ erbauten vorziehen will. Wir verweilen
zuerst vor dem freundlichen Wirthshause an der Elbe, des herrlichen
Landschaftgemähldes uns zu erfreuen, das die Ufer des Stromes, in
welchem links der +Lilienstein+ seine Felsenkrone spiegelt, vor uns
entfalten.
Wer den Besuch der schönen Umgegend von +Rathen+ mit der Reise nach
+Schandau+ verbinden will, kann den bereits beschriebenen Weg zur
+Bastei+ und die noch rückständige Wanderung nicht in +einem+ Tage
zurücklegen, sondern muß am ersten Reisetage entweder in +Lohmen+,
oder in +Rathen+ sein Nachtlager nehmen, und die Frühstunden des
zweiten Tages der neuen Bergwanderung widmen. Ein Führer, den wir im
Wirthshause finden können, bringt uns in den, sich gleich hinter dem
Hause öffnenden +Rathner Grund+, wo diejenigen, welche zuerst die oben
beschriebenen Felsen am +Wehler-Grund+ besehen wollen, sich bald von
uns trennen. Auf die Trümmer der Burg von +Alt-Rathen+, die sich über
dem Dorfe auf einem vorspringenden Felsen erheben, werfen wir nur
einen Blick. Es ist nichts als ein runder Thurm mit kaum zugänglichen
Kellern davon übrig. Die Burg wurde wahrscheinlich schon von den Sorben
angelegt, und später, nach teutscher Art bevestigt, in eine Burgwarte
umgewandelt. Nach den ältesten geschichtlichen Spuren stand +Rathen+
gegen Ende des 13ten Jahrhunderts unter Raubold von Niemancz, welcher
vom König von Böhmen abhängig, Burggraf des Schlosses Königstein war,
später aber kam es vielleicht mit dem Königstein an die Burggrafen von
Dohna. Im 15ten Jahrhunderte, bald nach Vertreibung dieses mächtigen
Rittergeschlechts, finden wir Rathen im Besitze der Edlen von Oelsnitz,
die in eine, von Glaubenshaß entzündeten Fehde, mit ihrem Nachbar,
dem hussitisch gesinnten Hinko Berk von Duba auf Hohnstein verwickelt
waren. Dieser Krieg machte es den Landesherrn, dem Kurfürsten Ernst und
dem Herzog Albert nicht schwer, sich endlich 1468 der Burg Rathen zu
bemächtigen.
Wir besuchen zuerst den +Neu-Rathen+, die Ueberreste einer Felsenburg,
welche vielleicht schon im 12ten Jahrhundert angelegt wurde, als der
Raum in +Alt-Rathen+ zu beschränkt geworden war, und die mit dieser
nach der Eroberung gleiches Schicksal hatte. Wenn wir eine kurze
Strecke am +Grünbach+ hinauf gegangen sind, bringt uns ein steil
ansteigender Pfad zu dem +Wachhäusel+, einer in den Felsen gearbeiteten
vierseitigen Höhle, die vielleicht einst einem Wächter zum Aufenthalte
diente. In der Oeffnung der Felsen, durch welche der Weg dahin
führt, verrathen uns Falze am Eingange, daß sie einst durch ein Thor
verschlossen war. Am Abhange des Berges läuft der Weg im Gehölze fort,
wo links die Elbe aus der Tiefe herauf blickt, und ein Vorsprung, der
+Rosengarten+, oder das +Rosenbett+ genannt, einen günstigen Standpunkt
zur Aussicht in’s Thal darbietet. An dem hohen +Mönchstein+ vorbei
wandernd, kommen wir bald zum Eingange des +Neu-Rathen+, der als eine,
von zwei senkrecht stehenden Felsenkegeln gebildete, gegen 6 Fuß breite
Kluft erscheint, wo man die Falze und Löcher ehemahliger Fallgitter
und Riegel deutlich erkennt. Haben wir dieses Felsenthor hinter uns,
so führt uns ein angenehmer Weg zwischen hohen Felsenwänden aufwärts,
und wir erblicken bald am Abhange des Berges die Trümmer alter, erst
im siebenjährigen Kriege zerstörten Mauern, welche die Sage zu dem
Ueberreste der Burgkapelle macht. Von hier ersteigen wir den Gipfel
des Berges. Ein Felsenstück, wahrscheinlich von Menschenhänden in eine
Bank verwandelt, das +Kanapee+, bietet uns einen Ruheplatz, wo wir die
Aussicht über den Strom genießen, der sich in der Tiefe zwischen seinen
Felsenufern fortwindet, ungefähr dasselbe Landschaftgemählde, das sich
auf der +Bastei+ vor uns ausbreitet, nur minder umfassend, und gegen
Nordwest durch vorspringende Berge und Wälder beschränkt. Wir sehen
hier die Trümmer von +Alt-Rathen+ in der Nähe, und über uns erhebt
sich der steil ansteigende, über 140 Fuß hohe +Mönchstein+ mit dem
+Mönchsloche+, einer selbst vom Elbufer sichtbaren, gegen 5 Fuß breiten
Höhle, die vor Zeiten vielleicht zur Burgwarte diente. Man hat diesen
Felsen auch in neuern Zeiten mit Leitern erstiegen, die auf den vier
Absätzen, woraus er besteht, angelegt wurden.
Auf dem Gipfel des +Neu-Rathen+ erblicken wir ein von Felsenwänden
spitzig gewölbtes Thor, das den Haupteingang der alten Burg bildet, und
finden deutliche Spuren ehemahliger Gemächer, einen von Menschenhänden
angelegten Brunnen und mehre Ueberreste alter Bevestigungen. Am
Ausgange des Felsenthores schauen wir in den Abgrund der +Mardertelle+
hinab. Betrachten wir hier die ganz nahen, auf Felsenspitzen gemauerten
Brückenpfeiler, die aus der Tiefe hervor ragen, so scheint vom
Thore zum ersten Pfeiler eine Zugbrücke gegangen zu sein, über die
entferntern Pfeiler aber bis zur jenseitigen Wand zog sich vermuthlich
eine hölzerne Brücke. Unweit der Brückenpfeiler zieht sich queer über
den Grund eine Felsenerhöhung, die +alte Schanze+ genannt, auf welcher
in der Länge hier eine Vertiefung läuft; wahrscheinlich auch eine
Spur ehemahliger Bevestigungen. -- In neuern Zeiten hat man die halb
verschütteten Stufen wieder aufgegraben, die unweit des Thores auf
die höchste Felsenwand führen. Oben auf der Fläche lagen mehre große
steinerne Kugeln, und da einige Spuren die Vermuthung zu begründen
scheinen, daß man diese Kugeln von hier mittels einer Schleuder auf die
Feinde geworfen, so nannte man den Felsen die +Steinschleuder+.
Die Trümmer der Burg +Neu-Rathen+, wovon nach der Zerstörung im
Jahre 1468 nichts als die Felsenmauer übrig blieben, dienten im
dreißigjährigen Kriege, besonders im Jahre 1639, als Banner mit seinen
Kriegsvölkern +Pirna+ und den +Sonnenstein+ belagerte, den verzagten
Bewohnern der Umgegend als vester Zufluchtort, und eine Inschrift im
Felsen verräth, daß auch bei dem schwedischen Einfall im Jahre 1706
Flüchtlinge hier Schutz gesucht haben, die vielleicht zu jener Zeit
einige neue Bevestigungen zu ihrer Sicherheit anlegten.
Wer Zeit hat, sich in der Gegend von +Rathen+ aufzuhalten, oder
auch über +Rathewalde+ nach +Hohnstein+ zu wandern, kann von dem
+Neu-Rathen+ gleich in den nahen