Wollen wir von der +Bastei+ unsre Reise weiter östlich fortsetzen, so
bieten sich uns verschiedene Wege dar. An einem günstigen Sommertage
haben wir vielleicht Zeit, mit der Reise zur +Bastei+ eine Wanderung
zu den nächsten Felsengestalten zu verbinden, wohin von hier am Rande
des Abgrundes ein Weg führt. Wir kommen zuerst zur +großen Gans+,
die sich an dem, von hohen Felsengruppen umgebenen +Wehlergrund+
erhebt. Die Aussicht von dieser Felsenhöhe zeigt uns eine wilde
Landschaft, aber am Ausgange jenes Grundes werfen wir einen Blick in
das anmuthige Grünbachthal und auf die Häuser von Rathen, über welche
der +Königstein+ und +Lilienstein+ hervorragen. Unweit der großen Gans
erhebt sich eine zerrissene, orgelförmig gestaltete Felsenwand, die
+kleine Gans+, welche gleichfalls ersteigbar ist. Wir sehen uns hier
von dem +Blankhorne+, dem +Amselstein+, +Honigstein+, +Feldstein+,
+Neu-Rathen+ und der +Bastei+ umgeben, während in der Tiefe der
+Tümpelgrund+, der +Rabengrund+, und die furchtbaren +Schwedenlöcher+,
die in dem dreißigjährigen Kriege den Umwohnern eine Zuflucht gewährt
haben mögen, sich öffnen. Ueber diese Felsenwildniß hinaus sehen wir
+Rathewalde+, +Hohnstein+, und rechts das Dorf +Walthersdorf+, worüber
die böhmischen Gebirge hervor ragen.
Wer so weit gegangen ist, geht durch den +Wehlergrund+ zurück, um
sich nach +Rathen+ zu wenden, und erblickt auf diesem Wege die früher
gesehenen Felsen in veränderten Gestalten. Man nähert sich bald der
furchtbaren +Mardertelle+, worein man früher auf dem Wege von +Rathen+
nach der +Bastei+ einen Blick warf. In dieser wilden Schlucht stoßen
die Wände des +Neu-Rathen+ mit den höhern Wänden der +Bastei+ zusammen;
und außer dem aufgemauerten Pfeiler, den wir bereits von oben herab
bemerkten, erblicken wir noch mehre ähnliche, welche die früher
erwähnte Brücke trugen. Man soll hier, wie eine alte Ueberlieferung
erzählt, einst Menschengebeine ausgegraben haben, welche man den Sorben
zuschreiben wollte, die bei der Eroberung des +Neu-Rathen+ in den Grund
hinab stürzten.
Treten wir aus dem +Wehlergrunde+ in das freundliche Thal, wo der
+Grünbach+ hinab fließt, so sehen wir auf der jenseitigen Höhe den
+Feldstein+ empor ragen, eine, vom Wald umgebene Felsenwand, welche
Burgtrümmern ähnlich und von einer natürlichen Höhle durchbrochen
ist, wo man auf vorspringenden Felsenspitzen ruhend, die umliegende
Landschaft überschaut, die das nahe +Rathen+ mit seinen Trümmern, die
Elbe, den +Königstein+ und +Lilienstein+ umfaßt. Gegenüber erheben sich
die zerrissenen Pfeiler der +kleinen Gans+. An den +Feldstein+ gränzt
der +Honigstein+, der auf allen Seiten von tiefen Schluchten umgeben,
und am bequemsten vom +nassen Gründel+ bestiegen wird, wenn man die,
besonders gegen Ost und Südost reiche Aussicht von seinem Gipfel
genießen will, die uns ein beinahe so herrliches Landschaftgemählde
zeigt, als wir auf dem Felsenhorne der +Bastei+ gesehen haben. Lassen
wir den Blick über die furchtbare Schlucht des +nassen Grundes+, die
sich vor uns öffnet, hinweg gleiten, so blickt uns vom jenseitigen
Rande des Abgrunds die freundliche Landschaft von +Hohnstein+ und
+Rathewalde+ entgegen. Ueber +Hohnstein+ ragen die Wände des tiefen
Grundes hervor, und über diese schaut der +große Winterberg+ mit
seinen böhmischen Nachbarn. Die beiden Gränzhüter des Elbthals, der
+Königstein+ und +Lilienstein+, erheben sich gegen Mittag und die Höhen
des Erzgebirges dämmern im Hintergrunde.
Der Rückweg vom +Honigstein+ geht durch den +Saugrund+, der uns wieder
in das +Grünbachthal+ bringt, wo wir mit den Wanderern zusammen
treffen, die auf dem nächsten Wege von der +Bastei+ durch die
+Vogeltelle+ (s. oben S. 31.) herabkommen, um mit uns nach