II. Reise von +Rathen+ nach +Schandau+.

Wollen wir von der +Bastei+ unsre Reise weiter östlich fortsetzen, so

bieten sich uns verschiedene Wege dar. An einem günstigen Sommertage

haben wir vielleicht Zeit, mit der Reise zur +Bastei+ eine Wanderung

zu den nächsten Felsengestalten zu verbinden, wohin von hier am Rande

des Abgrundes ein Weg führt. Wir kommen zuerst zur +großen Gans+,

die sich an dem, von hohen Felsengruppen umgebenen +Wehlergrund+

erhebt. Die Aussicht von dieser Felsenhöhe zeigt uns eine wilde

Landschaft, aber am Ausgange jenes Grundes werfen wir einen Blick in

das anmuthige Grünbachthal und auf die Häuser von Rathen, über welche

der +Königstein+ und +Lilienstein+ hervorragen. Unweit der großen Gans

erhebt sich eine zerrissene, orgelförmig gestaltete Felsenwand, die

+kleine Gans+, welche gleichfalls ersteigbar ist. Wir sehen uns hier

von dem +Blankhorne+, dem +Amselstein+, +Honigstein+, +Feldstein+,

+Neu-Rathen+ und der +Bastei+ umgeben, während in der Tiefe der

+Tümpelgrund+, der +Rabengrund+, und die furchtbaren +Schwedenlöcher+,

die in dem dreißigjährigen Kriege den Umwohnern eine Zuflucht gewährt

haben mögen, sich öffnen. Ueber diese Felsenwildniß hinaus sehen wir

+Rathewalde+, +Hohnstein+, und rechts das Dorf +Walthersdorf+, worüber

die böhmischen Gebirge hervor ragen.

Wer so weit gegangen ist, geht durch den +Wehlergrund+ zurück, um

sich nach +Rathen+ zu wenden, und erblickt auf diesem Wege die früher

gesehenen Felsen in veränderten Gestalten. Man nähert sich bald der

furchtbaren +Mardertelle+, worein man früher auf dem Wege von +Rathen+

nach der +Bastei+ einen Blick warf. In dieser wilden Schlucht stoßen

die Wände des +Neu-Rathen+ mit den höhern Wänden der +Bastei+ zusammen;

und außer dem aufgemauerten Pfeiler, den wir bereits von oben herab

bemerkten, erblicken wir noch mehre ähnliche, welche die früher

erwähnte Brücke trugen. Man soll hier, wie eine alte Ueberlieferung

erzählt, einst Menschengebeine ausgegraben haben, welche man den Sorben

zuschreiben wollte, die bei der Eroberung des +Neu-Rathen+ in den Grund

hinab stürzten.

Treten wir aus dem +Wehlergrunde+ in das freundliche Thal, wo der

+Grünbach+ hinab fließt, so sehen wir auf der jenseitigen Höhe den

+Feldstein+ empor ragen, eine, vom Wald umgebene Felsenwand, welche

Burgtrümmern ähnlich und von einer natürlichen Höhle durchbrochen

ist, wo man auf vorspringenden Felsenspitzen ruhend, die umliegende

Landschaft überschaut, die das nahe +Rathen+ mit seinen Trümmern, die

Elbe, den +Königstein+ und +Lilienstein+ umfaßt. Gegenüber erheben sich

die zerrissenen Pfeiler der +kleinen Gans+. An den +Feldstein+ gränzt

der +Honigstein+, der auf allen Seiten von tiefen Schluchten umgeben,

und am bequemsten vom +nassen Gründel+ bestiegen wird, wenn man die,

besonders gegen Ost und Südost reiche Aussicht von seinem Gipfel

genießen will, die uns ein beinahe so herrliches Landschaftgemählde

zeigt, als wir auf dem Felsenhorne der +Bastei+ gesehen haben. Lassen

wir den Blick über die furchtbare Schlucht des +nassen Grundes+, die

sich vor uns öffnet, hinweg gleiten, so blickt uns vom jenseitigen

Rande des Abgrunds die freundliche Landschaft von +Hohnstein+ und

+Rathewalde+ entgegen. Ueber +Hohnstein+ ragen die Wände des tiefen

Grundes hervor, und über diese schaut der +große Winterberg+ mit

seinen böhmischen Nachbarn. Die beiden Gränzhüter des Elbthals, der

+Königstein+ und +Lilienstein+, erheben sich gegen Mittag und die Höhen

des Erzgebirges dämmern im Hintergrunde.

Der Rückweg vom +Honigstein+ geht durch den +Saugrund+, der uns wieder

in das +Grünbachthal+ bringt, wo wir mit den Wanderern zusammen

treffen, die auf dem nächsten Wege von der +Bastei+ durch die

+Vogeltelle+ (s. oben S. 31.) herabkommen, um mit uns nach

Vergißmeinnicht Ein Taschenbuch für den Besuch der sächsischen Schweiz und der angränzenden Theile Böhmens · 第 14 / 44 题