führen. Es öffnen sich uns zwei Wege in dieses Felsenthal. Der eine
läuft längs dem Dorfe +Ottowalde+, das eine Viertelstunde von
+Lohmen+, auf der südlichen Felsenwand liegt, über eine von Gebüschen
eingeschlossene Wiese, zu einer Treppe von 114 Stufen, welche mit
vielen Wendungen in die Tiefe hinab führt; der andere aber bringt
uns quer durch das Dorf in einen Arm des Thales, der die +Kluft+
genannt wird. Wir folgen diesem Wege und stehen bald zwischen steilen
Wänden, die auf beiden Seiten, oft wunderbar gestaltet, und senkrecht
zerklüftet, über 110 Fuß empor ragen. Gruppen von Sträuchern und
Bäumen, Farrenkräuter und goldfarbiges Moos bedecken mahlerisch diese
Felsenwände. Ein Bach fließt durch die Tiefe. Die engen geschlossenen
Wände, worein oft nur ein schmaler Bogen des Himmels hinab blickt,
treten bald auf beiden Seiten aus einander und bilden ein breiteres
Thal. Links zieht sich eine Felsenschlucht, der +Schleifgrund+ nach
+Lohmen+. Dem Laufe des Hauptthales folgend, sehen wir nicht weit von
jenem Grunde die oben erwähnten Stufen, die nach +Ottowalde+ hinan
führen. Hier und an einigen andern Stellen, wo das Thal sehr schmal
ist, hohlen die Bewohner von +Ottowalde+ vom jenseitigen Ufer Holz
und Steine, auf großen Handschlitten, +Rappern+ genannt, die man
an einem, um zwei Bäume diesseit und jenseit geschlungenen, schräg
über den Grund laufenden Seite hinüber und zurück gleiten läßt.
Durch die zusammenrückenden Felsenwände windet sich nur ein schmaler
Durchgang, über welchem drei herab gestürzte Blöcke wie ein Thor sich
wölben. Jenseit dieses Thores wird das Thal breiter, bald aber wieder
verengt. Das +steinerne Haus+ nennt man einige, wie Dächer gelegte
Steinblöcke, welche Höhlen decken, wo die Bewohner der umliegenden
Gegend in Kriegeszeiten ihre geflüchtete Habe bargen. Nicht weit
von hier finden wir eine Höhle, die sich durch zusammen gefallene
Felsen zieht, welche eine schornsteinartige Oeffnung haben. Sie wird
die +Teufelsküche+ genannt. Ein anmuthiges Thal, von einem kleinen
Felsenbache +Zschirregrund+ genannt, öffnet sich nicht weit von hier,
und zieht sich zwischen Felsenwänden hinan, die mit Farrenkräutern und
Moosen bekleidet sind.
Wir sind hier auf dem nächsten und bequemsten Wege zur +Bastei+, und
gelangen an eine Felsenecke, wo sich der +Zschirregrund+ in zwei
Arme spaltet. Ein links auslaufendes Thal, der +Holzengrund+, führt
nach +Rathewalde+. Unser Weg läuft rechts durch ein sehr rauhes,
von feuchten Wänden eingeschlossenes Thal, das die +Hölle+ genannt
wird. Ehe wir es betreten, zeigt uns der Führer die Stelle, wo der
+Königstein+, der +Lilienstein+ und der +Pfaffenstein+ durch eine
Waldblöße sichtbar sind, und auf einem Thalrande sehen wir die +große+
und +kleine Gans+. Nach dem kurzen Wege durch die +Hölle+, kommen
wir auf eine große Wiese, die +Wehle+, wo wir unter Bäumen an der
Felsenwand einen steinernen Tisch mit Bänken finden, der im Anfange des
vorigen Jahrhunderts bei Gelegenheit eines Jagdfestes gesetzt wurde.
Hier liegt der Pfad vor uns, der uns bald auf die +Bastei+ und nach
+Rathen+ bringt.
Die bereits erwähnte, durch einen Wolkenbruch erzeugte Flut im
September 1822 hat in diesem Thale, besonders in dem Hauptthale, das
sich nach der Elbe hinab senkt, große Verheerungen angerichtet. Dieses
Hauptthal, der +Raingrund+ genannt, theilt sich in drei Arme. Rechts
zieht sich der +Teufelsgrund+, dessen obere Ecke die +Bärecke+ heißt,
auf eine Anhöhe, über welche der Weg nach +Lohmen+, und zum Dorfe
+Wehlen+ geht. Der mittle Grund bringt uns zu diesem Dorfe und zum
Städtchen +Wehlen+. Der dritte, links hinauf laufende Arm öffnet sich
in ein breites freundliches Thal, das uns bald in dieses Städtchen
führt.
Reisende, die sich von +Pirna+ auf das rechte Elbufer übersetzen
lassen, um von hier die +Bastei+ und +Rathen+ zu besuchen, gehen auf
anmuthigen Wiesenpfaden, unter stets wechselnden Ansichten einer reich
geschmückten Landschaft, aufwärts über die Dörfer +Nieder-Posta+,
+Ober-Posta+ und +Zeichen+ nach +Wehlen+, das von Obstpflanzungen
und Hopfengärten umgeben, am Ausgange des Ottowalder Thales unter
hohen Felsenwänden längs der Elbe liegt, deren schöner Spiegel sich
in sanften Krümmungen zwischen den felsigen, jenseit dicht bewaldeten
Ufern hinab zieht. Ueber dem Städtchen, wo 700 Einwohner sich von
Leinweberei, Baumwollespinnen, Obst- und Hopfenbau und besonders auch
vom Korn- und Steinhandel nähren, ragen die ansehnlichen Trümmer
des alten Schlosses hervor. Die Geschichte dieser Burg ist dunkel.
Ursprünglich wurde sie vielleicht schon von den Sorben angelegt,
später aber, als die Ansiedelung der Teutschen jene verdrängt hatten,
wahrscheinlich in eine Burgwarte verwandelt, und in der Folgezeit
der Hauptsitz der Herrschaft Wehlen. Diese gehörte bereits im 13ten
Jahrhundert zum Markgrafthum Meißen, ward aber später böhmisches Lehen,
bis sie zu Anfange des 15ten Jahrhunderts mit Pirna vom König Wenzel an
Meißen verpfändet wurde. Schon im 16ten Jahrhundert, als die damahligen
Besitzer dieser Herrschaft, die Herren von Schönburg, das Schloß
+Lohmen+ neu erbauten und es zu ihrem Wohnsitze machten, scheint das
Schloß verfallen gewesen zu sein, und wurde seitdem so ganz verödet,
daß 1788 eine Mauer einstürzte und ein Haus von der Stelle schob.
Von +Wehlen+ führt ein sehr anmuthiger, aber nur für Fußwanderer
gangbarer Weg längs der Elbe am Fuße der hohen Felsenwand in 3
Viertelstunden nach +Rathen+, wenn man sich nicht auf das jenseitige
Ufer übersetzen lassen, und auf einem angenehmern Wege, im Angesichte
der Felsen von Rathen, bis +Ober-Rathen+ wandern will, wo man wieder
auf’s rechte Ufer hinüber fährt. Die Reisenden, die von +Pirna+ nach
+Wehlen+ gekommen sind, gehen nun entweder durch das +Ottowalder Thal+
und den +Zschirregrund+ auf dem bereits beschriebenen Wege, oder über
+Rathen+ auf die +Bastei+. Jener ist vorzuziehen, da sich uns hier
die überraschende Aussicht von dem hohen Felsenvorsprunge auf einmahl
öffnet, die wir auf dem letzten Wege theilweise von mehren Standpunkten
betrachten. Wer aber diesen Weg wählt, wandert von +Rathen+ in dem
anmuthigen +Grünbachthale+ hinauf, wendet sich dann in den felsigen
+Wehlergrund+ und kommt aus diesem auf den, in neuern Zeiten bequemer
gewordenen Pfad, der durch die +Vogeltelle+ zwischen hohen Felsen hinan
führt.
Endlich stehen wir auf dem, kaum 10 Fuß breiten Gipfel des
vorspringenden, gegen 600 Fuß über die Elbfläche und 973 Par. Fuß über
das Meer sich erhebenden Felsenhornes, das wegen der Aehnlichkeit mit
Bevestigungen den Nahmen