Denken wir uns nun in die Kamera einen Mechanismus eingebaut, der diese

Handgriffe selbsttätig ausführt, so haben wir den kinematographischen

Aufnahmeapparat, wie er in Fig. 33 dargestellt ist. Man braucht

nur eine Kurbel zu drehen, dann schießt der Apparat wie ein

Schnellfeuergeschütz los und macht auf das Filmband in rascher Folge

eine große Anzahl von Aufnahmen -- wie wir hörten, durchschnittlich 16

in der Sekunde.

Von dem erhaltenen Negativfilm wird durch Kopieren der Positivfilm

hergestellt, wovon Fig. 31 ein Stück zeigte. Diesen Positivfilm

bringen wir nun in den Lichtbilderapparat, um ihn als lebendes Bild

auf die Wand zu werfen. Die allgemeine Projektionsanordnung ist in

Fig. 34 dargestellt. Links haben wir die Laterne mit der Lichtquelle,

am besten einer Bogenlampe; in der Vorderwand bei #K# die beiden

Kondensierungslinsen, welche die Lichtstrahlen aufnehmen und in

einem Kegel vorne in das Objektiv #O# leiten. Das Objektiv dirigiert

die Strahlen derart weiter, daß von dem an der Belichtungsstelle

befindlichen Bildchen a auf der Projektionswand ein scharfes Lichtbild

entsteht.

Die Vergrößerung dabei ist eine beträchtliche. Wenn der

Projektionsschirm beispielsweise 2-1/2 #m# breit ist, so erhalten wir

von dem 2-1/2 #cm# breiten Filmbildchen der Linie nach eine 100fache,

der Fläche nach eine 10000fache Vergrößerung; bei 5 #m# breitem

Schirm ist die Flächenvergrößerung gar eine 40000fache. Es ist leicht

verständlich, daß wir hier ein Objektiv kürzerer Brennweite brauchen

als zur Projektion von Glasbildern. Da die Filmbilder linear etwa

ein Drittel so groß sind als die handelsüblichen Diapositive, so muß

die Brennweite des Kinematographenobjektivs unter sonst gleichen

Verhältnissen (gleicher Abstand und Schirmgröße) etwa ein Drittel so

lang sein als das Objektiv des Lichtbilderapparats.

[Illustration: Fig. 34. Das Filmband im Lichtbilderapparat.]

Um nun auf dem Projektionsschirm die richtige Wirkung zu erhalten,

müssen wir das Filmband in der gleichen Weise ruckweise weiterbewegen,

wie dies vorher bei der Aufnahme in unserm Kodak geschah, den wir

uns mechanisch betrieben dachten: der Film bleibt jedesmal einen

Augenblick an der Belichtungsstelle ruhig stehen, dann springt er um

ein Bild weiter, steht wieder ruhig, springt weiter und so fort. Die

Verschlußscheibe #S# mit der Öffnung #T# brauchen wir auch hier; sie

soll nämlich das Objektiv immer in dem Moment verschließen, wo sich der

Film weiterbewegt, damit wir das Rutschen der Bilder nicht wahrnehmen.

Wir müssen uns also auch in den Lichtbilderapparat einen Mechanismus

einbauen, der das Filmband ruckweise weiterbewegt und bei jedem

Bildwechsel das Objektiv verschließt. Nehmen wir an, ein solcher

Kinematographmechanismus wäre beschafft. Wenn wir dann die Kurbel

des Werkes zunächst ganz langsam drehen, so werden wir folgenden

Vorgang wahrnehmen. Der Film steht einen Augenblick still, trotzdem

wir gleichmäßig drehen; nun wandert er um ein Stückchen weiter; jetzt

steht er wieder still, und so geht's immer ruck, ruck, ruck vorwärts.

Dabei bringt jede Bewegung des Filmbandes ein neues Bild an die

Belichtungsstelle, das dort eine gewisse Zeit stehen bleibt. Blicken

wir nun, während wir langsam weiterdrehen, auf den Projektionsschirm,

so sehen wir daselbst den gleichmäßigen Wechsel: Bild -- dunkel --

nächstes Bild -- dunkel -- nächstes Bild -- dunkel usw. Wir beobachten,

wie jedes Lichtbild einen Augenblick stehen bleibt, um dann dem

nächsten Platz zu machen. Von der Weiterbewegung des Filmbandes können

wir aber nichts merken; denn während dieser Zeit blendet immer die

Verschlußscheibe die Lichtstrahlen ab; daher das »Dunkel«.

Jetzt wollen wir das Werk rascher drehen und dann noch rascher. Da

kommt ein Moment, wo unser Auge die dunkeln Zwischenpausen nicht mehr

unterscheidet; die einzelnen Bilder verschmelzen ineinander; das

Lichtbild gewinnt Leben, die Figuren bewegen sich.

Das Flimmern und die Mittel zur Abhilfe

[Illustration: Fig. 35. Zweiflügelige Blendscheibe.]

[Illustration: Fig. 36. Dreiflügelige Blendscheibe.]

Aber der ewige Wechsel zwischen hell und dunkel, der doch tatsächlich

auch jetzt noch besteht, bleibt dem Auge nicht völlig verborgen, er

macht sich durch ein mehr oder minder starkes Flimmern bemerkbar.

Da fragt es sich: durch welche Maßnahmen kann man das Flimmern

abschwächen. Wie ein Versuch zeigt, und wie wissenschaftliche

Untersuchungen bestätigt haben, wird diese störende Erscheinung um so

geringer, je schneller man den Mechanismus dreht; es wird dann eben

eine raschere Folge hell-dunkel herbeigeführt. Aber dieses Mittel

kann uns praktisch nichts helfen; denn die Darstellung wird dann

unwahr, die Bewegungen werden überstürzt -- es sei denn, daß man die

kinematographische Aufnahme mit entsprechend größerer Geschwindigkeit

macht, daß man also anstatt 16 Bilder in der Sekunde beispielsweise

deren 32 herstellt. Das würde aber eine Verdoppelung der Länge und

des Preises des Filmbandes bedeuten, die man auf jeden Fall vermeiden

will. Es muß also ein anderes Mittel gesucht werden, und zu diesem

führt folgende Überlegung. Wir müssen zur Abschwächung des Flimmerns

eine möglichst große Zahl von Wechseln hell-dunkel herbeiführen --

setzen wir uns als Ziel einmal 32 solcher Wechsel in der Sekunde.

Dabei soll aber die Zahl der Bilder, die in der Sekunde gezeigt

werden, nicht über 16 hinausgehen. Die Verdunkelungen werden durch

die Blendscheibe bewirkt. Lassen wir diese nun mit der normalen

Geschwindigkeit (16 Umdrehungen in der Sekunde) laufen, so muß sie,

um 32 Wechsel hell-dunkel zu bewirken, zwei Flügel haben, also eine

Form besitzen, wie sie Fig. 35 zeigt. Innerhalb der Zeit, wo diese

Blende eine Umdrehung ausführt, wird ein Filmbildchen projiziert und

dieses Bild gegen das nächste ausgewechselt. Der Bildwechsel (das

Weiterrutschen des Filmbandes), muß aber in der Zeit geschehen, während

welcher sich einer der beiden Flügel, z. B. #A#, vor dem Objektiv

beendet; für die Filmbewegung bleibt mithin eine verhältnismäßig

kurze Zeit übrig, die nur ein Viertel der Umdrehungszeit ausmacht,

welch letztere wiederum 1/16 Sekunde beträgt, so daß wir für die

Filmbewegung von Bild zu Bild 1/64 Sekunde zur Verfügung haben. Während

der übrigen 3/4 der sechzehntel Sekunde steht der Film still, und in

dieser Zeit schlägt der zweite Flügel #B# -- scheinbar nutzlos --

dazwischen. Aber wir kennen seine Aufgabe: er soll durch Vermehrung der

Verdunkelungsperioden das Flimmern verhindern.

Nun können wir unser Ziel noch höher stecken und sagen: wir wollen

das Flimmern weiter reduzieren und 48 Verdunkelungen in der Sekunde

vornehmen. Dazu brauchen wir die in Figur 36 dargestellte Blende mit

drei Flügeln. Der Bildwechsel muß hier in der kurzen Zeit geschehen,

innerhalb welcher der Flügel #A# in Tätigkeit tritt, und da dieser 1/6

der Kreisscheibe ausmacht, so steht für die Filmbewegung nur 1/6 von

1/16 Sekunde = 1/96 Sekunde zur Verfügung. Prinzipiell könnten wir noch

weitergehen und eine Blende mit acht oder noch mehr Flügeln anwenden;

aber da wird schließlich die Anforderung an den Transportmechanismus,

der die sprungweise Bewegung vollführt, zu groß, und auch der Film

würde durch die heftigen, ruckweisen Zerrungen zu stark mitgenommen

werden. In der Praxis findet man die Theaterapparate in der Regel

mit der dreiteiligen Blende (Fig. 36) ausgerüstet, während kleinere

Apparate vielfach die zweiteilige Blende (Fig. 35) besitzen.

Die Konstruktion des Transportmechanismus

[Illustration: Fig. 37. Malteserkreuz.]

[Illustration: Fig. 38. Malteserkreuzeinrichtung mit starkem Tempo.]

Nachdem wir nun die Anforderungen, welche an den Transportmechanismus

gestellt werden, kennen gelernt haben, wollen wir die verschiedenen

Konstruktionsanordnungen betrachten. Man unterscheidet hauptsächlich

vier Apparattypen, und zwar bezeichnet man diese kurz als

Malteserkreuz, Schläger, Greifer und Klemmzug (oder Nockenapparat).

Das Malteserkreuz wird heute bei den Projektionsvorrichtungen am

meisten angewandt; in zweiter Linie der Schläger, während Greifer und

Klemmzug weniger benutzt werden. Aufnahmeapparate hingegen rüstet man

meistens mit dem Greifer aus, da diese Type für Kameras besonders

geeignet erscheint. Die Malteserkreuzeinrichtung zunächst ist in

Fig. 37 dargestellt. Der Film läuft um die Zahntrommel #W#, die mit

ihren Zähnen in die Löcher des Bandes eingreift, und die es somit

zwingt, alle Bewegungen der Trommel mitzumachen. Auf der Achse der

Zahntrommel sitzt eine Sternscheibe (das Kreuz), und dieser wird durch

eine rotierende Stiftscheibe #A B# mit dem Stift #E# periodisch eine

Viertelumdrehung erteilt. Dabei schlägt die Zahntrommel gleichfalls

um ein Viertel herum und zieht den Film immer genau um ein Bild

weiter. Wie man beim Malteserkreuz ein stärkeres Tempo erzielen kann,

um dadurch das Flimmern geringer zu machen, deutet Fig. 38 an. Man

braucht nur die Eingriffscheibe #A B# recht groß zu nehmen. Solange die

Sternscheibe mit dem schraffierten Teil der Scheibe #A# in Berührung

ist, steht sie still; der Wechselvorgang wickelt sich ab in der kurzen

Zeit, wo der Eingriff bei dem nicht schraffierten Teil in Tätigkeit

tritt.

[Illustration: Fig. 39. Schläger.]

[Illustration: Fig. 40. Greifer.]

[Illustration: Fig. 41. Klemmzug (Nockenapparat).]

Die Wirkungsweise des Schlägersystems, welches Fig. 39 schematisch

andeutet, ist folgende. Der Film läuft, nachdem er aus der

Belichtungsstelle #B# kommt, um den Stift #T# einer rotierenden

Exzenterscheibe #S# und dann um eine ebenfalls rotierende Zahntrommel

#B#. Der Stift schlägt, jedesmal, wenn er sich nach unten bewegt, auf

den Film und zieht ihn dabei um ein Bild vorwärts. Während der Stift

sich aufwärts bewegt und die Zahntrommel den vom Stift geschlagenen

Bausch verzehrt, ist der Film an der Belichtungsstelle in Ruhe.

-- Der Greifer, von welchem Figur 40 die einfachste Form zeigt,

besteht aus einer sich auf- und niederbewegenden Gabel; diese greift

oben angekommen in die Löcher des Filmbandes ein, zieht es bei der

Abwärtsbewegung mit, und zwar genau um ein Bild, läßt in der untersten

Stelle den Film los und geht »leer« hoch, um das Spiel in gleichmäßigem

Gange zu wiederholen. Beim Klemmzug endlich (Fig. 41) geschieht die

ruckweise Fortbewegung des Filmbandes durch zwei rotierende Trommeln

#Ww#, die so weit auseinanderstehen, daß der dazwischenlaufende Film

normalerweise nicht mitgenommen wird. Die größere Trommel besitzt nun

an ihrem Umfange ein aufgesetztes Segment #E#. Sobald dieses Segment

an die Berührungsstelle kommt, wird der Film eingeklemmt und mit

fortgezogen. Die Größe des Segments ist auf ein Bild berechnet. Jedoch

genügt diese Anordnung nicht für einen exakten Transport -- daher ist

oberhalb der Belichtungsstelle #B# eine Zahntrommel #R# angebracht,

die während jeder Umdrehung der Reibungstrommeln den Film um ein Bild

vorschiebt und mithin nur so viel frei gibt, als unten fortgezogen

werden darf.

Die Vervollständigung des Kinematographmechanismus

[Illustration: Fig. 42. Schema eines Kinematograph-Mechanismus.]

Zu einem vollständigen Kinematographmechanismus gehören nun noch

allerlei Teile; sie sind in Fig. 42 schematisch zusammengestellt,

und zwar für einen Malteserapparat. Die Antriebsräder sowie auch

die Malteserkreuzeinrichtung, das Objektiv und die Blendscheibe

sind der Übersicht halber fortgelassen. Das Filmband sitzt auf der

Spule #A#, läuft um die Zahntrommel #B#, gegen welche es durch einen

federnden Rollenhalter gedrückt wird. Diese kontinuierlich laufende

Trommel führt den Film der Belichtungsstelle #D# gleichmäßig zu.

An der Belichtungsstelle wird das Band in einer Türe eingeklemmt,

und zwar besitzt der aufklappbare Teil Federn, die sich gegen die

gelochte Randpartie des Bandes pressen. Damit die Bildschicht nicht

aufschleift und verkratzt wird, ist die Auflagefläche in der Breite

des eigentlichen Bildes vertieft, so daß nur die Randstücke wie

auf Schienen laufen. Unterhalb der Belichtungsstelle befindet sich

die kleine Zahntrommel #E#, welche von dem nicht dargestellten

Malteserkreuz den periodischen Antrieb erhält und dabei den Film

jeweils um ein Bild aus der Türe herauszieht. Zwischen Türe und oberer

Trommel #B# muß das Band einen Bausch #C# bilden. Unten läuft der Film,

nachdem er ebenfalls einen Bausch #F# gebildet hat, wiederum über

eine große Zahntrommel #G#, um durch diese der Aufwickelvorrichtung

mit der Spule #K# gleichmäßig zugeführt zu werden. #H# und #J# sind

kleine Laufrollen. An der Trommel #G# ist die zum Antrieb mit der Hand

vorgesehene Kurbel angebracht.

[Illustration: Fig. 43. Schlägerapparat.]

Fig. 43 zeigt die perspektivische Ansicht eines Schlägermechanismus,

bei welchem die ruckweise Weiterbewegung durch den unterhalb der Türe

angeordneten Exzenterstift, den Schläger, bewirkt wird. Der Lauf des

Filmbandes durch die verschiedenen Teile des Werkes von der obern Spule

bis zur untern Aufwickelspule ist deutlich zu erkennen. Vorne sitzt

auf einer sich ständig drehenden Achse die Blendscheibe, welche bei

der dargestellten Ausführung zweiflügelig ist; sie befindet sich vor

dem Objektiv. Das Objektiv läßt sich mit Hilfe eines Hebels der Höhe

nach verstellen und gleichzeitig damit wird ein kleines Fensterchen

verstellt, welches das in der Belichtungsstelle sitzende Filmbildchen

genau einrahmt. Diese Stellvorrichtung hat folgenden Zweck. Es kommt

vor, daß der Film, sei es von vornherein beim Einspannen oder während

der Vorführung infolge falschen Zusammenklebens zweier Filmteile so

in die Türe zu liegen kommt, daß das Bildchen zu hoch oder zu tief in

der Umrahmung sitzt. In solchem Falle also stellt man die Umrahmung

selbst nebst dem Objektiv nach. Bei manchen Apparaten erfolgt diese

Verstellung mit Hilfe eines Zahntriebes. Andere Modelle wiederum

korrigieren die falsche Bildeinstellung in der Weise, daß der ganze

Bewegungsmechanismus oder ein Teil davon mitsamt dem Film gehoben bzw.

gesenkt wird, während Fensterrahmen und Objektiv stehen bleiben.

Die Aufrollvorrichtung wird bei dem abgebildeten Apparat durch einen

Spiralzug angetrieben. Ein starrer Antrieb ist hier nicht verwendbar,

da die Aufwickelspule, je mehr Film daraufkommt, je größer also die

Rolle wird, um so langsamer laufen muß. Wendet man eine Zahnrad- oder

Kettenradübersetzung an, wie dies namentlich bei den Theaterapparaten

mit ihren großen Filmspulen geschieht, so muß auf der Achse unten eine

Friktionsscheibe eingesetzt werden, die nachgibt in dem Maße, wie die

Spule sich vollwickelt. Die Stärke der Friktion läßt sich dabei durch

eine Regulierschraube einstellen.

[Illustration: Fig. 44. Malteserkreuzapparat.]

Ein für Dauerbetrieb geeigneter Malteserkreuzapparat ist in Fig. 44

wiedergegeben. Die Malteserkreuzeinrichtung, welche sich -- wie die

Abbildung veranschaulicht -- nach Lösung des Lagerblocks entfernen und

auseinandernehmen läßt, läuft in einem Ölbade, wodurch ein ruhigeres

Arbeiten und eine geringere Abnutzung dieser Teile herbeigeführt

werden soll. Ist doch die Beanspruchung des Kreuzes, auf welches der

Eingriffstift 60000mal in der Stunde einschlägt, eine außerordentlich

große.

Das Ölbad ist bei vielen Ausführungen ein geschlossenes, während

bei der dargestellten Anordnung das Öl aus einem oben angebrachten

Vorratsgefäß gewissermaßen als Dusche auftropft und aus der

»Badewanne« überläuft, wenn ein gewisser Stand erreicht ist. Die

Malteserkreuzeinrichtung läßt sich ferner verstellen, indem man den

Lagerblock dreht; dadurch nähert bzw. entfernt sich das Kreuz von der

Eingriffscheibe, und man kann nun die Teile so einrichten, daß sie

exakt und ohne Spiel aufeinander arbeiten.

Feuerschutzeinrichtungen

Links von der geöffneten Türe (Fig. 44) ist noch eine viereckige

Platte sichtbar: die Feuerschutzscheibe. Diese sperrt, solange der

Apparat stillsteht, das Licht ab, so daß keine Strahlen den Film

treffen können. Das aus Zelluloid bestehende Filmband ist nämlich

leicht entzündlich und kann durch die von dem intensiven Bogenlicht

ausgehenden Strahlen leicht in Brand gesetzt werden, wenn diese

Zeit haben, darauf zu wirken. Sobald man das Werk in Betrieb setzt

und der Film läuft, geht die Platte selbsttätig hoch und gibt die

Belichtungsstelle frei, um aber sofort wieder herunterzufallen, wenn

der Mechanismus still gesetzt wird. Die Vorrichtung zum selbsttätigen

Anheben der Feuerschutzscheibe besteht beispielsweise aus einem

Regulator mit zwei schwingenden Kugeln, wie man ihn bei Dampfmaschinen

hat. Die Scheibe braucht übrigens nicht alle Strahlen abzusperren:

wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, daß durch eine

gitterartige Scheibe ein ausreichender Wärmeschutz bewirkt wird;

eine solche läßt genügendes Licht durch, um nach dem Einspannen des

Bandes das Filmbild mit Ruhe scharf einstellen zu können -- ja sie

erlaubt, mitten aus dem Film an beliebiger Stelle einzelne Bilder als

»stehende Lichtbilder« zu projizieren, was namentlich bei der Erklärung

wissenschaftlicher Filme von Nutzen ist. Man braucht dazu nur die

Drehung des Werkes zu unterbrechen: die Gitterscheibe fällt und schützt

das projizierte Bildchen während der längern Belichtung.

Außer dieser Einrichtung sind für die bei öffentlichen Vorführungen

angewandten Apparate sogenannte feuersichere Trommeln vorgeschrieben,

welche die beiden Filmspulen umschließen und den Film nur durch einen

schmalen Schlitz heraus- bzw. hereinlassen. Es soll dadurch die

Übertragung eines Brandes auf die Filmrollen verhindert werden. Während

früher die Trommeln bis auf den Schlitz vollständig geschlossen sein

mußten, bringt man jetzt Luftlöcher an; man hat nämlich gefunden, daß

das Zelluloid auch in der geschlossenen Büchse weiterbrennen kann, und

zwar flammenlos unter Entwicklung giftiger, explosionsgefährlicher

Dämpfe, und daß es viel weniger schlimm ist, wenn der Film unter

Luftzutritt mit Flamme wegbrennt. Es steht zu erwarten, daß mit der

Zeit der leicht entzündliche Zelluloidfilm durch ein schwer brennbares

Filmmaterial, wie es im Zellit heute schon vorliegt, verdrängt wird.

Verbindung von Lichtbilderapparat und Kinematograph

[Illustration: Fig. 45. Verbindung von Lichtbilderapparat und

Kinematographmechanismus.]

Wir kennen jetzt den Kinematographmechanismus und kommen zu der Frage:

Wie wird der Mechanismus mit dem Lichtbilderapparat in Verbindung

gebracht? -- Besitzen wir eine gewöhnliche Projektionslaterne, so

mag in der Weise verfahren werden, wie es Fig. 45 veranschaulicht.

Der Mechanismus wird vorn auf ein Bodenbrett geschraubt, welches so

lang ist, daß die Laterne darauf Platz findet, und letztere wird nun

hinter den Kinematographmechanismus gesetzt, nachdem man das Objektiv

eventuell nebst Objektivträger entfernt hat. Wenn die Verbindung

von Lichtbilderapparat und Kinematograph von vornherein vorgesehen

wird, so zieht man vielfach eine Anordnung vor, welche einen raschen

Übergang von einer Projektionsart zur andern gestattet. Fig. 46

zeigt, wie dies in einfacher Weise geschieht. Das Laternengehäuse

ist auf der breiten Bodenfläche seitlich verschiebbar angeordnet;

in der abgebildeten Stellung befindet sich das Gehäuse hinter dem

Kinematographmechanismus, und der Apparat ist bereit zur Projektion von

Filmen. Schiebt man nun die Laterne herüber, so kommt sie hinter das

Glasbilderprojektionsobjektiv zu stehen, welches neben dem Mechanismus

angebracht ist, und man kann nun »stehende Lichtbilder« auf den Schirm

werfen. Diese Einrichtung, welche auch bei den Theaterapparaten meist

angewandt wird, ist bequem, wenn man bei einem Vortrage Glasbilder und

Filme durcheinander oder rasch nacheinander zu zeigen hat.

Das Kinematographenobjektiv

Zunächst das Objektiv. Es wurde schon gesagt, daß man mit Rücksicht

auf die kleinen Filmbilder und die erforderliche starke Vergrößerung

ein Objektiv kürzerer Brennweite braucht als zur Glasbilderprojektion,

und daß die Brennweite etwa ein Drittel von derjenigen des normalen

Projektionsobjektivs betrage. Auch für diese Kinematographenobjektive

wird in der Regel der bekannte Typus des Petzvalschen Porträtobjektivs

angewandt (Fig. 5); für höhere Leistungen benutzt man lichtstarke

anastigmatische Objektive, welche allerdings ein gut Teil teurer sind.

Es sollte aber nicht vergessen werden, daß vom Objektiv die Wirkung

in hohem Grade abhängt, und man sollte bei einer kinematographischen

Einrichtung, die oft in die Tausende kostet, nicht rund 100 #M# an

diesem wichtigen Instrument sparen.

[Illustration: Fig. 46. Kinematograph mit verschiebbarer Laterne.]

Das Stativ

Für den kinematographischen Apparat ist vor allem erforderlich ein

kräftiges Stativ, in dessen Ermangelung man einen stabilen Tisch

nehmen muß. Es ist nämlich zu bedenken, daß infolge der sehr starken

Vergrößerung auch ein geringes Zittern der Unterlage sich auf dem

Schirm störend bemerkbar machen muß. Die Theaterapparate werden in

der Regel mit einem Eisenstativ ausgerüstet, welches eine neigbare

Rahmenplatte besitzt. Fig. 47 zeigt eine solche Einrichtung; die

verschiebbare Laterne ist mit Rücksicht auf die mit hoher Stromstärke

brennende Bogenlampe recht geräumig gehalten. Der Antrieb erfolgt bei

Apparaten dieser Art mit Hilfe eines Elektromotors, der mit einem

kleinen Regulierwiderstand verbunden ist, damit man die Geschwindigkeit

nach Bedarf ändern kann. Wo es sich um die Demonstration einzelner

Films handelt und nicht um fortlaufende, stundenlange Vorstellungen wie

im Theater, kann der Antrieb des Werkes mit der Hand bewirkt werden.

[Illustration: Fig. 47. Kinematograph mit Eisenstativ.]

Die Umrollvorrichtung

[Illustration: Fig. 48. Umrollvorrichtung.]

Die vorgeführten Films müssen, ehe sie nochmals gebraucht werden

können, umgewickelt werden; denn der Anfang sitzt ja jetzt innen.

Dieses Umrollen kann nötigenfalls mit dem Kinematographmechanismus

selbst geschehen, wobei man folgendermaßen verfährt. Die Spule mit dem

aufgewickelten Film wird auf den obern Filmhalter gesteckt, während

die leere Spule unten auf die Achse der Aufrollvorrichtung kommt. Man

zieht nun das Ende des Filmbandes direkt von der obern Spule (nicht

durch das Werk hindurch, sondern davor her) zur untern Spule, klemmt es

darauf fest und dreht die Kurbel, wobei die Umwicklung erfolgt. Ständig

arbeitende Unternehmen können eine besondere Umrollvorrichtung, wie sie

Fig. 48 zeigt, nicht entbehren. Mit dem Umroller wird vielfach noch ein

Zähler zum Messen der Filmlänge verbunden.

Handhabung des Kinematographen

Nachdem der Apparat aufgestellt ist, setzt man die Lichtquelle in

Betrieb und zentriert sie so ein, daß auf dem Projektionsschirm

ein gleichmäßig beleuchtetes Bildfeld erscheint. Man klemmt ein

abgeschnittenes Filmbildchen in die Türe und stellt das Objektiv

möglichst scharf darauf ein. Wenn der Apparat keinen automatischen

Feuerschutz besitzt, so muß man beim Einspannen des Filmbandes

vorsichtig sein, damit die heißen Lichtstrahlen nicht das leicht

entzündliche Zelluloidmaterial in Brand setzen. Man kann sich

in der Weise helfen, daß man in die Bildbühne der Laterne den

Bildhalter einschiebt und in diesen eine Gitterscheibe oder auch eine

Mattglasscheibe einsetzt. Die zweite Öffnung des Doppelbildhalters

bleibt frei, und diese wird vorgeschoben, sobald man den Apparat in

Betrieb nimmt.

Lichtbild- und Kino-Technik Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 1 · 第 4 / 6 段