die Bilder auf dem Kopf stehen, und die Schichtseite des Films soll
dem Kondensor zugekehrt sein; nur beim Durchprojizieren (wobei der
Apparat hinter dem Schirm steht) muß die Schichtseite nach dem Objektiv
hin zeigen. Die Filmspulen sind vielfach zweiteilig und lassen sich
auseinandernehmen, so daß man die aus der Bühne entnommene Rolle bequem
darauf stecken kann. Die Spule wird oben auf den Halter gebracht und
mit der dazu vorgesehenen Vorrichtung befestigt. Man zieht nun das
Filmband durch das Werk hindurch und achtet vor allem darauf, daß die
Zähne der Transporttrommeln allenthalben genau in die Perforation
des Filmbandes eingreifen. Ferner darf man nicht vergessen, den Film
zwischen der Türe und der obern Vorschubtrommel einen Bausch bilden
zu lassen, da sonst der Film an dieser Stelle kein Spiel hat und
durchgerissen wird; gleichfalls muß ein Bausch vor der untern Trommel
gemacht werden, welche den Film der Aufwickelvorrichtung zuführt. Die
Einrichtung, welche zur Nachstellung des Filmbildchens im Fensterrahmen
dient, stellt man am besten auf die Mitte, so daß sie nach beiden
Seiten ungefähr gleichviel Raum zum Nachregulieren hat. Die auf der
Aufwickelvorrichtung sitzende Filmspule ist zum Festklemmen des Bandes
mit einem federnden Blechstück versehen. Man steckt das Filmende
aber nicht einfach dahinter, sondern biegt es zurück und klemmt das
zurückgebogene Ende unter das Blech; andernfalls kann sich der Film
leicht lösen.
Nachdem das Band so eingespannt ist, gebe man der Kurbel ein paar
langsame Umdrehungen und beobachte dabei, ob der Film glatt durch das
Werk läuft, und ob er sich ordnungsgemäß aufwickelt. Ist alles in
Ordnung, so kann die Vorführung beginnen. Man gibt also der Kurbel
jetzt eine größere Geschwindigkeit, wobei der automatische Feuerschutz
hochgeht, in dessen Ermangelung der Bildhalter herüber geschoben
werden muß, damit die freie Öffnung vor den Kondensor kommt. Der
Vorführer halte das Lichtbild im Auge und drehe so rasch, bzw. lasse
den Motor mit solcher Geschwindigkeit laufen, daß die Bewegungen in
der Szene natürlich erscheinen; in der Regel geben zwei Umdrehungen
in der Sekunde die richtige Geschwindigkeit. Zeigt es sich, daß die
Filmbilder nicht genau im Fensterrahmen sitzen, so korrigiere man mit
der betreffenden Vorrichtung. Nötigenfalls muß man auch die Einstellung
des Objektivs nachregulieren.
Bei Schlägerapparaten empfiehlt es sich, wenn man keinen Motor zum
Antrieb benutzt, die Kurbel möglichst gleichmäßig »aus dem Handgelenk«
zu drehen; bei stoßweisem Drehen überträgt sich nämlich der jeweilige
Ruck auf das Filmband, und das Lichtbild wogt im gleichen Tempo auf und
ab. Man kontrolliert das Drehen leicht an der Klappe des automatischen
Feuerschutzes: diese wird bei gleichmäßigem Drehen ruhig in derselben
Stellung erhalten, während sie bei ungleichmäßigem Antrieb auf- und
abschwankt.
Behandlung und Pflege des Filmbandes
Da das Zelluloid bei Aufbewahrung an einem warmen und trocknen Platz
seine Geschmeidigkeit verliert und auf die Dauer spröde und brüchig
wird, so hebe man die Filme an einem kühlen Ort auf. Man bedient
sich vorteilhaft zur Unterbringung der Rollen eines gutschließenden
Zinkkastens, der in einem untern Abteil ein angefeuchtetes Stück Filz
oder einen feuchten Schwamm enthält.
Für eine schonende Behandlung der Filme im Apparat ist es von größter
Wichtigkeit, daß alle Teile, mit denen das Band in Berührung kommt,
sauber gehalten werden. Das Zelluloid setzt (namentlich bei neuen
Filmen) infolge der Reibung bei der großen Geschwindigkeit einen Staub
ab, der sehr hart ist und sich zu einer Kruste verfestigt. Diese Kruste
aber bildet ein ganz ausgezeichnetes Schleifmittel, das nicht nur den
Film verarbeitet, sondern auch die betreffenden Apparatteile angreift.
Darum ist es dringend notwendig, die Auflageflächen in der Türe und
auf den Trommeln und Rollen hinreichend oft sorgfältig zu reinigen;
wenn möglich geht man jedesmal, nachdem ein Film durchgelaufen ist, mit
einer Bürste darüber.
Sehr viel leiden die Filme in der Praxis durch zu starkes Ölen
des Apparates, indem sich das Öl über die Trommeln und die Türe
verbreitet und den Film mit einem klebrigen Schmierüberzug versieht.
Staub und Schmutz, der darauf liegt, bleibt haften und wird dann
in der Aufrollvorrichtung wie in einer Kopierpresse fest darauf
gepreßt. Besonders schädlich ist es dabei, wenn an dem Film körnige
Schmutzteilchen sitzen, da diese zum Kratzen Anlaß geben. Am stärksten
leiden erfahrungsgemäß Anfang und Ende des Filmbandes; bei häufig
benutzten Filmen kündigt sich der Schluß meistens durch ein häßliches
»Regnen« an. Dieser Übelstand läßt sich in der Weise vermeiden, daß man
vorn und hinten einige Meter Blankfilm -- am besten schwarzen Film --
anklebt; dann bleibt der eigentliche Bildfilm geschont.
Schadhafte Stellen, wie Einrisse und schlechte Klebstellen, müssen
rechtzeitig repariert werden. Als Klebstoff benutzt man ein Lösemittel
für Zelluloid, und zwar bewährt sich sehr gut Amylazetat, dem man
etwas Zelluloid zuzusetzen pflegt; auch lassen sich Azeton und
Eisessig verwenden. Übrigens werden jetzt geeignete Klebmittel im
Handel vielfach angeboten. Um einen stark eingerissenen Film zu
reparieren, verfährt man folgendermaßen. Man schneidet den Film genau
auf der Linie, welche das nächste Bild von dieser Stelle trennt, mit
einer scharfen Schere oder mit einem Messer und Lineal durch und
schneidet von dem einen Rande den beschädigten Teil in der Nähe des
daranstoßenden Bildes ab, derart, daß ein Streifen von etwa 3 #mm#
Breite übrigbleibt, der zum Ankleben an das andere Filmende dient.
Von diesem Klebstreifen schabt man mit einem scharfen Messer die
Gelatineschicht sorgfältig ab, was besser vor sich geht, wenn man die
Gelatine zuvor mit etwas Wasser aufweicht. Man überzeugt sich, daß
man beim Aufeinanderlegen den richtigen Lochabstand erhält und bringt
mittels eines feinen Pinsels eine dünne Lage des Klebstoffes darauf;
desgleichen bestreicht man die betreffende Stelle auf der Rückseite
des andern Filmendes mit der Klebmasse. Wenn man nun die beiden Teile
mit Ruhe und Vorsicht aufeinanderlegt und recht fest zusammendrückt,
so hat man in ganz kurzer Zeit eine tadellose Verbindung. Erleichtert
wird die Arbeit durch eine Klemmvorrichtung (Fig. 49), in welche die
Filmstücke beim Kleben eingepreßt werden. Zähne, die daran angebracht
sind, wahren gleichzeitig den genauen Abstand der Löcher und verhindern
ein Verrutschen der Filmenden. Es wird vielfach der Fehler gemacht, daß
man die Klebstücke zu breit nimmt. An solchen ungeeigneten Klebstellen
reißt der Film leicht durch; denn das Band ist hier dicker und steifer
und findet somit im Apparat an dieser Stelle größern Widerstand.
[Illustration: Fig. 49. Filmklemme und Klebmasse.]
Stellen im Filmbande, die stark verkratzt sind und sich bei der
Projektion unangenehm bemerkbar machen, schneidet man am besten heraus,
und zwar verfährt man dazu genau so, wie eben beschrieben wurde.
Wenn der Film am Rande einen kleinen Einriß hat, so genügt es, ein
entsprechend großes, blankes Filmstück dagegen zu kleben, nachdem man,
wenn nötig, die Einrißstelle zuvor ausgeschnitten hat. Diese kleinen
Einrisse zeigen sich meist an den Löchern; das aufzuklebende Stück muß
daher mit einem Loch versehen sein, und die Löcher müssen genau zur
Deckung gebracht werden. Damit die Teile gut aufeinander haften, darf
man nicht versäumen, sie nach Anstreichen des Klebstoffes kurze Zeit
fest aufeinander zu pressen. Ein eventuell überstehendes Stückchen an
der Klebstelle schneide man ab. Auch hier beachte man, daß beim Kleben
stets Zelluloid auf Zelluloid liegen muß.
Fehlerhafte Erscheinungen beim Arbeiten mit dem Kinematograph
Blaue Flecken oder gelbrote Ränder im Bildfeld
entstehen, wenn die Lampe nicht richtig zentriert ist. Es sei
dieserhalb auf Fig. 28 verwiesen. Gelingt es nicht, nach der dort
gegebenen Anweisung ein gleichmäßig weißes Bildfeld zu erzielen, so
ist die optische Anordnung nicht richtig. Der Kinematographmechanismus
muß alsdann in einen nähern oder größern Abstand vom Kondensor
gebracht werden, oder aber die Brennweite des Kondensors paßt nicht
zu derjenigen des Objektivs, und es muß eine entsprechend andere
Linsenzusammenstellung für den Kondensor genommen werden. Unter
Umständen kann auch eine geeignete Hilfskondensierungslinse, die gegen
die Türe des Apparats kommt, abhelfen.
Gelbrote Ecken oben oder unten im Bildfelde zeigen sich zuweilen bei
Apparaten, die für das Filmband einen verstellbaren Rahmen besitzen,
und zwar tritt der Fehler bei Verstellung des Rahmens dann auf,
wenn dieser aus dem Beleuchtungsfeld gebracht wird. Man muß dann
die Lichtquelle nachzentrieren. Um diese Erscheinung zu vermeiden,
zentriere man von vornherein derart, daß das Bildfeld bei jeder
Einstellung des Rahmens gleichmäßig weiß bleibt.
Verschwommene Lichtbilder.
Die Ursache mag darin zu suchen sein, daß der Abstand des Objektivs
vom Film nicht richtig ist, ein Fehler, der namentlich bei Beschaffung
eines neuen Objektivs häufig gemacht wird. Man prüfe die Brennweite des
Objektivs und den bezeichneten Abstand nach.
Ziehen des Bildes.
Diese Erscheinung wird veranlaßt durch eine falsche Einstellung
der Verschlußblende. Wenn diese nämlich falsch sitzt, so wird der
Wechselvorgang ganz oder teilweise sichtbar gemacht. Es zeigt sich
dies namentlich bei den Titeln, indem die auf schwarzem Grunde
befindlichen Buchstaben nicht scharf umgrenzt, sondern nach oben
oder unten um ein verschwommenes Stück ausgezogen erscheinen. Man
muß in diesem Falle die Stellung der Blende kontrollieren, und zwar
geschieht dies folgendermaßen. Nachdem ein Film eingespannt ist, dreht
man das Werk ganz langsam, am besten am Schwungrad, und beobachtet
den Augenblick, wo der Film in der Türe anfängt, sich zu bewegen. In
diesem Moment muß die Blende das Objektiv gerade verschließen bzw. den
darauf auftretenden Lichtkegel absperren. Alsdann dreht man weiter
und beobachtet den Moment, in dem der Film wieder in Ruhe kommt, und
kontrolliert, ob die Blende jetzt beginnt, das Objektiv zu öffnen. Hat
die Verschlußblende zwei oder mehrere verschieden große Flügel, so
dient zum Abdecken der größte.
Vibrieren oder Tanzen des Bildes.
Man muß da zweierlei unterscheiden: erstens ein Auf- und Abgehen des
ganzen Bildes auf dem Projektionsschirm und zweitens ein Vibrieren
der Bildkonturen allein, wobei die Umrandung fest stehen bleibt. Der
erste Fall tritt ein, wenn es dem Apparat an einer genügend stabilen
Aufstellung fehlt. Man muß dann für eine kräftigere Unterlage sorgen
und eventuell noch nachprüfen, ob einzelne Teile des Apparates selbst,
namentlich das Objektiv, beim Betriebe zittern. Ein Tanzen der
Bildkonturen kann durch verschiedene Ursachen herbeigeführt werden,
und zwar mag der Fehler einmal im Film selbst liegen, indem bei der
Aufnahme die Kamera vibrierte oder aber indem die Perforation des
Filmbandes durch häufige Benutzung »ausgeleiert« ist. Hat man mit einem
einwandfreien Film zu tun, so gilt es den Apparat nachzuprüfen. Da wird
man nachsehen, ob die Einklemmung des Bandes in der Türe eine genügende
ist und fernerhin, ob der Bewegungsmechanismus »toten Gang« hat.
Bei Schlägerapparaten wird, wenn man sie mit der Hand antreibt, ein
Vibrieren des Bildes leicht dadurch hervorgerufen, daß man die Kurbel
stoßweise dreht, indem dann der Film verschieden starken Schlägen
ausgesetzt ist. Man drehe die Kurbel möglichst gleichmäßig »aus dem
Handgelenk«.
Zerreißen des Filmbandes oder Ausreißen der Perforation.
Dieser Fall wird eintreten, wenn man vergessen hat, beim Einspannen den
Film oberhalb und unterhalb der Türe einen Bausch bilden zu lassen,
wie es in Fig. 42 angedeutet ist. Häufig sind eingerissene Stellen
am Filmband oder besonders schlechte Klebstellen daran schuld, daß
das Band irgendwo im Mechanismus stockt und zerrissen wird. Auch ein
zu kräftiges Anziehen der Aufrollvorrichtung kann zum Zerreißen des
Filmbandes führen; bei den Apparaten, welche eine Friktionsscheibe
haben, darf man daher die Regulierungsschraube nicht zu fest anziehen.
Das kinematographische Aufnahmeverfahren
Nachdem heute zahlreiche Fabriken bestehen, die tagtäglich ungeheure
Mengen von Filmbändern herausbringen, wird die Selbstherstellung
kinematographischer Bilder in der Regel nur dann in Frage kommen,
wenn es sich um besondere wissenschaftliche oder aktuelle Aufnahmen
handelt. Wer sich damit befassen will, findet ausführliche Anweisung
im »Handbuch der praktischen Kinematographie«, 3. Auflage. Hier
mag ein kurzer Überblick über das Aufnahmeverfahren genügen. Eine
kinematographische Kamera zunächst zeigt Fig. 50. Der lichtempfindliche
Film sitzt in der oben angebrachten Kassette, läuft dann um die obere
Zahntrommel und wird von dieser der Belichtungsstelle zugeführt. Vorn
im Apparat, hier nicht sichtbar, befindet sich der Mechanismus, in
diesem Falle ein Greifer, der den Film ruckweise vorwärts bewegt.
Der unten stoßweise austretende Film läuft dann über die zweite
Zahntrommel und wird dadurch der untern Kassette in gleichmäßiger
Bewegung zugeführt. Zu einem vollkommenen Apparat gehört nun u. a.
noch eine Einstellvorrichtung, ein Zähler, der angibt, wieviel Film
belichtet ist, und ein Geschwindigkeitsanzeiger, woran der Photograph
kontrollieren kann, ob er die Kurbel mit der richtigen Schnelligkeit
dreht.
[Illustration: Fig. 50. Kinematographische Aufnahmekamera.]
Das belichtete Filmband wird in der Dunkelkammer in der dem
Amateurphotographen bekannten Weise entwickelt, fixiert, ausgewaschen
und getrocknet. Zu dieser Behandlung spannt man das Band in Längen bis
zu etwa 50 #m# spiralförmig auf Rahmen, welche in die Bäder getaucht
werden; andere Betriebe benutzen zum Aufspannen Trommeln, welche man
mit dem untern Teile in die Entwicklerbecken hängen läßt, um sie
dann zu drehen. Nach dem vollkommenen Trocknen werden die Films auf
etwaige Fehler geprüft und gereinigt, worauf sie in den Kopierraum
gelangen. Hier kommt der Negativfilm mitsamt einem Positivfilm in
die Kopiermaschine; die beiden Filme laufen Schicht auf Schicht,
Schritt um Schritt an einem Fensterchen vorbei, durch welches eine
Glühlampe die Exposition besorgt. Der belichtete Positivfilm wird
ähnlich wie der Negativfilm in den verschiedenen Bädern behandelt,
bis die darauf kopierten Bilder schön und klar herausgekommen sind.
Manche der Aufnahmen erfahren noch weitere Bearbeitung, indem mit
Hilfe chemischer Tonbäder die dunklen Partien gefärbt werden. Oder man
zieht die Bänder durch einfache Farblösungen, um der ganzen Schicht
einen gleichmäßigen Ton zu verleihen. Andere Filme sollen hinwieder
naturfarbig herausgebracht werden, und da heißt es, künstlich die
Farben auftragen. Während dies in der Regel mit der Hand geschieht --
eine bei den zahllosen kleinen Bildchen mühsame und langwierige Arbeit
-- gehen die großen Fabriken jetzt dazu über, auch Koloriermaschinen
anzuwenden, welche die einzelnen Farben mit Hilfe geschnittener
Schablonen auftragen.
Zur Herstellung der dramatischen und humoristischen Aufnahmen, wie man
sie in den Kinematographentheatern sieht, verfügen die Filmfabriken
über große Glashäuser, die mit allen Requisiten versehen sind und in
der Ausstattung mit den größten Theatern wetteifern können. Manche der
Ateliers sind so geräumig, daß mehrere Szenen gleichzeitig gespielt
und aufgenommen werden. Vielfach erfolgen die Aufnahmen beim Licht
zahlreicher Bogenlampen.
Die Herstellung der Trickfilme
Zuweilen sieht man kinematographische Bilder mit zauberhaften
Vorgängen. Die Herstellung solcher Trickfilme ist in vielen Fällen
ganz einfach. Wenn z. B. in einem Bilde ein Mann an den Wänden
heraufkriecht und an der Decke hinläuft, so wurden bei der Aufnahme
auf den Boden des Ateliers abwechselnd Dekorationen gelegt, welche
die Seitenwände und die Decke eines Zimmers darstellen; der Mann
kroch oder lief darüber und wurde von oben her photographiert. Ein
beliebter Trick ist die Verwandlung von Personen; sie läßt sich bei
kinematographischen Aufnahmen leicht ausführen. Der Photograph braucht
nur an der betreffenden Stelle die Aufnahme zu unterbrechen, alsdann
wird die Verwandlung vorgenommen und die Aufnahme wieder fortgesetzt.
Ein Beispiel mag dies erläutern. Der Kinematograph führe folgende Szene
vor, die in den Figuren 51 bis 54[1] angedeutet ist. Ein Betrunkener
liegt auf der Straße. Ein Automobil saust heran und fährt ihm beide
Beine ab (Fig. 51). Der Mann schreit nach und schwenkt die Beine in die
Luft (Fig. 52). Das Auto hält, der Insasse läuft heran, er flickt ihm
die Beine wieder an (Fig. 53), und beide ziehen zufrieden von dannen
(Fig. 54). -- Nun die Lösung! Auch hier wird die Aufnahme unterbrochen,
und zwar zuerst in dem Moment, wo das Automobil herangekommen ist. Das
Auto hält an. Der Betrunkene wird ersetzt durch einen Krüppel, dem
beide Beine fehlen, und ein Paar künstlicher Beine davor gelegt. Die
Auswechslung der Personen ist in Fig. 55 wiedergegeben. Dann tritt der
kinematographische Apparat wieder in Tätigkeit: das Auto, dessen Weg
genau vorgezeichnet ist, fährt nochmals heran und saust darüber hinweg.
Nachher wird die Aufnahme abermals unterbrochen und der Krüppel wieder
durch den Betrunkenen ersetzt.
[Illustration: Fig. 51-54. Szenen aus einem Trickfilm.]
[Illustration: Fig. 55. Erklärung des Tricks: die Auswechslung der
Personen.]
Von diesem einfachen Hilfsmittel der Aufnahmeunterbrechung wird häufig
Gebrauch gemacht. Der Film, geduldig wie er ist, reiht Bild an Bild
auf, wie und wann es dem Photographen gefällt. Und das Publikum
bekommt nachher die Bilder in sausender Folge vorgeführt; es merkt
nicht, daß der Kinematograph lügt, daß da zwischen einzelnen Bildern
ganze Stücke fehlen -- kein Wunder, daß ihm die Vorgänge zauberhaft
erscheinen. Da gibt es die unglaublichsten Sachen zu sehen. Leblose
Gegenstände führen einen Tanz auf; Streichhölzer spazieren aus der
Dose, die sich selbst öffnet, und bauen sich zu Figuren auf; Werkzeuge
leisten Arbeit, eine Säge zerschneidet ein Brett ohne Zutun. --
Wie leicht ist das alles zu machen, wenn man einmal den Kunstgriff
kennt, wie einfach ist die Erklärung, wenn man einmal weiß, daß die
Hilfsvorgänge, die dem Zuschauer verborgen bleiben sollen, nicht
mitphotographiert werden!
Fußnoten:
[1] Die Fig. 51-55 sind hergestellt nach Aufnahmen der Firma Léon
Gaumont, Paris, und zwar mit Genehmigung der Pariser Zeitschrift
»#L'Illustration#«. Sie wurden entnommen aus des Verfassers Schrift
»Das lebende Lichtbild«, Düsseldorf 1910.
Die wissenschaftliche Kinematographie
Gegenüber der ausgedehnten Verwendung des Kinematographen im
Theater steht seine wissenschaftliche Verwertung noch stark zurück.
Aber was auf den verschiedenen Wissenschaftsgebieten mit Hilfe
kinematographischer Aufnahmen bereits geleistet worden ist, erscheint
so beachtenswert, daß die Gelehrten den Apparat im Laufe der Zeit
ohne Zweifel immer mehr heranziehen werden. So hat der Pariser
Physiologe Marey schon vor mehr als 20 Jahren die Kinematographie zum
Studium der Bewegungsvorgänge bei Menschen und Tieren benutzt. Andere
setzten seine Arbeit fort und dehnten sie aus auf Herzbewegungen und
Kehlkopfbewegungen. Erfolgreich hat man den Kinematograph in Verbindung
mit dem Mikroskop, ja sogar mit dem Ultramikroskop gebracht, das
uns die feinsten Partikelchen zeigt. So wurden durch Dr. Commandon
und vor ihm schon durch Dr. Reicher auf dem Film die Bewegungen der
Blutkörperchen und ihr Kampf mit den ins Blut eingebrachten Bazillen
festgehalten. Man sieht, wie die Krankheitserreger über die roten
Blutkörperchen herstürzen, um sie zu verzehren.
Mit Hilfe kinematographischer Aufnahmen gelang es ferner, den
Flügelschlag der Insekten zu erforschen. Die Fliege bewegt ihre
Flügel so rasch, daß man nichts als ein Flimmern wahrnimmt; auch der
beste Beobachter ist machtlos dagegen. Der Kinematograph, mit großer
Geschwindigkeit laufend, so daß er bis zu 2000 Bilder in der Sekunde
aufnimmt, hält alle Phasen der Bewegung fest. Und wenn dann die
gewonnenen Bilder mit normaler Geschwindigkeit -- 16 in der Sekunde --
auf den Projektionsschirm geworfen werden, so spielt sich der Vorgang
mehr als hundertmal langsamer ab: mit Ruhe kann man nun das Auf- und
Abgehen der Flügel und das Arbeiten des Flugmechanismus verfolgen.
Umgekehrt hat man mit Hilfe des Apparats Bewegungen, die zu langsam
vor sich gehen, als daß man sie zu übersehen vermöchte, künstlich
beschleunigt. Auf diese Weise kann man das Wachstum der Pflanze mit
dem Auge verfolgen. So wurde z. B. eine aufblühende #Victoria Regia#
mit überaus geringer Geschwindigkeit -- etwa alle 2 Minuten ein Bild
-- aufgenommen. In der Projektion der Aufnahme, die mit normaler
Geschwindigkeit: 16 Bilder in der Sekunde -- also etwa 1800 mal rascher
-- erfolgt, sieht man dann den Vorgang, der in der Natur Stunden in
Anspruch nimmt, innerhalb weniger Minuten sich abwickeln. Man verfolgt
deutlich, wie die Knospenhüllen sinken, wie sich ein Blütenblatt vom
andern hebt, bis die herrliche Blume voll entfaltet ist, und wie sie
alsbald wieder vergeht.
Für die kinematographische Aufnahme fliegender Geschosse konstruierte
Geheimrat Cranz einen Apparat, der über 5000 Belichtungen in der
Sekunde, ja in der neuesten Form bis zu 100000 Aufnahmen in der Sekunde
liefert. Er konnte damit die Vorgänge beim Abschießen einer Kugel aus
einer Selbstladepistole untersuchen und ferner die Wirkung von Schüssen
auf Knochen, Metallplatten, wassergefüllte Gummiblasen und Kugeln aus
feuchtem Ton in einer Reihe von Bildern festlegen.
Selbst die Bewegungen der innern Organe des Menschen hat man
kinematographisch festzuhalten gewußt, indem man die Belichtung mit
Röntgenstrahlen anwandte und besondere Apparate herstellte, welche
zwei oder drei Dutzend Platten großen Formats in rascher Folge zur
Exposition brachten. Namentlich die Reihenaufnahmen des Magens haben
dem Mediziner interessante Aufschlüsse über die Arbeitsweise dieses
Organs gegeben.
Die Kinematographie in natürlichen Farben hat eine provisorische Lösung
im Kinemakolorverfahren gefunden, welches mit zwei Farben, Rot und
Grün, arbeitet und verhältnismäßig hübsche Resultate gibt, wenngleich
hier infolge Fehlens der dritten Farbe (Blau) ein vollkommenes Resultat
nicht erzielt werden kann. Man ist zu der Hoffnung berechtigt, daß ein
wirkliches kinematographisches Dreifarbenverfahren in nicht zu ferner
Zeit Eingang in die Praxis findet.
Auch die Technik bemächtigt sich der kinematographischen
Bilddarstellung, die ein ausgezeichnetes Hilfsmittel bietet,
Fabrikationsvorgänge zu veranschaulichen, sowohl in Lehranstalten
und Hochschulen sowie bei Vorträgen als auch zum Zwecke der Reklame.
Allerdings bietet die Ausführung solcher Aufnahmen vielfach große
Schwierigkeiten, namentlich in bezug auf die Beleuchtung, und sie
erfordert eine umfangreiche Arbeit.
Sachregister
Azetylenlicht, 15, 31
Anschaffungskosten, 36
Aufnahmekamera, 49, 67
Aufstellung des Apparats, 40
Automatischer Feuerschutz, 57
Beagidpatronen, 32
Betriebskosten, 38
Bildgröße, 7, 8
Bildhalter, 34
Blendscheibe, 51
Bogenlampe, 17, 19
-- Handhabung, 24
Bogenlicht, 16, 22
Brennweite, 9, 10
Druckreduzierventil, 26
Dunkler Raum, 41
Durchprojektion, 41
Einstellung der Lichtquelle, 42
Elektrisches Licht, 15, 16, 26
Episkopische Projektion, 43
Fehler, 65
Feuerschutz, 57
Feuersichere Trommeln, 57
Film, 48
-- Behandlung, 63
Filmklemme, 64
Flimmern, 51
Fokuslampe, 26
Gasator, 27, 30
Gasglühlicht, 15, 37
Gitterscheibe, 57
Glasbilder, 39
Greifer, 54
Inhaltsmesser, 26, 29
Kabel, 16
Kalklicht, 15, 26
Kalkstifte, 27
Kalziumkarbid, 31
Kinemakolor, 71
Kinematograph, 48
-- Handhabung, 61
Kinematographie in Naturfarben, 71
Klappkasten, 40
Klebmittel, 63
Klemmzug, 54
Kohlenstifte, 20
Kondensor, 7
Kühlgefäß, 14
#Laterna magica#, 5
Leitungsschnur, 21
Leselampe, 36
Lichtbilderapparat, 5, 13, 23
Lichtquelle, 11, 15
Malteserkreuz, 53
Mikroskopische Projektion, 45
Motorantrieb, 59
Naturfarben-Kinematographie, 71
Nernstlampe, 15, 26
Nockenapparat, 54
Nutenkasten, 40
Objektiv, 8, 58
Optische Bank, 14
Pastillen, 28