Die Dampfkraft verlangte Vereinigung des Triebwerks an einem Punkt;

denn da die umsteuerbare Zwillingsmaschine ohnehin schon eine

vielteilige Maschine ist, so hätte eine Verteilung des Triebwerks

mehrere solche Maschinen erfordert, hätte also zu einem sehr

verwickelten und kostspieligen Bau geführt. Die Vereinigung des

gesamten Triebwerks um die Dampfmaschine und um den Kessel herum

gelang am einfachsten bei der Wahl von kreisförmiger Lastbewegung:

der Drehkran mit Wippausleger (Derrickkran) war daher der naturgemäße

Typ des Dampfkrans und hat auch tatsächlich die größte Verbreitung

gewonnen. Der schwere Dampfkessel und die Stoßwirkungen der hin und her

gehenden Massen der Dampfmaschine verlangten einen stabilen Unterbau

und kräftige Abmessungen des Krangerüstes. Die äußere Erscheinungsform

des Dampfkrans ist daher stets eine massige und gedrängte, die die

Erinnerung an einen Dickhäuter wachruft.

Der Druckwasserkran muß zwar für jedes Triebwerk einen besonderen

Treibzylinder haben, gewährt also in dieser Beziehung im Aufbau mehr

Freiheit als der Dampfkran. Aber die Rücksicht auf die Wasserzuleitung

läßt auch hier den Drehkran als den einzig geeigneten Typ erscheinen;

eine geradlinige Seitenbewegung läßt sich nur dadurch erzielen, daß

man das Lastseil über eine Laufkatze auf dem Ausleger führt. Bei den

ersten Ausführungen -- Bremenser Typ -- machte man von der Freiheit

des Aufbaues der Treibzylinder weitgehenden Gebrauch, ist aber später

davon zurückgekommen und hat die Treibzylinder in einem geschlossenen

Gehäuse vereinigt, um dem Einfrieren besser vorbeugen zu können. Da der

hydraulische Kran weder einen schweren Kessel zu tragen hat, noch die

Massenwirkungen der Dampfmaschine erdulden muß, so kann er in seinem

Gerüst wesentlich leichter gehalten werden als der Dampfkran, erscheint

daher meist in etwas eleganterer Form als dieser.

Den weitgehendsten Wandel in dem Aufbau der Krane hat der elektrische

Betrieb herbeigeführt. Bei ihm erhält das Triebwerk für jede

Kranbewegung einen besonderen Motor; die blanke Kontaktleitung führt

den Strom gleich gut zu beweglichen wie zu feststehenden Motoren; die

Steuerung kann weit entfernt vom Motor liegen. Alle diese Umstände

geben vollkommene Freiheit in der Aufstellung der Motoren. Man ist

nicht mehr an die kreisförmigen Bewegungen gebunden. Der Laufkran mit

seinen mehrfachen gradlinigen Bewegungen erscheint als der für die

elektrische Energie besonders naturgemäße Typ und hat auch tatsächlich

sehr bald eine weite Verbreitung erlangt.

Das geringe Gewicht der Elektromotoren, ihr ruhiger Gang, ihr

gleichmäßiges Drehmoment und der gedrängte Bau erlauben einen sehr

leichten Bau. Die Krane verlieren ihre ursprüngliche schwere und

massige Erscheinung, das Gerüst wird in leichtes Gitterwerk aufgelöst,

die Form des Ganzen wird zierlicher, luftiger und eleganter und

erinnert viel eher als die alten Krane an den langhalsigen Vogel, von

dem der Kran -- früher »Kranich« genannt -- seinen Namen hat.

2. Einfluß des Baustoffes auf die Gestaltung der Hebemaschinen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es kein anderes Baumaterial als

Holz, das mit sparsamer Verwendung von schmiedeeisernen Bändern

zusammengefügt wurde. Die Fördermaschinen (Fig. 23 und 24) und die

Kaikrane (Fig. 81 und 82) der damaligen Zeit waren in ihrem Aufbau ganz

diesem Material angepaßt; von vielen Kaikranen aus dieser Zeit kann man

geradezu sagen, sie zeigen die Stilformen des Holzbaues.

Im ersten Drittel des Jahrhunderts trat als neuer Baustoff das

Gußeisen auf. Zunächst wurde es in sparsamer Weise verwendet: in Form

gußeiserner Verbindungsschuhe an den Enden der Holzbalken und für

besonders wichtige Konstruktionsteile, wie Kransäulen und Windenschilde

(Fig. 84).

Allmählich trat das Gußeisen immer mehr an die Stelle von Holz;

schließlich ging man so weit, daß das ganze Krangerüst ausschließlich

aus Gußeisen hergestellt wurde (Fig. 50). Namentlich in England, wo

das Gußeisen sehr billig geworden war, fand sich diese Bauweise.

Die Freiheit der Formgebung im gegossenen Material führte zu höchst

abenteuerlichen Formen: die Stilformen des Steinbaues wurden in

völliger Verkennung der Eigenart des Gußeisens auf dieses übertragen.

Statt die runden, schwellenden, glatten Formen, die dem fließenden

Eisen eigentümlich sind, in der Gestaltung zum Ausdruck zu bringen,

wurde es in die Form scharfkantiger Steingesimse gequält, die im Guß

schlecht herauskommen und dadurch um so häßlicher erscheinen. Noch

heute ist diese Mißhandlung des Materials in Schwang, wie man sie an

jedem Gaskandelaber, an fast jedem Bogenlampenmast und jedem Wandarm

beobachten kann.

Dann trat das Walzeisen auf. Zuerst wurde es nur für einzelne

Teile -- Auslegerstreben, Laufkranträger -- verwendet, während die

Anschlußteile noch ganz aus Gußeisen hergestellt wurden (Fig. 87).

Nur ganz allmählich lernte man die Eckverbindungen ganz aus Walzeisen

herzustellen und die Gußstücke mehr und mehr zu beschränken.

Im letzten Entwickelungsstadium verschwand das Gußeisen vollständig aus

dem Krangerüst; die wenigen Gußstücke wurden nicht mehr aus Gußeisen,

sondern aus Stahlguß hergestellt; an die Stelle der Blechträger traten

Gitterträger, das Ganze gewann zusehends an Leichtigkeit und an

Schönheit der Formgebung (Fig. 98 und 119). Der Verlauf der Entwicklung

ist kurz gesagt durch das Bestreben gekennzeichnet, den billigen und

minderwertigen Baustoff durch hochwertigen und entsprechend hoch

beanspruchten zu ersetzen.

Bei keinem Baustoff kommt der Formensinn des Konstrukteurs mehr zur

Geltung als beim Walzeisen und bei keinem fallen Zweckmäßigkeit und

Schönheit so sehr zusammen wie bei diesem. Durch ungeschickte Wahl des

Fachwerks, unzweckmäßige Materialverteilung, schwerfällige Umrisse

entstehen Gerüstformen, die abschreckend häßlich wirken.

Dagegen werden zweckmäßige Umrisse und geschickte Feldteilung mit

klarer Kräftewirkung sehr leicht eine befriedigende Erscheinung

hervorrufen (Fig. 120, 121 und 124).

Zweckmäßigkeit in der Herstellung und im Betrieb bis in die kleinste

Einzelheit hinein und rücksichtslose Wahrheit sind die Grundbedingungen

technischer Schönheit. Brücken und Krane sind Ingenieurwerke, die

ihren Betriebszweck schon in ihrem ganzen Aufbau, in ihren Umrißlinien

erkennen lassen; deshalb sind auch diese Bauwerke ganz besonders

geeignet, die Kraft und Eleganz einer bis ins Letzte durchdachten

Eisenkonstruktion sinnfällig vor Augen zu führen. Städtebilder

wie die von Bremerhaven und Kiel haben durch die rassigen Linien

ihrer Turmkrane einen eigenartigen Reiz und echte Wahrzeichen ihrer

seebefahrenen Bevölkerung erhalten. Solche Ingenieurwerke bilden einen

zwingenden Beweis dafür, daß die konstruktive Arbeit im Grunde genommen

mit der künstlerischen Tätigkeit weit mehr innere Verwandtschaft

besitzt als mit der nur wissenschaftlichen.

3. Einfluß der Herstellung auf die Gestaltung der Hebemaschinen.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts, als Holz noch der Hauptbaustoff

war, wurden die Maschinen nicht in Maschinenfabriken, sondern an

der Baustelle hergestellt. Es wurden nur einzelne größere Teile von

auswärts bezogen, aber die Zusammensetzung des Ganzen geschah an

Ort und Stelle. Die Maschine wurde so entworfen, daß sie in allen

Einzelheiten der Örtlichkeit angepaßt war. Die einzelnen Lager der

Maschine wurden getrennt auf das Fundament geschraubt; letzteres

bildete den eigentlichen Maschinenrahmen.

Als um die Mitte des 19. Jahrhunderts Eisen das Baumaterial der

Krane geworden war, konnte die Herstellung naturgemäß nur in

Maschinenfabriken ausgeführt werden, die mit den erforderlichen

Werkzeugmaschinen ausgestattet waren. Da das Zusammenpassen in der

Maschinenfabrik erfolgen mußte, so strebte man auch bereits danach,

alle Lager der Maschine auf einem gemeinsamen Eisenrahmen anzubringen,

so daß eine in sich geschlossene Maschine entstand. Dagegen wurden auch

jetzt noch bei dem Entwurf der Maschine die Eigentümlichkeiten der

Verwendungsstelle berücksichtigt: jeder Kran war ein Individuum für

sich.

Schwerlastkrane, die nur vereinzelt zur Ausführung kommen, werden

heute noch in dieser Weise behandelt. Dagegen würde für Krane, die

in größerer Zahl hergestellt werden, dieses Verfahren nicht mit der

modernen Maschinenfabrikation in Einklang zu bringen sein. Diese

geht darauf hinaus, die Einzelteile so genau herzustellen, daß die

Zusammenstellung keinerlei Nacharbeit erfordert und dementsprechend

billig wird. Dieses Verfahren ist aber nur anwendbar für Maschinen, die

aus normalen, sich stets wiederholenden Einzelteilen zusammengesetzt

sind; es darf also nicht mehr jede Maschine ein Individuum für

sich sein, sie muß vielmehr möglichst einen Normaltyp darstellen,

der gegen eine andere Maschine gleicher Art austauschbar ist. Es

können dann stets die gleichen Werkzeichnungen der Einzelteile, die

gleichen Modelle, die gleichen Lehren und Kaliber verwendet werden.

Dampfmaschinen, Elektromotoren, Gasmaschinen, Kraftwagen und die

kleineren Werkzeugmaschinen werden heutzutage ausschließlich nach

diesem Verfahren hergestellt. Der Hebemaschinenbau ist dagegen in

dieser Beziehung zum großen Teil noch rückständig. Nur einzelne

Hebemaschinen, wie Aufzüge und Laufkatzen werden in moderner

Normalisierung hergestellt, im übrigen wird meist noch nach

Einzelentwürfen gearbeitet.

Bei Hebemaschinen liegt die Sachlage insofern schwieriger, als sie mit

der Örtlichkeit in innigerem Zusammenhang stehen als andere Maschinen.

Man könnte nun freilich ebensogut wie es für Eisenbahnbetriebsmittel

und für Werkzeuge geschehen ist, bestimmte Normalabmessungen

vereinbaren, z. B. für Aufzüge die Schachtquerschnitte, für Kaikrane

die Portalprofile, für Laufkrane die lichten Laufbahnquerschnitte u.

dgl. m. Bislang ist indessen in dieser Richtung nichts geschehen.

Eine weitgehende Normalisierung der Hebemaschinen würde die Kosten

für Entwurf, für Modelle, für Zusammenpassen und für die Aufstellung

beträchtlich verringern, würde daher dem Abnehmer ebenso zu gut kommen

wie dem Erbauer.

4. Einfluß der Hebemaschinen auf die Arbeitsverfahren.

Die Einführung neuer Werkzeuge führt stets zur Einführung neuer

Arbeitsverfahren. Die Steigerung der Tragkraft der Hebemaschinen und

vor allem ihre freiere Beweglichkeit und ihr vergrößertes Arbeitsfeld

haben in mehrfacher Richtung umgestaltend auf die Fabrikation

eingewirkt.

So lange die Fördermaschine mit Dampf betrieben wurde und daher in

Nähe der Kesselanlage liegen mußte, war der Bergmann naturgemäß

darauf bedacht, die Förderung möglichst in einem Hauptschacht

zu vereinigen und zu diesem Zweck untertags einen entsprechend

ausgedehnten Horizontaltransport einzuführen. Die elektrisch betriebene

Fördermaschine ist nicht an die Kesselanlage gebunden; sie gestattet

die Energieerzeugung zu zentralisieren, die Förderung dagegen auf

mehrere Schächte zu verteilen, die in weiter Entfernung voneinander

liegen können, wie es bei zerklüfteten Flötzen als wünschenswert

erscheint. An Stelle des unterirdischen Horizontaltransports tritt der

sehr viel billigere oberirdische Seilbahntransport.

So lange dem Stahlwerk nur der feststehende Druckwasser-Drehkran

zur Verfügung stand, mußten die Bessemerbirnen und die Gießformen

so aufgestellt werden, daß sie im Umkreis des Drehkrans lagen; die

Grundrißanordnung war infolgedessen eine unveränderlich gegebene.

Der elektrisch betriebene Deckenlaufkran bestreicht die ganze

Gießhalle, gewährt daher völlige Freiheit in der Aufstellung der

Birnen und der Formen; man ist infolgedessen in neueren Stahlwerken

zu Grundrißeinteilungen übergegangen, die sich von den alten durchaus

unterscheiden.

Das alte, zum Teil heute noch gebräuchliche Arbeitsverfahren im

Kaibetrieb besteht darin, daß mittels der Schiffswinden zunächst die

Lasten aus dem Schiffsraum an Deck gehoben werden, und daß nun erst

der Kaikran die Last aufnimmt und auf den Kai hebt. Dieses Verfahren

ist umständlich insofern, als außer dem Steuermann auf dem Kran

noch ein zweiter an der Winde stehen muß und als die Lasten an Deck

umgehakt werden müssen, wozu wieder ein besonderer Mann notwendig ist.

Bei Kranen, die so gebaut sind, daß der Ausleger bis über die Luke

reicht, und daß der Kranführer gut in den Schiffsraum sehen kann, und

die ferner eine rasche und genaue Ausführung der Bewegungen erlauben,

können die Lasten unmittelbar aus dem Raum an den Kai gehoben werden,

wodurch wesentlich an Zeit und Arbeitskräften gespart wird.

Wie bereits bei den Werftkranen erwähnt, konnten Schiffsmaschinen erst

im Schiffsraum fertig zusammengepaßt werden, so lange es notwendig

war, die Maschine für den Transport in das Schiff zu zerlegen. Die

Schwerlastkrane der neueren Zeit sind tragfähig genug und bestreichen

ein so großes Arbeitsfeld, daß sie die fertig montierte Schiffsmaschine

im ganzen in das Schiff heben können, so daß dort keinerlei Nacharbeit

mehr erforderlich ist und daher sehr an Zeit gespart wird.

In Maschinenfabriken wurden bis vor einigen Jahren ausschließlich

feststehende Werkzeugmaschinen verwendet. Seitdem rasch arbeitende

Laufkrane zur Verfügung stehen, und seitdem die Werkzeugmaschinen durch

angebaute Elektromotoren angetrieben werden, ist für große Werkstücke

ein neues Arbeitsverfahren üblich geworden: das zu bearbeitende Stück

wird auf eine große Aufspannplatte geschraubt, und die zur Bearbeitung

nötigen Bohr- und Fräsmaschinen werden vom Laufkran ebenfalls auf die

Aufspannplatte gehoben und nacheinander in verschiedenen Lagen auf

der Platte festgespannt, um dann wieder an irgend eine andere Stelle

transportiert zu werden.

Verkaufsgeschäfte mußten früher so angelegt werden, daß alle Räume

im Erdgeschoß und allenfalls im ersten Stock untergebracht waren, um

bequemen Verkehr zu ermöglichen. Seit der Einführung rasch fahrender

Aufzüge werden Warenhäuser mit zahlreichen Geschossen übereinander

gebaut.

In Miethäusern war bisher der Mietertrag der Wohnungen in den oberen

Geschossen wesentlich geringer als in den unteren Stockwerken, obwohl

die höher liegenden Wohnungen helleres Licht, reinere Luft, weniger

Lärm und weniger Staub haben. Der Einbau von Personenaufzügen mit

Druckknopfsteuerung, die jeder Mieter selbst bedienen kann, erhöht den

Wert der oberen Wohnungen, führt daher eine völlige Verschiebung in der

Ausnützung der Räume herbei.

Eiserne Brücken konnten früher nur mit Hilfe von kostspieligen Gerüsten

montiert werden. Neuerdings ist man vielfach dazu übergegangen, Brücken

ohne Gerüst, frei auskragend aufzustellen, in der Weise, daß durch

besonders konstruierte Hebemaschinen die fertig montierten Brückenteile

auf ihren Platz gehoben und sofort befestigt werden.

Bis jetzt haben Hebemaschinen nur in den Großbetrieb Eingang gefunden.

Da der elektrische Betrieb die billige Ausführung in sehr kleinen

Abmessungen erlaubt, so wird voraussichtlich auch in den Kleinbetrieb

die Hebemaschine eindringen. Bislang werden alle Lastwagen von Hand

beladen und entladen, bei Wohnungsumzügen werden die schweren Möbel

über viele Treppen von Hand herunter und hinaufgeschleppt, die

Umladung auf Bahnhöfen geschieht fast ausschließlich von Hand, kurz

die Hebemaschine fehlt vielfach gerade da, wo sie besonders am Platze

wäre. Es würde nicht schwierig sein, Sonderkonstruktionen zu entwerfen,

die derartigen Kleinbetrieben genau angepaßt wären, und die ihre

Anschaffungskosten bald verdient hätten.

5. Einfluß der Hebemaschinen auf die Wirtschaftlichkeit des Betriebes.

Die durch die modernen Hebemaschinen herbeigeführten Änderungen in den

Arbeitsverfahren waren zumeist auch mit tiefgreifenden wirtschaftlichen

Umgestaltungen verbunden.

In den Einzeldarstellungen war bereits der Versuch gemacht worden,

an Beispielen den wirtschaftlichen Einfluß der Hebemaschinen zu

zeigen. So hatte der Vergleich von zwei Fördermaschinen aus den Jahren

1800 und 1900 eine Verminderung der Gesamtbetriebskosten für die

geförderte Kilometertonne von 1,25 M. auf 0,14 M. also auf den neunten

Teil ergeben, wobei indessen nur die eigentliche Maschinenanlage

berücksichtigt war und die Vorteile außer acht gelassen waren, die

sich durch die bessere Ausnützung des kostspieligen Schachtes ergaben.

Die wirtschaftliche Bedeutung der modernen Fördermaschine ist indessen

tatsächlich weit größer, als sie nach diesen Zahlen erscheint. Ohne die

Hilfe dieser Maschinen wäre es überhaupt unmöglich, Kohlen aus größeren

Teufen und in Mengen zu fördern, in denen sie heute verbraucht werden.

Überlegt man sich, daß in Deutschland Fördermaschinen von zusammen

rund 50000 PS arbeiten und bedenkt man, daß zu der gleichen Leistung

eine halbe Million Menschen erforderlich wäre, dann erhält man erst

die richtige Vorstellung von der wirtschaftlichen Bedeutung dieser

Maschinen.

Einem Hochofen aus dem Jahr 1840 brauchten in der Stunde nur 2 t Erz

und Kohle zugeführt zu werden und diese waren auf eine Höhe von nur

12 m zu heben. Ein moderner Ofen verlangt stündlich 80 t Erz und Kohlen

und zwar auf eine Höhe von 40 m gehoben. Diese Leistung wäre ohne

Maschinenkraft unmöglich, ohne Gichtaufzüge würden wir auf die geringe

Eisenproduktion aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts angewiesen sein,

die den dreißigsten Teil der heutigen betrug, und wobei die Tonne

Roheisen 160 M. gegen 60 M. heutzutage kostete.

Der Betrieb eines Bessemer-Stahlwerks ist überhaupt nur möglich, wenn

rasch arbeitende Hebemaschinen zur Verfügung stehen, weil andernfalls

die gewaltigen Mengen flüssigen Stahls, die in kurzer Zeit erzeugt

werden, nicht zu den Gießformen transportiert werden könnten.

Auch die großen Gußstücke und Schmiedestücke des modernen

Maschinenbaues -- Dampfzylinder, Maschinenrahmen, Walzwerkteile,

Schraubenwellen, Geschütze -- könnten nicht hergestellt werden, wenn

nicht genau arbeitende Hebemaschinen zur Bewegung dieser Stücke zur

Verfügung ständen. Im Kruppwerk in Essen arbeiten allein 608 Krane mit

einer Gesamttragkraft von 6513 t gleich einem Güterzug von 650 Wagen.

Der Vergleich eines Kaikrans aus dem Jahr 1768 mit einem modernen Kran

hatte ergeben, daß die Gesamtbetriebskosten für eine Tonne gehobene

Last von 0,30 M. auf 0,005 M., also auf den 60. Teil zurückgegangen

sind.

Im Hamburger Hafen arbeiten insgesamt 750 Kaikrane, die zusammen

eine Leistung von rund 7500 PS erfordern. Zu der gleichen Leistung

würden etwa 75000 Menschen erforderlich sein, also der 10. Teil der

Bevölkerung Hamburgs.

Die geringen Kosten der Seefracht, die die Lebensbedingung für den

heutigen Weltverkehr bilden, würden nicht möglich sein, wenn nicht

durch rasche Entladung das in den Schiffen angelegte Kapital so

intensiv ausgenutzt werden könnte.

Die Bauzeit eines modernen großen Handelsdampfers beträgt im Mittel 1

Jahr, die Bauzeit eines Linienschiffes kann auf 1½ Jahre verringert

werden, wenn es notwendig ist. Wäre man vor drei Jahrzehnten, als die

Werften noch sehr unvollkommen mit Hebemaschinen ausgerüstet waren,

überhaupt in der Lage gewesen, solche Schiffe zu bauen, so würde die

Bauzeit ein Vielfaches der jetzigen betragen haben. Der Einbau von

Schiffskesseln, Panzertürmen und Geschützen wäre ohne Hebemaschinen von

großer Tragkraft überhaupt unmöglich.

Der Vergleich eines mit Dampfwinden löschenden Schiffes mit einem

zweiten, das mit elektrischen Schiffsdeckkranen ausgerüstet ist, ergab

eine Verminderung der jährlichen Gesamtbetriebskosten von 23000 M. auf

13000 M., also auf nahezu die Hälfte. Dabei umfaßt dieser Vergleich

den Fortschritt von nur etwa einem Jahrzehnt. Weit größer würde

indessen der wirtschaftliche Erfolg sein, der sich durch Ersparnis an

Hilfsmannschaften durch weitere Verbreitung der Selbstgreifer erzielen

lassen würde.

Auch in den Kleinbetrieb sind Hebemaschinen bereits in einem Umfang

eingedrungen, der die Vorstellung des Laien weit übersteigen dürfte.

So werden beispielsweise von den Berliner Elektrizitätswerken 1698

elektrisch betriebene Aufzüge mit Strom versorgt, entsprechend einer

angeschlossenen Leistung von 9700 PS.

Diese wenigen beliebig herausgegriffenen Beispiele dürften bereits eine

ungefähre Vorstellung von dem vielgestaltigen Einfluß geben, den die

Entwickelung der Hebemaschinen auf unser ganzes wirtschaftliches Leben

und damit mittelbar auf unsere Lebenshaltung und unsere Kultur ausgeübt

hat.

6. Einfluß der Hebemaschinen auf die Häufigkeit der Unfälle.

Nach der Unfallstatistik ereigneten sich, wie Fig. 173 zeigt, im Jahre

1902 insgesamt 12915 Unfälle beim Lastentransport von Hand und 2206

Unfälle bei der Lastenförderung durch Hebemaschinen. Die Zahl der

Unfälle bei Maschinentransport betrug also im Jahre 1902 nur 17% der

Unfälle beim Handtransport. Im Jahr 1890 war dieses Verhältnis 824 zu

4196, also 20% gewesen.

Die Zahl der Unfälle, die durch Hebemaschinen selbst hervorgerufen

werden, ist hiernach sehr klein im Verhältnis zu denen des

Handtransportes. In der ersten Entwicklungszeit der Aufzüge haben diese

vielbemerkten Unfälle herbeigeführt, die hauptsächlich durch sorgloses

Öffnen der Türen, Hinabsehen in den Schacht, Einsteigen in den

fahrenden Aufzug hervorgerufen wurden. Der elektrische Betrieb gewährt

mit sehr einfachen Mitteln die Möglichkeit, die gefährlichsten Teile

des Aufzugs, die Schachttüren selbsttätig so zu sperren, daß der Aufzug

nur dann in Betrieb gesetzt werden kann, wenn die Türen geschlossen

sind. Diese Einrichtung ist aber zurzeit noch verhältnismäßig wenig

verbreitet. Unfälle durch Seilbruch und Überfahren der Endstellen sind

sehr selten geworden, seitdem Doppelseil, regelmäßige Revision und

Überfahrsicherungen eingeführt sind.

[Illustration: Fig. 173.]

Bei Dampffördermaschinen kamen zahlreiche Unfälle durch Überfahren

der Endstellung vor, die bei der großen Zahl gleichzeitig beförderter

Menschen und bei der großen Geschwindigkeit meist sehr verhängnisvolle

Folgen hatten. Man hat sich vielfach bemüht, Sicherheitsapparate zu

erfinden, die diesem Unfall vorbeugen sollen. Die Wirkung dieser

Apparate ist indessen insofern eine grundsätzlich mangelhafte, als

sie nur eine plötzliche Absperrung des Dampfes, aber nicht eine

allmähliche Verminderung der Geschwindigkeit herbeiführen können.

Diese Möglichkeit gewährt hingegen der elektrische Betrieb in sehr

vollkommener Weise und mit den denkbar einfachsten Mitteln. Man kann

bei elektrisch betriebenen Fördermaschinen unbedenklich den Steuermann

zurücktreten lassen und die Maschine sich selbst überlassen: sie mäßigt

selbsttätig ihre Geschwindigkeit um so mehr, je näher das Fördergerippe

der Hängebank kommt und setzt dieses etwa 1 m über der Hängebank mit

Sicherheit still.

7. Einfluß der Hebemaschinen auf den Arbeiterstand.

Es liegt nahe, die Frage aufzuwerfen, welche Folgen die weitgehende

Ersparnis von menschlichen Arbeitskräften durch die Hebemaschinen

für die Arbeiter selbst herbeiführt. Gibt es doch heute noch eine

große Zahl sonst verständiger Leute, welche den Ersatz der Handarbeit

durch Maschinenarbeit als ein soziales Unglück ansehen, indem sie von

der irrtümlichen Voraussetzung ausgehen, daß der durch die Maschine

ersparte Arbeiter brotlos wird. Man sollte zwar glauben, daß dieses

Vorurteil ohne weiteres durch die Tatsache widerlegt würde, daß der

heutige Industriestaat Deutschland eine mehr als doppelt so große

Bevölkerung besitzt als eben dieser Agrarstaat vor hundert Jahren,

und daß trotz dieser dichten Bevölkerung die Lebenshaltung auch der

sog. besitzlosen Klassen heute eine weit höhere ist als zu Beginn des

neunzehnten Jahrhunderts.

[Illustration: Fig. 174.]

Einen genaueren Einblick in diese Verhältnisse können natürlich nur

Einzeluntersuchungen geben; im folgenden mögen nur ein paar Beispiele

herausgegriffen werden.

Das Schaubild Fig. 174 stellt die Entwicklung des Steinkohlenbergbaues

im Oberbergamtsbezirk Dortmund in der Zeit von 1875 bis 1900 dar. Über

den Jahreszahlen ist zunächst die Zahl der jährlich geförderten Kohlen

aufgetragen; gleichzeitig ist die Zahl der im Bergbau beschäftigten

Personen eingezeichnet.

Die Technik der Lastenförderung einst und jetzt Eine Studie über die Entwicklung der Hebemaschinen und ihren Einfluß auf Wirtschaftsleben und Kulturgeschichte · 第 14 / 15 段