Wie wenig die Bedingungen erkannt worden sind, geht klar aus Projekten

hervor, die in allerneuester Zeit gelegentlich des Wettbewerbes für

Prerau vorgeschlagen wurden. Man wollte die Schiffe auf quergezogene

Gurten setzen, auf Gummikissen, auf Hölzer, die durch Spiralfedern

gestützt waren u. dgl. m.; kurz, man wollte die Lagerung möglichst

elastisch gestalten. Dieses Bestreben beruht auf einer durchaus

falschen Anschauung. Solange das Schiff im Wasser schwimmt, wirken

von innen auf die Schiffswandungen die Gewichte der Ladung, von außen

der Wasserdruck, der eine ganz bestimmte Größe hat. Würde man nun den

Wasserdruck durch einen ganz unberechenbaren elastischen Gegendruck

ersetzen, dann würden zweifellos Einbeulungen entstehen, die nach

innen oder außen gerichtet sind, je nachdem der Außendruck oder der

Ladungsdruck überwiegt. Es würde also gerade die elastische Lagerung

das Schiff gefährden.

Eine grundsätzliche richtige Stützung muß darauf ausgehen, die Form,

welche das schwimmende Schiff einnimmt, ganz genau zu erhalten.

Es muß also eine große Zahl von sicher geführten, beweglichen Stützen

angeordnet werden, die mit ganz gelindem Druck an die Schiffswand

angelegt werden, während das Schiff schwimmt. In dieser Lage müssen die

Stützen nun festgestellt werden. Wird nun das Wasser abgelassen, dann

kann sich an der Form des Schiffes nichts verändern, vorausgesetzt,

daß die Stützen genügend nahe beisammen stehen. Die Beanspruchungen,

die nun im Schiff entstehen, lassen sich genau berechnen; man ist also

in der Lage, die erforderliche Zahl und Stellung der Stützen so zu

wählen, daß für alle Schiffe eine sichere Stützung möglich ist. Bei

diesem richtigen Stützverfahren wird durch die beweglichen Stützen

gewissermaßen ein Abguß von der Schiffsform genommen; das Feststellen

der angelegten Stützen entspricht dem Erhärten des Abgusses. Das Schiff

ruht dann in dem Abguß genau so wie vorher im Wasser.

Man hat auch zugegeben, daß es möglich sei, für moderne richtig

gebaute Kanalschiffe eine zuverlässige Stützung zu finden, hat aber

gleichzeitig darauf aufmerksam gemacht, daß die altersschwachen

hölzernen Schiffe eine Trockenstützung nicht aushalten. Ganz abgesehen

davon, daß man diese willkürliche Behauptung nie wissenschaftlich

durch Nachrechnung der Beanspruchungen geprüft hat, erscheint es

als ein recht merkwürdiges Vorgehen, daß ungeheure Mehrkosten von

vielen Millionen aufgewendet werden sollen, um durch die neuen Kanäle

einige alte Holzschiffe zu leiten, die alle zusammen vielleicht den

zwanzigsten Teil jener Mehrkosten wert sind.

[Illustration: Fig. 167a.]

Eine derartige grundsätzlich richtige Stützung -- die vollständig

starr sein muß, solange das Schiff trocken liegt --, läßt sich mit

konstruktiv sehr einfachen Mitteln erzielen. Ein Druckwasserzylinder

-- Fig. 167a -- ist in einem Kugelgelenk aufgehangen. Der Kopf seines

Plungers ist durch zwei schiefe Lenkstangen so geführt, daß der Plunger

mit den beiden Lenkstangen ein Tetraeder bildet. Der Plungerkopf trägt

wieder mit Kugelgelenk eine Stahlhaube, die mit einem geflochtenen

Tauring gefüttert ist. Solche Stützen sind in ausreichender Zahl

angebracht: etwa 120 für ein Normalschiff von 600 t. Das schwimmende

Schiff wird in richtiger Lage etwa 20 cm über den in tiefster Stellung

befindlichen Stützen vertaut. Nun wird Druckwasser von sehr geringer

Pressung in alle Zylinder geleitet; die Plunger steigen hoch und legen

sich mit gelindem Druck an die Schiffswand. Dann wird jeder Zylinder

für sich abgesperrt, und zwar durch ein Sperrventil besonderer Art Fig.

167b. Diese Absperrung bewirkt, daß die vorher beweglichen Plunger

nunmehr starre Stützen werden. Wird nun das Wasser abgelassen, so

bleibt das Schiff unverrückbar auf den Stützen sitzen. -- Fig. 168. Die

Beanspruchungen, die sich hierbei im Schiffsboden ergeben, lassen sich

mit vollkommener Sicherheit nachrechnen, der moderne Schiffbau gibt

zuverlässige Methoden hierfür an.

[Illustration: Fig. 167b.]

[Illustration: Fig. 168.]

[Illustration: Fig. 169a.]

[Illustration: Fig. 169b.]

[Illustration: Fig. 169c.]

Die Auflagerung des Schiffes auf Druckwasserzylindern wurde bereits

1882 von Eads und von Bellingrath vorgeschlagen. Beide wollten aber

die Zylinder durch Rohrleitungen unter sich verbinden, um eine

»elastische« Stützung zu bewirken. Daß dieser Gedanke ein Irrtum ist,

wurde im vorhergehenden bereits nachgewiesen.

[Illustration: Fig. 170.]

Die Trockenförderung gewährt gleichzeitig die Möglichkeit, alle

Schleusentore und alle Dichtungen zu vermeiden. In der unteren Haltung

gestaltet sich die Sachlage sehr einfach: der Wagen mit dem Schiff --

Fig. 169a-b-c -- fährt mit immer mehr verringerter Geschwindigkeit

in das Unterwasser ein, so daß das trocken gestützte Schiff ganz

allmählich immer tiefer in das Wasser eintaucht. Man hat behauptet,

daß bei diesem Einfahren unzulässig starke Strömungen entstehen. In

Wirklichkeit hängt die Stärke der Strömung einzig und allein von

dem Wasserquerschnitt und von der Schiffsgeschwindigkeit ab. Die

Wissenschaft gibt auch hier zuverlässige Mittel an die Hand, diese

Faktoren so zu bemessen, daß nur eine völlig ungefährliche Strömung

entsteht.

Ebenso einfach läßt sich die Einfahrt in die obere Haltung gestalten,

wenn man die Bahn so hoch führt, daß der Schiffswagen zunächst etwas

höher als das Oberwasser zu stehen kommt, und nun durch eine als

Drehscheibe ausgebildete Schleppweiche -- Fig. 170 -- den Schiffswagen

auf eine kurze zweite Bahn leitet, die unmittelbar in das Oberwasser

hineinführt.

Der Betrieb gestaltet sich sehr einfach, weil der Schiffswagen nicht

genau in seine Endstellungen zu fahren braucht und weil keinerlei

Schleusentore und keinerlei Dichtungskeile u. dgl. zu bewegen sind. Die

einfache Gestaltung des Oberhauptes und der Schleppweiche ist erkennbar

aus Fig. 171.

[Illustration: Fig. 171.]

* * * * *

Die wirtschaftliche Überlegenheit der Trockenförderung über die

Naßförderung gründet sich auf folgende Umstände:

Da der Trog mit seinem Wasserinhalt fortfällt, so wird das Gewicht des

Schiffswagens von 2200 t auf 1100 t, also auf die Hälfte, verringert.

Infolgedessen wird zunächst der Schiffswagen selbst mit seinen

Laufrädern und seinem Antrieb ganz bedeutend einfacher, leichter

und billiger. Da die bewegte Last nur halb so groß ist, so werden

auch die Anlagekosten des Geleises und seiner Gründung entsprechend

geringer. Während ferner bei der Naßförderung die Geschwindigkeit des

Schiffswagens der unvermeidlichen Wasserschwankungen wegen kaum über

0,5 sekm gesteigert werden kann, steht bei der Trockenförderung nichts

im Wege, die Geschwindigkeit auf 2 sekm zu erhöhen, und das um so

eher, als die bewegte Last nur halb so groß ist. Infolge der größeren

Geschwindigkeit leistet das Hebewerk mehr; man wird daher mit einem

eingeleisigen Trockenhebewerk dasselbe leisten können wie mit einem

zweigeleisigen Naßhebewerk; mit anderen Worten: man wird mit bedeutend

geringeren Anlagekosten auskommen. Endlich kommen alle Schleusentore in

Fortfall, was wiederum eine Verminderung der Baukosten bedeutet.

Einen guten Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse liefern die

Schaubilder in Fig. 172.

[Illustration: Fig. 172.]

In diese sind für Tag- und Nachtbetrieb (12000 Einzelhübe im Jahr), für

vollen Tagbetrieb (6000 Einzelhübe im Jahr) und für halben Tagbetrieb

(3000 Einzelhübe im Jahr) die gesamten Betriebskosten eingetragen.

Im ersten Schaubild sind die Betriebskosten einer Schleusentreppe,

bestehend aus zwei Schleusen von je 18 m Hub, dargestellt. Die

Schleusen sind mit Sparbecken vorausgesetzt. Die Anlagekosten setzen

sich zusammen aus den Kosten der eigentlichen Schleusen und aus den

Anlagekosten der Pumpenanlage, die das verbrauchte Wasser aus der

unteren Haltung in die obere zurückpumpen muß. Das zweite Bild bezieht

sich auf das mit dem ersten Preis ausgezeichnete Projekt »Universell«

des Wettbewerbs für Prerau -- längs geneigte Trogbahn --, das dritte

Schaubild entspricht dem Projekt »Habsburg« mit dem zweiten Preis --

Schwimmtrommel --, und das vierte Bild gilt für ein längs geneigtes

Hebewerk mit Trockenförderung, das genau dieselbe Leistung besitzt wie

die beiden ersten Projekte.

In diesen Bildern sind zunächst die Kosten für die Verzinsung und

Tilgung des Anlagekapitals eingetragen, und zwar mit dem sehr

geringen Satz von nur 4% von der Gesamtanlage. Weiter sind aufgetragen

die Kosten für die Instandhaltung mit dem Satz von 2% von der

Maschinenanlage für Tag- und Nachtbetrieb, mit dem Satz von 1,5% für

vollen Tagbetrieb und mit 1% für halben Tagbetrieb. Dann folgen die

Kosten für die Bedienung des Hebewerks und schließlich die Kosten

für Brennstoff und für Schmierstoff. Man sieht, daß bei dem zweiten

und namentlich bei dem dritten Bild die Kosten für Brennstoff und

Schmierstoff fast verschwinden gegenüber den Kosten für Verzinsung

und Unterhaltung. Man muß daher, um den Betrieb wirtschaftlicher zu

gestalten, in erster Linie das Anlagekapital zu vermindern suchen.

Der Erfolg dieses Bestrebens ist aus dem vierten Schaubild deutlich

erkennbar.

* * * * *

Da das Gebiet der Schiffshebewerke ein im Beginn seiner Entwicklung

stehendes ist, so konnte naturgemäß über ausgeführte Anlagen nur

wenig mitgeteilt werden. Die ungeheure geistige Arbeit, welche in den

Projekten niedergelegt ist, liefert aber einen so reichhaltigen Stoff

für die Beurteilung des Entwicklungsganges, daß die Darstellung eine

unzeitgemäße gewesen wäre, wenn sie sich auf die Ausführungen allein

beschränkt hätte.

[Illustration]

IV

Rückblick auf die Entwicklung der Hebemaschinen im 19. Jahrhundert

[Illustration]

IV

Rückblick auf die Entwicklung der Hebemaschinen im 19. Jahrhundert.

Nachdem die Entwicklung innerhalb der einzelnen Anwendungsgebiete

dargestellt wurde, um den Zweck der Hebemaschinen zu beleuchten,

sollen im folgenden diejenigen Züge des Entwicklungsganges gezeichnet

werden, die gemeinsam für alle Gebiete sind. Es werden einerseits

diejenigen großen Einflüsse zu besprechen sein, die auf die Gestaltung

der Hebemaschinen stark eingewirkt haben, und es werden anderseits

umgekehrt die Folgen hervorgehoben werden müssen, welche aus der

Einführung der Hebemaschinen entstanden sind.

1. Einfluß der Naturkraft auf die Gestaltung der Hebemaschinen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts finden wir nur das Menschentretrad beim

Kaikran, den Pferdegöpel und das Wasserrad bei den Fördermaschinen

der Bergwerke. Eine andere Naturkraft als die animalische und die des

Wassers stand damals nicht zur Verfügung. Die genannten Hebemaschinen

sahen im 15. Jahrhundert fast genau ebenso aus; der Mangel einer

geeigneten Naturkraft hatte jeder Weiterentwicklung im Wege gestanden.

Im Jahre 1777 setzte Watt seine erste Dampfmaschine in England in

Betrieb, im Jahre 1785 wurde die erste Dampfmaschine in Deutschland

aufgestellt. Die erste Hebemaschine, welche mit Dampfkraft betrieben

wurde, war die Fördermaschine. Wie bereits erwähnt, waren im Jahre

1826 im preußischen Bergbau nach dem Bericht von Severin bereits

16 Dampffördermaschinen in Betrieb mit einer freilich sehr kleinen

Durchschnittsleistung von nur 7 PS. In den Kaibetrieb hielt die

Dampfkraft erst sehr viel später Einzug. Nach dem Bericht des

Engländers Colyer ist der erste Dampfkran überhaupt im Jahre 1851

gebaut worden, während Dampfkrane in den Hafenbetrieb erst um die

Zeit von 1863 eingeführt worden sind. In die gleiche Zeit fällt die

Ausgestaltung der Dampfwinden für die Aufstellung auf Handelsdampfern.

In Hüttenwerken und Werften dürften Dampfkrane von der Zeit um 1860 an

benutzt worden sein.

Am Ausgang des 19. Jahrhunderts finden wir die Dampfkraft noch

in Alleinherrschaft auf dem Gebiet der Fördermaschinen und der

Schiffswinden, bei ersteren der großen Abmessungen wegen, bei letzteren

wegen der Nähe der Kesselanlage. Dagegen ist auf den anderen Gebieten

der Dampfantrieb fast völlig verdrängt worden. Nur solche Krane, die

auf weiten Fabrikhöfen und verzweigten Geleisen arbeiten müssen, werden

noch mit Dampfkesseln ausgerüstet. In den letzten Jahren ist auch in

das Gebiet der Fördermaschinen der elektrische Betrieb eingedrungen,

der hier voraussichtlich ganz an die Stelle der Dampfkraft treten

wird. Selbst an Bord von Schiffen wird wahrscheinlich in kurzer Zeit

der Dampfantrieb zum großen Teil durch elektrischen Betrieb verdrängt

werden, wenigstens auf Personendampfern.

* * * * *

Der Antrieb von einer laufenden Transmission aus dürfte bereits

im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts seine Ausbildung gefunden

haben; denn in Dr. Ures Philosophy of Manufactures aus dem Jahre

1835 und in der Enzyklopädie des Prof. Hülsse aus Chemnitz aus dem

Jahre 1841 begegnen wir bereits der Darstellung von Aufzügen mit

Transmissionsbetrieb, die eine durchaus richtige Durchbildung der

Einzelheiten aufweisen. Wir finden hier bereits die Steuerung mittels

Fest- und Losscheibe und eine Bandbremse, die durch eine Kurvenscheibe

gleichzeitig mit dem Riemen gesteuert wird.

Älter als diese gut durchgebildete Ausführung dürften die primitiven

Friktionswinden der Getreidemühlen sein, die ihren Typ im Lauf des

neunzehnten Jahrhunderts so wenig verändert haben, daß sie heute noch

in fast derselben Gestalt zahlreich verbreitet sind. Das erste Beispiel

dieser Art dürfte der Mühlenaufzug Fig. 10 sein, der aus der Zeit der

Hussitenkriege stammt.

Wesentlich schwieriger als der Antrieb einer feststehenden Winde war

die Aufgabe, von einer laufenden Transmission die Kraftübertragung nach

einem fahrbaren Laufkran herzustellen. Ramsbottom löste dieses Problem

durch die Konstruktion der Laufkrane mit Seilantrieb im Jahre 1861 in

einer Kesselschmiede in Crewe (Z. d. V. d. I., Mai 1868). Der Ingenieur

Bredt des ältesten Kranbau-Werks in Deutschland, Stuckenholz in Wetter

an der Ruhr (gegründet 1830), übertrug diese Konstruktion im Jahre

1867 nach Deutschland (Z. d. V. d. I., 16. Sept. 1905, Seite 1530),

aber mit wesentlichen Verbesserungen und Vereinfachungen. Er ordnete

das Triebwerk nicht auf der Laufkatze, sondern an dem einen Ende der

Kranbühne an, wodurch die Seilübertragung wesentlich einfacher und

dauerhafter wurde. Ferner verbesserte er die Steuerung, indem er nicht

das laufende Seil an die Seilscheiben preßte, sondern Wendegetriebe

mit Spreizringkupplungen einführte. Diese Kupplungen haben sich so

vorzüglich bewährt, daß sie heute noch in wenig veränderter Gestalt

vielfach ausgeführt werden. Noch etwas älter als der Seilantrieb ist

die Kraftübertragung auf Laufkrane mittels Vierkantwellen, die bereits

im Jahre 1854 in dem Civil Engineer and Architect Journal erwähnt

werden. Bredt führte bei diesen Kranen Kipplager ein. (Z. d. V. d. I.,

16. Sept. 1905). Für die hier ausführlicher dargestellte Entwicklung

der Hebemaschinen in Bergwerken, Hüttenwerken, Hafenanlagen, Werften

und auf Schiffen ist der Transmissionsbetrieb nie von Bedeutung

gewesen. Seine Anwendung hat er hauptsächlich für Aufzüge in Mühlen und

Fabriken sowie für Laufkrane in Werkstätten gefunden.

Gegen den Ausgang des neunzehnten Jahrhunderts wurde der

Transmissionsantrieb bei Hebemaschinen fast völlig vom elektrischen

Betrieb verdrängt; nur in sehr kleinen Anlagen, die eine Transmission,

aber nicht elektrischen Strom zur Verfügung haben, werden heute noch

Winden mit Transmissionsantrieb aufgestellt.

* * * * *

Der Druckwasserantrieb nahm, wie bereits erwähnt, seinen Ausgang

von der Erfindung der hydraulischen Presse durch Bramah im Jahre

1798. Bramah selbst versuchte bereits 1826 diese Erfindung auf den

Kranbetrieb zu übertragen; seine Konstruktion kann indessen nur als

Vorläufer betrachtet werden, da sie einem Handkran gegenüber kaum einen

Vorteil bot. Erst Armstrong machte im Jahre 1846 den Druckwasserantrieb

dadurch lebensfähig, daß er im Jahre 1847 die Aufspeicherung des

Druckwassers im Hochbehälter und 1851 im Gewichts-Akkumulator

einführte.

Die Druckwasserkrane fanden zuerst Eingang in den Kaibetrieb, und

zwar von 1847 an in England, während sie in Deutschland erst sehr

viel später sich einbürgerten. Die erste größere hydraulische Anlage

in Bremen wurde im Jahre 1886 in Betrieb gesetzt. Um die Mitte des

neunzehnten Jahrhunderts wurden die Druckwasserkrane in Hüttenwerken

eingeführt und dort bald zahlreich verbreitet. Dagegen sind

Druckwasserkrane auf Schiffen erst sehr viel später aufgestellt worden

und sind dort auch nur vereinzelt geblieben.

Am Ende des neunzehnten Jahrhunderts finden wir die Druckwasserkrane

aus dem Kaibetrieb verdrängt durch den elektrischen Betrieb; in den

Hüttenwerken setzt sich der fahrbare elektrische Kran an Stelle

des feststehenden hydraulischen Krans. Für Kraftverteilungen wird

Druckwasser kaum mehr zur Anwendung kommen, weil Rohrnetze zu sehr im

Nachteil gegenüber Kabeln sind; dagegen als Kraftübertragungsglied

zwischen elektrisch betriebener Pumpe und zwischen dem Treibzylinder

einer kurzhubigen Hebemaschine wird vielleicht das Druckwasser noch ein

gewisses Anwendungsgebiet finden.

* * * * *

Die erste Anwendung des Druckluftantriebes für Hebemaschinen

stammt, wie bereits erwähnt, nach dem Bericht von Hülsse aus dem

Jahr 1839, in dem zu Chatlinot ein Gichtaufzug in Betrieb war, der

durch die ohnehin vorhandene Gebläseluft betrieben wurde. Derartige

Druckluft-Gichtaufzüge sind vielfach ausgeführt worden, bis sie durch

den wirtschaftlicheren Dampfbetrieb verdrängt wurden.

Ein zweites Anwendungsgebiet fand die Druckluft, als die

Gesteinsbohrmaschinen mit Preßluftantrieb entstanden. Es lag nahe, die

ohnehin vorhandene Druckluft zum Betrieb von untertags aufgestellten

Förderhaspeln zu benutzen. Derartige Drucklufthaspel werden auch

heutzutage zahlreich ausgeführt und werden ihren Platz behaupten,

solange die Gesteinsbohrmaschinen die Druckluft aus obertags

aufgestellten Kompressoren beziehen. Sollte der bereits mehrfach

versuchte Betrieb der Bohrmaschinen durch kleine vor Ort aufgestellte

Kompressoren mit Elektromotorenantrieb sich weiter verbreiten,

dann würde man allerdings die Untertags-Haspel auch dort durch

Elektromotoren betreiben müssen, wo dies bisher nicht geschieht.

Eine dritte Periode für den Druckluftbetrieb begann in Amerika, als

dort die Druckluftwerkzeuge erfunden wurden. Es lag nahe, die in den

Werkstätten nun ohnehin vorhandene Druckluft auch zu dem Betrieb von

sehr einfachen Hebemaschinen zu verwenden. Man empfand allerdings die

Unsicherheit dieser Hebemaschinen sehr bald als Mangel und suchte

dem durch die Hinzufügung von Ölbremszylindern abzuhelfen, wodurch

indessen die Einfachheit verloren ging. Neuerdings hat man auch

Druckluftmotoren zum Betrieb von Hebemaschinen verwendet. Solange die

Druckluft-Hebemaschinen feststehend verwendet wurden, gestaltet sich

die Luftzuleitung sehr einfach, wird aber sehr umständlich, wenn man

versucht, die Hebemaschinen über größere Strecken fahrbar zu machen.

Letzteres wird aber gerade in modernen Werkstätten angestrebt; es ist

daher vorauszusehen, daß gerade der für fahrbare Hebemaschinen so

günstige elektrische Betrieb dem Druckluftbetrieb weit überlegen sein

wird.

Aus dieser Entwickelung ist zu schließen, daß der Druckluftbetrieb

auf vereinzelte Anwendungsgebiete beschränkt bleiben wird, und daß er

besonders in neueren Werkstätten nicht die Verbreitung finden wird, die

ihm in Amerika bisher zuteil geworden ist.

* * * * *

Hatte die Dampfkraft überhaupt die Möglichkeit eröffnet, Hebemaschinen

mit Naturkraft zu bauen, so führte die elektrische Kraftübertragung

einen vollständigen Umschwung im Hebemaschinenbau herbei, insofern,

als sie erst diesen Maschinen freie Beweglichkeit und stete

Betriebsbereitschaft gewährte.

Die erste elektrische Lokomotive wurde von Werner Siemens im Jahre

1879 gebaut und auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung zum Betrieb einer

kleinen Ausstellungsbahn vorgeführt.

Der erste Versuch einer Fernübertragung wurde im Jahre 1882 von

Miesbach nach München nach den Angaben von Marcel Deprez bei

Gelegenheit der Münchener elektrotechnischen Ausstellung ausgeführt.

Die erste Anwendung auf Hebemaschinen fand der elektrische Betrieb im

Jahre 1883 in Mannheim; in der dortigen Ausstellung wurde von Siemens &

Halske ein Personenaufzug mit elektrischem Betrieb vorgeführt.

Der erste Laufkran mit elektrischem Betrieb wurde im Jahre 1887 von

Stuckenholz für die Werft von Blohm und Voß geliefert.

Die beiden ersten Versuchs-Kaikrane wurden -- wie bereits erwähnt -- im

Jahre 1890 in Hamburg in Betrieb gesetzt.

Die erste elektrisch betriebene Schiffswinde wurde im Jahre 1895

gebaut. In dem nun folgenden Jahrzehnt schritt die Durchbildung und

Verbreitung von elektrisch betriebenen Hebemaschinen so rasch voran,

daß diese von 1900 an nahezu die Alleinherrschaft gewannen.

Nur ein einziges Gebiet gehörte um diese Zeit noch ausschließlich der

Dampfkraft: die Fördermaschine der Bergwerke. Im Jahre 1895 kam zum

erstenmal die Leonardschaltung zur Anwendung für einen Förderhaspel

der Hollerter-Zug-Grube; im Jahre 1899 wurde die erste kleine

Fördermaschine mit direkt gekuppeltem Elektromotor zu Thiederhall in

Betrieb gesetzt; im Jahre 1903 wurde zum erstenmal ein Förderhaspel

mit Ilgnerschaltung gebaut; im Jahre 1902 folgte die Inbetriebsetzung

der ersten Hauptschacht-Fördermaschine auf dem Schacht Preußen, und

schließlich im Jahre 1903 kam die erste Hauptschacht-Fördermaschine mit

Ilgnerschaltung auf dem Schacht Zollern in Gang.

Mit ganz wenig Ausnahmen werden die Hebemaschinen der folgenden

Zeit durchweg elektrischen Antrieb erhalten; auch Hebemaschinen mit

Handbetrieb dürften nur noch für kleine Tragkraft und für kurzen Hub

gebaut werden.

* * * * *

Ein Sondergebiet, das bisher nur sehr geringe Bedeutung gehabt

hat, wird vielleicht sich ein größeres Feld erobern: der Antrieb

durch Benzinmotor. Von allen Kraftmaschinen ist dieser Motor der

unabhängigste und freibeweglichste; er ist aus diesem Grund für den

Kraftwagenbetrieb nahezu der allein übliche geworden. Versuche, diesen

leicht beweglichen und stets betriebsbereiten Motor für Hebemaschinen

zu verwenden, sind ziemlich frühzeitig gemacht worden. Im Jahre

1895 wurde in Oldenburg ein Kaikran mit Benzinmotor aufgestellt.

Auf der Pariser Ausstellung im Jahre 1900 waren einige Krane mit

Benzinmotoren vertreten. Anfangs verwendete man für Krane den Typ der

feststehenden einzylindrigen und langsamlaufenden Motoren. Gerade

dieser Typ ist indessen seiner Schwerfälligkeit und seines stoßenden

Ganges wegen wenig geeignet. Dagegen ist die für den Kraftwagenbetrieb

ausgebildete vierzylindrige Bauart mit ausgeglichenen Massen und hoher

Umdrehungszahl ihrer Leichtigkeit und ihres ruhigen Ganges wegen

vorzüglich für den Einbau in Krane geeignet.

Ein weites Anwendungsgebiet für Krane mit Benzinbetrieb dürften die

Lastwagen bilden; mit einfachen Mitteln läßt sich an jedem Lastwagen

ein Kran anbringen, der vom Wagenmotor aus angetrieben wird und das

Beladen und Entladen des Wagens in kurzer Zeit und mit geringen Kosten

ermöglicht.

Der tiefgreifende Einfluß, welchen die Eigenart der Naturkräfte auf die

Anwendung und Verbreitung der Hebemaschinen ausgeübt hat, kommt auch in

dem Aufbau und der äußeren Erscheinung der Hebemaschinen deutlich zum

Ausdruck.

Die Technik der Lastenförderung einst und jetzt Eine Studie über die Entwicklung der Hebemaschinen und ihren Einfluß auf Wirtschaftsleben und Kulturgeschichte · 第 13 / 15 段