Aus diesen beiden Zahlen ist für jedes Jahr der Quotient gebildet, mit

anderen Worten, es ist die Zahl der Tonnen Kohlen aufgetragen, welche

auf eine Person trifft. Diese Zahl ist nur im Jahr 1875 von 220 auf 294

im Jahre 1880 gestiegen, von da an ist sie nicht mehr weiter gewachsen,

sondern langsam bis auf 264 im Jahre 1900 gefallen. Trotz der in dieser

Zeit eingeführten vollkommenen Förderanlagen und trotz zahlreicher

anderer Hilfsmaschinen -- Gesteinsbohrmaschinen, Streckenförderungen

usw. -- hat sich die auf einen Arbeiter entfallende Fördermenge nicht

vergrößert, sondern sogar vermindert, ein Beweis dafür, daß die an

einer Stelle ersparten Arbeitskräfte sofort für andere Arbeiten

Verwendung gefunden haben. Es ist eben zu beachten, daß die Kohle

einerseits aus größeren Teufen geholt werden muß, und daß anderseits

an die Güte und Reinheit der Kohle viel höhere Ansprüche gestellt

werden als vor 25 Jahren. Beides wirkt zusammen, um eine vermehrte

Arbeitsgelegenheit herbeizuführen, trotzdem mit weit vollkommeneren

Mitteln gearbeitet wird als vor dieser Zeit.

[Illustration: Fig. 175.]

In dem Schaubild Fig. 175 sind die Herstellungskosten für 100 cbm

Leuchtgas eingetragen, so wie sie sich in den letzten Jahren in

dem Gaswerk zu Charlottenburg ergeben haben. Trotz der zahlreichen

in diesen Jahren eingeführten Verbesserungen sind die für Löhne

aufgewendeten Kosten nicht geringer geworden, weil jede Ersparnis

an Arbeitskräften ausgeglichen wurde durch eine entsprechende

Lohnsteigerung.

Dieser Vorgang wiederholt sich überall: der Ersatz der Handarbeit

durch Maschinenarbeit verbilligt zunächst den erzeugten Stoff; infolge

der Verbilligung wird dieser in höherem Maß verbraucht und muß

dementsprechend in größeren Mengen hergestellt werden. Die ursprünglich

als Handlanger verwendeten Arbeitskräfte leisten nun die zur Steuerung

der Maschine notwendige Arbeit. Die schließliche Wirkung ist immer die,

daß die rohe nur körperliche Arbeit ersetzt wird durch eine Tätigkeit,

bei der die körperliche Leistung zurücktritt und die Intelligenz in

Anspruch genommen wird. Der Arbeiter, der zuerst Lasten schleppen

mußte, steht jetzt als Steuermann auf dem Führerstand des Krans.

8. Die Hebemaschinen in der Kulturgeschichte.

Nur ein geringer Bruchteil der technischen Entwicklung ist im

vorausgegangenen vorübergeführt worden. Und doch erlaubt diese

Einzelgeschichte einen Ausblick auf die Kulturentwicklung, wenn das

hier Dargestellte zusammengefaßt wird mit den Umrissen der technischen

Geschichte überhaupt.

In der Vorzeit und in der Antike erschienen als typisches Hilfsmittel

zum Bewegen schwerer Lasten Holzmasten, von Hanfseilen gehalten, mit

Rollenzügen und Handwinden ausgerüstet. Das Ganze war ein vorübergehend

aufgestelltes Werkzeug, das nur so lange gebraucht wurde, bis mit

seiner Hilfe der Monumentalbau errichtet war. Mit diesen dürftigen

Hilfsmitteln und mit Tausenden von willenlosen Sklavenhänden haben die

Vorzeit und die Antike Bauten hervorgebracht, die wie die Pyramiden

und Monolithen, wie die Heerstraßen und Aquädukte für die einfachen

Werkzeuge der damaligen Zeit gewaltige technische Leistungen darstellen.

Diese hervorragenden technischen Werke waren ebenso wie die

wundervollen künstlerischen Leistungen der Antike nur dadurch möglich

geworden, daß ein verhältnismäßig geringer Teil der Menschheit

sozial weit über die große Menge hinausgehoben wurde, so daß er, der

Sorge um den Lebensunterhalt entrückt, ganz in der künstlerischen

Tätigkeit aufgehen konnte. Dieses Hinausheben einzelner Weniger

über die Alltagsarbeit konnte wieder nur dadurch geschehen, daß

die große Masse alle körperliche Arbeit gegen geringes Entgelt

leistete. Die Mittelmeerländer mit ihrem glücklichen Klima und mit

einem Vegetations-Reichtum, der den heutigen noch weit übertraf,

gewährten dem geringen Volk damals noch mehr als jetzt eine leidliche

Lebensführung mit einem geringsten Aufwand von Mitteln, so daß aller

Arbeitsüberschuß den sozial höher Stehenden in reichlichem Maß zur

Verfügung stand. Die rein materielle Lage der damaligen griechischen

und römischen Sklaven war vielleicht eine bessere als die der heutigen

Arbeiterbevölkerung Unteritaliens; nach den Erfahrungen der Geschichte

aller Zeiten wird aber eine wirtschaftlich ungünstige Lage viel weniger

drückend empfunden als das Gefühl, der Laune seines Herrn völlig

preisgegeben zu sein und als das Bewußtsein, daß ein Emporsteigen

der Nachkommen in eine sozial höhere Schicht völlig versperrt ist.

Vermutlich haben in den Vereinigten Staaten die Dogmen der Sozialisten

hauptsächlich darum keinen Boden gewonnen, weil trotz der ungeheuren

sozialen Unterschiede das Emporsteigen in eine höhere Schicht in keinem

Lande so erleichtert ist wie dort.

Der schroffe Gegensatz zwischen der kleinen Zahl der auf der

Sonnenseite stehenden freien Menschen zu der ungeheuer ausgedehnten

Unterschicht von Unfreien und von aller Entwicklung Ausgesperrten

gestaltete den Gleichgewichtszustand der antiken Staaten zu einem

völlig labilen.

Ein solches auf sozialer Ungerechtigkeit aufgebautes, innerlich

nicht standfestes Staatsgebilde mußte schließlich der Zerstörung

anheimfallen. Um so machtvoller mußte in diesem schwankenden Bau das

keimende Christentum wirken, das in seiner Frühzeit nichts anderes

als eine soziale Bewegung war, freilich nicht in dem materiellen Sinn

der heutigen Arbeiterbewegung, sondern sozial in dem idealen Sinn

der gleichen innerlichen Wertung aller Menschen. Als diese Bewegung

unterstützt von den von außen her einwirkenden germanischen Kräften

zum Durchbruch gelangt war, war ein auf Sklavenarbeit gestütztes

Staatsgebilde nicht mehr möglich. Die Folge dieses Umsturzes

war die, daß nunmehr eine annähernd gleichmäßige Verteilung der

Alltagsarbeit auf die Gesamtheit eintreten mußte und daß darum nur

einem winzigen Bruchteil der Menschen noch Muße für künstlerische und

wissenschaftliche Betätigung verblieb. Die weitere Kulturentwicklung

bedurfte daher vieler Jahrhunderte, um ein kleines Stück voran zu

kommen.

Kennzeichnend für die Hebemaschinen-Technik am Ausgang des Mittelalters

ist die Wasserrad-Fördermaschine des deutschen Bergbaues. Aus Hölzern

gefugt, die mit eisernen Klammern verbunden waren, erscheint sie

als das natürliche Ergebnis der damaligen Mittel des Handwerks;

bescheiden im Vergleich zu den modernen Fördermaschinen ist ihre

Leistungsfähigkeit. Aber alle Einzelheiten sind sorgfältig durchdacht

und genau der Herstellung und dem Zweck angepaßt, und diese einfache

Fördermaschine bildet die Lebensbedingung für den Tiefbau des deutschen

Bergmannes und den Ausgangspunkt der heutigen Eisentechnik. Zu ihr

fügte der Hüttenmann das Wasserrad-Gebläse, das die hohe Temperatur des

Hochofens und mit ihr die Herstellung des Gußeisens zustande brachte.

Mit der Fördermaschine und dem Hochofen beginnt ein neuer Abschnitt

der Kulturgeschichte, wenn er auch bisher nicht als solcher gewürdigt

wird. Nur die äußeren Erfolge jener Zeit -- die Entdeckung Amerikas,

die Erfindung des Buchdruckes und des Schießpulvers -- werden als die

Marken der neuen Zeit hingestellt, -- die tiefgreifenden Wirkungen der

beginnenden Eisen- und Stahltechnik aber meist übersehen. Wenn diese

Technik in ihrem Umfang nach auch nicht mit der heutigen verglichen

werden kann, so führte sie doch zu einer weitgehenden Ausbildung der

Werkzeuge und mit dieser zu einer glänzenden Blüte des Handwerks,

namentlich der Schmiedekunst und weiter zur Erfindung und Ausgestaltung

der Uhren, Instrumente und Feuerwaffen. Die Tätigkeit des Handwerks

aber brachte die vielbewunderte künstlerische Entwicklung der deutschen

Städte zur Zeit der Renaissance.

* * * * *

Als Mittel zur Bewegung schwerer Lasten zu Beginn des

Maschinen-Zeitalters -- gegen die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts --

tritt uns der Dampfkran am Kai entgegen. Mit seinem massigen gebogenen

Schnabel aus Walzeisen, auf einem schweren Quaderfundament lastend, mit

langsamen Bewegungen und mit dem fauchenden Geräusch des auspuffenden

Dampfes erweckt er den Eindruck eines Untieres aus der Urzeit.

Wenn er erst zugefaßt hat, entwickelt er eine gewaltige Hubkraft,

aber er braucht Menschen als Handlanger, die mit Schlingketten die

Last an seinem Haken befestigen. Wegen seiner Unbehilflichkeit im

Zufassen, wegen seiner Langsamkeit und Schwerfälligkeit ist er nur

für Schwerlasten geeignet, nicht aber für schnelle Massenbewegung

verwendbar. Noch herrscht der Mensch nicht frei über die Maschine,

sondern er ist zum Teil noch ihr Diener. Der Dampfkran dieser ersten

Zeit erinnert noch etwas an die Vorläufer der Dampfmaschine, an

die ersten Feuermaschinen von Newcomen, bei denen der Hahnsteuerer

unablässig nach dem Takt der Maschine die Dampf- und Wasserhähne auf-

und zudrehen mußte. In dieser Frühzeit der modernen Technik erscheint

die Maschine wie ein Dämon, der den Menschen zu seinem Sklaven macht,

der nur den Unternehmer bereichert, den Arbeiter aber bis auf seine

letzten Kräfte ausbeutet, der häßlich, schwerfällig und anscheinend

kulturfeindlich auftritt.

Ein ganz anderes Bild gewährt schon rein äußerlich der moderne

elektrisch betriebene Stahlwerkskran: wir erblicken einen zierlichen,

frei über die Halle gespannten stählernen Gitterträger und von ihm

herabragend einen schlanken, nach allen Richtungen beweglichen

Zangenarm; das Ganze wird von einem einzigen Mann beherrscht, der

mit sanftem Druck auf den Steuerhebel die elektrischen Ströme

steuert und mit ihrer Hilfe die schlanken Stahlglieder des Krans zu

raschen Bewegungen zwingt, so daß sie ohne Zutun eines Handlangers

den glühenden Stahlblock greifen und durch die Luft schwingen;

dabei ist kein anderes Geräusch zu hören als das leise Surren der

Elektromotoren. Hier ist der Mensch nicht mehr der Diener, sondern

der Herr, nicht mehr seine Muskelkraft, sondern seine Umsicht,

Überlegung und Energie leisten die technische Arbeit, die Erfindung

der Maschine hat den Menschen auf eine höhere soziale Stufe gestellt,

seine Lebenshaltung gesteigert und ihn zum denkenden Mitglied der

menschlichen Arbeitsgemeinschaft gemacht. Diese auf der ganzen Linie

in Angriff genommene Entlastung der Menschheit von körperlicher Arbeit

eröffnet zugleich den Begabten die Möglichkeit, wissenschaftlich und

künstlerisch tätig zu sein, bahnt also mittelbar der Freiheit und der

Entwicklung eine Gasse. »Beherrschung der Naturkraft zur Herbeiführung

eines menschenwürdigen Daseins für alle«: das ist im Grunde genommen

das letzte Ziel der Ingenieurkunst.

[Illustration]

Benützte Werke.

Poppe, Encyclopädie des gesammten Maschinenwesens, 1803.

Neumann, Der Wasser-Mahlmühlenbau, 1810.

Borgnis, Traité complet de mécanique appliquée aux arts, 1818.

v. Langsdorf, Ausführliches System der Maschinenkunde, 1826.

Nicholson, Der praktische Mechaniker, 1826.

Abhandlungen der Kgl. Technischen Deputation für Gewerbe, 1826.

Dinglers Polytechnisches Journal, 1821, 1827, 1828, 1838, 1842,

1845, 1847, 1851, 1899.

Dr. Ure, Philosophy of manufactures, 1835.

Transactions of the institution of civil engineers, 1838.

Hülsse, Allgemeine Maschinen-Encyclopädie, 1841.

Civil engineer and architect journal, 1842, 1854.

Kronauer, Zeichnungen von ausgeführten Maschinen, 1845, 1860.

The practical mechanics journal 1851, 1868.

Mechanics magazine, 1859.

Redtenbacher, Der Maschinenbau, 1865.

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1858, 1900, 1901,

1904, 1905.

Burat, Cours d’exploitation des mines, 1871.

Werner, Atlas des Seewesens, 1871.

Hagen, Handbuch der Wasserbaukunst, 1874.

O. Hoppe, Beiträge zur Geschichte der Erfindungen, 1880.

Colyer, Hydraulic, steam and hand power lifting and pressing

machinery, 1881.

Towne, A treatise on cranes, 1883.

Uhland, Die Hebeapparate, 1883.

Ernst, Hebezeuge, 1883, 1895, 1899, 1903.

Anvers port de mer, 1885.

Riedler, Skizzen zu den Vorlesungen über Lasthebemaschinen, 1885.

Glynn, A rudimentary treatise on the construction of cranes, 1887.

Fréson, Notice sur les ascenseurs hydrauliques pour bateaux, 1888.

Handbuch der Ingenieur-Wissenschaften, 1893.

Riedler, Schiffshebewerke, 1897.

Engineering, 1899, 1901.

Engineering news, 1900, 1905.

Jahrbuch der Schiffbautechnischen Gesellschaft, 1901.

Hrabak, Die Drahtseile, 1902.

Frölich, Die Werke der Gutehoffnungshütte, 1902.

Oppel, Natur und Arbeit, 1904.

Haberkalt, Die preisgekrönten Projekte, 1904.

Choisy, L’art de bâtir chez les Égyptiens, 1904.

Steinhausen, Geschichte der deutschen Kultur, 1904.

Elektrische Bahnen und Betriebe, 1904, 1905, 1906.

Glück auf, 1905.

Stahl und Eisen, 1905.

Ragoczy, Binnenschiffahrt und Seeschiffahrt, 1905.

Schiffbau, 1905.

Böttcher, Krane, 1906.

Möller, Grundriß des Wasserbaues, 1906.

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Die Technik der Lastenförderung einst und jetzt Eine Studie über die Entwicklung der Hebemaschinen und ihren Einfluß auf Wirtschaftsleben und Kulturgeschichte · 第 15 / 15 段