Fig. 152b (entnommen aus Fréson: »Ascenseurs hydrauliques«) gibt

einen Blick von der oberen Haltung aus. Der Trog auf der linken Seite

befindet sich in tiefster Stellung, die Verbindung mit der unteren

Haltung ist durch Hochziehen der Tore hergestellt, ein Schiff fährt

aus dem Trog in die untere Haltung. Der Trog auf der rechten Seite hat

seine höchste Stellung eingenommen, man sieht den Stempel, auf dem der

Trog ruht, und die Eisenkonstruktion des Troges sowie die Führungstürme

aus Gitterwerk.

[Illustration: Fig. 152a.]

[Illustration: Fig. 152b.]

Aus neuester Zeit stammt das Hebewerk zu ~Henrichenburg~ am

Dortmund-Ems-Kanal, das Schiffe von 600 t Tragkraft heben kann und

im August 1899 dem Betrieb übergeben wurde. Im Gegensatz zu den

vorhergehenden sind nicht zwei Tröge vorhanden, deren Gewichte

sich durch Vermittlung von zwei Druckwasserzylindern gegenseitig

ausgleichen, sondern der Trog ruht auf fünf Schwimmern, die sich in

fünf wassergefüllten Schächten auf und nieder bewegen.

Fig. 153 (entnommen aus Riedler, »Schiffshebewerke«).

[Illustration: Fig. 153.]

Zu dieser Anordnung war man gekommen, weil für die schweren hier zu

hebenden Schiffe ein Druckwasserzylinder so gewaltige Abmessungen

erfordert hätte, daß der Betrieb gefährlich und die Anlage allzu

unwirtschaftlich ausgefallen wäre. Den Stempeln gegenüber boten die

Schwimmer den Vorteil, daß sie mit Spielraum in ihren Schächten sich

bewegen konnten, also keiner Dichtung bedurften.

Allerdings wurde nun eine Vorkehrung erforderlich, die einerseits

die wagerechte Lage des Troges, der auf den darunter liegenden

Schwimmern in labilem Gleichgewicht ruht, in jeder Trogstellung mit

Sicherheit aufrecht erhielt und die anderseits bei einem etwaigen

Auslaufen des Troges die nun frei werdende, nach oben gerichtete

Auftriebskraft der Schwimmer unschädlich auffangen konnte. Diese

Vorkehrung wurde nach dem Vorschlag des Ingenieurs Jebens in Gestalt

von vier senkrechten Schraubenspindeln ausgeführt, die an den Ecken

des Troges so gelagert und so stark sind, daß sie den nach oben

gerichteten Auftrieb der Schwimmer aufnehmen können, wenn der Trog

sich entleeren sollte. Diese vier Schraubenspindeln sind durch eine

Wellen- und Kegelräderübertragung unter sich so verbunden, daß die

am Trog befestigten Muttern der Spindeln stets gleichmäßig auf und

nieder steigen, den Trog also stets in wagerechter Lage halten. Der

Antrieb des Troges wird durch Wasserüberlast beim Senken und durch

Wasserminderlast beim Heben bewirkt, so daß der die Schraubenspindeln

drehende Elektromotor nur einen geringen Reibungswiderstand zu

überwinden hat.

~Abmessungen des Trogaufzuges~:

Tragkraft der Schiffe 600 t

Hub des Aufzuges 16 m

Gewicht des gefüllten Troges mit den

Schwimmern 3100 t

Hubgeschwindigkeit 0,1 sekm

Lichte Abmessungen des Troges 70 m × 8,8 m × 2,5 m

Wassertiefe

Abmessungen der Schwimmer 8,3 m Durchm. × 10,3 m

Höhe

Abmessungen der Schraubenspindeln 280 mm Durchm. × 24,6 m

Länge

Anlagekosten der Eisenteile 1750000 M.

Anlagekosten der Gründung rund 1000000 M.

Dauer einer Durchfahrt 12 Minuten

Betriebskosten eines Einzelhubes bei vollem

Betrieb, ohne Zinsen und Tilgung 2 M.

Fig. 154 zeigt das Hebewerk von der unteren Haltung aus gesehen.

Der Trog befindet sich in tiefster Stellung, die unteren Tore sind

hochgezogen, ein Schiff fährt aus dem Trog in die untere Haltung.

Die Anlage ist ausgeführt von Haniel und Lueg in Düsseldorf.

Ein Trogaufzug mit Druckwasserzylindern ist für großen Hub (20 m) in

letzter Zeit (1904) bei ~Peterborough~, Ont., ausgeführt und in

Betrieb gesetzt worden. Abmessungen:

Gewicht des gefüllten Troges 3000 t

Durchmesser des Stempels 2290 mm

Wasserpressung im Zylinder 44 Atm.

Abmessungen des Troges 46 m × 11,5 m × 3 m

Die Zylinder sind aus Stahlguß mit 90 mm Wandstärke, die Stempel aus

Gußeisen ausgeführt.

[Illustration: Fig. 154.]

Fig. 155 (entnommen aus der Z. d. V. d. I. 1904) zeigt den Trog auf der

linken Seite in höchster, den Trog rechts in tiefster Stellung. Die

Tröge sind in ihrer Mitte an gemauerten Türmen geführt.

* * * * *

Zu den Trogaufzügen kann auch ein eigenartiges Projekt gerechnet

werden, welches nach den Patenten von Umlauf, v. Stockert und Offermann

von der Maschinenbaugesellschaft Nürnberg bei dem Wettbewerb für ein

Schiffshebewerk bei ~Prerau~ eingereicht wurde und den zweiten

Preis erhielt.

[Illustration: Fig. 155.]

[Illustration: Fig. 156a.]

Denkt man sich die in Fig. 148 dargestellten Kettenräder durch einen

Balancier ersetzt, dessen Länge gleich dem Hub der Tröge ist, so

bewegen sich die beiden Tröge nicht mehr lotrecht, sondern beschreiben

zwei Halbkreise. Stellt man sich ferner vor, daß die Balancierzapfen

in ihrem Durchmesser so vergrößert werden, daß dieser Durchmesser

beträchtlich größer wird als der Hub, so entsteht eine Trommel, in

deren Innerem die beiden Tröge liegen. Die Drehung dieser Trommel

kann am einfachsten in der Weise bewirkt werden, daß man die mit

wasserdichtem Mantel hergestellte Trommel in einem Wasserbecken

schwimmen läßt. Die beiden Tröge erscheinen dann nicht mehr als Kasten

von rechteckigem Querschnitt, sondern als Röhren von 12 m Durchmesser,

die starr in der Schwimmtrommel befestigt und durch Tore an den

Stirnseiten geschlossen sind.

[Illustration: Fig. 156b.]

Fig. 156a und b (entnommen aus Haberkalt, »Die preisgekrönten

Projekte«). Die Drehung der Schwimmtrommel wird mit sehr geringem

Widerstand ausführbar sein, solange die Tröge genau gleichmäßig mit

Wasser gefüllt sind. Der Antrieb ist durch zwei Zahnkränze gedacht,

die auf der Schwimmtrommel befestigt und so stark bemessen sind, daß

sie das bei Leerlaufen eines Troges entstehende Drehmoment aufnehmen

können.

~Abmessungen des Projektes~:

Tragkraft der Schiffe 600 t

Hub 36 m

{ 52,6 m Durchm.

Abmessungen der Schwimmtrommel { × 70 m Länge

Gewicht der gefüllten Schwimmtrommel 10550 t

Dauer einer Durchfahrt 13 Minuten

Anlagekosten der Eisenteile 3190000 M.

Anlagekosten der Gründung sowie zweier

Haltungen von 700 m Gesamtlänge 2252500 M.

Anlagekosten des ganzen Hebewerks

abzüglich 700 m Kanal 5102500 M.

Ein Trogaufzug bildet in der Kanalstraße einen plötzlichen Sprung. Es

wird nur selten ein Gelände geben, das seiner Natur nach für diesen

Sprung geeignet ist. In den meisten Fällen wird ein hoher Damm für

die obere Haltung und ein tiefer Einschnitt für die untere Haltung

ausgeführt werden müssen. Wenn nun auch der Eisenbetonbau hohe und

sichere Aufbauten mit wesentlich geringeren Kosten herzustellen

gestattet, als dies früher der Fall war, so werden doch die

Fundierungskosten eines Trogaufzuges unter allen Umständen sehr hoch

ausfallen.

Aus diesem Grunde war man schon seit langem bemüht, ein Hebewerksystem

ausfindig zu machen, welches eine wirtschaftlichere Lösung der Aufgabe

gibt.

b) Trogbahnen.

(Geneigte Hebewerke mit Naßförderung.)

Bei den Trogbahnen wird wie bei den Trogaufzügen das Schiff in einem

wassergefüllten eisernen Trog befördert, der an beiden Enden mit

Schleusentoren ausgerüstet ist. Nur wird hier der Trog nicht in einer

senkrechten Führung bewegt, sondern mit Laufrädern ausgerüstet und auf

einer geneigten Bahn gefahren. Obere und untere Haltung sind ebenfalls

mit Schleusentoren verschlossen.

Wird der Trog in seiner Längsrichtung gefahren -- längsgeneigte

Trogbahn --, so braucht das Geleise nicht breiter zu sein als das

Schiff, wird also einfach und billig; ferner läßt sich ein längs

geneigtes Hebewerk leicht dem Gelände anschmiegen, erfordert daher

geringe Fundierungskosten; während der Hebung wird das Schiff

gleichzeitig vorwärts befördert, so daß ein Zeitgewinn entsteht;

endlich wird ein Kanalstück gleich der Länge der Bahn erspart. Diesen

Vorteilen steht der Nachteil gegenüber, daß bei der Längsbewegung des

Troges das Wasser in unberechenbare Schwingungen geraten kann; dieser

Übelstand kann nicht beseitigt, aber vermindert werden durch Wahl

einer geringen Fahrgeschwindigkeit von nicht mehr als 0,5 sekm. Die

Leistungsfähigkeit des Hebewerks wird hiedurch aber naturgemäß sehr

verringert.

Bewegt man dagegen den Trog in seiner Querrichtung -- quergeneigte

Trogbahn --, dann ist ein sehr breites und kostspieliges Geleise

erforderlich; die Anschmiegung an das Gelände ist nur ausnahmsweise

möglich, in der Regel werden teure Gründungsarbeiten erforderlich

sein; da die Bahn des quergeneigten Hebewerks quer zur Kanalstraße

liegt, so wird weder an Kanallänge, noch an Zeit gespart. Es wird daher

das quergeneigte Hebewerk unter allen Umständen wesentlich höhere

Anlagekosten erfordern als das längsgeneigte Hebewerk. Hingegen besitzt

es den Vorzug, daß Wasserschwankungen im Trog kaum zu befürchten sind;

die Fahrgeschwindigkeit kann daher hier wesentlich größer gewählt

werden, wohl bis zu 1 sekm.

Die erste Trogbahn wurde nach einem Entwurf von Thomson aus dem Jahre

1839 in Blackhill am ~Monklandkanal~ in Schottland 1849 von Leslie

ausgeführt. Die Abmessungen dieser längsgeneigten Trogbahn gibt Hagen

in seinem »Handbuch der Wasserbaukunst« wie folgt an:

Hub 29 m

Steigung 1 : 10

Abmessungen der Schiffe 21 m × 3,8 m

Gewicht des gefüllten Troges 80 t

Mittlere Fahrgeschwindigkeit 1 sekm

Abmessungen des Troges 21,3 m × 4,4 m × 0,61 m

Wassertiefe

Bahnlänge 280 m

Hubdauer 5 Minuten

Die beiden ganz aus Eisen hergestellten Tröge liefen mit je 20 Rädern

auf Eisenbahngeleisen von 2,1 m Spur und wurden mittels Drahtseilen

50 mm Durchmesser und einer Seiltrommel von 4,8 m Durchmesser von einer

Dampfmaschine gezogen.

Es wurden indessen nur die ~leeren~ Schiffe mit der Trogbahn

gefördert, die beladenen gingen über eine Schleusentreppe. Die

Tragkraft der Schiffe ist nicht angegeben, sie kann aber den

Abmessungen nach nur eine sehr geringe -- 50 bis 70 t -- gewesen

sein. Die geringe Wassertiefe von 0,6 m läßt das Hebewerk mehr als

Schiffsbahn statt als Trogbahn erscheinen. Der geringe Wasserinhalt

ermöglichte die verhältnismäßig große Geschwindigkeit von 1 sekm.

Von einer späteren Ausführung einer ebenfalls längsgeneigten Trogbahn

in ~Georgetown~ am Potomacfluß aus dem Jahre 1876 gibt das

Handbuch der Ingenieurwissenschaften folgende Abmessungen:

Tragkraft der Schiffe 135 t

Hub 11,6 m

Steigung 1 : 12

Abmessungen der Schiffe 274 m × 1,5 m Tiefgang

Gewicht des gefüllten Troges 390 t

Lichte Abmessungen des Troges 34,1 m × 5,1 m × 2,4 m

Der Trog lief auf drei Untergestellen mit je 12 Rädern, also insgesamt

auf 36 Rädern, und wurde durch zwei Gegengewichtswagen mit halbem Hub

ausgeglichen und durch eine Turbine mittels Drahtseilen bewegt.

Auch dieses Hebewerk konnte nur kleine Schiffe fördern. Später ließ man

die Wasserfüllung des Troges zum größten Teil -- bis auf 0,7 m -- fort,

so daß ein ähnlicher Betrieb wie zu Blackhill entstand (Fréson).

* * * * *

Eine Trogbahn mit Querbewegung ist nur ein einziges Mal zu Foxton in

Leicestershire in England im Jahre 1901 ausgeführt worden, indessen nur

für ganz kleine Schiffe.

Wie aus Fig. 157 (entnommen aus Engineering 1901) ersichtlich ist,

läuft jeder der beiden Tröge mit 16 Laufrädern auf 8 Schienen. Die

Bewegung der Tröge wird durch eine Dampfmaschine bewirkt, die mittels

Schneckengetriebe eine Seiltrommel antreibt, von der jeder Trog mittels

zwei Drahtseilen gezogen wird. Das Hebewerk dient zum Ersatz einer

zehnstufigen Schleusentreppe.

Tragkraft der Schiffe 70 t

Hub 23 m

Steigung 1 : 4

Lichte Abmessungen des Troges 24 m × 4,5 m × 1,5 m

Dauer einer Durchfahrt 6 Minuten

Betriebskosten eines Einzelhubes ohne

Zinsen und Tilgung 0,25 M.

[Illustration: Fig. 157.]

Im Jahre 1895 wurde von der österreichischen Regierung ein Wettbewerb

zur Erlangung von Entwürfen unter einigen Werken veranstaltet. Es

sollte ein Hebewerk für normale 600 t Schiffe und für 100 m Hubhöhe

für den projektierten Donau-Elbe-Kanal entworfen werden. Den ersten

Preis erhielt ein von fünf böhmischen Maschinenfabriken eingereichter

Entwurf, der eine quergeneigte Trogbahn behandelte (Fig. 158). Die

Steigung war 1 : 5 gewählt, der Trog war durch ein aus Gußwalzen

bestehendes Gegengewicht ausgeglichen. Für die Stützung des Troges war

ein etwas abenteuerlicher Vorschlag gemacht: der Trog sollte auf vier

endlosen Walzenketten rollen, die ihrerseits auf vier Stahlgußschienen

sich abwälzen sollten. Für den Antrieb war elektrische Kraftübertragung

gewählt worden; auf dem Schiffswagen sollten drei Elektromotoren

aufgestellt werden, die Zahnräder antrieben, welche ihrerseits in eine

aus Stahlguß hergestellte Zahnstange eingreifen sollten, so daß der

Betrieb dem einer Zahnradbahn ähnlich wurde.

Die Abmessungen waren wie folgt gewählt:

Tragkraft der Schiffe 690 t

Hub 100 m

Steigung 1 : 5

Gewicht des gefüllten Schiffswagens 2100 t

Fahrgeschwindigkeit 1 sekm

Lichte Abmessungen des Troges 70 m × 8,6 m × 1,2 m

Wassertiefe

Anlagekosten der Eisenteile 4700000 M.

Anlagekosten der Gründung 720000 M.

Dauer einer Durchfahrt 14 Minuten

[Illustration: Fig. 158.]

[Illustration: Fig. 159.]

Als Mängel des Entwurfes sind zu bezeichnen: die unsichere

Druckverteilung, die starre Lagerung und die Verwendung von gegossenem

Material für Schienen und Zahnstangen.

Ein zweiter Wettbewerb wurde im Jahre 1904 von der österreichischen

Regierung ausgeschrieben, um einen geeigneten Entwurf für ein Hebewerk

von 36 m Hubhöhe für den projektierten Donau-Oder-Kanal zu erhalten.

Bei diesem Wettbewerb wurde abermals mit dem ersten Preis ein Entwurf

der böhmischen Maschinenfabriken bedacht: Gegenstand des Entwurfes

war eine längsgeneigte Trogbahn mit dem Kennwert »Universell«. Den

zweiten Preis erhielt der schon genannte Entwurf der Nürnberger

Maschinenbaugesellschaft, der eine Schwimmtrommel in Aussicht genommen

hatte.

[Illustration: Fig. 160.]

Die für den Wettbewerb vorgeschriebene Leistungsfähigkeit des Hebewerks

-- Fahrtdauer nicht größer als 48 Min. -- konnte bei der geringen für

Naßförderung zulässigen Fahrgeschwindigkeit von etwa 0,5 sekm nur durch

Anlage von zwei Trogbahnen (Fig. 159 und 160) erreicht werden, wodurch

naturgemäß die Anlagekosten von vornherein sich sehr hoch stellen

mußten.

Die Bahn dieses Entwurfes war in sehr einfacher Weise gedacht: Zwei

besonders gewalzte Stahlschienen von 200 mm Höhe und 160 mm Kopfbreite

sollten in 6,3 m Entfernung auf zwei Betonstreifen von 700 mm Höhe und

900 mm Breite gelagert und durch [Symbol: C] Eisen unter sich versteift

werden. Auf dieser Bahn sollte der Schiffswagen mit 104 Laufrädern aus

Stahlguß von 1100 mm Durchmesser fahren.

[Illustration: Fig. 161.]

[Illustration: Fig. 162.]

Für den Antrieb sollte eine aus Stahlguß gegossene Zahnstange zwischen

den Schienen gelagert werden (Fig. 161 und 162). Jeder der beiden

fahrbaren Tröge sollte mit vier Elektromotoren von je 300 bis 400 PS

ausgerüstet werden, so daß insgesamt eine Antriebsleistung von 1200 bis

1600 PS für jeden Trog verfügbar war. Durch eine besondere Schaltung

sollten die beiden Tröge elektrisch gekuppelt werden, so daß die auf

und ab gehenden Gewichte so weit ausgeglichen waren als es die Verluste

in den Zahnrädern, Elektromotoren und Generatoren zuließen.

Bei Vergleichung der Anlagekosten eines geneigten Hebewerks mit einem

lotrechten ist zu berücksichtigen, daß bei ersterem ein Kanalstück

gleich der Länge der Bahn erspart wird.

Die Abmessungen des Entwurfes »Universell« waren wie folgt gewählt:

Tragkraft der Schiffe 600 t

Hub 36 m

Steigung 1 : 25

Gewicht des gefüllten Schiffswagens 2200 t

Fahrgeschwindigkeit 0,58 sekm

Lichte Abmessungen des Troges 70 m × 8,8 m × 2,3 m

Wassertiefe

Anlagekosten der Eisenteile 3560000 M.

Anlagekosten der Gründung sowie zweier

Haltungen von 700 m Gesamtlänge 1615000 M.

Anlagekosten der ganzen Hebewerke abzüglich

1700 m Kanal 4325000 M.

Dauer einer Durchfahrt 42 Minuten

Im ganzen liegen nur drei Ausführungen von geneigten Hebewerken mit

Naßförderung vor, und alle drei sind nur für kleine Schiffe bemessen.

Nur bei der quergeneigten Bahn findet wirkliche Naßförderung statt; die

beiden längsgeneigten Bahnen zu Blackhill und in Georgetown werden mit

nur ganz geringer Wasserfüllung von 0,6 bzw. 0,7 m Tiefe betrieben.

Von Hebewerken für normale Kanalschiffe liegen nur Projekte vor; aus

diesen geht aber immerhin so viel hervor, daß die Anlagekosten dieser

Hebewerke sehr hohe sind. Die längsgeneigten Hebewerke werden teuer,

weil sie nur mit geringer Geschwindigkeit betrieben werden können,

daher wenig leisten und infolgedessen als Doppelbahnen angelegt werden

müssen. Die quergeneigten Hebewerke erfordern kostspielige Gründungen

und Fahrbahnen. Der mit sehr hohen Preisen bedachte Wettbewerb für das

Hebewerk in Prerau hätte sicher etwas Brauchbares zutage gefördert,

wenn die Naßförderung nicht grundsätzliche wirtschaftliche Mängel

hätte.

Voraussichtlich wird daher die weitere Entwicklung nicht auf diesem

Wege liegen. Wie die Technik sehr häufig, wenn sie auf einen toten

Strang geraten ist, einen früher betretenen und dann verlassenen Weg

wieder aufnimmt, so wird es möglicherweise auch hier geschehen. Einen

derartigen früher begangenen Weg bildet auf dem Gebiet der Hebewerke

die Trockenförderung.

c) Schiffsbahnen.

(Geneigte Ebenen mit Trockenförderung.)

Die ersten Versuche, Schiffe aus einem tiefer liegenden Wasserbecken in

ein höheres auf einer Bahn in trockenem Zustand zu fördern, sind uralt

und in ihren ersten Anfängen naturgemäß sehr primitiv. Eine hölzerne

Bahn führte von dem unteren Becken auf einen Damm und von diesem wieder

ein kurzes Stück abwärts in das höher liegende Wasserbecken; auf

dieser Gleitbahn wurden die Schiffe mit Menschen- oder Tierkräften wie

Schlitten geschleppt.

[Illustration: Fig. 163.]

~Schleppen~ dieser einfachen Art werden in China seit

Jahrhunderten verwendet. In Belgien sind sie seit dem 12. Jahrhundert

bekannt, also wesentlich älter als die Schleusen.

Eine Verbesserung wurde später dadurch herbeigeführt, daß die hölzernen

Bahnen mit feststehenden Rollen ausgerüstet wurden, über welche

die Schiffe mit geringerem Widerstand und größerer Schonung gezogen

werden konnten. Derartige Einrichtungen fanden sich zuerst in den

Niederlanden, später in England. Nach dem Bericht von Hagen waren

die Tragrollen mit einem Durchmesser von rund 0,2 m und einer Breite

von rund 1,8 m ausgeführt und in Abständen von rund 1 m gelagert.

Naturgemäß waren diese ~Rollbrücken~ nur für kleine Schiffe

verwendbar.

Fig. 163 (entnommen aus dem Handbuch der Ingenieurwissenschaften 3.

Band, 2. Abt., 2. Hälfte) zeigt eine Ausführung in Frankreich.

[Illustration: Fig. 164.]

Eine bessere Auflagerung der Schiffe wurde erst möglich, als man

dazu überging, das Schiff auf einen besonderen Wagen zu setzen. Die

erste Nachricht über eine derartige Ausführung ist in einem von Beck

herausgegebenen Werk von Vittorio Zonca enthalten, der 1568 bis 1602

in Padua lebte und das Ehrenamt eines Stadtbaumeisters bekleidete.

Die in Fig. 164 (entnommen aus Beck) wiedergegebene Anlage war in

~Fusina~ bei Venedig errichtet und diente zur Überführung der

Barken aus dem Fluß in die Lagunen. Auf einem steinernen Geleise lief

ein mit vier Laufrädern ausgerüsteter Wagen. Die Räder von rund 0,3

m Durchmesser und rund 0,2 m Breite waren aus Holz und mit eisernen

Reifen und Zapfen versehen. Zum Aufziehen der Schiffswagen dienten zwei

Pferdegöpel. Aus dem Bild ist ersichtlich, wie der Wagen aus der oberen

Haltung auf den Damm -- den trockenen Scheitel -- gehoben wird, um nach

Überschreitung des Scheitels in die untere Haltung hinabgelassen zu

werden.

Eine ähnliche Anlage wurde zu ~Ketley~ in der Grafschaft

Shropshire im Jahre 1788 erbaut.

Hagen gibt in seinem »Handbuch der Wasserbaukunst« die Abmessungen wie

folgt an:

Tragkraft der Schiffe 5 t

Abmessungen der Schiffe 5,7 m × 1,8 m × 0,6 m

Tiefgang

Hub 21 m

Steigung 1 : 2

Der hölzerne Wagen lief mit vier Rädern auf einem hölzernen Geleise von

1,8 m Spur und wurde mittels Hanfseilen gezogen.

[Illustration: Fig. 165.]

In den Jahren 1825 bis 1836 wurden an dem ~Morriskanal~ bei

Philippsburg in New Jersey in den Vereinigten Staaten 23 Schiffsbahnen

vom Major Douglaß erbaut. In dem Civil Engineer and Architect Journal

Jahrgang 1842 finden sich folgende Abmessungen für die Bahn mit dem

größten Hub angegeben:

Tragkraft der Schiffe 70 t

Abmessungen der Schiffe 24 m × 2,3 m

Hub 30 m

Steigung 1 : 11

Bahnlänge 330 m

Dauer einer Durchfahrt 15 Minuten

Fig. 165 (entnommen aus Dinglers Journal 1842, Band 85) stellt den

Schiffswagen dar, der von zwei Radgestellen mit je vier Rädern, also

insgesamt acht Rädern getragen wurde.

Ursprünglich war an der oberen Haltung eine Schleuse angebracht, in

die der Schiffswagen hineinfuhr, worauf das äußere Tor geschlossen,

die Schleuse gefüllt und dann das innere Tor geöffnet wurde. Da diese

Einrichtung zu viel Zeit und Wasser erforderte, so ersetzte man die

Schleuse später durch einen trockenen Scheitel. Das Überschreiten des

letzteren wurde dadurch ermöglicht, daß man die Laufräder mit doppelten

Spurkränzen versah und sie auf Doppelschienen laufen ließ, die so

geknickt waren, daß der Schiffswagen stets in der wagrechten Stellung

blieb. Die zuerst angebrachten Ketten wurden später durch Drahtseile

ersetzt, die auf eine durch ein Wasserrad gedrehte Seiltrommel sich

aufwickelten. In einer Stunde konnten sechs Hübe ausgeführt werden,

wobei nur ein Mann zur Bedienung erforderlich war. Die Anlagekosten

einer Bahn von 16 in Hub betrugen 70000 M.

Nach dem Vorbilde der Anlagen am Morriskanal wurden die fünf

Schiffsbahnen des ~Elbing-Oberländischen Kanals~ in den Jahren

1845 bis 1860 gebaut. Eine eingehende Darstellung gibt Hagen in seinem

»Handbuch der Wasserbaukunst«.

Die Schiffe sind mit Ausnahme einiger kleiner Dampf- und Segelbote

nahezu von gleicher Form und Größe, und zwar aus Holz mit flachem

Boden. Sie dürfen nach den Betriebsvorschriften folgende Abmessungen

nicht überschreiten:

Tragkraft der Schiffe 70 t

Abmessungen der Schiffe 23 m × 2,8 m × 1,0 m

Tiefgang

Hub 25 m bei der höchsten

Bahn

Steigung 1 : 12

Gewicht des Wagens mit Schiff 120 t

Höchste Fahrgeschwindigkeit 1 sekm

Dauer einer Durchfahrt 15 Minuten

Anlagekosten 714000 M.

Der Schiffswagen -- Fig. 166a -- (entnommen aus Hagen, »Handbuch der

Wasserbaukunst« 1874, 4. Band) ist ganz aus Eisen konstruiert und

mit hölzernen Bohlen belegt; er läuft auf acht Rädern, die in zwei

Radgestellen gelagert sind und mit doppelten Spurkränzen versehen sind.

Die Räder laufen wie bei den Bahnen am Morriskanal auf geknickten

Doppelschienen, so daß der Schiffswagen stets in wagerechter Lage

bleibt. Die Spurweite der Geleise beträgt 3 m. Ein Wasserrad von

8 m Durchmesser treibt eine eiserne Seiltrommel, auf welche sich die

Drahtseile aufwickeln, die zu den beiden Schiffswagen führen, während

ein drittes Drahtseil die beiden Wagen unter sich verbindet. Der von

jedem Schiff mitgeführte Handkahn wird an den eisernen Davits des

Schiffswagens aufgehangen. Fig. 166b (entnommen aus Möller »Grundriß

des Wasserbaues«) stellt die Überschreitung des trockenen Scheitels dar.

[Illustration: Fig. 166a.]

[Illustration: Fig. 166b.]

Mit diesen kleinen Anlagen ist die Zahl der wirklichen Ausführungen

abgeschlossen. Auch Projekte für Trockenförderung wurden in der

Folge nicht mehr durchgearbeitet, weil man der Meinung war, es

sei unmöglich, ein beladenes Kanalschiff so abzustützen, daß keine

zerstörenden Formveränderungen an dem Schiff auftreten. Man war in

diesem Vorurteil so befangen, daß man die Frage, welche Bedingungen

eine geeignete Stützung zu erfüllen hätte, gar nicht studierte.

Die Technik der Lastenförderung einst und jetzt Eine Studie über die Entwicklung der Hebemaschinen und ihren Einfluß auf Wirtschaftsleben und Kulturgeschichte · 第 12 / 15 段