Aus strategischen Gründen muß die zum Kohlen-Einnehmen erforderliche

Zeit auf das äußerste abgekürzt werden. In erster Linie steht daher

die Forderung, mit möglichst großer Geschwindigkeit zu arbeiten. Die

Hauptschwierigkeit besteht dabei darin, daß die Arbeit auf einem

sehr beengten Raum vorgenommen werden muß; es werden also diejenigen

Maschinen sich am geeignetsten erweisen, die am wenigsten Raum in

Anspruch nehmen. Eine selbstverständliche Forderung ist die nach

geringstem Eigengewicht der erforderlichen Maschinen. Die Ersparnis

von Menschenkräften ist erwünscht, aber von geringerer Bedeutung. Die

Ersparnis von Kohlen erscheint als nebensächlich im Vergleich zu den

anderen Forderungen.

Ursprünglich arbeitete man ausschließlich mit Handbetrieb. Das zu

kohlende Schiff wurde in freiem Wasser vertaut, so daß sich die

Kohlenprähme rings herum an das Schiff legen konnten, um an möglichst

vielen Stellen gleichzeitig zu arbeiten. An geeigneten Stellen der

Takelage wurden Seilrollen so aufgehangen, daß das herabhängende Seil

einerseits schief in den Prahm, anderseits schief in die Kohlenluke

reichen konnte. Die Kohlen wurden in den Prähmen in Körbe von etwa

75 kg Inhalt geschaufelt, der Korb an den Haken gehangen und das Seil

von Hand hochgezogen, der Korb über der Luke umgekippt und leer wieder

in den Prahm hinuntergelassen, um mit einem gefüllten vertauscht

zu werden. Das Lästigste bei diesem Verfahren liegt darin, daß die

Mannschaft, die am Seil zieht, der anderen im Wege steht und daß

dadurch die Zahl der gleichzeitig arbeitenden Züge sehr beschränkt ist.

Dieser Umstand und die mäßige Geschwindigkeit, die höchstens 1 sekm

erreicht, lassen nur eine geringe Leistungsfähigkeit zu.

Später ging man dazu über, die Seile durch die Spillköpfe der

Dampfwinden einzuholen, die für verschiedene Zwecke ohnehin

vorhanden sind. Der Spillkopf erlaubt ein rasches Arbeiten, weil das

Stillhalten der Last einfach durch geringes Lockern des abgehenden

Seils, das Senken durch vollständiges Nachlassen des Seils erzielt

wird, während der Spillkopf sich stetig weiter dreht. Es entsteht

daher kein Zeitverlust durch Umsteuern der Dampfmaschine. Zur

entsprechenden Handhabung des vom Spillkopf ablaufenden Seils muß bei

dem Spillkopf ein Mann für diesen Zweck ganz zur Verfügung stehen. Die

Hubgeschwindigkeit ist auf 1 sekm beschränkt, wenn man nicht einen

umgekehrten Rollenzug einschalten will, der die Geschwindigkeit auf das

Doppelte erhöht, aber die Seilführung umständlicher gestaltet. Da die

Dampfwinden nur in beschränkter Zahl aufgestellt werden können, so ist

auch hier die Zahl der gleichzeitig arbeitenden Spillköpfe an eine enge

Grenze gebunden, und infolgedessen die Leistungsfähigkeit nicht über

ein gewisses Maß steigerbar.

[Illustration: Fig. 138.]

Eine Hebemaschine, die besonders zum Kohlen von Kriegsschiffen

konstruiert wurde, ist der sog. »Temperley-Transporter«: Fig. 138.

Er bezweckt nicht nur die Hebung sondern auch eine Seitwärtsbewegung

der Last. Ein [Symbol: I] Träger wird mittels Drahtseilen in solcher

Schräglage in der Takelage aufgehangen, daß sein unteres Ende über dem

Kohlenprahm, sein oberes über der Kohlenluke des Kriegsschiffes liegt.

An dem Unterflansch dieses Trägers ist eine Laufkatze aufgehangen; das

Lastseil führt über eine Seilrolle an der Laufkatze, von hier an der

Laufbahn entlang bis zum höchsten Punkt und über eine zweite Seilrolle

an dieser Stelle zur Dampfwinde. Der Vorgang beim Heben spielt sich

nun folgendermaßen ab: Die Laufkatze steht an tiefster Stelle ihrer

Laufbahn, der Haken ist in den Prahm hinabgelassen. Sobald die

Dampfwinde anzieht, steigt die Last in die Höhe und zwar soweit bis sie

an der Laufkatze anstößt. Der Lasthaken klinkt sich nun selbsttätig an

der Laufkatze fest, die Laufkatze läuft dem Zuge des Seils folgend an

der Laufbahn entlang bis zum höchsten Punkt und klinkt sich dort mit

einem selbsttätigen Riegel an der Bahn fest. Läßt nun die Dampfwinde

das Seil nach, so senkt sich der Lasthaken lotrecht nach abwärts in die

Kohlenluke, während die Laufkatze am höchsten Punkt der Bahn stehen

bleibt. Nachdem die Last abgehangen ist, zieht die Dampfwinde wieder

an, der leere Haken steigt lotrecht in die Höhe und klinkt sich

schließlich an der Laufkatze fest. Läßt nun die Dampfwinde das Seil

wieder nach, so löst sich selbsttätig die Verrieglung der Laufkatze,

letztere rollt an der Laufbahn abwärts bis zum tiefsten Punkt, der

leere Haken wird frei und senkt sich in den Prahm, worauf das Spiel von

neuem beginnt.

Der Erfolg dieser Maschine liegt weniger darin, daß die Last außer

der lotrechten Bewegung auch eine Seitwärtsbewegung vollzieht -- denn

die seitliche Entfernung des Prahms von der Luke beträgt in der Regel

nur wenige Meter -- als vielmehr darin, daß für den Betrieb dieser

Laufbahnen besondere Dampfwinden gebaut wurden, die sehr rasch, sicher

und ruhig arbeiten.

[Illustration: Fig. 139.]

Wie Fig. 139 zeigt, ist bei dieser Dampfwinde die Seiltrommel

unmittelbar auf die Kurbelwelle gesetzt, so daß alle Stirnräder

fortfallen. Die Tourenzahl der Dampfmaschine ist infolgedessen geringer

als bei den üblichen Schiffswinden, und die Dampfmaschine arbeitet

daher sehr ruhig. Mit dieser Winde lassen sich Hubgeschwindigkeiten von

2 bis 3 sekm erzielen.

* * * * *

Zur Erzielung einer großen Leistung ist es notwendig, an möglichst

vielen Stellen gleichzeitig zu arbeiten, die zur Verfügung stehende

Kraft also weitgehend zu verteilen. Neuere Bestrebungen laufen daher

darauf hinaus, die elektrische Kraftverteilung zum Kohlen der Schiffe

heranzuziehen, die wie keine andere eine weitverzweigte Verteilung

der Energie gestattet. Elektrisch betriebene Winden lassen sich

viel gedrängter bauen als Dampfwinden, und man ist nicht wie bei

diesen der Rohrleitungen wegen gezwungen, die Winde auf das Deck zu

schrauben, man kann vielmehr elektrische Winden ohne weiteres in der

Takelage aufhängen. Die Winden werden mit einem gewöhnlichen Rollenzug

hochgewunden; die Stromzuführung besorgt ein biegsames Kabel, der

Anlasser wird an der Reeling oder sonst an passender Stelle befestigt.

Natürlich wäre es verkehrt, derartige Hängewinden als Spillkopfwinden

zu bauen, weil Spillköpfe nur dann gut arbeiten, wenn der Seilführer

unmittelbar daneben steht. Es liegt auch gar kein Bedürfnis vor, bei

elektrischem Betrieb mit Spillkopf zu arbeiten, weil ja gerade eine

rasche Umsteuerung bei keiner Maschine so leicht ausführbar ist wie

beim Elektromotor.

[Illustration: Fig. 140a.]

Das Drahtseil muß vielmehr an einer Seiltrommel von etwa 300 mm

Durchmesser und 200 mm Breite befestigt werden, die vom Elektromotor in

beliebiger Drehrichtung angetrieben wird, so daß ein Aufbau entsteht,

wie ihn Fig. 140a zeigt. Als Motor wird ein Hauptstrommotor gewählt,

der die Last mit 2 sekm Geschwindigkeit hochzieht und den leeren Haken

mit 3 sekm hebt und senkt.

Eine derartige gedrängt gebaute Hängewinde nimmt während des Kohlens

an Deck überhaupt keinen Platz fort und kann während der Fahrt leicht

verstaut werden. Die Zahl der gleichzeitig arbeitenden Winden kann

gegenüber den bisherigen Dampfwinden auf das Doppelte gesteigert

werden. Die Leistungsfähigkeit wächst aus zwei Gründen: wegen der

erhöhten Geschwindigkeit und wegen der vermehrten Zahl von Winden.

Für die Steuerung der Winde genügt ein einziger Mann am Anlasser, der

gleichzeitig beim Entleeren des Korbes mithelfen kann. Fig. 140b und

140c stellen die Aufhängung derartiger Hängewinden in der Takelage dar.

[Illustration: Fig. 140b.]

[Illustration: Fig. 140c.]

* * * * *

Die geschilderten Verfahren sind sämtlich nur anwendbar, wenn das

Schiff im Hafen oder wenigstens in ruhigem Wasser liegt. Ein noch

ungelöstes Problem besteht in dem Kohlen von Kriegsschiffen auf

hoher See. Der Seegang schließt es dabei aus, daß der Kohlendampfer

unmittelbar an das Kriegsschiff anlegen kann. Es ist vielmehr

notwendig, daß das Kriegsschiff den Kohlendampfer ins Schlepptau nimmt

und daß die Kohlenübernahme während des Schleppens geschieht.

[Illustration: Fig. 141.]

Der erste Versuch dieser Art wurde 1899 von der amerikanischen Marine

gemacht. Das Linienschiff »Massachusetts« schleppte nach einem Bericht

der »Engineering News« 1900, S. 220, mit einer Geschwindigkeit von 5

bis 6 Seemeilen einen Kohlendampfer in einer Entfernung von 90 bis

120 m. Außer der Schlepptrosse war von dem Heck des Kriegsschiffes

nach dem Vormast des Kohlendampfers noch ein zweites Drahtseil durch

die Luft gespannt, welches als Laufbahn für eine Laufkatze diente,

die durch ein drittes Drahtseil vermittelst einer Dampfwinde mit

5 sekm Geschwindigkeit hin und her gezogen wurde. An die Laufkatze

wurden die Kohlensäcke von Hand angehangen. Es kam nun darauf an,

das Tragseil trotz der Bewegungen der Schiffe möglichst gleichmäßig

gespannt zu halten. Bei diesem Versuch wurde die Spannung dadurch

erzeugt, daß an das Tragseil ein Lenzsack angehangen wurde, das heißt

ein trichterförmiger, im Wasser mit der Öffnung nach vorn schwimmender

Sack. Die durch die Fahrt hervorgerufene Strömung suchte den Lenzsack

mitzunehmen und spannte dadurch das Tragseil.

Bei diesem Versuch wurden stündlich nur 20 t Kohlen übergenommen,

während der Kohlendampfer 3½ t und das Linienschiff etwa 5 t Kohlen

stündlich für die eigene Fahrt verbrauchten, so daß die wirkliche

Nutzleistung nur 20 - 3½ - 5 = 11½ t in der Stunde betrug.

[Illustration: Fig. 142.]

Ein ähnlicher Versuch wurde ein paar Jahre später von der englischen

Marine mit einer Konstruktion der Temperley Transporter Co. ausgeführt.

Das Linienschiff »Trafalgar« schleppte, wie Fig. 141 zeigt, einen

Kohlendampfer in einem Abstand von 90 bis 120 m, wobei von seinem Mast

nach dem des Dampfers ein Tragseil gespannt war. Die Laufkatze mit

vier Kohlensäcken wurde durch ein Zugseil hin und her bewegt, dessen

beide Stränge durch zwei Dampfwinden gezogen wurde; das Tragseil wurde

durch eine dritte Dampfwinde gespannt gehalten. Letztere Winde sowie

eine der beiden Zugseilwinden waren mit einer selbsttätigen Steuerung

ausgerüstet, die für Gleichhaltung der Seilspannung sorgte. Das

Zugseil griff nicht unmittelbar an der Laufkatze an, sondern bewegte

dieselbe mittels eines eingeschalteten Rollenzuges in der Weise,

daß die Geschwindigkeit der Laufkatze doppelt so groß war als die

Seilgeschwindigkeit.

Bei den Versuchen soll die Laufkatze eine Geschwindigkeit von 15 sekm

erreicht haben, so daß alle 45 Sekunden ein Hub ausgeführt wurde. Die

Laufkatze trug dabei vier Kohlensäcke; die erzielte Stundenleistung

soll 30 t betragen haben, wobei die Schiffe mit einer Fahrt von 10

Seemeilen liefen.

[Illustration: Fig. 143.]

Fig. 142 zeigt die Entladestation auf dem Heck des Linienschiffes. Das

Tragseil war über eine Tragrolle geführt, die in einem senkrechten

Ständer geführt war. Sobald die Laufkatze eingetroffen war, wurde diese

Tragrolle durch eine Winde gesenkt und das Tragseil dadurch dem Deck

genähert, so daß die Säcke bequem abgenommen werden konnten.

Bei den erwähnten beiden Versuchen fuhr die Laufkatze auf dem Tragseil

beladen hin und leer zurück; die mit einem Zug beförderte Last konnte

nicht sehr groß sein, weil sonst ein übermäßig schweres Tragseil

notwendig gewesen wäre; während des leeren Rücklaufs wurde überhaupt

nichts gefördert. Trotz der großen Fahrgeschwindigkeit konnte daher die

Leistung nur eine geringe sein.

Weit aussichtsreicher wird eine Anordnung sein, welche zwei Tragseile

verwendet, von denen das eine zur Hinförderung der gefüllten Säcke

und das andere zur Rückförderung der leeren Säcke dient. Es wird dann

möglich, eine größere Zahl von leichten Säcken in gleichmäßigen

Abständen an das Seil zu hängen, und außerdem wird die Zeit für den

leeren Rücklauf erspart. Die Förderung wird aus einer unterbrochenen zu

einer stetigen.

[Illustration: Fig. 144.]

Ein Versuch dieser Art wurde im Jahre 1904 in der deutschen Marine

ausgeführt. Der Kreuzer »Prinz Heinrich« schleppte einen Kohlendampfer,

Fig. 143, wobei außer der Schlepptrosse noch zwei zu einem endlosen

Seil verbundene Tragseile zwischen den beiden Schiffen gespannt

waren. Dieses Tragseil wurde hier gleichzeitig als Zugseil benutzt

-- Fig. 144 --, so daß nur ein einziges endloses Seil erforderlich

war, das durch einen Elektromotor in stetigen Umlauf gesetzt wurde.

Dieses Seil wurde durch einen hydraulischen Zylinder in gleichmäßiger

Spannung gehalten (Fig. 145). Die Säcke faßten 50 kg Kohlen. Infolge

ungenügender Vorbereitung des Versuches wurde bei diesem Versuch nur

eine Stundenleistung von 10 t erzielt, während bei entsprechender

Vorbereitung und Durchbildung aller Einzelheiten eine Leistung von

etwa 40 t zu erwarten gewesen wäre. Das Grundsätzliche dieser von Leue

angegebenen Anordnung: die stetige Förderung an Stelle des früher

versuchten Hin- und Rücklaufs muß jedenfalls als richtig bezeichnet

werden.

[Illustration: Fig. 145.]

[Illustration]

[Illustration]

F.

Schiffs-Hebewerke.

Die Schleuse, das einfachste Mittel, um Schiffe aus einem tiefer

liegenden Kanal in einen höher liegenden zu heben, ist bereits eine

Erfindung des Mittelalters.

Fig. 146 (entnommen aus Beck) ist eine Skizze von Vittoria Zonca,

die eine bei Padua gegen Ende des 16. Jahrhunderts erbaute Schleuse

darstellt. Man sieht deutlich, daß die Schleusenkammer sowohl gegen

die obere wie gegen die untere Haltung durch Tore abgesperrt werden

kann, so daß das Schiff bei geöffnetem Untertor aus der unteren

Haltung in die Schleuse einfahren und nach Schluß des Untertores und

darauffolgende Öffnung des Obertores in die obere Haltung ausfahren

kann.

[Illustration: Fig. 146.]

Derartige Schleusen sind mit geringen Mitteln auszuführen, solange

die obere Haltung in geringer Höhe über der unteren liegt. Übersteigt

der Unterschied in den Wasserspiegeln die Höhe von 5 m, so müssen

die Mauern und Untertore der Schleuse so stark werden, daß die

Anlagekosten unverhältnismäßig mit der Höhe des Spiegelunterschiedes

zunehmen.

Fig. 147 zeigt in einem Schaubild dieses Wachstum. Der

Spiegelunterschied ist als Abszisse aufgetragen, die zugehörige

Ordinate gibt die Anlagekosten an und zwar für eine Schleuse, die

normale Kanalschiffe von 600 t Tragkraft aufnehmen kann.

Mit zunehmender Hubhöhe macht sich auch ein anderer Nachteil der

Schleuse zusehends mehr geltend: der hohe Wasserverbrauch. Die Hebung

des Schiffes um h Meter entspricht einer Nutzarbeit gleich der

Wasserverdrängung des Schiffes mal der Hubhöhe. Die zum Füllen der

Schleusenkammer erforderliche Wassermenge ist dagegen gleichwertig

einer Arbeit gleich der lichten Grundfläche der Schleuse mal der halben

Hubhöhe. In das Schaubild Fig. 147 ist sowohl die Nutzarbeit wie die

Gesamtarbeit als Ordinate zu jeder Hubhöhe eingetragen; beide Arbeiten

wachsen proportional mit der Hubhöhe, aber die Gesamtarbeit -- d. h.

der Wasserverbrauch -- sehr viel schneller als die Nutzarbeit. Der

Unterschied beider Arbeiten bedeutet den nutzlosen Wasserverlust.

[Illustration: Fig. 147.]

Man hat die Anlagekosten durch den Bau von Schlachtschleusen zu

vermindern gesucht und war bestrebt, den Wasserverbrauch durch die

Anlage von Sparschleusen zu verringern, hat aber dadurch die Nachteile

der Schleuse nur mildern aber nicht beseitigen können. Schleusen mit

mehr als 10 m Hub sind bisher nicht ausgeführt worden; die Sparschleuse

von La Villette im St. Deniskanal in Frankreich mit 9,9 m Hub --

vollendet 1891 -- ist bisher nicht überholt worden. Diese Schleuse

kann Schiffe von 1100 t Tragkraft aufnehmen; der Wasserverbrauch für

einen Hub beträgt 3173 cbm, die Anlagekosten beliefen sich auf

1480000 M. Man hat sich vielmehr bei größeren Hubhöhen durch Anlage von

Schleusentreppen, d. h. mehreren hintereinander geschalteten Schleusen

zu helfen gesucht, die aber sehr kostspielige Anlagen darstellen, deren

Betrieb umständlich und zeitraubend ist.

Schon frühzeitig wurden die Mängel der Schleusen für größeren Hub

erkannt und man hat sich bemüht, wirtschaftlichere Hebewerke an ihre

Stelle zu setzen. Die bisher ausgeführten und in Vorschlag gebrachten

Hebewerke lassen sich in drei grundsätzlich verschiedene Gruppen ordnen:

1. in lotrechte Hebewerke oder ~Trogaufzüge~,

2. in geneigte Hebewerke mit Naßförderung oder ~Trogbahnen~,

3. in geneigte Hebewerke mit Trockenförderung oder ~Schiffsbahnen~.

a) Trogaufzüge.

(Lotrechte Hebewerke.)

Der Trogaufzug besteht im wesentlichen aus einem wassergefüllten

eisernen Trog, der an beiden Enden mit Schleusentoren ausgerüstet

ist und in einer lotrechten Führung so beweglich ist, daß bei der

tiefsten Stellung des Troges der Wasserspiegel der unteren Haltung in

gleicher Höhe mit dem Wasserspiegel des Troges steht, und daß in seiner

höchsten Stellung Spiegelgleichheit mit der oberen Haltung entsteht.

Die beiden Kanalhaltungen müssen gleichfalls mit Schleusentoren

versehen sein. Der Vorgang ist nun folgender: der Trog befindet sich

in seiner tiefsten Stellung, alle Tore sind vorerst geschlossen. Durch

eine Gummidichtung wird der Trog mit der unteren Haltung wasserdicht

verbunden. Nun wird das Tor der unteren Haltung und das zugehörige

Trogtor in die Höhe gezogen: das Schiff kann von der unteren Haltung in

den Trog einfahren. Sobald dies geschehen ist, werden die beiden Tore

geschlossen und die Gummidichtung gelöst. Der wassergefüllte Trog mit

dem darin schwimmenden Schiff wird nun durch Maschinenkraft bis in die

höchste Stellung gehoben. Der Trog wird jetzt durch eine Gummidichtung

mit der oberen Haltung wasserdicht verbunden, das Tor der oberen

Haltung und das zugehörige Trogtor werden geöffnet, das Schiff fährt

aus dem Trog in die obere Haltung. Ist das Eigengewicht des Troges

und das Gewicht seiner Wasserfüllung durch ein an Ketten hängendes

Gegengewicht ausgeglichen, so sind beim Heben des Troges lediglich

Reibungswiderstände zu überwinden, die bei zweckmäßiger Ausführung

sehr klein sind und durch eine Mehrfüllung des niedergehenden Troges

um 20 bis 30 cm Wasserhöhe überwunden werden. Steigt der Trog mit

einem Schiff hoch, und geht er ohne Schiff herunter, so ist der

beim Niedergang entstandene Wasserverbrauch nicht größer als die

Wasserverdrängung des gehobenen Schiffes. Es ist also hinsichtlich des

Wasserverbrauches der Trogaufzug einer Schleuse weit überlegen.

Der Vorgänger des Trogaufzuges war eine Vorrichtung, die zu Freiburg

ausgeführt war und darin bestand, daß Schiffe von kleinen Abmessungen

mittels Ketten aus der oberen Haltung lotrecht herausgehoben und in

die untere Haltung lotrecht hinabgelassen wurden (Hagen, Handbuch der

Wasserbaukunst, 4. Band, 1874).

Als Erfinder des Trogaufzuges darf Dr. James Anderson zu Edinburgh

angesehen werden, der 1796 einen derartigen Aufzug für den

~Grand-Western-Kanal~ entwarf. Zur Ausführung kam dieser Entwurf

mit Abänderungen erst im Jahre 1838. Eine eingehende Beschreibung

dieser Ausführung mit guten Darstellungen findet sich in den

Transactions of the institution of Civil Engineers aus dem Jahre 1838,

2. Band.

[Illustration: Fig. 148.]

Wie Fig. 148 (entnommen aus dem Handbuch der Ingenieur-Wissenschaften

3. Band, 2. Abt., 2. Hälfte) zeigt, war bei diesem Hebewerk ein

aufgehender Schiffstrog mit einem niedergehenden durch drei

Gelenkketten gekuppelt, die über drei Kettenräder von 4,8 m Durchmesser

liefen und auf einer durchgehenden Welle von 250 mm Durchmesser

aufgekeilt waren. Die Schiffströge waren ganz aus Holz konstruiert und

wurden in gemauerten Schächten lotrecht geführt. Die Abmessungen waren

sehr gering:

Tragkraft der Schiffe = 8 t, -- Hub des Aufzuges = 14 m.

Die vollständige Durchfahrt eines Schiffes beanspruchte 3 Minuten.

Einen großen Fortschritt gegenüber dieser ersten kleinen Anlage bildete

die Ausführung des Trogaufzuges zu ~Anderton~ am Flusse Weaver in

England, die im Jahre 1875 dem Verkehr übergeben wurde.

Nach dem Vorschlag von Edwin Clark wurden die beiden Schiffströge

nicht an Ketten aufgehangen, sondern auf den Stempeln von zwei

Druckwasser-Zylindern befestigt, die durch ein Rohr unter sich

verbunden waren, so daß eine hydraulische Gewichtsausgleichung

entstand. Der von Clark mit dem Studium der Einzelheiten und der

Überwachung der Herstellung beauftragte Ingenieur Duer gab eine

ausführliche Beschreibung in der Sitzung der Institution of Civil

Engineers vom März 1876.

[Illustration: Fig. 149.]

Fig. 149 (entnommen aus dem Handbuch der Ingenieur-Wissenschaften 3.

Band, 2. Abt., 2. Hälfte) stellt die Gesamtanordnung dar. Die obere

Haltung ist als eiserne Brücke ausgeführt und führt über einen Arm

des Flusses zu der Insel, auf welcher der Trogaufzug aufgestellt ist.

Die Tröge sind ganz aus Eisen konstruiert und führen sich an je vier

gußeisernen Säulen. Die Druckwasserzylinder und ihre Stempel sind aus

Gußeisen hergestellt; die Wandstärke der Zylinder beträgt 70 mm.

Die Abmessungen sind gegenüber der Ausführung am Grand-Western-Kanal

bedeutend vergrößert, da die Tragkraft der Schiffe das Zehnfache

beträgt.

Tragkraft der Schiffe 100 t

Hub des Aufzuges 15 m

Gewicht des gefüllten Troges 240 t

Durchmesser des Stempels 915 mm

Wasserpressung im Zylinder 37 Atm.

Anlagekosten der Eisenteile 596000 M.

Anlagekosten der Gründung 384000 M.

Dauer einer Durchfahrt 8 Minuten

Betriebskosten einer Durchfahrt

bei vollem Betrieb, ohne Zinsen

und Tilgung 0,30 M.

Der diesem Hebewerk zugrunde liegende Gedanke wurde in größerem

Maßstabe bei dem Trogaufzug von ~Les Fontinettes~ an dem Kanal von

Neufossé in Nordfrankreich im Jahre 1888 verwirklicht.

Wie Fig. 150 und 151 (entnommen aus Riedler, »Schiffshebewerke«)

zeigen, werden die beiden eisernen Tröge hier nicht an ihren Ecken

durch gußeiserne Säulen, sondern in ihrer Mitte an gemauerten Türmen

geführt. Die Druckwasserzylinder sind aus aufeinandergesetzten

gewalzten Ringen von 55 mm Dicke und 140 mm Höhe hergestellt, die durch

eine innenliegende Kupferhaut von 2½ mm Stärke gedichtet werden. Die

Stempel sind aus Gußeisen ausgeführt. Die Anlage ist ausgeführt vom

Etablissement Cail und wie die folgende beschrieben von Fréson in der

Revue universelle des Mines 1886.

[Illustration: Fig. 150.]

~Abmessungen des Aufzuges~:

Tragkraft der Schiffe 300 t

Hub des Aufzuges 13 m

Gewicht des gefüllten Troges 800 t

Durchmesser des Stempels 2000 mm

Wasserpressung im Zylinder 25 Atm.

Anlagekosten der Eisenteile 486000 M.

Anlagekosten der Gründung 364000 M.

Dauer einer Durchfahrt 15 Minuten

In dem gleichen Jahre (1888) wurden fünf ganz ähnliche Trogaufzüge zu

~La Louvière~ am Canal du Centre in Belgien in Betrieb gesetzt,

die von der Société Cockerill ausgeführt worden waren. Bei dieser

Anlage sind die eisernen Tröge an gleichfalls eisernen Türmen geführt

Fig. 152a; die beiden Türme in Trogmitte nehmen die Längskräfte auf,

die vier Türme an den Enden die Querkräfte. Die Druckwasserzylinder

sind aus Gußeisen mit 100 mm Wandstärke hergestellt und auf ihrer

ganzen Länge durch aufgeschrumpfte Stahlringe von 50 mm Dicke und

152 mm Höhe verstärkt.

[Illustration: Fig. 151.]

~Abmessungen der Anlage~:

Tragkraft der Schiffe 400 t

Hub des Aufzuges 15 m

Gewicht des gefüllten Troges 1050 t

Durchmesser des Stempels 2000 mm

Wasserpressung im Zylinder 34 Atm.

Anlagekosten der Eisenteile 696000 M.

Anlagekosten der Gründung 324000 M.

Dauer einer Durchfahrt 15 Minuten

Die Technik der Lastenförderung einst und jetzt Eine Studie über die Entwicklung der Hebemaschinen und ihren Einfluß auf Wirtschaftsleben und Kulturgeschichte · 第 11 / 15 段