Fig. 125 (entnommen aus der Z. d. V. d. I. 1904) stellt die erste

Anordnung dieser Art dar, die von der Brown Hoisting Machinery Co. in

Cleveland für die Staatswerft von Neuyork im Jahre 1903 ausgeführt

wurde. Auf den Schwimmkasten ist hier ein starres Gerüst aufgebaut,

welches eine Laufbahn für eine Laufkatze trägt, an der die Last

aufgehangen ist. Die wechselnde Neigung wird durch Aufpumpen von Tanks

berichtigt. Die Tragkraft beträgt 100 t, die größte nutzbare Ausladung

14 m.

Fig. 126 zeigt die erste deutsche Ausführung dieses Typs. Dieser

Schwimmkran von 60 t Tragkraft und 10 m größter nutzbarer Ausladung

wurde von der Duisburger Maschinenbau-A.-G. vorm. Bechem & Keetmann

im Jahre 1905 für die Werft von J. W. Klawitter in Danzig gebaut.

Zum Verholen dienen vier Spille, die von der Krandampfmaschine aus

angetrieben werden; das Ein- und Auspumpen des Wasserballastes besorgt

eine Dampfstrahlpumpe.

[Illustration: Fig. 126.]

Es haben also die Schwimmkrane und die Schwerlastkrane insofern

eine gleichartige Entwicklung durchgemacht, als man bei beiden die

Wippbewegung durch eine Laufkatzenbewegung ersetzt hat.

* * * * *

Vergleicht man die trotz der gewaltigen Tragfähigkeit leichten und

zierlichen Eisengerüste der modernen Turmkrane zu Bremerhaven (Fig.

120) und zu Kiel (Fig. 121) mit den massigen schweren Gestellen

ihrer Vorläufer, der Fairbearnkrane aus der Mitte des neunzehnten

Jahrhunderts (Fig. 85), so wird sofort der starke Unterschied im

Eisenverbrauch und in der Schönheit der Formgebung in die Augen

springen. Die gleiche Erscheinung geht aus dem Vergleich der modernen

Schwimmkrane zu Kiel (Fig. 123) und zu Danzig (Fig. 124) mit den derben

Gerüsten der alten Mastenkrane hervor.

Dieser Fortschritt von einer schwerfälligen und kostspieligen zu einer

zierlichen und billigen Gestaltung ist dem Zusammenwirken von zwei

Grundlagen zu verdanken: der wissenschaftlichen Erkenntnis und einem

ausgebildeten Formensinn. Ohne die Erkenntnis der Kräftewirkungen

und der Festigkeitsgesetze ist die Beurteilung der Zweckmäßigkeit

einer Krangestalt nicht möglich. Anderseits genügt diese Erkenntnis

allein nicht zum Finden neuer und fruchtbarer Gestaltungen. Nur

ein angeborenes und durch die Erziehung ausgebildetes räumliches

Vorstellungsvermögen besitzt die Kraft zu erfinderischer Tätigkeit. Die

Tätigkeit des Konstrukteurs ist demnach im Grunde genommen derjenigen

des Künstlers näher verwandt als der des Gelehrten. Es wird daher auch

nur ein solches Volk auf konstruktivem Gebiet Hervorragendes leisten,

das eine gewisse Kultur auf künstlerischem Gebiet errungen hat.

[Illustration]

[Illustration]

E.

Hebemaschinen an Bord.

Die ältesten Urkunden über die Gestaltung von Schiffen dürften die

von dem Ägyptologen Dümichen im Jahre 1868 aufgefundenen Skulpturen

sein. Sie reichen zurück bis zum Jahr 2500 v. Chr. Die auf diesen

dargestellten Flußfahrzeuge sind mit Mast und Segel ausgerüstet. Zum

Aufziehen des letzteren diente ein Rollenzug, dessen Rollenblöcke aus

Holz mit umgelegtem Tauring dieselbe Gestalt wie auf unseren älteren

Segelschiffen zeigen.

Die im Jahre 1834 aufgefundenen »Attischen Seeurkunden«, die von

Böck und Graser entziffert wurden, geben genauen Aufschluß über die

Gestaltung der Atheniensischen Kriegsschiffe aus der Zeit von 340 bis

330 v. Chr. Das nach diesen Urkunden entworfene Modell einer Pentere

mit einer Wasserverdrängung von rund 500 t zeigt eine Takelung, die

derjenigen der heutigen Küstenfahrzeuge des Mittelländischen Meeres

sehr ähnlich ist. Auch hier finden sich zur Bedienung der Segel

Rollenzüge mit hölzernen Kloben.

Eine den Penteren sehr gleichartige Gestalt zeigen die venetianischen

Galeeren aus dem sechzehnten Jahrhundert. Auch die Takelung hat sich

wenig verändert. Außer den erwähnten Rollenzügen finden sich noch keine

Hebezeuge an Bord.

Solange es nur Segelschiffe gab, lag weder ein Bedürfnis nach

Hebemaschinen vor, noch gab es eine Naturkraft zu ihrem Betrieb. Da

Segelschiffe ohnehin einer reichlichen Mannschaft zur Bedienung der

Segel bedürfen, so standen Menschenkräfte zum Heben der Anker, Boote

und Waren jederzeit zur Verfügung. Es genügten hierzu Kurbelwinden mit

Stirnradübersetzung und Gangspille, alles größtenteils aus Holz, wie es

heute noch auf Flußfahrzeugen zu finden ist.

Im Jahre 1807 baute Fulton den ersten Flußdampfer »Clermont«, im Jahre

1819 fuhr der erste Ozeandampfer »Savannah« von Amerika nach England,

im Jahre 1828 wurde von Ressel der erste Schraubendampfer ausgeführt.

Eine allgemeinere Verbreitung gewannen die Dampfschiffe aber erst um

die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Im Jahre 1870 bestand nur der

zehnte Teil des Tonnengehaltes der deutschen Handelsflotte aus Dampfern.

Auf den Handelsdampfern waren in erster Linie Maschinen zum raschen

Laden und Löschen der Waren notwendig, denn Menschenkraft stand auf

den Dampfern nicht mehr so reichlich wie auf den Segelschiffen zur

Verfügung, und das große in einem Dampfschiff angelegte Kapital

verlangte rasche Ausnutzung des Schiffes und dementsprechend möglichste

Abkürzung der Liegezeit im Hafen.

Die Hebemaschinen an Bord von Kriegsschiffen müssen ganz anders

geartete Bedürfnisse befriedigen, haben daher auch eine ganz

andere Entwicklung durchgemacht. Es erscheint daher eine getrennte

Darstellung der Entwicklung auf Handelsdampfern und auf Kriegsschiffen

gerechtfertigt.

a) Die Hebemaschinen auf Handelsschiffen.

Trotzdem der erste Seedampfer bereits im Jahre 1819 den Ozean kreuzte

und obwohl vom Jahr 1838 an eine regelmäßige Dampferverbindung zwischen

England und Amerika bestand, dauerte es noch geraume Zeit, bis der

Dampf auch zum Betrieb von Hilfsmaschinen an Bord Verwendung fand.

Zum Einholen der Anker wurden immer noch Handwinden benutzt, die

durch doppelarmige Druckhebel betätigt wurden, wie sie heute noch bei

Handfeuerspritzen allgemein gebräuchlich sind. Die Warenballen wurden

unter Zuhilfenahme von Rollenzügen noch lange Zeit von Hand gelöscht

und geladen, wobei eine zahlreiche Mannschaft vereinigt wurde, um die

Zeit für das Löschen und Laden des Schiffes möglichst abzukürzen.

Die ersten Anwendungen der Maschinenkraft zum Löschen und Laden gingen

darauf aus, fahrbare Winden auf der Kaimauer aufzustellen, deren

Hubseile über Seilrollen zu den Spieren des Schiffes geleitet wurden.

In Amerika benutzte man fahrbare Dampfwinden mit eigenem Kessel,

während man in England fahrbare Winden mit Druckwasserbetrieb versuchte.

Dampfwinden, die an Bord aufgestellt wurden, wurden erst Ende der

Sechziger Jahre eingeführt. Die ersten Dampfwinden zeigten einen

ähnlichen Aufbau wie die ersten Schiffsmaschinen. Die Zylinder waren

oszillierend und stehend oder schräg gelagert. Die Umsteuerung erfolgte

anfangs durch Wechselschieber; Abmessungen und Zugkraft waren gering,

die Dampfspannung sehr niedrig.

[Illustration: Fig. 127a.]

Fig. 127a (entnommen aus »The Practical Mechanics Journal« 1868) zeigt

eine Schiffsdampfwinde, die nach dem Patent des Ingenieurs Corradi

von Marseille von der Firma Oswald & Co. in Sunderland im Jahre 1868

ausgeführt wurde.

Fig. 127b stellt eine moderne Ausführung der Norddeutschen Maschinen-

und Armaturenfabrik in Bremen dar.

Der Unterschied ist augenscheinlich nur ein geringer. Bei beiden

Maschinen bildet ein gußeiserner Rahmen mit aufgeschraubten gußeisernen

Schilden das Gerippe der Maschine. Die beiden Dampfzylinder sind

gut zugänglich außen angeschraubt und arbeiten auf Kurbelscheiben.

Stirnräder besorgen die Kraftübertragung auf die Trommelwelle, die

gleichzeitig mit Spillköpfen ausgerüstet ist.

Grundlegend für die Gestaltung dieser Dampfwinden ist das Bestreben,

sie möglichst vielseitig verwenden zu können: zum Laden von Waren,

zum Verholen des Schiffes, zum Aussetzen von Booten. Nur die schweren

Ankerwinden sind als besondere Maschinen ausgebildet.

Zum Löschen und Laden des Schiffes arbeiten in der Regel an jeder Luke

zwei Dampfwinden zusammen.

[Illustration: Fig. 127b.]

Fig. 128 zeigt, daß zwei am Mast aufgehangene Spieren so vertaut

werden, daß die eine über Bord ragt, während die andere gerade über der

Luke steht. Von jeder Dampfwinde führt ein Drahtseil über die Seilrolle

an der zugehörigen Spiere zu dem gemeinsamen Lasthaken. Die am Kai

liegende Last wird an diesen Haken angeschlagen; die Dampfwinde der

Außenspiere holt ihr Seil an, die Last steigt gerade in die Höhe. Nun

holt die Dampfwinde der Innenspiere ihr Seil ein, während gleichzeitig

die andere Winde ihr Seil nachläßt; die Last bewegt sich daher

seitwärts und gelangt über die Luke.

Nun lassen beide Winden ihre Seile nach, die Last sinkt daher in den

Schiffsraum. Zu dieser Arbeit gehören natürlich zwei Steuerleute an den

Dampfwinden, die auf dieses Zusammenarbeiten eingeübt sind. Bei guter

Übung ist trotz der umständlichen Bewegung eine beträchtliche Leistung

erzielbar.

Als die Schiffe allmählich immer breiter wurden, -- bis zu 22 m --,

mußten die Spieren entsprechend verlängert werden. Dadurch wurde

die geschilderte Arbeitsweise allmählich immer unzweckmäßiger.

Man entschloß sich schließlich zur Aufstellung besonderer

Schiffsdeckkrane, die zwischen Luke und Bord aufgestellt wurden, so daß

sie mit geringer Ausladung von etwa 5 m sowohl über Bord wie in die

Luke reichen konnten.

Fig. 129 zeigt einen Schiffsdeckkran mit Dampfbetrieb, in der

Werkstätte montiert. In eine kreisrunde gußeiserne Grundplatte ist

eine Stahlsäule eingelassen, über die der drehbare Teil gestülpt ist.

Letzterer besteht aus einer Grundplatte und zwei Schilden, sowie einem

Querstück, alles aus Gußeisen. An den Schilden ist der aus Walzeisen

hergestellte Ausleger mit Gelenkbolzen befestigt. Zwei außen an die

Schilde angeschraubte Dampfzylinder arbeiten auf die Kurbelscheiben

der obersten Welle. Ein ausrückbares Stirnradpaar besorgt die

Kraftübertragung auf die Trommelwelle, ein Kegelräder-Wendegetriebe mit

Reibkupplungen treibt das Schwenkwerk an. Der Steuerstand befindet sich

auf dem drehbaren Kranteil; der Dampf wird von unten her in die hohle

Säule eingeführt und durch eine Drehstopfbüchse am oberen Ende der

Säule zu dem drehbaren Teil geleitet.

[Illustration: Fig. 128.]

[Illustration: Fig. 129.]

Die Dampfwinden und Dampfkrane werden über Deck verteilt so

aufgestellt, daß an jeder Luke zwei Winden oder zwei Krane zu stehen

kommen. Von der Kesselanlage, die stets in Mitte Schiff liegt, sind

Dampfleitungen nach oben zu führen und über das ganze Deck entlang

zu jeder Winde zu leiten. Dieses weit verzweigte Rohrnetz bildet

ein sehr lästiges Glied des Dampfbetriebes. Die Leitungen müssen in

engen Gängen untergebracht werden, sind daher schlecht zugänglich und

schwierig in Stand zu halten. Wenn die Leitung angestellt wird, dehnt

sie sich aus, wenn sie abgestellt wird, zieht sie sich wieder zusammen.

Die Folgen der schlechten Instandhaltung und des Temperaturwechsels

sind stets zahlreiche Undichtigkeiten, aus denen Dampf und Leckwasser

ausströmen und die Umgebung verunreinigen. In kaltem Klima frieren die

Rohrleitungen zuweilen ein. Besonders lästig sind die Dampfleitungen

in den Tropen, weil sie dort eine unerwünschte Heizanlage bilden, denn

trotz Isolierung geben die Rohre viel Wärme ab.

[Illustration: Fig. 130.]

Auch die Dampfwinden selbst haben grundsätzliche Mängel: ihre

Dampfmaschinen haben stets stoßenden Gang, weil sie ohne Schwungrad und

mit nassem Dampf arbeiten müssen, da in den Rohrleitungen viel Dampf

kondensiert. Wegen der Unvollkommenheit dieser kleinen Maschinen und

wegen des Kondensationsverlustes ist zudem der Dampfverbrauch ein ganz

unverhältnismäßig hoher.

Man hat daher schon seit langem versucht, an Stelle der Dampfverteilung

eine andere Kraftverteilung zu setzen. Die an Land so erfolgreichen

Druckwasser-Anlagen legten den Gedanken nahe, auch an Bord eine

Preßpumpe mit Akkumulator aufzustellen, an Stelle der Dampfleitungen

Druckwasserleitungen zu legen und die Winden bzw. Krane mit Druckwasser

zu betreiben. Dieser Gedanke ist in England schon sehr frühzeitig

verwirklicht worden. Auch in Deutschland wurden einige Schiffe mit

hydraulischen Kranen ausgerüstet.

[Illustration: Fig. 131.]

Fig. 130 (entnommen aus der Z. d. V. d. I. 1904) zeigt einen von Hoppe

in Berlin ausgeführten hydraulischen Schiffsdeckkran im Schnitt und

Fig. 131 in seiner äußeren Erscheinung. Die Tragkraft beträgt 1,5 t,

der Hub 18 m, die Ausladung 5 m. Das Druckwasser wird mit sehr hoher

Pressung -- von 60 bis 100 Atmosphären regelbar -- zugeführt, um

mit kleinen Abmessungen der Rohre und Treibzylinder auszukommen. Ein

gußeiserner Bock bildet den feststehenden Teil des Krans; in diesem

Bock ist mittels Spurlager und Halslager der drehbare Teil gelagert,

der aus zwei Stahlgußschilden mit angehängtem Walzeisenausleger

besteht. Der Treibzylinder für das Hubwerk ist zentrisch zwischen den

Schilden untergebracht, die beiden Treibzylinder für das Schwenkwerk

sind an den feststehenden Bock geschraubt.

[Illustration: Fig. 132.]

Fig. 132 (entnommen aus der Z. d. V. d. I. 1904) zeigt die Verteilung

der Krane über das Deck des Dampfers »Barbarossa« des Norddeutschen

Lloyd und das Rohrnetz. Die Dampfpumpe mit Akkumulator wird in Nähe

des Hauptmaschinenraumes aufgestellt; der Akkumulator wird nicht wie

sonst mit einem Gewicht, sondern durch einen unter Dampfdruck stehenden

Kolben belastet, um ein geringstes Eigengewicht der Anlage zu erzielen.

Die Druckwasserkrane haben den Dampfkranen gegenüber zwei Vorzüge:

sie arbeiten vollkommen geräuschlos und mit etwas geringerem

Dampfverbrauch. Das hydraulische Rohrnetz ist nicht so sehr dem

Temperaturwechsel unterworfen, ist daher leichter dicht zu halten; auch

heizt es nicht die Umgebung, friert allerdings im kalten Klima leichter

ein. Die Pumpenanlage erhöht das Gewicht beträchtlich, ist daher eine

unangenehme Zugabe. Eine weitere Verbreitung haben die Druckwasserkrane

auf Schiffen nicht gefunden, es ist vielmehr bei wenigen Ausführungen

geblieben.

Als zu Beginn der Neunziger Jahre die elektrisch betriebenen Kaikrane

eingeführt wurden, lag es nahe, auch an Bord elektrisch betriebene

Winden und Krane aufzustellen und diese von der vergrößerten

Beleuchtungszentrale aus zu betreiben, die ohnehin in jedes moderne

Schiff eingebaut wird. Die ersten Versuche dieser Art zeigten, daß

nur ganz besonders widerstandsfähige Elektromotoren und Anlasser dem

zerstörenden Einfluß des Seewassers auf die Dauer Trotz bieten können.

Immerhin gelang es, durch wasserdichte Einkapselung dieser Teile,

dieser Schwierigkeit Herr zu werden. Zuerst gelang es, brauchbare

elektrisch betriebene Winden herzustellen.

[Illustration: Fig. 133.]

Fig. 133 stellt zwei Winden mit Stirnradübertragung dar, die an Bord

des Reichspost-Dampfers »Prinz Heinrich« des Norddeutschen Lloyd im

Jahre 1896 von der Union-Elektrizitäts-Gesellschaft aufgestellt wurden.

Die Zugkraft beträgt 3 t, die Hubgeschwindigkeit 0,5 sekm Im ganzen

sind 6 Winden an Bord.

Auch die Konstruktion von elektrisch betriebenen Schiffsdeckkranen

wurde mit Erfolg versucht.

Fig. 134 zeigt einen derartigen Kran, ausgeführt von der

Union-Elektrizitäts-Gesellschaft. In eine feststehende gußeiserne

Grundplatte ist eine Stahlsäule eingelassen, über welche der drehbare

Teil gestülpt ist, der sich aus einer kreisförmigen Plattform aus

Gußeisen und zwei Blechschilden zusammensetzt. Der Ausleger besteht

aus einem Stahlrohr, welches durch zwei Drahtseile gehalten und

während der Fahrt abgenommen und an Deck verstaut wird. Auf der

Plattform sind zwei Elektromotoren montiert, von denen der eine

mittels Schneckenübertragung die Seiltrommel, der andere ebenfalls mit

Schnecke das Schwenkwerk antreibt. An Bord des Reichspost-Dampfers

»Bremen« des Norddeutschen Lloyd sind zwölf derartige Krane von

1,5 t Tragkraft und 0,55 sekm Hubgeschwindigkeit und vier Krane von 3 t

Tragkraft und 0,35 sekm im Jahre 1898 aufgestellt worden.

[Illustration: Fig. 134.]

Die ersten elektrisch betriebenen Schiffsdeckkrane waren insofern

unzweckmäßig gebaut, als sie ein viel zu großes Eigengewicht besaßen

und infolge der eingängigen Schnecke des Hubwerks einen unnötig großen

Stromverbrauch aufwiesen. Die Folge davon war, daß sie eine sehr starke

Zentrale erforderten. Das große Gewicht der Krane selbst und der

Zentrale war für den Schiffbau so unzweckmäßig, daß weitere Schiffe mit

elektrisch betriebenen Kranen bisher nicht mehr ausgeführt worden sind,

trotzdem die elektrischen Leitungen infolge ihrer leichten Verlegung,

geringen Raumbedarfs, geringer Wartungsbedürftigkeit, Reinlichkeit und

Unempfindlichkeit weit angenehmer als alle Rohrleitungen und namentlich

als Dampfleitungen sind.

Die Mängel der ersten Anlage würden sich indessen leicht

vermeiden lassen. Zunächst könnte man die Krane bei geschickter

Einzelkonstruktion um mindestens ein Drittel des Gewichtes leichter

herstellen und ihren Stromverbrauch ebenfalls um mindestens ein Drittel

vermindern, so daß die Zentrale ohnehin bedeutend kleiner sein könnte.

Ferner wird man in Zukunft die Dynamomaschinen der Zentrale nicht

durch Kolbendampfmaschinen sondern durch die bedeutend leichteren

Dampfturbinen antreiben. Das Gewicht der Zentrale wird infolgedessen

aus zwei Gründen geringer. All das zusammengenommen ergibt eine so

starke Verminderung des Gesamtgewichtes, daß gegenüber den Dampfkranen

kein wesentlicher Gewichtszuwachs mehr herauskommt.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse lassen sich am besten durch einen

Vergleich zwischen einer Dampfwindenanlage und einem elektrisch

betriebenen Schiffsdeckkran beleuchten, wobei indessen aber noch die

unvorteilhafte alte Konstruktion des letzteren zugrunde gelegt werden

soll.

Betrieb durch zwei Betrieb durch einen

Dampfwinden und zwei elektrisch betriebenen

Spieren. Schiffsdeckkran.

Tragkraft 1,5 t 1,5 t

Nutzbare Ausladung 10-8 + 2 m 5,5-3 + 2,5 m

Hubgeschwindigkeit für

1 t Last 0,6 sekm 0,6 sekm

Stundenlieferung 25 t 25 t

Bedienungsmannschaft 2 Mann 1 Mann

Eigengewicht 7000 kg 7125 kg

mit Anteil an Rohrleitung mit Anteil an Kabel

und an Turbodynamo

Anlagekosten 6500 M. 8375 M.

Kohlenkosten für 1 t

gehobene Last 0,05 „ 0,01 „

Kohlenkosten für 1600

Betriebsstunden im Jahr 1920 „ 400 „

Zinsen und Tilgung im

Jahr 975 „ 1260 „

Gesamtbetriebskosten im

Jahr 2895 „ 1660 „

Gesamtbetriebskosten für

8 Luken auf 1 Schiff 23160 „ 13280 „

----------------------------------------------------------------------

Gewinn zugunsten des

elektr. Betriebes für das

ganze Schiff im Jahr 23160-13280 = rund 10000 M.

Der elektrische Betrieb hat sonach, auch vom wirtschaftlichen

Standpunkt aus betrachtet, Anwartschaft auf die Zukunft, vorausgesetzt,

daß die Krane in der Einzelkonstruktion zweckmäßiger durchgebildet

werden, als dies bisher geschehen ist.

b) Die Hebemaschinen auf Kriegsschiffen.

Auf Kriegsschiffen trat das Bedürfnis nach Hebemaschinen sehr viel

später auf als auf Handelsschiffen, weil auf ersteren Mannschaften

ohnehin stets zur Verfügung standen. Solange die Kriegsschiffe aus

Holz gebaut wurden -- und das geschah auch nach Einführung des

Dampfbetriebes noch -- waren die Abmessungen der Schiffe selbst, ihrer

Boote, Anker und Geschütze so klein, daß die Anker und Boote durch

Gangspille (Fig. 135, entnommen aus dem »Atlas des Seewesens« von

Werner), die Geschütze durch Rollenzüge bewegt werden konnten. Man

machte zwar sehr bald den Versuch, einzelne Kriegsschiffe aus Eisen zu

bauen, machte aber sehr schlechte Erfahrungen damit, da ungepanzerte

eiserne Schiffe durch Geschosse sehr schwere Verletzungen erlitten, die

sich nicht wie bei den Holzschiffen leicht flicken ließen.

[Illustration: Fig. 135.]

Eine neue Zeit begann im Kriegsschiffbau erst mit der Einführung des

Panzers. Im Jahre 1858 wurde das erste Panzerschiff, die »Gloire«

erbaut. Von nun an wuchsen die Abmessungen der Schiffe, der Geschütze,

der Anker und Boote bald so sehr, daß an eine Bewegung dieser Lasten

auch durch eine große Zahl von Menschenkräften nicht mehr zu denken

war. Während im Jahre 1870 das stärkste Panzerschiff der deutschen

Flotte, der »König Wilhelm« eine Wasserverdrängung von rund 6000 t

besaß, sind moderne Linienschiffe bei einer Wasserverdrängung von

16000 t angelangt; auf Stapel werden bereits Linienschiffe von 18000 t

gelegt.

Zuerst begann man, die Gangspille durch Dampfankerspille zu ersetzen,

dann trat die Notwendigkeit auf, Maschinen zum Drehen der Geschütztürme

und zum Aufziehen der Munition aus den Munitionsräumen in die

Geschütztürme einzubauen. Diese Maschinen sind so sehr Sondermaschinen,

daß sie kaum mehr in das Gebiet der allgemeinen Hebemaschinen fallen.

Dagegen stellt der Betrieb an Bord zwei Aufgaben, die auch vom

allgemeinen Gesichtspunkt aus ein besonderes Interesse bieten: die

Konstruktion von Bootskranen und von Kohlenwinden. Diese beiden

Aufgaben sind grundverschiedener Natur; die erste befaßt sich mit

Schwerlasten, die zweite mit sehr geringen Lasten, die möglichst

schnell bewegt werden sollen.

1. Bootskrane.

Die Besonderheit dieser Maschinen besteht darin, daß die vollständig

ausgerüstete und bemannte Dampfbarkasse mit solcher Geschwindigkeit

gehoben werden muß, daß die nachfolgende Welle den Boden der Barkasse

nicht mehr trifft. Die hierzu erforderliche Geschwindigkeit beträgt

erfahrungsgemäß 0,2 sekm. Das Gewicht einer modernen Barkasse ist

bereits bis auf 16 t gesteigert worden. Es ist daher beim Heben der

Barkasse eine Leistung von 16000 · 0,2/75 = rund 50 PS zu leisten.

Ursprünglich half man sich in der Weise, daß man an den Raaen oder an

besonderen Spieren Rollenzüge aufhing und die Taue derselben durch

Dampfwinden einholte. Dieses Verfahren läßt aber nur eine unvollkommene

Seitwärtsbewegung der Barkasse zu. Neuerdings ist man daher allgemein

dazu übergegangen, besondere Krane für diesen Zweck aufzustellen.

Fig. 136 stellt einen Bootskran mit Dampfbetrieb der deutschen

Linienschiffe aus den Neunziger Jahren dar. Der Kran selbst besteht

aus einem gebogenen Blechträger, dessen lotrechter Teil in einem

Halslager und einem Kugelspurlager an dem Deckaufbau gelagert ist.

Die Dampfmaschine für das Schwenkwerk ist unmittelbar neben dem

Kran gelagert, die Dampfwinde des Hubwerks ist etwas abseits davon

aufgestellt, die beiden Drahtseile werden von zwei getrennten

Seiltrommeln gleichzeitig aufgewunden.

Fig. 137 (entnommen aus Roedder: »Die elektrischen Einrichtungen

moderner Schiffe«) zeigt einen Bootskran mit elektrischem Betrieb, wie

sie auf den amerikanischen Linienschiffen »Kearsarge« und »Kentucky«

im Jahre 1899 eingebaut wurden. Die Anordnung des Kranes selbst ist

die gleiche wie vorher. Dagegen ist hier sowohl das Hubwerk wie das

Schwenkwerk auf einer Plattform aufgestellt, die sich mit dem Kran

dreht. Beide Triebwerke werden durch einen Elektromotor angetrieben,

der abwechselnd auf das Hubwerk und auf das Schwenkwerk geschaltet

werden kann. Diese Einrichtung genügt vollständig, da das Schwenken

doch erst dann geschehen kann, wenn die Barkasse vollständig bis an

Bord gehoben ist.

[Illustration: Fig. 136.]

[Illustration: Fig. 137.]

Die Hauptschwierigkeit bei der Konstruktion dieser Bootskrane liegt

darin, daß ein möglichst geringes Eigengewicht und eine möglichst

gedrängte Aufstellung bei gleichzeitig großer Leistung verlangt wird.

Der elektrische Betrieb kann diese Anforderungen zweifellos eher

erfüllen als der Dampfbetrieb; die dargestellte Ausführung kann als

befriedigende Lösung indessen nicht betrachtet werden; bei geschickter

Einzelkonstruktion läßt sich ein weit gedrängterer und einfacherer

Aufbau erzielen.

2. Kohlenwinden.

Die Technik der Lastenförderung einst und jetzt Eine Studie über die Entwicklung der Hebemaschinen und ihren Einfluß auf Wirtschaftsleben und Kulturgeschichte · 第 10 / 15 段