Im Jahre 1904 wurden erbaut: auf Hamburger Werften 85 Schiffe mit

zusammen 91300 t, auf Kieler Werften 57 Schiffe mit zusammen 78900 t,

auf Stettiner Werften 27 Schiffe mit zusammen 67700 t.

[Illustration: Fig. 108.]

Aus diesem Überblick geht hervor, daß ein Bedarf nach leistungsfähigen

Hebemaschinen erst in den Siebziger Jahren begann, daß also die

Entwicklung dieser Maschinen nahezu ausschließlich den letzten

Jahrzehnten angehört.

Die Gestaltung dieser Hebemaschinen ist eine sehr verschiedene, je

nachdem sie zum Bau des Schiffes auf der Helling, zum Einheben schwerer

Lasten in das am Werftkai liegende Schiff oder endlich zum Transport

von Lasten auf das im freien Wasser vertaute Schiff dienen.

a) Helling-Krane.

Solange das Schiff auf der Helling steht, darf es nur möglichst wenig

belastet werden, damit der Stapellauf nicht zu sehr erschwert wird.

Schwere Maschinenteile, Kessel, Geschütztürme und sonstige Schwerlasten

werden erst nach dem Stapellauf eingesetzt. Die Hellingkrane haben

daher nur die Aufgabe, die zum Aufbau des Schiffsrumpfes erforderlichen

Bleche und Träger zu heben und brauchen infolgedessen nicht mehr als 3

t Tragkraft zu besitzen. Dagegen ist große Geschwindigkeit erwünscht,

um die kurzen Bauzeiten einhalten zu können, die dem modernen Schiffbau

gestellt werden.

Fig. 109 stellt ein Bild einer Helling der Schiffswerft von Schichau

vor 15 Jahren dar: Lotrechte Holzmasten, die mittels Drahtseilen

verankert sind, tragen nahe ihrem oberen Ende schrägstehende

Holzspieren, die ebenfalls durch Drahtseile in ihrer Lage gehalten

werden. Die Lasten werden durch einen vom Ende der Spiere

herabhängenden Rollenzug hochgezogen und durch Wippen und Schwenken

der Spieren seitwärts bewegt. Zum Einholen der Seile werden zumeist

einfache Dampfwinden benutzt, wie sie an Bord der Schiffe gebräuchlich

sind. Die ganze Anordnung erinnert an die Takelage der Schiffe. Sie

ermöglicht das Hochziehen und Seitwärtsbewegen der Lasten. Für den

Transport von den Werkstätten nach den Kranen sind Schmalspurgleise

erforderlich, die an den Hellingen entlang geführt sind.

Da die Holzmasten feststehen, so ist die Seitwärtsbewegung natürlich

eine sehr begrenzte, und es ist eine große Anzahl solcher Masten

erforderlich. Eine weit größere Bewegungsfreiheit konnte dadurch

gewonnen werden, daß man den feststehenden Holzmast durch einen auf

Breitspur fahrbaren eisernen Turm ersetzte.

Fig. 110 (entnommen aus dem Jahrbuch der Schiffbautechnischen

Gesellschaft 1901). Die hölzernen Spieren sind bei dieser

amerikanischen Ausführung durch eiserne Streben ersetzt, die

Dampfwinde ist auf dem Kranwagen montiert und so eingerichtet, daß sie

gleichzeitig das Wippen der Strebe und das Fahren des Krans besorgen

kann. Durch diese Anordnung wird das Arbeitsfeld des Krans bedeutend

vergrößert, die Leistungsfähigkeit gleichzeitig erhöht.

Die Querbewegung der Last kann bei diesem Turmkran ebenso wie bei

den hölzernen Spierenkranen nur durch Wippen der Strebe, also in

einem Kreisbogen bewirkt werden. Für die Montage ist indessen eine

geradlinige Seitwärtsbewegung immer bequemer, die weitere Entwicklung

mußte daher zu Kranen mit Laufkatzen führen.

[Illustration: Fig. 109.]

[Illustration: Fig. 110.]

In Fig. 111, einer modernen deutschen Ausführung aus dem Jahre 1905

von Stuckenholz, ist dieser Gedanke in der Weise verwirklicht, daß der

fahrbare Turm nicht zwei Spieren, sondern einen drehbaren Ausleger

trägt, der mit einer Laufbahn für eine Laufkatze ausgerüstet ist. Der

Turm läuft auf einem Geleise von 6 m Spurweite und vermag Lasten von

3 t an 16 m Ausladung mit 0,5 sekm Geschwindigkeit und Lasten von 6 t

an 0,3 m Ausladung mit 0,25 sekm bis auf eine Höhe von 30 m zu heben.

Der elektrische Betrieb führte auch hier dazu, die Drehbewegung

schließlich ganz zu beseitigen und nur geradlinige Bewegungen

auszuführen, die einerseits für genaues Montieren zweifellos die

bequemsten sind, und die anderseits die Herstellung der Krane insofern

verbilligen, als sie die Ausgestaltung von Einheitstypen erleichtern.

[Illustration: Fig. 111.]

Fig. 112 (entnommen aus dem Jahrbuch der Schiffbautechnischen

Gesellschaft 1901) zeigt eine amerikanische Ausführung, bei der außer

der Hubbewegung nur eine geradlinige Querbewegung und eine geradlinige

Längsbewegung vorhanden ist. Das sehr breite Geleise ist auf eine

Hochbahn gelegt, wodurch die Höhe des Krans verringert, dieser also

leichter und entsprechend beweglicher wird, wogegen die Anlagekosten

erhöht werden. Der Oberteil des Kranwagens bildet einen starren

quergestellten Ausleger, der auf einer Innenlaufbahn die Laufkatze

mit dem angehängten Führerstand trägt. Der Ausleger erstreckt sich

über die ganze Breite von zwei Hellingen. Unter der Hochbahn liegt

das Zufuhrgleise für das Baumaterial. Die Laufkatze bewegt sich mit

einer Geschwindigkeit von 1 sekm, der Kran fährt mit 2 sekm, die

Last von 15 t wird mit 1,5 sekm gehoben. Eine ähnliche Ausführung in

Deutschland stellt Fig. 113 dar (Böttcher »Krane«). Dieser Hellingkran

ist von der Duisburger Maschinenbau Akt.-Ges. für den Bremer Vulkan in

Vegesack erbaut worden; er hebt Lasten bis zu 6 Tonnen mit 0,25 sekm

Geschwindigkeit.

[Illustration: Fig. 112.]

[Illustration: Fig. 113.]

Bis vor wenigen Jahren wurden die Arbeiten auf den Hellingen ohne jeden

Schutz gegen Witterungseinflüsse ausgeführt; die strengen Winter in

Amerika dagegen gaben dort Veranlassung die Hellinge zu überdachen.

Von den deutschen Werften ist die Kruppsche Germania-Werft in Kiel

diesem Beispiel gefolgt und hat ein Glasdach über ihre Hellinge

gespannt. Für die Stützung des Daches ist ein kräftiges Eisengerüst

erforderlich, um der Schneelast und dem Winddruck Widerstand zu

bieten. Eine geringe Verstärkung des Gerüstes reicht aus, um dieses

gleichzeitig als Laufbahn für Krane benutzen zu können.

[Illustration: Fig. 114a.]

Die Krane selbst erhalten dann die Gestalt von Deckenlaufkranen, wie

sie Fig. 114a (entnommen aus der Z. d. V. d. I. 1904) zeigt, die

eine Darstellung der Hellingkrane des Vulkan in Stettin, gibt, die

1904 in Betrieb gesetzt wurden. Dort ist ebenfalls ein Eisengerüst

errichtet worden, welches alle Hellinge überspannt. Eine Dachhaut

ist vorerst nicht angebracht, kann aber später montiert werden, wenn

dies wünschenswert erscheint. Zunächst dient das Gerüst lediglich

als Laufbahn für die Krane. Für 4 Hellinge sind 8 Laufkrane von je

4 t Tragkraft ausgeführt, die mit einer Geschwindigkeit von 0,17 sekm

heben und von 1,3 sekm fahren können. Die beiden Laufkrane jeder

Helling sind mit ungleichen Spannweiten ausgeführt, damit der Lasthaken

die über dem Kiel liegenden Stellen bestreichen kann. Neben dem Kiel

bleibt allerdings ein unbestrichener Streifen. Fig. 114b zeigt die

Stirnansicht der Helling.

[Illustration: Fig. 114b.]

Eine vollkommenere Lösung ist in Fig. 115a dargestellt, die einen

Querschnitt durch die Hellinge der Germania-Werft zeigt. Hier sind von

L. Stuckenholz 8 Laufkrane von je 6 t Tragkraft eingebaut, die außer

der Quer- und Längsbewegung noch eine Schwenkbewegung ausführen können,

so daß jeder Punkt der Grundfläche bestrichen wird (Fig. 115a). Die

Hubgeschwindigkeit beträgt 0,2 sekm, die Fahrgeschwindigkeit 1,25 sekm

bei voller Belastung und 1,5 sekm bei Leerfahrt.

[Illustration: Fig. 115a.]

[Illustration: Fig. 115b.]

Die Turmkrane mit ihrem an einer Stelle vereinigten Triebwerk gehören

größtenteils noch der Zeit des Dampfbetriebes an. Die Auslegerkrane

sind teils noch mit Dampfbetrieb, zum Teil bereits mit elektrischem

Betrieb ausgeführt worden. Die Deckenlaufkrane der modernen

Hellinggerüste sind ihrer Natur nach nur für elektrischen Betrieb

geeignet, da ihnen die Energie nur durch Kontaktleitung zugeführt

werden kann.

Die Deckenlaufkrane werden allgemeine Verbreitung natürlich nur dann

finden, wenn sich die Überdachung der Hellinge als wirtschaftlich

lohnend erweist, da das Gerüst hohe Anlagekosten erfordert. Ob dies

tatsächlich der Fall ist, darüber sind die Ansichten der Schiffbauer

noch geteilt.

b) Schwerlast-Werftkrane.

Sobald das Schiff vom Stapel gelaufen ist, werden die schweren Teile

-- Kessel, Maschinen, Geschütze -- eingesetzt. Hierzu ist ein Kran

erforderlich, der auf der Kaimauer steht und die Last von einem

Zufuhrgleise bis über Mitte Schiff heben kann. Das einfachste Mittel

ist ein aus zwei Holzmasten gebildetes Zweibein, welches sich auf

die Kaimauer stützt und durch Seile in geneigter Lage so gehalten

wird, daß es eine Wippbewegung aus einer nahezu lotrechten Stellung

in eine stark geneigte ausführen kann. Die Last beschreibt bei dieser

Wippbewegung eine Linie, die quer zur Kaimauer liegt. Derartige

Vorrichtungen sind uralt und schon von Vitruv beschrieben. Fig. 6 ist

eine Zeichnung, die nach der Schilderung von Vitruv entworfen ist. Die

Hebung der Last wurde durch Rollenzüge und Handwinden bewirkt.

[Illustration: Fig. 116.]

[Illustration: Fig. 117.]

Um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wurde dieser Wippkran in

seinen Einzelausführungen soweit verbessert, daß er schwere Lasten

bewältigen konnte. Fig. 116 (entnommen aus Riedler: »Skizzen zu den

Vorlesungen über Lasthebemaschinen«) stellt einen in den Siebziger

Jahren in Pola aufgestellten Wippkran dar. Die beiden Holzmasten sind

durch genietete Rohre ersetzt, die Haltetaue durch eine Strebe, die

ebenfalls als genietetes Rohr ausgebildet ist. Der untere Endpunkt

dieser Strebe ist auf einer wagrechten Gleitbahn geführt und wird

durch eine Schraubenspindel verschoben. Diese wagrechte Verschiebung

des unteren Endpunktes ruft eine entsprechende Änderung der Neigung

hervor. Eine Dampfmaschine dreht die Schraubenspindel und treibt eine

Kettentrommel an, deren Kette mittels eingeschalteten Rollenzuges

die Last hebt. Die Tragkraft beträgt 60 t, die Kranhöhe 30 m, die

Querbewegung 16 m.

[Illustration: Fig. 118.]

Da der Kran selbst nur eine Querbewegung besitzt, so muß die zum

Montieren notwendige Längsbewegung durch Verholen des Schiffes

herbeigeführt werden. Dieses Verholen war leicht möglich bei den

kleinen Schiffen früherer Zeit, würde für die großen Schiffe neuerer

Zeit aber sehr lästig und zeitraubend sein. Die weiteren Bestrebungen

führten daher zu einer Krankonstruktion, die zwei Querbewegungen zuließ.

[Illustration: Fig. 119.]

Fig. 117 und 118 (entnommen aus Engineering 1901) geben das Bild eines

englischen Werftkrans aus dem Jahre 1901. Hier ist nur eine einzige

bewegliche Strebe vorhanden, die mit ihrem unteren Ende sich auf die

Kaimauer stützt und deren oberes Ende durch einen Rollenzug gehalten

ist, der an einem feststehenden Bock verankert ist. Wird die Strebe

geschwenkt, so beschreibt die Last eine Kreislinie, wird die Neigung

der Strebe verändert, so bewegt sich die Last in radialer Richtung.

Der Kran bestreicht daher die Hälfte einer Ringfläche. Sämtliche

Streben sind als genietete Kastenträger ausgebildet. Drei getrennte

Dampfmaschinen bewirken das Heben, Schwenken und Wippen der Last, eine

vierte betätigt das Hilfshubwerk. Die Tragkraft ist hier bereits auf

120 t gesteigert.

Eine moderne Ausführung der gleichen Anordnung zeigt Fig. 119. Dieser

Werftkran wurde im Jahre 1898 auf der Werft von Blohm und Voß in

Hamburg von der Duisburger Maschinenbau-A.-G. erbaut. Der feststehende

Bock ist aus Kastenträgern zusammengesetzt. Der um eine lotrechte Achse

drehbare Ausleger ist aus Gitterträgern hergestellt und trägt einen

Schnabel, der um eine wagrechte Achse gewippt werden kann. Da hier die

Wippachse bedeutend höher liegt als bei der vorhergehenden Ausführung,

so können hochbordige Schiffe näher an den Kran herankommen, mit

anderen Worten, die nutzbare Ausladung ist hier größer. Gehalten wird

der Schnabel hier nicht durch einen Rollenzug, sondern durch zwei

Schraubenspindeln. Durch diese Anordnung wird der ganze Kran wesentlich

betriebssicherer als der vorher beschriebene. Eine Dampfmaschine

betreibt das Hub- und Wippwerk, eine zweite das Schwenkwerk. Die

Tragkraft erreicht hier bereits den Wert von 150 t; das Arbeitsfeld des

Krans bildet eine halbe Ringfläche von 32 m äußerem Halbmesser.

Diese Krane haben für die Montage noch die eine Unbequemlichkeit, daß

zwar die durch Schwenken des Auslegers hervorgerufene peripherische

Seitwärtsbewegung eine reine Horizontalbewegung ist, nicht aber die

durch Wippen des Auslegers bewirkte Radialbewegung. Bei letzterer

findet vielmehr gleichzeitig ein Heben oder Senken der Last statt, das

durch entsprechende Ingangsetzung des Hubwerks beseitigt werden muß.

Auch erfordert infolge dieses Umstandes die Radialbewegung einen sehr

starken Motor.

Dieser Nachteil wird vermieden bei einer neuen Konstruktion, die

zum erstenmal in Bremerhaven im Jahre 1899 von der Benrather

Maschinenfabrik ausgeführt wurde: Fig. 120. Der feststehende Bock hat

hier die Gestalt eines vierkantigen eisernen Turmes. Der drehbare

Ausleger hat die Gestalt eines T, dessen lotrechter Teil zentrisch

im Turm gelagert ist und dessen wagrechter Teil einerseits die Last,

anderseits ein Gegengewicht trägt, das die Last zur Hälfte ausgleicht.

Die Radialbewegung der Last wird hier dadurch erzielt, daß die Last

an einer Laufkatze aufgehangen ist, die auf dem wagrechten Teil des

Auslegers fährt. Beide Seitwärtsbewegungen, die peripherische wie die

radiale, sind hier reine Horizontalbewegungen, wodurch die Montage

von Schiffsmaschinen sehr erleichtert wird. Der Turm muß so hoch

geführt sein, daß der Ausleger über die Takelage des Schiffes hinweg

schwenken kann; diese Notwendigkeit hat zu sehr großen Höhen dieser

Krane geführt. Das Arbeitsfeld ist eine volle Ringfläche, wird also

bei gleicher Ausladung doppelt so groß als bei dem vorhergehenden

Typ. Der Kran in Bremerhaven ist für eine Probelast von 200 t, eine

Höchstausladung von 22 m und eine lichte Höhe von 30 m über Kaimauer

gebaut.

[Illustration: Fig. 120.]

Nach diesem Vorbild sind in den letzten Jahren mehrere Werftkrane

entstanden, die nur in der Einzelkonstruktion des Gerüstes und des

Triebwerks Verschiedenheiten aufweisen. Die bedeutendste Ausführung

dieser Art dürfte der auf der Kruppschen Germania-Werft in Kiel im

Jahre 1902 von der Duisburger Maschinenbau-A.-G. erbaute Kran sein:

Fig. 121. Die Probelast beträgt 200 t, die größte Ausladung 35 m, die

lichte Höhe über Kaimauer 30 m. Er unterscheidet sich in seiner äußeren

Gestaltung von dem Bremerhavener Kran durch die Anordnung des Turms,

der hier nicht vierkantig, sondern dreikantig ausgebildet ist, und zwar

so, daß die Zufuhrgleise zwischen den Füßen des Turms hindurchgeführt

werden konnten, wodurch eine vorzügliche Raumausnutzung erreicht

wurde. Die weiteren wesentlichen Verschiedenheiten in der

Auslegerlagerung sowie im Hubwerk und Drehwerk sind zwar für den

Fachmann von besonderem Interesse, liegen aber außerhalb des Rahmens

dieser Darstellung. Das Arbeitsfeld des Krans ist eine Ringfläche von

35 m Außenhalbmesser und 5 m Innenhalbmesser.

[Illustration: Fig. 121.]

[Illustration: Fig. 121a.]

Eine deutsche Ausführung für England zeigt Fig. 121a (entnommen aus

»Schiffbau«, VII. Jahrgang). Sie ist dadurch bemerkenswert, daß der

kurze Auslegerarm mit einer Laufwinde von 150 t Tragkraft ausgerüstet

ist, während der lange Arm einer Laufwinde für 50 t Last trägt; die

unbelastete Laufwinde dient jedesmal als Gegengewicht für die belastete

Winde. Fig. 121b gibt einen Blick von dem Ausleger auf den Turm. Dieser

Kran ist ausgeführt von der Benrather Maschinenfabrik A.-G. für William

Beardmore & Co. Ltd. in Glasgow.

Diese gewaltigen Werftkrane, die Lasten gleich dem Gewicht von drei

Lokomotiven anscheinend ohne Anstrengung in jede beliebige Lage mit

äußerster Genauigkeit bringen, haben einen Wandel in die Herstellung

der Schiffsmaschinen gebracht. Als derartige Hebemaschinen noch

nicht zur Verfügung standen, konnten die Schiffsmaschinen in den

Werkstätten nur provisorisch montiert werden; sie mußten für den

Transport wieder zerlegt und im Schiff von neuem zusammengestellt

werden. Da nun der elastische Schiffsboden sich anders verhält als

der feste Werkstattboden, so konnte die endgültige Bearbeitung der

Paßflächen erst im Schiff vorgenommen werden, eine Arbeit, die in

diesen engen Räumen sehr schwierig und zeitraubend war. Jetzt wird die

ganze Schiffsmaschine in der Werkstatt vollständig zusammengebaut und

endgültig verschraubt, so daß sie ein starres Ganzes bildet. Die ganze

Maschine wird nun vom Kran gefaßt, ins Schiff gehoben und einfach dort

angeschraubt, so daß der Vorgang, der früher mehrere Wochen erforderte,

jetzt in ebensoviel Stunden beendet ist.

[Illustration: Fig. 121b.]

Der Aufbau der Schwerlast-Krane hat in den letzten beiden Jahrzehnten

einen vielgestaltigen Wandel durchgemacht; es liegt daher die Frage

nahe, wie lange sich der gegenwärtig beliebte Turm-Typ halten wird.

Wenn dessen Arbeitsfeld auch eine sehr große Kreisfläche ist, so

beherrscht es doch immer nur einen sehr kleinen Teil des Schiffes. Eine

weit größere Freiheit würde gewonnen werden, wenn ein rechteckiges

Arbeitsfeld, wie es die Brückenkrane besitzen, an Stelle des

kreisförmigen treten könnte. Dieser Forderung würde ohne weiteres

entsprochen durch ein fahrbares Eisengerüst, das auf einem sehr breiten

Längsgeleise fahrbar ist, und das eine Laufbahn trägt, die quer zum

Kai liegt. Die Schwenkbewegung könnte dann ganz fortfallen, wodurch

der Aufbau wesentlich vereinfacht würde. Für die Montage aber sind

zwei rechtwinklig sich schneidende Horizontalbewegungen wesentlich

vorteilhafter als kreisförmige Bewegungen. Es ist daher wohl möglich,

daß die immer höher gesteigerten Ansprüche des Schiffbaues zu einer

derartigen Lösung führen werden.

Die von Mitte bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts vollzogene

Entwicklung hinsichtlich Vergrößerung der Tragkraft und des

Arbeitsfeldes ergibt ein Vergleich dieser Größen zwischen dem Werftkran

zu Pola und dem zu Kiel

Dreibein-Werftkran Turm-Werftkran

zu Pola zu Kiel

ca. 1860 1900

Tragkraft 60 t 200 t

Nutzbare Ausladung der Höchstlast 12 m 22,75 m

Nutzbare Ausladung von ¼ Last. 12 m 35,25 m

Arbeitsfeld { Linie 16 m Kreisfläche

{ lang 70 m Durchm.

c) Schwimmkrane.

Zur Übernahme von Schwerlasten auf Schiffe, die im freien Wasser an

Dukdalben vertaut sind, hat man schon frühzeitig Krane benutzt, die

auf Schwimmkasten aufgestellt waren. Diese Anordnung erlaubte es, die

Lasten vom Kai auf den Schwimmkasten überzuladen, dann diesen bis zu

dem Schiff zu schleppen und nun die Last auf das Schiff überzuheben.

Der Aufbau der ersten Schwimmkrane glich durchaus dem der ersten

Schwerlastkrane: ein Zweibein stützte sich mit den unteren Enden auf

den Bord des Schwimmkastens, der Kopf des Zweibeins wurde durch Taue

gehalten, die an dem rückwärtigen Ende des Schwimmkastens befestigt

waren.

Fig. 122 (entnommen aus Uhland »Hebeapparate«) stellt einen derartigen

Schwimmkran von 50 t Tragkraft dar, der für die Messageries

Maritimes in Marseille Anfang der siebziger Jahre erbaut wurde.

Der Schwimmkasten besteht aus zwei durch ein Trägerpaar verbundenen

Blechkasten; das Zweibein ist aus Kastenträgern hergestellt, die

Haltetaue sind Drahtseile. Die nutzbare Ausladung beträgt 6 m. Eine

Dampfwinde kann die Last nur lotrecht bewegen und zwar mit einer

Geschwindigkeit von 0,01 sekm; Seitwärtsbewegungen der Last werden

durch Verholen des Schwimmkastens nach seitwärts, vorwärts oder

rückwärts ausgeführt. Zu diesem Zweck dienen zwei Handwinden, die

auf dem Deck des Schwimmkastens aufgestellt sind und die Verholtaue

einholen bzw. nachlassen. Die unveränderliche Schwimmlage bei jeder

Last wird durch ein fahrbares Gegengewicht im Schwimmkasten erzielt.

[Illustration: Fig. 122.]

Da das Verholen ein etwas zeitraubender Vorgang ist und in engem

Fahrwasser sich schwierig gestaltet, so gab man später dem Kran eine

eigene Horizontalbewegung, indem man das Zweibein nicht durch Haltetaue

sondern durch eine bewegliche Strebe nach hinten abstützte.

Bei den feststehenden Kranen hatte man den Fuß der beweglichen Strebe

auf einer wagerechten Gleitbahn geführt und durch eine wagerechte

Schraubenspindel auf dieser Führung verschoben (Fig. 116). Diese

Anordnung war aber für Schwimmkrane unmöglich, weil der erforderliche

langgestreckte Raum für die Gleitbahn auf dem Schwimmkasten nicht

verfügbar war. Man ordnete daher die Gleitbahn und die Schraubenspindel

in schiefer Richtung auf einem starren Bock so an, daß sie ungefähr

mit der mittleren Neigung der beweglichen Strebe zusammenfielen.

Diese Anordnung gewährte gleichzeitig den Vorteil, daß der Querdruck

auf die Gleitbahn kleiner wurde, und daß der Reibungswiderstand sich

entsprechend verminderte.

[Illustration: Fig. 122a.]

Da auch bei dieser Ausführung sich noch Querdrücke auf die Gleitbahn

-- wenn auch in geringem Maß -- ergeben, so ersetzte man später die

Gleitbahn durch eine Kurvenbahn, die so gekrümmt ist, daß die Achse

der gelenkig gelagerten Schraubenspindel stets mit der Achse der

beweglichen Strebe zusammenfällt. Fig. 122a zeigt eine Ausführung

dieser Art.

Fig. 123 (entnommen aus dem Jahrbuch der Schiffbautechnischen

Gesellschaft 1901) zeigt einen von der Gutehoffnungshütte in Sterkrade

für die Kaiserliche Werft in Kiel gelieferten Schwimmkran, der über

eine Tragkraft von 100 t verfügt. Das Zweibein kann hier soweit

nach rückwärts bewegt werden, daß es Lasten aufnehmen kann, die

auf dem Schwimmkasten selbst liegen. Diese Anordnung ist besonders

vorteilhaft dort, wo größere Strecken auf dem Wasser zurückzulegen

sind, weil auf dem Schwimmkasten ruhende Lasten naturgemäß sicherer

transportiert werden können als solche, die frei am Haken hängen. Bei

dieser Ausführung braucht auch der Kran nicht von einem Schleppdampfer

geschleppt zu werden, da er mit eigenen Schiffsschrauben ausgerüstet

ist.

Die Querbewegung der Last führt ein verschieden tiefes Eintauchen und

infolgedessen eine wechselnde Neigung des ganzen Krans herbei. Zum

Ausgleich dieses Wechsels ist entweder ein verschiebbares Gegengewicht

eingebaut, oder es wird die Standfestigkeit durch entsprechendes Voll-

oder Leerpumpen von eingebauten Tanks hergestellt.

[Illustration: Fig. 123.]

[Illustration: Fig. 124.]

Eine weitere Vervollkommnung wurde dadurch herbeigeführt, daß man die

Strebe mit dem Zweibein zu einem starren Gitterträger verband, der an

der Vorderkante des Schwimmkastens um wagerechte Bolzen drehbar war und

durch zwei kurze Schraubenspindeln nach rückwärts gestützt wurde, wie

aus Fig. 124 ersichtlich ist. Diese Anordnung gewährt den Vorteil, daß

eine gebogene Gestaltung des Auslegers ermöglicht wird, wodurch ein

größerer freierer Querschnitt gewonnen wird. Aus dem Bild ist deutlich

die geknickte Gestalt des Auslegers erkennbar, die es gestattet, den

Schwimmkran bis dicht an ein hochbordiges Schiff heranzuführen, ohne

daß der Ausleger mit dem Schiffsbord zusammenstößt. Gleichzeitig wird

durch die Vereinigung der Streben zu einem einzigen Gitterträger

der Ausleger wesentlich leichter. Schließlich wird noch der Vorteil

gewonnen, daß der Schwimmkasten kürzer ausgeführt werden kann, also

besser für enges Fahrwasser geeignet ist. Der Kran wurde im Jahre 1904

von der Duisburger M. A.-G. vorm. Bechem & Keetmann für die Kaiserliche

Werft in Danzig ausgeführt. Die Tragkraft beträgt 100 t, die größte

nutzbare Ausladung 12 m.

[Illustration: Fig. 125.]

Da die Querbewegung der Last durch Wippen des Zweibeins herbeigeführt

wird, so ist sie keine reine Horizontalbewegung, muß also durch

entsprechendes Ingangsetzen des Hubwerks berichtigt werden. In neuester

Zeit ist man daher zu einer Anordnung übergegangen, die eine genaue

wagrechte Bewegung gibt.

Die Technik der Lastenförderung einst und jetzt Eine Studie über die Entwicklung der Hebemaschinen und ihren Einfluß auf Wirtschaftsleben und Kulturgeschichte · 第 9 / 15 段