Im Laufe der inzwischen verflossenen Jahre sind weitere 20 Krane von

2 t Tragkraft und 12 Krane von 3 t Tragkraft aufgestellt worden. Obwohl

diese Ausführungen aus späterer Zeit und zum Teil von anderen Werken

stammen, so ist doch der ursprüngliche Typ in allen Einzelheiten

beibehalten worden, wohl der beste Beweis dafür, daß die Konstruktion

von Anfang an das Rechte getroffen hat.

[Illustration: Fig. 99.]

Unmittelbar nach der Inbetriebsetzung der Rotterdamer Anlage wurden

elektrisch betriebene Kaikrane an zahlreichen Stellen aufgestellt: in

Mannheim, Kopenhagen, Düsseldorf, Dresden (erste Anlage mit Drehstrom),

Bingen, Ludwigshafen, Genua, Emden.

Die größten Kaianlagen mit elektrischem Betrieb sind in Hamburg

entstanden. Im Jahre 1900 bereits wurden 58 Krane am O’Swald und

Amerikakai aufgestellt. Diese Krane werden von einem Kraftwerk

versorgt, das 1000 KW Gleichstrom von 550 V liefern kann. Die

umfangreichste Anlage aber entstand im Jahre 1904 im Kaiser

Wilhelm-Hafen. Dort wurden, wie Fig. 99 zeigt, 135 Krane aufgestellt,

die von einem besonderen Kraftwerk gespeist werden, das 1500 KW

Gleichstrom von 440 V liefert. Diese Krane verfügen über eine Tragkraft

von 3 t bei einer Ausladung von 11 m und bei einer Hubgeschwindigkeit

von 0,7 sekm für Vollast und von 1,0 sekm für 1,25 t Last. Sie sind zum

größeren Teil von der Benrather Maschinenfabrik, zum kleineren Teil vom

Eisenwerk (vorm. Nagel & Kaemp) A.-G. ausgeführt worden.

Nach der Inbetriebsetzung der Rotterdamer Anlage wurde nur noch eine

einzige Anlage mit Druckwasserbetrieb in Auftrag gegeben und im

Jahre 1898 in Köln in Betrieb gesetzt. Dort lagen die Verhältnisse

insofern eigenartig, als die Energie aus einem bereits vorhandenen

großen städtischen Werk bezogen werden sollte, das einphasigen

Wechselstrom lieferte; für einphasigen Wechselstrom gab es indessen

Elektromotoren, die unter Belastung anliefen, damals noch nicht,

wohl aber stetig laufende Motoren. Es wäre daher notwendig gewesen,

Umformer aufzustellen, welche den einphasigen Wechselstrom in

Gleichstrom verwandeln. Die städtische Behörde war damals der Meinung,

es sei wirtschaftlicher, eine durch stetig laufende Elektromotoren

angetriebene Pumpenanlage aufzustellen, welche hydraulische

Krane betrieb. Neuerdings -- 1905 -- sind in Köln Kaikrane mit

Einphasenmotoren aufgestellt worden, die sich durchaus bewährt haben.

* * * * *

Die Entwickelung vom Tretradkran zu Heidelberg aus dem Anfang des 19.

Jahrhunderts bis zum elektrisch betriebenen Kaikran von 1900 läßt sich

in ihren wirtschaftlichen Folgen durch einen Vergleich der Leistungen

am besten überschauen.

Elektrisch

Tretrad-Kaikran betriebener Kaikran

aus dem Jahre 1768 aus dem Jahre 1900

Tragkraft 2 t 3 t

Hubgeschwindigkeit 0,03 sekm 1,0 sekm

für 0,5 t Last für 1 t Last

Leistung am Haken gemessen 0,2 PS 13 PS

Stündliche Lieferung 5 t 30 t

Ausladung vom Drehpunkt 8 m 12 m

Nutzbare Ausladung 4 m 10 m

Anlagekosten 5000 M. 17000 M.

Bedienungsmannschaft 3 Mann am 1 Steuermann

Tretrad

Gesamtbetriebskosten für

1 t gehobene Last 0,30 M. 0,005 M.

Arbeitsfeld Kreis 8 m Rechteck 24 m breit,

Durchm. beliebig lang.

Dieser Vergleich zeigt, daß die Betriebskosten auf den 60. Teil des

ursprünglichen Wertes heruntergegangen sind. Es liegt nun die Frage

nahe, ob eine weitere Verminderung möglich ist und in welcher Richtung

eine Verbesserung eintreten kann, die zu diesem Ziele führt.

Die Leistungsfähigkeit könnte gesteigert werden: durch Vergrößerung der

Tragkraft, durch Steigerung der Geschwindigkeit und durch Abkürzung der

Zeit, die zum Anhängen und Abhängen der Last notwendig ist.

Die Vergrößerung der Last würde das Anhängen um so viel schwieriger und

zeitraubender gestalten, daß die Stundenleistung eher vermindert als

gesteigert würde. Die Vergrößerung der Hub- und Schwenkgeschwindigkeit

würde die Stundenleistung nur wenig steigern, weil die Hub- und

Schwenkzeit zu kurz ist im Verhältnis zu der Dauer der Pause, in

welcher die Lasten an- und abgehängt werden. Ein ganzes Kranspiel

umfaßt für mittlere Verhältnisse folgende Zeiten:

Heben der Last aus dem Schiff 15 m hoch mit 1 sekm erfor-

dert 20 Sek.

Schwenken der Last nach dem Land um 180° „ 2 „ „ 25 „

Senken der Last 5 m tief „ 1 „ „ 8 „

Heben des Hakens 5 m hoch „ 1,5 „ „ 6 „

Schwenken des Hakens nach dem Schiff um 180° „ 2 „ „ 25 „

Senken des Hakens in das Schiff 15 m tief „ 1,5 „ „ 12 „

-------

96 Sek.

Die lotrechten Bewegungen können zum Teil während des Schwenkens

ausgeführt werden, so daß für das ganze Kranspiel nicht 96, sondern nur

rund 80 Sekunden erforderlich sind.

Anhängen der Last im Schiff und Abhängen an Land erfordert rund

40 Sekunden. Es läßt sich daher eine weitere Steigerung der

Leistungsfähigkeit nur insoweit erwarten, als etwa die Pause etwas

abgekürzt werden kann.

Das An- und Abhängen der Last erfordert je nach Art der Last vier bis

acht geübte Hilfsarbeiter, ist also sehr kostspielig im Vergleich zu

den eigentlichen Kranbetriebskosten. Bei Lasten, die aus gleichmäßigen

kleinen Stücken bestehen -- Kohle, Erz, Sand u. dgl. -- hat man es

bereits dahin gebracht, die Hilfsmannschaft durch technische Mittel zu

ersetzen.

Zunächst führte man Fördergefäße ein, die an einem Bügel drehbar so

aufgehängt sind, daß der Schwerpunkt des gefüllten Kübels über dem

Drehpunkt des Kübels liegt und daß der Schwerpunkt des leeren Kübels

unter den Drehpunkt fällt.

[Illustration: Fig. 100.]

Fig. 100 zeigt einen solchen Kübel. In der aufrechten Stellung ist

der Kübel durch eine Sperrklinke gegen den Bügel festgestellt. Soll

entleert werden, so löst ein Arbeiter mit einer Stange die Klinke aus,

so daß der gefüllte Kübel umkippt, nach Entleerung von selbst in die

ursprüngliche Lage zurückkehrt und sich selbsttätig wieder festklinkt.

Bei dieser Einrichtung ist aber immer noch ein Hilfsarbeiter zum

Ausheben der Sperrklinke notwendig. Man löste daher später die

Sperrklinke dadurch aus, daß der Kranführer den Kübel so dicht bis

unter den Auslegerkopf zog, daß die Sperrklinke gegen einen Anschlag

traf und dadurch selbsttätig ausgelöst wurde. Diese Anordnung hat aber

den Nachteil, daß die Kohle aus großer Höhe herunterstürzt, wodurch

sie stark zerkleinert und entwertet wird. Außerdem ist eine starke

Staubentwickelung unvermeidlich.

[Illustration: Fig. 101.]

Ein anderes Hilfsmittel zur selbsttätigen Herbeiführung der Entleerung

wurde dadurch geschaffen, daß man einen Anschlag an der Sperrklinke

anbrachte, der letztere auslöste, sobald der Kübel auf dem Boden

aufstieß. Dieses Mittel ist aber nur dort anwendbar, wo auf Halden

geschüttet wird.

Allgemein anwendbar ist eine Entleerungsvorrichtung, die so gestaltet

ist, daß sie vom Kranführer selbst und zwar in beliebiger Höhe

ausgelöst werden kann.

Fig. 101 stellt ein Fördergefäß dar, das für diesen Zweck gebaut ist.

Es besteht aus zwei Teilen, die durch ein Gelenk miteinander verbunden

und so gestaltet sind, daß das Gefäß von selbst geschlossen bleibt,

wenn es am Gelenk aufgehangen wird. Die Hauptkette greift an diesem

Gelenk an. Eine zweite Kette -- die Entleerungskette -- gabelt sich in

zwei Stränge, die an den oberen Rändern des Gefäßes anfassen. So lange

die Entleerungskette schlaff ist, bleibt das Gefäß geschlossen; wird

sie dagegen festgehalten, während die Hauptkette nachgelassen wird, so

öffnet sich das Gefäß.

Es ist daher nun weiter nichts erforderlich als eine Vorkehrung am

Führerstand, um die Entleerungskette festhalten zu können.

[Illustration: Fig. 102a.]

Für diesen Zweck ist eine ganze Reihe von Vorkehrungen ersonnen worden,

die zum Teil recht umständlicher Art sind. Weitaus die einfachste

Auslösung läßt sich dadurch schaffen, daß man eine Klemmvorrichtung für

die Entleerungskette anbringt, wie sie in Fig. 101 dargestellt ist.

Die Entleerungskette _a_ ist an der gleichen Kettentrommel befestigt

wie die Hauptkette und ist ebenso lang wie diese, wickelt sich also

gleichmäßig mit der Hauptkette auf und ab, wobei der Kübel stets

geschlossen bleibt. Die Entleerungskette läuft zwischen zwei Paar

Leitrollen _dd_; zwischen diesen Rollenpaaren sind Klemmbacken _ef_

angeordnet, von denen der obere e feststeht, während der untere _f_

gelenkig aufgehangen ist und durch sein Eigengewicht in geöffneter

Lage gehalten wird, so daß die Entleerungskette frei zwischen den

Klemmbacken hindurchgleiten kann. Soll entleert werden, so wird

durch einen Fußtritt der untere Klemmbacken nach oben bewegt und

die Entleerungskette eingeklemmt. Nun wird die Kettentrommel in der

Senkrichtung bewegt; die Hauptkette geht infolgedessen nach abwärts,

während die Entleerungskette festgehalten wird: der Kübel muß sich

daher öffnen.

Die selbsttätige Entleerung spart einen Teil der Hilfsmannschaft und

kürzt die Pause ab; das Einschaufeln des Fördergefäßes beansprucht aber

nach wie vor eine beträchtliche Zahl von Hilfsarbeitern. Es lag daher

nahe, auf dem eingeschlagenen Weg noch weiter zu gehen und das Gefäß so

zu gestalten, daß nicht nur die Entleerung, sondern auch die Füllung

selbsttätig erfolgen kann. Die Verwirklichung dieses Gedankens führte

zur Konstruktion der sog. ~Selbstgreifer~.

Die in der Einzelgestaltung sehr verschiedenen Ausführungen beruhen

alle auf einem Grundsatz, der an Fig. 102a, b und c an dem sehr

einfachen Greifer von Hone deutlich erkennbar ist.

Die Gestalt des Greifers ist derjenigen des vorher dargestellten

Entleerungsgefäßes ähnlich: auch hier sind zwei schaufelartige Teile

_aa_ mittels Gelenkbolzen _bb_ an einem Rahmen _c_ aufgehängt und

so geformt, daß der Greifer im geschlossenen Zustand eine Mulde vom

Halbkreisquerschnitt bildet. Die Unterkanten der Schaufeln sind mit

Schneiden oder Zähnen aus gehärtetem Stahl ausgerüstet.

[Illustration: Fig. 102b.]

Die Aufhängung des Greifers ist dagegen eine ganz andere als die des

Entleerungsgefäßes. Während bei letzterem das Hauptseil an dem Rahmen

des Gefäßes angreift, zieht hier das Seil unmittelbar an den Schaufeln,

ist also bestrebt, deren Schluß herbeizuführen. Bei Greifern für sehr

feinkörniges Gut, wie Getreide, erzeugt bereits der einfache Seilzug

eine hinreichend große Schließkraft. Bei grobstückigem Gut, wie

Kohle, dagegen muß durch eine Übersetzung dafür gesorgt werden, daß

die Schließkraft größer als der Seilzug wird, da nur das Überwiegen

des Greifergewichtes über den Seilzug das Eingraben des Greifers

herbeiführen kann.

[Illustration: Fig. 102c.]

Diese Übersetzung wird bei den verschiedenen Ausführungen von

Greifern durch verschiedenartige Mittel erreicht: durch Zahnräder,

durch Übersetzungstrommeln, am häufigsten durch Rollenzüge. Auch der

Honegreifer verwendet letzteres Mittel. Die von dem Kran herabreichende

Seilschlinge _dd_ umschlingt mit sechs Strängen zwei Rollenköpfe, von

denen der obere _e_ im Greiferrahmen _c_ starr gelagert ist, während

der untere _f_ in einer senkrechten Führung des Rahmens verschiebbar

ist.

Fig. 102a zeigt den Greifer in geöffnetem Zustand. Der untere

Rollenkopf befindet sich in seiner höchsten Stellung, die Schaufeln

hängen lose herab. Sobald sich der Greifer auf das Fördergut aufsetzt,

werden die Seile schlaff, der untere Rollenkopf sinkt durch sein

Eigengewicht in seine tiefste Stellung herab und klinkt sich mit

der Sperrklinke _g_ selbsttätig in einen Kreuzkopf _h_ ein, der

durch Zugstangen mit den Schaufeln verbunden ist. Fig. 102b. Sobald

die Seilschlinge vom Kran eingeholt wird, bewegt sich der untere

Rollenkopf mit dem eingeklinkten Kreuzkopf nach oben, die Schaufeln

werden infolgedessen mit einer Kraft, gleich dem Dreifachen der in

den beiden Seilzügen zusammen wirksamen Hubkraft, geschlossen. Damit

bei dieser Bewegung nicht der ganze Greifer nach aufwärts steigt, muß

sein Eigengewicht größer als die Hubkraft sein. Haben die Schaufeln

sich geschlossen, ist also der Greifer gefüllt, so steigt der ganze

Greifer geschlossen in die Höhe (Fig. 102c). In der höchsten Stellung

wird durch einen Anschlag am Kran die Sperrklinke ausgelöst und dadurch

die Verbindung zwischen dem unteren Rollenkopf und dem Kreuzkopf

aufgehoben. Die Schaufeln würden mit einem Ruck sich öffnen, wenn nicht

eine Ölbremse _i_ vorhanden wäre, welche das Öffnen der Schaufeln

verzögert, so daß der Inhalt des Greifers allmählich herausfließt.

Sobald die Entleerung vollzogen ist, kann der Greifer ohne weiteres

herabgelassen werden und seine Arbeit von neuem beginnen.

Die Selbstgreifer haben gegenwärtig eine außerordentlich weite

Verbreitung gefunden und zwar hauptsächlich zur Verladung von

kleinstückigen Kohlen und Erzen. Für grobe Stückkohle und grobstückige

Erze sind sie zurzeit noch nicht verwendbar. Auch füllen sie sich ohne

Nachhilfe von Hand nur dann vollständig, wenn sie in eine Mulde greifen

können, so daß die Kohle dem Greifer gewissermaßen zufließt. Dagegen

geht ihre Leistung sehr herab, wenn diese Bedingungen nicht erfüllt

sind, wenn also etwa Kohle aus dem engen Raum eines Eisenbahnwagens

oder aus flachen Kanalschiffen herausgegriffen werden soll.

Weitere Unvollkommenheiten liegen darin, daß der Greifer mit einer

gewissen Wucht auf die Kohle herabfallen muß, um sich energisch

eingraben zu können, und daß meist etwas Nachhilfe von Hand notwendig

ist, um den Greifer an die rechte Stelle zu bringen. Ersteres führt

häufig zu Verletzungen der Schiffsböden, letzteres ist nicht nur mit

Kosten, sondern auch mit einiger Gefahr verbunden.

[Illustration: Fig. 103.]

Diese Nachteile rühren im Grunde genommen alle davon her, daß

der Greifer an Ketten hängt und infolgedessen vom Kranführer nur

unvollkommen beherrscht werden kann. Sie werden sofort behoben,

wenn man den Greifer nicht an Ketten aufhängt, sondern durch ein

starres Glied -- einen gelenkigen Stiel -- mit dem Kran verbindet. In

Deutschland sind derartige ~Stielgreifer~ noch nicht in Anwendung

gekommen. In Amerika sind sie aber sehr verbreitet.

Fig. 103 zeigt einen Stielgreifer von kleinen Abmessungen nach einer

Ausführung der Temperly Transporter Co. in London. Der Stiel dient hier

nicht zur unmittelbaren Aufhängung, sondern lediglich zur sicheren

Führung des Greifers; der Schluß des Greifers wird durch einen

Dampfzylinder, unabhängig von dem Hubseil, herbeigeführt. Die erreichte

Stundenleistung beträgt 60 t.

Eine amerikanische Ausführung in weit größeren Abmessungen zeigen Fig.

104a und b (entnommen aus »Engineering News« 1905 S. 125). Hier sitzt

der Greifer an einem senkrechten Stiel, der durch einen Balancier und

durch einen Lenker eine Parallelführung erhält, so daß eine senkrechte

Bewegung erzielt wird. Der Greifer wird durch einen besonderen

Elektromotor, der in den Stiel eingebaut ist, geschlossen und faßt

10 t. Derartig große Abmessungen sind naturgemäß nur dort verwendbar,

wo besonders gebaute Schiffe zur Verfügung stehen. Der Stiel kann um

seine senkrechte Achse gedreht werden, und der Greifer kann quer zum

Stiel verschoben werden, so daß er eine Kreisfläche bestreichen kann.

Die mit dieser gewaltigen Maschine erreichte Stundenleistung beträgt

400 t.

Wie aus den beiden Beispielen ersichtlich ist, gewährt der

Stielgreifer, abgesehen von seiner viel genaueren Führung und

Steuerung, den weiteren Vorteil, daß die Schlußkraft nicht durch

das Hubseil zugeleitet zu werden braucht, daß sie vielmehr in sehr

einfacher Weise durch einen besonderen Motor erzeugt werden kann, der

in unmittelbarer Nähe des Greifers an dem Stiel selbst montiert wird.

Die in Fig. 104a dargestellte Anordnung des Stielgreifers hat dem

Seilgreifer gegenüber noch den wirtschaftlichen Vorzug, daß das

Greifereigengewicht durch ein am Balancier angebrachtes Gegengewicht

ausgeglichen werden kann, so daß nur die reine Nutzlast gehoben

zu werden braucht, während beim Seilgreifer eine doppelt so große

Last bewegt werden muß. Da während des Schließens kein nach

aufwärts wirkender Seilzug vorhanden ist, so genügt ein geringer

Gewichtsüberschuß zur Herbeiführung eines sicheren Eingrabens.

[Illustration: Fig. 104a.]

Für Stückgüter aller Art -- Säcke, Ballen, Kisten -- ist es bisher

bei dem alten Verfahren des Anhängens von Hand mittels Schlingketten

geblieben. Nachdem aber in den Hüttenwerken -- wie es bereits dort

dargestellt wurde -- mit Erfolg Krane in Betrieb gesetzt worden sind,

welche Blöcke, Barren, Träger und Schienen selbsttätig mit Zangen

fassen, so ist Aussicht vorhanden, daß sich auch für den allgemeinen

Kaibetrieb geeignete Greifzangen konstruieren lassen werden. Die

besondere Schwierigkeit liegt hier darin, daß diese Greifzangen so

gestaltet sein müssen, daß sie sich den sehr veränderlichen Abmessungen

und Formen der Stückgüter anpassen, und daß sie vom Führerstand

aus genau beherrscht werden müssen. Voraussichtlich wird nur der

Stielgreifer diese Aufgabe lösen können, nachdem man auch in den

Hüttenwerken es vorteilhaft gefunden hat, Blockzangen an starren

Stielen statt an Seilen aufzuhängen.

[Illustration: Fig. 104b.]

Die Einführung einer brauchbaren Stielzange in den Kaibetrieb würde den

größten Teil der Hilfsarbeiter sparen und dadurch die Umladekosten um

einen guten Teil verringern. Die Verminderung dieser Kosten würde einer

Verbilligung und Vermehrung des Verkehrs zugute kommen und diese würde

Gelegenheit geben, die Kaiarbeiter einer weniger anstrengenden und

lohnenderen Beschäftigung zuzuführen.

[Illustration: Fig. 105.]

Der übliche Kaiquerschnitt (Fig. 105, entnommen aus Ragoczy

»Binnenschiffahrt und Seeschiffahrt« S. 45) zeigt zunächst der Kaimauer

ein Ladegeleise, dahinter ein Rangiergeleise, hinter diesem eine Straße

für Landfuhrwerk, dann den Ladeperron des Schuppens oder Speichers.

Diese Anordnung erlaubt beliebigen Umschlag zwischen Schiff, Eisenbahn,

Landfuhrwerk und Speicher. Der Kaikran muß so große Ausladung haben,

daß er wasserseitig bis über Schiffsmitte, landseitig bis auf den

Ladeperron reichen kann; eine Ausladung von 13-15 m genügt diesen

Ansprüchen auch bei sehr breiten Schiffen.

Breite Lagerplätze für Kohle und andere Wassergüter führen zu

wesentlich anderen Ansprüchen an die Hebemaschinen. Lagerplätze bis zu

100 m Breite und einigen hundert Metern Länge sind für den modernen

Verkehr nichts Ungewöhnliches. Es ist ohne weiteres klar, daß der

Drehkran diesem Bedürfnis nicht mehr entsprechen kann; bei einer

Ausladung von mehr als 15 m wird der Drehkran so schwerfällig, daß er

besser durch einen Brückenkran ersetzt wird, der ähnlich wie der für

Hüttenwerkslagerplätze dargestellte (Fig. 71) gestaltet ist, mit dem

einzigen Unterschied, daß die Brücke wasserseitig über den einen Fuß so

weit vorkragt, daß die Laufkatze bis über Schiffsmitte fahren kann.

Fig. 106 stellt eine Ausführung dieser Art von Pohlig in Köln für Fr.

Krupp A.-G. in Rheinhausen dar.

[Illustration: Fig. 106.]

Es liegt die Frage nahe, ob etwa der aus alter Zeit stammende Typ

des Drehkrans später auch vom normalen Ladekai verschwinden und dem

Brückenkran Platz machen wird, der einen durchaus modernen Typ aus

dem letzten Jahrzehnt darstellt. So lange man auf den Dampfbetrieb

angewiesen war, mußte das gesamte Triebwerk um die Dampfmaschine herum

gelagert werden: dieser Notwendigkeit entsprach der Drehkran durchaus,

da bei ihm das gesamte Triebwerk sich leicht an einem Punkt vereinigen

läßt. Der Brückenkran ist sehr viel weniger für diese Vereinigung des

Triebwerks geeignet. Der elektrische Betrieb gestattet dagegen, die

einzelnen Triebwerke beliebig zu verteilen, er verleiht dem Brückenkran

daher eine besondere Einfachheit. Von diesem allgemeinen Gesichtspunkt

aus hätte der letztere demnach große Aussicht auf weitere Verbreitung.

Im besonderen hat der Drehkran zwei Vorteile vor dem Brückenkran

voraus: er gewährt ein sehr freies Profil, gestattet also die Verladung

von sperrigen Lasten wie Baumstämmen und Maschinenteilen; außerdem ragt

er nicht über die Kaimauer hinaus, sobald der Ausleger landeinwärts

geschwenkt ist, gewährt also der Takelage der Schiffe freien Raum.

Bei dem Brückenkran läßt sich ein großer freier Durchgang nur durch

besondere Gestaltung des Gerüstes erzielen; die Freigabe des Raumes

über dem Wasser ist nur dadurch zu erlangen, daß der Schnabel des Krans

zum Aufklappen eingerichtet ist. Inwieweit es gelingt, diese beiden

Nachteile durch geschickte Einzelkonstruktion auszugleichen, müssen die

nächsten Jahre lehren.

[Illustration: Fig. 107a.]

Die wirtschaftliche Bedeutung der Hebemaschinen im modernen Kaibetrieb

wird sofort erkennbar, wenn man den Umfang dieses Betriebes untersucht.

[Illustration: Fig. 107b.]

In Fig. 107a ist der Seeverkehr von verschiedenen Hafenanlagen im

Jahre 1904 dargestellt. Um ein anschaulicheres Bild zu geben, ist

nicht die Zahl der im ganzen Jahr eingelaufenen Seeschiffe und deren

im Jahr eingekommener Rauminhalt aufgetragen, sondern es ist die

Anzahl der durchschnittlich in einem Tag einlaufenden Seeschiffe

und deren Gesamtrauminhalt -- also die täglich auszuladende Fracht

-- dargestellt. Tatsächlich schwankt natürlich die Zahl der täglich

einlaufenden Schiffe je nach Jahreszeit und Umsatz. Aus dem Schaubild

ist ersichtlich, daß Hamburg, Antwerpen und Amsterdam die übrigen im

Schaubild eingetragenen Hafenanlagen hinsichtlich der Größe ihres

Seeverkehrs weit überragen. Aus dieser graphischen Darstellung

ist auch erkennbar, daß in diesen Häfen Schiffe mit weit größerem

Raumgehalt einlaufen, entsprechend der größeren Wassertiefe dieser

Anlagen.

Fig. 107b gibt eine Vorstellung von der Entwickelung des Seeverkehrs

im Hamburger Hafen. Auch aus diesem Schaubild ist ersichtlich, daß

der Raumgehalt der Schiffe stetig zugenommen hat und zwar in gleichem

Verhältnis mit der gesteigerten Vertiefung des Fahrwassers. In den

letzten zwanzig Jahren hat sich die Anzahl der durchschnittlich täglich

einlaufenden Schiffe verdoppelt -- von 20 auf 40 --, die täglich

auszuladende Fracht ist in dem gleichen Zeitraum nahezu auf das

Dreifache gestiegen.

Die Hamburger Hafenanlagen setzen sich aus 13 Einzelhäfen mit insgesamt

19 km Kaistrecken, 12 km Schuppen und 177 km Geleise zusammen. Im

ganzen sind 750 Kaikrane mit zusammen 1900 t Tragkraft in Betrieb.

Im Besitz der Hamburger Reedereien sind 611 Seedampfer, darunter 199

mit mehr als 2000 t Raumgehalt, und 553 Segelschiffe, unter denen 36

mehr als 2000 t tragen.

[Illustration]

[Illustration]

D.

Lastenbewegung in Werften.

Solange Holz das Baumaterial für Schiffe war, genügten die

allereinfachsten technischen Hilfsmittel zum Transport, denn weitaus

die meisten Einzelteile waren klein und von geringem Gewicht.

Die Bauzeiten waren reichlich bemessen, die Geschwindigkeit der

Lastenbewegung konnte daher sehr gering sein. Es genügten hölzerne

Masten mit Rollenzügen für die Hellinge. Nur für das Einsetzen der

Masten, Kessel und Maschinenteile war ein einfacher Mastenkran mit

Handwinde erforderlich.

Die Anfänge des Eisenschiffbaues reichen bis in das Jahr 1830 zurück.

Die Einführung ging aber sehr langsam vor sich; in Deutschland fand der

Übergang vom Holzschiffbau zum Eisenschiffbau erst Ende der Sechziger

Jahre statt. Von 1870 bis 1880 war die Entwicklung immer noch eine

langsame; von 1880 an erfolgte ein erster Aufschwung, von 1896 an ein

rasches Aufsteigen. Die Entwicklung seit 1872 ist dargestellt in einem

von dem Ingenieur Stelter entworfenen Diagramm. Fig. 108 (entnommen

aus der Z. d. V. d. I., 26. August 1905). Aus ihm ist ersichtlich, daß

der Verlauf des Handelsschiffbaues ein sehr sprunghafter war, während

der Kriegsschiffbau sich stetiger entwickelte. Das Schaubild zeigt

auch, daß bis zum Jahre 1900 der deutsche Schiffbau nur die Hälfte des

Bedarfes der deutschen Reederei gedeckt hat; erst von da an wird der

größte Teil der Schiffe in Deutschland gebaut.

Die Technik der Lastenförderung einst und jetzt Eine Studie über die Entwicklung der Hebemaschinen und ihren Einfluß auf Wirtschaftsleben und Kulturgeschichte · 第 8 / 15 段