Solange der Dampfkran an eine zentrale Kesselanlage angeschlossen war,

hatte er den Vorteil steter Betriebsbereitschaft, war aber anderseits

zur festen Aufstellung gezwungen. Als man mit der Zeit gelernt

hatte, leistungsfähige Dampfkessel von kleinen Abmessungen und hoher

Spannung zu bauen, wurde die Möglichkeit eröffnet, den Dampfkran mit

einem eigenen Kessel auszurüsten und das Ganze fahrbar und weiterhin

selbstfahrend zu machen. Dadurch wurde freie Beweglichkeit gewonnen,

und der Kran konnte demgemäß ein großes Arbeitsfeld bestreichen. Der

Vorteil steter Betriebsbereitschaft ging allerdings verloren; außerdem

arbeitete der kleine Krankessel naturgemäß weniger wirtschaftlich als

die zentrale Kesselanlage. Freilich wurde dieser letztere Nachteil

dadurch teilweise ausgeglichen, daß der Dampfverlust durch Kondensation

in der langen Zuleitung erspart wurde.

Der fahrbare Dampfkran gewann bald eine typische Gestalt, wie sie durch

Fig. 88 (entnommen aus Colyer Nr. 38) gekennzeichnet wird, die einen

Dampfkaikran aus den siebziger Jahren darstellt. Das Krangerüst wurde

anfangs größtenteils aus Gußeisen hergestellt; als später das Walzeisen

billiger wurde, traten mehr und mehr genietete Walzeisenteile an

Stelle der Gußstücke. Moderne Dampfkrane bestehen fast ausschließlich

aus Walzeisen und Stahlguß; Gußeisen wird nur noch für untergeordnete

kleinere Teile verwendet.

[Illustration: Fig. 87.]

[Illustration: Fig. 88.]

Bemerkenswert ist die sehr einfache Steuerung des Hubwerks, die

derjenigen von alten Mühlenaufzügen nachgebildet ist; das Vorgelege ist

in Exzentern gelagert; wird der Handhebel heruntergedrückt, so wird das

Vorgelege gehoben und dadurch das auf ihm sitzende große Stirnrad außer

Eingriff mit dem Ritzel auf die Kurbelwelle gebracht und gleichzeitig

der an das genannte Rad angegossene Bremskranz an einen feststehenden

Bremsklotz gedrückt.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Kaikrane lediglich für

Schwerlasten benutzt, d. h. zum Ausladen von Lasten, die so schwer

waren, daß sie von Hand nicht bewältigt werden konnten. Alle leichten

Lasten -- Fässer, Säcke, Ballen -- wurden von Hand gerollt, auf

schiefen Ebenen geschleift oder getragen.

Erst als die kleinen billigen Segelschiffe durch große kostspielige

Dampfer verdrängt wurden, änderte sich die Sachlage. Das große

in den Dampfern angelegte Kapital kann nur verzinst und getilgt

werden, wenn sie möglichst viele Fahrten machen, wenn sie also ihre

Aufenthaltszeit in den Häfen möglichst abkürzen. Rasche Entladung wurde

daher dringendes Bedürfnis. Kam es vorher darauf an, schwere Lasten

mit geringer Geschwindigkeit zu heben, so wurde nun Massentransport

gefordert, d. h. es wurde verlangt, daß die Kaikrane leichte Lasten von

1 bis 2 t mit möglichst großer Geschwindigkeit bis zu 1 m der Sekunde

heben und mit einer Geschwindigkeit bis zu 2 m der Sekunde schwenken.

Größere Lasten auf einmal zu nehmen, wäre unzweckmäßig, weil das

Anlegen der Schlingketten sich dann allzu umständlich und zeitraubend

gestalten würde.

Mit den zunehmenden Abmessungen der Dampfer mußten auch Ausladung,

Auslegerhöhe und Hubhöhe der Kaikrane stetig gesteigert werden, so daß

man schließlich auf Ausladungen bis zu 15 m, auf Auslegerhöhen bis zu

10 m und auf Hubhöhen bis zu 20 m kam.

Solange die Schiffe klein und leicht beweglich waren und wenig Luken

hatten, konnte man die Krane feststehend ausführen; das Schiff wurde

dann so verholt, daß die Luke vor den Kran zu stehen kam. Bei den

schweren Dampfern wurde dieses Verfahren unausführbar. Es war daher

unbedingt notwendig, die Krane fahrbar einzurichten. Nachdem das Schiff

vertaut war, wurde vor jede Deckluke ein Kran gefahren, so daß aus

allen Luken gleichzeitig entladen werden konnte.

Eine weitere Forderung, die an Kaikrane gestellt wurde, war die steter

Betriebsbereitschaft. Sobald ein Schiff einlief, mußten die Krane

unverzüglich ihre Arbeit beginnen können.

Diesen Anforderungen der Massenverladung konnte der Dampfkran

nur ungenügend entsprechen. Der an eine zentrale Kesselanlage

angeschlossene Dampfkran war ohnehin nicht geeignet, weil er nur

feststehend verwendet werden konnte. Der Gedanke, eine bewegliche

Dampfleitung auszuführen, trat erst sehr viel später auf, als die

Einzelheiten der Rohrleitungen wesentlich vervollkommnet waren. Der

fahrbare Dampfkran mit eigenem Kessel aber bot nicht die verlangte

sofortige Betriebsbereitschaft, da das Anheizen zwei Stunden in

Anspruch nahm. Außerdem war noch das verwickelte Triebwerk des

damaligen Dampfkrans wenig für eine Massenverladung mit großen

Geschwindigkeiten geeignet.

Man sah sich daher nach einem Kraftverteilungssystem um, welches besser

als der unmittelbare Dampfantrieb für den Kaibetrieb sich eignete. Wie

bei den Stahlwerksmaschinen bereits erwähnt, hatte Sir W. G. Armstrong

bereits im Jahre 1846 den von Bramah zuerst gefaßten Gedanken der

Druckwasserübertragung aufgenommen und praktisch fertig durchgebildet.

[Illustration: Fig. 89.]

Der erste Druckwasserkran wurde nach einer Mitteilung in dem Practical

Mechanic and Engineers Magazine vom Mai 1847 von Armstrong auf dem

Kai zu Newcastle-on-Tyne aufgestellt. Er war an die städtische

Wasserleitung angeschlossen, die dort eine Pressung von 6 Atm.

besaß. Wie Fig. 89 (entnommen aus Dinglers Journal 1847, Bd. 106,

Taf. 3) zeigt, war dieser Kran mit feststehender gußeiserner Säule

in Hohlgußform ausgeführt. Der drehbare Ausleger setzte sich aus

einer hölzernen Druckstrebe mit gußeisernen Endstücken und aus zwei

Rundeisen-Zugstangen zusammen. Besonders bemerkenswert ist, daß bei

diesem ersten Druckwasserkran bereits drei Hubzylinder nebeneinander

angeordnet waren, von denen der mittlere für kleine Lasten, die

beiden äußeren für mittlere und alle drei für große Lasten mit

Druckwasser gefüllt wurden. Die Treibzylinder für das Hubwerk waren

im Fundament schief liegend eingemauert, um das Senken des leeren

Hakens zu erleichtern; ihre Kolben hoben die Last mittels eines

Kettenrollenzuges. Da drei Kettenstränge gleichzeitig verkürzt wurden,

so war der Lasthub dreimal so groß wie der Kolbenhub. Ein zweiter

Treibzylinder war doppeltwirkend und in wagrechter Lage angeordnet;

seine Kolbenstange war mit einer Zahnstange gekuppelt, die in ein am

drehbaren Ausleger festgeschraubtes Stirnrad eingriff. Die Bewegung des

Kolbens veranlaßte das Schwenken des Auslegers. Beide Treibzylinder

wurden durch Flachschieber gesteuert, die mittels Schraubenspindeln

und Kurbeln betätigt wurden. Bereits bei dieser Ausführung waren

Sicherheitsventile _x_ und Nachsaugventile _y_ am Schwenkzylinder

eingebaut worden.

Die Einzeldurchbildung war noch eine sehr mangelhafte: die Teile

des Triebwerks waren einzeln auf das Mauerwerk geschraubt, ohne

unmittelbare Verbindung miteinander. Namentlich die Lagerung des

Hubzylinders war sehr unbehilflich. Zudem nahm das Triebwerk einen

unverhältnismäßig großen Raum im Fundament ein und war trotzdem

schlecht zugänglich.

Weitere Druckwasserkrane wurden -- wie Glynn mitteilt -- von Armstrong

in den Albert-Docks zu Liverpool mit Anschluß an die städtische

Wasserleitung von 6 Atm. aufgestellt, ein Kran von 15 t Tragkraft mit

6 Atm. Wasserpressung in Glasgow.

Nach dem Bericht von Colyer hat Armstrong ferner eine Anlage im Hafen

von Grimsby geschaffen. Da man in Liverpool die Erfahrung gemacht

hatte, daß in städtischen Leitungen der Druck sehr stark schwankt, so

wurde in Grimsby ein Hochbehälter von 150 cbm Inhalt in einer Höhe von

70 m aufgestellt, so daß er Druckwasser von 7 Atm. liefern konnte. Die

Hauptleitung besaß eine lichte Weite von 325 mm Durchmesser.

Da dieser Behälter mit seinem Turm natürlich sehr kostspielig war,

so bemühte sich Armstrong, an Stelle des offenen Hochbehälters einen

geschlossenen Windkessel einzuführen, fand aber den Druck dabei zu sehr

veränderlich.

Dagegen erwies sich als eine wesentliche Verbesserung des hydraulischen

Systems der Ersatz des Hochbehälters durch den Gewichtsakkumulator, den

ebenfalls Armstrong einführte und zwar im Jahre 1851. Der Akkumulator

ermöglichte -- wie bereits bei den Stahlwerkskranen ausgeführt

-- die Anwendung höherer Pressung bis zu 50 Atm. und gestattete

infolgedessen, Leitungen von kleinem Querschnitt und geringen Kosten

einzubauen.

Im Jahre 1859 gab es in England nach einem Bericht von Armstrong

(Mechanics Magazine 1859) bereits 1200 Druckwasser-Hebemaschinen, die

von Dampfpumpen mit zusammen 3000 PS gespeist wurden.

Einen wesentlichen Fortschritt stellt der in Fig. 90 (entnommen aus

Colyer Nr. 8) dargestellte Druckwasserkran dar, der ungefähr zwei

Jahrzehnte später, in den Siebziger Jahren erbaut worden ist. Als

besondere Eigentümlichkeit ist zu beachten, daß der Treibzylinder

gleichzeitig als drehbare Kransäule ausgebildet ist, die mittels

Spurlager und Halslager im Fundament gelagert und mit dem ganz

aus Walzeisen hergestellten Ausleger unmittelbar verschraubt ist.

Der Kolben ist als Tauchkolben ausgebildet und arbeitet mit zwei

hintereinander geschalteten Kettenrollenzügen auf die Last, so daß der

Lasthub das Vierfache des Kolbenhubes beträgt. Zwei wagrechtliegende

Treibzylinder bewirken mittels Tauchkolben und Kettenrollenzügen das

Schwenken des Auslegers.

[Illustration: Fig. 90.]

Im Gegensatz zu der vorhergehenden Ausführung sind hier alle Teile

zu einem starren Ganzen verschraubt, das wenig Platz einnimmt, gut

zugänglich ist und eine Gewähr für dauernd gutes und genaues Arbeiten

gibt.

Diese Konstruktion entsprach den Anforderungen des Kaibetriebes

insofern vorzüglich, als sie ein rasches und gleichzeitig

betriebssicheres Arbeiten ermöglichte, einfach und übersichtlich in

der Anordnung war, geringe Anlagekosten erforderte und geräuschlos

arbeitete. Es fehlte nur noch die Fahrbarkeit. Um auch diese

zu erreichen, versah man die Druckwasserleitung mit zahlreichen

Anschlußstutzen und führte das vom Anschlußstutzen zum Kran führende

Verbindungsrohr als Teleskoprohr oder als Gelenkrohr aus, so daß

nunmehr der fahrbare Kran jede beliebige Stellung einnehmen konnte.

[Illustration: Fig. 91.]

Fig. 91 (entnommen aus Colyer Nr. 6) zeigt einen fahrbaren

Druckwasserkran nach einer Ausführung aus den Siebziger Jahren. Der aus

Walzeisen genietete Kranwagen bewegt sich auf einem Breitspurgleis. In

dem Kranwagen ist die drehbare Kransäule gelagert, die ebenfalls aus

Walzeisen genietet ist, und an die an der einen Seite der Ausleger, an

der anderen ein Gegengewicht angeschlossen ist. Der Treibzylinder für

das Hubwerk liegt im Inneren der Säule; der Kolben arbeitet mit einem

aus sechs Strängen gebildeten Kettenrollenzug auf den Lasthaken. Die

Schwenkzylinder liegen im unteren Teil des Kranwagens.

* * * * *

Damit der fahrbare Kran ausreichende Standfestigkeit besitzt, muß

die Spurweite des Kranwagens ausreichend groß gehalten werden; sie

beträgt meist 2,4 m. Durch den breiten Wagen wird die ganze Kaimauer

entlang ein Streifen von rund 2,6 in Breite fortgenommen, der sonst zur

Aufstellung von Fahrzeugen benutzt werden konnte. Man kam daher auf

den Gedanken, den Kranwagen als ein Portal von solcher lichten Weite

auszubilden, daß normale Eisenbahnwagen unter diesem Portal durchfahren

können. Die schmalen Beine des Portals nehmen dann nur geringen Raum

auf dem Kai in Anspruch.

[Illustration: Fig. 92.]

Fig. 92 und Fig. 93 (entnommen aus Anvers »Port de Mer«) stellen

Portalkrane dieser Art dar.

In diesem Bestreben, Raum zu sparen, ging man schließlich noch

weiter und führte das Portal so aus, daß nur die Vorderbeine auf der

Kaimauerschiene laufen, während der rückwärtige Teil des Portals sich

auf eine am Kaischuppen montierte Schiene stützt.

Fig. 94 (entnommen aus Ernst, Taf. 84) stellt die erste Ausführung

dieser Art dar, die in Bremen nach dem Vorschlag von Neukirch im Jahre

1887 erfolgte. Der Kranwagen erscheint hier als ein aus Walzeisen

genietetes sog. Winkelportal, an dem der Ausleger drehbar aufgehangen

ist. Der Treibzylinder des Hubwerks ist an dem drehbaren Ausleger

montiert, die Schwenkzylinder sitzen am Winkelportal.

Im wesentlichen hatte in dieser Gestaltung der Druckwasser-Kaikran

seine vollkommene Durchbildung erlangt und wurde im folgenden nur noch

in Einzelheiten verbessert. Er entsprach hinsichtlich Schnelligkeit,

Sicherheit, Einfachheit und Wirtschaftlichkeit allen Anforderungen des

Kaibetriebes.

Nur zwei Nachteile des Druckwasserbetriebes waren nicht zu beseitigen:

die Empfindlichkeit gegen Einfrieren und die hohen Anlagekosten der

Druckwasserleitung.

[Illustration: Fig. 93.]

Man hatte im Lauf der Zeit die verschiedensten Mittel versucht, um das

Einfrieren zu verhüten: man wärmte das Wasser, man setzte Salze zu, man

sorgte für fortwährende Zirkulation, man brachte Gasheizung an, man

isolierte Rohre und Zylinder durch Wärmeschutzmittel. Alle diese Mittel

erwiesen sich aber als Notbehelfe, die das Übel nicht grundsätzlich

beseitigten.

Die Druckwasserleitungen an sich waren verhältnismäßig billig. Man

hatte sie anfangs unmittelbar in das Erdreich gelegt, machte damit

aber schlechte Erfahrungen, denn zahlreiche Rohrbrüche waren die

Folge der unvermeidlichen Senkungen im Erdreich. Schließlich ging

man allgemein dazu über, die Rohrleitungen in gemauerten Tunnels

unterzubringen, die aber ihrerseits hohe Anlagekosten erforderten.

Diese beiden Nachteile des Druckwasserbetriebes führten zu Bemühungen,

den Dampfbetrieb den Anforderungen des Kaibetriebes anzupassen. Bereits

in den Achtziger Jahren hatte der Engländer Brown eine eigenartige

Dampfkrankonstruktion geschaffen, die dem hydraulischen Kran

nachgebildet war.

[Illustration: Fig. 94.]

Fig. 95a und b (entnommen aus Ernst, Taf. 85) zeigen diese

Konstruktion. Der Dampf tritt hier nicht in eine Dampfmaschine mit

Stirnradübersetzung üblicher Art, sondern in zwei Hubzylinder, deren

Kolben vermittelst eines Rollenzuges unmittelbar die Last heben. Zum

Festhalten und zum Senken der Last dient ein Wasserbremszylinder,

der zwischen den Dampfzylindern angeordnet ist, und dessen Kolben

starr mit den Dampfkolben verbunden ist. Beim Heben der Last saugt

der Kolben des Bremszylinders Wasser aus einem Behälter durch ein

Rückschlagventil an. Sobald der Dampfzufluß abgesperrt wird, schließt

sich das Rückschlagventil des Bremszylinders und der Kolben desselben

setzt sich auf das eingeschlossene Wasser auf, so daß die Last sicher

festgehalten wird. Wird das Rückschlagventil gelüftet, so sinkt die

Last mit genau regelbarer Geschwindigkeit. Ein weiterer Dampfzylinder

besorgt das Schwenken des Auslegers.

Diese Brownsche Konstruktion arbeitet ebenso rasch und sicher wie ein

Druckwasserkran. In wirtschaftlicher Beziehung verhält sie sich weniger

günstig, weil durch Kondensation in den großen Zylindern beträchtliche

Dampfverluste entstehen. Derartige Krane haben in England, in Holland

und in Hamburg große Verbreitung gefunden.

[Illustration: Fig. 95a.]

[Illustration: Fig. 95b.]

Ende der Achtziger Jahre wurden in Hamburg und in Altona Kaistrecken

angelegt, die mit Brownschen Dampfkranen mit zentraler Dampfversorgung

ausgerüstet waren.

Von einer Kesselanlage aus führten Dampfleitungen den hochgespannten

Dampf am Kai entlang; diese Leitungen waren mit Anschlußstutzen in 10 m

Entfernung versehen. Von letzteren führten Gelenkrohre zu den fahrbaren

Winkelportalkranen.

Diese Anlagen haben sich bei starkem Betrieb als wirtschaftlich

erwiesen, waren aber -- wie zu erwarten -- bei schwachem Betrieb

unwirtschaftlich.

Während diese Anlagen in Betrieb gesetzt wurden, entstanden die ersten

elektrisch betriebenen Straßenbahnen in Deutschland. Sie legten den

Gedanken nahe, die Mängel des Druckwasser- und des Dampfbetriebes

dadurch zu umgehen, daß man Kaikrane mit elektrischem Antrieb

ausführte.

3. Von 1890 an: Elektrischer Antrieb.

Wenn man sich überlegt, daß ein weitverzweigtes Rohrleitungsnetz mit

seinen zahlreichen Dichtungen, Absperrvorrichtungen und Gelenkrohren

eine fortgesetzte Instandhaltung verlangt, die in den engen Tunnels

nur mühsam ausführbar ist, und wenn man sich demgegenüber die

Unverwüstlichkeit eines in die Erde gelegten guten Bleikabels und die

Einfachheit einer Kontaktleitung vor Augen hält, so erscheint die

elektrische Kraftverteilung von vornherein als weit überlegen gegenüber

allen Verteilsystemen mit Rohrleitungen.

[Illustration: Fig. 96a.]

Als weiterer Vorzug erscheint die vielseitige Verwendbarkeit des

elektrischen Stromes. Druckwasser ist vorzüglich geeignet für hin-

und hergehende Bewegungen, z. B. für kurzhubige Aufzüge, dagegen sehr

wenig geeignet für rotierende Maschinen und gänzlich unbrauchbar für

Beleuchtung. Der elektrische Strom ist für alle drei Verwendungsgebiete

gleich gut geeignet.

Zu beachten ist hierbei der Umstand, daß Strom für Kraftversorgung

vorzugsweise tagsüber, Strom für Beleuchtung vorzugsweise abends

gebraucht wird. Die Dampfmaschinen der Zentrale lassen sich daher gut

ausnutzen, wenn sie der Kraft- und Lichtversorgung zugleich dienen,

wie dies bei elektrischem Kranbetrieb der Fall ist. Wird dagegen

die Kraftversorgung durch Druckwasser bewirkt, so ist eine besondere

Zentrale für Beleuchtung erforderlich, es müssen dann sowohl die

Dampfmaschinen der Preßpumpen, wie diejenigen der Dynamomaschinen für

den Höchstwert des Verbrauches bemessen sein, werden daher größer,

teurer und weniger gut ausgenutzt. Betrieb und Verwaltung werden zudem

weniger einfach, Kohlenverbrauch und Unterhaltung werden kostspieliger.

Daß die Höchstwerte des Verbrauches von Kraft und Licht tatsächlich

auf verschiedene Tageszeiten fallen, ist aus dem Schaubild Fig. 96a

und b (mitgeteilt in: Engineering 1899, S. 160) ersichtlich. Das

Schaubild von Southampton zeigt im Februar den Höchstbedarf an Kraft

zwischen 7 Uhr morgens und 2 Uhr mittags, den Höchstbedarf an Licht

zwischen 3 Uhr nachmittags und 10 Uhr nachts. In Kopenhagen fällt der

höchste Kraftbedarf im Dezember in die Zeit zwischen 9 Uhr morgens und

5 Uhr nachmittags, der höchste Lichtbedarf in die Zeit zwischen 5 Uhr

nachmittags und 7 Uhr abends.

[Illustration: Fig. 96b.]

Als weitere grundsätzliche Vorzüge der elektrischen Kraftverteilung

gegenüber der hydraulischen erscheinen die Unempfindlichkeit der

ersteren gegen Frost und die Reinlichkeit des elektrischen Betriebes,

die gleichbedeutend mit geringen Ausgaben für Anstrich ist.

So aussichtsreich von diesen allgemeinen Gesichtspunkten aus betrachtet

der elektrische Betrieb von vornherein war, so waren doch im einzelnen

bedeutende Schwierigkeiten zu überwinden, bis die Anpassung an die

Eigenart des Kaibetriebes überwunden war.

Als Kranmotoren wurden bei den ersten Ausführungen dieselben

Elektromotoren verwendet, die für den Antrieb von Werkstätten

ausgebildet worden waren.

Diese Motoren waren empfindlich gegenüber Witterungseinflüssen, waren

nicht ausreichend regelungsfähig, nahmen viel Raum ein und waren nicht

derb genug gebaut, um den unvermeidlichen stoßweisen Beanspruchungen

des Kranbetriebes auf die Dauer Trotz zu bieten. Diese Schwierigkeiten

wurden gegen die Mitte der Neunziger Jahre dadurch überwunden, daß man

den inzwischen erprobten Straßenbahnmotor als Kranmotor ausbildete.

Der vollständig eingekapselte Bahnmotor war widerstandsfähig gegen

feuchte Witterung, konnte vorübergehend auftretende hohe Stromstärken

und mechanische Stöße gut ertragen, erlaubte eine weitgehende

Geschwindigkeitsregelung und war auf engem Raum unterzubringen,

erfüllte also alle Anforderungen des Kranbetriebes.

Besonders große Schwierigkeiten bot die Anpassung der Schaltapparate.

Anfänglich wurden dieselben Anlasser verwendet, die für

Werkstättenmotoren üblich waren; diese Anlasser erlaubten wohl, einen

Motor langsam in Gang zu setzen, waren aber gänzlich ungeeignet für

die stoßweise und rasch wiederholte Einschaltung der Kranmotoren; eine

Betriebszeit von wenigen Wochen genügte, um diese Apparate unbrauchbar

zu machen, die viel zu sehr Erzeugnisse der Feinmechanik als derbe

Maschinenteile waren. Erst als die Kontakte genügend groß bemessen und

leicht auswechselbar eingerichtet wurden, als für Vorkehrungen zum

selbsttätigen Ausblasen der unvermeidlichen Funken gesorgt war und

als das Ganze so derb durchgebildet war, daß es Witterungseinflüssen

und roher Behandlung Widerstand leisten konnte, war eine Konstruktion

geschaffen, die dem Kaibetrieb angepaßt war.

Schließlich war noch ein Hindernis zu überwinden: die Übersetzung vom

rasch laufenden Elektromotor auf die langsam gehende Seiltrommel.

Anfangs standen nur sehr schnell laufende Elektromotoren zur Verfügung,

wodurch die Aufgabe von vornherein erschwert war. Die hierzu notwendige

sehr große Übersetzung suchte man durch Schneckentriebe zu bewältigen,

fand aber bald, daß diese Elemente nicht die erwünschte Einfachheit und

Bedürfnislosigkeit in der Wartung besaßen. Dann ging man zu mehrfacher

Stirnradübertragung über und lernte allmählich durch genaue Bearbeitung

der Zähne, durch Wahl geeigneten Materials und durch starre Lagerung

den Gang der Räder hinreichend ruhig zu gestalten. Der Bau von langsam

laufenden Motoren erleichterte die Aufgabe. Schließlich kam man durch

Fortschritte im Bau gedrängter Motoren dazu, daß zur Übersetzung

von Motor auf die Seiltrommel nur noch ein einziges Stirnradpaar

erforderlich war.

Nachdem diese Entwickelung der Einzelheiten vollzogen war, hatte

der elektrisch betriebene Kaikran eine so weitgehende Einfachheit,

Widerstandsfähigkeit und Sicherheit gewonnen, daß er in diesem Punkte

alle früheren Systeme nicht nur erreichte, sondern sogar übertraf.

[Illustration: Fig. 97.]

Die ersten Versuche mit elektrischem Kaibetrieb wurden in Hamburg

gemacht. Dort wurden im Jahre 1890 zwei Versuchskrane aufgestellt, die

zwar in den Einzelheiten -- Motoren, Anlassern und Übersetzungsteilen

-- noch die Erscheinung von Erstlingsausführungen boten, die aber

immerhin den sicheren Nachweis erbrachten, daß der elektrische Kran

imstande war, bei einiger Durchbildung dem Kaibetrieb durchaus zu

entsprechen.

Fig. 97 stellt den vom Eisenwerk (vorm. Nagel und Kaemp) A.-G. in

Hamburg erbauten Versuchskran dar, der als Winkelportalkran gebaut

war und über eine Tragkraft von 2,5 t bei 10 m Ausladung und 1 sekm

Hubgeschwindigkeit verfügte.

Die erste vollständige Kaianlage mit elektrischem Betrieb wurde in

Rotterdam geschaffen. Die dortige Hafenverwaltung unter Leitung

der Herren de Jongh und van Ysselsteyn ließ auf dem Wilhelminakai 7

elektrisch betriebene Kaikrane von 2 t Tragkraft, 13 m Ausladung und

1,2 sekm Hubgeschwindigkeit durch das Eisenwerk (vorm. Nagel und Kaemp)

A.-G. aufstellen, nachdem sie durch die Hamburger Versuchsanlage die

Überzeugung gewonnen hatte, daß die ersten Schwierigkeiten bereits

überwunden waren. Bei der Inbetriebsetzung der Anlage im Jahre 1894

zeigte sich tatsächlich, daß alle Einzelheiten den Beanspruchungen des

Kaibetriebes gewachsen waren. In dem ersten Betriebsjahr wurden nur die

Anlasser gegen eine inzwischen entstandene vollkommenere Konstruktion

ausgetauscht, alle anderen Einzelheiten blieben bis heute unverändert.

[Illustration: Fig. 98.]

Der Aufbau der Rotterdamer Krane Fig. 98 entspricht bereits vollständig

der heute üblichen Ausführung: das Gerüst ist nahezu ausschließlich

aus Walzeisen genietet, unter Einfügung von Stahlgußstücken für die

Lagerungsteile. Gußeisen wurde nur für solche Teile verwendet, die von

den Hauptkräften nicht durchlaufen werden.

Die Technik der Lastenförderung einst und jetzt Eine Studie über die Entwicklung der Hebemaschinen und ihren Einfluß auf Wirtschaftsleben und Kulturgeschichte · 第 7 / 15 段