Fig. 66 ist die Darstellung eines von Stuckenholz ausgeführten

Blockeinsetzkrans von 6 t Tragkraft, der für Tieföfen bestimmt und

demgemäß so eingerichtet ist, daß er den Block von oben fassen kann.

Bei früheren Ausführungen war die hierzu dienende Zange an Seilen

aufgehangen; es war dann ein Hilfsarbeiter erforderlich, der die Zange

so über den Block streifte, daß sie den Block zu fassen vermochte.

Die hier dargestellte neuere Ausführung macht den beschwerlichen und

nicht ungefährlichen Handlangerdienst entbehrlich: die Zange hängt

nicht an Seilen, sondern ist an einer starren Stange befestigt, die

in einer Führung lotrecht verschoben und gedreht werden kann. Der

im Steuerhaus befindliche Steuermann fährt mit dem Kran über den

Block, stellt die Zange so, daß sie den Block ergreifen kann, hebt

den Block heraus und fährt ihn zum Walzwerk. Die vier Bewegungen des

Längsfahrens, Querfahrens, Hebens und Drehens werden durch ebensoviele

Elektromotoren bewirkt, die der Kranführer von seinem Platz aus

steuert. Zum Schutz gegen die von unten heraufstrahlende Wärme ist der

Steuerstand mit wärmeisolierenden Platten bekleidet.

[Illustration: Fig. 66.]

[Illustration: Fig. 67.]

Den Transport von einem Walzengerüst zu einem zweiten hat man

dadurch außerordentlich vereinfacht, daß man die Rollgänge fahrbar

eingerichtet hat. Eine derartige Anordnung war unmöglich, solange

man auf den Dampfantrieb angewiesen war; der elektrische Antrieb

löste diese Aufgabe ohne Schwierigkeit. Es war nur notwendig, den

Rollgangsrahmen mit Laufrädern auszurüsten und diese durch einen

Elektromotor anzutreiben, während ein zweiter die Rollen selbst drehte.

Der aus den Walzen schießende Block wird von den drehenden Rollen

weitergeführt, dann durch Stillsetzen der Rollen festgehalten; nun

wird der Rollgang quer bis vor das zweite Walzengerüst verschoben; die

Rollen werden umgesteuert und der Block dadurch in der umgekehrten

Richtung zwischen die Walzen geführt. Besondere Wendevorrichtungen

gestatten außerdem ein Kanten des Blockes. Der höchst beschwerliche

und gefahrvolle Handlangerdienst wird durch diese Hilfsvorrichtungen

vollständig ausgeschaltet: ein neben dem Walzwerkssteuerer stehender

Hilfssteuermann genügt für die Leitung des gesamten Triebwerks.

Fig. 67 läßt die Anordnung eines fahrbaren Rollgangs in der

Friedenshütte zu Morgenroth in Oberschlesien erkennen, wo diese

Konstruktion die erste Anwendung in Europa gefunden hat. Der Rollgang

ist mit zwei Elektromotoren ausgerüstet, von denen der eine die Rollen

mit 1,5 sekm, der andere das Fahrwerk mit 1-2 sekm Geschwindigkeit

antreibt, und von denen jeder bis zu 60 PS leisten kann. Der Rollgang

ist ausgeführt von der Duisburger Maschinenbaugesellschaft, der

elektrische Antrieb von den Siemens-Schuckert-Werken.

Die gesteigerte Betriebsdichtigkeit stellte sehr bald die Forderung,

die für das Auswechseln der Walzen erforderliche Zeit abzukürzen. Der

alte Drehkran oder Bockkran mit Handbetrieb konnte dieser Forderung um

so weniger genügen, als mit den zunehmenden Abmessungen auch die Walzen

immer schwerer wurden und schließlich Gewichte bis zu 20 t erreichten.

Der fahrbare Dampfkran war aus wirtschaftlichen Gründen wenig geeignet

für diese Aufgabe, weil die Fahrbarkeit einen eigenen Dampfkessel

erforderte, der stetig unter Dampf gehalten werden mußte, aber nur

während der Auswechslung tatsächlich Arbeit leisten konnte.

Um so besser konnte der elektrische Betrieb der gestellten Forderung

entsprechen. Da Elektromotoren außerdem eine weit größere Freiheit

in der Anordnung des Krangerüstes gewähren als der schwerfällige

Dampfkessel, so läßt sich dieses ohne Schwierigkeit so gestalten, daß

es möglichst wenig Grundfläche in Anspruch nimmt.

Fig. 68 stellt einen Kran dar, der diesem Bestreben entsprechend

gestaltet ist. Der Kranwagen hat die Gestalt eines Portals, das

den darunter liegenden Raum frei überspannt. Das Portal trägt eine

Laufwinde, die besonders zum Auswechseln von Walzen bis zu 20 t

Gewicht bestimmt ist, aber nebenher natürlich auch für allgemeinen

Verladedienst benutzt werden kann.

[Illustration: Fig. 68.]

[Illustration: Fig. 69.]

Aber selbst diese vollkommene Lösung der Aufgabe entspricht noch

nicht allen Betriebsverhältnissen. Dort, wo ein häufiger Wechsel der

gewalzten Profile und damit der Walzen erforderlich ist, nimmt das

Herausheben und Wiedereinlegen der Walzen trotz der rasch arbeitenden

Krane immer noch einen unverhältnismäßig großen Teil der Zeit in

Anspruch. Man ist daher neuerdings in den Rheinischen Stahlwerken in

Meiderich dazu übergegangen, nicht mehr die Walzen aus ihrem Ständer

zu heben, sondern das ganze Walzengerüst in einem Stück hochzunehmen,

auf die Seite zu setzen und ein anderes, schon zusammengestelltes

Walzengerüst an die Stelle des ersten zu heben. Während des Walzens

wird dann das beiseite gestellte Gerüst mit den Walzen für die nächste

Schicht versehen. Durch dieses Verfahren wird die für das Auswechseln

des Gerüstes erforderliche Zeit bis auf 1½ Std. verkürzt. Allerdings

muß der Kran nun so tragfähig sein, daß er das ganze Walzengerüst im

Gewicht von 150 t zu heben vermag.

Fig. 69 zeigt eine derartige Ausführung von Stuckenholz. Da der Kran

als Deckenlaufkran gebaut ist, so nimmt er keinerlei Grundfläche in

Anspruch. Der Kran ist so bemessen, daß er mit einer Probelast bis zu

200 t geprüft werden konnte.

Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Hilfsmittel wird deutlich

erkennbar, wenn man die Betriebskosten eines alten Walzwerks mit

Handlangerdienst vergleicht mit den Betriebskosten eines Walzwerks, das

mit modernen Hebemaschinen ausgerüstet ist. (Nach »Stahl und Eisen« vom

1. Januar 1905.)

$Altes Walzwerk mit Handlangerdienst$:

Die Blöcke werden durch Handlanger in den Wärmofen eingesetzt und

herausgezogen. Hierzu sind erforderlich:

1 Vorarbeiter und

5 Taglöhner.

Die Blöcke werden durch Handlanger zwischen die Walzen geschoben,

mit Zangen und Blockkarre aufgefangen und seitwärts transportiert.

Hierzu sind notwendig:

2 Vorarbeiter und

8 Taglöhner.

$Modernes Walzwerk mit Hebemaschinen$:

Die Blöcke werden mit einem Einsetzkran in den Wärmofen eingesetzt

und herausgezogen. Hierzu sind erforderlich:

1 Steuermann,

1 Einsetzkran. Anlagekosten = 12500 M.

Die Blöcke werden durch zwei fahrbare Rollgänge zwischen die Walzen

geschoben, aufgefangen und seitwärts transportiert. Hierzu werden

gebraucht:

2 Steuerleute,

2 Rollgänge. Anlagekosten = 30000 M.

$Altes Walzwerk mit Handlangerdienst$:

Die Walzen werden mit einem Handkran in 4 Stunden ausgewechselt und

von Hand fortgerollt. Für diese Arbeit sind erforderlich:

1 Vorarbeiter und

3 Taglöhner.

Zur Bedienung der Walzenzugmaschine werden außerdem benötigt:

1 Maschinist und

2 Hilfsmaschinisten.

Insgesamt sind erforderlich:

23 Mann.

Der Handlangerdienst erfordert Mehrkosten an Löhnen für 23 - 7 = 16

Mann, entsprechend einem Jahresbetrag von rund

$27000 M.$

Die Zeitersparnis bei Walzenwechsel beträgt 4 - 2 + 2 Stunden.

Im ganzen Jahr werden rund 1100 Stunden erspart, die mit je 5 M.

Gewinn zu berechnen sind, entsprechend einem Jahresbetrag von rund

$5500 M.$

$Modernes Walzwerk mit Hebemaschinen$:

Die Walzen werden durch einen Deckenlaufkran in 2 Stunden

ausgewechselt und transportiert. Erforderlich:

1 Steuermann,

1 Laufkran. Anlagekosten + 8000 M.

Bedienung der Walzenzugmaschine erfordert auch hier:

1 Maschinisten und

2 Hilfsmaschinisten.

Im ganzen werden gebraucht:

7 Mann

und Hebemaschinen im Werte von 50000 M. Diesen Anlagekosten

entspricht ein Jahresbetrag für Zinsen und Tilgung von rund

$10000 M.$

Insgesamt ergibt sich für das Walzwerk mit Hebemaschinen ein Mehrgewinn

von 27000 + 5500 - 10000 = 22500 M.

Verglichen mit den Anlagekosten der Hebemaschinen -- 50500 M. --

beträgt der Mehrgewinn 45% dieses Werts; die Hebemaschinen machen sich

also in zwei Jahren bezahlt.

d) Die Hebemaschinen des Lagerplatzes.

War es im Stahlwerk und im Walzwerk eine ~technische~

Notwendigkeit, für die moderne Stahlerzeugung und Verarbeitung

rasch arbeitende Hebemaschinen zu schaffen, so war es bei der

Verladung der ~wirtschaftliche~ Zwang, der zur stetigen

Vervollkommnung der Hebemaschinen und zur entsprechenden Verminderung

des Handlangerdienstes führte. Auch hier wurden zuerst feststehende

Druckwasserkrane, dann selbstfahrende Dampfkrane und schließlich die

sparsam arbeitenden elektrischen Krane zur Dienstleistung herangezogen.

Bei der Durchbildung dieser Krane machte sich die Forderung geltend,

möglichst ausgedehnte Lagerplätze zu bestreichen. Dieses Bestreben

führte dazu, den Bocklaufkran in immer größeren Spannweiten

auszuführen, so daß schließlich der moderne Brückenlaufkran von

50-100 m Spannweite entstand. Gleichzeitig wurden die

Fahrgeschwindigkeiten immer mehr gesteigert, um große Leistung zu

erzielen.

[Illustration: Fig. 70.]

Fig. 70 gibt ein typisches Bild eines derartigen von Stuckenholz

ausgeführten Brückenkrans, der eine Last von 7,5 t zu heben und auf der

Brücke von 67 m Spannweite mit 1 m in der Sekunde zu fahren vermag,

während die Brücke selbst mit einer Geschwindigkeit von 1,5 m in der

Sekunde auf ihrem Gleise fährt. Zwei Elektromotoren von zusammen

140 PS dienen zur Kranfahrt, zwei weitere zur Querfahrt und zum

Heben der Last. Fig. 71 stellt eine Ausführung der Duisburger

Maschinenbau-A.-G. dar, die eine Spannweite von 86 m besitzt.

[Illustration: Fig. 71.]

[Illustration: Fig. 72.]

Die Einzelgestaltung dieser Brückenkrane für Lagerplätze -- auch

Hochbahnkrane genannt -- hat in den letzten Jahren eine sehr

vielfache Durchbildung erfahren: Gerüstform und Triebwerk haben die

verschiedensten Formen angenommen. Während anfangs das amerikanische

Vorbild -- Hubwerk feststehend, Laufkatze durch Drahtseile bewegt --

nachgeahmt wurde, ist neuerdings die deutsche Laufkrankonstruktion --

Hubwerk und Fahrmotor auf der Katze -- den hohen Geschwindigkeiten

angepaßt worden, die bei Brückenkranen notwendig sind. Es würde aber zu

weit führen, auf diese Einzelheiten in dieser Darstellung einzugehen,

die einem weiteren Kreis nur die Leitmotive der Entwickelung der

Hebemaschinen vorführen soll, nicht aber die Einzelheiten der

Ausführung.

[Illustration: Fig. 73.]

[Illustration: Fig. 74a.]

[Illustration: Fig. 75.]

Dagegen ist auf ein neues Bestreben aufmerksam zu machen, das

neuerdings in den Vordergrund getreten ist und voraussichtlich

maßgebend für die zukünftige Entwickelung sein wird.

Die vor kurzem gebräuchlichen Krane waren stets mit einem Lasthaken

ausgerüstet, an den beliebige Lasten in der Weise angehangen werden

konnten, daß letztere mit Schlingketten oder Hanfseilen umschlungen

wurden. Diese Maßnahme erfordert Handlangerdienst und Zeitaufwand.

Beides kann erspart werden, wenn der Kran statt des Lasthakens

ein Greiforgan trägt, welches -- gesteuert vom Kranführer -- ohne

Handlangerhilfe die Last zu ergreifen vermag. Derartige Organe sind bei

den Stahlwerkskranen bereits dargestellt worden: für die Stahlblöcke

hatten diese Greiforgane die Form von Zangen.

Ähnliche Greifer sind auch bei Verladekranen bereits verwendet worden.

Fig. 72 zeigt eine von der Duisburger Maschinenbau-A.-G. ausgeführte

Zange zum Erfassen von Trägern, Schienen u. dgl. Fig. 73 stellt die

Zange zu dem von Stuckenholz ausgeführten Tiefofenkran Fig. 66 dar.

Für eiserne Lasten erscheint als einfachstes Greiforgan der

Elektromagnet, dessen Wickelung unter Strom steht, so lange die

Last gehalten werden soll, und ausgeschaltet wird, wenn die Last

niedergelegt wird.

[Illustration: Fig. 74 b.]

[Illustration: Fig. 76.]

Fig. 74a und b und 75 (entnommen aus der Zeitschrift »Elektrische

Bahnen und Betriebe«) stellen derartige Tragelektromagnete vor.

Da indessen der Magnet seine Tragkraft verliert, wenn eine zufällige

Stromunterbrechung -- z. B. infolge Durchschmelzens einer Sicherung

-- eintritt, so wird man derartige Magnete nur dort verwenden, wo

unter der Last keine Arbeiter sich befinden, wie dies auf Lagerplätzen

zumeist der Fall ist.

Neuere Ausführungen vereinigen den Magneten mit einer Greifzange. Der

Magnet hebt zunächst das Eisenstück hoch, dann schließt sich die

Greifzange und gestattet nun, die Last mit vollkommener Sicherheit zu

transportieren. Fig. 76 zeigt eine Konstruktion nach diesem Grundsatz,

ausgeführt von Stuckenholz.

Während die Fördermaschinen der Bergwerke in ihren Anfängen bis auf den

Ausgang des Mittelalters zurückreichen, gehört die Entwickelung der

Hüttenwerkshebemaschinen nahezu ausschließlich der zweiten Hälfte des

19. Jahrhunderts an. Die Behandlung dieses Gebietes mußte sich daher im

wesentlichen auf eine Darstellung des heutigen Zustandes beschränken.

[Illustration]

[Illustration]

C.

Massentransport in Hafenanlagen.

Lange ehe die Landfahrzeuge so weit entwickelt waren, daß sie schwere

Lasten befördern konnten, wurden Schiffe zum Transport von Schwerlasten

benutzt. Wohl ebenso alt wie die Schiffahrt dürften die einfachsten

Hebevorrichtungen zum Beladen und Entladen der Schiffe sein. Das

Bedürfnis nach solchen Vorkehrungen bestand aber lange Zeit nur für

Lasten, die so schwer waren, daß sie nicht unmittelbar getragen werden

konnten; tragbare Lasten wurden nahezu zwei Jahrtausende lang von

Handlangern aus- und eingeladen, ehe die Notwendigkeit auftrat, sie

durch Anwendung von Maschinenkraft in möglichst kurzer Zeit zu entladen.

Der erste Kaikran, von dem uns eine Nachricht vorliegt, ist in der

Handschrift des Jakobus von Siena aus dem Jahre 1440 dargestellt

(Fig. 12). Weitere Darstellungen finden sich in den Werken von Leonardo

da Vinci (Fig. 16), die um die Zeit von 1500 entstanden sind.

1. 1500 bis 1850: Antrieb durch Tretrad und Kurbel.

In Deutschland erhielt der Kaikran eine typische Gestalt, der wir auf

alten Städtebildern wiederholt begegnen.

Fig. 77 (entnommen aus Steinhausen »Geschichte der deutschen Kultur«

S. 365 a) zeigt ein Städtebild aus dem 15. Jahrhundert mit einem

Kaikran im Vordergrund. Der ganze sichtbare Teil des Krans ist um

eine feststehende Säule drehbar. Die Seile werden auf eine Welle

gewickelt, an der zwei Treträder angebracht sind. Diese Anordnung macht

alle Zahnräder entbehrlich und erzielt einen hohen Wirkungsgrad, ist

also für die damaligen Herstellungsmittel als durchaus zweckmäßig zu

bezeichnen. Das Krangerüst besteht ganz aus Holz.

[Illustration: Fig. 77.]

Fig. 78 (entnommen aus Steinhausen S. 542 a) stellt den Straßburger

Weinmarkt im 17. Jahrhundert dar. Bei den hier sichtbaren Kaikranen

steht das Haus fest und nur der obere Teil des Daches mit dem Ausleger

ist drehbar. Das Tretrad ist im Inneren des feststehenden Hauses

untergebracht. Dieser Aufbau ist wesentlich stabiler als der vorher

dargestellte.

[Illustration: Fig. 78.]

Fig. 79 ist das Bild eines Kaikranes zu Andernach am Rhein, der im

Jahre 1554 erbaut und heute noch in Betrieb ist. Die Konstruktion

stimmt mit derjenigen von Straßburg vollständig überein.

Gleichartige Kaikrane stehen noch in Lüneburg und in Bingen.

Fig. 80 gibt die Einzeldarstellung eines Tretrades, das zum Betrieb

einer Schütze in Augsburg zurzeit noch in Betrieb ist. Der einzige

Nachteil, den es besitzt, ist der große Raumbedarf; vorteilhaft

erscheinen der gute Wirkungsgrad und die Betriebssicherheit.

[Illustration: Fig. 79.]

Dieser Krantyp blieb drei Jahrhunderte hindurch mit wenig Veränderungen

bestehen. Professor Langsdorf aus Heidelberg teilt in einem

umfangreichen Werk über die damaligen technischen Hilfsmittel die

genaue Zeichnung eines Kaikrans von 3 t Tragkraft und 8 m Ausladung

mit, der im Jahre 1768 in Heidelberg aufgestellt wurde. Fig. 81 ist

eine Umzeichnung der etwas undeutlichen Originalzeichnung. Auch hier

ist der Unterbau als feststehendes Haus ausgeführt. Drehbar ist

die Mittelsäule mit dem daran befestigten Ausleger und der oberen

Dachkappe. Zwei Treträder sind im Innern des Hauses rechts und links

von der Mittelsäule angeordnet. Die Drehung des Krans wird durch

Speichen bewirkt, die an der Mittelsäule befestigt sind. Ein Kranz

von Steinen, die aus dem Boden herausragen, dient als Stützpunkt

beim Drehen. Der ganze Kran ist aus Holz ausgeführt unter sparsamer

Verwendung von Schmiedeeisen für Verbindungsklammern, Wellenzapfen und

Bolzen.

Auch die ältere Form mit feststehender Säule und drehbarem Gehäuse

kommt zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch vor. In dem obengenannten

Werk von Langsdorf findet sich die Darstellung eines Kaikrans Fig. 82,

der in Paris um die Zeit von 1828 in Betrieb war. Auch hier ist Holz

das Konstruktionsmaterial.

[Illustration: Fig. 80.]

Die Leistung dieser Tretradkrane war naturgemäß gering, da selbst

bei gleichzeitiger Verwendung von 6 Arbeitern in den Treträdern eine

Gesamtleistung von nur etwa einer halben Pferdestärke zur Verfügung

stand.

Immerhin boten die Treträder die Möglichkeit, 6 Mann, in besonderen

Fällen sogar 8 Mann gleichzeitig angreifen zu lassen; der Antrieb durch

Handkurbeln ist weit weniger geeignet, eine gleichmäßige Kraftäußerung

von mehreren Arbeitern auf die Last zu übertragen. Erst als der ohnehin

beschränkte Raum auf dem Kai immer mehr ausgenutzt werden mußte, machte

das Tretrad der Kurbel Platz. Nicholson berichtet im Jahre 1826 von der

Einführung der Kurbel an Stelle des Tretrades in England.

Über die Entwickelung in Deutschland gibt Poppe in seinem Bericht

über eine von ihm in Belgien und Westfalen ausgeführte Studienreise

(Dinglers Polytechnisches Journal 1838, Bd. 69) wie folgt Aufschluß:

[Illustration: Fig. 81.]

»Seit einigen Jahren kommt der gußeiserne Schiffskran an den

Stapelplätzen des Rheins und Mains immer mehr in Gebrauch und verdrängt

allmählich jene unbehilflichen, Raum einnehmenden Tretradkrane. An den

Kais von Köln sah ich 3 eiserne Krane, in Düsseldorf 2 und in Frankfurt

1 in Tätigkeit; sie kommen aus den Werken von Mühlheim a. Ruhr und

Sterkrade, sind sehr solide, nehmen einen geringen Raum in Anspruch und

werden in der Regel von 4 Mann bedient, wovon 2 das Heben verrichten,

die 2 anderen das Schwenken, Losmachen der Lasten, Bremsen usw.«

[Illustration: Fig. 82.]

Der in diesem Bericht dargestellte Kran (Fig. 83, entnommen aus

Dinglers Journal 1838 Bd. 69, Taf. 2) besitzt eine feststehende

gußeiserne Säule. Der drehbare Teil setzt sich aus zwei gußeisernen

Windenschilden von seltsam barocker Formgebung, aus einer gußeisernen

Druckstrebe und aus zwei schmiedeeisernen Zugstangen zusammen. Er zeigt

in seinem Aufbau zum erstenmal die typische Gestalt, die für Handkrane

bis gegen das Ende des 19. Jahrhunderts hin sich im wesentlichen

erhalten hat, mit geringfügiger Änderung der Einzelheiten. Die

Tragkraft betrug 2,5 t, die Ausladung vom Drehpunkt aus gemessen

4,75 m, die nutzbare Ausladung von Kaimauervorderkante aus gemessen

rund 3,5 m, während der Heidelberger Tretradkran über 2 t Tragkraft

bei 8 m Gesamtausladung und bei 3,5 m nutzbarer Ausladung verfügte. Es

erzielte also der gußeiserne Kran mit einer wesentlich gedrängteren

Anordnung die gleiche Leistung wie der sperrige alte hölzerne Kran.

[Illustration: Fig. 83.]

Aus etwas späterer Zeit -- die Zeichnung findet sich in einem Werk aus

dem Jahre 1845 -- stammt der Kaikran Fig. 84 (entnommen aus Kronauer,

Bd. 1, Taf. 4 und 5), der für zehnfach so große Lasten -- 20 t --

ausgeführt ist. Hier ist zum erstenmal der Grundsatz des Schachtkrans

verwendet, d. h. die Kransäule selbst ist drehbar in einem gemauerten

Schacht gelagert, wobei das Halslager als Rollenlager ausgebildet ist.

Eigenartig und kennzeichnend für die damalige Werkstättentechnik

ist die Wahl und Formgebung des Materials. Die Kransäule ist aus

Gußeisen mit Rippenquerschnitt; Druckstrebe und Zugstangen sind aus

Holz, die Windenschilde aus Gußeisen; Schmiedeeisen ist nur für

Wellen, Schrauben, Kurbeln und Verbindungsanker sparsam verwendet.

Zum Schwenken des Krans ist kein Triebwerk angebracht, es wurde also

wohl durch Zugseile bewirkt, die am Auslegerkopf befestigt waren.

Bemerkenswert ist die hohe Übersetzung der Stirnräder des Hubwerks, die

bei zwei Räderpaaren mit 1 : 9 ausgeführt ist.

[Illustration: Fig. 84.]

Wenige Jahre später -- 1851 -- führte Fairbairn die als Blechträger

gestalteten Ausleger ein. Fig. 85 (entnommen aus Dinglers Journal 1851,

Bd. 121, Taf. 4) zeigt einen als Schachtkran angeordneten Handkran

von 20 t Tragkraft, bei dem Ausleger und Kransäule zu einem einzigen

Blechträger vereinigt sind. Das Halslager ist hier nicht mehr wie bei

dem vorigen Kran mit Zapfenrollen, sondern bereits mit freigehenden

Walzen ausgerüstet, so daß Zapfenreibung vollständig vermieden wird.

Bei der Anwendung von Handbetrieb blieb es bis in die Mitte des 19.

Jahrhunderts, denn eine andere Kraftquelle stand damals nicht zur

Verfügung; für einen Pferdegöpel wäre am Kai nicht der erforderliche

Raum vorhanden gewesen, und an einen Wasserradantrieb war an dieser

Stelle überhaupt nicht zu denken: neue Kaikran-Gestalten traten daher

erst auf, als eine neue Naturkraft so weit in den Dienst des Menschen

gestellt wurde, daß sie dem Kaibetrieb angepaßt werden konnte.

[Illustration: Fig. 85.]

2. 1850 bis 1890: Antrieb durch Dampf und Druckwasser.

Für die Fördermaschinen der Bergwerke war der Dampfbetrieb frühzeitig

zur Verwendung gekommen. Wie bereits berichtet, teilt Severin mit, daß

im Jahre 1826 in Preußen bereits 16 Dampffördermaschinen in Betrieb

waren.

Sehr viel später erfolgte die Einführung der Dampfkraft in den

Kaikranbetrieb. Diese Tatsache wird begreiflich, wenn man sich die

Schwerfälligkeit der damaligen Niederdruckdampfmaschine vor Augen hält,

die für den engen Raum am Kai völlig ungeeignet war.

[Illustration: Fig. 86.]

Der Engländer Colyer berichtet in seinem Werk: »Hydraulic, Steam and

Hand Power Lifting and Pressing Machinery«, daß der erste Dampfkran um

das Jahr 1851 erbaut worden sei, daß Dampfkrane in den Kaibetrieb um

die Zeit von 1863 eingeführt worden seien, und daß selbst im Jahre 1881

Kaikrane mit Dampfbetrieb noch keine sehr große Verbreitung gefunden

hätten.

Über den ersten Dampfkran liegt ein Bericht aus dem Practical Mechanics

Journal vom März 1851 vor, wonach dieser Kran von Neilson ausgeführt

war. Wie Fig. 86 (entnommen aus Dinglers Journal 1851, Bd. 121,

Taf. 4) zeigt, wurde der Dampf aus einer feststehenden Kesselanlage

durch eine unterirdische Dampfleitung in die feststehende hohle

gußeiserne Kransäule geleitet und durch eine Drehstopfbüchse mit

aufeinander geschliffenen Stirnflächen der Rohre in den Kranteil

geleitet. Wie die ersten Dampffördermaschinen, hatte auch der erste

Dampfkran nur einen Zylinder; neben dem Exzenter war ein Handrad

auf die gekröpfte Welle gekeilt, um beim Anlassen von Hand über den

Totpunkt hinweghelfen zu können. Von der Kurbelwelle aus wurde mit

einfacher oder zweifacher Stirnradübersetzung die Kettentrommel

angetrieben, je nachdem das eine oder andere Ritzel eingeschoben

war. Eine Umsteuerung war nicht vorhanden; es wurde also bei dem

Übersetzungswechsel die Kette offenbar in umgekehrtem Drehsinn auf

die Trommel gewickelt. Das Schwenken des Krans wurde von Hand mittels

Zugseilen bewirkt.

Nach einer Mitteilung in dem Werk von Glynn »A rudimentary Treatise

on the Construction of Cranes« ist dieser erste Dampfkran in Dover

aufgestellt worden.

Aus etwas späterer Zeit -- 1860 -- liegt das Werk: »Zeichnungen

von ausgeführten Maschinen« von Prof. Kronauer in Zürich vor. In

diesem ist die genaue Zeichnung eines Dampfkrans Fig. 87 (entnommen

aus Kronauer, 3. Bd., Taf. 30) enthalten, der von Lebrun in Paris

ausgeführt wurde und über eine Tragkraft von 3 t bei 6 m Ausladung

verfügte. Auch hier ist nur ein einziger Dampfzylinder eingebaut, und

zwar in oszillierender Anordnung. Wie in Dover wird der Dampf einer

vorhandenen Kesselanlage entnommen und durch eine Drehstopfbüchse

dem drehbaren Teil des Krans zugeführt; der Kran konnte demgemäß nur

feststehend angeordnet werden. Die Kransäule von I Querschnitt ist aus

Gußeisen, die Druckstrebe aus genietetem Blechrohr, die Zugstange aus

zwei Flacheisen hergestellt. Zur Überwindung der Totpunkte der Kurbel

dient ein Schwungrad. Die Schwenkung des Krans wird von Hand mittels

Zugseilen bewirkt, die am Auslegerkopf angreifen.

* * * * *

Die Technik der Lastenförderung einst und jetzt Eine Studie über die Entwicklung der Hebemaschinen und ihren Einfluß auf Wirtschaftsleben und Kulturgeschichte · 第 6 / 15 段