Die Zahl der bei einem Hub geförderten Wagen ist von 1 allmählich

bis auf 8 gesteigert worden. Ursprünglich stellte man die Wagen

nebeneinander auf das Gerippe, gab dieses Verfahren aber bald auf,

weil es einen sehr großen Schachtquerschnitt erforderte. Dann ging

man dazu über, die Gerippe mit mehreren Stockwerken auszuführen, so

daß die Wagen nicht nebeneinander sondern übereinander stehen. Die

Förderleistung für den Quadratmeter Schachtquerschnitt wird durch

diese Anordnung naturgemäß sehr gesteigert, aber nur dann, wenn

die Wagen aus allen Stockwerken gleichzeitig abgezogen werden, was

viel Hilfsmannschaft verlangt. Zieht man die Wagen nacheinander auf

nur einer Bühne ab, so muß die Fördermaschine das Gerippe mehrmals

einstellen, wodurch die Sturzpause vergrößert, die Leistung also

verkleinert wird.

Neben Steigerung der Nutzlast und Verkleinerung der Sturzpause steht

noch die Erhöhung der Hubgeschwindigkeit als drittes Mittel zur

Vermehrung der Leistung zur Verfügung. Die Geschwindigkeit steigt

von Null allmählich auf einen Höchstwert, behält diesen einige Zeit

bei und sinkt wieder auf Null. Die Durchschnittsgeschwindigkeit

kann nun in zweierlei Weise vergrößert werden: entweder durch

Steigerung der Höchstgeschwindigkeit oder durch schnelleres Ansteigen

der Geschwindigkeit, d. h. durch Erhöhung der Beschleunigung. Die

Höchstgeschwindigkeit ist von 2 sekm zu Beginn des 19. Jahrhunderts

allmählich auf 20 sekm zu Ende des Jahrhunderts gesteigert worden.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit steigt natürlich nicht in gleichem

Verhältnis mit der Höchstgeschwindigkeit, sondern weit langsamer.

Der angegebene Wert von 20 sekm für die Höchstgeschwindigkeit, der eine

sehr starke Maschine erfordert, ist daher wirtschaftlich gerechtfertigt

nur bei großen Teufen von mehr als 800 m.

Die Steigerung der Beschleunigung findet bei Dampfbetrieb sehr bald

eine Grenze, weil das gerade beim Anfahren sehr wechselnde Drehmoment

hinderlich im Wege steht. Ebenfalls niedrig liegt die Grenze bei

Anwendung von Koepescheiben, weil der geringe Reibungsschluß der halben

Umschlingung nur ein begrenztes Drehmoment zuläßt. Dagegen gestattet

der elektrische Betrieb in Verbindung mit einer ganzen Umschlingung

eine wesentliche Steigerung der Beschleunigung bis etwa zu dem Wert von

1 in Geschwindigkeitszunahme in jeder Sekunde, so daß nach 20 Sek. eine

Geschwindigkeit von 20 sekm erreicht werden kann.

Da die Sturzpause etwa ein Drittel bis die Hälfte der Fahrzeit

in Anspruch nimmt, so erscheint als wirksamstes und daher

aussichtsreichstes Mittel die weitere Verkürzung der Sturzpause.

Tatsächlich geht neuerdings das Bestreben dahin, die Sturzpause durch

Einführung selbsttätiger Beladungs- und Entladungseinrichtungen

zu verkürzen. Eine Lösung dieser Aufgabe ergibt sich dadurch,

daß die Wagen durch Maschinenkraft auf das Gerippe hinauf- und

heruntergeschoben werden. Ein anderes Mittel ist die in Südafrika

übliche Anwendung von Kübeln, die aus Trichtern selbsttätig gefüllt und

durch Kippvorrichtungen entleert werden.

* * * * *

Das wichtigste Maschinenelement der Fördermaschine, das Seil, hat im

Laufe der Zeit mannigfache Wandlungen durchgemacht. Auf den Bildern

von Agricola finden wir noch Ketten dargestellt, ebenso auf der Skizze

von Borgnis; für die geringen Teufen und Geschwindigkeiten des 15.

Jahrhunderts, die 100 m bzw. 1 sekm wohl kaum überschritten haben,

reichten Ketten noch aus. Darüber hinaus sind sie nicht mehr anwendbar,

weil das Eigengewicht der Ketten im Verhältnis zu ihrer Tragfähigkeit

außerordentlich groß ist.

In Fig. 42 ist das Verhältnis Eigengewicht/(Angehängte Last) für

verschiedene Teufen zunächst für Ketten aufgetragen. Man sieht, daß

bei siebenfacher Sicherheit und bei 150 m Teufe das Eigengewicht

bereits größer als die getragene Last wird, und daß bei 200 m Teufe das

Eigengewicht schon auf das Zweieinhalbfache der Last steigt. Bei 280 m

Teufe würde das Eigengewicht unendlich groß werden.

Außerdem haben Ketten den Nachteil, daß sie sehr unelastisch sind, und

daß man nicht erkennen kann, ob die Kette Schweißfehler besitzt und ob

sie durch die unvermeidlichen Stöße hart und spröde geworden ist. Aus

diesen Gründen sind Ketten sehr betriebsunsicher. Für Geschwindigkeiten

von mehr als 1 sekm sind sie überhaupt nicht verwendbar.

Man ist daher sehr bald zur Verwendung von Hanfseilen übergegangen,

wie sie auf den Zeichnungen von Langsdorf sichtbar sind. Da ihr

Eigengewicht sehr gering ist, so sind mit Hanfseilen wesentlich

größere Teufen erreichbar; wie aus Fig. 42 ersichtlich ist, würde bei

achtfacher Sicherheit die Grenzteufe, d. h. die Teufe, bei der das

Eigengewicht unendlich groß wird, erst bei 850 m liegen.

Wesentlich günstiger als Hanfseile sind Aloëseile, d. h. Seile,

die aus den Fasern der Agave hergestellt werden. Hanfseile müssen

geteert werden, um der in Schächten stets vorhandenen Feuchtigkeit zu

widerstehen, werden dadurch aber schwerer, weniger biegsam und minder

tragfähig. Ungeteerte Aloëseile hingegen nehmen in feuchtem Zustande

an Festigkeit zu, sind leicht und biegsam. Ihre Grenzteufe beträgt bei

siebenfacher Sicherheit 1700 m. In der Regel werden sie nur bis zu

300 m Teufe mit gleichbleibendem Querschnitt, für größere Teufen mit

nach unten verjüngtem Querschnitt dargestellt, wodurch sie bei gleicher

Tragfähigkeit leichter werden. Die Grenzteufe von verjüngten Seilen ist

daher wesentlich größer. Aus dem Jahre 1838 stammt eine Mitteilung

in Dinglers Journal, wonach um diese Zeit bereits Aloëbandseile in

den Kohlengruben des Herrn Braconier bei Lüttich in Betrieb waren. In

Belgien wird heutzutage noch größtenteils mit Aloëflachseilen gefördert.

[Illustration: Fig. 42.]

Versuche mit Drahtseilen wurden zuerst vom Oberbergrat Albert im Jahre

1834 (nach O. Hoppe) in den tiefen Schächten des Oberharzer Bergbaues

gemacht. Die ersten Seile waren aus wenigen und sehr dicken Drähten (3

Litzen aus je 4 Drähten von mehr als 3 mm Stärke) von weichem Eisen

(6000 kg-qcm Bruchfestigkeit) hergestellt, und zwar ohne Hanfseele. Sie

waren daher nur in geringem Grade biegsam.

In den rund 300 m tiefen Schächten von Falun in Schweden wurde der

erste Versuch mit Drahtseilen in der Stora-Kopparbergsgrube im Jahre

1835 gemacht, nachdem die Kunde von den Versuchen im Harz dorthin

gelangt war. Auch dort wurden zuerst Seile aus weichem Eisendraht von

über 3 mm Stärke verwendet.

Aus dem Jahre 1845 liegt bereits ein Bericht vor (Dinglers Journal,

Bd. 95, S. 72), wonach um diese Zeit Drahtseile mit Hanfseelen in

Deutschland und England bereits vielfache Verbreitung gefunden haben.

Bis zu Ende der 60er Jahre behielt man den weichen Eisendraht von

6000 kg-qcm Bruchfestigkeit bei, stellte aber die Seile aus einer

größeren Zahl dünnerer Drähte her (6 Litzen aus je 6 Drähten von 1-2

mm Stärke). In der von Redtenbacher im Jahre 1865 mitgeteilten Tabelle

finden wir bereits die Drahtseile in überwiegender Anzahl gegenüber den

Hanfseilen.

Um das Jahr 1867 (nach Hraback) gelang es der Firma Felten & Guilleaume

in Köln, Drahtseile aus Tiegelgußstahl herzustellen, die eine

doppelt so große Festigkeit besaßen als die Eisenseile (12000 kg-qcm

Bruchfestigkeit).

In neuester Zeit ist es gelungen, durchaus betriebssichere Förderseile

aus Extrastahldraht bis zu 18000 kg-qcm Bruchfestigkeit herzustellen

und mit solchen Seilen aus Teufen bis 1800 m zu fördern.

Aus Fig. 42 ist deutlich zu entnehmen, daß mit festerem Seilmaterial

wesentlich größere Teufen erreicht werden können. Verwendet man

Stahldraht von 120 kg-qmm Bruchfestigkeit mit achtfacher Sicherheit,

also mit einer Beanspruchung von 12000/8 = 1500 kg-qcm, so wird die

Grenzteufe 1500 m; für Stahl von 180 kg-qmm Bruchfestigkeit und für

neunfache Sicherheit, also für eine Beanspruchung von 18000/9 =

2000 kg-qcm wird die Grenzteufe 2000 m.

Hierbei war vorausgesetzt, daß die Seile mit gleichem Querschnitt über

die ganze Länge ausgeführt wurden. Bei Anwendung von Trommeln können

die Seile mit nach unten verjüngtem Querschnitt hergestellt werden. Bei

gleicher Tragfähigkeit werden die Seile dann entsprechend leichter. Die

Meinungen über die Berechtigung dieser Konstruktion sind noch geteilt,

da der Einfluß der Schwingungen des Seils auf die Beanspruchung noch

nicht genügend geklärt ist. Ausführungen von verjüngten Drahtseilen

liegen bislang nur in geringer Zahl vor. Bestätigt längere Erfahrung

ihre Anwendbarkeit, so gestatten sie die Erreichung von wesentlich

größeren Teufen.

Für die Entscheidung dieser Frage sind noch die Betriebsergebnisse der

elektrischen Fördermaschinen hinsichtlich der Drahtseile abzuwarten.

Es ist zu vermuten, daß die Lebensdauer der Seile eine größere sein

wird, weil einmal die durch das periodisch wechselnde Drehmoment

hervorgerufenen Schwingungen wegfallen, und weil das Stauchen des Seils

beim Anhalten infolge sanfteren Einfahrens vermieden wird. Es ist daher

möglich, daß den verjüngten Seilen in Verbindung mit Spiralkörben, die

unmittelbar mit den Ankern der Elektromotoren zusammengebaut sind, für

größere Teufen die Zukunft gehören wird.

Ein kennzeichnendes Bild über die Entwicklung der Schachtförderseile

gibt die Statistik des Oberbergamtsbezirks Dortmund, die in Fig.

43 graphisch dargestellt ist. Im Jahre 1872 waren hauptsächlich

eiserne Seile in Gebrauch; auch Aloëseile wurden damals noch vielfach

verwendet, während Stahlseile noch wenig vertreten waren. Die Zahl der

Seilbrüche war damals im Verhältnis zur Zahl der überhaupt abgelegten

Seile sehr groß. Vom Jahre 1877 an verschwanden die Hanfseile, von 1884

an die Aloëseile und von 1896 an die Eisenseile. Von da an finden sich

nur noch Stahlseile, und zwar überwiegen weitaus die Rundseile über die

Bandseile. Die Zahl der Seilbrüche nimmt fortwährend ab; namentlich

das Verhältnis der gebrochenen zu den abgelegten Seilen wird immer

günstiger. Das Schaubild ist somit ein ausgezeichnetes Zeugnis für die

rasche Entwicklung der Seilindustrie.

* * * * *

Eine durchgreifende Wandlung hat sich im Laufe der Entwicklung

hinsichtlich des Baumaterials und der Herstellung der Fördermaschinen

vollzogen.

Die Göpel- und Wasserrad-Fördermaschinen vom 15. bis zum Beginn

des 19. Jahrhunderts waren in fast allen ihren Teilen aus Holz

ausgeführt; Schmiedeeisen wurde nur zu Klammern und Zapfen verwendet,

Gußeisen kam überhaupt nicht vor. Die Maschinen wurden nicht in einer

Maschinenfabrik sondern an der Baustelle hergestellt und lediglich

örtlichen Verhältnissen angepaßt. Die primitive Formgebung entsprach

den rohen Herstellungsmitteln.

[Illustration: Fig. 43.]

Bei den Dampffördermaschinen verschwand bald Holz vollständig, Gußeisen

wurde in großem Umfang verwendet. Die Herstellung wurde in die

Maschinenfabrik verlegt.

Die Formgebung wurde eine sehr vollkommene: sie entsprach nicht nur

der Herstellung und dem allgemeinen Gebrauchszweck, sondern sie ging

im einzelnen auch darauf aus, die Instandhaltung und Reinhaltung der

Maschine möglichst zu erleichtern, wodurch die Maschinen ein sauberes

und demgemäß elegantes Aussehen gewannen.

Aber noch war jede Maschine eine Einzelkonstruktion, für die höchstens

einzelne vorhandene Modelle von Zylindern u. dgl. verwendet wurden, die

im übrigen aber meist für jeden Einzelfall besonders entworfen wurde

unter weitgehendster Berücksichtigung der Sonderwünsche des Bestellers.

Manche Bergbaureviere hatten geradezu ihren Sondertyp.

Kennzeichnend für diese Maschinen war auch, daß viele Teile, namentlich

die Bremsteile, die Steuerungsteile, die Sicherungselemente nicht starr

mit der Maschine verbunden waren, sondern für sich auf das Fundament

geschraubt wurden. Es war daher nicht möglich, die Maschine in der

Fabrik vollständig zu montieren; es blieb vielmehr dem Monteur an der

Baustelle ein großer Teil der Anpaßarbeit und der Verantwortung.

Dabei blieb es bis zur Einführung des elektrischen Betriebes.

Bei diesem tritt das Bestreben in den Vordergrund, Walzeisen in

umfangreichstem Maße zu verwenden, nicht nur für die Seilscheiben und

Trommeln, sondern auch für die Lagerrahmen der Maschine. Der Einfluß

der Elektrotechnik macht sich auch bereits in dem Bestreben bemerkbar,

eine Normalisierung der Maschinen herbeizuführen, d. h. die Maschine

nicht mehr für jeden Einzelfall besonders zu entwerfen, sondern sie

nach Normen mit modernen Herstellungsmethoden zu bauen und dadurch

an Herstellungskosten zu sparen, genauere Arbeit zu erzielen und

geringere Lieferzeiten zu ermöglichen. Dieses Bestreben macht sich

namentlich in den Einzelheiten bemerkbar: Steuerstand, Teufenzeiger und

Bremsen erhalten typische Gestalt. Die Maschine wird von vornherein

so entworfen, daß sie allen örtlichen Verschiedenheiten gerecht wird,

so daß eine Anpassung für jede Einzelausführung entbehrlich wird.

Sondertypen für Reviere sind bei dem heutigen Aktionsradius der großen

Werke unmöglich. Neuerdings macht sich auch das Bestreben bemerkbar,

die Fördermaschine ebenso wie andere durchgebildete Maschinen als in

sich geschlossene Maschinen zu bauen, d. h. Einzelteile zu vermeiden,

die für sich auf das Fundament geschraubt werden müssen. Zweck dieser

Bestrebung ist Verlegung aller Anpaßarbeit in die Maschinenfabrik,

wo sie viel genauer und billiger hergestellt und sicherer geprüft

werden kann als auf der Baustelle. Die Formgebung strebt äußerste

Zweckmäßigkeit in Herstellung und Gebrauch sowie möglichst ruhige und

übersichtliche Erscheinung an.

In jüngster Zeit sind mehrfache Vorschläge gemacht worden, die

Förderung dadurch leistungsfähiger zu gestalten, daß zahlreiche,

stetig bewegte Fördergefäße angewendet werden. Dies wäre erreichbar

entweder durch Becherwerke oder durch Kletteraufzüge. Diese Vorschläge

sehen verlockend aus, führen in der Einzelkonstruktion aber auf

zahlreiche Schwierigkeiten; zu einer Ausführung ist es bisher nie

gekommen.

* * * * *

Der wirtschaftliche Einfluß der Fördermaschine auf den Bergbaubetrieb

ergibt sich am deutlichsten, wenn man die Göpelmaschine aus dem

Jahre 1500 mit der Elektrofördermaschine aus dem Jahre 1903

vergleicht hinsichtlich ihrer Abmessungen, Leistungen, Anlagekosten

und Betriebskosten. Dieser Vergleich ergibt sich aus folgender

Gegenüberstellung:

Göpelförder- Elektroförder-

maschine maschine

1800 1903

Teufe 200 m 560 m

Nutzlast 550 kg 2200 kg

Höchstgeschwindigkeit 0,27 sekm 16 sekm

Höchste Leistung im Schacht gemessen 2 PS 470 PS

Höchste Leistung an der Welle gemessen 3 PS ca. 1000 PS

Stündliche Lieferung 2,2 t 132 t

Anlagekosten der Fördermaschine 4000 M. 300000 M.

Gesamtbetriebskosten der Fördermaschine

für die Tonne geförderte Kohle 0,25 M. 0,08 M.

Gesamtbetriebskosten für die

Kilometer-Tonne 1,25 M. 0,14 M.

Verkaufspreis für die Tonne Kohle 34 M. 15 M.

Die Leistungsfähigkeit eines Bergwerks ist stets begrenzt durch die

Leistung der Fördermaschine, es ist also die Fördermaschine das

entscheidende Lebenselement für den Bergbaubetrieb. Die Schächte mit

ihren Fördermaschinen haben für das Bergwerk dieselbe Bedeutung wie

die Arterien und das Herz für den animalischen Körper. Bei größeren

Teufen machen die Gesamtförderkosten, bestehend aus den Betriebskosten

der Fördermaschine, aus den Besitzkosten des Schachtes und seines

Zubehörs und aus den Kosten für die Wasserhebung, den Hauptanteil der

Gestehungskosten der Kohle aus; man bezeichnet als »abbauwürdige Teufe«

diejenige, bei der die Förderkosten im Verhältnis zu den Gesamtkosten

noch nicht Übermäßig sind. Jede Vervollkommnung der Fördermaschinen in

bezug auf die Gesamtförderkosten ist daher von unmittelbarer Bedeutung

für den Verkaufspreis der Kohle.

Wenn man anderseits bedenkt, daß unsere gesamte moderne wirtschaftliche

Entwicklung, und damit mittelbar die geistige auf der Ausnutzung der in

der Kohle aufgespeicherten Sonnenenergie früherer Jahrtausende beruht,

so wird die Bedeutung der Fördermaschine für die Volkswirtschaft

deutlich sichtbar.

Im Jahre 1900 wurden in Deutschland insgesamt 149000 t gefördert. Würde

die durchschnittliche Teufe, aus der diese Kohlen gefördert werden,

500 m betragen haben, so würde unter Annahme von 6000 Förderstunden im

Jahre hierzu dies einer Arbeitsleistung entsprechen von

(149788000000 kg × 500 m)/(6000 Std. × 3600 Sek. × 75) = 46250 PS.

Unter Voraussetzung von täglich 8 Arbeitsstunden würden für diese

Leistung rd. 150000 Pferde oder rd. 1500000 Menschen, also rd. ein

Vierzigstel der Gesamtbevölkerung Deutschlands erforderlich gewesen

sein.

[Illustration]

[Illustration]

B.

Die Hebemaschinen im Hüttenwerk.

Die ersten Kulturstufen der Menschheit wurden nach dem Material,

dessen Bearbeitung man damals verstand, als Steinzeit, Bronzezeit und

Eisenzeit bezeichnet, weil sinnfällig mit dem vollkommenen Material

auch die Kulturstufe eine höhere wurde. Im Grunde genommen gilt für das

19. Jahrhundert das Gleiche, wenn auch nur wenige sich dessen bewußt

sind. Man könnte unbedenklich dieses Jahrhundert als das Zeitalter der

Kohle und des Stahls bezeichnen; denn die Kohle bot dem 19. Jahrhundert

die für seine Entwickelung kennzeichnende Maschinenkraft, und der Stahl

bildete den unentbehrlichen Baustoff für die Maschinen, Eisenbahnen,

Brücken, Dampfschiffe, Waffen und Werkzeuge dieses Jahrhunderts.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts unterschied sich die Gewinnung des

Eisens noch wenig von dem Verfahren der Zeit um 1500: Hochöfen

von geringen Abmessungen und primitivster Ausrüstung erzeugten

das Roheisen; die Stahlbereitung besorgten zum größten Teil noch

Herdfrischen, die nur mit kostspieligen Holzkohlen betrieben werden

können; die Stahlerzeugung mit Steinkohlen in Puddelöfen wurde erst

1784 von Henry Cort erfunden. Für die Bearbeitung des schmiedbaren

Eisens stand nur der einfache, vom Wasserrad getriebene Schwanzhammer

zur Verfügung. Die sonstigen maschinentechnischen Hilfsmittel

beschränkten sich auf Blasebälge und primitive Zylindergebläse, die

ebenfalls durch Wasserräder betrieben wurden; die Hebemaschinen

der damaligen Zeit bestanden aus Gichtaufzügen und aus Drehkranen

allereinfachster Art.

Im 19. Jahrhundert tritt eine vollständige Umwandlung der

Eisenerzeugung ein; der Hochofen nimmt in seinen Abmessungen

fortwährend zu und wird vollkommener ausgerüstet; die Stahlerzeugung

erhält durch die Einführung des Flußstahls an Stelle des Schweißstahls

eine ungeahnte Ausdehnung; an Stelle des Schwanzhammers tritt das

Walzwerk. Eine Fülle der verschiedenartigsten Hebemaschinen wird

geschaffen, die allen Besonderheiten des Hüttenbetriebes angepaßt

sind. All das zusammen führt zu einer gewaltigen Entwicklung der

Eisenerzeugung, die in nachstehenden Zahlen ihren Ausdruck findet:

Roheisenerzeugung Roheisenerzeugung Anteil

der Erde Deutschlands Deutschlands

im Jahre 1807 760000 t 25000 t 1/30

im Jahre 1899 40611000 t 9521000 t 1/5

Während also die Roheisenerzeugung der Erde im 19. Jahrhundert auf das

50fache gestiegen ist, ist in derselben Zeit der Anteil Deutschlands

auf das mehr als 300fache gewachsen: die glänzende wirtschaftliche

Entwicklung Deutschlands in diesem Jahrhundert findet in diesen Zahlen

einen beredten Ausdruck.

Die Bedeutung des Eisens für den Volkshaushalt ergibt sich aus der

Tatsache, daß der Verbrauch an Eisen auf den Kopf der Bevölkerung in

Deutschland

im Jahre 1861 25 kg

im Jahre 1900 132 kg

betragen hat.

Mit dieser Ausdehnung der Eisenerzeugung geht eine Entwickelung

ihrer Hebemaschinen Hand in Hand, die so vielgestaltig ist, daß eine

Gliederung, entsprechend den einzelnen Stufen der Eisenerzeugung --

Hochofen -- Stahlwerk -- Walzwerk -- Verladung -- erforderlich ist.

a) Die Hebemaschinen des Hochofens.

Aus der Zeit von 1500 bis 1800 sind uns keine Nachrichten über die

damals gebräuchlichen Hilfsmittel bekannt. Da die Hochöfen jener Zeit

in Gebirgsgegenden lagen, so bot sich als einfachstes Mittel die Anlage

des Hochofens an einem Berghang, so daß die Erze aus dem Stollen über

eine Brücke unmittelbar zur Gicht gefahren werden konnten, wie es heute

noch bei Kalköfen gebräuchlich ist.

1. 1803 bis 1900: Antrieb durch Druckluft und Dampf.

Das Bild der St. Antonihütte -- dem Anfang der heutigen

Gutehoffnungshütte -- aus dem Jahre 1835 (Fig. 44, entnommen aus

Frölich »Die Werke der Gutehoffnungshütte«) zeigt uns die typische

Erscheinung eines Hochofens aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Die

Abmessungen sind sehr bescheidene, die Höhe des Hochofens beträgt etwa

10 m. Aus dem Bild ist ersichtlich, daß der Ofen mit einem Gichtaufzug

ausgerüstet ist.

[Illustration: Fig. 44.]

Es lag nahe, für den Betrieb der Gichtaufzüge die stets vorhandene

Gebläseluft zu benutzen.

Fig. 45 (entnommen aus Hülße »Enzyklopädie« 1. Bd.) stellt einen

derartigen mit Luftdruck betriebenen Gichtaufzug dar, der zu Chatlinot

im Jahre 1839 in Betrieb war und in den Einzelheiten bereits eine gute

Durchbildung erkennen läßt.

Diese Druckluftaufzüge fanden sowohl in Europa wie in den Vereinigten

Staaten große Verbreitung. Sie waren sehr leistungsfähig, ließen aber

hinsichtlich der Betriebskosten und der Betriebssicherheit zu wünschen

übrig.

Als die Dampfmaschine in ihrer Steuerfähigkeit hinreichend

durchgebildet war, um für schnellgehende Gichtaufzüge die

erforderliche Sicherheit zu bieten, trat sie allenthalben an Stelle

der Druckluftaufzüge, denen sie an Leistungsfähigkeit gleichkam, an

Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit überlegen war.

Mit der zunehmenden Höhe der Hochöfen -- die bis zu 40 m stieg -- nahm

auch die Hubgeschwindigkeit der Gichtaufzüge zu, bis zu 2 sekm. Eine

weitere Steigerung der Geschwindigkeit würde die Leistungsfähigkeit so

verschwindend wenig steigern, daß sie zwecklos wäre.

Dagegen trat bald das Bedürfnis nach einer Vervollkommnung in anderer

Hinsicht auf. Die einfachen Gichtaufzüge förderten lediglich die

gefüllten Beschickungswagen bis an die Gicht, während das Abziehen

der Wagen von dem Aufzuggerippe bis an die Gicht und das Entleeren

der Wagen von Hand geschehen mußte. Diese Arbeit erforderte eine

beträchtliche Zahl von Arbeitskräften und war wegen der ausströmenden

Gichtgase zudem mit Gefahr verbunden. In den Vereinigten Staaten machte

sich zuerst das Bestreben geltend, die Gichtaufzüge so zu gestalten,

daß die Beschickungswagen selbsttätig in die Gicht entleert werden,

so daß auf der Gicht keinerlei Bedienungsmannschaft gebraucht wird.

Gleichzeitig ging man dazu über, die Dampfmaschine des Aufzuges durch

den steuerfähigeren und sparsameren Elektromotor zu ersetzen.

[Illustration: Fig. 45.]

2. Von 1900 an: Elektrischer Betrieb.

Fig. 46 und 47 stellen einen sogenannten Schrägaufzug nach

amerikanischer Bauart vor.

Die Schräglage des Aufzuggerüstes gewährt den Vorteil, daß der

Beschickungswagen unmittelbar über die Gicht gelangt. Durch

geeignete Gestaltung der Führungsschienen ist dafür gesorgt, daß

der Wagen umkippt, sobald er in seine höchste Stellung gelangt ist.

Neuerdings hat man zu weiterer Vereinfachung der Bedienung den Aufzug

so gestaltet, daß in dem Augenblick des Umkippens gleichzeitig der

Gichtverschluß selbsttätig geöffnet wird, so daß eine besondere

Steuerung des letzteren nicht erforderlich ist. Fig. 48 zeigt eine

derartige Ausführung der Firma Pohlig in Köln.

Die Schräglage des Aufzuges ist nicht unbedingt erforderlich; sie kann

ersetzt werden durch ein Gerüst, welches vom Boden an zunächst lotrecht

aufsteigt und dann in schlanker Krümmung über die Gicht führt. Diese

Anordnung gewährt den Vorteil, daß sie eine geringere Grundfläche

benötigt als der Schrägaufzug.

[Illustration: Fig. 46.]

[Illustration: Fig. 47.]

Der erzielte Fortschritt ergibt sich aus folgenden Vergleichswerten:

Druckluftaufzug Elektrischer Schräg-

mit Entleerung aufzug mit selbst-

von Hand tätiger Entleerung

1839 1900

Hubhöhe 12 m 40 m

Nutzlast 200 kg 4000 kg

Hubgeschwindigkeit 1 sekm 1 sekm

Leistung, am Seil gemessen 3 PS 50 PS

Stündliche Förderung 2 t 80 t

Bedienungsmannschaft 7 Mann 3 Mann

Stündlich erzeugtes Roheisen 0,4 t 40 t

Verkaufspreis von 1 t Roheisen 160 M. 60 M.

b) Die Hebemaschinen des Stahlwerks.

Die Technik der Lastenförderung einst und jetzt Eine Studie über die Entwicklung der Hebemaschinen und ihren Einfluß auf Wirtschaftsleben und Kulturgeschichte · 第 4 / 15 段