Alle diese Bestrebungen bezweckten in erster Linie, die

Dampffördermaschine leichter, steuerfähiger und betriebssicherer

zu gestalten. Gleichzeitig hatten sie aber das Ziel, den im

Verhältnis zu Betriebsdampfmaschinen ungeheuer großen Dampfverbrauch

der Fördermaschinen zu vermindern. Der eingeschlagene Weg, den

Dampfverbrauch durch Vermeidung allzu sprunghafter Belastungsänderungen

zu verringern, war zweifellos grundsätzlich richtig und führte auch

zu einem gewissen Erfolg. Aber er konnte nichts daran ändern, daß

bei dem Anfahren der Maschine der heiße Dampf in die kalt gewordenen

Zylinder stürzt und zum großen Teil kondensiert; ferner war es nicht

möglich, zu wirtschaftlichen kleinen Füllungen überzugehen, weil

andernfalls das Drehmoment allzu veränderlich und infolgedessen die

Geschwindigkeitsschwankungen während einer Umdrehung allzu heftig

wurden.

Man hatte schließlich versucht, die ungünstigen thermischen

Verhältnisse dadurch zu verbessern, daß man die Verbundwirkung

zur Anwendung brachte. Zunächst versuchte man eine zweizylindrige

Anordnung, bei der ganz wie bei der Zwillingsmaschine der

Hochdruckzylinder auf die eine Kurbel und der Niederdruckzylinder auf

die andere Kurbel wirkte. Das Anfahren war bei dieser Anordnung so

schwierig, daß dieses System bald wieder aufgegeben wurde.

Dann versuchte man eine vierzylindrige Anordnung, bei der auf jede

der beiden Kurbeln ein Hochdruckzylinder und ein Niederdruckzylinder

hintereinander liegend arbeiteten, also eine Zwillingsmaschine, die

durch zwei angekuppelte Niederdruckzylinder ergänzt war. Dieses System

erwies sich als steuerfähig, führte aber naturgemäß zu einer sehr

verwickelten Maschine mit zahlreichen Organen. Es kam daher dieses

System nur für sehr große Teufen vereinzelt zur Anwendung. Man kam

zuletzt dazu, den großen Dampfverbrauch als ein notwendiges Übel zu

betrachten: die einfache Zwillingsmaschine blieb der Normaltyp.

Die stetige Erweiterung des Bergbaubetriebes führte zu immer größeren

Abmessungen und Geschwindigkeiten der Fördermaschine. Man war

schließlich dazu gekommen, bis zu acht Wagen gleichzeitig zu fördern

und hatte zuletzt die Fördergeschwindigkeit bei sehr großen Teufen bis

zu 20 sekm gesteigert. Die größte bisher angeführte Fördermaschine, die

in Fig. 33 bereits dargestellte Maschine der Tamarack-Mining Co. am

Oberen See, arbeitet mit einer vierzylindrigen Zwillingsmaschine von

insgesamt 5000 PS und fördert bei jedem Hub 6000 kg Nutzlast aus 1800 m

Teufe mit 20 sekm Höchstgeschwindigkeit.

Die zunehmenden Abmessungen sowohl wie die gesteigerten

Geschwindigkeiten stellten an den Steuermann immer größere Ansprüche.

Man mußte bereits dazu übergehen, die Steuerung durch einen

Dampfvorspannzylinder zu bewegen, um dem Steuermann die Arbeit zu

erleichtern; selbst das Absperrventil wurde bei sehr großen Maschinen

mit Dampfvorspann betätigt. Infolge der schwierigen Steuerung kam es

immer häufiger vor, daß der Maschinenführer es versäumte, rechtzeitig

abzustellen, und daß infolgedessen das Gerippe mit solcher Wucht über

die Hängebank hinaus gegen die Seilscheiben fuhr, daß Seilbrüche und

Zertrümmerungen die Folge waren. Bei Menschenförderungen führten

derartige Zufälle wiederholt zu schweren Unglücksfällen.

Zahlreich waren die Vorschläge für Sicherheitsvorkehrungen, die nun

auftauchten. Nach vielerlei mehr oder weniger mißglückten Versuchen

glaubte man das Übel an der Wurzel fassen zu können durch Einführung

sog. Retardierapparate, d. h. Einrichtungen, welche selbsttätig und

rechtzeitig die Geschwindigkeit der Maschine so weit verzögern, daß

die Hängebank nur um ein Geringes überfahren wird. Die Absicht ist

durchaus richtig; die Ausführung scheitert aber an dem Umstand, daß die

Geschwindigkeit einer Dampffördermaschine keineswegs von der Stellung

des Steuerhebels allein abhängig ist, sondern außerdem auch noch von

der Größe der Belastung und von der Kurbelstellung. Der selbsttätige

Eingriff muß sich daher auf Absperrung des Dampfes und auf plötzliches

Anziehen der Bremse beschränken. Es kann demnach keine wirkliche

Verzögerung, sondern nur ein mehr oder weniger ruckweises Anhalten

eintreten; man wird sich daher hüten, diese Vorkehrung im normalen

Betriebe wirken zu lassen. Außerdem sind diese Apparate sehr verwickelt

und unübersichtlich; erfahrungsgemäß haben sie nur selten genutzt, in

einzelnen Fällen sogar geschadet.

Diese Erfahrungen lassen, zusammengefaßt, erkennen, daß der

Dampfbetrieb für geringe Teufen zwar einfach ist, für große Teufen

aber zu recht verwickelten und betriebsunsicheren Maschinen führt. Ein

schlagendes Bild hierfür zeigten die Fördermaschinen der Düsseldorfer

Ausstellung vom Jahre 1902. Von den beiden Dampffördermaschinen

für große Teufen war die eine nach dem Tandem-Zwillingssystem

gebaut und besaß dementsprechend 4 Dampfzylinder mit 16 Ventilen

und 24 Stopfbüchsen, die andere war als Verbundmaschine mit

Kunstkreuzübertragung ausgeführt und war mit 8 festen Lagern und 12

Zapfenlagern im Kurbeltriebwerk ausgerüstet; beide hatten außerdem

Dampfvorspann für die Umsteuerung. Diese Maschinen waren in ihrer

Einzelkonstruktion und ihrer Werkstättenausführung zweifellos

bewundernswert; als Ganzes genommen aber waren sie drastische Zeugnisse

dafür, daß die Technik hier in eine Sackgasse geraten war.

3. Von 1900 an: Antrieb durch elektrischen Strom.

In jener Zeit waren bereits Versuche gemacht worden, die

Wirtschaftlichkeit des Förderbetriebes dadurch zu verbessern, daß man

die Fördermaschine nicht durch eine gesonderte Dampfmaschine betrieb,

sondern daß man sie durch elektrische Übertragung an die wirtschaftlich

arbeitenden Zentral-Dampfdynamos des Bergwerks anschloß.

Versuche dieser Art wurden gleichfalls in der Düsseldorfer Ausstellung

im Leerlauf vorgeführt und ließen erkennen, daß eine brauchbare Lösung

damals zwar im Werden, aber noch nicht reif war.

Schwierigkeiten lagen in zwei Richtungen vor: in der Steuerung der

Fördermaschine selbst und in der Rückwirkung auf das Kraftwerk.

Für die Steuerung der Fördermaschine war die sonst für Elektromotoren

übliche Anlaßmethode mit Vorschaltwiderstand von vornherein

unbrauchbar. Ein Versuch dieser Art führte zu einem Ungeheuer

von Anlasser, das für den Bergwerksbetrieb nie geeignet gewesen

wäre. Bei dieser Anlaßmethode wird der Fördermaschine die für den

Anlauf erforderliche niedrige Spannung dadurch zugeführt, daß

der überschüssige Teil der Netzspannung in einem Anlaßwiderstand

abgedrosselt wird. Die Kontakte des Steuerapparates müssen daher den

Hauptstrom führen, d. h. Ströme von 2000 bis 4000 Amp. schließen und

unterbrechen.

Diese Schwierigkeit war grundsätzlich nur dadurch zu beheben, daß

man Unterbrechungen des Hauptstroms während des Anfahrens überhaupt

vermied. Nach einem von Leonard schon früher für andere Zwecke

gemachten Vorschlag ging man dazu über, die Fördermaschine nicht

unmittelbar aus dem Netz mit Strom zu versorgen, sondern sie von

einer besonderen Dynamomaschine aus zu speisen, die ihrerseits durch

einen an das Netz geschalteten Elektromotor getrieben wurde. Dadurch

wurde freilich eine mehrfache Umwandlung der Energie erforderlich:

die Dampfdynamo des Kraftwerks muß zunächst die Wärme-Energie in

mechanische Energie und von dieser in elektrische Energie von

konstanter Spannung verwandeln. Letztere wird durch das Leitungsnetz

dem Anlaßumformer zugeführt, der seinerseits die elektrische Energie

von konstanter Spannung zunächst in mechanische Energie zurück

verwandelt und aus dieser in elektrische Energie von veränderlicher

Spannung umsetzt. Diese erst wird dem Elektromotor der Fördermaschine

zugeführt und von diesem schließlich in die für die Förderung

erforderliche mechanische Energie umgewandelt. Naturgemäß entsteht bei

jeder dieser vier Umsetzungen ein Verlust; der hohe Wirkungsgrad der

elektrischen Maschinen gestaltet indessen den Gesamtverlust zu einem

verhältnismäßig geringen. Der große Vorteil, der durch diese in der

Theorie verwickelte, in der praktischen Ausführung einfache Anordnung

entsteht, ist darin zu finden, daß der Hauptstrom während des Betriebes

nicht unterbrochen wird; die Regelung wird lediglich durch Veränderung

der Feldstärke des Umformers herbeigeführt, der Steuerapparat hat daher

nur Ströme zu unterbrechen, die einige Hundertstel des Hauptstroms

betragen.

Die zweite Schwierigkeit bot die Rückwirkung auf das Kraftwerk.

Bei der Dampffördermaschine wird die große während des Anfahrens

erforderliche Energie einfach dem stets vorhandenen Dampfvorrat des

Dampfkessels entnommen, es werden also andere Maschinen nicht in

Mitleidenschaft gezogen. Anders bei der elektrischen Fördermaschine.

Diese würde den großen Anlaufstrom dem Kraftwerk entnehmen, es

müßten daher die Dampfdynamomaschinen den ganzen Stoß aushalten,

so daß als Kraftspeicher wieder der Dampfvorrat der Kesselanlage

herhalten müßte. Bei solch stoßweisem Betrieb würde das Kraftwerk sehr

unwirtschaftlich arbeiten und störende Spannungsschwankungen im ganzen

Netz hervorrufen. Nur dann, wenn ein sehr großes Kraftwerk eine große

Zahl von stetig laufenden Elektromotoren zu versorgen hätte, würde eine

mitangeschlossene Fördermaschine ohne Störungen betrieben werden können.

Ein Mittel, um die Belastungsschwankungen von den Dampfdynamos

fernzuhalten, würde in der Einschaltung einer Pufferbatterie bestehen,

wie sie in den Kraftwerken der Straßenbahnen verwendet werden. Dieses

Mittel würde bei den großen Stromstärken aber ein sehr kostspieliges

sein und würde außerdem nur bei Gleichstromzentralen anwendbar sein.

Für Bergwerke kann der großen Entfernungen wegen aber in der Regel nur

Drehstrom verwendet werden.

Ein weit einfacheres Mittel ergab die von Ilgner vorgeschlagene

Anwendung eines Schwungrades, welches auf die Welle des Anlaßumformers

gekeilt wird -- Fig. 39. Während der Förderpausen wird vom Motor

des Umformers mechanische Energie in das Schwungrad geleitet, d.

h. die Umlaufzahl des Schwungrades allmählich erhöht. Sobald die

Fördermaschine anfährt, entnimmt sie durch Vermittlung der Dynamo

des Umformers mechanische Energie aus dem Schwungrad, wodurch

die Umlaufzahl des Schwungrades sich allmählich vermindert. Die

Belastungsschwankungen gehen dann lediglich durch die Dynamo

des Umformers, nicht aber durch den Motor desselben und noch

weniger in das Kraftwerk. Letzteres läuft vielmehr mit fortwährend

gleichbleibender Belastung. Es ist daher gleichgültig, ob das Kraftwerk

Drehstrom oder Gleichstrom liefert, da der Netzstrom lediglich in den

Motor des Umformers geht, während die Dynamo des Motors stets als

Gleichstrommaschine gebaut wird.

[Illustration: Fig. 39.]

Die Energieverluste dieses Systems beschränken sich auf den Verlust,

der bei der mehrfachen Energieverwandlung entsteht, und auf den

Luftwiderstand und die Lagerreibung des Schwungrades. Würde man das

Schwungrad mit der bei Dampfmaschinen üblichen Umfangsgeschwindigkeit

von 20 sekm laufen lassen, so würde es außerordentlich schwer und

kostspielig werden. Man führt daher diese Schwungräder aus Stahl aus

und läßt sie mit 80 sekm Umfangsgeschwindigkeit laufen. Die Folge der

hohen Geschwindigkeit ist eine ziemlich große Luftreibung auch dann,

wenn das Schwungrad glatt poliert ist.

Dagegen treten keinerlei Energieverluste in Anlaßwiderständen auf; das

Kraftwerk kann sehr wirtschaftlich arbeiten, weil seine Belastung eine

vollständig gleichbleibende ist.

Die Fördermaschine selbst erhält bei elektrischem Antrieb die denkbar

einfachste Gestalt, wie Fig. 40 zeigt: die Welle eines Elektromotors

wird einfach mit einer Seiltrommel oder Seilscheibe unmittelbar

gekuppelt. Der Motor wird als einfacher Nebenschlußmotor gewickelt,

dessen Feld konstant erregt wird, und dessen Anker die regelbare

Spannung des Schwungradumformers zugeführt wird.

[Illustration: Fig. 40.]

Die Fördermaschine hat daher keine hin und her gehenden, sondern nur

noch drehbare und starr miteinander gekuppelte Teile. Die Lagerung

läßt sich bei geschickter Anordnung auf zwei Lager beschränken. Das

Drehmoment schwankt nicht wie bei der Dampfmaschine während einer

Umdrehung in weiten Grenzen, sondern ist vollkommen gleichmäßig.

Die Fördermaschine fährt daher ohne Stoß an, treibt die Seile ohne

Geschwindigkeitsschwankungen und kann auf beliebig große, bzw. kleine

Geschwindigkeit durch Handhabung eines einzigen Hebels eingestellt

werden, der die Feldstärke des Umformers regelt.

Überwiegt gegen Ende des Hubes das Seilgewicht, so verwandelt sich die

elektrische Fördermaschine ohne Zutun des Führers in eine elektrische

Bremse; die abgebremste Arbeit geht nahezu verlustlos in das Schwungrad

und wird dort bis zum nächsten Hub aufgespeichert. Die Geschwindigkeit

der Seiltrommel ist lediglich von der Stellung des Steuerhebels

abhängig, dagegen von der der Größe der Belastung völlig unabhängig.

Dieser Umstand gewährt die Möglichkeit, eine wirkliche

Verzögerungs-Vorrichtung einfachster Art anzubringen. Der Teufenzeiger

braucht nur so gestaltet zu werden, daß er am Hubende mittels

eines Kurvenschubes den Steuerhebel langsam in die Nullstellung

zurückschiebt. In genau demselben Verhältnis vermindert sich dann

selbsttätig die Geschwindigkeit der Fördermaschine bis auf Null, so daß

ein Überfahren der Hängebank vollständig ausgeschlossen ist.

Die elektrische Fördermaschine arbeitet daher nicht nur

wirtschaftlicher, sie ist auch viel einfacher und steuerfähiger und

gewährt aus beiden Gründen eine wesentlich höhere Betriebssicherheit.

Diese Vorzüge kommen um so mehr zur Geltung, je größer Teufe und

Geschwindigkeit sind. Dampffördermaschinen werden daher voraussichtlich

nur noch für geringe Teufen und Leistungen in solchen Fällen ausgeführt

werden, wo nicht die Betriebskosten sondern nur die Anlagekosten

ausschlaggebend sind, wie dies bei provisorischen Anlagen vorkommen

kann.

Die erste elektrisch betriebene Hauptschachtfördermaschine nach

diesem System wurde zu Ende des Jahres 1903 auf der Zeche Zollern II

zu Merklinde in Westfalen in Betrieb gesetzt. Sie ist ausgeführt im

elektrischen Teil von den Siemens-Schuckert-Werken, im mechanischen

Teil von der Friedrich-Wilhelmshütte. Fig. 41 zeigt das Maschinenhaus,

in dem die Fördermaschine aufgestellt ist. Die vorhergehenden Figuren

39 und 40 stellten Umformer und Fördermaschine selbst dar.

Die wenigen bisher ausgeführten elektrischen Fördermaschinen sind

nahezu ausschließlich mit Koepe-Scheiben ausgerüstet worden. Dieser

Vorgang ist natürlich, da die Koepe-Förderung bei den in letzter Zeit

ausgeführten Dampffördermaschinen sehr gebräuchlich geworden war. Es

liegt nun die Frage nahe, ob die Koepe-Scheibe für den elektrischen

Antrieb ebenso zweckmäßig ist wie für den Dampfbetrieb.

Die Anlagekosten einer elektrischen Fördermaschine sind um so geringer,

je höher ihre Umlaufzahl ist; von diesem Standpunkt aus ist es

erwünscht, den Durchmesser der Koepe-Scheibe nicht größer auszuführen

als die Rücksicht auf die Biegungsbeanspruchung des Drahtseils es

erfordert. Anderseits ist es zur Erzielung der erforderlichen Reibung

zwischen Seil und Scheibe notwendig, den Durchmesser der Scheibe groß

zu wählen. Letzteres ist besonders dann nötig, wenn man zur Erzielung

hoher Leistung die hohe Anfahrbeschleunigung ausnutzen will, die der

elektrische Betrieb mit seinem gleichmäßigen Drehmoment gegenüber

dem Dampfbetrieb zuläßt. Man hat sich bisher durch einen Kompromiß zu

helfen gesucht, ist dabei aber teilweise in Schwierigkeiten geraten,

und hat sich dann durch Auswechslung des Rundseils gegen Bandseil

geholfen, was als ein Notbehelf zu betrachten ist.

[Illustration: Fig. 41.]

Einen Ausweg aus diesem Zwiespalt bietet der Vorschlag Heckels,

die Treibscheibe mit zwei Rillen auszuführen und das Seil unter

Einschaltung einer Zwischenrolle mit zwei halben Umschlingungen

um die Treibscheibe zu legen. Diese Anordnung würde Verminderung

des Scheibendurchmessers auf die Hälfte des Durchmessers einer

Koepe-Scheibe erlauben, wenn nicht die Biegungsbeanspruchung des

Drahtseils zur Einhaltung eines Mittelwertes nötigen würde.

Der kleine Durchmesser der Treibscheibe der Heckelanordnung

vermindert nicht nur die Anlagekosten des elektrischen Teils der

Fördermaschine, er gewährt auch einen organischen Zusammenbau, weil

Treibscheibendurchmesser und Ankerdurchmesser des Elektromotors sich

einander nähern, infolgedessen eine unmittelbare starre Verbindung

zulassen und gleichzeitig den Maschinenrahmen einfach gestalten.

Endlich hat die Heckel-Treibscheibe den Vorteil, daß durch Verstellung

der Zwischenrolle eine Kürzung des Drahtseils ermöglicht wird, welche

ein periodisches Abschneiden der Seilenden behufs Festigkeitsprüfung

gestattet.

Diesen Vorzügen steht der Nachteil gegenüber, daß die Zwischenrolle

mit ihrer Unterstützung schon bei mittelgroßen Fördermaschinen ein

Mehrgewicht von 12000 bis 14000 kg und einen entsprechenden Mehrpreis

von 7000 bis 8000 M. für den mechanischen Teil erfordert. Dazu kommt,

daß das Maschinenhaus wesentlich größer ausgeführt werden muß, was

wiederum Mehrkosten im Betrag von 6000 bis 8000 M. erfordert. Durch

diesen Mehraufwand wird die Ersparnis im elektrischen Teil mehr als

aufgewogen.

Die Gründe, welche bei der Dampfförderung für die Anwendung

des Unterseils sprachen -- Vermeidung negativer Drehmomente

behufs Steuerfähigkeit und Konstanthaltung der Belastung behufs

Wirtschaftlichkeit -- gelten nicht in gleichem Maß für den elektrischen

Betrieb. Die elektrische Fördermaschine ist bei negativem Drehmoment

ebenso steuerfähig wie bei positivem, und die Ungleichheit der

Belastung wird durch das Schwungrad vollständig ausgeglichen. Das

Unterseil bringt zudem eine Reihe von Nachteilen mit sich: es

vermehrt die zu beschleunigenden Massen, es hindert die Förderung

aus verschiedenen Sohlen, es beansprucht die Fördergerippe und die

Gehänge sehr stark, es erschwert die Tätigkeit der Fangvorrichtung, es

verhindert die Anwendung verjüngter Seile, und es ist schließlich für

große Teufen von mehr als 1000 m seiner Schwankungen wegen überhaupt

nicht anwendbar.

Es ist daher wohl möglich, daß die elektrische Förderung die Anwendung

der Treibscheibe -- die für sie nicht wie für den Dampfbetrieb eine

Notwendigkeit ist -- wieder aufgibt und zur Anwendung von zylindrischen

oder kegelförmigen Trommeln zurückkehrt, die mit dem Durchmesser

gewählt werden können, der für die Anlagekosten des elektrischen Teils

und für einen organischen Zusammenbau wünschenswert erscheint. Bei

geschickter Einzelkonstruktion der Seiltrommel und ihrer Kupplung mit

dem Anker des Elektromotors läßt sich eine Bauart finden, die mit

geringen Anlagekosten ausführbar ist und den konstruktiven Nachteil

vermeidet, der der Trommel-Dampffördermaschine anhaftet, nämlich die

schwere, hoch beanspruchte und kostspielige Welle.

* * * * *

Ein Rückblick auf die Entwicklung der Fördermaschine von der

Göpelfördermaschine aus dem Jahre 1500 über die Wasserradfördermaschine

und die Dampffördermaschine zur Elektrofördermaschine aus dem Jahre

1903 zeigt, daß die Beherrschung der Naturkraft das entscheidende

Moment für die Gesamtanordnung bildet.

Die Aufgabe der nächsten Zeit wird darin bestehen, die Fördermaschine

für große Teufen von 1000 bis 2000 m zweckmäßig zu gestalten. In

Südafrika und Nordamerika sind Teufen von 1500 bzw. 1800 m bereits

erreicht, in Europa werden sie in absehbarer Zeit erschlossen werden.

Auf die Entwicklung der Einzelheiten der Fördermaschine hat nebenher

noch eine Reihe von anderen Einflüssen eingewirkt, in erster Linie das

Bestreben, die Leistung im Verhältnis zum Schachtquerschnitt möglichst

zu steigern.

Die Leistungsfähigkeit eines Bergwerks ist unmittelbar abhängig von

der Förderleistung seiner Schächte. Da die Abteufung der Schächte den

Hauptanteil der Anlagekosten der Gesamtanlage beansprucht, so ist man

bei Neuanlagen durchweg bestrebt, die Zahl der Schächte auf zwei zu

beschränken: den Förderschacht, der gleichzeitig zur Wettereinführung

dient und den Wetterschacht, der die ausziehenden Wetter zu führen hat

und gleichzeitig die Reserveförderanlage aufnimmt. Es liegt also die

Aufgabe stets so, daß die Förderleistung des Schachtes auf das Höchste

zu steigern gesucht wird. Den Querschnitt des Schachtes sucht man

aus technischen und wirtschaftlichen Gründen ebenfalls möglichst zu

beschränken. Es kommt also schließlich darauf an, die Förderleistung

für den Quadratmeter-Schachtquerschnitt auf einen Höchstwert zu bringen.

Bei Schächten, die lediglich zur geologischen Untersuchung dienen --

Schurfschächten -- und die aus Ersparnisrücksichten mit allerengstem

Querschnitt hergestellt werden müssen, läßt sich nur die eintrümige

Förderung anwenden. Bei dieser wird nur ein einziges Seil und nur ein

einziger Kübel verwendet. Der Nachteil dieses Systems liegt darin,

daß die ganze Zeit, die zum Niedergang des leeren Kübels erforderlich

ist, nicht ausgenutzt wird. Außerdem muß die Totlast des Kübels stets

nutzlos gehoben werden.

Steht etwas mehr Schachtquerschnitt zur Verfügung, so läßt sich ein

Gegengewicht anwenden, welches die Totlast des Kübels ausgleicht;

allerdings ist für das Gegengewicht der Einbau von besonderen

Spurlatten erforderlich.

Sehr bald kam man darauf, die Förderleistung des Schachtes durch die

Anwendung von zweitrümiger Förderung zu steigern, d. h. zwei Seile in

gegenläufiger Wicklung auf die Seiltrommel zu legen. Bei Niedergang des

einen leeren Kübels steigt gleichzeitig der andere Kübel gefüllt empor.

Die zweitrümige Förderung gewährt weiter den Vorteil, daß die Totlasten

der Kübel ausgeglichen sind, so daß nur Nutzlast und überschießendes

Seilgewicht zu heben sind. Auf den Bildern von Agricola (Fig. 20

und 22) wird bereits zweitrümig gefördert. Diese Anordnung verdoppelt

die Gesamtleistung des Schachtes, erfordert aber auch doppelt so großen

Querschnitt des letzteren.

Für die Steigerung der Schachtleistung stehen drei Wege offen:

Vergrößerung der Nutzlast, Verkleinerung der für Beladen und Entladen

erforderlichen Zeit, der sog. Sturzpause, und Steigerung der

Hubgeschwindigkeit.

Zunahme der Nutzlast setzt Steigerung der Zahl der Fördergefäße voraus.

Als Fördergefäße benutzte man ursprünglich Kübel aus Leder, sog.

»Bulgen«, wie sie auf Agricolas Bildern dargestellt sind. Der Inhalt

dieser Kübel war naturgemäß nur gering, etwa 500 kg. Hätte man die

Kübel so groß ausgeführt, daß sie 2000 bis 4000 kg aufnehmen könnten,

dann würde die Beladung und Entladung viel Zeit in Anspruch genommen

haben. Man ging daher dazu über, die zum Horizontaltransport benutzten

Wagen, die sog. Hunte, auch für die Vertikalförderung ohne Umladung

zu benutzen, indem man an das Förderseil ein Gestell aus Walzeisen,

das sog. Gerippe, hing, auf welches die Wagen aufgeschoben wurden. Mit

dieser Einrichtung ließ sich die Sturzpause auf 30 Sek. beschränken;

die Totlast wird allerdings wesentlich größer und damit auch die

Seilbelastung.

Die Technik der Lastenförderung einst und jetzt Eine Studie über die Entwicklung der Hebemaschinen und ihren Einfluß auf Wirtschaftsleben und Kulturgeschichte · 第 3 / 15 段