sich die Verschworenen an ihn heran. Voran stand Tullius +Cimber+, um
von Cäsar die Begnadigung seines verbannten Bruders zu erbitten. Die
Verschworenen unterstützten sein Gesuch. Cäsar aber, unwillig über
ihren zudringlichen Eifer, verwies sie auf eine andere Zeit. Da ergriff
Cimber die Toga Cäsars und riß sie ihm von den Schultern. „Das ist ja
Gewalt!“ schrie Cäsar. In demselben Augenblick stieß der hinter seinen
Stuhl getretene +Casca+ mit dem Dolche nach seinem Hals, verwundete
ihn aber nur leicht. „Verruchter Casca, was machst du?“ ruft Cäsar und
durchbohrt mit seinem silbernen Schreibgriffel des Mörders Arm; aber
im Nu stoßen ihm alle Verschworenen ihre Dolche mit solcher Wut in den
Leib, daß mehrere von ihnen sich selbst an der Hand verwundeten. Als
Cäsar auch den Marcus Brutus unter den Mördern sieht, ruft er klagend
aus: „Auch du, mein Sohn!“ und nun sagt er kein Wort mehr, sondern
verhüllt sein Haupt und gibt sich ohne Widerstand allen Stößen preis.
Von 23 Wunden durchbohrt, von denen aber nur eine tödlich war, sank er
an der Bildsäule des Pompejus nieder (44).
Überrascht und entsetzt von dem schaudervollen Auftritt flohen die
Senatoren auseinander. Brutus wollte sie anreden, aber niemand hörte
auf ihn. Auch das Volk, unter das die Mörder mit dem Rufe der Freiheit
traten, floh bestürzt. Eine Zeitlang lag der Ermordete allein in
seinem Blute, bis ihn drei Sklaven in einer Sänfte in die Wohnung der
Calpurnia trugen.
In Cäsar ging der größte Mann unter, den Rom je hervorgebracht hatte.
Er war als Feldherr, Staatsmann und Gesetzgeber ohnegleichen, aber
auch hervorragend als Redner, Geschichtsschreiber, Sprachforscher,
Mathematiker und Architekt. Auch seine Persönlichkeit und Haltung ließ
den geborenen Herrscher erkennen. Seinen von Natur etwas schwächlichen
Körper hatte er so abgehärtet, daß er an Ausdauer keinem seiner
Krieger nachstand. Er ertrug Hitze und Kälte, Hunger und Durst und
alle Beschwerden und Anstrengungen des Krieges. In allen Leibesübungen
zeichnete er sich aus und suchte als Reiter, Schwimmer und Fechter
seinesgleichen. Seine Soldaten, denen er in jeder Hinsicht als Muster
vorleuchtete, verehrten ihn mit abgöttischer Liebe und Treue.
XXVIII.
Der dritte Bürgerkrieg. Marcus Antonius und Cäsar Octavianus.
Nachdem die Verschworenen die blutige Tat vollbracht hatten, waren sie
durchaus ratlos, was sie nun weiter tun sollten. Sie hatten geglaubt,
das Volk würde ihrem Werke der Befreiung zujubeln, begegneten aber fast
überall einer feindlichen oder gleichgültigen Stimmung. Denn Cäsar
hatte die Menge durch den Glanz seiner Taten und seine freigebige
Großmut für sich gewonnen, und die „Freiheit“, welche Brutus und seine
vornehmen Genossen gegen Cäsar zu verteidigen schienen, war in Wahrheit
nur das bisherige Regiment der Großen und Reichen. Bald sollten die
Mörder erfahren, daß sie einen milden Herrscher mit einem furchtbaren
Tyrannen vertauscht hatten.
Der Konsul +Antonius+, ein entschiedener Anhänger Cäsars, der sich in
der ersten Bestürzung versteckt hatte, trat nun hervor und beschloß
die Rolle des Herrschers, die Cäsar gespielt hatte, selber weiter
fortzuführen Er bemächtigte sich heimlich des öffentlichen Schatzes
und erhielt von Calpurnia, der Gemahlin des Gemordeten, dessen
schriftlichen Nachlaß. In einer Senatssitzung, der auch Antonius
beiwohnte, wurde zwar den Mördern Verzeihung bewilligt, aber auch
beschlossen, daß Cäsars Anordnungen fortbestehen sollten. In einer
zweiten Sitzung wurden sogar den Häuptern der Verschwörung nach einer
Anordnung, die Cäsar selbst schon getroffen hatte, die ihnen bestimmten
Provinzen zugewiesen: Marcus Brutus erhielt Makedonien, Decimus Brutus
das cisalpinische Gallien, und Cassius Syrien.
Bisda hatte Antonius seine herrschsüchtigen Absichten mit großer
Schlauheit verborgen; nun aber trat er offener auf, und bei der
Leichenfeier Cäsars offenbarte er, was die Mörder von ihm zu erwarten
hatten. Um das Volk gegen diese aufzubringen, machte er zuerst das
Testament Cäsars bekannt, in dem er dem Volke seine großen parkartigen
Gärten jenseits der Tiber zu allgemeinem Gebrauch und jedem einzelnen
Bürger 45 Mark vermachte. Dann folgte die Leichenfeier, die den Abscheu
des Volkes gegen die Mörder, die ihm seinen Wohltäter entrissen hatten,
auf den höchsten Grad steigern sollte.
Auf einem Gerüste, neben der Rednerbühne auf dem Forum, stand
eine vergoldete Kapelle, eine Nachbildung des von Cäsar erbauten
Venustempels; innerhalb der Kapelle, deren Dach auf Säulen ohne Wände
ruhte, war ein mit Elfenbein ausgelegtes, mit Purpurteppichen bedecktes
Ruhebett sichtbar. Auf dieses wurde nach vollendetem Trauerzuge der
Sarg mit der Leiche, unter dem Wehklagen des Volkes und der Soldaten
Cäsars, niedergesetzt. Sodann hielt Antonius eine Rede, worin er
Cäsars unsterbliche Taten und Verdienste um Reich und Volk mit
überschwenglichen Worten pries, und dann den an ihm verübten greulichen
Mord in grellen Farben schilderte, und zugleich, die Augen voll
Tränen, das blutige, von Dolchstichen zerstoßene Gewand des Ermordeten
emporhob. Dabei stieg ein aus Wachs verfertigtes Bild Cäsars mit den
23 Wunden, unter denen die entstellende Wunde des Gesichts und die
tödliche Brustwunde besonders auffielen, aus dem Sarg in die Höhe.
Bei diesem Anblick verwandelte sich das Wehklagen des Volkes in helle
Wut gegen die Mörder, und man hätte sie zerrissen, wenn sie sich nicht
rechtzeitig entfernt hätten. Als dann das Leichengerüst angezündet
wurde, warf jedermann, was ihm an Geräten, Waffen und Schmuck zur Hand
war, in das Feuer, das dadurch so gewaltig um sich griff, daß ein Haus
in der Nähe in Brand geriet, und eine Feuersbrunst mit Mühe verhütet
ward. Kaum konnte Antonius das wütende Volk zurückhalten, das mit
Fackeln durch die Straßen der Stadt tobte und die Häuser der Mörder
anzünden wollte.
Als Antonius das Volk für sich gewonnen hatte, brachte er es bald
dahin, daß ihm der Senat eine Schutzwache bewilligte, die er selbst auf
6000 Mann vermehrte. Im Vertrauen auf diesen Schutz gab er, angeblich
aus dem Nachlaß Cäsars, eine Verordnung nach der andern heraus, um sich
Anhänger und besonders Geld zu verschaffen. Er verkaufte Ämter und
Würden, verhandelte Königreiche und wußte sich dadurch Geld in solcher
Menge zu verschaffen, daß er und +Fulvia+, seine schändliche Gemahlin,
zuletzt das Geld nicht mehr zählten, sondern in Masse abwogen. Den
Mördern Cäsars nahm er ihre Provinzen, indem er Makedonien, das Marcus
Brutus hatte, für sich nahm und Syrien, das dem Cassius bestimmt war,
dem Dolabella gab.
Doch auch gegen Antonius erhob sich bald ein Nebenbuhler, der
schließlich den Sieg über ihn davontragen sollte.
Dies war der junge +Octavius+, der damals zu Apollonia in Illyrien
sich aufhielt, wo ein Teil der Truppen stand, die Cäsar für den
parthischen Krieg bestimmt hatte, und mit denen er an dem Feldzuge
teilnehmen sollte. Als Enkel von Cäsars jüngerer Schwester Julia war
er im Testamente Cäsars, seines Großoheims, der keinen eigenen Sohn
hinterlassen, an Sohnes Statt angenommen und zum Haupterben eingesetzt.
Er nannte sich deshalb fortan +Gajus Julius Cäsar Octavianus+.
Nach dem Tode Cäsars eilte er nach Italien, um sein Erbe anzutreten.
Vor den Toren Roms strömten ihm die Freunde und Anhänger Cäsars
entgegen. Ein farbiger Ring, der in dieser Stunde die Sonne umgab,
ward als ein Zeichen seiner aufgehenden Größe gedeutet. Aber seine
Lage war schwierig. Auf der einen Seite drohte ihm die Feindschaft
der Mörder, die in ihm den Rächer ihrer Freveltat fürchteten, auf
der anderen sperrte ihm die gewalttätige Herrschaft des Antonius den
Weg zur höchsten Gewalt. Aber der achtzehnjährige Jüngling verfolgte
gleich von Anfang an mit ungewöhnlicher Klugheit und Selbstbeherrschung
das Ziel, das er sich steckte, Rache an den Mördern und Besitznahme
der ersten Stelle im Staate. Er suchte deshalb zunächst eine enge
Verbindung mit Antonius. Er verlangte von ihm die Herausgabe des
Geldes, das Cäsar hinterlassen, um es nach den Bestimmungen des
Testamentes unter die Bürger zu verteilen. Dies verweigerte Antonius
unter allerlei Vorwänden, und behandelte überhaupt den „jungen
Menschen“ mit hochfahrendem Stolze und Geringschätzung. Octavianus,
obgleich tief erbittert, vermied es mit dem Gewaltigen zu brechen. Er
ließ seine väterlichen Güter versteigern und zahlte aus dem Ertrag
die Vermächtnisse aus, mit denen Cäsar das Volk bedacht hatte. Die
Folge davon war, daß, während sich Antonius beim Volke verhaßt machte,
Octavianus in dessen Gunst stieg, zumal da er nun auch der Menge
kostbare Spiele gab. Während dieser Spiele zeigte sich sieben Tage lang
am Himmel ein Komet, den Cäsars Partei als seinen Geist deutete, der
unter die Götter versetzt sei.
Während Antonius den Senat mit steigender Anmaßung und trotzigem
Übermut behandelte, bewies ihm der schlaue Octavianus die größte
Ehrerbietung. Unter den alten Soldaten Cäsars hatte er viele Anhänger,
die zu Tausenden seinen Fahnen zuströmten. An der Spitze dieser Truppen
gelang es ihm den Antonius aus Rom zu verdrängen. Dieser ging, nach dem
Ablauf seines Konsulates, in das diesseitige Gallien, welche Provinz er
dem Decimus Brutus entreißen wollte; aber von den beiden neuen Konsuln
und Octavianus bei Mútina (Módena) geschlagen, mußte er ins jenseitige
Gallien fliehen (43).
Als die nächste Sorge vor Antonius vorüber war, glaubte der Senat den
Octavianus entbehren zu können und begann ihn mit Kälte zu behandeln.
Aber dieser wandte sich an seine treuen Legionen und stellte ihnen vor,
daß ihnen in Rom der Lohn ihrer Taten verweigert würde. Da sandten
die Truppen aus ihrer Mitte Abgeordnete an den Senat und forderten
für Octavianus das Konsulat. Als man dies abschlug, rief einer der
Abgeordneten, an sein Schwert schlagend: „Dieses wirds ihm geben!“
worauf Cicero erwiderte: „Wenn das bitten heißt, so wird man es ihm
gewähren müssen.“ Nach dieser Weigerung des Senats rückte Octavianus
mit acht Legionen gegen Rom vor, wo das Volk ihn mit Jubel aufnahm und
der Senat sich in alle seine Forderungen fügen mußte. Seine Soldaten
belohnte Octavianus aus dem öffentlichen Schatze; dann ließ er sich
zum Konsul wählen und das Verbannungsurteil über Cäsars Mörder
aussprechen. Um aber nachdrücklich an ihnen Rache nehmen zu können,
hielt er es für zweckmäßig sich wieder mit Antonius zu verbinden.
Dieser hatte sich inzwischen in Gallien mit +Lépidus+ vereinigt
und eine Macht von 23 Legionen und 10000 Reitern zusammengebracht.
Octavianus zog beiden entgegen, und Antonius ergriff die dargebotene
Hand zu einer Vereinigung. Sie wählten eine kleine Insel auf dem
Flusse Rhenus, unweit Bononia (Bologna) zum Orte ihrer Zusammenkunft.
Beide Parteien, Antonius und Lepidus einerseits und Octavianus
anderseits, rückten mit fünf Legionen an die Ufer dieses Flusses und
schlugen von beiden Seiten eine Brücke nach der Insel zu. Lepidus,
ein gemeinschaftlicher Freund der beiden andern, ging zuerst hinüber,
um ihre Sicherheit zu prüfen; dann kamen auf ein gegebenes Zeichen
Octavianus und Antonius, jeder mit 300 Mann, herbei. Diese blieben
am Ende der Brücken zurück; sie selbst aber gingen auf eine Anhöhe,
wo sie von ihren beiderseitigen Heeren gesehen werden konnten. Als
sie beisammen waren, durchsuchten sie erst ihre Kleider, aus Furcht,
daß irgend einer einen Dolch bei sich tragen möchte. Dann setzten
sie sich nieder, um den Plan ihres Bündnisses zu entwerfen. Die
Verhandlung dauerte drei Tage. Endlich kam nach manchem heftigen
Streit ein Vergleich zustande. Der erste Punkt desselben betraf die
höchste Gewalt im Staate; diese sollten alle drei gemeinschaftlich
fünf Jahre lang ausüben unter dem Titel „Triumvirn zur Einrichtung des
Gemeinwesens“. Dann verteilten sie die Provinzen unter sich; Italien
als das gemeinsame Mutterland und die morgenländischen Provinzen,
die damals noch Brutus und Cassius innehatten, wurden von dieser
Teilung ausgenommen. Die Abendländer aber wurden auf folgende Art
verteilt: Octavianus bekam Afrika, Sicilien und Sardinien, Antonius das
diesseitige und jenseitige Gallien, Lepidus Spanien und einen Teil des
jenseitigen Galliens. Hierauf verteilten sie die Geschäfte unter sich.
Octavianus und Antonius sollten jeder mit zwanzig Legionen vereinigt
den Krieg gegen Cäsars Mörder, namentlich gegen Brutus und Cassius,
führen, während Lepidus als Konsul des nächsten Jahres (42) mit drei
Legionen Rom und Italien in Gehorsam halten sollte. Der vierte Punkt
ihrer Verabredung betraf die Belohnung der Legionen. Die Triumvirn
machten aus, daß, nach Beendigung des Kampfes im Osten, achtzehn
Städte in den reichsten und blühendsten Gegenden Italiens als Kolonien
unter die Soldaten verteilt werden sollten, denen sie übrigens noch
ansehnliche Geschenke baren Geldes versprachen. Zur Ausführung aller
dieser Pläne brauchten sie unermeßliche Geldsummen, zu denen ihnen die
Achtserklärung (Proskription) ihrer Gegner die Mittel liefern sollte.
300 Senatoren und 2000 Ritter wurden von der Ächtung betroffen, von
denen jeder Triumvir einen Teil vorschlug und dabei selbst seine
eigenen Freunde und Anhänger dem Haß der beiden andern preisgeben
mußte. Endlich verpflichteten sich die Triumvirn zur Erfüllung dieses
Vertrages durch einen feierlichen Eid und kehrten mit ihren Legionen
nach Rom zurück, wo alsbald die Ächtungen ihren Anfang nahmen.
Überall in Italien wüteten Verrat und Mord; nur wenige der Geächteten
retteten sich durch die Flucht, die meisten wurden von den Verfolgern
ereilt, ihre Köpfe auf der Rednerbühne ausgestellt. Jedem Freien wurde
der Kopf eines Verurteilten mit 12000, jedem Sklaven mit beinahe 6000
Mark bezahlt; die Angeber erhielten den gleichen Lohn; der Tod traf
den, der einen Geächteten verbarg. Die Schreckenszeit Sullas kehrte
wieder, aber die Zahl der Opfer war noch größer.
Unter den Opfern dieser Proskriptionen befand sich auch der große
Redner +Cicero+, der einst, zur Zeit der Verschwörung des Catilina,
sein Vaterland gerettet hatte. Er hatte sich den Antonius dadurch zu
einem unerbittlichen Feinde gemacht, daß er gegen dessen eigenmächtiges
und gewalttätiges Auftreten seine berühmten „philippischen Reden“
(~Philippicae~) hielt, und Octavian, von dem er bisher wie ein Vater
verehrt worden war, hatte ihn herzlos dem Hasse des Verbündeten
geopfert. Als die Listen der Geächteten in Rom bekannt wurden, auf
denen auch sein Name stand, befand sich Cicero auf einem seiner
Landgüter. Um sich zu retten, beschloß er nach Makedonien zu Marcus
Brutus zu fliehen, allein körperliche Schwäche, Ängstlichkeit und
Unentschlossenheit hinderten ihn an der Ausführung seines Entschlusses;
zweimal ging er zu Schiffe und zweimal landete er wieder. Endlich
drängten ihn seine Diener, die schon einen Haufen Soldaten gesehen
hatten, welche nach ihrem Herrn spähten, die Flucht fortzusetzen.
In einer Sänfte trugen sie ihn zur Küste. Aber mitten auf dem Wege
begegneten sie den Häschern. Da Cicero sah, daß er nicht entrinnen
konnte, ließ er die Sänfte niedersetzen und steckte den Kopf hinaus.
An der Spitze der Soldaten stand Popilius Länas, ein Kriegstribun,
dem Ciceros Beredsamkeit einst vor Gericht das Leben gerettet hatte.
Eben dieser Mann eilte seinen Leuten zuvor, um selber den Blutlohn zu
verdienen, und schlug seinem greisen Wohltäter, nach dem besonderen
Auftrage des Antonius, des Todfeindes Ciceros, nicht nur das Haupt
ab, sondern auch die Hände, mit denen er den Vortrag seiner Reden
eindrucksvoll zu begleiten pflegte. Dies geschah am 7. Dezember des
Jahres 43. Das abgehauene Haupt wurde dem Antonius überbracht, und
nachdem Fulvia in ihrer Rachsucht die Zunge mit ihren Haarnadeln
durchstochen hatte, nebst den Händen auf derselben Rednerbühne am
Forum ausgestellt, wo Cicero so oft das Volk zu stürmischem Beifall
hingerissen hatte. Er stand erst im 64. Lebensjahre.
* * * * *
Nachdem sich die Triumvirn auf so blutige und habgierige Weise eines
großen Teiles ihrer Gegner im Senat und in der Ritterschaft entledigt
hatten, beschlossen Octavianus und Antonius gegen Brutus und Cassius
zu Felde zu ziehen, die inzwischen in Makedonien und Asien eine große
Streitmacht und alle noch übrigen Anhänger der Republik um sich
gesammelt hatten. Als diese von dem nahen Anzuge der beiden Triumvirn
hörten, eilte Brutus nach Asien, um gemeinschaftlich mit Cassius über
die Führung des Krieges zu beraten. Bei dieser Gelegenheit war es, wo,
wie man sagt, dem Brutus ein Gespenst erschien. Einst saß er nämlich,
wie er gewohnt war, bis tief in die Nacht in seinem Zelte, beschäftigt
mit den Gedanken an den ungewissen Ausgang des bevorstehenden Krieges.
Seine Diener schliefen, das Licht brannte düster, nichts regte sich,
er war allein. Da hörte er plötzlich ein Geräusch; die Zelttür öffnet
sich, und eine gespenstische Gestalt tritt auf ihn zu, ohne zu reden.
Brutus richtet sich erschrocken auf und fragt: „Wer bist du, ein
Gott oder ein Mensch, und was begehrst du?“ -- „Ich bin dein böser
Geist,“ antwortet die Gestalt, „bei Philippi sehen wir uns wieder.“
Furchtlos erwiderte Brutus: „Wohl, ich werde dich dort wiedersehen!“
Da verschwand die Gestalt. Gleich darauf rief Brutus seine Diener und
fragte sie, ob sie etwas gesehen oder gehört hätten. Sie verneinten
beides. Sobald der Morgen graute, ging Brutus zum Cassius und
erzählte ihm den Vorfall der vergangenen Nacht. Cassius, der nicht
an die Wirklichkeit eines Gespenstes glauben mochte, suchte sich die
Erscheinung aus der erregten Gemütsstimmung seines Freundes zu erklären.
Von Sardis aus, wo sie ihre Legionen vereinigt hatten, brachen Brutus
und Cassius nach dem Hellespont auf und setzten nach Thrakien über,
wo bereits acht Legionen der Triumvirn standen. Bald kamen diese
mit ihrer gesamten Macht hinzu und nötigten die Gegner, welche bei
+Philippi+ ein festes Lager bezogen hatten, zur Schlacht. Es kam dort
zu einer Doppelschlacht, die aber den ganzen Krieg entscheiden sollte;
sie endete mit der Niederlage der Mörder Cäsars (42). Die Triumvirn
befehligten ein Heer von 100000 Mann zu Fuß und 13000 Reiter, ihre
Gegner 80000 Mann zu Fuß und 20000 Reiter. Auf beiden Seiten siegten
die rechten Flügel; Brutus drang siegreich vor und eroberte das Lager
des Octavianus, der sich damals wegen Krankheit aus dem Lager entfernt
hatte; dagegen schlug Antonius den Cassius vollständig zurück. Der
geschlagene Cassius wußte noch nichts von des Brutus Sieg, als dieser
eine Abteilung Reiter mit der Siegesbotschaft absandte. Cassius hielt
sie in der Dunkelheit für Feinde und glaubte schon die Seinigen
gefangen; da ließ er, um der Gefangenschaft zu entgehen, sich durch
einen Sklaven töten. Als Brutus von seinem Tode hörte, rief er unter
Tränen aus: „So ist der letzte Römer gefallen!“
Nach dieser Schlacht beschloß Brutus ein zweites Treffen zu vermeiden
und sich in seiner vorteilhaften Stellung zu behaupten. Allein der
Ungestüm seiner Soldaten, der weder durch Bitten noch durch Geschenke
und Versprechungen zu bändigen war, forderte eine Schlacht, und so kam
es denn ungefähr zwanzig Tage nach dem ersten zu einem zweiten Treffen
bei Philippi. In der Nacht vor dieser Schlacht soll dem Brutus dieselbe
Gestalt erschienen sein, die sich ihm vor seinem Übergange über den
Hellespont gezeigt hatte; stumm ging sie diesmal vor ihm vorüber und
verschwand.
Auch dieses zweite Treffen entschied gegen Brutus. Von beiden Seiten
ward mit der größten Erbitterung gestritten; abermals drang Brutus
in das Lager des Octavianus, da sprengte Antonius die Mitte des ihm
gegenüberstehenden Flügels und trieb die Feinde in ihr Lager zurück.
Dadurch bekam Octavianus Luft, drang auch wieder vor und half den Sieg
vollenden.
Brutus wandte sich mit vier Legionen nach dem Gebirge und hoffte in der
einbrechenden Dunkelheit zu entkommen, aber alle Ausgänge waren schon
besetzt. Da seine Legionen keine Lust zeigten sich durchzuschlagen, gab
er alle Hoffnung auf und stürzte sich in sein Schwert. Seine Truppen
streckten die Waffen. Seine Gemahlin +Porcia+ folgte ihm in den Tod,
indem sie durch den Dunst glühender Kohlen ihr Leben endete.
Nach diesen Siegen nahmen die beiden Triumvirn eine neue Teilung des
Reiches unter sich vor, wobei Octavianus den Westen, Antonius den Osten
erhielt. Lepidus, der wegen seiner Unbedeutendheit von den beiden
andern verachtet wurde, mußte sich mit der Provinz Afrika abfinden
lassen.
In Kleinasien überließ Antonius sich ganz und gar seinem maßlosen
Hange zur Schwelgerei, mit der er ungeheure Reichtümer in kurzer Zeit
verschwendete. Einst schenkte er einem Zitherspieler die Steuern von
vier Städten, und Köchen gab er für ein gutes Gericht reiche Häuser
und Güter. Seine Lust an ausschweifenden Genüssen erreichte aber den
höchsten Grad, als es der ägyptischen Königin +Kleópatra+ gelungen war
ihn, wie einst den Cäsar, in ihre Netze zu ziehen.
Diese Königin hatte es mit Brutus und Cassius gehalten und wurde
deshalb von Antonius zur Rechenschaft gezogen. Sie kam, aber nicht als
Angeklagte, sondern, um Antonius durch ihre Reize zu gewinnen, in dem
Aufzuge der Göttin Venus. Auf einem vergoldeten Schiffe mit silbernen
Rudern und purpurnen Segeln fuhr sie an der Küste Ciliciens, bei der
Stadt Tarsos, den Kydnosfluß herauf. Als Venus gekleidet, saß sie in
der Blüte der Schönheit unter einem goldgewirkten Zelte; zierliche
Knaben als Liebesgötter fächelten ihr Kühlung zu, schöne Jungfrauen
bedienten sie, während andere als Meergöttinnen die Ruder unter dem
Klange von Flöten und Harfen bewegten, und angezündetes Räucherwerk den
lieblichsten Duft verbreitete. Anstatt vor Antonius zu erscheinen, lud
sie ihn zu sich zum Mahle. Er kam, und von dieser Zeit an lebte er mit
Kleopatra in einem steten Taumel von Lüsten und ließ sogar die Parther
ungestraft in Syrien einbrechen.
Durch solche Aufführung gab Antonius gegründeten Anlaß zu Klagen und
Beschwerden, und sein Verhältnis zu Octavianus, das nie aufrichtig
gewesen war, da jeder nur den andern zu verdrängen und sich zum
Alleinherrscher zu machen suchte, wurde immer gespannter und
feindseliger. Nur die Vermählung des Antonius mit des Octavianus
tugendhafter Schwester Octavia vermochte die Eintracht auf kurze Zeit
wieder herzustellen.
Während Antonius die Zeit am üppigen Hofe Kleopatras vergeudete, war
Octavianus in rastloser Tätigkeit. Sextus Pompejus, der Sohn des großen
Pompejus, Octavians tüchtigster Helfer in Krieg und Frieden, der an der
Spitze einer Piratenflotte Italien und das westliche Meer jahrelang
beunruhigte, ward endlich von +Agrippa+ in der Seeschlacht bei Messāna
völlig besiegt und zur Flucht nach Asien gezwungen, wo er gefangen und
hingerichtet wurde. Auch den unbedeutenden Lepidus wußte Octavianus auf
die Seite zu schieben, als dieser an der Spitze von zwanzig Legionen
Sicilien verlangte. Er ging nach Messana und begab sich in das Lager
des Lepidus, wo es ihm bald gelang dessen Heer abwendig zu machen. Als
nun Lepidus sah, wie sein ganzes Heer zu Octavianus überging, warf er
sich diesem zu Füßen und flehte um Gnade. Octavianus verachtete ihn zu
sehr; er schenkte ihm Leben und Freiheit und ließ ihm die Würde des
Oberpriesters bis an sein Lebensende.
Nun war das Triumvirat zu einem Duumvirat geworden; aber auch die
Verbindung zwischen Octavianus und Antonius eilte ihrer Auflösung
entgegen und verwandelte sich bald in offenen Bürgerkrieg. Die
Veranlassung dazu war, daß Antonius, der mit Kleopatra fortwährend ein
schwelgerisches Leben führte, seine edle Gemahlin Octavia verstieß. Da
erklärte der Senat den Krieg gegen Kleopatra, der Antonius natürlich
Beistand leistete. Dieser Krieg wurde durch die Schlacht bei +Aktium+
(am Eingange des Meerbusens von Arta) entschieden (31 v. Chr., am 2.
September), und dadurch der Untergang der Republik in eine Monarchie
eingeleitet, an deren Spitze der Sieger, Cäsar, trat.