freundlich gegen die Anhänger des Pompejus, die man in Ägypten
ergriffen hatte und in seine Gewalt lieferte. Denn Großmut und
Nachsicht gegen besiegte Feinde bildeten den schönsten Zug seines
Charakters. Er fand das ägyptische Volk gespalten und aufgeregt
durch einen Zwist zwischen dem unmündigen König Ptolemäos und seiner
älteren Schwester +Kleópatra+, die ihm den Thron streitig machte.
Cäsar befahl beiden Teilen ihre Heere zu entlassen, und entschied dann
zu gunsten der schönen Kleopatra, die ihn durch ihre verführerischen
Reize geblendet hatte. Da brach plötzlich, durch die Ratgeber des
Königs, Potheinos und Achillas, angestiftet, ein gewaltiger Aufstand
in Alexandria aus, gegen den sich Cäsar mit den wenigen Truppen, die
er mitgebracht, kaum zu behaupten vermochte. Er zog sich vor der
Übermacht in das Brucheion, den schönsten und festesten Teil der Stadt,
zurück. Hier bestand er, von jeder Verbindung mit Rom und den Provinzen
abgeschnitten, unter der größten Bedrängnis neun Monate lang den Kampf
gegen die empörte, vielmal überlegene Menge der Feinde. Um sich den
Zugang zum Meere zu öffnen, verbrannte er die ägyptische Flotte im
alexandrinischen Hafen, weil er nicht hoffen konnte sie zu erobern.
Der Brand ergriff aber auch das Brucheion selbst, und die Hälfte jener
berühmten alexandrinischen Bibliothek, die sich hier befand, ward ein
Raub der Flammen. Während dieses traurige Schauspiel die Aufmerksamkeit
der Einwohner beschäftigte, besetzte Cäsar die kleine Insel Pharos,
die vor dem Hafen lag und den berühmten Turm, der als eins der sieben
Wunderwerke der alten Welt galt. Von da an drehte sich der Kampf um
die Behauptung des Hafens. Die Ägyptier schnitten den Römern das
Trinkwasser ab und leiteten Meerwasser in ihre Cisternen. Um der Not
abzuhelfen, ließ Cäsar neue Brunnen graben. Bald aber geriet auch die
Insel Pharos, die durch einen Damm mit dem Brucheion zusammenhing,
in die Hände der Feinde. Vergebens suchte Cäsar sie wiederzunehmen.
Er wurde zurückgeschlagen und kam dabei selbst in Lebensgefahr. Denn
als er vom Damm in ein Schiff sprang, drohte dieses wegen Überfüllung
zu sinken. Da sprang er ins Meer und schwamm unter einem Pfeilregen
einige hundert Schritte weit nach einem andern Schiffe, wobei er mit
der einen Hand wichtige Schriften emporhielt, um sie nicht vom Wasser
verderben zu lassen, und erreichte glücklich das Ufer. Endlich kam
die langersehnte Hilfe, die ihm Mithridates, ein angeblicher Sohn
des Königs dieses Namens, aus Kleinasien und Syrien zuführte. Dieser
eroberte Pelusion; der König Ptolemäos wurde geschlagen und ertrank auf
der Flucht im Nil. Nun ergab sich Alexandria dem Sieger (47); Kleopatra
ward zwar als Königin von Ägypten anerkannt, das Land aber von einem
römischen Heer besetzt gehalten.
Bevor jedoch Cäsar nach Rom zurückkehrte, mußte er noch einen Feldzug
gegen +Phárnakes+, den Sohn des großen Mithridates, unternehmen. Dieser
hatte, unzufrieden mit dem kleinen Königreiche, das ihm Pompejus
gelassen, das väterliche Reich wieder erobert und gegen alle Römer
grausam gewütet. Cäsar brach mit einer Legion gegen ihn auf; durch
Syrien und Cilicien gelangte er nach Pontus, wo er den listigen
Pharnakes überfiel und ihm in der entscheidenden Schlacht bei +Ziéla+
eine vollständige Niederlage beibrachte (47). Er selbst war von seinem
schnellen Sieg so überrascht, daß er an seine Freunde in Rom die
berühmten Worte schrieb: „Ich kam, sah, siegte!“ (~Veni, vidi, vici.~)
Pharnakes verlor alle Besitzungen und bald darauf durch einen treulosen
Diener das Leben.
Jetzt erst kehrte Cäsar nach Rom zurück, wo seine Gegenwart dringend
notwendig war, da ein unruhiger Volkstribun einen Aufstand verursacht
hatte, der vielen Bürgern das Leben kostete. Cäsar stellte sogleich
die Ruhe wieder her und überhäufte seine Anhänger mit Ehrenstellen
und Belohnungen, dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf Afrika, wo
sich die Anhänger des Pompejus gesammelt und eine bedeutende Macht an
sich gezogen hatten. Noch war er mit den Rüstungen zu diesem Kriege
beschäftigt, als eine Meuterei unter seinen Legionen ausbrach. Diese
standen in Capua und warteten mit Ungeduld auf ihren Abschied, sowie
auf die Belohnungen, die er ihnen versprochen hatte. Als er ihnen noch
größere Belohnungen versprechen ließ, wenn sie ihm nach Afrika folgen
wollten, empörten sie sich und brachen in ihrer Wut nach Rom auf, um
sich ihren Lohn mit Gewalt zu holen. Nachdem sie auf dem Marsfelde
angekommen waren, trat Cäsar unerwartet unter sie und fragte sie mit
fester Stimme, was sie wollten. „Unsere Entlassung“, riefen sie. „Ihr
sollt sie haben“, antwortete er, „und auch die versprochenen Geschenke,
wenn ich an der Spitze anderer Legionen gesiegt habe und sie zum
Triumphe nach Rom führe.“ Hiermit entfernte er sich und überließ die
Bestürzten dem quälenden Gedanken, daß nun andere an ihrer statt Ruhm
und Lohn neuer Siege ernten würden. Doch noch einmal wandte er sich an
sie, aber nun nicht mehr mit der Anrede „Kameraden“ (~commilitones~),
sondern mit der Anrede: „Bürger!“ (~Quirītes~). Da riefen alle, sie
seien keine Bürger sondern Soldaten, und baten ihn sie nach Afrika zu
führen.
In Afrika bestand die Macht der Pompejaner aus zehn Legionen,
20000 afrikanischen Reitern und 120 Elefanten; dazu kamen noch die
Hilfstruppen des mit ihnen verbundenen Königs +Juba+ von Numidien.
Dieser furchtbaren Macht konnte Cäsar nur sechs Legionen und 2000
Reiter entgegenstellen, mit denen er noch in demselben Jahre (47)
von Sicilien aus unter Segel ging, um seine Gegner, die ihn in
der ungünstigen Jahreszeit nicht erwarteten, zu überraschen. Die
Herbststürme jedoch zerstreuten seine Flotte, und er selbst erreichte
nur mit 3000 Mann zu Fuß und 150 Reitern die afrikanische Küste. Als
er in der Nähe von Adrumetum landete, fiel er dabei zur Erde, aber
mit gewohnter Geistesgegenwart rief er aus: „Ich halte dich, Afrika!“
und verwandelte dadurch die schlimme Vorbedeutung, die seine Soldaten
leicht in diesem Falle hätten sehen können, in eine gute. Bald auch
fand sich die ganze Flotte wieder bei ihm ein, sodaß er im Anfang des
Jahres 46 mit 15000 Mann einen Streifzug ins Innere unternehmen konnte.
Da wurde er plötzlich von Labiēnus, der einst in Gallien sein bester
und erfolgreichster Legat gewesen, und von Petrejus, den er vorher
in Spanien besiegt und verschont hatte, mit einer solchen Übermacht
angegriffen, daß er nur durch einen geschickt geleiteten Rückzug einer
völligen Niederlage entging. Nicht lange darauf aber nötigte er seine
Gegner zu der entscheidenden Schlacht bei +Thapsus+, welche mit der
gänzlichen Vernichtung des pompejanischen Heeres endigte (46).
Unter den Häuptern der pompejanischen Partei, die bei Thapsus besiegt
wurde, nahm der edle +M. Porcius Cato+, ein Urenkel jenes Cato, der
die Zerstörung Karthagos zu fordern pflegte, den ersten Rang ein. Nach
der Schlacht bei Pharsalos war er nach der Provinz Afrika gegangen und
hatte dort die Verteidigung der Hauptstadt Utĭca übernommen. Als Cäsar
heranzog, um durch die Eroberung dieser Stadt den Krieg zu beendigen,
suchte er anfangs die Einwohner zum Widerstande zu bewegen. Da er aber
sah, daß sie in ihren Meinungen geteilt waren, so änderte er seinen
Plan. Zunächst war er vielen Senatoren mit Geld und Schiffen zur Flucht
behilflich; ja, er riet sogar seinem eignen Sohn Marcus zur Flucht;
dieser aber weigerte sich standhaft den Vater zu verlassen. Für ihn
selbst hatte das Leben ohne den Bestand einer freien Republik keinen
Wert mehr, und darum hielt er sich, nach den Grundsätzen der stoischen
Lehre, deren eifriger Anhänger er war, für berechtigt sich selbst den
Tod zu geben.
Gegen Abend ging er ins Bad und nahm dann mit seinen Freunden ein Mahl
ein. Nach dem Essen trank er mit seinen Gästen und unterredete sich
mit ihnen über den Satz, daß nur der Weise wahrhaft frei sei. Diese
Behauptung verteidigte er mit solcher Wärme, daß allen seine Absicht
klar wurde. Es folgte eine ängstliche Stille. Kaum merkte dies Cato, so
lenkte er das Gespräch auf einen anderen Gegenstand. Dann nahm er mit
besonderer Herzlichkeit Abschied und begab sich in sein Schlafgemach.
Hier las er den Phädon, eine Schrift des griechischen Weisen Plato,
welche von der Unsterblichkeit der Seele handelt und zugleich den Tod
des edlen und weisen Sokrates schildert, zweimal durch, und wollte dann
nach seinem Schwerte greifen. Er fand es aber nicht, denn sein Sohn
hatte es heimlich entfernt. Er forderte es mit Ungestüm und ließ nicht
eher ab, bis man es ihm brachte. Ohne sich an die Bitten und Tränen der
Seinigen zu kehren, rief er: „Nun bin ich Herr über mich!“ entließ die
Weinenden, las noch und schlief dann bis Mitternacht. Dann erkundigte
er sich, ob seinen Freunden die Flucht gelungen sei. Auf die Nachricht,
daß sie alle entkommen seien, verschloß er die Tür, stürzte sich in
sein Schwert und fiel zu Boden, wobei er einen Tisch mit umriß. Auf das
Geräusch eilten die Seinen herbei und verbanden seine Wunde; er aber,
wieder zu sich gekommen, riß sie wieder auf und starb an Verblutung.
Als Cäsar bei seinem Einzug in Utica, welches ihm die Tore öffnete,
Catos Tod vernahm, sagte er mit aufrichtigem Schmerz: „Cato, ich
mißgönne dir deinen Tod, weil du mir deine Erhaltung nicht gegönnt
hast!“ Auch verzieh er dem jungen Cato und ließ ihm das väterliche
Vermögen. Catos Beispiel folgend gaben sich auch Metellus, Scipio, Juba
und Petrejus den Tod. Labienus aber und Sextus Pompejus verzweifelten
noch nicht, sondern flohen nach Spanien, um dort den Krieg zu erneuern.
4. Cäsars fernere Taten und Tod.
Als Cäsar nach Rom zurückgekehrt war, wetteiferten der Senat und das
ihm ergebene Volk, ihn mit den höchsten Ehren und Würden zu überhäufen.
Die Diktatur, mit welcher die unumschränkte Macht über den ganzen
Staat verbunden war, wurde ihm auf zehn Jahre übertragen; auf goldenem
Sessel saß er neben den Konsuln, und 72 Liktoren, sechsmal mehr als
den Konsuln, schritten ihm voran, so oft er sein Haus verließ. Für
seinen Sieg bei Thapsus ordnete der Senat ein vierzigtägiges Dankfest
an, und seine Siege über Gallien, Ägypten, Pontus und Afrika feierte
Cäsar durch einen vierfachen Triumph. Neben dem Tempel der Fortuna,
der Göttin des Glücks, brach, ein schlimmes Vorzeichen, die Achse
seines Triumphwagens, und er mußte einen andern besteigen, dann stieg
er die Stufen des Jupitertempels auf den Knieen hinauf. Bei dieser
Gelegenheit legte er die Kriegsbeute über 200 Millionen Mark an Gold
und 2822 goldene Kränze im Werte von mehr als 15 Millionen Mark in den
öffentlichen Schatz. Seinen Feinden verzieh er großmütig und bewies
überall die größte Milde. Bei dem öffentlichen Festmahle, das er gab,
wurde das Volk an 22000 Tischen aufs köstlichste bewirtet, wobei sogar
die bei den Römern so beliebte Fischart der Muränen und die berühmten
Falerner- und Chierweine nicht fehlten. Außer dieser allgemeinen
Speisung beschenkte er noch 50000 arme Bürger mit Getreide und Öl und
je 60 Mark an Geld. Von seinen Kriegern bekam jeder gemeine Soldat 3000
Mark, ein Hauptmann das Doppelte, ein Oberst das Dreifache.
Während Cäsar noch damit beschäftigt war durch eine Reihe von Gesetzen
und Anordnungen die Ruhe und Ordnung des tief erschütterten Staates
herzustellen, rief ihn die Besorgnis vor der drohenden Macht der
Pompejaner in +Spanien+ zu neuem Kampfe ab. Dort hatten Gnaeus und
Sextus, die Söhne des großen Pompejus, wieder ein Heer von dreizehn
Legionen gesammelt. Cäsar zog mit acht Legionen gegen diese letzten
Verteidiger der Republik, und bei der Stadt +Munda+ kam es zu dem
erbittertsten und blutigsten Kampf dieses ganzen Bürgerkrieges (45).
Schon schwankten seine Legionen und das Glück schien ihn zu verlassen;
schon focht er, wie er später gestand, mehr um sein Leben als um den
Sieg. Da sprang er vom Pferde und warf sich, entblößten Hauptes um von
den Seinigen erkannt zu werden, und mit den Worten: „Wollt ihr mich
diesen Knaben überliefern?“ in die vordersten Reihen. So hitzig focht
er, daß viele unter seinen Streichen sanken und sein Schild von mehr
als hundert Geschossen durchbohrt wurde, bis er mit seiner zehnten
Legion und seiner Reiterei das Gleichgewicht wieder herstellte. Schon
neigte sich der Tag, und die Schlacht war noch unentschieden, als Cäsar
bemerkte, wie der pompejanische Anführer Labiēnus fünf Kohorten zum
Schutze seines Lagers absandte, und im Augenblick rief er: „Seht, die
Feinde fliehen!“ Dies glückliche Wort, das schnell durch die Reihen
lief, erhöhte den Mut der Seinen so sehr, daß sie mit hellem Siegesrufe
vordrangen und die Pompejaner, bestürzt durch die plötzliche Wendung,
nun wirklich die Flucht ergriffen. Nun erst begann, wie gewöhnlich in
jenen Zeiten, das eigentliche Gemetzel unter den aufgelösten Scharen
der Besiegten. Über 33000 Erschlagene bedeckten das Schlachtfeld.
Gnaeus Pompejus fiel auf der Flucht, als er eben die Küste erreicht
hatte und Spanien verlassen wollte. Nur sein Bruder Sextus, der der
Schlacht nicht beigewohnt hatte, blieb allein von den Häuptern der
pompejanischen Partei am Leben.
Dieser Sieg machte dem Bürgerkrieg, der 170000 Menschen hingerafft
hatte, ein Ende. Als Cäsar nach Rom zurückkehrte, überhäufte ihn der
Senat mit neuen Ehren, wie sie noch nie einem Römer zuteil geworden
waren. Er erhielt den Titel Imperator oder Oberbefehlshaber der
gesamten Kriegsmacht, und dieser Titel wurde ihm auf Lebenszeit
beigelegt und sollte auch auf seine Nachkommen forterben können;
ebenso ward er auf zehn Jahre Konsul, auf Lebensdauer Diktator,
„Vater des Vaterlandes“, „Befreier“ ward er genannt, und unter einem
der zahlreichen Standbilder, die man ihm errichtete, war geschrieben:
„Dem unbesiegten Gotte“. So war er denn in Wahrheit Alleinherrscher
des römischen Reiches, wenn ihm auch dieser Name fehlte, und als
solcher suchte er die Erinnerung an die Zeit der freien Republik im
Volke allmählich auszulöschen, und die Amtswürden des herrschenden
Adels sanken zu bloßen Titeln herab. Er vermehrte den Senat auf 900
Mitglieder, von denen er die Hälfte selbst ernannte; bei der Wahl der
andern Hälfte nahm das Volk auf seine Vorschläge Rücksicht. Auch ein
neues Forum legte er an, und errichtete daselbst der Venus Victrix, der
„siegreichen Venus“, die er als Stammmutter seines Geschlechts ausgab,
einen herrlichen Tempel. Auf die Einweihung dieses Tempels folgten
glänzende Volksspiele: in einem künstlichen See wurden Schiffsgefechte
geliefert, im Circus wurden 400 Löwen gejagt, wilde Stiere erlegt und
endlich eine förmliche Landschlacht dargestellt.
Um die Verwaltung des Staates und der Provinzen, die von Grund auf
neu zu ordnen war, erwarb Cäsar sich große Verdienste. Neben vielen
anderen Gesetzen dieser Art ist besonders zu nennen die gründliche
Verbesserung des römischen +Kalenders+, die er mit Hilfe des
alexandrinischen Mathematikers Sosígenes durchführte. Es war darin eine
solche Verwirrung eingerissen, daß damals die Abweichung der Monats-
und Tagesrechnung von der wahren Zeit bereits 67 Tage betrug und sich
die Feste um ebensoviel Tage aus ihrer ursprünglichen Lage verschoben.
Die Ursache lag darin, daß man sich dabei nicht nach dem Laufe der
Sonne und der Dauer des Sonnenjahres, sondern nach den Mondumläufen
richtete, deren zwölf ein Jahr von 354 anstatt von 365 Tagen ergaben.
Und doch hatten schon längst die Ägyptier das Jahr nach dem Sonnenlaufe
auf 365 Tage 6 Stunden festgesetzt, während die Griechen und Römer
noch immer ihre Jahresrechnung auf den Mondlauf gründeten und dadurch
zu ungleichen Einschaltungen genötigt waren. Der neue, dem ägyptischen
nachgebildete Kalender, der nach seinem Urheber der +julianische+
genannt wird, machte allen diesen Ungleichheiten und Schwankungen ein
heilsames Ende. Zwar war auch er noch nicht ganz der wirklichen Zeit
entsprechend. Denn indem er dem Jahre 365 Tage und jedem vierten Jahre
mit einem Schalttage 366 gab, wich er von der wahren Jahreslänge des
Sonnenumlaufs um ein Zuviel von mehreren Minuten ab, ein Fehler, der
im Laufe der folgenden Jahrhunderte auf etwa 10 Tage anwuchs und erst
durch den gregorianischen Kalender (1582 n. Chr.) ausgeglichen wurde.
Auch verlegte Cäsar den Anfang des Kalenderjahres vom 1. März auf den
1. Januar. Die Namen der römischen Monate behielt er bei, nur daß durch
Senatsbeschluß der bisherige Quinctīlis dem Cäsar zu Ehren fortan
Julius genannt wurde.
Doch so sehr auch Cäsar seine Feinde durch Milde und Gnade gewonnen
zu haben glaubte, so große Verdienste er sich um die Vergrößerung und
den Ruhm des Staates erworben hatte, so vermochte er doch nicht den
tiefen Haß aller derjenigen zu versöhnen, welche bisher gewohnt waren
den Staat zu regieren und zu ihren Vorteilen auszubeuten. Auch schonte
er nicht in allem seinem Tun die ehrwürdigen alten Überlieferungen
der Republik, an denen das Volk mit zäher Beharrlichkeit hing. Nicht
zufrieden mit königlicher Macht, strebte er auch nach dem königlichen
Titel und beleidigte das Volk durch die Äußerung, daß die Republik
nur ein leerer Name sei. Seine Freunde beeiferten sich ihm den Titel
„König“ zu verschaffen, der den Römern seit der Vertreibung der Könige
ein Gegenstand des Abscheus war. Einst bekränzten sie heimlich seine
Bildsäule mit dem Diadem, aber die Tribunen rissen es ab und schickten
die Täter unter dem Beifall des Volkes ins Gefängnis. Ein anderes Mal
mischten einige in den Zuruf des Volkes den Königsgruß, aber die Menge
stimmte nicht ein, und Cäsar mußte erklären, er heiße Cäsar, nicht
König. An einem Fest trat einst sein Mitkonsul +Antonius+ mit einer
Rede auf und wollte ihm dann eine Krone mit den Worten überreichen:
„Dies sendet dir das römische Volk durch mich!“ aber das Volk brach in
lautes Wehklagen aus, Cäsar wies das Geschenk zurück, und als Antonius
fortfuhr ihm knieend das Diadem darzubieten, sagte er: „Nur Jupiter ist
König!“ und schickte es auf das Kapitol.
Wenn nun auch diese Versuche, den königlichen Titel zu erhalten,
mißlangen, so war doch sein Streben nach der Königswürde unverkennbar.
Die Furcht vor der Gewaltherrschaft eines Königs, Cäsars beleidigender
Stolz gegen vornehme Römer, der Haß einzelner Großen, die seine
unumschränkte Macht nur mit tiefem Ingrimm ertrugen, brachten endlich
eine Verschwörung zuwege, deren Zweck war den großen Diktator zu
ermorden und die alte Ordnung wieder herzustellen.
Der Plan zu diesem Morde entsprang aus dem finsteren Gemüte des +Gajus
Cassius+, der Cäsars Gnade das Leben verdankte. Er merkte aber bald,
daß kein angesehener Mann seinem Anschlage beitreten werde, wenn nicht
der damalige erste Prätor +Marcus Brutus+, Cäsars Liebling, ein wegen
seiner reichen Bildung und strenger Sinnesweise hochangesehener Mann,
sich seinem Plane anschlösse. Diesen suchte er daher vor allem dafür
zu gewinnen. Bald legte er Zettel auf seinen Prätorstuhl mit den
Worten: „Brutus, du schläfst!“ -- oder „Du bist wahrlich kein Brutus!“
Bald schrieb er an die Bildsäule des alten Brutus, der vorzeiten das
Königtum gestürzt und die Freiheit begründet hatte (S. 24): „O daß du
noch lebtest, oder daß von deinen Nachkommen einer dir gleich wäre!“
Lange blieb Brutus unentschlossen. Als er endlich der Verschwörung
beitrat, wirkte sein Beispiel so mächtig, daß bald sechzig andere,
teils begünstigte Freunde Cäsars, teils begnadigte Feinde, sich
anschlossen. Es fehlte ihnen nur noch die Gelegenheit zur Ausführung
ihres Planes, und diese bot ihnen Cäsar selbst.
Damals, im Jahre 44, trug er sich mit dem großen Gedanken eines
Kriegszugs gegen die Parther, um die noch nicht gesühnte Niederlage
bei Karrhä (S. 157) an ihnen zu rächen und die Ostgrenzen des Reiches
gegen diese mächtigen Feinde zu sichern. Sobald ihm dieses gelungen
wäre, gedachte er längs den Küsten des kaspischen Meeres um den
Kaukasus herum zu ziehen, in Skythien einzudringen und von da wieder
westwärts durch die weiten Gebiete der Sarmaten, Daken, Germanen nach
Italien zurückzukehren. Während er zu diesem Zuge die nötigen Anstalten
traf, verbreiteten seine Freunde das Gerücht, daß nach einem Spruch
der sibyllinischen Bücher (S. 22) die Parther nur von einem König
besiegt werden könnten. Darum verlangten sie, daß Cäsar bloß in Italien
Diktator heißen, in den Provinzen aber den Königstitel führen sollte.
An den Iden des März (15. März, ~idibus Martiis~, denn ~idus~ hieß nach
römischem Sprachgebrauch der 15. oder 13. Tag eines Monates), sollte
über diese Frage im Senate verhandelt werden, und so beschlossen denn
die Verschworenen ihn an diesem Tage in der von Pompejus gebauten
Kurie (Ratshalle), wohin der Senat berufen war, zu ermorden.
Vergebens warnten ihn drohende Anzeichen. Man fand, wie erzählt
wird, eine alte eherne Tafel mit einer griechischen Inschrift, die
auf seinen gewaltsamen Tod deutete; in der Nacht vor dem Morde gaben
die heiligen Schilde auf dem Kapitol einen klingenden Ton; Cäsars
Pferde wollten nicht fressen, und in den Tieren, die er opferte, fand
sich kein Herz. Der Seher Spurinna warnte ihn gerade vor den Iden
des Märzes. Doch Cäsars großes Herz war der Furcht und Sorge um sein
Leben verschlossen. Am Abend des 14. März speiste er bei Lépidus,
der als „Reiteroberst“ (~magister equitum~) dem Diktator als Gehilfe
zur Seite stand. Während er dort einige Briefe unterschrieb, warf
einer von den Gästen die Frage auf, welcher Tod der beste sei. Cäsar
antwortete schnell: „Der unerwartete.“ Die Nacht darauf verbrachte er
in großer Unruhe. Aufgeschreckt durch ein plötzliches Geräusch sah er
bei hellem Mondlicht die Türen seines Gemachs von selbst geöffnet und
hörte seine Gemahlin Calpurnia im Schlafe wehklagen. Ihr träumte, man
hätte ihren Gemahl ermordet, und sie halte den Toten weinend in ihren
Armen. Als der Morgen kam, bat sie, erschreckt durch diesen Traum,
ihren Gemahl inständig zu Hause zu bleiben. Cäsar war bereit ihren
Bitten zu willfahren, und gab schon dem Konsul Antonius den Auftrag den
versammelten Senat wieder zu entlassen.
Inzwischen warteten bereits in der Kurie des Pompejus die
Verschworenen, mit versteckten Dolchen bewaffnet, ungeduldig ihres
Opfers, und besorgten schon, da Cäsar nicht kam, ihr Geheimnis wäre
verraten. Sie schickten daher den +Décimus Brutus+, einen vertrauten
Freund Cäsars, um sich nach der Ursache seines Säumens zu erkundigen.
Cäsar erzählte ihm Calpurnias Traum. Aber Brutus stellte ihm vor, wie
unklug es sei, seine Ernennung zum König verschieben zu wollen, bis ein
Weib bessere Träume habe, und zog ihn an der Hand mit sich fort.
Noch hätte Cäsar dem Tode entgehen können, denn selbst auf dem Wege
nach der Kurie wurde er auf mannigfache Art gewarnt. Kaum hatte er sein
Haus verlassen, so drängte sich Artemidōros, ein gelehrter Grieche,
zu ihm heran und überreichte ihm eine Schrift, in der die ganze
Verschwörung entdeckt war. „Lies diese Schrift“, sprach er eifrig,
„lies sie sogleich, sie enthält wichtige Dinge, die dich betreffen.“
Cäsar versuchte sie zu lesen, aber das Gedränge der Menschen um ihn
her war zu groß; ungelesen nahm er die Schrift mit in die Kurie. Nicht
mehr weit davon sah er den Spurinna und rief ihm lachend zu: „Die Iden
des Märzes sind gekommen!“ -- „Aber sie sind noch nicht vorüber“,
antwortete Spurinna. Ohne sich an das Wort zu kehren, ging Cäsar in
die Kurie. An der Tür wurde er noch durch ein Bittgesuch aufgehalten,
dann schritt er sorglos zu seinem goldenen Sessel, der am Fuße der
Bildsäule des Pompejus stand. Alle Verschworenen standen auf, um ihn
zu empfangen; nur Trebonius stand am Eingang der Kurie, um den Konsul
+Marcus Antonius+, den treuesten und kühnsten Anhänger Cäsars, von
dessen Körperkraft und Geistesgegenwart alles zu befürchten war,
zurückzuhalten.