Als hierauf Cäsar die Hauptstadt der Sequaner Vesontio (Besançon)

besetzte und eine Schlacht bevorstand, wurde das römische Heer von

gewaltiger Furcht und Mutlosigkeit überfallen. Die Gerüchte von der

Wildheit und Unüberwindlichkeit der Germanen, deren Mienen und feuriger

Blick nicht zu ertragen seien, hatten ein Zagen und Klagen unter den

Legionen erregt. Viele Offiziere, meist junge vornehme und des Krieges

noch ungewohnte Männer, verlangten unter allerlei Vorwänden Urlaub,

um nach Hause zu gehen; andere machten ihr Testament. Aber durch eine

kräftige Rede wußte Cäsar die Verzagten zu beschämen und den Mut seiner

Legionen wieder aufzurichten. In der bald darauf folgenden Schlacht,

in der Gegend zwischen Vesontio und dem Rhein, wahrscheinlich in der

Nähe von Mülhausen im Elsaß, siegte die römische Kriegskunst über die

Germanen, die völlig geschlagen wurden. Ariovist rettete sich auf einem

Kahne über den Rhein.

In den folgenden Jahren zwang Cäsar, unter blutigen Kämpfen und nach

wiederholten Aufständen, fast alle gallischen Stämme sich der römischen

Herrschaft zu unterwerfen. Auch war er der erste Feldherr, der zweimal

nach Germanien (55 und 53) und Britannien (55 und 54) übersetzte,

nicht um auch diese Länder dauernd zu behaupten, sondern um ihre

kriegslustigen Völker von Einfällen in Gallien und Unterstützung der

Gallier abzuschrecken.

Gallien schien endlich beruhigt, als sich im Jahre 52 noch einmal alle

gallischen Völkerschaften zwischen Seine, Loire und Garonne zu einem

Kampfe um ihre Freiheit erhoben. An der Spitze derselben stand der

kräftige und kluge +Vercingétorix+, ein Fürst der Arverner. Allein

die Geistesgegenwart und Feldherrnkunst Cäsars, sowie die Tüchtigkeit

seiner Legionen, insbesondere auch die Tapferkeit germanischer Söldner

trug einen entschiedenen Sieg davon. Der Krieg zog sich endlich um die

Stadt +Alesia+ (heute Alise St. Reine, zwischen Dijon und Chatillon)

zusammen. In diese hochgelegene feste Stadt warf sich Vercingetorix

mit 80000 Mann, worauf Cäsar Stadt und Lager der Feinde mit 60000

Mann einschloß, indem er eine Umwallung von fast zwei Meilen an

Umfang errichtete und dann eine zweite noch ausgedehntere Reihe von

Befestigungen aufwarf, um sich gegen ein Heer von 257000 Mann zu

schützen, welches heranzog, um Alesia zu entsetzen. Aber sowohl gegen

die Ausfälle der Belagerten als gegen die Angriffe der Gallier, die von

außen seine Werke umzingelten, behauptete sich Cäsar mit Beharrlichkeit

und Glück. Die Heerhaufen der Gallier wurden geschlagen und zogen

einzeln wieder davon; Vercingetorix sah keine Hilfe mehr, und in der

Stadt nahm Hunger und Elend immer mehr zu. Da faßte er den Entschluß

durch Aufopferung seiner selbst die Eingeschlossenen zu retten. In

voller Rüstung, auf seinem besten Roß, erschien er vor dem Sieger,

umritt dessen Tribunal, gab dann Roß und Waffen ab und ließ sich

schweigend auf den Stufen zu Cäsars Füßen nieder. Fünf Jahre später

ward er bei Cäsars Triumph durch die Straßen Roms geführt und dann

enthauptet. Nach der Übergabe von Alesia baten die abgefallenen Völker

um Frieden. Der Widerstand der Gallier war gebrochen, und nur wenige

Stämme versuchten noch, aber ohne allen Erfolg, das Glück der Waffen.

Cäsar konnte die Unterwerfung Galliens als vollendet betrachten.

Er hatte in diesen Kriegen 800 Städte erobert, 300 Völkerschaften

unterworfen und im ganzen eine Million Streiter vernichtet, zwei

Millionen aber zu Gefangenen gemacht.

=2. Cäsars Kampf gegen Pompejus= (49-48).

Während Cäsar Gallien unterjochte, blieb Pompejus fortwährend in Rom,

um durch seine Gegenwart seine Macht zu behaupten und zu erhöhen. Im

Jahre 55 bekleidete er mit Crassus zum zweiten Male das Konsulat,

nach dessen Ablauf dem Crassus Syrien, ihm selber Spanien und Afrika

als Provinzen zufielen. Cäsar hingegen erhielt die Erneuerung seiner

Statthalterschaft auf weitere fünf Jahre.

Crassus eilte nach Syrien, um von dort aus einen Feldzug gegen die

+Parther+, die Nachbarn der Meder und Perser, welche mit ihren

zahlreichen Reiterscharen von Osten her die römischen Provinzen in

Vorderasien seit mehreren Jahren heimsuchten, zu unternehmen. Aber in

unersättlicher Habsucht brachte er seine Zeit damit zu allenthalben

Geld zu erpressen und die Tempelschätze zu plündern, wie er denn im

Tempel zu Hierapolis tagelang mit Abwägen des Goldes beschäftigt war.

Inzwischen gewannen die Parther Zeit zu mächtigen Rüstungen, und

als es dann in Mesopotamien bei Karrhä zur Schlacht kam, wurde er

gänzlich geschlagen. Auf dem Rückzug ließ er sich durch den parthischen

Feldherrn in einen Hinterhalt locken, in dem er verräterisch getötet

ward (53).

Durch den Tod des Crassus hatte sich das sogenannte Triumvirat in ein

Duumvirat, d. h. in eine Verbindung zweier Männer verwandelt. Da aber

im Jahre 52 Julia, die Tochter Cäsars und Gemahlin des Pompejus, welche

bis dahin die Eintracht zwischen den beiden Machthabern erhalten hatte,

starb, so wurde die Verbindung zwischen ihnen, die ja nie aufrichtig

gemeint war, noch mehr gelockert. Pompejus war nach Ablauf seines

Konsulates nicht in seine Provinzen gegangen, sondern ließ sie durch

Legaten verwalten, um nur immer in Rom zu sein, wo es ihm gelang für

das Jahr 52 gegen alles Herkommen, zum alleinigen Konsul ernannt zu

werden. Dagegen unterließ aber auch Cäsar nicht durch Bestechungen die

einflußreichsten Männer in Rom zu gewinnen, darunter den talentvollen

und beredten Volkstribunen +Curio+. Als nun der Zeitpunkt herannahte,

wo die feindselige Spannung zwischen beiden Männern in offenen Kampf

ausbrechen sollte, überließ sich Pompejus einer großen Sorglosigkeit,

ohne an Gegenrüstungen zu denken. Als ihn jemand daran erinnerte,

äußerte er in stolzer Zuversicht: „Wo ich nur in Italien mit dem Fuße

auf die Erde stampfe, da werden Legionen hervorkommen.“

Cäsar gedachte sich um das Konsulat für das Jahr 49 zu bewerben,

wollte aber nicht, nach der herkömmlichen Ordnung, ein halbes Jahr

vor dem Antritt des Amtes sich persönlich in Rom bewerben. Denn dann

hätte er seine Stellung als Statthalter der ihm übertragenen Provinzen

zuvor verlassen und seine Legionen abgeben müssen, und wäre als

Privatmann gegen die Angriffe seiner Gegner machtlos geworden. Aber

eben deshalb bestand auch der Senat hartnäckig auf der Forderung,

daß er nur persönlich, nicht aus der Ferne, und als Privatmann, ohne

Amt und Heerbefehl, als Bewerber um das Konsulat auftreten solle. An

dieser Frage entzündete sich der seit lange drohende Kampf. Denn Cäsar

forderte, daß dann auch Pompejus auf seine Provinzen und Legionen

verzichten müsse. So wurde eine Zeit lang über die Frage, hin und her

gestritten. Endlich beschloß der Senat, daß Cäsar seine Kriegsmacht

abgeben sollte, wo nicht, so werde er als Feind des Vaterlandes

betrachtet werden. Die dem Cäsar treu ergebenen Tribunen M. Antonius

und C. Cassius erhoben leidenschaftlichen Einspruch. Da schritt der

Senat zu dem äußersten Mittel: er erteilte den Konsuln unbeschränkte

Vollmacht mit der alten Formel, „die Konsuln sollten darauf achten, daß

das Gemeinwesen (~res publica~) keinen Schaden nehme“, und gegen Cäsars

Unbotmäßigkeit mit Waffengewalt einzuschreiten. Jetzt flohen die beiden

Tribunen, als wären sie ihres Lebens nicht mehr sicher, als Sklaven

verkleidet, nach Ravenna, einer nahe an der Grenze gelegenen Stadt der

gallischen Provinz, wo sich Cäsar damals aufhielt, und meldeten ihm,

daß der Krieg gegen ihn beschlossen sei. Er war seit lange auf diesen

Ausgang seines Streites mit Pompejus und der Senatspartei vorbereitet,

und handelte nun mit seiner gewohnten Raschheit.

Er führte die Tribunen in derselben entwürdigenden Kleidung, in der

sie zu ihm geflohen waren, vor die Reihen der Legion, mit der er nach

Ravenna vorgerückt war, stellte ihnen das ihm widerfahrene Unrecht vor

und schloß seine Rede mit der Frage, ob sie die Ehre ihres Feldherrn

verteidigen wollten, unter dessen Anführung sie so viele glückliche

Schlachten geliefert hätten. Freudig riefen alle, sie wären bereit

ihn zu verteidigen, und gelobten ihn niemals zu verlassen, wohin er

sie auch führen würde. Kaum war er der Treue seiner Legionen gewiß,

so schickte er sie heimlich an den Fluß Rúbico, der seine Provinz von

dem eigentlichen Italien trennte. Er selbst blieb bis zu Ende des

folgenden Tages in Ravenna. Um sein Vorhaben zu verbergen und keinen

Verdacht zu erregen, besuchte er früh ein öffentliches Schauspiel,

besah zur Mittagszeit die Anlage einer Fechterschule, die er zu Ravenna

bauen lassen wollte, und gab gegen Abend seiner Gewohnheit gemäß ein

großes Gastmahl. Erst nach Sonnenuntergang stand er von Tische auf,

unter dem Vorwand, daß er durch ein kleines Geschäft abgerufen werde,

und mit dem Versprechen sobald als möglich wiederkommen zu wollen.

Aber er kam nicht zurück. Er reiste vielmehr mit seinen vertrautesten

Freunden zum Fluß Rubico, den er vor Tagesanbruch erreichte. Und nun

stand er im Begriff den Krieg gegen sein Vaterland zu beginnen, denn

mit dem Übergang über den Grenzfluß überschritt er zugleich seine

amtliche Befugnis und erhob die Fahne der Empörung gegen die bestehende

Staatsordnung. Es war der Beginn des Bürgerkriegs. Ein solches Beginnen

mußte, wenn auch seit lange von Cäsar erwogen und beschlossen, ihm in

letzter Stunde noch einmal alle damit verbundenen Bedenken und Gefahren

vor die Seele führen. Wohl möchten diese Gedanken auch eines Cäsars

Geist erschüttern. „Noch ist es Zeit zurückzukehren“, sagte er zu

seinen Freunden, „sind wir aber einmal über diese Brücke gegangen, dann

muß alles mit den Waffen entschieden werden.“

Lange, so erzählt man, stand er und sann. Endlich rief er: „Wohlan, die

Götter wollen es, die Feinde fordern uns, der Würfel sei geworfen!“ Und

sogleich ließ er seine Truppen hinübergehen, rückte in größter Eile vor

Ariminum (Rimini) und nahm diese Stadt noch am Morgen des Tages ein.

Zu spät erwachte jetzt Pompejus aus dem Schlummer der Sorglosigkeit.

Auf seine Soldaten, die, wenn auch 30000 Mann stark, keine Lust hatten

sich mit Cäsars sieggewohnten Legionen zu schlagen, konnte er sich

nicht verlassen. Jetzt mußte er sogar den Vorwurf hören, er möge doch

nun die verheißenen Legionen aus der Erde hervorstampfen! Dagegen

rückte Cäsar in raschem Siegeslauf die Küste entlang und nahm ohne

Schwertstreich eine Stadt nach der anderen. Da verlor Pompejus den

Mut; er verließ Rom mit den Konsuln, den meisten Senatoren und allen

seinen Anhängern, und ging nach Capua, wo seine Legionen standen. So

übereilt war die Flucht, daß die Konsuln den gefüllten Schatz in Rom

zurückließen und sich begnügten nur die Schlüssel mitzunehmen. Von

Capua eilte Pompejus nach Brundisium (Bríndisi), um von da über das

Meer nach Griechenland zu gehen. Ohne Kampf überließ er Italien seinem

Gegner.

Cäsar, von dessen Siege man die Wiederkehr der Schreckenszeiten unter

Marius und Sulla befürchtete, verfuhr allenthalben mit unerwarteter

Milde und zuvorkommender Großmut. Auch Sardinien und Sizilien kamen

ohne Kampf in seine Gewalt. Den Zugang zum Schatz in Rom ließ er

erbrechen und erklärte dem Tribunen Metellus, der dies verhindern

wollte, daß er ihn bei fortgesetztem Widerstande werde hinrichten

lassen, indem er hinzufügte: „Wisse, junger Mann, daß es mir schwerer

fällt dies zu sagen als zu tun.“ Im Schatze fand er 26000 Barren Goldes

und 40 Millionen Sesterzen. In 60 Tagen ward er Herr von Italien und

hatte alle Gemüter durch Freundlichkeit und Wohlwollen beruhigt. Die

Bewachung der Stadt übergab er dem Lépidus, das Kommando in Italien

dem Marcus Antonius, und zog dann nach Spanien, um dort „das Heer

ohne Feldherrn“ und nach seiner Rückkehr „den Feldherrn ohne Heer“ zu

bekämpfen. Bald nötigte er die Legaten des Pompejus in Spanien sich

zu ergeben, und reiste dann nach Rom zurück, wo er sich zum Diktator

ernennen ließ, aber schon nach elf Tagen diese Würde mit dem Konsulat

vertauschte. Jetzt erst gedachte er den Pompejus selbst zu verfolgen

und zu bekämpfen.

Dieser hatte indessen großartige Rüstungen betrieben. Aus den östlichen

Provinzen des römischen Reiches und von verbündeten Fürsten hatte er

Truppen, Schiffe und Geld zusammengebracht, und stand jetzt an der

Spitze eines Heeres von 63000 Mann zu Fuß und mehr als 10000 Reitern,

wozu eine Flotte von 800 Schiffen kam. Zugleich gab er durch den

Glanz seines Hauptquartiers, wo ein großer Teil des römischen Adels

versammelt war, und durch die Einrichtung eines eigenen Senates zu

erkennen, daß er +sich+ als den eigentlichen Machthaber und +seinen+

Senat als den eigentlichen Sitz der Reichsregierung betrachtete. Cäsar

fuhr mit sieben Legionen von Brundisium ab und landete an der Küste

von Epirus; die leeren Schiffe sandte er zurück, Antonius sollte die

übrigen fünf Legionen auf ihnen hinüberführen. Aber von diesen Schiffen

wurden 30 von einem Legaten des Pompejus abgefangen, die übrigen

durch die Stürme des Winters an der Überfahrt gehindert. Ungeduldig

vor langem Warten bestieg Cäsar selbst in einer stürmischen Nacht

in Sklavenkleidung eine Barke, um nach Brundisium zu segeln und die

Einschiffung seiner Truppen zu beschleunigen. Aber das Meer war so

ungestüm, daß der Steuermann wieder umkehren wollte. Um ihn zu neuer

Anstrengung zu ermuntern, wagte Cäsar sich ihm zu entdecken: „Sei

guten Mutes!“ rief er, „du fährst Cäsar und Cäsars Glück!“ Dennoch

mußte er den allzu mächtig tobenden Elementen weichen und in den Hafen

zurückkehren. Endlich landete Marcus Antonius mit den übrigen Legionen.

Anfangs ließ sich der Krieg in Epirus für Cäsar ungünstig an. Bei

+Dyrrháchion+ (Durazzo) durchbrach Pompejus seine Verschanzungen und

brachte ihm einen großen Verlust bei. Darauf zog Cäsar, dessen Heer den

Mangel an den notwendigsten Bedürfnissen nicht länger tragen konnte,

über das Gebirge nach dem fruchtbaren Thessalien hinüber.

Hier kam es in der Ebene von +Pharsálos+ zur entscheidenden Schlacht

(9. August 48). Das Heer des Pompejus betrug 47000 Mann zu Fuß und 7000

Reiter, und bildete eine zehn Mann tiefe Linie. Von Cäsars Heer waren

nur 22000 Mann zu Fuß und 1000 Reiter zur Stelle und in dreifacher

Schlachtreihe aufgestellt. Da Pompejus mit seiner Reiterei den linken

Flügel hielt, weil sein rechter von einem Fluß gedeckt war, so stellte

sich Cäsar mit seiner treuen, in vielen Schlachten bewährten zehnten

Legion und sechs Kohorten kräftiger Germanen, jenem gegenüber, hinter

seinem rechten Flügel auf.

Pompejus befahl seinen Soldaten den feindlichen Angriff ruhig zu

erwarten. Cäsar dagegen ließ, um den Stoß auf den Feind zu verstärken,

sein Heer anlaufen, dann mitten im Anlauf ein wenig halten und sich

ordnen, und so auf den noch immer ruhigen Feind anstürmen. Zwar warf

des Pompejus Reiterei die des Cäsar, wurde aber mitten im Vorstürmen

plötzlich von der zehnten Legion und den deutschen Kohorten so

empfangen, daß sie die Flucht ergriff, worauf die verfolgenden Kohorten

Cäsars dem linken Flügel des feindlichen Fußvolkes in den Rücken

fielen und durch dessen völlige Versprengung den Sieg herbeiführten.

Am meisten Ruhm erntete im Heere Cäsars der Centurio Crástinus. Dieser

rief seinen Kameraden zu: „Wohlan, ihr Kriegsgefährten! Mir nach und

leistet eurem Feldherrn den Dienst, den ihr ihm verheißen habt; dieser

eine Kampf ist noch übrig, dann wird er seine gebührende Würde und wir

unsere Freiheit erlangen.“ Dann sagte er mit einem Blick auf Cäsar:

„Heute, Feldherr, will ich mir deinen Dank verdienen, ob ich falle oder

am Leben bleibe!“ Nach diesen Worten stürzte er sich an der Spitze

von 120 Auserlesenen auf den Feind, in deren Mitte er aufs tapferste

kämpfend den Tod fand.

Die geschlagenen Truppen des Pompejus flohen ins Lager, wohin sich

dieser schon gleich nach der Flucht seiner Reiter begeben hatte. Noch

saß er wie betäubt und sprachlos in seinem Zelte, als man ihm meldete,

der Feind habe schon die äußeren Schanzen genommen. „Also gar bis

in unser Lager!“ rief er bestürzt und fassungslos, vertauschte sein

purpurnes Feldherrngewand mit einem schlichten Kleide, warf sich auf

ein Roß und floh, von wenigen Getreuen begleitet, in der Nacht durch

das Tal Tempe dem Meere zu.

Indessen eroberte Cäsar das feindliche Lager mit Sturm; 15000 Feinde

lagen tot oder verwundet. Der Rest des feindlichen Heeres, der sich

gerettet hatte, gegen 20000 Mann, ergab sich am folgenden Morgen,

während Cäsar nur 30 Hauptleute und 200 Gemeine verloren hatte. Allen

Gefangenen schenkte der Sieger Leben, Freiheit und Eigentum. Die

Gemeinen nahm er in sein eigenes Heer auf. Die gefangenen Senatoren

dagegen und Ritter wurden fast alle mit dem Tode bestraft, nur wenige

fanden Schonung und Gnade; die übrigen suchten ihr Heil in der Flucht

nach den westlichen Provinzen, denn der ganze Osten fiel alsbald in die

Gewalt des Siegers.

Als Pompejus auf seiner Flucht an das Meer gelangt war, bestieg er ein

Schiff und segelte nach der Stadt Amphípolis in Makedonien, wo er den

Befehl ausgehen ließ, daß alle junge Mannschaft dieser Provinz sich

zur Werbung einstellen sollte. Wahrscheinlich tat er dies, um den Plan

seiner ferneren Flucht zu verbergen; denn nur eine Nacht blieb er bei

Amphipolis vor Anker, dann segelte er weiter nach der Insel Lesbos, um

seine Gattin Cornelia, die sich dort aufhielt, zu sich zu nehmen. Durch

einen Boten ließ er ihr die Nachricht von seiner Niederlage mitteilen.

Die unglückliche Frau, welche in dem süßen Wahn lebte, daß Cäsar

seit dem Verluste bei Dyrrhachion schon völlig besiegt sei, sank bei

dieser Kunde sprachlos zu Boden, und als sie sich wieder aufgerichtet

hatte, stürzte sie, einer Rasenden gleich, aus der Stadt dem Hafen

zu; Pompejus kam ihr hier entgegen; sie fiel kraftlos in seine Arme.

Pompejus, selbst des Trostes bedürftig, suchte sie zu ermutigen und

stellte ihr vor, daß das Glück den, welchen es stürzt, auch wieder

erheben könne.

Nach einigen Tagen segelte er mit seiner Gemahlin von Lesbos ab. Er

hatte nach reiflicher Überlegung beschlossen sich in den Schutz des

Königs +Ptolemäos+ von Ägypten zu begeben. Denn er durfte mit vollem

Recht auf die Dankbarkeit und das Wohlwollen desselben hoffen, weil

er +selbst+ einst dessen Vater wieder auf den Thron gesetzt hatte. Er

segelte also nach Pelusion, einer Stadt an der östlichen Mündung des

Nils. Als er nicht mehr weit vom Ufer entfernt war, ließ er den König

von seiner Ankunft benachrichtigen und um Schutz und Zuflucht bitten.

Ptolemäos, erst dreizehn Jahre alt und noch unfähig selbst zu regieren,

ließ sich von Achillas, dem Obersten seines Heeres, von seinem Vormund

Potheinos und seinem Lehrer, dem Rhetor Theódotos, leiten. Diese drei

Männer berieten über die Bitte des Pompejus. Anfangs waren sie in ihren

Meinungen geteilt, zuletzt sagte Theodotos: „Nehmen wir ihn auf, so

werden wir ihn zum Herrn und den Cäsar zum Feinde haben; weisen wir ihn

zurück, so werden wir ihn beleidigen, weil wir ihm die Aufnahme versagt

haben, und Cäsar nicht gewinnen, weil wir jenen haben entwischen

lassen. Der beste Rat ist daher den Pompejus kommen zu lassen und

sogleich zu töten; so beweisen wir uns dem Cäsar gefällig und brauchen

uns vor Pompejus nicht zu fürchten! denn“ -- setzte er hohnlachend

hinzu -- „die Toten beißen nicht mehr.“

Der Vorschlag des Theodotos wurde genehmigt und Achillas zur

Vollstreckung ausersehen. Dieser, ein Mann von außerordentlicher

Verwegenheit, bestieg mit Septimius, einem geborenen Römer, der einst

unter des Pompejus Fahnen gedient hatte, nebst drei bis vier Ägyptiern

ein kleines Fahrzeug und fuhr auf das Schiff des Pompejus zu. Das

schlechte Aussehen dieses Fahrzeuges und die geringen Anstalten, die

man zum Empfange des Pompejus traf, machten seine Freunde unruhig. Sie

fingen an Verdacht zu schöpfen und waren schon willens sich wieder zu

entfernen, als Achillas an Bord kam und den Pompejus einlud in sein

Fahrzeug zu steigen, dessen dürftiges Aussehen er damit entschuldigte,

daß das Meer an dieser Küste zu flach sei, um es mit größeren und

schwereren Schiffen zu befahren. Pompejus war nicht ohne Argwohn;

denn schon sah er, daß an der Küste einige königliche Schiffe bemannt

wurden. Allein, um die Ägyptier nicht durch Mißtrauen zu reizen, zeigte

er sich sogleich bereit dem Achillas zu folgen. Er nahm daher gefaßten

Mutes von seiner Gemahlin und seinem Sohne Abschied und stieg mit vier

Personen seines Gefolges in das ägyptische Boot.

Schon waren sie eine beträchtliche Strecke weit gefahren, und noch

immer herrschte düsteres Schweigen in dem Boote. Pompejus wurde unruhig

und suchte seine Unruhe durch Sprechen zu unterdrücken. Er wandte sich

daher zu Septimius und sagte: „Mich dünkt, mein Freund, ich kenne dich.

Sind wir nicht einmal Kriegsgefährten gewesen?“ Septimius nickte nur

mit dem Kopfe, ohne ein Wort zu sprechen, und es herrschte abermals

die vorige Stille. Da nahm Pompejus seine Schreibtafel zur Hand, um

die griechische Anrede zu lesen, die er darin aufgezeichnet und die

er an den jungen König richten wollte. Cornelias Blicke begleiteten

indes die Fahrt in angstvoller Spannung bis zum Lande, wo sich eben

viele Hofleute wie zu feierlichem Empfange sammelten. Schon begann

sie zu hoffen. Aber in dem Augenblick, als Pompejus den Arm seines

Freigelassenen Philippus ergriff, um sich vom Sitze zu erheben, stieß

ihm Septimius sein Schwert in den Rücken, und Achillas fiel ihn von

vorn an. Pompejus sah, daß er seinem Tode nicht entrinnen konnte, und

suchte nun wenigstens die würdevolle Haltung, die er im Leben stets

gezeigt hatte, auch noch im Tode zu bewahren. Er zog seine Toga über

das Haupt, sprach kein Wort, sondern stöhnte nur bei jedem weiteren

Stoß, bis er tot am Ufer zusammenbrach. So starb der große Pompejus

im 58sten Jahre seines Alters, am 28. September 48, am Tage vor

seinem Geburtstage. Auf den Schiffen, welche ihn hergebracht hatten,

erscholl lauter Jammerruf beim Anblick dieses schrecklichen Vorgangs,

dann eilten sie ins offene Meer zurück, vergeblich verfolgt von den

ägyptischen Kriegsgaleeren.

Die Mörder des Pompejus wüteten noch gegen den Leichnam. Sie schnitten

ihm den Kopf ab und warfen den Rumpf nackt an das Ufer, wo er von einer

Menge neugieriger Menschen begafft ward. Darauf erwies Philippus, der

Freigelassene des Pompejus, seinem Herrn den letzten Dienst. Er wusch

den verstümmelten Leichnam im Meere ab, wickelte ihn in eins seiner

Gewänder und brachte dann einige Trümmer von einem alten Fischerkahn

zusammen, um einen Scheiterhaufen zu errichten. Während er damit

beschäftigt war, trat ein alter Römer, der einst unter Pompejus gedient

hatte, mit den Worten zu ihm: „Wer bist du, der du den großen Pompejus

zu bestatten suchst?“ -- „Sein Freigelassener“, antwortete Philippus.

-- „Wenn du der bist“, erwiderte der Alte, „so teile die Ehre der

Beerdigung mit mir, damit ich in dem Elend, das mich drückt, doch

wenigstens das eine Glück genieße, den Leichnam des größten römischen

Feldherrn mit meinen Händen zu begraben.“ Philippus willfahrte ihm,

beide verbrannten den Leichnam, vergruben die Asche und setzten auf den

Grabhügel eine Tafel mit der Inschrift: „Hier ruht Pompejus der Große!“

3. Cäsar in Afrika. Catos Tod.

Drei Tage nach des Pompejus Tode erschien Cäsar vor dem Hafen von

Alexandria, der damaligen Hauptstadt Ägyptens. Alsbald kamen die

Mörder in der Hoffnung auf eine Belohnung an Bord seines Schiffes und

überreichten des Pompejus Haupt und Siegelring. Cäsar wandte sich mit

Abscheu von dem Anblick des blutigen Hauptes, aber tränenden Auges

empfing er den Siegelring des Mannes, der einst so groß und mächtig und

durch Freundschaft und Verwandtschaft mit ihm verbunden gewesen.

Erzählungen aus der Römischen Geschichte in biographischer Form · 第 15 / 21 段