In Palästina erfuhr Pompejus auch den Tod des Mithridates. Dieser

hatte zuletzt in seiner eigenen Familie Verrat erfahren müssen.

Auch sein liebster Sohn Phárnakes empörte sich wider ihn und gewann

sein Heer. Der alte, sogar von seinen Leibwachen verlassene König

flüchtete sich in eine Burg, wo ihn sein Sohn belagerte, um ihn den

Römern auszuliefern. Aber Mithridates, als er das seiner harrende Los

erkannte, nahm er das Gift, das er stets im Knaufe seines Schwertes

trug, und mischte für sich, seine Frauen und Töchter, unter diesen die

beiden Bräute der Könige von Ägypten und Cypern, den Giftbecher, den

er selber als der letzte trank. Da er aber seinen Körper, um sich gegen

Vergiftung zu schützen, seit lange an alle Arten von Gift gewöhnt und

dagegen abgehärtet hatte, so wirkte der Trank nur schwach und langsam.

Da bot der König einem seiner keltischen Söldner den Nacken zum

Todesstreich. So endete dieser große Feind der Römer sein Leben im 68.

Lebensjahre, nach 56jähriger Regierung und 26jährigem Kampf gegen die

römische Weltherrschaft (63).

Jetzt eilte Pompejus in das Reich Pontus und traf hier umfassende

Anordnungen über die eroberten asiatischen Länder. Er setzte Könige

und Fürsten ab und ein, löste Königreiche und Fürstentümer auf und

schuf neue, ordnete die neuerworbenen Provinzen nach seinem Gutdünken,

und kehrte dann, überreich an Erfolgen, Ruhm und Beute, nach Italien

zurück. In Brundisium, wo er landete, entließ er sein Heer und begab

sich, wie ein einfacher Bürger, nach Rom. Auf dem ganzen Wege begrüßte

ihn das Volk unter stetem Beifallrufen bis zu den Toren Roms, wo ihn

der ganze Senat erwartete. In Rom feierte er +als Sieger über den

dritten Weltteil+ und +zweiter Alexander+ seinen dritten Triumph,

der zwei Tage dauerte und alles, was man bisher in dieser Art in Rom

gesehen hatte, an Pracht und Glanz weit hinter sich ließ. Voran trug

man Tafeln mit den Namen von sechzehn besiegten Ländern und Völkern,

mit der Angabe von 1000 Burgen, 900 Städten, 800 Schiffen, die er

genommen, und von 39 Städten, die er gegründet oder bevölkert hatte.

Unter den Siegeszeichen und erbeuteten Schätzen und Kostbarkeiten, die

er zur Schau stellte, befanden sich 33 Kronen mit Perlen, 3 goldene

Götterbildnisse, 9 Schenktische voll goldener Trinkgeschirre, die

unermeßlichen Schätze des Mithridates, darunter eine kostbare Sammlung

geschnittener Steine, sein goldenes, 8 Ellen hohes Brustbild, sein

Thron, sein 4 Fuß breites und 3 Fuß langes Brettspiel von 30 Pfund

Gold an Gewicht, mit Würfeln von Edelsteinen, ein Musentempel mit

einer Sonnenuhr im Giebel u. s. w. Die Menge der Kostbarkeiten war

so groß, daß sie nicht alle in diesen beiden Tagen aufgeführt werden

konnten. Unter den 324 vornehmen Gefangenen aus den verschiedensten

Völkerschaften, die ungefesselt vor dem Triumphwagen einhergingen,

befanden sich fünf Söhne und zwei Töchter des Mithridates. Endlich

folgte auf einem von Edelsteinen schimmernden Triumphwagen Pompejus

selbst, angetan mit einer Rüstung Alexanders des Großen, die er in

der königlichen Schatzkammer des Mithridates gefunden hatte. In den

römischen Staatsschatz lieferte er 20000 Talente (fast 10 Millionen

Mark).

XXVI.

Cicero.

+Marcus Tullius Cicero+ wurde im Jahre 106 v. Chr. im südlichen Latium,

nahe bei Arpinum, der Vaterstadt des Marius, geboren. Er stammte aus

einem wohlhabenden Rittergeschlechte und empfing von seinem Vater

seine erste Bildung. Früh zeigte er den Ehrgeiz „immer der Beste zu

sein und emporzustreben vor allen.“ Seine weitere Vorbildung erhielt

er zu Rom, wo er schon in der Schule durch Wißbegierde, schnelle

Auffassung und rasche Fortschritte allgemeine Bewunderung erregte. Dann

machte er sich mit den Werken der besten griechischen Dichter, Redner

und Philosophen vertraut, und ließ sich in die römische Rechtskunde

einführen. Durch fleißiges Übersetzen griechischer Dichtungen und Reden

erlangte er eine große Gewandtheit auch im Gebrauch der lateinischen

Sprache. Nachdem er im marsischen oder Bundesgenossenkriege (S. 121)

einen Feldzug mitgemacht hatte, lebte er drei Jahre in Rom als Anwalt,

indem er die Verteidigung von Angeklagten übernahm. Dann ging er, um

seine Gesundheit herzustellen und sich weiter auszubilden, nach Athen,

Kleinasien und Rhodus, wo er die berühmtesten Lehrer der Beredsamkeit

hörte. In Rhodus, erzählt man, forderte ihn eines Tages sein Lehrer,

der berühmte Apollonios Molon, auf, einen griechischen Vortrag zu

halten. Cicero tat es und wußte seine Zuhörer so hinzureißen, daß

sie in Lobsprüchen über ihn wetteiferten; nur Molon saß lange Zeit

nachdenkend da und sprach endlich: „Dich, o Cicero, preise und

bewundere ich, aber Griechenlands Geschick bedauere ich, da ich sehe,

daß auch der einzige Vorzug, der uns Griechen noch übrig blieb, Bildung

und Beredsamkeit, durch dich den Römern zuteil wird.“ Einige Jahre

nach seiner Rückkehr ward er Quästor in Sicilien, wo er durch seine

menschenfreundliche und gerechte Amtsführung sich allgemeine Achtung

erwarb. Deshalb übertrugen ihm hernach die Städte dieser Provinz die

Anklage gegen +Gajus Verres+, der sie als Prätor drei Jahre lang durch

unersättliche Habgier, schamlose Erpressungen von Geld und Kunstwerken

aller Art, durch ungerechte und grausame Urteilssprüche in Verzweiflung

gebracht hatte. Cicero führte diese Anklage mit solchem Erfolge, daß

Verres noch vor Beendigung des Prozesses seine Sache verloren gab und

in die Verbannung ging. Dieser Erfolg begründete den Ruf Ciceros als

des ersten Redners in Rom und erwarb ihm so allgemeine Anerkennung, daß

er die nächsthöheren Ämter, die Ädilität und Prätur, mühelos erreichte

und endlich auch, obgleich wie sein Landsmann Marius ein „Neuling“

(~homo novus~), das höchste Ziel seines Ehrgeizes, das Konsulat, für

das Jahr 63 erlangte. Als Konsul erwarb er sich um sein Vaterland

dadurch ein großes Verdienst, daß er die Verschwörung des Catilina

entdeckte und vernichtete.

+Lucius Sergius Catilina+ war aus dem altpatrizischen Geschlechte

der Sergier entsprossen. Von Jugend auf von allen Lastern jener Zeit

befleckt, durch Verschwendung verarmt und verschuldet, war er vertraut

mit allen durch Ausschweifung und Leichtsinn zugrunde gerichteten

jungen Adligen, die er zu Meineid und Betrug, zu Gewalttat und Mord

verführte. Schon zur Zeit der sullanischen Proskriptionen hatte er

durch Ermordung des eigenen Bruders seine Verworfenheit gezeigt.

Dennoch wußte er sich so zu verstellen, daß er hohe Ämter erlangte

und sich sogar um das Konsulat bewarb. Da er aber als Proprätor

in Afrika wegen Erpressungen angeklagt wurde, mußte er von dieser

Bewerbung abstehen. Aus Erbitterung über diesen Fehlschlag seiner

Hoffnung und aus Furcht vor weiteren gerichtlichen Verfolgungen faßte

er den Entschluß die neuen Konsuln und die ihm verhaßten Senatoren zu

ermorden, und sich so das Konsulat mit Gewalt zu verschaffen und die

herrschende Aristokratie zu stürzen.

Da sein Versuch, diesen Plan auszuführen, zweimal mißlungen war,

stiftete er eine weit verbreitete Verschwörung zum Umsturz des Staates

an. Er gewann in Rom selbst zehn Senatoren, eine Anzahl Ritter,

außerdem noch viele Unzufriedene in den übrigen Städten, Leute, die,

wie er selbst, durch eine völlige Umwälzung aus Armut, Schuldennot oder

Unehre wieder emporzukommen hofften. Diesen allen verhieß er Ämter,

Tilgung ihrer Schulden und Reichtümer.

Zur Ausführung seines ruchlosen Planes bewarb er sich von neuem um das

Konsulat, diesmal zugleich mit Cicero, für das Jahr 63. Zwar er selbst

fiel durch, aber neben Cicero wurde ein heimlicher Gesinnungsgenosse

Catilinas, Antonius Pätus, gewählt. Durch seinen neuen Mißerfolg nicht

abgeschreckt, sondern zum äußersten gereizt und entschlossen, betrieb

Catilina seinen Verrat mit erhöhter Kraft. Er ließ in aller Stille

in allen Teilen Italiens seine Anhänger sich sammeln und bewaffnen,

und traf in Rom selbst alle Anstalten, um die Stadt auf ein gegebenes

Zeichen in Brand stecken und den neuen Konsul Cicero mit allen

Häuptern der herrschenden Partei ermorden zu lassen. Aber er fand in

Cicero einen wachsamen und unerschrockenen Gegner, der alle seine

Schritte beobachtete und rechtzeitig zu vereiteln wußte. So verging

ein großer Teil des Jahres. Endlich gelang es dem Konsul durch den

Verrat einer Frau und durch die Aussagen eines Teilnehmers einen Beweis

für Catilinas Hochverrat zu erhalten. Da trat er im Senat offen mit

seiner Anklage gegen Catilina hervor. Vergebens suchte dieser sich zu

verteidigen. Als er die ihm feindliche Stimmung erkannte, rief er mit

drohendem Trotz: „Aus zwei Körpern besteht unser Staat: der eine ist

hinfällig und hat ein schwaches Haupt; der andere ist kräftig, jedoch

ohne Haupt. Es soll ihm, wenn ich am Leben bleibe, nicht lange mehr

fehlen!“ Dann stürzte er hinaus.

Inzwischen hatten seine Anhänger unter der Führung eines gewissen

+Manlius+ bei Fäsulä (heute Fiesole, nahe bei Florenz) ein Lager

bezogen. Da Catilina auch bei der Konsulwahl dieses Jahres wieder

durchgefallen war, so versammelte er in der darauf folgenden Nacht

die Verschworenen und wies jedem sein Geschäft zu. Die vornehmsten

Gegner sollten getötet, die Stadt an verschiedenen Stellen zugleich

angezündet, vor allem aber Cicero vor Anbruch des Tages ermordet

werden. Dieser erfuhr den Plan, ließ die beiden Verschworenen, die ihn

ermorden wollten, vor seiner Tür abweisen und berief den Senat. Auch

Catilina erschien. Jetzt enthüllte Cicero das ganze ruchlose Treiben

des Mannes in gewaltiger Rede, richtete dann sein Wort unmittelbar an

diesen selbst und forderte ihn auf mit seiner Rotte Rom zu verlassen,

wo für seine heimlichen Anschläge kein Raum mehr sei, wo der Konsul und

die Staatsgewalt ihn auf Schritt und Tritt bewache und das Volk ihn

verabscheue; draußen möge er den offenen Kampf gegen die Vaterstadt

beginnen. Und Catilina folgte dieser höhnischen Aufforderung: in der

folgenden Nacht eilte er aus der Stadt ins Lager zu Manlius.

Die Mitverschworenen aber, die er in Rom zurückließ, bestimmten die

Feier der Saturnalien (im Dezember) zur Ausführung ihres Planes; die

Stadt sollte an zwölf Ecken angezündet, die Häupter des Senats und die

Konsuln durch bestimmte Verschworene ermordet werden, und Catilina

in der allgemeinen Verwirrung mit seinem Heere einrücken. Auch eine

Gesandtschaft der Allóbroger, einer Völkerschaft in der gallischen

Provinz, welche gekommen war, um über ungerechte Behandlung Beschwerde

zu führen, wurde mit in die Verschwörung gezogen und zum Aufstande

aufgefordert; aber dies beschleunigte nur den Untergang der Frevler.

Da diese Gesandten schwankten, was sie tun sollten, so teilten sie die

Sache einem Senator mit, durch den Cicero alles erfuhr. Sie erhielten

den Rat, sich von den Häuptern der Verschwörung Briefe an ihr Volk

geben zu lassen. Dies geschah; aber Cicero ließ die abreisenden

Gesandten, bei denen sich auch ein Verschworener befand, nahe bei der

Stadt aufheben und bekam durch die Briefe nun auch schriftliche Beweise

gegen die Verschworenen in die Hand.

Die Schuldigen wurden darauf überführt und in Haft gegeben. Cicero

erhielt den Dank des Senats und den Namen Vater des Vaterlandes. Von

den neun Hauptschuldigen waren vier entflohen, die übrigen fünf, an

ihrer Spitze der Stadtprätor Lentulus, wurden vom Senat zum Tode

verurteilt und dieser Beschluß sogleich im Gefängnis vollzogen. Mit

den Worten: „Sie haben gelebt!“ verkündigte Cicero dem Volke die

Vollstreckung der Strafe und ward von ihm, wie im Triumphe, nach seinem

Hause begleitet.

Gegen Catilina selbst aber wurde mit Waffengewalt vorgeschritten.

Der Feldzug gegen ihn fiel ins folgende Jahr (62). Bei +Pistoria+ in

Etrurien kam es zum Treffen. Catilina und seine 3000 Gefährten fochten

mit verzweifelter Tapferkeit; sie fielen bis auf den letzten Mann.

Wiewohl Cicero durch die Entdeckung der Verschwörung den Staat gerettet

hatte, so wurde doch der Umstand, daß er die Verbrecher wider das

herkömmliche Rechtsverfahren, ohne gerichtliche Untersuchung und

Verurteilung, bloß auf einen Senatsbeschluß hin, hatte hinrichten

lassen, die Ursache, daß er später heftig angegriffen wurde, wobei

er von seinen politischen Freunden nur schwach unterstützt wurde. Der

Volkstribun +Clodius+ beantragte einige Jahre nachher ein Gesetz, daß

jeder, der einen römischen Bürger ohne Richterspruch hingerichtet habe,

geächtet sein solle. Dieses Gesetz, das unverkennbar gegen Cicero

gerichtet war, fand die Zustimmung des Volkes, und so mußte dieser,

um seinen Feinden zu entgehen, freiwillig in die Verbannung wandern

(58). Er ging nach Thessalonike in Makedonien. In Rom zog man seine

Güter ein und zerstörte sein Haus. Doch schon im folgenden Jahre (57)

wurde er durch Volksbeschluß zurückgerufen. Seine Rückkehr glich einem

Triumphzuge. Sein Haus und seine Güter wurden ihm wieder hergestellt.

XXVII.

Julius Cäsar. Der zweite Bürgerkrieg.

1. Cäsar bis zum Kampfe gegen Pompejus.

+Gajus Julius Cäsar+ wurde im Jahre 100 v. Chr. zu Rom als Sprößling

eines der vornehmsten alten Adelsgeschlechter, dem der Julier, geboren.

Von seiner Mutter Aurelia mit der größten Sorgfalt erzogen, zeigte er

schon als Knabe eine ganz ungewöhnliche Begabung des Geistes und eine

Willenskraft, die vor keinem Widerstande, vor keiner Schwierigkeit

zurückwich. Von seinem Gedächtnis und seiner Geisteskraft erzählte

man Erstaunliches: er sei imstande und gewohnt, zu gleicher Zeit zu

schreiben, zu lesen und zu hören, und auf einmal vier bis sieben Briefe

zu diktieren. Bei so seltenen Gaben, die mit rastloser Tätigkeit

verbunden waren, erwarb er sich eine reiche Fülle von Kenntnissen aller

Art und erreichte die volle Bildungshöhe seiner Zeit.

Zur Zeit der Diktatur Sullas stand Cäsar auf Seiten des Marius. Schon

durch Verwandtschaft war er mit dieser Partei verbunden, da Marius

mit Cäsars Tante vermählt war und er selbst eine Tochter Cinnas,

Cornelia, zur Gemahlin hatte. Dadurch zog er sich die Feindschaft des

allgewaltigen Diktators zu. Sulla verlangte, Cäsar sollte sich von

seiner Gemahlin scheiden; dieser aber weigerte sich standhaft, während

Pompejus, an den Sulla eine gleiche Forderung gestellt hatte, sich dem

Willen des Diktators nachgiebig fügte. Durch diese Weigerung erbittert,

ließ Sulla Cäsars Namen auf die Liste der Geächteten (Proskribierten)

setzen. Dadurch verlor dieser das Heiratsgut seiner Frau und sein

väterliches Erbe, mußte Rom verlassen und eine Zeitlang unter den

größten Gefahren umherirren. Fast jede Nacht war er genötigt sich an

einem anderen Orte zu verbergen, und hatte unter solchen Umständen

um so schwerer zu leiden, als zugleich ein Fieber seine Kräfte

verzehrte. Als er dennoch zuletzt entdeckt wurde, mußte er sich von

den Häschern mit vielem Gelde loskaufen. Endlich verzieh ihm Sulla und

begnadigte ihn auf Fürbitten einiger vornehmen Freunde und besonders

der Vestalinnen, dabei sprach er aber die merkwürdigen Worte: „So nehmt

ihn denn hin, aber wisset, daß dieser Jüngling uns einst zum Verderben

gereichen wird; denn in dem einen Cäsar stecken viele Marius!“

Aber auch nach seiner Begnadigung mochte sich Cäsar noch nicht für ganz

sicher gehalten haben, denn bald verließ er Rom und begab sich nach

Rhodus, um sich dort in der Beredsamkeit auszubilden. Auf der Fahrt

dorthin geriet er in die Hände von Seeräubern, die damals noch ihr

Unwesen trieben. Während der vierzig Tage, die er bei ihnen bleiben

mußte, bis er das verlangte Lösegeld herbeischaffen konnte, wußte er

sich so in Achtung zu setzen, daß er nicht ihr Gefangener, sondern

ihr Herr zu sein schien. So hatten sie für seine Auslösung zwanzig

Talente verlangt, da rief er: „Wie? für einen Mann, wie ich bin, nur

zwanzig Talente? Ihr sollt fünfzig haben.“ Während der Gefangenschaft

beschäftigte er sich mit der Abfassung von Reden und Gedichten, die er

dann wohl den Piraten vorlas. Kargten sie dabei mit ihrem Beifall, so

schalt er sie und drohte, er werde sie alle ans Kreuz schlagen lassen.

Wenn er schlafen wollte, verbot er ihnen jedes Geräusch, und sie

gehorchten. So mächtig erwies sich seine geistige Überlegenheit selbst

auf die verwilderten Gemüter dieser rohen Gesellen. Kaum war er frei,

so brachte er einige milesische Schiffe zusammen, überfiel damit die

Seeräuber und ließ sie wirklich, wie er ihnen im Scherze gedroht, in

Pergamon ans Kreuz schlagen.

Nach Rom zurückgekehrt, schloß er sich an Pompejus an, den er bei

Herstellung der Gewalt der Tribunen unterstützte, und wußte durch

seine Beredsamkeit und Leutseligkeit die Gunst des Volkes zu gewinnen.

Besonders erwarb er sich den Beifall der noch zahlreichen Anhänger

des Marius dadurch, als er seiner Tante, der Witwe des Marius, bei

ihrer Bestattung eine Grabrede hielt, worin er die Verdienste des den

Optimaten so verhaßten Mannes zu preisen wagte und sein Bildnis, dem

Verbote trotzend, unter den Ahnenbildern seines eigenen Geschlechtes

einhertragen ließ. Auch ließ er auf dem Kapitolium die Bildsäule

desselben und seine Siegeszeichen aus dem jugurthinischen und

cimbrischen Kriege, die von Sulla zerstört waren, wieder herstellen.

Im Jahre 67 wurde er Quästor in der spanischen Provinz Lusitanien. Als

er dort zu Gades im Herkulestempel ein Standbild Alexanders des Großen

sah, rief er unter Tränen aus: „Der hatte in meinem Alter schon die

Welt erobert, und ich habe noch gar nichts getan!“ Als Ädil gewann er

durch ungemein prachtvolle und kostbare Spiele, wobei er unter anderem

320 Fechterpaare in silbernen Rüstungen auftreten ließ, die Gunst der

Volksmenge in hohem Grade, stürzte sich aber auch in große Schulden.

Im Vertrauen auf diese Volksgunst bewarb er sich, obwohl noch sehr

jung, um die erledigte Würde des Oberpriesters, die bislang nur die

ältesten und geehrtesten Konsulare zu bekleiden pflegten. Als ihn am

Tage der Wahl seine Mutter nicht ohne Tränen zur Tür geleitete, sagte

er: „Heute, Mutter, siehst du deinen Sohn entweder als Oberpriester

oder als Verbannten wieder!“ Und in der Tat hatte er das Glück dem an

Alter und Amtswürde weit überlegenen Catulus bei der Wahl vorgezogen zu

werden. Als Prätor bekam er die Verwaltung desselben Spaniens, in dem

er Quästor gewesen war. Doch hätte er Schulden halber nicht abreisen

können, wenn nicht Crassus für ihre ungeheure Summe (18 Millionen

Mark) seine Bürgschaft gewährt hätte. Als er auf dieser Reise durch

ein kleines Städtchen jenseits der Alpen kam, warf einer aus seiner

Begleitung die Frage auf, ob man sich in diesem Örtchen wohl auch um

Rang und Ämter streite. „Gewiß“, antwortete Cäsar, „ich wenigstens will

lieber hier der erste als in Rom der zweite sein!“ In seiner Provinz

Spanien erwarb er übrigens so viel, und machte in glücklichen Kriegen

solche Beute, daß er nicht nur seine Schulden bezahlen, sondern auch

noch eine große Summe in den Staatsschatz legen konnte.

Als Cäsar nach Rom zurückkehrte, stand gerade die Konsulwahl für das

Jahr 59 bevor. Um das Konsulat zu erlangen, verband er sich mit

Pompejus, der durch seine Taten und Erfolge der angesehenste Mann in

Rom war, und mit Crassus, der einen ungeheuren Reichtum besaß. Diesen

Bund der drei Römer nannten ihre Gegner spöttisch ein +Triumvirat+

(Dreimännerschaft). Sie versprachen sich einander, in den Kämpfen mit

ihren politischen Gegnern bei Wahlen und im Senat mit allen Mitteln zu

unterstützen. Denn auch Pompejus war mit dem Senat zerfallen, der die

Einrichtungen, die er aus Eigenmacht in Asien getroffen hatte, nicht

bestätigen wollte. Diese Bestätigung versprach ihm Cäsar beim Volke

durchzusetzen. Cäsar erlangte das Konsulat, erhielt aber als Kollegen

in diesem Amte den Kandidaten seiner Gegner, +M. Calpurnius Bibulus+.

Als Konsul fuhr er fort sich um die Gunst des Volkes zu bewerben und

die Macht der Senatspartei zu schwächen. Dazu diente ihm besonders ein

Gesetz, das armen römischen Bürgern Landbesitz in Campanien anwies.

Als Bibulus sich diesem Gesetze entgegenstellte, entstand eine solche

Bewegung in der Volksversammlung gegen ihn, daß er nur mit Mühe sein

Leben rettete. Seit dieser Zeit wagte der eingeschüchterte Mitkonsul

überhaupt keinen Widerstand mehr; ja, er hielt sich fortan, aus

Furcht vor Cäsars gebieterischem Auftreten, während des Restes seines

Amtsjahres in seinem Hause verschlossen. Daher nannten die Spötter

dieses Konsulat nicht das des Cäsar und Bibulus, sondern das des Julius

und des Cäsar.

Am Schlusse des Jahres ließ sich Cäsar die Provinzen Illyrien und das

diesseitige Gallien (~Gallia cisalpina~) als Statthalterschaft auf

fünf Jahre zuweisen, worauf der Senat noch die Provinz des jenseitigen

Galliens (~Gallia transalpina~) hinzufügte, in der geheimen Hoffnung,

er werde dort in allerlei Verlegenheiten verwickelt und auf diese Weise

am besten von Rom ferngehalten werden. Um seine Verbindung mit Pompejus

zu befestigen, gab Cäsar ihm seine Tochter +Julia+ zur Gemahlin. Sodann

wußte er noch zwei Männer aus Rom zu entfernen, die seine geheimen

Absichten durchschaut hatten und seinen Plänen gefährlich werden

konnten. Diese Männer waren Cato und Cicero; Cato ward nach der Insel

Cypern gesandt, um dieselbe in eine römische Provinz zu verwandeln,

Cicero aber durch den Volkstribunen Clodius genötigt in die Verbannung

zu gehen (S. 151).

Im Frühjahr des Jahres 58 eilte Cäsar hinüber nach Gallien, dem

Lande der Kelten. Von diesem Lande besaßen die Römer damals nur den

südöstlichen Teil (s. S. 116); das übrige Gallien war von den Römern

noch nicht bezwungen. Hier fand Cäsar in achtjährigem Kriege (58-51)

Gelegenheit, das römische Reich um drei große Provinzen zu vergrößern,

sich selber aber den Ruhm eines der größten Feldherrn zu erwerben und

ein ihm treu ergebenes großes Heer zu bilden, mit dessen Hilfe er sich

bald der Reichsherrschaft selber bemächtigen konnte.

Gleich im ersten Jahre seiner Statthalterschaft geriet er in Kampf

mit den gefürchteten Germanen. In einem Zwiste der gallischen Äduer

und Sequaner hatten die letzteren den Sueben +Ariovist+ vom rechten

Rheinufer her zu Hilfe gerufen. Dieser besiegte die Äduer und setzte

sich mit seinen Scharen, die allmählich auf 120000 Mann anwuchsen,

im Lande der Äduer fest. Auch die Sequaner zwang er ein Dritteil

ihres Landes ihm zu überlassen, und ein zweites Dritteil nahm er

gerade für neue Ankömmlinge in Anspruch, als Cäsar von Äduern und

Sequanern zu Hilfe gerufen ward. Ariovist war unter Cäsars Konsulat

mit dem Ehrentitel „Freund und Bundesgenosse des römischen Volkes“

ausgezeichnet worden und stand mit diesem bis dahin in gutem Vernehmen.

Dennoch glaubte Cäsar die fortwährenden Zuzüge der Germanen nach

Gallien, die auch für die römische Provinz gefährlich werden konnten,

hindern zu müssen, und forderte den Ariovist zu einer Unterredung auf.

Dieser aber gab die stolze Antwort: wenn er selbst von Cäsar etwas

begehren sollte, so würde er selbst ihn aufsuchen; so möge Cäsar das

Gleiche tun und zu ihm kommen. Übrigens begreife er nicht, was die

Römer in diesem seinem Gallien zu tun und zu sagen hätten. Hierauf

ließ ihn Cäsar auffordern den Galliern ihre Freiheit wiederzugeben und

keine Germanen mehr über den Rhein kommen zu lassen. Dagegen erklärte

Ariovist: es sei Brauch des Krieges, daß die Sieger über die Besiegten

nach Gutdünken herrschten; auch die Römer herrschten über die Besiegten

nach eigenem und nicht nach fremdem Ermessen. Wie er den Römern nicht

vorschreibe, wie sie ihr Recht gebrauchen sollten, so wollte auch er in

seinem Rechte vom römischen Volke nicht behindert sein. Wenn übrigens

Cäsar Krieg wolle, möge er nur kommen; dann werde er einsehen, was

seine noch nie besiegten Germanen, die in vierzehn Jahren harten

Kriegsdienstes unter kein Dach gekommen wären, auszurichten vermöchten.

Erzählungen aus der Römischen Geschichte in biographischer Form · 第 14 / 21 段