Die Fortschritte des Sertorius erregten endlich in Rom solche

Besorgnisse, daß man den Pompejus mit einem neuen Heere nach Spanien

schickte. Pompejus führte sein Heer von 30000 Mann zu Fuß und 1000

Reitern durch Gallien über die Pyrenäen (76). Jahrelang focht er, aber

ohne Glück und Entscheidung gegen den unbesiegbaren Marianer, der sich

sogar mit König Mithridates von Pontus in ein Bündnis einließ, bis

endlich schnöder Verrat und Meuchelmord den Helden zu Fall brachte.

Als nämlich die Römer einen Preis von 100 Talenten und 20000 Morgen

Landes auf den Kopf des Sertorius setzten, da ließen sich viele

zum Abfall bewegen. Gefährlicher noch ward daher im eigenen Heer

der ehrgeizige Perpenna, der, weil er dem Sertorius den Oberbefehl

mißgönnte, die Gemüter vieler Untergebenen von ihm abwendig machte.

Er stiftete Zwietracht im Senat des Sertorius und machte auch die

Treue der Eingeborenen wankend. Da wurde Sertorius mißtrauisch und

grausam und ließ sich zu einer furchtbaren Tat hinreißen: er ließ die

Söhne der vornehmsten Spanier, welche er des Abfalles bezichtigte, in

der Schule zu Oska töten. Die tiefe Mißstimmung und Erbitterung, die

solches Verfahren auch bei den bisher treuesten Anhängern hervorrief,

benutzte sein Legat Perpenna als Gelegenheit zu seinem Untergang. Er

stiftete eine Verschwörung an und lud seinen arglosen Feldherrn zu

einem Gastmahl ein, zu dem dieser mit zweien seiner Geheimschreiber

erschien. Auf ein gegebenes Zeichen erhoben sich die Mitverschworenen

des Gastgebers und töteten Sertorius mit den beiden Schreibern (72).

Perpenna stellte sich nun selbst an die Spitze des Heeres und hoffte

die Sache der Marianer weiter zu führen. Bald aber ward er von

Pompejus geschlagen und gefangen genommen. Vergebens erbot er sich die

in seinen Händen befindlichen Briefe auszuliefern, durch die viele

römische Senatoren in Gefahr gekommen wären. Pompejus ließ die Briefe

ungelesen verbrennen und den Verräter hinrichten. Die überlebenden

Marianer flüchteten übers Meer nach Mauretanien oder warfen sich auf

den Seeraub. Die beiden spanischen Provinzen kehrten unter die römische

Herrschaft zurück.

Da Metellus inzwischen schon nach Italien zurückgekehrt war, konnte

sich Pompejus rühmen dem langjährigen und gefährlichen Kriege ein Ende

gemacht zu haben, und mit jenem zusammen im folgenden Jahre einen

glänzenden Triumph feiern. Sein Glück sollte ihm bald Gelegenheit

bieten, neue kriegerische Lorbeern zu ernten.

3. Pompejus besiegt die Reste des Sklavenaufstandes.

Während des letzten Jahres, in welchem Pompejus in Spanien focht,

wurde Italien durch einen schrecklichen Sklavenaufstand überrascht,

der in der grausamen Behandlung der Sklaven seine Ursache hatte. Schon

längst hatte bei den Römern das blutgierige Vergnügen Eingang gefunden,

Menschen bei öffentlichen Festlichkeiten auf Leben und Tod mit einander

fechten zu sehen. Solche Fechter nannte man Gladiatoren (vom lat.

~gladius~ „Schwert“). Anfangs nahm man dazu Gefangene und Verbrecher;

allein die Sucht des römischen Volkes, sich an solchen Fechterspielen

zu ergötzen, nahm so zu, daß ganze Sklavenhorden von gewinnsüchtigen

Unternehmern gekauft, in eigenen Fechterschulen abgerichtet und an

die hohen Beamten, welche dem Volke solche Spiele auf ihre Kosten zu

geben pflegten, vermietet wurden. So fochten oft viele Hunderte von

Fechterpaaren vor dem Volke und gaben zur Belustigung desselben ihr

Leben hin.

Um diesem unmenschlichen Zustand zu entgehen, entfloh aus einer solchen

Fechterschule zu Capua der Thraker +Spartacus+ mit einer Anzahl seiner

thrakischen und gallischen Unglücksgenossen. In diesem Manne fand sich

bei einer ungemeinen Körperstärke eine unbändige Freiheitsliebe, kühner

Wagemut und eine seltene kriegerische Begabung. Anfangs der Hauptmann

einer Räuberbande, erwies er sich bald als ein wirklicher Feldherr und

erneuerte in Italien den „hannibalischen Schrecken“. Der Zulauf zu

seiner kleinen Schar war so gewaltig, daß er nicht nur ein römisches

Heer nach dem andern schlug, sondern auch Rom selbst zittern machte.

Anfangs setzte er sich mit seinen Gefährten in der Umgegend des Vesuvs

fest. Bald sammelten sich mehr und mehr Fechter und Sklaven aus

Süditalien um ihn, die er militärisch ordnete; Raub und Kriegsbeute

verschafften Unterhalt und Waffen, und seine Erfolge begeisterten die

wilden Haufen bald zu unbedingtem Gehorsam gegen den kühnen Führer. In

Rom verkannte man anfangs die Größe der Gefahr. Die schwachen Kohorten,

die man gegen den Aufstand sandte, wurden geschlagen. Erst als der

Übermut und die Grausamkeit des täglich anwachsenden Heerhaufens die

Städte Unteritaliens in Not und Schrecken setzte, rückten größere

Truppen gegen ihn aus, die einen regelrechten Feldzug eröffneten.

Einst hatte Spartacus mit seinen Truppen eine Höhe besetzt; der

römische Befehlshaber konnte sie hier nicht angreifen und lagerte sich

vor der Höhe, da, wo ein einziger schmaler Weg zu ihr hinaufführte,

um die Feinde auszuhungern. Allein diese verfertigten aus wilden

Weinranken, mit denen die Höhe besetzt war, möglichst starke Ketten, an

denen sie sich nachts an der steilsten Stelle herabließen, ohne daß die

Römer auf der andern Seite das Mindeste merkten. Ja, sie wurden sogar

von den um den Berg herumgekommenen Fechtern so plötzlich überfallen,

daß sie die Flucht ergriffen und das Lager preisgaben. Dieser Sieg

verschaffte dem Spartacus einen solchen Ruf, daß ihm weitere Tausende

von Sklaven zuliefen.

Ein andermal hatte ihn der römische Prätor schon eingeschlossen, sodaß

er entweder sich ergeben oder durch Hunger umkommen mußte. Da ließ

er nachts vor dem Lager Leichname, die an Pfähle gebunden waren und

Waffen in den Händen hielten, in gehörigen Zwischenräumen aufstellen;

alle Wachtfeuer brannten, ein Trompeter blies dann und wann; dies

alles, damit die Römer ihr Lager fortwährend besetzt halten sollten.

Inzwischen entwischte Spartacus mit seinem ganzen Heere an einer wenig

bewachten Stelle.

So schlug er nach einander drei Prätoren und zwei Konsuln. Da er

jedoch fühlte, daß er seine aus 70000 Mann angeschwollene Masse wilder

Thraker, Gallier und Germanen nicht lange werde zusammenhalten können,

so suchte er nach Oberitalien zu dringen, um sie von da über die Alpen

in ihre Heimat zu führen. Allein das Raubleben in Italien gefiel den

meisten, und ein Unterbefehlshaber des Spartacus, namens Crixus,

trennte sich mit 30000 Galliern von ihm, erlitt aber bald eine völlige

Niederlage. Spartacus selbst ward von seinen Leuten gedrängt sie gegen

Rom zu führen.

Hier wurde der durch seinen Reichtum bekannte +Licinius Crassus+ zum

Feldherrn gegen Spartacus ernannt. Er stellte zuerst die verfallene

Kriegszucht wieder her, ließ in zwei Legionen seines Unterfeldherrn

den zehnten Mann zur Strafe für ihre schimpfliche Flucht hinrichten,

und schloß dann den Feind durch einen meilenlangen Wallgraben ein.

Spartacus aber durchbrach den Wall und ward dann von Crassus zur

Schlacht am Flusse Silārus in Lucanien (71) genötigt. Er kämpfte mit

dem Mute eines Löwen; er hatte sein Pferd selbst erstochen, denn er

wollte siegen oder sterben. Er stürzte sich in den Feind und suchte

den Crassus zu treffen, jedoch vergebens; dagegen sanken viele andere

unter seinen Streichen. Als er, schwer an der Hüfte verwundet, nicht

mehr stehen konnte, schlug er knieend um sich, bis er aus der Ferne

mit Wurfspießen getötet wurde. In der Schlacht kamen 60000 Sklaven

um, 6000 wurden gefangen und an der Landstraße von Capua nach Rom ans

Kreuz geschlagen, und nur einem Reste von 5000 Mann gelang es sich nach

Oberitalien durchzuschlagen.

Aber hier stießen sie auf die Legionen, mit denen Pompejus aus

Spanien heimkehrte. Er vernichtete den Haufen mit leichter Mühe bis

auf den letzten Mann, und schrieb großprahlend an den Senat, Crassus

habe zwar die Sklaven in geordnetem Treffen geschlagen, er aber habe

diesem Sklavenkrieg erst die Wurzel ausgerissen! Gepriesen von seinen

Schmeichlern, erhielt er nach seinem Triumph über Spanien das Konsulat,

in dem er eben jenen Licinius Crassus, der ihm natürlich nicht hold

war, zum Amtsgenossen hatte. Diese beiden Männer strebten jetzt nach

der Gunst des Volkes und dadurch nach der Herrschaft. Crassus bewirtete

das Volk an 10000 Tafeln und spendete ihm Getreide auf drei Monate;

Pompejus stellte die Macht der Volkstribunen, die Sulla beschränkt

hatte, wieder her, um mit ihrer Hilfe seine ehrgeizigen Pläne zu

fördern (70).

Am Schluß dieses Jahres vermittelten Freunde zwischen beiden Konsuln

eine Versöhnung, wobei sich der gutmütigere Crassus zuerst von seinem

Sitze erhob und dem Pompejus die Hand reichte. Dieser liebte es mit

erkünstelter Bescheidenheit aufzutreten. Als in dem Jahre seines

Konsulats die Censoren die übliche Musterung über die Ritter hielten,

erschien auch Pompejus, als ob er dem Ritterstande angehörte, sein

Pferd am Zügel führend. Alles staunte; und als er auf die Frage, ob

er auch die den Angehörigen des Ritterstandes obliegenden Feldzüge

mitgemacht habe, mit lauter Stimme antwortete: „Ja, alle, und zwar

immer als Oberbefehlshaber!“ da brach die Menge in lauten Beifall aus

und gab ihm jubelnd das Ehrengeleit nach seinem Hause.

4. Pompejus besiegt die Seeräuber.

Schon seit vielen Jahren befanden sich die östlichen Provinzen

des römischen Reiches in fortgesetzter Bedrängnis durch das

überhandnehmende Unwesen der Seeräuber, die namentlich seit dem Kriege

mit Mithridates durch die Söldnerscharen, welche in seinen Diensten

gestanden, außerordentlichen Zuwachs erhalten hatten. Sie hatten ihren

Sitz hauptsächlich an den rauhen Küsten Ciliciens in Kleinasien und

auf Kreta, und betrieben ihre Raubzüge in planmäßiger Ordnung. Alle

Küstenländer und Küstenstädte, sowie die Inseln von der Küste Asiens

bis zur spanischen Meerenge wurden durch Plünderungen, Menschenraub und

Erpressungen in Not und Schrecken gesetzt. Sie befuhren mit weit über

tausend trefflich bemannten und schnell segelnden Schiffen das Meer,

erschienen in ganzen kriegsmäßig geleiteten Geschwadern, geboten über

400 eroberte Städte und hatten allenthalben ihre festen Plätze, wo

sie ihren Raub verbargen und verpraßten. Sie liefen in die Mündungen

der Flüsse ein und überall, wo sie landeten, wagte man es nicht mehr

das Feld zu bestellen. Dabei hatten sie immer ihre Hehler und Helfer

in den Provinzen wie in Italien selbst. Vorzüglich gingen sie darauf

aus, angesehene Personen aufzufangen, um hohe Lösegelder für sie zu

bekommen; wer sich nicht löste, verlor Freiheit oder Leben. Besonders

suchten sie die Küsten Italiens heim, wo sie bald da, bald dort

landeten und einmal sogar die Tochter eines Senators, ja selbst zwei

Prätoren samt ihren Liktoren fortschleppten. So waren die Herren der

Welt nicht mehr Herren an ihrem eigenen Herde.

Schon seit dem Jahre 78 v. Chr. führten die Römer Krieg gegen die

Seeräuber; aber wenn diese auch einmal geschlagen und ihre Raubnester

zerstört wurden, so war doch das Unwesen nicht ausgerottet, ja es

trat nach einiger Zeit noch stärker hervor, sodaß Handel und Verkehr

allgemein stockte, die Getreideschiffe aus Sizilien und Afrika

ausblieben, in Rom die Teuerung immer höher stieg, und Hungersnot und

Aufruhr des Stadtvolkes drohte. Als nun endlich sogar vor Ostia, wenige

Meilen von der Hauptstadt, eine römische Flotte von den Seeräubern

geschlagen und versenkt wurde, da erkannte man die Notwendigkeit

entscheidende Maßregeln zu ergreifen (67). Der Volkstribun +Aulus

Gabinius+, ein Anhänger des Pompejus, trat mit dem Vorschlage auf, man

solle einen der gewesenen Konsuln mit der Führung des Krieges gegen die

Seeräuber betrauen und ihm auf drei Jahre mit den nötigen Truppen und

Geldmitteln die unumschränkte Gewalt, Verfügung über die ganze Seemacht

und über alle Küstenländer des römischen Reiches bis auf zehn Meilen

landeinwärts übertragen.

Da jedermann einsah, daß unter dem Einen, dem man auf diese Weise den

Befehl über fast das halbe römische Reich in die Hände legen sollte,

kein anderer als Pompejus gemeint sein konnte, so setzte der Senat den

ernstesten Widerstand entgegen. Bei den Beratungen über den Antrag des

Gabinius ging es so stürmisch und gewalttätig zu, daß dieser selbst

in Lebensgefahr geriet; aber auch die Senatoren würden vom Volke, das

dem Tribunen zu Hilfe in den Sitzungssaal eingedrungen war, erschlagen

worden sein, wenn sie nicht geflohen wären. Pompejus selbst gab sich

zwar in einer Rede vor der Volksversammlung den Anschein, als wünsche

er dieser großen Aufgabe, die so vielen Neid und Widerspruch errege,

überhoben zu sein; er habe schon so viel im Kriege ausgestanden, daß er

(der kaum 40 Jahre alt war) sich selbst als ein abgebrauchter alter

Mann vorkäme; man sollte daher einen Tüchtigeren wählen. Das Volk ward

dadurch nur noch bestärkt in dem Entschlusse den Vorschlag des Tribunen

durchzusetzen, und es erhob sich ein solcher Lärm, daß ein oben

vorbeifliegender Rabe, von dem Geschrei betäubt, zur Erde fiel.

Der Antrag ging durch, und Pompejus erhielt 500 Schiffe, 120000

Legionssoldaten mit 7000 Reitern und 25 Unterfeldherren (Legaten), dazu

144 Millionen Sesterze (33 Millionen Mark) aus dem Staatsschatz, nebst

der Vollmacht über alle Mittel der Provinzen zu verfügen. Eine solche

Macht hatte gesetzmäßig vor ihm noch kein römischer Feldherr besessen.

Nun teilte Pompejus das ganze Mittelmeer in dreizehn Bezirke, über

deren jeden er einen Legaten mit den nötigen Streitmitteln setzte, und

befahl sodann die Piraten zunächst aus dem westlichen Meere, also aus

allen Schlupfwinkeln an den Küsten Italiens, Spaniens, Afrikas und der

dazwischen liegenden Inseln aufzuscheuchen und nach dem östlichen Meere

zu treiben. Als dies geschehen war, wendete er sich mit der Hauptmacht

nach Osten. Schon auf dem Wege dorthin ergaben sich ihm viele auf Gnade

und Ungnade, und er behandelte sie mit schonender Milde, um durch

diese Mäßigung den andern die Rückkehr zur Ordnung zu erleichtern.

Die meisten aber suchten ihre Zuflucht in den cilicischen Buchten und

Bergfesten. Pompejus schlug dort ihre Flotte in einer regelmäßigen

Schlacht gänzlich, zerstörte ihre Burgen, nahm ihnen alle ihre Städte,

Schiffe, Vorräte, Waffen, und verpflanzte die Gefangenen, über 20000,

tief in das Land hinein, um sich dort anzubauen und des Piratenlebens

zu entwöhnen.

Auf diese Weise hatte er in drei Monaten das Seeräuberwesen vertilgt

und Rom die Herrschaft zur See wiedergegeben.

Die rasche und glückliche Beendigung dieses Krieges versetzte das

römische Volk in solche Freude, daß es den Freunden des Pompejus leicht

wurde, dem Gefeierten ein noch größeres Feld des Ruhmes zu verschaffen,

auf dem er abermals die Frucht der Arbeit anderer ernten sollte.

5. Pompejus in Asien.

Während Pompejus diese schnellen Siege erfocht, hatte sich

+Mithridates+, der den Römern so furchtbare König von Pontus, zu einem

neuen Kampfe gerüstet. Er hatte seine Land- und Seemacht verstärkt

und durch römische Hauptleute, die ihm nach der Unterdrückung der

Marianer in Menge zuströmten, in römischer Weise einüben lassen. Mit

seinem Eidam, dem König +Tigránes+ von Armenien, und mit Sertorius

in Spanien schloß er ein Bündnis und suchte die kriegerischen Völker

im Norden des schwarzen Meeres und an der Donau zum Kampfe gegen die

Römer aufzureizen. Nach dem Tode des Königs Nikomédes von Bithynien,

der die Römer zu Erben seines Reiches ernannt hatte, fiel Mithridates

in Bithynien ein mit einem Heer von 120000 Mann zu Fuß, 16000 Reitern

und 100 Sichelwagen (74 v. Chr.). Allenthalben ward er als Befreier

vom römischen Druck gern aufgenommen. Die Römer aber beauftragten die

beiden Konsuln dieses Jahres, L. Licinius +Lucullus+ und M. Aurelius

+Cotta+, mit der Führung des Krieges, von denen dieser hauptsächlich

die Leitung der Flotte, ersterer die des Hauptheeres zu Lande erhielt.

Nachdem Cotta in der Propontis unglücklich gegen Mithridates gekämpft

und dabei seine ganze Flotte eingebüßt hatte, gelang es Lucullus, der

von Cilicien her eben dorthin vorgerückt war, das weit zahlreichere

Heer, womit der König die große Seestadt Kyzikos hart bedrängte, völlig

zu schlagen, die Stadt zu entsetzen, und bald darauf auch die Flotte

des Königs zu vernichten (73). Noch sieben Jahre, bis 67, dauerte

der Krieg, der sich allmählich ostwärts bis in die Gebirge Armeniens

und Mediens zog und den Gegner immer härter bedrängte. Schon gab

Mithridates sein Reich verloren und ließ in seiner Hauptstadt seine

Schwestern und Frauen töten, um sie vor römischer Gefangenschaft zu

bewahren; er selbst floh zu seinem Schwiegersohn Tigranes von Armenien,

der eben im Begriff stand, das Königreich Syrien mit dem seinigen zu

vereinigen. Lucullus ließ ihn auffordern, den Flüchtling auszuliefern.

Da er aber sein Schreiben an den „König“ Tigranes richtete, statt an

den „König der Könige“, wie sich jener hochmütig nannte, so fühlte sich

Tigranes gekränkt und gab eine abschlägige Antwort. Da zog Lucullus

auch gegen ihn und schlug das zwanzigmal stärkere armenische Heer bei

seiner Hauptstadt Tigranokerta in die Flucht (69). Dieser Sieg gewährte

unermeßliche Beute. Lucullus gedachte noch weiter vorzudringen,

allein der Ungehorsam seiner meuterischen Soldaten, deren Genuß- und

Beutegier er nicht genug frönte, hemmte ihn in seinen Unternehmungen,

und mitten im glücklichsten Lauf seiner Siege riefen ihn Neid und

Mißgunst und boshafte Verleumdungen seiner Gegner vom Schauplatze des

Krieges ab.

Diese Feinde hatte sich Lucullus durch seine rücksichtsvolle und

menschliche Behandlung der kleinasiatischen Städte zugezogen. Die ihnen

von Sulla auferlegten 20000 Talente waren durch die Schulden, die sie

bei den römischen Wucherern hatten machen müssen, zu der entsetzlichen

Höhe von 120000 Talenten angewachsen, und die unvermögenden Schuldner

wurden durch Kerkerstrafen und Martern aufs schrecklichste gepreßt.

Lucullus setzte die Schuld auf 40000 Talente herab und gewährte

den Städten noch andere Erleichterungen. Dafür ward er denn von

den römischen Wucherern daheim auf das heftigste angegriffen und

verleumdet. Diese und die Anhänger des Pompejus brachten es dahin,

daß ihm der Oberbefehl genommen und auf den Antrag des Volkstribunen

Manilius, den Cicero in einer Rede verteidigte, dem Pompejus übertragen

wurde (67). Nun ging Pompejus nach Kleinasien, wo er in Galatien mit

Lucullus eine Unterredung hatte. Anfangs spendeten sich beide die

größten Lobsprüche; zuletzt überhäuften sie sich gegenseitig mit

Vorwürfen, indem Lucullus dem Pompejus seinen unersättlichen Ehrgeiz,

dieser dem Lucullus seine unersättliche Habgier vorhielt.

Lucullus ging nach Rom, wo er nach langem Warten einen Triumph

erhielt, und dann sein weiteres Leben in der Beschäftigung mit Kunst

und Literatur und im Genuß seiner ungeheuren Reichtümer hinbrachte.

Seine reichen Sammlungen von kostbaren Gemälden, Bildsäulen, Büchern,

seine prächtigen Paläste, Landhäuser, Lustgärten, seine Fischteiche

und künstlichen Seen, seine Prachtgeräte und Kleinodien, seine

üppigen Gastmähler, wozu er die seltensten Speisen und Weine aus

allen Weltgegenden herbeischaffen ließ, machten lucullischen Luxus

zum Sprichwort. Kostete ihm doch ein einziges Prunkmahl im Apollo

(so hieß einer seiner Speisesäle) an 30000 Mark nach unserem Gelde!

Durch ihn wurden die Kirschen und andere aus Asien eingeführte

edle Obstarten in Europa einheimisch Sein Beispiel blieb natürlich

nicht ohne verderbliche Nachahmung; fast alle reichen und vornehmen

Männer Roms wetteiferten seitdem in der Pracht ihres Haushalts und

ihrer Lebensführung, und je größer ihre Verschwendung ward, um so

gieriger suchten sie sich in den Provinzen durch Erpressungen und

Bestechlichkeit zu bereichern.

Pompejus, dem sein Vorgänger schon durch große Erfolge vorgearbeitet

hatte, setzte nun den Krieg gegen Mithridates fort. Dieser hatte sich

inzwischen wieder erholt und mit rastloser Tätigkeit ein neues Heer

von 33000 Mann aufgestellt. Vor dem andringenden Pompejus zog er sich

in das Innere seines Landes zurück und suchte den Euphrat zu gewinnen.

Hier holte ihn Pompejus ein, umging ihn unbemerkt und besetzte die

umgebenden Höhen eines Engtals, durch welches die Gegner ihren Marsch

nehmen mußten. Mithridates schlug, ohne Ahnung von der Nähe der Feinde,

in diesem Tal sein Lager auf. Die Nacht kam und alles lag in tiefer

Ruhe. Plötzlich schmetterten auf allen Seiten die römischen Trompeten;

die römischen Legionen erhoben ihren gefürchteten Schlachtruf

und schlugen mit den Waffen an die Schilde, daß die Schluchten

widerhallten. Hierauf ergoß sich ein Pfeil- und Speerregen von den

Anhöhen herab über die Aufgeschreckten, die in wildestem Gedränge den

Ausweg im Dunkeln suchten. Dann verließen die Römer die Berge; der

Feind sah sie nicht, aber er fühlte ihr Schwert; alles flüchtete und

drängte nach der Mitte, wo man sich erdrückte und zertrat. Endlich ging

der Mond auf und beleuchtete das gräßliche Nachtstück. Mithridates

selber entkam mit zwei Begleitern und einer seiner Frauen, die ihn

in persischer Reitertracht zu begleiten und alle Gefahren zu teilen

pflegte. Sein ganzes Heer war vernichtet.

Pompejus wandte sich darauf gegen Tigranes nach Armenien, das er

ohne Schwertstreich einnahm. Der alte Tigranes, von dem eigenen

Sohne verraten und an seinem Glücke verzweifelnd, kam in das Lager

des Pompejus, legte ihm sein Diadem zu Füßen und bat um Schonung. Er

behielt sein Erbreich und zahlte 6000 Talente.

Während Mithridates in die fernsten Teile seines Reiches am Kaukasus

und auf die taurische Halbinsel (Krim) geflohen war, um sich zu neuem

Widerstande zu rüsten, drang Pompejus durch die Kaukasusländer bis

nach Kolchis am schwarzen Meere vor. Bald aber begab er sich wieder

in das Reich Pontus, wo zwölf Fürsten der benachbarten Länder demütig

vor ihm als ihrem Gebieter erschienen, um seine Befehle zu empfangen.

Dann brach er auf, um südwärts nach Syrien zu ziehen, das, seit dem

Erlöschen der Dynastie der Seleukiden (312-64), in völlige Zerrüttung

geraten war, und machte auch dies große Reich mühelos zur römischen

Provinz. Von da wandte er sich westwärts nach Palästina (63).

In Palästina stritten damals zwei Brüder aus dem Heldengeschlechte

der Makkabäer um die Herrschaft, und beide hatten den Pompejus zu

Hilfe gerufen. Dieser entschied zu Gunsten des älteren Bruders,

+Hyrkānos+, dem er die Regierung und das Hohepriestertum, aber nicht

den Königstitel bewilligte. Der zurückgesetzte +Aristobūlos+ zog sich

darauf mit seinen Anhängern auf den Tempelberg in Jerusalem zurück und

verteidigte sich dort mit der äußersten Tapferkeit. Erst im dritten

Monat eroberten die Römer an einem Sabbat, als die Juden die Waffen

ruhen ließen, den Tempel; 12000 Juden, darunter die Priester, die

sich im Opferdienst nicht irre machen ließen, verloren hierbei das

Leben. Nichts schmerzte aber die Juden mehr, als daß Pompejus sich

nicht scheute, mit seinem Gefolge in das Allerheiligste des Tempels

einzudringen, das doch bei ihnen niemand als der Hohepriester und

auch dieser nur einmal im Jahre betreten durfte. Pompejus tat dies in

der neugierigen Erwartung, daß er hier den einzigen Gott der Juden

sehen werde. Allein, wie erstaunte er über das Volk der Juden, als er

darin kein Götterbild wahrnahm, sondern nur den goldenen Leuchter, den

goldenen Tisch mit den Schaubroten und die heiligen Schriften. Dem

heidnischen Römer mußte dies alles ein verschlossenes Geheimnis sein.

Pompejus legte den Juden eine schwere Kriegssteuer auf und machte

das Land zinspflichtig; Aristobulus aber und seine Kinder führte er

gefangen fort, um sie in Rom beim Triumphe aufzuführen.

Erzählungen aus der Römischen Geschichte in biographischer Form · 第 13 / 21 段