Sulla landete in Epirus und drang durch Thessalien und Böotien

gegen Athen vor, dessen Bewohner es mit Mithridates hielten. Da

seine Versuche, die von Archelaos verteidigte Stadt zu erstürmen,

mißlangen, so mußte er sich zu einer langen und mühseligen Belagerung

entschließen. Um sich Geld zu verschaffen, nahm er die Tempelschätze

zu Delphi, und um Holz für die Belagerungswerke zu bekommen, ließ er

die Bäume im Haine der Akademie fällen, wo einst der große Philosoph

Platon gelebt und gelehrt hatte. Unter diesen und anderen Zurüstungen,

wie sie die Belagerung erforderte, verging der Winter. Mit Beginn des

Frühlings (86) wurden Stadt und Hafen enger eingeschlossen und die

Versuche sie zu erstürmen mehrmals, obgleich vergeblich, erneuert.

In der Stadt aber erreichte die Hungersnot einen so hohen Grad, daß

die Einwohner sich entschließen mußten, mit Sulla des Friedens wegen

zu unterhandeln. Ihre Gesandten hielten vor Sulla eine abgeschmackte

Rede, in der sie alle Herrlichkeiten des alten Athens aufzählten und

in stolzem Tone Schonung ihrer Stadt verlangten. Sulla aber schickte

sie mit den Worten zurück, solche Dinge sollten sie die Schüler in

den Redeschulen vortragen lassen. Endlich wurde die Stadt durch einen

Zufall verraten. Spione meldeten, daß einige alte Männer in einer

Barbierstube sich unwillig darüber geäußert hätten, daß eine Stelle der

Stadt nicht gehörig bewacht wäre. Diese Stelle wurde in der nächsten

Nacht erstiegen und die Stadt eingenommen. Raubend und mordend drangen

die sullanischen Soldaten ein und richteten ein furchtbares Blutbad

an. Erst am andern Tage tat Sulla der zerstörenden Wut seiner Truppen

Einhalt. Er gedachte der ruhmvollen Vergangenheit der Stadt, ihrer

vielen großen Männer, welche als Staatsmänner, Dichter, Künstler und

Schriftsteller die Welt mit dem Glanze ihrer Namen erfüllt hatten, und

rief: „Ich will vielen um weniger willen, und den Lebenden der Toten

wegen verzeihen.“

Nach der Eroberung Athens zog Sulla nach Böotien, wo der Sohn des

pontischen Königs und der aus Athen entkommene Archelaus mit 120000

Mann standen, denen er kaum 40000 Mann entgegenzustellen hatte. In

der Nähe von +Chäroneia+, wo einst die Freiheit Griechenlands den

Makedonern unter König Philipp und seinem Sohne Alexandros erlegen

war, trafen beide Heere zusammen. Sullas Soldaten, der anstrengenden

Arbeiten müde, forderten laut eine Schlacht. Ihr Wunsch ward erfüllt,

und so vollständig war ihr Sieg, daß Archelaus nur mit 10000 Mann

entkommen sein soll. Noch blutiger und entscheidender war die Schlacht

bei +Orchomenos+, wo Archelaus, durch ein neues von seinem König

geschicktes und besonders an Reiterei überlegenes Heer verstärkt, eine

feste Stellung genommen hatte (85). Schon neigte sich der Sieg auf die

Seite des Gegners, als Sulla vom Pferde sprang, einem Fahnenträger den

Adler aus der Hand riß und mit den Worten: „Hier will ich sterben, und

wenn man euch fragt, wo ihr euren Feldherrn verlassen habt, so sagt:

bei Orchomenos!“ sich auf die Feinde stürzte. Da warfen sich seine

Truppen von neuem in den Kampf und schlugen den Feind mit einem Verlust

von 15000 Mann zurück. Am folgenden Tage sollen noch 30000 Mann in den

nahen Sümpfen umgekommen sein. Archelaus selbst hielt sich zwei Tage

lang in einem Sumpfe versteckt und entkam am dritten Tage nach der

Insel Euböa hinüber.

In demselben Jahre unterhandelte Archelaus persönlich mit Sulla über

den Frieden. Zu Delion in Böotien kamen beide Feldherren zusammen.

Als Archelaus die Bedingungen Sullas zu hart fand, rief dieser:

„Mithridates sollte es mir auf den Knieen danken, daß ich ihm die

rechte Hand lasse, mit der er so viele Römer getötet hat.“ So wurden

die Unterhandlungen abgebrochen. Mithridates knüpfte sie aber von neuem

wieder an, als Sulla in Asien erschien. Hier hatte er mit dem König

selbst eine Unterredung zu Dardanos (in der Nähe des alten Troja) wo

jener in alle Forderungen Sullas einwilligte. Bei dieser Zusammenkunft

schwieg Mithridates anfänglich und schien Sulla die Eröffnung der

Unterredung überlassen zu wollen, doch dieser sagte: „Sprich du

zuerst, da du den Frieden nötig hast; der Sieger hat das Recht zu

schweigen und zu hören.“ Mithridates begann nun seine früheren Taten zu

rechtfertigen, aber Sulla versetzte: „Wohl hatten diejenigen recht, die

mir deine Beredsamkeit rühmten; denn es gehört in der Tat ein großer

Redner dazu, solche Schandtaten zu beschönigen.“ -- Der König mußte

alle seine Eroberungen herausgeben, 2000 Talente (gegen 10 Millionen

Mark) bezahlen und 80 Schiffe ausliefern. Die kleinasiatischen Städte,

die jetzt wieder unter römische Gewalt kamen, mußten ungeheure

Kriegssteuern zahlen, zusammen 20000 Talente (fast 100 Millionen

Mark) und außerdem die römischen Truppen lange Zeit auf ihre Kosten

unterhalten. Nie hat die Provinz Asia sich von dem Druck dieser Lasten

ganz erholt. Denn um die großen Summen aufzubringen, wurden sie die

Schuldner römischer Kapitalisten, denen sie hohe Wucherzinsen zahlen

mußten. Sulla selbst kehrte alsbald nach dem Friedensschluß nach Rom

zurück, wo seine Gegenwart dringend notwendig war, wenn nicht seine

Partei den Marianern völlig erliegen sollte.

4. Cinna in Rom. Marius’ Rückkehr und Tod.

Kaum hatte nämlich Sulla im Jahre 87 Italien verlassen, als der

eine der neuen Konsuln, +L. Cornelius Cinna+, eine Volksversammlung

berief, um die Zurückberufung des Marius und der übrigen Geächteten

zu bewirken. Hierbei kam es zu blutigen Kämpfen. Der andere Konsul

Octavius eilte mit seinen Scharen herbei und drängte Cinna bis an die

Tore der Stadt zurück; 10000 Anhänger Cinnas sollen bei dem Gemetzel

das Leben verloren haben. Hilflos floh dieser, seiner Konsulwürde

verlustig erklärt, nach Campanien. In Nola gewann er die Kriegstribunen

der dortigen Legionen und trat dann vor den versammelten Truppen auf.

Von Liktoren umgeben, mit allen Zeichen seiner konsularischen Würde

angetan, begann er seine Anrede, ließ dann aber plötzlich die Liktoren

abtreten und erzählte weinend, wie ihn der Senat seiner Würde entsetzt

habe; er zerriß seine Kleidung, sprang von der Rednerbühne und warf

sich auf die Erde. Die Soldaten ließen sich durch dieses Schauspiel

zu Mitleid hinreißen, sie führten ihn zur Rednertribüne zurück, gaben

ihm alle Zeichen seiner Würde zurück und versprachen den dem Konsul

gebührenden Gehorsam. Nach diesem Erfolge rief er alle Anhänger der

senatsfeindlichen Partei zu seinen Fahnen, lud den geächteten Marius

zur Rückkehr ein, und erschien mit einem gewaltigen Heere vor Rom.

Die Zeit der Rache war für Marius gekommen. Er landete in Etrurien und

brachte dort 1000 Reiter und außerdem eine Bande von mehreren Tausend

Sklaven zusammen, und an der Spitze dieser wilden Rotte stieß er zum

Heere Cinnas. Der Senat war außerstande, die Stadt zu verteidigen, und

da zudem noch Hungersnot ausbrach, so suchte er die erbitterten Gegner

durch Unterhandlungen zu gewinnen. Als die Gesandten zum Cinna kamen,

fragte er sie, ob sie zu ihm als ihrem Konsul kämen. Darauf konnten sie

nicht antworten und gingen unverrichteter Sache zurück. Nun erkannte

ihn der Senat als Konsul an und schickte von neuem Abgeordnete an ihn.

Sie fanden ihn auf seinem Amtssessel sitzend und mit allen Zeichen der

konsularischen Würde angetan. Marius stand schweigend neben ihm, aber

sein finsterer Blick verriet die grimmige Rachgier seines Herzens.

Die beiden Verbündeten kamen hierauf zum Stadttor. Cinna zog ein;

Marius aber blieb am Tore stehen und sagte mit bitterem Lächeln:

„Verbannte dürfen ja die Stadt nicht betreten.“ Cinna ließ daher

sogleich das Volk zusammenkommen, um die Aufhebung des Beschlusses

zu bewirken, durch welchen Marius geächtet worden war. Allein kaum

hatten drei Abteilungen des Volkes für seine Rückkehr gestimmt, so

konnte sich dieser nicht länger halten. Er brach in die Stadt, ließ

mit wütender Grausamkeit alles, was ihm in den Weg kam, niederstoßen,

befahl Sullas Haus dem Erdboden gleich zu machen, und erlaubte seinen

wilden Horden die schrecklichsten Ausschweifungen. Als das Morden

fünf Tage und fünf Nächte lang gedauert hatte, ward Cinna dessen

überdrüssig; aber der alte Marius hatte seinen Blutdurst noch nicht

gesättigt; wem er den Gruß weigerte, der wurde getötet, darunter die

vornehmsten und verdienstvollsten Männer des Staates, unter anderen

der Konsul Octavius, die Konsulare M. Antonius, der größte römische

Redner seinerzeit, Q. Catulus, der Mitsieger bei Vercellä (S. 118). Da

überfiel endlich Cinna mit einer Schar Bewaffneter diese Mordsklaven in

ihrem nächtlichen Lager und ließ sie niedermetzeln.

Als die erste Wut vorüber war, ernannten sich Cinna und Marius

eigenmächtig zu Konsuln. Marius bekleidete dieses Amt nun zum siebenten

Male, aber nur auf wenige Tage. Sulla hatte den Senat von seinen Siegen

über Mithridates benachrichtigt und zugleich versichert, er werde bald

kommen, um an seinen Feinden Rache zu nehmen. Diese Nachricht erfüllte

den alten Wüterich, der selbst seinen Parteigenossen ein Greuel und

Schrecken geworden war, mit Unruhe und Angst, und vergebens suchte er

den fliehenden Schlaf in maßlosem Weingenuß. In solchem Taumel befiel

ihn ein hitziges Fieber, dem er nach sieben Tagen erlag. Er starb im

Januar 86, am siebenzehnten Tage seines Konsulats.

5. Sullas Rückkehr und Proskriptionen. Sein Tod.

Drei Jahre hindurch behauptete sich Cinna im Konsulat, als er aber

dem zurückkehrenden Sulla entgegen ziehen wollte, ward er in einem

Aufstand von seinen eigenen Leuten, die nicht gegen Sulla fechten

wollten, getötet. Sulla erschien an der Spitze eines siegreichen Heeres

von 40000 Mann, das er überschwenglich belohnt hatte, in Italien (84),

wo ihm die Marianer eine Macht von 200000 Mann entgegenstellen konnten.

Aber von den sie führenden Konsuln ward der eine geschlagen, der

andere von seinen Truppen, die zu Sulla übergingen, verlassen. Sulla

wußte sogar das Heer des jungen Marius durch geschickte Überredung auf

seine Seite zu bringen, sodaß Papirius Carbo, einer der marianischen

Parteihäupter, sagte: „In Sulla steckt ein Löwe und ein Fuchs, und

dieser ist noch mehr zu fürchten als jener.“ Der junge Marius warf

sich in die hochgelegene feste Stadt Präneste, nicht weit von Rom, wo

er sich heldenmütig verteidigte. Als aber Sulla vor den Toren Roms ein

großes Heer der Samniter, den letzten Rest der aufständischen Italiker,

geschlagen und vernichtet hatte, ließ sich Marius, am glücklichen

Erfolge verzweifelnd, durch einen Sklaven töten. Seinen Kopf stellte

Sulla auf der Rednerbühne aus und sagte spottend: „Das Bürschchen hätte

erst Ruderer werden sollen, zum Steuermann war es noch zu jung.“

Nach einer Reihe von Siegen zog Sulla in Rom ein, und jetzt verwandelte

er sich in den blutgierigsten Wüterich, den Rom jemals gehabt hat. Er

hatte in der letzten Schlacht 6000 Gefangene gemacht. Diese ließ er

in der großen Rennbahn, dem Zirkus Maximus, auf einmal niederhauen.

Während dies geschah, versammelte er den Senat nicht weit vom Zirkus

im Tempel der Bellōna. Hier hielt er eine drohende Rede, worin er

die Senatoren nicht als Häupter eines freien Staates, sondern als

pflichtvergessene Untertanen eines stolzen Gebieters behandelte.

Während dieser Rede hörten die Senatoren das klägliche Geschrei jener

Gefangenen, die eben im Zirkus ermordet wurden. Alle erschraken und

sprangen bestürzt von ihren Sitzen auf. Nur Sulla blieb unbewegt.

Ohne eine Miene zu verändern, sagte er bloß: „Laßt euch nicht stören,

versammelte Väter! Was ihr hört, ist das Geschrei einiger Aufrührer,

die auf meinen Befehl gestraft werden.“ Dann setzte er seine Rede fort,

bis das Geschrei verstummte. Nicht lange nachher hielt er eine Rede

vor dem Volk, worin er deutlich sagte, daß er keines Menschen schonen

würde, der gegen ihn die Waffen getragen hätte. Der Grausame hielt

Wort. Denn nun erfolgte das fürchterlichste Blutbad in Rom und ganz

Italien. Vierzig Senatoren, sechzehnhundert Ritter und viele tausend

Bürger wurden getötet, viele italische Städte zerstört, und jeder

konnte ungestraft den ermorden, den er haßte oder dessen Vermögen er zu

besitzen wünschte.

Als das Morden schon einige Tage gedauert hatte, sprach Metellus, ein

Haupt der Optimaten und Parteigenosse Sullas, in der Senatssitzung zu

ihm: „Wir bitten dich nicht diejenigen leben zu lassen, die du zu töten

beschlossen hast, sondern nur diejenigen nicht durch Angst zu töten,

die du erhalten willst.“ Sulla ward durch diese Freimütigkeit nicht

beleidigt. Er erwiderte bloß, daß er selbst noch nicht wisse, wen er

verschonen wolle. Hierauf sagte Metellus weiter: „Nun, so nenne uns

diejenigen, die du zu töten entschlossen bist.“

Dies geschah. Sulla ließ die Namen derjenigen in Listen verzeichnen,

die ihre Güter und ihr Leben verlieren sollten. Mit solchen

Verzeichnissen, den sogenannten Proskriptionen, gab Sulla das erste

und schrecklichste Beispiel politischen Massenmordes. Die Listen der

zum Tode Bestimmten wurden öffentlich auf dem Forum ausgestellt und

zugleich durch ein Gesetz bekannt gegeben, daß mit der Ächtung auch

der Verlust des Vermögens verbunden sei. Sulla schickte ganze Scharen

gallischer Reiter aus, um die Verurteilten aufzusuchen und umzubringen.

Wer den Kopf eines Geächteten brachte, erhielt zwei Talente (fast 10000

Mark) zur Belohnung; wer einen Verurteilten aufnahm, verbarg oder ihm

zur Flucht verhalf, ward mit dem Tode bestraft. Diese Achtserklärungen

erzeugten die greulichsten Schandtaten. Sklaven verrieten ihre

Herren, Kinder gaben ihre Eltern preis, Brüder und Gatten gerieten in

Streit und tödlichen Haß. Tempel und Altäre wurden mit dem Blute der

Verfolgten befleckt. Nicht nur Rom, sondern fast alle Städte Italiens

waren der Schauplatz solcher unerhörten Greuel. Verrat, Undank,

Meuchelmord, Bosheit, Raub und Habsucht wüteten allenthalben. Die Zahl

der Getöteten ließ sich nicht genau bestimmen; in Rom sollen nahe an

5000 gefallen sein. Sulla hörte nicht eher auf durch Achtserklärungen

seine wirklichen oder angeblichen Gegner zu verfolgen, als bis die

Rache und die Habsucht aller seiner Anhänger gesättigt war. Ein

gewisser Furfidius mahnte ihn doch einige seiner Feinde leben zu

lassen, damit Menschen übrig blieben, über die er herrschen könnte.

Als Sulla seine Rache endlich gesättigt hatte, ließ er sich zum

Diktator auf Lebenszeit ernennen und begann durch eine Reihe von

Gesetzen die Verfassung und Verwaltung des Staates umzugestalten,

wobei sein Absehen vor allem darauf gerichtet war, die Macht und das

Ansehen der Optimaten und des Senates zu verstärken, die Geltung und

den Einfluß der Tribunen zu schwächen, und überhaupt der verhaßten

Volksherrschaft enge Schranken zu setzen. Wegen seiner Siege über

Mithridates hielt er einen glänzenden Triumph, und belohnte alle

Soldaten und seine Anhänger mit Geld und Landgütern.

Aber schon im zweiten Jahre legte er die Diktatur nieder (79), nachdem

er noch einmal in einer Rede vor dem Volke seine Taten und sein

Glück gepriesen hatte. Er lebte dann noch ein Jahr als Privatmann,

dem Vergnügen und der Jagd ergeben. Seine letzten Tage wurden ihm

durch eine sehr schmerzhafte und Ekel erregende Krankheit verbittert.

Er starb im Jahre 78. In seiner Zurückgezogenheit hatte er die

Denkwürdigkeiten seines Lebens in griechischer Sprache geschrieben.

Sein Leichnam ward auf dem Marsfeld verbrannt. In der Grabschrift,

die er selber verfaßt hatte, rühmte er sich, daß er alles gute oder

schlimme, daß er von Menschen erfahren hätte, ihnen reichlich vergolten

habe.

XXV.

Gnaeus Pompejus Magnus.

1. Sein erstes Auftreten.

Gnaeus Pompejus, geboren 106, war der Sohn des Pompejus Strabo, der im

Kriege der Römer gegen ihre aufständischen italischen Bundesgenossen

(91-88 v. Chr.) mit Auszeichnung gefochten und einen Triumph gefeiert

hatte. Während aber der Vater wegen seiner Geldgier und seines

zweideutigen politischen Verhaltens beim Volk und beim Heer mißliebig

war, wußte der junge Pompejus durch Vorzüge des Geistes und Charakters,

durch persönliche Anmut und leutseliges Benehmen die Liebe und Gunst

des Volkes zu gewinnen. Schon als Jüngling gab er Beweise von Mut und

Unerschrockenheit. Während des Bürgerkrieges hatte Cinna einen Mörder

gegen den älteren Pompejus gedungen, allein der Anschlag ward verraten

und durch die wachsame Umsicht des Sohnes vereitelt. Ein andermal,

als die Truppen dem verhaßten Feldherrn den Gehorsam weigerten und

dieser aus Furcht nicht hervortrat, stellte sich der Sohn mitten unter

die Soldaten, die bereits das Lager verlassen wollten, und suchte

sie durch geschickte Rede zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Als seine

Vorstellungen nichts fruchteten, warf er sich vor dem Tor des Lagers

zur Erde und hieß diejenigen, die abziehen wollten, zuvor seinen Körper

zertreten. Bei diesem Anblick kehrten die beschämten Soldaten zurück

und versöhnten sich mit ihrem Feldherrn.

Im Bürgerkriege nahm er entschiedene Partei für Sulla und die Sache der

Optimaten. Solange die Herrschaft der Marianer dauerte, lebte er auf

seinen Gütern, trat aber, als Sulla nach Italien zurückgekehrt war,

offen für diesen auf. Siegreich kämpfte er mit seiner Truppe, die er

selbst geworben, gegen die Marianer, sodaß Sulla dem erst 23jährigen

jungen Krieger den Ehrennamen Imperator beilegte. Als Sulla seinen

Einzug in Rom gehalten hatte, sandte er den Pompejus nach Sizilien

und Afrika, um auch dort die Marianer zu vernichten. In Sizilien

schlug er Papirius Carbo, nahm ihn gefangen und ließ ihn hinrichten.

Nach Afrika übergesetzt, gelang es ihm in nur vierzig Tagen diese

Provinz zu beruhigen. Als dann seine Legionen, nach Beendigung des

Krieges, auf Sullas Befehl sich auflösen sollten, wollten diese die

Waffen nicht eher niederlegen, als bis man sie auf gleiche Weise wie

die Sullanischen belohnt hätte; ja sie forderten sogar den Pompejus

auf sie gegen Sulla zu führen, und nur durch die Drohung, er werde

lieber sich selbst töten, wußte dieser die Meuterer zu ihrer Pflicht

zurückzuführen. Diese selbstlose Hingebung setzte ihn bei dem Diktator

in die höchste Gunst. Dieser gab ihm den ehrenden Beinamen des Großen

(Magnus) und zeichnete ihn noch besonders dadurch aus, daß er sich bei

seinem Eintritt vom Amtssessel erhob. Als aber Pompejus auch die Ehre

des Triumphes verlangte, eine Ehre, die nur siegreichen Prätoren und

Konsuln zuteil zu werden pflegte, schlug ihm Sulla seine Bitte ab und

verwies ihm seinen allzu großen Ehrgeiz. Da hatte der junge Sieger die

Kühnheit zu erwidern: „Die aufgehende Sonne hat mehr Anbeter als die

untergehende!“ Sulla, durch diese kecke Äußerung betroffen, gewährte

ihm zwar die Bitte und rief zweimal: „So triumphiere denn!“ Aber von

der Zeit an waren beide Männer keine Freunde mehr.

Dennoch blieb Pompejus der Partei des Sulla getreu. Die eigentliche

Zeit seines Ruhmes brach aber erst nach Sullas Tode an, als er

Gelegenheit fand eine Reihe glücklicher Kriege zu führen. Freilich

waren es seine glänzenden Eigenschaften nicht allein, die ihn solche

Erfolge erringen ließen; nicht selten war es die besondere Gunst der

Umstände, die ihn dabei unterstützten, und die Kunst sich die Siege

anderer und ihre Früchte anzueignen.

2. Pompejus gegen Sertorius.

+Quintus Sertorius+ stammte aus dem Sabinerlande, aus einer bislang

namenlosen Familie. In seiner Vaterstadt erlangte er einigen Ruf durch

seine Beredsamkeit; bald aber widmete er sich einzig und allein dem

Waffendienste. Er machte die Feldzüge gegen die Cimbern und Teutonen

mit und kämpfte später im Bundesgenossenkrieg. Er verrichtete so

bewunderungswürdige Taten, daß das Volk ihn mit lautem Freudengeschrei

begrüßte, so oft er zu Rom im Theater erschien. Bei dem Ausbruche

des Bürgerkrieges zwischen Marius und Sulla schloß er sich jenem

an, und als die Sache der Marianer in Italien verloren war, ging er

nach Spanien, wo er sich acht Jahre lang, 80-72, als Haupt der in

Italien unterlegenen Volkspartei gegen die Übermacht der gegen ihn

vom Staat geschickten Heerführer siegreich behauptete. Unermüdlich in

allen Anstrengungen des Krieges, abgehärtet und bedürfnislos wie ein

einfacher Kriegsmann, dabei mit List und Gewandtheit allen Gefahren

sich entziehend, mit immer neuen Anschlägen die Gegner überraschend,

ward er ein Abgott seiner Anhänger und des spanischen Volkes, das ihn

den zweiten Hannibal nannte.

Anfangs, als sein Heer noch klein und ungeregelt war, wurde er von dem

ersten Heere, das Sulla gegen ihn geschickt hatte, genötigt, Spanien

zu verlassen. Da fuhr er denn mit seinen 3000 Mann eine Zeitlang

abenteuernd an den spanischen Küsten umher, und schon kam ihm der trübe

Gedanke, aus der zerrütteten römischen Welt auszuscheiden und sich

auf den „glücklichen Inseln“ (den kanarischen), deren paradiesische

Schönheit die überlieferten Erzählungen griechischer Seefahrer nicht

genug rühmen konnten, eine neue Heimat zu suchen. Aber seine Truppen

hatten dazu keine Lust, und so führte er sie nach Afrika hinüber zu den

Mauretaniern, denen er in einem Aufstande gegen ihren König half. Hier

erwarben ihm seine Taten einen solchen Ruf, daß eine Einladung der noch

immer freiheitsstolzen Lusitaner (im heutigen Portugal) an ihn erging,

sie gegen die Heere der römischen Statthalter anzuführen. Nun ging er

wieder nach Spanien. Hier wußte er durch Mut und Tapferkeit, durch

Klugheit und erfindsamen Geist, sowie durch milde und rücksichtsvolle

Behandlung der Eingeborenen die Hälfte aller spanischen Völkerschaften

auf seine Seite zu ziehen. Sie räumten ihm volle Feldherrngewalt

ein und ließen sich sogar die Strenge des römischen Kriegsdienstes

gefallen. Um die Eingeborenen im Gehorsam zu erhalten, kam ihm ein

Aberglaube zustatten. Die Spanier standen nämlich in der Meinung, eine

Gottheit tue ihm ihren Willen durch die weiße Hindin kund, die er

sich gezähmt hatte, und die ihn überall begleitete, selbst mitten im

Kriegslärm.

So bildete er aus Lusitanern und Celtiberern waffengeübte Heerhaufen,

mit denen er, verstärkt durch die aus Italien ihm zuströmenden

marianischen Flüchtlinge, lange Zeit im kleinen Gebirgskrieg den

römischen Legionen widerstand. Zwei Prokonsuln waren schon im Kampf

gegen ihn gefallen. Die ganze Provinz schien bereits dem römischen

Reiche verloren und Italien selber und die Herrschaft der Optimaten in

Rom bedroht, zumal auch der Prokonsul Metellus Pius wenig gegen ihn

ausrichtete. +Perpenna+, ein aus Italien vertriebener Marianer, der im

Jahre 77 mit dem Rest der marianischen Truppen in Spanien erschienen

war, ward von seinen Soldaten genötigt sich mit Sertorius zu vereinigen

und ihm unterzuordnen. Dieser bildete nun einen eigenen Senat von 300

Mitgliedern, den er für den eigentlichen römischen Senat erklärte,

während der Senat zu Rom nur aus Sullas Sklaven bestände. Auch

errichtete er zu Oska auf seine Kosten eine Schule, wo die vornehmsten

Hispanier ihre Söhne nach Art der jungen Römer erziehen und in der

lateinischen und griechischen Sprache unterrichten ließen.

Sertorius vermied auch nach seiner Verstärkung durch Perpenna

fortwährend offene Feldschlachten, sondern beschränkte sich auf den

kleinen Krieg, den er in dem bergigen Lande mit Glück führte. Einst

verlangten seine eigenen Soldaten, kühn geworden durch die immer

zunehmende Zahl ihres Heeres, mit Ungestüm eine förmliche Schlacht.

Sertorius gab nach. Bald aber wurden sie von den Feinden so bedrängt,

daß ihr Untergang unvermeidlich gewesen wäre, wenn nicht Sertorius im

rechten Augenblick zu ihrem Schutz herbeigeeilt wäre und sie sicher ins

Lager zurückgeführt hätte. Als sie durch diesen Unfall mutlos geworden

waren, ließ er einige Tage später zwei Pferde vorführen. Das eine war

alt und schwach, das andere stark und jung mit einem dicken Schweif.

Hinter jenes stellte er einen starken, hinter das andere einen kleinen

schwächeren Soldaten. Auf ein gegebenes Zeichen mußten beide versuchen,

den Pferden die Schweife auszuziehen. Der starke Soldat ergriff mit

einem Mal den ganzen Schweif des schwachen Pferdes, um ihn mit einem

Zuge auszureißen; aber er zog und zog, immer vergeblich. Indeß riß der

kleine Soldat dem starken Pferde ein Haar nach dem andern aus, bis

er zuletzt den ganzen Schweif in Händen hielt. So lehrte er sie, wie

sie durch Ausdauer und kleine Gefechte auch einen überlegenen Feind

schwächen könnten.

Erzählungen aus der Römischen Geschichte in biographischer Form · 第 12 / 21 段