II.

Von der Befugniß der reinen Vernunft im praktischen |50.15| Gebrauche zu

einer Erweiterung, die ihr im speculativen für sich nicht möglich ist.

An dem moralischen Princip haben wir ein Gesetz der Causalität

aufgestellt, welches den Bestimmungsgrund der letzteren über alle

Bedingungen der Sinnenwelt wegsetzt, und den Willen, wie er als zu

einer intelligibelen |50.20| Welt gehörig bestimmbar sei, mithin das

Subject dieses Willens (den Menschen) nicht blos als zu einer reinen

Verstandeswelt gehörig, obgleich in dieser Beziehung als uns unbekannt

(wie es nach der Kritik der reinen #88# speculativen Vernunft geschehen

konnte) =gedacht=, sondern ihn auch in Ansehung seiner Causalität

vermittelst eines Gesetzes, welches zu gar keinem |50.25| Naturgesetze

der Sinnenwelt gezählt werden kann, =bestimmt=, also unser Erkenntniß

über die Grenzen der letzteren =erweitert=, welche Anmaßung doch die

Kritik der reinen Vernunft in aller Speculation für nichtig erklärte.

Wie ist nun hier praktischer Gebrauch der reinen Vernunft mit dem

theoretischen eben derselben in Ansehung der Grenzbestimmung ihres

|50.30| Vermögens zu vereinigen?

=David Hume=, von dem man sagen kann, daß er alle Anfechtung der Rechte

einer reinen Vernunft, welche eine gänzliche Untersuchung derselben

nothwendig machten, eigentlich anfing, schloß so. Der Begriff der

=Ursache= ist ein Begriff, der die =Nothwendigkeit= der Verknüpfung

der Existenz des Verschiedenen und zwar, so fern es verschieden

ist, enthält, so daß, wenn _A_ gesetzt wird, ich erkenne, daß etwas

davon ganz Verschiedenes, _B_, nothwendig auch existiren müsse.

Nothwendigkeit kann aber nur einer Verknüpfung beigelegt werden, so

fern sie _a priori_ erkannt wird; |51.5| denn die Erfahrung würde von

einer Verbindung nur zu erkennen geben, daß sie sei, aber nicht, daß

sie so nothwendigerweise sei. Nun ist es, sagt er, unmöglich, die

Verbindung, die zwischen einem Dinge und einem =anderen= (oder einer

Bestimmung und einer anderen, ganz von ihr verschiedenen), #89# wenn

sie nicht in der Wahrnehmung gegeben werden, _a priori_ und |51.10| als

nothwendig zu erkennen. Also ist der Begriff einer Ursache selbst

lügenhaft und betrügerisch und ist, am gelindesten davon zu reden, eine

so fern noch zu entschuldigende Täuschung, da die =Gewohnheit= (eine

=subjective= Nothwendigkeit), gewisse Dinge oder ihre Bestimmungen

öfters neben oder nach einander ihrer Existenz nach als sich beigesellt

wahrzunehmen, unvermerkt |51.15| für eine =objective= Nothwendigkeit, in

den Gegenständen selbst eine solche Verknüpfung zu setzen, genommen und

so der Begriff einer Ursache erschlichen und nicht rechtmäßig erworben

ist, ja auch niemals erworben oder beglaubigt werden kann, weil er eine

an sich nichtige, chimärische, vor keiner Vernunft haltbare Verknüpfung

fordert, der gar kein |51.20| Object jemals correspondiren kann. -- So

ward nun zuerst in Ansehung alles Erkenntnisses, das die Existenz der

Dinge betrifft (die Mathematik blieb also davon noch ausgenommen), der

=Empirismus= als die einzige Quelle der Principien eingeführt, mit ihm

aber zugleich der härteste =Scepticism= selbst in Ansehung der ganzen

Naturwissenschaft (als Philosophie). |51.25| Denn wir können nach

solchen Grundsätzen niemals aus gegebenen Bestimmungen der Dinge

ihrer Existenz nach auf eine Folge =schließen= (denn dazu würde der

Begriff einer Ursache, der die Nothwendigkeit einer solchen Verknüpfung

enthält, erfordert werden), sondern nur nach der #90# Regel der

Einbildungskraft ähnliche Fälle wie sonst erwarten, welche Erwartung

|51.30| aber niemals sicher ist, sie mag auch noch so oft eingetroffen

sein. Ja bei keiner Begebenheit könnte man sagen: es =müsse= etwas vor

ihr vorhergegangen sein, worauf sie =nothwendig= folgte, d. i. sie

müsse eine =Ursache= haben, und also, wenn man auch noch so öftere

Fälle kennte, wo dergleichen vorherging, so daß eine Regel davon

abgezogen werden konnte, so könnte man darum es nicht als immer und

nothwendig sich auf die Art zutragend |51.35| annehmen, und so müsse

man dem blinden Zufalle, bei welchem aller Vernunftgebrauch aufhört,

auch sein Recht lassen, welches denn den Scepticism in Ansehung der

von Wirkungen zu Ursachen aufsteigenden Schlüsse fest gründet und

unwiderleglich macht.

Die Mathematik war so lange noch gut weggekommen, weil Hume dafür

hielt, daß ihre Sätze alle analytisch wären, d. i. von einer Bestimmung

|52.5| zur andern um der Identität willen, mithin nach dem Satze des

Widerspruchs fortschritten (welches aber falsch ist, indem sie vielmehr

alle synthetisch sind, und, obgleich z. B. die Geometrie es nicht

mit der Existenz der Dinge, sondern nur ihrer Bestimmung _a priori_

in einer möglichen Anschauung zu thun hat, dennoch eben so gut wie

durch Causalbegriffe von |52.10| einer Bestimmung _A_ zu einer ganz

verschiedenen _B_, als dennoch mit jener #91# nothwendig verknüpft,

übergeht). Aber endlich muß jene wegen ihrer apodiktischen Gewißheit

so hochgepriesene Wissenschaft doch dem =Empirismus in Grundsätzen=

aus demselben Grunde, warum Hume an der Stelle der objectiven

Nothwendigkeit in dem Begriffe der Ursache die Gewohnheit |52.15|

setzte, auch unterliegen und sich unangesehen alles ihres Stolzes

gefallen lassen, ihre kühne, _a priori_ Beistimmung gebietende

Ansprüche herabzustimmen, und den Beifall für die Allgemeingültigkeit

ihrer Sätze von der Gunst der Beobachter erwarten, die als Zeugen es

doch nicht weigern würden zu gestehen, daß sie das, was der Geometer

als Grundsätze vorträgt, |52.20| jederzeit auch so wahrgenommen hätten,

folglich, ob es gleich eben nicht nothwendig wäre, doch fernerhin, es

so erwarten zu dürfen, erlauben würden. Auf diese Weise führt Humens

Empirism in Grundsätzen auch unvermeidlich auf den Scepticism selbst

in Ansehung der Mathematik, folglich in allem =wissenschaftlichen=

theoretischen Gebrauche der Vernunft |52.25| (denn dieser gehört

entweder zur Philosophie, oder zur Mathematik). Ob der gemeine

Vernunftgebrauch (bei einem so schrecklichen Umsturz, als man den

Häuptern der Erkenntniß begegnen sieht) besser durchkommen, und nicht

vielmehr noch unwiederbringlicher in eben diese Zerstörung alles

Wissens werde verwickelt werden, mithin ein =allgemeiner= |52.30|

Scepticism nicht aus denselben Grundsätzen folgen müsse (der freilich

#92# aber nur die Gelehrten treffen würde), das will ich jeden selbst

beurtheilen lassen.

Was nun meine Bearbeitung in der Kritik der reinen Vernunft betrifft,

die zwar durch jene Humische Zweifellehre veranlaßt ward, doch |52.35|

viel weiter ging und das ganze Feld der reinen theoretischen Vernunft

im synthetischen Gebrauche, mithin auch desjenigen, was man Metaphysik

überhaupt nennt, befaßte: so verfuhr ich in Ansehung der den Begriff

der Causalität betreffenden Zweifel des schottischen Philosophen

auf folgende Art. Daß Hume, wenn er (wie es doch auch fast überall

geschieht) die Gegenstände der Erfahrung für =Dinge an sich selbst=

nahm, den Begriff der Ursache für trüglich und falsches Blendwerk

erklärte, daran that er |53.5| ganz recht; denn von Dingen an sich

selbst und deren Bestimmungen als solchen kann nicht eingesehen

werden, wie darum, weil etwas _A_ gesetzt wird, etwas anderes _B_

auch nothwendig gesetzt werden müsse, und also konnte er eine solche

Erkenntniß _a priori_ von Dingen an sich selbst gar nicht einräumen.

Einen empirischen Ursprung dieses Begriffs konnte der scharfsinnige

|53.10| Mann noch weniger verstatten, weil dieser geradezu der

Nothwendigkeit der Verknüpfung widerspricht, welche das Wesentliche

des Begriffs der Causalität ausmacht; mithin ward der Begriff in die

Acht erklärt, und in seine Stelle trat die Gewohnheit im Beobachten des

Laufs der Wahrnehmungen. |53.15|

Aus meinen Untersuchungen aber ergab es sich, daß die Gegenstände,

#93# mit denen wir es in der Erfahrung zu thun haben, keineswegs Dinge

an sich selbst, sondern blos Erscheinungen sind, und daß, obgleich

bei Dingen an sich selbst gar nicht abzusehen ist, ja unmöglich ist

einzusehen, wie, wenn _A_ gesetzt wird, es =widersprechend= sein

solle, _B_, welches von _A_ ganz verschieden |53.20| ist, nicht zu

setzen (die Nothwendigkeit der Verknüpfung zwischen _A_ als Ursache

und _B_ als Wirkung), es sich doch ganz wohl denken lasse, daß sie als

Erscheinungen in =einer Erfahrung= auf gewisse Weise (z. B. in Ansehung

der Zeitverhältnisse) nothwendig verbunden sein müssen und nicht

getrennt werden können, ohne derjenigen Verbindung zu =widersprechen=,

|53.25| vermittelst deren diese Erfahrung möglich ist, in welcher sie

Gegenstände und uns allein erkennbar sind. Und so fand es sich auch in

der That: so daß ich den Begriff der Ursache nicht allein nach seiner

objectiven Realität in Ansehung der Gegenstände der Erfahrung beweisen,

sondern ihn auch als Begriff _a priori_ wegen der Nothwendigkeit

der Verknüpfung, |53.30| die er bei sich führt, =deduciren=, d.

i. seine Möglichkeit aus reinem Verstande ohne empirische Quellen

darthun, und so, nach Wegschaffung des Empirismus seines Ursprungs,

die unvermeidliche Folge desselben, nämlich den Scepticism, zuerst in

Ansehung der Naturwissenschaft, dann auch, wegen des ganz vollkommen

aus denselben Gründen |53.35| Folgenden, in Ansehung der Mathematik,

beider Wissenschaften, die auf #94# Gegenstände möglicher Erfahrung

bezogen werden, und hiemit den totalen Zweifel an allem, was

theoretische Vernunft einzusehen behauptet, aus dem Grunde heben konnte.

Aber wie wird es mit der Anwendung dieser Kategorie der Causalität

(und so auch aller übrigen; denn ohne sie läßt sich kein Erkenntniß

des Existirenden zu Stande bringen) auf Dinge, die nicht Gegenstände

möglicher |54.5| Erfahrung sind, sondern über dieser ihre Grenze hinaus

liegen? Denn ich habe die objective Realität dieser Begriffe nur in

Ansehung der =Gegenstände möglicher Erfahrung= deduciren können.

Aber eben dieses, daß ich sie auch nur in diesem Falle gerettet

habe, daß ich gewiesen habe, es lassen sich dadurch doch Objecte

=denken=, obgleich nicht _a priori_ |54.10| bestimmen: dieses ist es,

was ihnen einen Platz im reinen Verstande giebt, von dem sie auf

Objecte überhaupt (sinnliche, oder nicht sinnliche) bezogen werden.

Wenn etwas noch fehlt, so ist es die Bedingung der =Anwendung= dieser

Kategorien und namentlich der der Causalität auf Gegenstände, nämlich

die Anschauung, welche, wo sie nicht gegeben ist, die Anwendung |54.15|

zum =Behuf der theoretischen Erkenntniß= des Gegenstandes als Noumenon

unmöglich macht, die also, wenn es jemand darauf wagt, (wie auch in

der Kritik der reinen Vernunft geschehen) gänzlich verwehrt wird,

indessen daß doch immer die objective Realität des Begriffs bleibt,

auch #95# von Noumenen gebraucht werden kann, aber ohne diesen Begriff

theoretisch |54.20| im mindesten bestimmen und dadurch ein Erkenntniß

bewirken zu können. Denn daß dieser Begriff auch in Beziehung auf ein

Object nichts Unmögliches enthalte, war dadurch bewiesen, daß ihm sein

Sitz im reinen Verstande bei aller Anwendung auf Gegenstände der Sinne

gesichert war, und ob er gleich hernach etwa, auf Dinge an sich selbst

(die nicht Gegenstände |54.25| der Erfahrung sein können) bezogen,

keiner Bestimmung zur Vorstellung =eines bestimmten Gegenstandes= zum

Behuf einer theoretischen Erkenntniß fähig ist, so konnte er doch immer

noch zu irgend einem anderen (vielleicht dem praktischen) Behuf einer

Bestimmung zur Anwendung desselben fähig sein, welches nicht sein

würde, wenn nach Hume dieser Begriff |54.30| der Causalität etwas, das

überall zu denken unmöglich ist, enthielte.

Um nun diese Bedingung der Anwendung des gedachten Begriffs auf

Noumenen ausfindig zu machen, dürfen wir nur zurücksehen, =weswegen wir

nicht mit der Anwendung desselben auf Erfahrungsgegenstände zufrieden

sind=, sondern ihn auch gern von Dingen an sich selbst |54.35| brauchen

möchten. Denn da zeigt sich bald, daß es nicht eine theoretische,

sondern praktische Absicht sei, welche uns dieses zur Nothwendigkeit

macht. Zur Speculation würden wir, wenn es uns damit auch gelänge,

doch #96# keinen wahren Erwerb in Naturkenntniß und überhaupt in

Ansehung der Gegenstände, die uns irgend gegeben werden mögen, machen,

sondern allenfalls einen weiten Schritt vom Sinnlichbedingten (bei

welchem zu bleiben und die Kette der Ursachen fleißig durchzuwandern

wir so schon |55.5| genug zu thun haben) zum Übersinnlichen thun,

um unser Erkenntniß von der Seite der Gründe zu vollenden und zu

begrenzen, indessen daß immer eine unendliche Kluft zwischen jener

Grenze und dem, was wir kennen, unausgefüllt übrig bliebe, und wir mehr

einer eiteln Fragsucht, als einer gründlichen Wißbegierde Gehör gegeben

hätten. |55.10|

Außer dem Verhältnisse aber, darin der =Verstand= zu Gegenständen

(im theoretischen Erkenntnisse) steht, hat er auch eines zum

Begehrungsvermögen, das darum der Wille heißt, und der reine Wille,

so fern der reine Verstand (der in solchem Falle Vernunft heißt)

durch die bloße Vorstellung eines Gesetzes praktisch ist. Die

objective Realität eines reinen |55.15| Willens oder, welches einerlei

ist, einer reinen praktischen Vernunft ist im moralischen Gesetze _a

priori_ gleichsam durch ein Factum gegeben; denn so kann man eine

Willensbestimmung nennen, die unvermeidlich ist, ob sie gleich nicht

auf empirischen Principien beruht. Im Begriffe eines Willens aber ist

der Begriff der Causalität schon enthalten, mithin in dem eines |55.20|

reinen Willens der Begriff einer Causalität mit Freiheit, d. i. die

nicht #97# nach Naturgesetzen bestimmbar, folglich keiner empirischen

Anschauung als Beweises seiner Realität fähig ist, dennoch aber in

dem reinen praktischen Gesetze _a priori_ seine objective Realität,

doch (wie leicht einzusehen) nicht zum Behufe des theoretischen,

sondern blos praktischen Gebrauchs der Vernunft, |55.25| vollkommen

rechtfertigt. Nun ist der Begriff eines Wesens, das freien Willen hat,

der Begriff einer _causa noumenon_, und daß sich dieser Begriff nicht

selbst widerspreche, dafür ist man schon dadurch gesichert, daß der

Begriff einer Ursache als gänzlich vom reinen Verstande entsprungen,

zugleich auch seiner objektiven Realität in Ansehung der Gegenstände

überhaupt |55.30| durch die Deduction gesichert, dabei seinem Ursprunge

nach von allen sinnlichen Bedingungen unabhängig, also für sich auf

Phänomene nicht eingeschränkt (es sei denn, wo ein theoretischer

bestimmter Gebrauch davon gemacht werden wollte), auf Dinge als reine

Verstandeswesen allerdings angewandt werden könne. Weil aber dieser

Anwendung keine Anschauung, |55.35| als die jederzeit nur sinnlich sein

kann, untergelegt werden kann, so ist _causa noumenon_ in Ansehung

des theoretischen Gebrauchs der Vernunft, obgleich ein möglicher,

denkbarer, dennoch leerer Begriff. Nun verlange ich aber auch dadurch

nicht die Beschaffenheit eines Wesens, =so fern= es einen =reinen=

Willen hat, =theoretisch= zu =kennen=; es ist mir genug, #98# es

dadurch nur als ein solches zu bezeichnen, mithin nur den Begriff der

Causalität mit dem der Freiheit (und was davon unzertrennlich ist,

mit |56.5| dem moralischen Gesetze als Bestimmungsgrunde derselben) zu

verbinden; welche Befugniß mir vermöge des reinen, nicht empirischen

Ursprungs des Begriffs der Ursache allerdings zusteht, indem ich davon

keinen anderen Gebrauch, als in Beziehung auf das moralische Gesetz,

das seine Realität bestimmt, d. i. nur einen praktischen Gebrauch, zu

machen mich befugt |56.10| halte.

Hätte ich mit Humen dem Begriffe der Causalität die objective Realität

im theoretischen Gebrauche nicht allein in Ansehung der Sachen an sich

selbst (des Übersinnlichen), sondern auch in Ansehung der Gegenstände

der Sinne genommen: so wäre er aller Bedeutung verlustig und als

ein theoretisch |56.15| unmöglicher Begriff für gänzlich unbrauchbar

erklärt worden, und, da von nichts sich auch kein Gebrauch machen

läßt, der praktische Gebrauch eines =theoretisch-nichtigen= Begriffs

ganz ungereimt gewesen. Nun aber der Begriff einer empirisch

unbedingten Causalität theoretisch zwar leer (ohne darauf sich

schickende Anschauung), aber immer doch möglich ist |56.20| und sich

auf ein unbestimmt Object bezieht, statt dieses aber ihm doch an dem

moralischen Gesetze, folglich in praktischer Beziehung, Bedeutung

gegeben wird, so habe ich zwar keine Anschauung, die ihm seine

objective theoretische Realität bestimmte, aber er hat nichts desto

weniger wirkliche #99# Anwendung, die sich _in concreto_ in Gesinnungen

oder Maximen darstellen |56.25| läßt, d. i. praktische Realität, die

angegeben werden kann; welches denn zu seiner Berechtigung selbst in

Absicht auf Noumenen hinreichend ist.

Aber diese einmal eingeleitete objective Realität eines reinen

Verstandesbegriffs im Felde des Übersinnlichen giebt nunmehr

allen übrigen Kategorien, obgleich immer nur so fern sie mit dem

Bestimmungsgrunde |56.30| des reinen Willens (dem moralischen Gesetze)

in =nothwendiger= Verbindung stehen, auch objective, nur keine andere

als blos praktisch-anwendbare Realität, indessen sie auf theoretische

Erkenntnisse dieser Gegenstände, als Einsicht der Natur derselben

durch reine Vernunft, nicht den mindesten Einfluß hat, um dieselbe

zu erweitern. Wie wir denn auch in |56.35| der Folge finden werden,

daß sie immer nur auf Wesen als =Intelligenzen=, und an diesen auch

nur auf das Verhältniß der =Vernunft= zum =Willen=, mithin immer

nur aufs =Praktische= Beziehung haben und weiter hinaus sich kein

Erkenntniß derselben anmaßen; was aber mit ihnen in Verbindung noch

sonst für Eigenschaften, die zur theoretischen Vorstellungsart

solcher übersinnlichen Dinge gehören, herbeigezogen werden möchten,

diese insgesammt alsdann gar nicht zum Wissen, sondern nur |57.5| zur

Befugniß (in praktischer Absicht aber gar zur Nothwendigkeit) sie

anzunehmen und vorauszusetzen gezählt werden, selbst da, wo man

übersinnliche #100# Wesen (als Gott) nach einer Analogie, d. i. dem

reinen Vernunftverhältnisse, dessen wir in Ansehung der sinnlichen uns

praktisch bedienen, und so der reinen theoretischen Vernunft durch die

Anwendung aufs Übersinnliche, |57.10| aber nur in praktischer Absicht,

zum Schwärmen ins Überschwengliche nicht den mindesten Vorschub giebt.

Kant's gesammelte Schriften. Band V. Kritik der praktischen Vernunft. · 第 26 / 44 题