Traurig flüstert der Schwabe: »Das ist der Teufel!«

Entsetzt hält sich Strick den Kopf: »Was soll ich denn mit dem noch

machen! Mitten in der Nacht!«

»Er hat mich rausgeholt aus dem Wasser, wie ich schon fast tot war. Du

sollst mir den Arm verbinden.«

»Du bist ja schon tot. Hast du so wenig medizinische Kenntnisse?«

Hartnäckig flüstert Hubert -- der Teufel stemmt ihn rückwärts --: »Du

sollst mir den Arm verbinden; ein Fisch hat mich gebissen.«

Strick wühlt sich hilflos aus dem Bett, zieht sich Strümpfe und Hosen

über, seufzt: »Komm.«

Verbindet ihn unten; kopfschüttelnd sieht er die beiden abziehen, droht

hinter ihnen.

Bevor er zur Visite geht, am nächsten Nachmittag, schlurrt Feuchtedengel

mit dem andern auf sein Zimmer, am hellen Tage.

»Wo kommst du her; du bist doch längst tot.«

»Ich bin wahrscheinlich tot; der Arm heilt aber nicht.«

Strick geht um die beiden herum; der Schwabe ist ganz trocken, seine

Hosen, sein Mantel verschrumpfelt, erdig.

»Deine Sachen sind ja schon trocken; wo hältst du dich bei Tag auf,

Mensch?«

»Im Freien. Wenn der andere keine Zeit hat, hängt er mich an einen Baum.

Davon bin ich so rasch trocken geworden.«

»Das ist sehr praktisch. Aber warum holt er dich denn immer runter?«

»Mein Arm tut mir so weh. Du hast mir zuviel Kollargol eingespritzt, es

ist mir eingefallen; nachher hast du mich in den Fluß geschmissen. Das

gnade dir Gott. Aber ich bin schon wieder trocken.«

Breitbeinig stellt sich Strick vor den andern, schlägt sich mit der

Reitpeitsche gegen die blanken Stiefelschäfte: »Jetzt rede ich gar nicht

mit dir Sumpfhuhn. Jetzt rede ich mit dem andern. Mit dem da. Sagen Sie

mal: Warum bringen Sie mir immer den Kerl her, was soll denn die ganze

Trocknerei, warum verschwinden Sie nicht mit ihm von der Bildfläche?«

»Ich kann nich, Herr. Ich kann nich. Tut mir sehr, sehr leid. Wir haben

kein Holz und haben keine Kohlen, mit die Hitze ist es aus bei uns. Ich

kann jetzt keinen mehr so anbringen. Sie müssen alle erst getrocknet

werden.«

»Was bringen Sie ihn aber immer zu mir, wo Sie doch sehen, was mit ihm

los ist?«

»Ja, er will immer, Herr.«

»Herr Doktor heiße ich. Aber wenn er will, was ist dann?«

»Er läßt mir keine Ruhe, er hält soviel von Sie, Sie hätten seinen

Bandwurm wegkuriert. Von morgens bis abends jault er immer nach Sie, von

wegen dem Arm, jault und jault.«

»Ja, soll ich denn den Kerl noch behandeln, wenn er stinkt?«

»Das sag ick doch auch, Herr, Herr Doktor. Das predige ich ihm doch den

janzen lieben Dag, Herr, Herr Doktor.«

»Zum Himmeldonnerwetter, dann reden Sie doch mal Fraktur mit ihm.

Vergraben Sie ihn, schmeißen Sie ihn ins Feuer. Glauben Sie denn, ich

habe meine Zeit gestohlen.«

»Ich will's ihm noch mal sagen; er ist so tücksch, so störrisch, er läßt

nicht ab.«

»Ich will; ich will. Das hätten Sie schon gestern tun sollen. Was sollen

die Leute von mir denken, wenn ich mit so einem ungebügelten Subjekt

umgehe; und dann immer zwei auf einmal. Wer wird sich von mir behandeln

lassen bei dem Gestank.«

»Sag' ich doch auch, verdirbt Ihnen das Geschäft. Ist mir peinlich,

Herr. -- Jetzt gehst du also deiner Wege, sonst setzt es was! Verstande

wu? Vorwärts, hüh!«

Schüttelt den Feuchtedengel am Hals, daß dem in seinem pendelnden

Schädel die Kiefern klappen.

»Mein Arm, mein Arm.«

»Hier gibt's nüscht mit Arm. Nichts zu machen. Abfahrt. Volldampf.«

Strick hebt die Peitsche in der Faust hinter ihnen.

Auf der Treppe wimmert der Schwabe; oben donnert es durch die Tür:

»Raus, sofort raus samt dem Deibel!«

Der beeilt sich, daß sie nur so davonpoltern.

Strick vom Mittagessen auf sein Zimmer, will Briefe schreiben.

Vierfüßiges Getrapp auf der Treppe fängt an, an die Tür klopft es,

einmal, zweimal. Strick denkt, ich antworte nicht. Sie klopfen weiter,

stoßen mit den Füßen. Einer flüstert: »Er ist nicht zu Hause.« Der

andere wimmert: »Doch, er schläft. Klopfen Sie noch mal, ich kann nicht

mehr.«

Die Tür wackelt von den Tritten, ein Likörglas fällt vom Vertikow. Einer

winselt: »Sehen Sie, der trinkt Likör.« Vorsichtig wird die Tür

geöffnet. Strick liegt über dem Papier, tut als ob er schläft. Der

Teufel läßt den rechten Arm sinken. Feuchtedengel nach vorn gestürzt,

muß auf allen Vieren kriechen, die Brust hängt dicht über dem Boden,

seine Arme baumeln, schleifen nach, die Handrücken wischen den Teppich;

der Kopf geht hoch, um etwas zu sehen, schlägt mit der Stirn wieder auf.

Der andere tippt den Schlafenden leise ans Ohr. Dem ist die Galle ins

Blut gestiegen.

Er richtet sich vor den beiden auf, puterrot, gequollenen Gesichts, mit

funkelnden Augen: »Nu hab' ich's dick.«

Der Teufel läßt den Feuchtedengel auf den Boden plumpsen, stemmt sich

die Fäuste in die Weichen: »Fangen Se ooch noch an mit mir?«

»Sie haben sich mit dem verstunkenen Kerl Ihrer Wege zu scheren. Sie

haben --«

»Ich kann mit dem Kerl nicht fertig werden. Er läßt das Jaulen nicht

sein und er läßt es nicht sein, es ist nicht anzuhören. Dann verbinden

Sie ihn eben, und die Sache ist fertig.«

Strick rast im Zimmer: »Er stinkt ja schon, Menschenskind; er fault ja,

wie Sie ihn da sehen, in seinen Kleidern.«

»Dafür kann ich nichts. Dafür bin ich nicht da. Dann gehen wir zu einem

andern Doktor.«

Unten wühlt der mit dem Kopf: »Ich will nicht; ich geh zu keinem anderen

Doktor.«

Blaubart und Miss Ilsebill · 第 7 / 19 题