_Anna_
(stellt die Blumen in eine Vase vor die Spiegelkonsole,
betrachtet entzückt die Wirkung).
_Frau von Hänlein_
Weshalb stellst du denn den Strauß vor'n Spiegel, Anna?
_Anna_
(ohne sich umzuwenden, lächelnd)
Dann sieht es aus, als ob ich zwei Sträuße hätte.
_Birnkoch_
#C'est drôle! c'est ravissant!#
_Ritter von Lang_
(tritt ein. Er ist ein mittelgroßer, stämmiger Mann mit
einer starken, energischen Stimme; sein Gesicht ist der Mode
der Zeit gemäß bartlos, sein Wesen hat ein kühnes
Selbstbewußtsein wie das eines Menschen, der seinen Wert
genau kennt und sich außerdem mit Absicht von andern
Beamten, ihrem Servilismus nach oben, ihrer Brutalität nach
unten, unterscheiden will)
Guten Morgen, Herr Birnkoch; hab' gestern schon gehört, daß
Sie wieder in Ansbach sind. -- Bist schon so frühzeitig
munter, Anna? (Küßt sie auf die Stirn.) -- Woher ist denn der
frische Flieder da?
_Anna_
Daß du's gleich gesehen hast! (Nimmt seine Hand und sieht
ihn hell an.) Er hat's gleich gesehen, Mutter.
_Frau von Hänlein_
Werden vom Hofgärtner aus dem Treibhaus sein ... (Raunt
Lang in die Ohren.) Nennen Sie ihn doch nicht Birnkoch,
lieber Lang! Wollen Sie ihn auf Lebenszeit zum Feind haben?
_Lang_
(lacht kurz, dann sehr höflich)
Warten Sie schon lang, Herr Rechnungsrat? Was gibt's? Soll
ich die Frauenzimmer fortschicken?
_Birnkoch_
Beileibe, Herr Domänenrat, beileibe nicht. Die Damen und
ich, wir haben uns über den Gegenstand schon ausgesprochen
und sind ganz #d'accord.# Denn Sie müssen nachgeben in der
Affäre mit dem närrischen Turm.
_Lang_