des Lachens, nach allen seinen Stücken, auseinander zu setzen. Das
Lachen ist eine so verworrene und, aus unendlich vielen andern,
zusammengesetzte Veränderung, daß man Ursach zu zweiffeln hat, ob man
dieselbe so deutlich erklären könne, als andere Veränderungen die
bey uns vorgehen. Ich übergehe die Bewegung des Körpers, die mit dem
Lachen verbunden ist. Ich will nur bestimmen, woher die Veränderung
der Seele entsteht, wenn sie über etwas lächerliches lacht, denn das
ist dasjenige lachen, so durch einen Schertz verursacht werden soll.
Lächerlich sind alle Ungereimtheiten die man in Kleinigkeiten bemerckt.
Das Lachen entsteht also aus der Beobachtung einer Ungereimtheit in
Kleinigkeiten. +Cicero+ sagt +im andern Buche vom Redner+:
~Locus autem & regio quasi ridiculi turpitudine & deformitate quadam
continetur, haec enim ridentur vel sola, vel maxime, quae notant
& designant turpitudinem aliquam non turpiter~. Es wird leicht
zu erweisen seyn, daß eine jede Häßlichkeit etwas ungereimtes oder
wiedersprechendes enthalte, indem die Natur alsdenn von den Regeln der
Vollkommenheit abweicht, worin ihre Maximen bestehen, wenn sie etwas
häßliches in ihren Wercken hervorbringt. +Cicero+ bemerckt an
eben dem Orte, daß man weder über eine gar zu grosse Häßlichkeit noch
Schandthat lache. Die erste bewegt zum Mitleiden, die andere zum Zorn
und Abscheu. Folglich würde ein solches Lachen mit einem überwiegenden
Verdrusse verbunden seyn. Man thue hinzu, daß man, wenn man grosse
Dinge lächerlich macht, sein leichtsinniges Gemüth verräth, eine
Beschaffenheit die abermals einem guten Geschmacke Verdruß erwecken
muß. Ich habe demnach mit Grunde annehmen können, daß, wenn man
andre mit Vergnügen zu lachen machen will, man in Kleinigkeiten eine
Ungereimtheit oder Widerspruch entdecken müsse.
§. 82.
Wenn ein Schertz also kräftig zum Lachen reizen soll, so muß er einmal,
von Kleinigkeiten handeln, es mögen nun sittliche Dinge seyn oder bloß
natürliche. Man nennt sie Kleinigkeiten aus verschiedenen Gründen, die
ich nicht nöthig habe anzuführen. Ich bemercke nur daß es Dinge seyn
müssen, die weder an sich betrachtet, noch in Absicht auf ihre Folgen,
von grosser Wichtigkeit sind. Die Ungereimtheit die man entdeckt, kan
überhaupt die Abweichung einer Sache von ihren Regeln seyn. Diese
Regeln mögen nun moralisch oder nicht moralisch seyn, genug, wenn die
Sache nur als regelloß, widersinnisch und häßlich vorgestelt wird. Je
mehr solcher Unrichtigkeiten entdeckt werden, desto lächerlicher wird
die Sache. Ich thue nicht ein Wort mehr hinzu, weil ich schon mehr als
einmal erinnert habe, daß ich keine Wissenschaft der Schertze schreibe.
Genug, daß ich nunmehr die Gründe habe, woraus ich verschiedene
Unvollkommenheiten bey den Schertzen entdecken kan.
§. 83.
Ein jeder feuriger Schertz ist werth, daß er mit lachen angehört wird.
Man hüte sich aber daß man nicht alles, was lächerlich und belachens
werth ist, für einen Schertz halte. Noch viel weniger kan alles
das was ein lachen verursacht ein Schertz seyn. ~Non sunt omnia
ridicula faceta. _Cic. de Orat. L. II._ In einem Schertze, wenn
er feurig seyn soll, muß das formelle, die Vergleichung verschiedener
Dinge, der sinreiche und scharfsinnige Gedancke, den Grund zum lachen
enthalten. Liegt dieser Grund in etwas anders, so kan es entweder gar
kein Schertz genennt werden, oder er muß überaus frostig seyn. Alle
diejenigen lustigen Herrn, die einen armseeligen Witz besitzen, mögen
sich also ja in acht nehmen, sich einzubilden, daß sie spaßhafte Köpfe
sind, wenn sie keinen andern Grund dazu anzugeben wissen, als weil
sie geschickt sind andere zum lachen zu bestimmen. Es gehört mehr zu
einem schertzhaften Kopfe, als die Geschicklichkeit ein lachen zu
verursachen, ob ich gleich derselben ihren völligen Werth lasse, der
ihr in anderer Absicht zukommen kan.
§. 84.
Wenn eine Person, Sache, Begebenheit, Handlung, oder wie es Namen
haben mag, an sich schon lächerlich ist, ohne daß wir nöthig haben
einen sinreichen Einfall hinzuzuthun, so wird die blosse Erzählung und
Vorstellung dieser Stücke schon ein Lachen verursachen. Man würde sich
aber gewaltig irren, wenn man dergleichen Erzählungen für Schertze
halten wolte, und die Person die sie vorträgt für einen schertzhaften
Kopf. Es ist wahr, wenn die Materialien unseres Schertzes schon an sich
lächerlich sind, so wird es uns leichter werden, damit zu schertzen,
und unser Schertz kan dadurch feuriger werden. Allein wenn über weiter
nichts, als über die Sachen gelacht wird, so ist ein lustigmacher zu
eilfertig, sich deswegen für einen Meister in Schertzen zu halten. Das
haben sich alle Liebhaber poßierlicher Historien zu mercken. Sie können
sich in anderer Absicht die Gesellschaft verbindlich machen, wenn ihre
Histörchen alle diejenige Artigkeit haben, die einen vernünftigen
Menschen nicht verunzieren, wenn er sie erzählt oder belacht. Aber,
daß sie deswegen für witzige und feurige Köpfe wollen gehalten seyn,
ist eine Hofnung, die sie sich so lange müssen vergehen lassen, bis sie
wichtigere Gründe dazu anzugeben wissen.
§. 85.
Ich weiß selbst nicht woher es kommt, daß manche Dinge, bey den meisten
Leuten, ein ungemeines lachen verursachen, und wenn sie auch ohne allen
Witz und Scharfsinnigkeit vorgetragen werden, die doch nicht lächerlich
sind. Man nenne nur gewisse Dinge, bey denen schamhafte Gemüther roth
werden, oder man nenne auch Dinge die zur Religion gehören, ich bin
gut dafür, daß es unzählige Leute gibt die hertzlich darüber lachen
werden, obgleich nicht das geringste spaßhafte dabey angetroffen wird.
Der Grund dieses lachens liegt in der schmutzigen und leichtsinnigen
Beschaffenheit des Zuhörers, und ich bin zufrieden angemerckt zu
haben, daß dergleichen Zoten und Mißbrauch der Dinge, die mit der
Religion eine Verwandschaft haben, wenn sie mit keinem sinreichen
Einfalle begleitet werden, keine Schertze können genannt werden, und
ob sie noch so hertzlich belacht würden. Oben habe ich gezeigt, daß
man schandbare Zoten, und ob sie gleich mit Witz und Scharfsinnigkeit
vorgetragen würden, demohnerachtet für frostige Spasse halten müsse.
Und ich werde mich also nicht betrügen, wenn ich überhaupt sage, daß
alle Unflätereyen, sie mögen Namen haben wie sie wollen, entweder gar
keine Schertze, oder doch ein viel zu elender Stoff sind, als daß ein
reinliches Gemüth sich die Mühe nehmen solte, sie zu durchwürcken, und
einen Schertz daraus zu machen.
§. 86.
Ein Schertz muß nothwendig abgeschmackt seyn, der auf keine andere Art
zum lachen reitzen kan, als wenn man den schertzenden ansieht, und auf
seine Geberden dabey achtung gibt. Ein feuriger Schertz muß auch ein
Schertz bleiben, wenn man den Urheber desselben auch nicht sehen solte,
ob ich gleich nicht in Abrede seyn will, daß die Art des Vortrages
ein vieles, zur Vermehrung der Schönheit eines Schertzes, beytragen
könne. Dem sey wie ihm wolle. Ein Schertz der sonst gar kein Feuer hat,
als wenn man das Bezeugen des schertzenden beym Vortrage desselben
mit zu Hülfe nimt, ist ein sehr frostiger Schertz. Der schertzende
macht sich alsdenn zu einen Narren und Harlekin. Man lacht nicht über
seinen sinreichen Einfall, sondern über sein ungereimtes Betragen.
Kurtz, Reden die nicht eher zum lachen bewegen, bis sie mit tausend
närrischen Verzuckungen der Glieder des Körpers begleitet werden,
sind Narrenspossen. Und man kan sagen, daß ihr Feuer nicht geistig,
sondern bloß körperlich sey, weil sie alle ihre Lebhaftigkeit durch die
Mißhandlungen des Körpers bekommen.
§. 87.
Man solte fast auf die Gedancken gerathen, daß die Natur bey der
Bildung gewisser Menschen gespaßt habe. Man sagt von diesen Leuten,
daß sie zu Narren geboren sind. Wenigstens scheints, daß die Natur bey
ihnen nicht so regelmäßig verfahren sey, als sie ordentlicher Weise zu
thun gewohnt ist. Tausend Kleinigkeiten befinden sich in der Gestalt,
und gantzen Bildung solcher Leute, welche regelloß sind, und diese
Leute so unglückseelig machen, daß man sie ohne lachen nicht ansehen
kan. Diese verunglückten Wercke der Natur, dürfen nur den frostigsten
Einfall vorbringen, so wird überlaut gelacht; und Leute von weniger
Beurtheilungskraft glauben, daß denselben das schertzen überaus wohl
anstehe. Ich darf diesen lächerlichen Irthum nicht wiederlegen. Es
ist von selbst klar, daß man nicht über den Einfall, sondern über die
Person lache. Und, meiner Einsicht nach, schicken sich solche Leute am
allerwenigsten, schön und feurig zu schertzen. Ihre Einfälle können
Schertze für die Augen, und nicht für die Ohren genennt werden.
§. 88.
Wenn die lächerliche Gestalt eines Menschen ein blosser Naturfehler
ist, so verdient er Mitleiden und Vergebung. Wer aber seinen Körper
durch Fleiß und Uebung zu einen poßirlichen Werckzeuge, andere Leute
zu belustigen, macht, verdient ohnfehlbar die Verachtung vernünftiger
Leute. Schertze, die mit ungereimten und ausserordentlichen
Verzuckungen der Gesichtszüge, und unmenschlichen Verdrehungen der
Theile desselben, vorgetragen werden, gehören auf die Schaubühne, und
auch da hat man sie schon weg gepeitscht. Eine Rede, die mit einem
Fratzen-Gesichte vorgetragen wird, ist ein Schertz der für einen groben
und pöbelhaften Geschmack gehört. Es ist zu bedauren, daß manche
witzige Köpfe auf diese Ausschweiffung gerathen. Sie würden sonst
nicht gantz unglücklich im Schertzen seyn. Weil sie aber die Narrheit
begehen, und sich befleißigen, ihre Gesichter dergestalt zu verzucken,
~Possent vt iuuenes visere fervidi
Multo non sine risu
Dilapsam in cineres faciem~
_Hor. Carm. L. IV. od. XV._
so sind sie nicht werth, daß man sie schertzhafte Leute nennt. Wer sich
so weit erniedrigen kan, sich selbst mit Fleiß lächerlich zu machen,
verdient nicht, ein vernünftiges Wesen zu heissen.
§. 89.
Es ist unmöglich und unnöthig alle die Thorheiten beym schertzen zu
züchtigen, die mit der vorhergehenden eine Verwandschaft haben. Viele
lassen es nicht bey den Verdrehungen ihres Gesichts bewenden, sie
brauchen ihren ganzen Körper zu einem Gauckelwerck, und befleißigen
sich, wider die ordentlichen mechanischen Regeln, ihre Gliedmassen zu
bewegen. Viele geben, durch ihre poßirliche Kleidung, ihren Worten den
Schein eines Schertzes.
~ - tunicis - - est qui
Inguen ad obscoenum subductis vsque facetus.~
_Hor. art. poet._
Andere befleißigen sich, durch kindische Nachäffungen anderer Leute in
Worten und Geberden, ein Lachen zu verursachen. Noch andere beweisen
ihre Kunst in dummen, unförmlichen, unverständlichen Worten und Tönen.
Kurtz, ich rechne alle diejenigen dahin, die sich selbst bey einem
Schertze lächerlich machen, es sey nun auf die eine, oder die andere
Weise. Derjenige der einen feurigen Schertz machen will, muß auf alle
mögliche Art bemüht seyn, sich selbst nicht zum Narren zu machen. Er
muß sein Ansehen und Hochachtung bey seinen Zuhörern erhalten, und
jederzeit der Regel des +Cicero+ folgen: ~ne aut scurrilis iocus
sit aut mimicus~.
§. 90.
Wenn ein schertzhafter Kopf in den Gedancken steht, daß es sehr leicht
sey, ein anständiges lachen zu verursachen; und daß man bey einem
Spasse entweder allein, oder zuerst darauf zu sehen habe, wie man
seine Zuhörer zu lachen machen wolle, so hegt er zwey sehr schädliche
Vorurtheile.
~- Non satis est risu diducere rictum
Auditoris, & est quaedam tamen hic quoque virtus.~
_Hor. Sat. L. I. Sat. X._
Aus dem vorhergehenden erhellet eines theils, daß derjenige viele
Scharfsinnigkeit und Witz besitzen müsse, der, ohne sich selbst
lächerlich zu machen, andere Leute von feinem Geschmacke zum lachen
bestimmen will. Andern theils ist ausgemacht, daß man hauptsächlich
davor sorgen müsse, dem Schertze das gehörige Feuer zu verschaffen,
so wird derselbe ohne dem werth seyn, mit lachen von andern angehört
zu werden. Wer aber demohnerachtet die angeführten unrichtigen Sätze
zu Maximen beym Spassen annimmt, der wird wo nicht beständig, doch
mehrentheils, ein Harlekin seyn. Er wird alles zusammen samlen, was
lächerlich ist, und er wird sich kein Bedencken machen, auch seine
eigene Person als ein Mittel zu diesem seinen Zwecke zu brauchen. Das
Lachen muß bey einem jeden Spasse zum Zwecke angenommen werden, und
folglich in der Ausübung das letzte seyn, die übrigen Schönheiten
müssen zuerst in dem Schertze hervorgebracht werden, hernach ist es
erst Zeit auf die Hervorbringung des Lachens zu dencken.
§. 91.
Die letzte Schönheit eines glücklichen Schertzes besteht in einem
geschickten Vortrage desselben. Man mag nun den Vortrag zu den
wesentlichen Stücken eines Spasses rechnen, oder ihn nur als die
Einkleidung desselben ansehen, so wird doch jederzeit auf den Vortrag
des Schertzes viel ankommen, wenn er glücklich gerathen soll. Der
Vortrag verhält sich wie die Einfassung eines Diamants, wodurch der
Glantz desselben innerlich zwar weder vermehrt noch vermindert werden
kan, wohl aber äusserlich; sie befördert und erhöhet den Glantz, oder
erstickt ihn. Ein Schertz kan im höchsten Grade feurig seyn, wenn
man ihn als einen Gedancken betrachtet, durch einen ungeschickten
Vortrag aber dergestalt verunstaltet werden, daß sein Feuer umhült und
unsichtbar wird. Im Gegentheil kan das Feuer eines sehr mittelmässigen
Schertzes, vielmehr gläntzen, wenn es durch einen gehörigen Vortrag
unterstützt wird.
§. 92.
Bey dem Vortrage unserer Gedancken muß man auf zwey Stücke sehen. Auf
die Worte, und auf das Betragen des gantzen Körpers, nebst andern
Veränderungen, die mit dem Vortrage eine nothwendige Verbindung haben.
Ich bin nicht willens alle die Regeln auszuführen, die zu einem
geschickten Vortrage eines Schertzes erfodert werden. Sie sind mit
den Regeln der Redekunst den wesentlichen Stücken nach einerley. Ich
werde mich begnügen, einige Fehler im Vortrage der Spasse zu bemercken
wodurch das Feuer derselben verdunckelt wird. Die Worte wodurch der
Schertz vorgetragen wird sollen die Zeichen desselben seyn. Wenn sie
demnach dergestalt beschaffen sind, daß der Zuhörer aus denselben den
gantzen Schertz, nebst allen Schönheiten desselben, erkennen kan, so
sind sie ohne Tadel. Der Schertzende muß seinen Vortrag dergestalt
einrichten, daß keine Schönheit verborgen bleibt oder verdunckelt wird.
Hat er einen feurigen Spaß erdacht, kan er reden, ist er der Sprache
mächtig, und weiß er was vor Töne, Erhöhungen und Erniedrigungen der
Stimme, zu einem jedem Gedancken sich schicken, so kan es ihm an einem
geschickten Vortrage nicht fehlen.
~Verbaque provisam rem non invita sequentur.~
_Hor. art. poet._
Der Vortrag eines Schertzes ist ohne Tadel, in welchen sich der
Schertz in seiner ganzen Pracht und vollem Lichte zeigt. Ich thue
noch das einige hinzu, daß der Vortrag des Schertzes geschwind seyn
müsse. Ist man gar zu langsam, zählt man gleichsam die Worte, so kan
man den Zuhörer nicht unvermuthet genug überfallen, und es wird der
Schertz nicht lebhaft genug werden. Dem Zuhörer wird die Zeit lang,
und man läßt ihm gar zu viel Raum zur Ueberlegung und zum Nachdencken.
Ueberdies würde ein gar zu langsamer Vortrag, ein untrügliches Zeichen
der Langsamkeit unseres Witzes seyn. Nein, die bedachtsame Munterkeit
und Hitze des Geistes, belebt auch den Körper, und zwingt ihn, in allen
seinen Handlungen und Worten, eine Hurtigkeit zu beobachten, die nicht
übereilt und schläfrig ist.
§. 93.
So gewiß es ist, daß zu einem geschickten Vortrage, auch die
Uebereinstimmung aller Minen und Züge des Gesichts mit dem Vortrage,
erfodert werde, so schwer ists, die Regeln zu entdecken, durch welche
diese Einrichtung des Gesichts bestimmt wird. Zum guten Glück, pflegt
die Natur in solchen Kleinigkeiten den Mangel unseres Fleisses zu
ersetzen. ~Itaque imbuendus est is, qui iocose volet dicere, quasi
natura quadam apta ad haec genera, & moribus, vt ad cuiusque modi genus
ridiculi vultus etiam accommodetur. _Cic. de Orat. L. II._ Wer in
seinem Vortrage ungezwungen ist, und nicht gar zu sehr künstelt, wer
selbst einen lebhaften Eindruck von den Sachen hat, die er vorträgt,
dessen Gesichtszüge werden um der natürlichen Uebereinstimmung des
Körpers mit der Seele willen, seinem Vortrage am gemässesten seyn,
wenn er am wenigsten drauf denckt. Man kan eben dieses von einem
schertzenden sagen. Kan man ihm gleich nicht ausführlich vorschreiben,
wie ers machen soll, daß er seinem Gesichte die gehörige Einrichtung
beym spassen gebe, so kan man doch gar zu leicht die Regellosigkeit in
diesem Stücke gewahr werden. Ich werde nur ein paar Fehler dieser Art
berühren, weil sie der Schönheit eines Schertzes gar zu nachtheilig zu
seyn scheinen. Der erste ist die Finsterniß des Gesichts. Ich habe zwar
erwiesen, daß der schertzende ernsthaft seyn müsse, ein ernsthaftes
Gesicht aber ist nicht saur und finster. Es ist wahr, der Schertz
wird ungemein belacht, der mit einer runzlichten Stirne vorgetragen
wird. Allein ich bin mit dem +Cicero+ eines Sinnes: ~In moroso
non sal sed natura ridetur~. Man schließt aus der Finsterniß des
Gesichts, auf einen murrischen Kopf, und es scheint uns wiedersprechend
und ungereimt zu seyn, daß ein so murrischer und unaufgeräumter
Kopf, so lustige und aufgeräumte Einfälle haben könne. Ueberdies
hat es das Ansehen, als wenn die Natur bey einem solchen Menschen
ihre Maximen vergessen. Sie pflegt gewöhnlicher Weise, die genaueste
Uebereinstimmung zwischen Leib und Seele, zu erhalten. Ist es also
nicht wiedersinnisch, daß sie die Seele eines +Democritus+ in
den Körper eines +Cato+ gesteckt hat? der schertzende macht sich
selbst lächerlich, wenn er nicht eine heitere, freudige und muntere
Ernsthaftigkeit annimt, und ich habe oben erwiesen, daß ein Schertz
viel von seinem Feuer verliehre, wenn sich der schertzende selbst
lächerlich macht.
§. 94.
Der andere Fehler des Gesichts, der dem schertzenden nachtheilig ist,
besteht darin, wenn er eine gar zu grosse Zufriedenheit über seinen
Spaß mercken läßt. Man sieht es manchem spaßhaften Kopfe an den Augen
an, daß er ein inniges Vergnügen über seinen Einfall empfindet, und
seine Artigkeit gar zu lebhaft selbst fühlt. Die Augen funckeln
ihm im Kopfe, und gehen von einem Zuhörer zu den andern fort, sie
scheinen ein Verlangen nach dem Beyfalle der Zuhörer zu entdecken, und
eine Verwunderung und Zorn an den Tag zu legen, im Fall der Beyfall
der Zuhörer nicht so, und in eben der Stärcke, gleich erfolgt, als
der schertzende sich würdig zu seyn glaubt. Ein solches Bezeugen
verursacht eine kleine Rache bey den Zuhörern, die in Absicht auf den
schertzenden grausam ist. Ein vernünftiger Mensch verachtet überhaupt
alle Personen, die mit sich selbst gar zu sehr zufrieden sind. Er
glaubt, daß sein Beyfall unnöthig sey, weil der scherzende, durch seine
Zufriedenheit mit sich selbst, ihm zuvorgekommen. Er schließt nach
einen Vorurtheil, so in den mehresten Fällen eintrift, daß ein Kind,
welches von seinen Eltern affenmäßig geliebt wird, viele Fehler habe.
Er wird aufmercksam gemacht, Fehler zu entdecken, die er sonst nicht
würde sonderlich bemerckt haben; und man pflegt einem Menschen, der mit
sich selbst gar zu sehr zufrieden ist, Fehler anzurechnen, die man bey
andern wo nicht ganz übersehen, doch nicht so sehr ahnden würde. Ein
Mensch der glücklich im Schertzen seyn, und Beyfall erlangen will, muß
gegen seinen eigenen Einfall gleichgültig zu seyn scheinen. Er darf die
Augen eben nicht niederschlagen und auf seinen Schertz fluchen. Allein
er muß sich sehr in acht nehmen, kein gar zu lebhaftes Vergnügen, über
seine eigene Schertze, von sich blicken zu lassen.
§. 95.
Ein Mensch der mitten in seinem Schertze lacht, und denselben mit
lachen vorträgt handelt poßirlich. Er verliehrt die angenehme
Ernsthaftigkeit, die einen Schertz so schön macht. Er wird durch das
lachen gehindert, seinen Schertz geschwind und hurtig vorzutragen,
und dadurch die Zuhörer unvermuthet zu überfallen. Ehe noch der
Schertz völlig vorgetragen wird, mercken es schon die Zuhörer, daß
ein Schertz vorgetragen werden soll; er kan ihnen also unmöglich
gantz neu seyn, wenn sie ihn hernach in seinem Umfange und völligen
Ausdehnung erkennen. Der Schertz bekommt dadurch alle Häßlichkeiten
eines vorhergesehenen Spasses. Der schertzende kan dadurch gehindert
werden, seinen Schertz ordentlich und verständlich vorzutragen, und
er kan wohl gar in den kindischen Fehler fallen, daß er den Vortrag
unterbrechen muß, und die läppische Entschuldigung hinzu thun, daß er
es vor lachen nicht sagen könne. Ja man kan sagen, daß das lachen in
manchen Gesellschaften eine Sympathetische Kraft habe. Es darf nur
einer lachen, so lacht die gantze Gesellschaft, ohne zu wissen warum.
Es ist also vermuthlich, daß, wenn der schertzende seinen Schertz mit
lachen vorträgt, seine Zuhörer ihm Gesellschaft leisten werden, und
sie haben nicht nöthig über den Schertz selbst hernach zu lachen. Es
kommt einem überhaupt poßirlich vor, wenn man einen Menschen lachen
sieht, und man weiß nicht warum. Der schertzende macht sich also selbst
lächerlich, wenn er mitten im schertzen lacht. Soll der Schertz nicht
frostig werden so muß der schertzende weder vorher, noch mitten im
Schertze lachen.
§. 96.
Wenn man dem spaßhaften Kopfe ja erlauben will, über seinen Einfall
zu lachen, so muß er es nicht eher thun als nachher, doch hüte er
sich vor einer gar zu grossen Eilfertigkeit. Ist er der erste im
lachen, so kommt mir dieses lachen vor, wie das ~plaudite~ bey
einem Lustspiel. Man scheint die Zuhörer zum lachen aufzumuntern,
man scheint zu befürchten, das lachen werde nicht erfolgen. Es ist
überhaupt der nöthigen Ernsthaftigkeit beym schertzen zu wieder, und
man erweckt den Verdacht, daß man selbst gar zu sehr für seinen Einfall
eingenommen sey. Wenn aber der Schertz sehr feurig ist, und alles um
uns herum lacht, so muß ein Mensch sehr viele Herrschaft über sich
selbst besitzen, wenn er sich des lachens enthalten will. Ein lachen
das alsdenn entsteht, kan als eine Schwachheits-Sünde entschuldiget
werden. Ich nenne es eine Schwachheits-Sünde weil ich glaube, daß ein
vollkommener Schertz eine freudige Ernsthaftigkeit vorher und nachher
erfodert. Der schertzende beweißt die Stärcke seines Witzes auf eine
ausnehmende Art, wenn er mitten unter vorhergehenden, begleitenden und
nachfolgenden ernsthaften Gedancken schertzen kan. Und da wird er gewiß
auch nachher nicht lachen. Der schertzende muß gleichsam im Vorbeygehen
den Schertz anbringen. Er muß den Schein geben, daß es ihm selbst nicht
viel darum zu thun sey, so beweißt er dadurch wie leicht es ihm sey,
auf eine feurige Art zu schertzen. Ich will nicht einmal den Fehler
berühren, wenn ein frostiger Kopf über seine eigene bejammernswürdige
Einfälle lacht. Ich bin zweiffelhaft, ob ein solcher Mensch Mitleiden,
oder Verachtung und Verspottung verdiene. Ein solcher alberner
Possenreißer ist vernünftigen Leuten dergestalt entgegen gesetzt, daß
er auch gantz verschiedenen Gemüthsbewegungen unterworffen ist,
Und wenn er +selber+ lacht so möchten andre weinen
+Canitz.+
§. 97.
Ich halte es nicht eben für einen der geringsten Fehler, wenn
der schertzende eine gar zu ängstliche Furchtsamkeit, bey dem
Vortrage des Spasses, von sich blicken läßt. Wenn der Schertz recht
gelingen soll, so muß er mit einer anständigen Dreistigkeit, und
Unerschrockenheit vorgetragen werden. Ich verstehe dadurch kein
freches und unverschämtes Wesen, sondern eine kühne Munterkeit,
welche aus dem Uebergewicht des bewustseyns, daß der Schertz werth sey
vorgetragen zu werden, entsteht, und welche das Mittel ist zwischen
einer zaghaften Blödigkeit und einer lermenden Tollkühnheit. Mancher
Kopf hat sehr feurige Einfälle, allein so bald sie ihm auf die Zunge
kommen, überfält ihn eine Bangigkeit, die ihn blaß macht, den Othem
versetzt, und durch eine zitternde und unterbrochene Stimme die
Angst seines Hertzens verräth. Solche Gemüther sind zu zärtlich und
empfindlich, sie sind übertriebene Richter ihrer eigenen Gedancken, und
haben eine zu schlechte Hofnung der guten Aufnahm ihres Schertzes. Sie
verderben dadurch ihre Schertze, die im übrigen glücklich genug sind.
Sie sind nicht im Stande, ihren Schertz munter genug vorzutragen, sie
können den Zuhörer nicht unvermuthet genug überfallen, sie erwecken
selbst eine Art der Angst in den Gemüthern der Zuhörer, welche
nothwendig mit einiger Unlust den Schertz erwarten müssen, der so viele
Geburtsschmertzen verursacht. Ja sie verrathen eine gewisse Schwäche
ihres Witzes, die den Schertz selber matt machen muß. Ein hitziger Kopf
hat viel zu feurige Einfälle, als daß sie ihm Zeit, zu ängstlichen
Beurtheilungen, lassen solten. Er wird von seinen eigenen Einfällen
so unvermuthet und plötzlich überfallen, und so nachdrücklich gerührt,
daß er in eine Art der Verwirrung geräth, die ihm natürlicher Weise
eine Kühnheit geben muß. Die Lebhaftigkeit und Stärcke seiner Schertze,
breitet sich bis in seinen Körper aus, und geben ihm alles das Feuer,
das zu einem unerschrockenen und dreisten Vortrage derselben nöthig
ist. Kan man wohl diese Stärcke des Witzes, bey demjenigen annehmen,
der mit Zittern und Zagen, und einer stotternden Stimme spaßt? Wer
sich nicht getrauet, mit einem männlichen und unverzagten Muthe, zu
schertzen, der überhebe sich gar dieser Mühe. Seine Furchtsamkeit kan
ihn überdies manchmal in eine solche Verwirrung setzen, daß er nicht
mehr weiß was er sagt, und er wird sich der Gefahr, ausgelacht zu
werden, aussetzen.
§. 98.