18. Die Bildhauer[215].

Die $erste internationale Bildhauerkonferenz$ hat am 5. Juni 1895

in Nürnberg stattgefunden unter Teilnahme von 11 Abgeordneten, von

denen 4 auf Deutschland, je 2 auf Oesterreich und Ungarn, je einer

auf Böhmen, Holland und die Schweiz entfielen. Außerdem waren aus

Frankreich, Belgien, Italien, London, Spanien, Nordamerika und Dänemark

ausführliche Berichte eingegangen. Nach Erstattung der mündlichen

und schriftlichen Berichte, aus denen hervorzuheben ist, daß bereits

zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn ein Gegenseitigkeitsvertrag

hinsichtlich der Reiseunterstützung besteht, wurde eingehend über

den $Achtstundentag$ verhandelt und demnächst eine Resolution,

welche dessen Erringung sowie die Abschaffung der Akkordarbeit den

Bildhauern zur Pflicht macht und als Mittel dazu hauptsächlich die

gewerkschaftliche Organisation empfiehlt, einstimmig angenommen.

Außerdem beschloß man, möglichst überall $Widerstandsfonds$ zu schaffen

und Politik im Sinne der modernen Arbeiterbewegung zu betreiben.

$Unterstützungskassen$ sollen dagegen nur da begründet werden, wo es

unbedingt notwendig ist um weitere Kreise heranzuziehen.

[215] Vgl. Protokoll der ersten internationalen Bildhauerkonferenz,

Berlin, $Max Prehn$. Die übrigen Angaben beruhen auf brieflichen

Mitteilungen des Vorstandes des Zentralvereins der Bildhauer

Deutschlands in Berlin bezw. seines Vorsitzenden $Dupont$.

Hinsichtlich der $internationalen Organisation$ standen sich der

ungarische und der deutsche Antrag gegenüber. Der erstere forderte eine

Organisation, nach der von jeder Werkstatt ein Vertreter zu wählen

sei, daß ferner für jeden Ort ein Ortskomitee und für jedes Land ein

Landeskomitee sowie endlich ein internationales Korrespondenzbureau zu

schaffen sei. Von den übrigen Nationen wurde diese Organisation für zu

umständlich erklärt und deshalb der deutsche Antrag angenommen, nach

dem in jedem Lande ein Korrespondenzbureau und als gemeinsames Organ

ein internationales Agitationskomitee bestehen soll. Als Sitz desselben

wurde derjenige Ort bestimmt, wo die deutsche Bildhauerzeitung

erscheine; zur Zeit ist dies Berlin. Hinsichtlich des Verfahrens bei

$Streiks$ wurde beschlossen: »Die anwesenden Delegierten erkennen

die Notwendigkeit der gegenseitigen Unterstützung bei Streiks und

Aussperrungen sowie des Fernhaltens des Zuzuges nach den in Betracht

kommenden Ländern an, ferner hatten sie nachhaltigste materielle

Unterstützung, so weit irgend möglich, für geboten, und zwar in den

Fällen, wo die kämpfende Organisation des Landes erklärt, daß die

eigenen Mittel zur Durchführung des Kampfes nicht ausreichen.« Die

laufenden Kosten der internationalen Agitation sollen von den einzelnen

Ländern prozentual nach der Mitgliederzahl getragen werden. Dabei war

man darüber einig, daß die so aufkommenden Gelder nur für die Agitation

und nicht für Streiks zu verwenden seien. Der letzte fernere Punkt der

Tagesordnung, nämlich die Frage der Presse, wurde wegen Kürze der Zeit

dem Agitationskomitee zur Erledigung überwiesen.

Eine Fortsetzung hat diese Konferenz bisher nicht gefunden; ebenso

wenig war es möglich, weitere Gegenseitigkeitsverträge abzuschließen,

da die Vereine in der Schweiz, Holland und Dänemark zu wenig

leistungsfähig sind. In der Schweiz liegt ein Haupthindernis in der

herrschenden Hausindustrie. Auch zu Frankreich ein näheres Verhältnis

herzustellen ist bis jetzt nicht gelungen.

Die Gewerkschaftsbewegung Darstellung der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter und der Arbeitgeber aller Länder. · 第 234 / 323 题