17. Die Diamantarbeiter[213].

Die Diamantindustrie hat ihren Mittelpunkt in Amsterdam, ist aber auch

in London, Genf, St. Cloud (Frankreich) und Hanau vertreten. Schon früh

hatten die Diamantarbeiter versucht, eine internationale Organisation

zu gründen und zu diesem Zwecke in Paris (1889), Charleville (1890),

Genf, St. Cloud, Antwerpen (1894) Kongresse abgehalten. In Charleville

hatte man grundsätzlich die Gründung eines internationalen Bundes

beschlossen. Auch war unter dem Titel »_Adamas_« ein internationales

Fachblatt in 3 Sprachen (deutsch, französisch, flämisch) ins Leben

gerufen. Aber nicht allein war das letztere schon 1892 wieder

eingegangen, sondern die früheren Versuche einer Organisation

mußten überhaupt als im wesentlichen gescheitert angesehen werden,

insbesondere war die gleichfalls in Charleville beschlossene Gründung

einer internationalen Streikkasse nicht zur Ausführung gelangt.

[213] Das benutzte Material verdanke ich Herrn $Otto Reinhardt$ in

Hanau.

Erst der am 25./26. August 1895 in $Amsterdam$ abgehaltene Kongreß,

auf welchem 39 Vertreter aus Holland, Belgien, Deutschland und der

Schweiz erschienen waren, während Frankreich, England und Amerika

sich auf Sympathieerklärungen beschränkt hatten, führte insofern zu

einem greifbaren Ziele, als man die Einsetzung eines $internationalen

Sekretariates$ in Amsterdam beschloß. Der weitergehende Antrag, einen

internationalen Verband zu gründen, gegen den sich der deutsche

Vertreter aus dem Grunde erklärt hatte, weil die deutschen Gesetze

im Wege standen, war zur Zeit abgelehnt, indem man der Hoffnung

Ausdruck gab, daß das Sekretariat den ersten Schritt auf dem Wege zu

einem festen Verbande bilden werde. Auch von der Wiederherstellung

eines internationalen Fachblattes wurde vorläufig Abstand genommen,

aber beschlossen, daß das Sekretariat in angemessenen Zwischenräumen

gedruckte Mitteilungen versenden solle. Das gleiche Schicksal hatte

die Anregung, einen einheitlichen Lohntarif aufzustellen, indem man

sich überzeugen mußte, daß dazu die Verhältnisse in den einzelnen

Ländern zu verschieden seien. Dagegen sprach man sich einstimmig

gegen die Ausdehnung der Frauenarbeit und für eine Einschränkung der

Lehrlingszahl aus. Die Agitation für den Achtstundentag wurde den

einzelnen Vereinen überlassen.

Aber man hatte, entgegen einem darauf gerichteten Antrage, es

unterlassen, sofort den internationalen Sekretär zu wählen, und so

blieb auch dieses einzige positive Ergebnis des Kongresses insofern

ohne praktische Folge, als die Wahl thatsächlich unterblieb. Dies war

der Hauptgrund, weshalb sich die Einberufung eines neuen Kongresses

als notwendig erwies, der dann vom 20. bis 22. September 1897 in

Antwerpen unter Beteiligung von 48 Vertretern aus Antwerpen, Genf,

London, St. Cloud, Paris und Hanau abgehalten wurde[214]. Auch hier

stand neben der Schaffung eines Sekretariates die Gründung eines

festen Bundes in Frage. Nach längeren Verhandlungen wurde zunächst

die Wahl des internationalen Sekretärs ($Polack$), der seinen Sitz

in Amsterdam haben soll, vorgenommen und darauf die Gründung des

internationalen Bundes grundsätzlich beschlossen, mit der Maßgabe, daß

innerhalb 3 Monate alle beteiligten Länder Vorschläge zur Organisation

an den Sekretär einzusenden haben, aus denen dieser für den nächsten

Kongreß einen Entwurf zusammenstellen soll. Auch die Herausgabe eines

internationalen Fachblattes in 4 Sprachen (holländisch, französisch,

deutsch und englisch) wurde beschlossen, doch ist nur die erste Nummer

(vom November 1897) erschienen. Der Hauptteil der übrigen Verhandlungen

nahm die Lehrlingsfrage in Anspruch, in der man schließlich nach

Einsetzung einer Kommission beschloß, daß bis zu dem nächsten Kongresse

Lehrlinge überhaupt nicht mehr angenommen werden dürften. Hinsichtlich

der Arbeitszeit beschloß man, daß diese zunächst überall da, wo sie

bisher länger war, auf 10 Stunden eingeschränkt werden müsse; später

soll dann der Achtstundentag angestrebt werden. Man empfahl schließlich

mit großer Mehrheit die Akkordarbeit an Stelle der Lohnarbeit. Dagegen

erklärte man sich einstimmig für Abschaffung der Hausindustrie. Die

Frage wegen Einrichtung genossenschaftlicher Betriebe wurde dem

nächsten Kongresse überwiesen. Dieser Kongreß sollte schon 1898

stattfinden, wurde aber später auf August 1899 verschoben und soll dann

in Deutschland abgehalten werden.

[214] Der Kongreß wird in dem offiziellen Protokolle als fünfter

bezeichnet; als die vier ersten werden diejenigen von Paris

(1889), Charleville (1890), Antwerpen (1894) und Amsterdam

(1895) betrachtet.

Die Gewerkschaftsbewegung Darstellung der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter und der Arbeitgeber aller Länder. · 第 233 / 323 题