In Anschluß an den IX. deutschen Töpferkongreß ist am 23. und 24.
September 1894 in Görlitz eine internationale Konferenz der Töpfer
abgehalten, auf der außer Deutschland Dänemark, Ungarn, Oberösterreich,
Rumänien und die Schweiz vertreten waren. Man einigte sich über
folgende Punkte:
1. Hinsichtlich der Fachorganisation soll völlige Freizügigkeit
herrschen, so daß ein in ein fremdes Land reisender Töpfer, sofern
er seine Verpflichtungen gegenüber seinem Heimatsverbande erfüllt
hat, ohne weiteres Mitglied des fremden Verbandes wird und die
betreffende Reiseunterstützung erhält.
2. Streiks sollen gegenseitig durch Sammlungen unterstützt werden,
jedoch nur, wenn sie von der betreffenden Landesorganisation
gebilligt sind; dabei wird gewarnt, Angriffs- und sogar
Abwehrstreiks zu ungünstiger Zeit zu unternehmen.
3. Die Fachblätter werden gegenseitig ausgetauscht und den
Vertrauensmännern zugesandt. Man beschloß im Prinzip die Schaffung
eines einheitlichen Fachorganes in deutscher Sprache, verschob aber
die Ausführung bis dahin, daß die Organisation in den einzelnen
Ländern weiter fortgeschritten und insbesondere auf die ganze
keramische Industrie ausgedehnt sein werde.
4. Es wurde eine aus den Obmännern der Landesorganisationen bestehende
internationale Kommission mit den Sitze in Berlin gebildet, deren
Obmann die bisher nicht vertretenen Länder für die Organisation
gewinnen und den Austausch der Mitteilungen sowie die Einberufung
weiterer internationaler Konferenzen besorgen soll. Später sind
diese Beschlüsse etwas abgeändert, insbesondere soll in jedem
Lande ein aus einem Vertrauensmann und 2 Kollegen bestehendes
Landeskomitee gebildet werden.
[208] Das Material ist mir von dem Redakteur des »Töpfers«, Herrn
F. $Kaulisch$ in Berlin, zur Verfügung gestellt.
Der Erfolg des unternommenen Schrittes ist bisher sehr gering
gewesen. In einem im Oktober 1896 erstatteten Berichte teilt der
Obmann der internationalen Kommission mit, daß es allerdings gelungen
sei, Schweden zu der Organisation heranzuziehen, daß aber in den
einzelnen Ländern das Interesse für dieselbe sehr gering sei und
deshalb vielfach Berichte nicht hätten erlangt werden können. Auch
sind Streitigkeiten zwischen den einzelnen zur keramischen Industrie
gehörigen Gruppen z. B. über die Frage entstanden, ob das Setzen der
Oefen den Töpfern oder den Maurern zukomme. Eine Wiederholung der
internationalen Konferenz hat bisher nicht stattgefunden.