In den vorstehenden statistischen Uebersichten sind auch Zahlen für
die lokalorganisierten Arbeiter angegeben, die danach 1891 10000,
1892 7640, 1893 6280, 1894 5550, 1895 10781, 1896 5858, 1897 6803 und
1898 15792 betragen haben. Diese Angaben stützen sich auf Schätzungen
der Vorstände der Zentralorganisationen, werden aber von der
Generalkommission selbst als »höchst unzuverlässig« bezeichnet, indem
darauf hingewiesen wird, daß allein der nicht berücksichtigte Berliner
Lokalverband der Metallarbeiter angeblich 10000 Mitglieder zählen
solle. Auf der vom 20. bis 24. April 1897 in Braunschweig abgehaltenen
dritten Generalversammlung des deutschen Metallarbeiterverbandes
ist nun aber der Anschluß des Berliner Lokalverbandes, dessen
Mitgliederzahl dabei auf 9000 angegeben wurde, zu stande gekommen,
sodaß die Metallarbeiter jetzt aus der Reihe der Lokalorganisationen
ausscheiden. Auf dem I. Gewerkschaftskongresse in Halberstadt waren
angeblich 32805 lokalorganisierte Arbeiter vertreten, doch scheint
diese Ziffer viel zu hoch gegriffen.
Obgleich hiernach die lokal organisierten Arbeiter keine große Zahl
darstellen, haben sie doch schon mehrere eigene Kongresse veranstaltet.
Der $erste$ derselben wurde vom 17. bis 19. Mai 1897 in Halle a. S.
unter Leitung des Regierungsbaumeisters a. D. $Keßler$ abgehalten.
Es waren 38 Abgeordnete aus 13 Orten und für 14 verschiedene Berufe
vertreten, aber über den Umfang der Lokalorganisation ist auch
hier kein Anhaltspunkt geschaffen, vielmehr erklärte man, daß die
Mitgliederzahl noch nicht ermittelt werden könne, ein Eingeständnis,
das hinreicht, um die offenbare Schwäche zu verraten[96]. Wenn die
Generalkommission in Nr. 22 des Korrespondenzblattes vom 31. Mai 1897
die Zahl von 10000 für sicher zu hoch gegriffen erklärt, so ist das
ganz gewiß richtig. Ein anderer Berichterstatter[97] schätzt dieselbe
auf 4-5000.
[96] Der Reg.-Baumeister $Keßler$ hat mir auf meine briefliche Bitte um
nähere Angaben keine Antwort gegeben.
[97] Vgl. »Soziale Praxis« VI, 874.
Der Grundgedanke der Lokalorganisation ist, wie schon früher betont,
die Auffassung, daß die Gewerkschaften die Beschäftigung mit
politischen Angelegenheiten nicht entbehren könnten und deshalb, da
die Vereinsgesetze in diesem Falle das In-Verbindung-Treten mehrerer
Vereine nicht gestatten, besser thäten, hierauf zu verzichten;
außerdem aber würden die Zentralverbände durch die Nichtbeschäftigung
mit Politik zur Vereins- und Verbandssimpelei und Züchtung einer
Gewerkschaftsbureaukratie geführt. Diese Auffassung fand ihren Ausdruck
in folgender Resolution: