VIII. Die übrigen europäischen Länder.

Wie in Italien, so haben sich auch in den noch zu erwähnenden

europäischen Ländern die meist noch sehr geringen Ansätze einer

gewerkschaftlichen Bewegung im Anschlusse an die politische

Sozialdemokratie entwickelt.

In $Dänemark$ ging die Bewegung von der Internationale aus, indem

1871 der »$Internationale Arbeiterverein für Dänemark$« gebildet

wurde, der, in eine Reihe von Sektionen für die verschiedenen

Gewerbe eingeteilt, die Beförderung von Arbeitseinstellungen und die

Schaffung von Produktivgenossenschaften als seine Aufgabe ansah. Als

1873 die Internationale polizeilich aufgelöst und verboten wurde,

bildeten die einzelnen Sektionen selbständige $Gewerkvereine$, deren

es damals 27 gab, von denen aber die Mehrzahl sich später wieder

zu einem »$Sozialdemokratischen Bunde$« zusammenschlossen. Seit

1880 ist die $Gewerkschaftsbewegung$ stärker geworden und es haben

sich in den meisten Betriebszweigen Gewerkvereine gebildet. Auf

dem sozialdemokratischen Kongreß, der Ende Juli 1892 in Kopenhagen

stattfand, wurde die Zahl der politischen Parteiangehörigen auf 15000,

diejenige der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter auf 32000

angegeben.

Ueber die Fortschritte in den letzten Jahren geben folgende Zahlen

Anhalt:

1894 1896

Die Gesamtzahl der gewerkschaftlich organisierten

Arbeiter

in Dänemark betrug 27841 63377

Davon waren Mitglieder von Zentralverbänden 25576 54757

" " " " einzelstehenden

Lokalvereinen 2265 8620

Solche Lokalvereine gab es 45 53

während die zentralisierten Vereine 426 802

betrugen, die an Gewerkschaftsverbänden bildeten 23 40

Die Jahreseinnahmen betrugen in Kronen 317372,14 711063,61

Die Jahresausgaben " " " 261862,97 586669,83

Die Verteilung auf die einzelnen Berufe ergiebt sich aus folgender

Tabelle:

=====================================================

Zentralverband | Zahl der

| Lokalvereine | Mitglieder

=========================+==============+============

Arbeitsleute | 96 | 19395

Bäcker | 30 | 900

Klempner | 23 | 750

Buchbinder | 11 | 789

Former | 36 | 982

Glasarbeiter | 4 | 190

Schneider | 60 | 2200

Schmiede- und | |

Maschinenarbeiter | 53 | 4657

Textilarbeiter | 12 | 1200

Zimmerleute | 61 | 3298

Wagenbauer | 14 | 230

Lohngerber | 6 | 165

Drechsler | 11 | 205

Vergolder | 2 | 44

Maler | 28 | 1500

Maurer | 67 | 4296

Müller | 13 | 360

Papierfabrikarbeiter | 7 | 561

Maschinentischler | 9 | 517

Sattler und Tapezierer | 30 | 450

Schuhmacher | 49 | 2000

Schlachter | 28 | 610

Tischler | 45 | 3422

Tabakarbeiter | 31 | 2461

Buchdrucker | 45 | 1475

Schiffszimmerer | 5 | 350

Außerdem giebt es noch Zentralverbände der Weißgerber, Lithographen und

der Dienstboten, die zusammen 12 Lokalvereine mit etwa 1000 Mitgliedern

hatten.

Vom 3. bis 5. Januar 1898 ist in Kopenhagen der erste reine

$Gewerkschaftskongreß$ abgehalten, auf dem 943 gewerkschaftliche

Organisationen mit 69720 Mitgliedern durch 403 Abgeordnete vertreten

waren. Hier wurde der Zusammenschluß sämtlicher Fachvereine zu einem

einheitlichen Verbande unter dem Namen: »Vereinigte Fachverbände

Dänemarks« erreicht. An dessen Spitze steht ein Zentralvorstand aus

21 Mitgliedern, zu denen noch zwei Mitglieder des Vorstandes der

Sozialdemokratischen Partei hinzutreten. Der Zentralvorstand wählt

einen geschäftsführenden Ausschuß von fünf Personen. Der Schwerpunkt

der Leitung fällt in die Einzelverbände, doch ist für wichtige Fälle

die Entscheidung des Zentralvorstandes vorbehalten, z. B. muß jeder

Streik bei ihm angemeldet werden und bedarf seiner Genehmigung,

wovon die aus dem Zentralfonds zu zahlende Streikunterstützung

von wöchentlich 10 Kronen für Männer und 6 Kronen für Frauen

abhängig ist. Die Mittel sollen durch Sondersteuern der Mitglieder

in Höhe von wöchentlich 25-50 Oere aufgebracht werden. Außerhalb

des Verbandes stehen 52 lokale Vereine in Kopenhagen mit etwa

20000 Mitgliedern. Es wurde beschlossen, für die Durchführung des

Achtstundentages einzutreten. Neben mehreren Fachorganen besitzt

auch der Gewerkschaftsbund eine eigene Wochenzeitung. Die Beiträge

belaufen sich auf jährlich 20 Oere. Es soll in der Regel kein Streik

unterstützt werden, bei dem nicht ein Versuch der gütlichen Beilegung

oder eines schiedsgerichtlichen Verfahrens gemacht ist; dabei ist der

Zentralvorstand zuzuziehen. Für die erste Woche wird Unterstützung

seitens des Verbandes nicht gezahlt[55].

[55] Der Wortlaut des Organisationsstatutes ist in Nr. 21 des

»Correspondenzblattes der Generalkommission der Gewerkschaften

Deutschlands« vom 23. Mai 1898 veröffentlicht.

Auch die politischen Vereine der $Sozialdemokratie$ bilden einen

einheitlichen Verband. Die Partei besitzt im Reichstage 11

Abgeordnete und hat fünf Tageszeitungen, von denen die gelesenste,

»_Socialdemokraten_«, allein in Kopenhagen 33000, die übrigen zusammen

etwa 17000 Abonnenten haben. Daneben giebt es ein wöchentlich

erscheinendes gemeinsames Gewerkschaftsorgan, und endlich besitzen die

meisten Gewerkschaften ihr eigenes Fachblatt.

In $Norwegen$[56] gab es bis zum Jahre 1886 nur wenige und

unbedeutende Arbeitervereine, die aber kaum einen gewerkschaftlichen

Karakter trugen, sondern neben der Krankenunterstützung vorwiegend

gesellige Zwecke verfolgten. Die einzige Ausnahme bildeten die

Buchdrucker, die schon seit 1874 eine gewerkschaftliche Organisation

besitzen und auch heute an der Spitze der Bewegung marschieren.

Aus den Mitgliederbeiträgen von wöchentlich 1 Krone (= 1 Mk.

12-1/2 Pfg.) werden außer der Verbandskasse eine Streikkasse, eine

Arbeitslosigkeitskasse, eine Reisekasse, eine Krankenkasse und eine

Sterbekasse unterhalten.

[56] Die nachfolgende Darstellung beruht auf den von Herrn Dr. $Oscar

Jäger$ in Christiania mir gemachten Mitteilungen, die sich

ihrerseits auf Angabe des Geschäftsführers der Norwegischen

sozialdemokratischen Partei stützen.

Eine allgemeine gewerkschaftliche Bewegung beginnt erst seit 1886,

und ist auch heute noch wenig entwickelt. Bis 1890 gab es nur lokale

Vereine; seit dieser Zeit haben sich nicht allein die meisten Vereine

desselben Gewerbes zu Zentralvereinen zusammengeschlossen, sondern

es haben sich auch Gesamtverbände gebildet. Endlich bestehen in den

meisten größeren Städten Kartelle der verschiedenen Fachvereine.

Ende 1898 gab es folgende 13 Zentralvereine:

1. Buchbinder 20 Vereine mit 1400 Mitgliedern

2. Metallarbeiter 13 " " 1200 "

3. Tischler 12 " " 1000 "

4. Schneider 12 " " 1000 "

5. Schuhmacher 12 " " 1000 "

6. Maler 6 " " 900 "

7. Eisenbahnarbeiter 16 " " 1000 "

8. Bäcker 24 " " 900 "

9. Steinhauer 10 " " 800 "

10. Former 4 " " 500 "

11. Klempner 3 " " 400 "

12. Buchbinder 3 " " 400 "

13. Hafenarbeiter 7 " " 1600 "

--------------------------------------------------------

Zusammen 142 Vereine mit 12100 Mitgliedern.

Daneben giebt es aber noch in Christiania einen Verband unter dem Namen

»$_De samwirkende Fagforeninger i Kristiania_$«, dem 50 Vereine mit

6000 Mitgliedern angehören und der eine gemeinsame Unterstützung in

Streikfällen bezweckt. Zu ihm gehören die meisten der oben aufgeführten

Vereine, soweit sie in Christiania ihren Sitz haben, daneben aber auch

noch andere nicht zu Zentralverbänden zusammengeschlossene Fachvereine.

Endlich besteht noch unter dem Namen »$_Norsk Fagforbund_$« ein Verband

von 30 Vereinen mit etwa 2000 Mitgliedern, der insofern von den

Zentralverbänden und den »_Samwirkende Fagforeninger_« unabhängig ist,

als seine Mitglieder keiner von beiden Organisationen angehören.

Zusammengenommen giebt es in Norwegen etwa 270 Fachvereine mit ungefähr

24000 Mitgliedern.

Auf dem am 2. April 1899 in Christiania abgehaltenen

Gewerkschaftskongresse, auf dem 73 Vereine mit rund 20000 Mitgliedern

durch 113 Abgesandte vertreten waren, wurde unter dem Namen

»Landesorganisation der norwegischen Fachvereine« ein Zentralverband

für das ganze Land gebildet.

Von den politischen Parteien haben sich sowohl die Sozialdemokraten wie

die Liberalen der Gewerkschaftsbewegung angenommen. Die ersteren haben

erst seit 1884 eine Organisation, indem damals auf dem Arbeitertage in

Arendal die Norwegische Arbeiterpartei ($_Det norske Arbeiderparti_$)

gegründet wurde, die zur Zeit 80 Vereine mit etwa 12000 Mitgliedern

zählt. Von den Vereinen haben 36 ihren Sitz in Christiania, 44 in der

Provinz. Der Einfluß der Sozialdemokratie überwiegt in den meisten

der obengenannten Fachvereine (mit Ausnahme der Buchdrucker) und

in den _Samwirkende Fagforeninger_, während der _Norsk Fagforbund_

den Liberalen folgt, die auch eine politische Organisation in den

»Vereinigten norwegischen Arbeitergesellschaften« ($_De forenede norske

Arbeidersamfund_$) geschaffen haben. In der Nationalversammlung hat die

Sozialdemokratie bisher noch keinen Vertreter; seitens der Hauptstadt

ist in dieselbe ein Buchdrucker gewählt, der sich zu der liberalen

Partei zählt.

In $Schweden$[57] ist ebenfalls sowohl die politische, wie die

gewerkschaftliche Bewegung bisher nur schwach entwickelt. Beide haben

erst seit 1885 begonnen; 1889 wurden die bestehenden Einzelvereine zu

einer einheitlichen $sozialdemokratischen Partei$ zusammengefaßt, deren

Mitgliederzahl auf dem Kongresse in Gothenburg 1894 auf 7000 angegeben

wurde, dagegen war sie im Juli 1897 auf 21261 angewachsen.

[57] Die folgenden Angaben, die ich Herrn Dr. $Uppström$ in Stockholm

verdanke, beruhen überwiegend auf dem letzten der alle 5 Jahre

von dem Oberstatthalteramte in Stockholm veröffentlichten Bericht

für 1890-1895.

Gewerkschaftliche Zentralverbände gab es Ende 1895 in folgenden

Gewerben: 1. Metallarbeiter, 2. Gießer, 3. Klempner und Blecharbeiter,

4. Holzarbeiter, 5. Schuharbeiter, 6. Schneider, 7. Sattler und

Tapezierer, 8. Erd- und Hafenarbeiter, 9. Maurer, 10. Maler,

11. Töpfer, 12. Böttcher, 13. Bäckereiarbeiter, 14. Buchbinder,

15. Kellner, 16. Buchdrucker. Für sämtliche Verbände war der

Vorort Stockholm mit Ausnahme der Klempner (Malmö), Schuharbeiter

(Gothenburg), Sattler und Tapezierer (Gothenburg), Erd- und

Hafenarbeiter (Helsingborg), Maurer (Malmö). Die Tabakarbeiter besitzen

einen Verband für die drei skandinavischen Länder mit dem Vorort

Stockholm.

Ueber die Mitgliederzahlen liegen nur Angaben vor von den in Stockholm

bestehenden Ortsvereinen. Von diesen hatten die Metallarbeiter 9

Vereine mit 843, die Gießer 240, die Klempner und Blecharbeiter 2

Vereine mit 161, die Holzarbeiter 7 Vereine mit 385, die Schuharbeiter

2 Vereine mit 266, die Schneider 461, die Sattler und Tapezierer 2

Vereine mit 72, die Erd- und Hafenarbeiter 2 Vereine mit 350, die

Maurer 240, die Maler 508, die Böttcher 44, die Tabakarbeiter 125

Mitglieder. Außerdem gab es in Stockholm noch 36 Fachvereine, die

keinem Zentralverbande angehörten, u. a. Bürstenbinder mit 19, Seiler

mit 20, Zuckerraffinadeure mit 35, Telegraphen- und elektrische

Arbeiter mit 70, Brauereiarbeiter mit 282, Gerbereiarbeiter mit 12,

Gasarbeiter mit 25, Handelshülfsarbeiter mit 85, Pantoffelmacher

mit 20, chemisch-technische Arbeiter mit 38, Rohrarbeiter mit 275,

Gepäckträger mit 60, Korbmacher mit 30, Porzellanarbeiter mit 32,

Buchdrucker mit 36 Mitgliedern. Die meisten dieser Mitglieder sind

gleichzeitig solche der sozialdemokratischen Partei, die in Stockholm

3500 Mitglieder besitzt. In einzelnen dieser Fachvereine, z. B. bei den

Holzarbeitern, hat die Stellung zur Sozialdemokratie schwere Kämpfe

hervorgerufen, doch haben schließlich deren Anhänger meistens den Sieg

davongetragen.

Einen Markstein der gewerkschaftlichen Entwickelung bildet

der vom 5. bis 8. August 1898 in $Stockholm$ abgehaltenen

$Gewerkschaftskongreß$, auf dem es gelang, den Zusammenschluß zu

einer $einheitlichen Landesorganisation$ herbeizuführen. Anwesend

waren 269 Vertreter für 23 Gewerkschaftsverbände, 13 Lokalvereine

und 19 »Arbeitergemeinden« (lokale Gesamtorganisationen entsprechend

den deutschen Gewerkschaftskartellen) mit insgesamt über 50000

Mitgliedern, bei weitem mehr, als bis dahin auf einem schwedischen

Arbeiterkongresse vertreten waren. Die geschaffene Landesorganisation

bezweckt durch Einfordern von Berichten eine möglichst vollständige

Uebersicht über die Wirksamkeit der Gewerkschaften zu erlangen, durch

ein Sekretariat diese Berichte zu verarbeiten und sich gegenseitig zu

unterstützen in allen Fällen, wo die Arbeitgeber durch Aussperrungen

die Organisation oder die Bestrebungen der Arbeiter auf Verbesserung

ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse hindern, wo das Koalitionsrecht

bedroht ist, sowie bei erheblichen Lohnherabsetzungen. Die

Einzelvereine sollen sich zu $Zentralverbänden$ zusammenschließen,

die ihrerseits die Landesorganisation bilden; ebenso sollen örtliche

Gewerkschaftskartelle gebildet werden. Nur wenn Zentralverbände

fehlen, können die Einzelvereine unmittelbar dem Landesverbande

beitreten. Die Leitung des letzteren wird geführt durch ein aus 5

Mitgliedern bestehendes $Sekretariat$, das von einem $Ausschusse$

aus Vertretern der Zentralverbände kontrolliert wird. Die oberste

Instanz ist der $Kongreß$, auf dem alle Vereine nach ihrer Größe

vertreten sind. $Streiks$ werden nur dann unterstützt, wenn sie

von dem Sekretariat gebilligt sind und mehr als 5% der Mitglieder

umfassen. Die Mittel werden durch wöchentliche Steuern von 25 Oere

aufgebracht. Ein Hauptpunkt des Streites war die Frage, ob dem Vereine

die Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei zur Pflicht gemacht

werden sollte. Nach dreitägigen Debatten siegte die bejahende Ansicht

mit 173 gegen 83 Stimmen bei 7 Enthaltungen, jedoch wurde für den

Anschluß eine Frist von drei Jahren gestattet.

Seit mehreren Jahren hat man übrigens angefangen, eine $gemeinsame

Organisation der drei skandinavischen Länder$ ins Auge zu fassen, indem

man gemeinsame Kongresse veranstaltet, die zugleich für die politische

und für die gewerkschaftliche Bewegung bestimmt sind. So wurde auf

dem am 18. August 1892 in $Malmö$ abgehaltenen $skandinavischen

Sozialistenkongresse$ der Zusammenschluß aller Fachvereine der drei

Länder namentlich zum Zwecke des gemeinsamen Vorgehens in Lohnfragen

beschlossen. Ebenso faßte der vom 19. bis 22. Juni 1897 in $Stockholm$

stattgefundene $skandinavische Arbeiterkongreß$, auf dem 51 dänische,

24 norwegische und 101 schwedische Vertreter anwesend waren, eine

Resolution, in welcher als gemeinschaftliche Aufgabe der politischen

und der gewerkschaftlichen Arbeiterorganisation bezeichnet wurde,

die Arbeiter zum Kampfe für die Anerkennung ihrer Menschenrechte zu

sammeln, um unter den gegenwärtigen kapitalistischen Verhältnissen

die bestmöglichen ökonomischen Bedingungen und die politische

Freiheit zu erringen und die Arbeiter über die wirtschaftliche

Entwickelung und ihre Folgen aufzuklären. Um Verbesserungen in

den Existenzbedingungen der Arbeiter zu erreichen, sollen die

gewerkschaftlichen und politischen Organisationen Einfluß auf die

gesetzgebenden Körperschaften zu gewinnen suchen und bei jeder

Gelegenheit solche Fragen behandeln, die in sozialökonomischer oder

politischer Beziehung für die Arbeiter von Wichtigkeit sind. Der

gewerkschaftliche Kampf ist so lange nötig, bis die Gesellschaft selbst

die Produktionsmittel in Besitz nimmt, aber durch diesen Kampf kann

die Ausbeutung nicht abgeschafft, sondern nur gemildert werden. Als

Ziel wurde die Erringung des allgemeinen Wahlrechts bezeichnet und als

Mittel zu dessen Erreichung eine allgemeine Arbeitseinstellung ins Auge

gefaßt. Die Gewerkschaften sollen in jedem Lande von einem Sekretariate

geleitet werden und sich in allen drei Ländern bei Streiks gegenseitig

unterstützen.

Von den einzelnen Gewerben sind die $Bäcker$ bisher am besten

organisiert. Auf einem im September 1895 in Kopenhagen abgehaltenen

Kongreß der skandinavischen Bäckergesellen wurde mitgeteilt, daß in

Christiania eine Organisation besteht, die in dieser Stadt 800, im

übrigen Norwegen 500 Mitglieder zählt. Der dänische Bäckerverband

hat etwa 800 Mitglieder. Der Kongreß beschloß die Bildung eines

$skandinavischen Bäckereiarbeiterverbandes$ unter der Bedingung, daß

die drei Länder gegenseitige Reise- und Unterstützungskassen errichten,

dagegen jedes Land seine eigene Organisation behält. --

In $Rumänien$ hat die Arbeiterpartei auf ihrem Parteitage im Juni

1894 beschlossen, in allen Orten, wo Industrie vorhanden ist,

Gewerkschaftsorganisationen zu gründen. (Adresse: $Josef Schneid$,

Bukarest, _Clubul Muncitorilor Palatul Bâilor Etorie_). --

Für $Spanien$ besteht nach einer mir zugegangenen Notiz ein Nationales

Arbeitersekretariat (_M. $Antonio Garcia Quejido$, Barcelone Sadurni,

3 I_).

Für $Portugal$ hat ein im August 1892 abgehaltener und von 96

Abgeordneten besuchter Arbeiterkongreß die Bildung gewerkschaftlicher

Organisationen beschlossen, welche Widerstandskassen gründen, aber

gegen leichtfertige Streiks auftreten und daneben die Schaffung von

Arbeiterschutzgesetzen für Frauen und Kinder, von Gewerbegerichten und

Arbeitsbörsen, sowie die Unterdrückung der Gefängnisarbeit verfolgen

sollen.

Die Gewerkschaftsbewegung Darstellung der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter und der Arbeitgeber aller Länder. · 第 109 / 323 题