In den Vereinigten Staaten von Nordamerika sind die Vorbedingungen
für die gewerkschaftliche Entwickelung insofern denen in der
Schweiz ähnlich, als derselben keinerlei staatliche Hindernisse
entgegenstehen, ja die politische Freiheit ist in Amerika aus dem
Grunde noch unbeschränkter, als in der Schweiz, weil das Land gegen
fremde Einflüsse gesichert ist. Wenn deshalb in beiden Ländern die
Arbeiterbewegung sich nicht, wie in Deutschland, Oesterreich und zum
Teil in Frankreich in einer der Staatsgewalt feindlichen Richtung
vollzogen und überhaupt nicht eine Bedeutung erlangt hat, aus der
den übrigen Bevölkerungsklassen Gefahr drohen könnte, so liegt es
nahe genug, hierin einen inneren Zusammenhang zu finden und daraus
den Schluß zu ziehen, daß nur der Druck den Gegendruck erzeugt.
Uebrigens nimmt Amerika noch in einer anderen Beziehung gegenüber allen
europäischen Ländern eine Sonderstellung ein, nämlich insofern, als
die Bevölkerung im Verhältnis zu der Ausdehnung des Landes gering ist
und deshalb Arbeitslosigkeit, falls sie die Folge von Uebervölkerung
wäre, hier ausgeschlossen sein müßte. Wenn in Wahrheit auch in Amerika
Verkehrskrisen und Arbeitslosigkeit eine kaum geringere Rolle spielen,
als in Europa, so ist der Schluß nicht abzuweisen, daß der Grund dieser
traurigen Erscheinungen in Verhältnissen ihren Grund haben müsse, die
diesseits wie jenseits des Ozeans in gleichem Maße Geltung haben.
[58] Vgl. H. W. $Farnam$: Die amerikanischen Gewerkvereine,
Leipzig 1879. $Sartorius v. Waltershausen$: Die
nordamerikanischen Gewerkschaften unter dem Einflusse der
fortschreitenden Produktionstechnik, Berlin 1886. $Derselbe$:
Der moderne Sozialismus in den Vereinigten Staaten von Amerika,
Berlin 1890. W. T. $Stead$: Der Krieg zwischen Arbeit und Kapital
in den Vereinigten Staaten, deutsch von M. $Pannwitz$, 1894.
$Stevens$: Die Gewerkvereine der Vereinigten Staaten in $Braun$,
Archiv für sozial. Gesetzgebung, Bd. XII. S. 695 ff.
Wie in der Schweiz, so kommt auch in Nordamerika bei der sozialen
Entwickelung ein gewisser Gegensatz des deutschen Elementes gegen das
einheimische in Betracht, der um so wichtiger ist, als hier wie dort
das erstere sich den Einflüssen des Sozialismus in weit höherem Grade
zugänglich zeigt, als einerseits das schweizerische und andererseits
das englisch-amerikanische. In beiden Ländern finden wir aber auch
innerhalb der deutschen Arbeiterschaft eine Teilung hinsichtlich der
Stellung zu der Frage des Internationalismus. Die von $Marx$ geleitete
Internationale hat hier wie dort anfangs einen nicht unerheblichen
Einfluß geübt, der aber schließlich ganz zurückgedrängt wurde. Um aber
die Parallele zwischen beiden Ländern zu vervollständigen, finden wir
endlich beiderseits die Nachwirkungen der innerhalb der Internationale
eingetretenen Spaltung zwischen Sozialisten und Anarchisten. Dagegen
ist eine Besonderheit des englisch-amerikanischen Wesens eine
eigentümliche kirchlich-religiöse Richtung und die wohl hiermit in
Verbindung stehende Neigung, auch Vereinen, deren Zweck vorwiegend
auf wirtschaftlichem Gebiete liegt, einen gewissen Ordenskarakter mit
allerlei wunderlichem Ritual zu geben, womit eine stark autoritäre
Stellung des Vorsitzenden verbunden zu sein pflegt.
Schon seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts bestanden Gewerkvereine,
welche den englischen ähnlich waren, doch hatten sie meist nur lokalen
Karakter und haben sämtlich die Handelskrise von 1837 nicht überdauert.
Eine umfassendere Arbeiterbewegung beginnt erst nach dem Ende des
Sezessionskrieges insbesondere durch die Gründung der $_National Labor
Union_$, die sich zum erstenmale mit Erfolg der Aufgabe unterzog, alle
Gewerkvereine zu einer großen Organisation zusammenzufassen.
Die Anregung hierzu ging aus von der Gewerkschaft der Maschinenbauer,
die schon 1863 den Vorschlag machte, eine allgemeine »_National Trades
Assembly_« ins Leben zu rufen. Die Gewerkschaft der Farmer schloß
sich 1864 auf ihrem Vereinstage in Buffalo diesem Plane an und trat
zunächst mit den Maschinenbauern zu der »_Labor Reform Association_«
zusammen. Im März 1866 wurde endlich von dem Gewerkverein der
Wagenbauer ein Ausschuß eingesetzt, mit dem Auftrage, einen allgemeinen
Arbeiterkongreß einzuberufen, dessen Hauptaufgabe darin bestehen
sollte, die Agitation für den Achtstundentag einzuleiten[59]. Auf dem
Kongresse, der am 20. August 1866 zusammentrat, waren 60000 Arbeiter
vertreten. Man beschloß die Gründung eines alle Arbeiter umfassenden
Zentralvereins unter dem Namen »_National Labor Union_«, dem alle auf
dem Kongresse vertretenen Vereine beitraten, deren Hauptzweck darin
bestehen sollte, die Besserung der Arbeitsbedingungen, insbesondere
die Verkürzung der Arbeitszeit auf 8 Stunden, herbeizuführen.
Streitigkeiten mit den Arbeitgebern suchte man möglichst durch
Schiedsgerichte zu erledigen, doch wollte man im Notfalle auch
Arbeitseinstellungen durchführen. Daneben befürwortete man die Gründung
von Konsumvereinen, die Errichtung staatlicher arbeitsstatistischer
Aemter und das Zurückbehalten der öffentlichen Ländereien für wirkliche
Ansiedler im Gegensatze zu dem Verkaufe an Spekulanten. Dem Verbande
traten sehr bald 3000 lokale Gewerkschaften bei.
[59] Mit Recht weist S. v. $Waltershausen$: Die n. a. Gewerkschaften,
S. 28, darauf hin, daß der erste Versuch zur Bildung einer
allgemeinen Arbeiterpartei sich abweichend von Deutschland nicht
auf politischer, sondern auf wirtschaftlicher Unterlage vollzogen
habe.
Die wichtigste Frage war von Anfang an die Stellung zur Politik, über
die es sowohl bei der Gründung in Baltimore, wie auch auf dem im August
1867 in $Chicago$ abgehaltenen $zweiten Jahreskongresse$ lebhafte
Auseinandersetzungen gab. Insbesondere das Organ des Verbandes,
der »_Workmen's Advocate_« trat für die politische Bethätigung
ein und ebenso der Präsident, $Sylvis$, eine der bedeutendsten
Persönlichkeiten in der amerikanischen Arbeiterbewegung, der jedoch
schon am 27. Juli 1869 starb. Seinen Bemühungen gelang es, auf dem
$dritten Jahreskongreß$ in $New York$ am 21. September 1868 die
»$Arbeiterreformpartei$« zu begründen, die freilich von der _N. L. U._
äußerlich getrennt sein, innerlich aber mit ihr in fester Verbindung
stehen sollte. Man wollte insbesondere bei den Präsidentenwahlen
gegenüber den alten großen Parteien, den Republikanern und den
Demokraten, selbständig vorgehen.
Auf dem $vierten Kongresse$ in $Philadelphia$, August 1869, war die
Beteiligung noch größer, als auf den früheren; es wurden 178571
eingeschriebene Mitglieder der _N. L. U._ gezählt. Die Stärke der
»Arbeiterreformpartei« war noch größer. Aber trotzdem begann bereits
jetzt der Rückgang. Den mehrfach begonnenen Streiks war man in
Ermangelung ausreichender Streikfonds nicht gewachsen, und der mit den
1870er Jahren beginnende Geschäftsaufschwung entfremdete die Arbeiter
den Gewerkschaften. Schon der $fünfte Kongreß$ in $Cincinnati$ am 15.
August 1870 war schwach besucht, und auf dem $sechsten$ in $St. Louis$
(7. bis 10. August 1871) waren nur noch 21 Abgeordnete anwesend; von
größeren Gewerkschaften waren nur die Bergarbeiter vertreten.
Einen Hauptgrund zu diesem Rückgange bildete die innerhalb der
»Arbeiterreformpartei« ausgebrochene Meinungsverschiedenheit über
die Frage, ob man sich auf die industriellen Arbeiter beschränken
oder auch die Kleinbauern (Farmer) heranziehen sollte. Auf einer im
Februar 1872 in $Columbus$ abgehaltenen Konferenz kam es über diese
Frage zu einer Spaltung, und so tagten am 21. August 1872 die beiden
Gruppen in getrennten Versammlungen, die eine in $Columbus$, die andere
in $Philadelphia$. Die erste der beiden Richtungen hat dann noch
zwei Kongresse, den einen 1873 in $Cleveland$, den anderen 1874 in
$Rochester$ abgehalten, doch war die Bedeutung der _N. L. U._ für das
öffentliche Leben bereits geschwunden.
Schon 1866 hatten auch eine Reihe deutscher Gewerkvereine einen
Verband, die »$Arbeiterunion$«, gegründet, die ein Blatt unter
gleichem Namen herausgab. In demselben fanden anfangs die beiden
Richtungen, von denen die eine die Interessengemeinschaft von Kapital
und Arbeit betonte, während die andere sozialdemokratische Grundsätze
verfolgte, gleichzeitig Vertretung, doch erlangte die zweite Richtung
allmählich das Uebergewicht, und als das Blatt bei Beginn des
deutsch-französischen Krieges gegen Deutschland Stellung nahm, war die
Mißstimmung so groß, daß es am 17. September 1870 einging.
Die »$Internationale Arbeiterassoziation$« hatte bis zum Ende der
1860er Jahre in Amerika wenig Boden zu fassen vermocht. Als in der
_National Labor Union_ die durch $Sylvis$ vertretene Richtung das
Uebergewicht erlangte, suchte sie mit jener Verbindungen anzuknüpfen,
die dahin führten, daß die _N. L. U._ sich auf dem Kongreß in Basel
1869 durch zwei Abgesandte vertreten ließ. Auch gelang es mehrfach,
auf dem Boden der Internationale stehende deutsche Arbeitervereine
ins Leben zu rufen und Sektionen der verschiedenen Nationalitäten
zu begründen, obgleich der Höchstbestand der Mitgliederzahl niemals
4-5000 überschritten hat; bereits 1873 war dieselbe wieder auf 2-3000
und Anfang 1874 auf 1800-2000 zurückgegangen. Diese Sektionen, deren
man Anfang 1871 erst 6, am Ende des Jahres aber bereits 24 zählte,
setzten ein Zentralkomitee ein, das mit dem Londoner Generalrate in
engster Verbindung stand. Am 6. Juli 1872 wurde in New York der $erste
Kongreß der Internationale$ in Amerika abgehalten, auf dem 22 Sektionen
vertreten waren und ein Föderalrat, bestehend aus 3 Deutschen, 2
Franzosen, 2 Irländern, 1 Schweden und 1 Italiener, eingesetzt wurde.
Die eingeborenen Amerikaner fehlten. Hinsichtlich der auf dem Kongreß
im Haag 1872 vollzogenen Spaltung der Anhänger von $Marx$ und $Bakunin$
trat der amerikanische Verband durchaus auf die Seite der ersteren.
Dieser Rückhalt war auch der Grund, weshalb der Kongreß im Haag auf
Vorschlag von $Marx$ den Beschluß faßte, den Sitz des Generalrates von
London nach New York zu verlegen.
Entsprechend dem von $Marx$ gegebenen Rate, die Erringung politischer
Macht durch Anlehnung an die wirtschaftlichen Forderungen zu
unterstützen, suchte man auch in Amerika im weitesten Umfange
internationale Gewerkschaften ins Leben zu rufen, doch war der mit
dem Jahre 1873 beginnende gewerbliche Niedergang diesen Bestrebungen
sehr ungünstig. Die traurigen geschäftlichen Verhältnisse, die
bis 1879 andauerten, führten auch zu einer Spaltung innerhalb der
Arbeiterschaft. Ein Teil derselben unter Führung der deutschen
Arbeitervereine, die sich im März 1872 in der »Arbeiterzeitung«
ein wertvolles Organ geschaffen hatten, forderte gegenüber der
allgemeinen Not staatliche Hilfe, insbesondere Beschäftigung der
Arbeitslosen, Außerkraftsetzung der Mietgesetze, Verteilung von
Lebensmitteln $u. s. w.$ Andere gingen noch weiter und verlangten die
Einführung der Volksabstimmung über jedes Gesetz und die Beschränkung
des Vermögensbesitzes auf 300000 Dollars. Auch griff man zu dem
bedenklichen Mittel öffentlicher Umzüge, die zu Konflikten mit der
Polizei führten.
Es scheint übrigens weniger die sachliche Meinungsverschiedenheit,
als persönliche Gegensätze und der Unabhängigkeitsdrang gegenüber dem
Generalrate der Internationale gewesen zu sein, was zu der Spaltung
führte und den Generalrat veranlaßte, zunächst den Föderalrat der
amerikanischen Föderation aufzulösen und einige andere Sektionen bis
zum nächsten Kongresse zu suspendieren. Dieser, der $zweite$ und
letzte amerikanische $Kongreß$ der Internationale wurde am 11. April
1874 in $Philadelphia$ abgehalten. Es gelang, die Unzufriedenen aus
der Partei auszuschließen; um den Föderalrat zu überwachen, wurde
eine Kontrollkommission eingesetzt. Die »Arbeiterzeitung« wurde zum
offiziellen Organ erklärt, aber der Kontrollkommission unterstellt.
Die Ausgeschlossenen, die im allgemeinen mehr das einheimische
amerikanische Element darstellten, gründeten jetzt ihrerseits im Sommer
1874 die »$sozialdemokratische Arbeiterpartei von Nordamerika$«.
In einer Konferenz am 4. Juli 1874 in New-York wurden Programm und
Statuten angenommen. Anfangs machte sich innerhalb der Partei der
Gegensatz zwischen Lassalleanern und Marxisten sehr stark geltend,
aber nachdem in Gotha die Einigung der deutschen Sozialisten vollzogen
war, gelang es auch für Amerika, auf dem vom 4. bis 6. Juli 1875 in
$Philadelphia$ abgehaltenen $ersten Jahreskongresse$ grundsätzlich
eine Einigung aller sozialistischen Gruppen zu beschließen, deren
Durchführung dann auf dem Kongresse in Pittsburg am 16. April 1876
in der Weise zustande kam, daß man erklärte: 1. die zu schaffende
Arbeiterorganisation aller Sozialisten Amerikas soll eine nationale mit
internationalen Tendenzen sein; 2. sie soll zentralistisch gerichtet
sein; 3. die Partei wird für die Schaffung von Gewerkschaften mit
nationaler und internationaler Grundlage Sorge tragen; 4. es soll
eine internationale beratende Behörde eingesetzt werden. Der Versuch,
auf einer gleichzeitig tagenden Versammlung eine Einigung auch mit
den anderen politischen Gruppen, insbesondere den Greenback-Leuten,
zustande zu bringen, mißlang.
Die Internationale hatte bei diesen Verhandlungen im Bewußtsein ihrer
Schwäche weitgehende Zugeständnisse machen müssen, jedenfalls hatte sie
durch die Schaffung einer nationalen Arbeiterpartei für Amerika ihre
Bedeutung verloren, und da, wie der letzte Bericht des Generalrates
hervorhebt, der Verkehr mit den europäischen Ländern sich auf einen
unerheblichen Briefwechsel mit einigen Personen beschränkte, Beiträge
aber überhaupt nicht mehr eingingen, so hielt der Generalrat es für
richtig, die $Internationale auch formell aufzulösen$. Er berief
eine Delegiertenkonferenz nach $Philadelphia$ auf den 15. Juli 1876,
auf der aber nur 14 amerikanische und keine einzige europäische
Sektion vertreten waren und sprach seine Ansicht dahin aus, daß die
Internationale Arbeiterassoziation als nicht mehr vorhanden anzusehen
sei. Es wurde dann auch die Auflösung einstimmig beschlossen.
Am 22. Juli 1876 wurde die neue Partei unter dem Namen: »Arbeiterpartei
der Vereinigten Staaten« oder »_Workingmen's Party of the United
States_« in Philadelphia formell begründet. Das Programm fordert,
daß alle Arbeitsmittel, Grund und Boden, Maschinen, Verkehrswege
Eigentum der Gesellschaft werden und an Stelle der Lohnarbeit die
genossenschaftliche Produktion trete. Die Gewerkschaften wurden als
Vorstufe zur sozialistischen Organisation gutgeheißen. Zu Organen der
Partei wurden der »_Labor Standard_«, die »Arbeiterstimme« und der
»Vorbote« bestimmt.
Aber der Streit der Meinungen war nur äußerlich beigelegt und machte
sich bald von neuem geltend, insbesondere gab es zwischen den beiden
neu geschaffenen Organen der Partei, dem Vollziehungsausschusse
in Chicago und dem Aufsichtsrate in New-Haven lebhafte Fehde.
Die Gemäßigten und die Radikalen bekämpften sich heftig über die
prinzipielle Frage, ob die politische oder die gewerkschaftliche
Richtung in den Vordergrund zu stellen sei. Die früheren Mitglieder
der Internationale vertraten im allgemeinen mehr die gemäßigte,
insbesondere die gewerkschaftliche Richtung, sie suchten mit den
bestehenden Gewerkvereinen enge Fühlung zu halten und gründeten eine
_International Labor Union_, die sich jedoch schon 1880 wieder auflöste.
Die Jahre 1876-78 standen unter dem Zeichen der durch die
wirtschaftliche Notlage hervorgerufenen großen Streiks, die überwiegend
mit einem Mißerfolge der Arbeiter endeten. Das hatte zur Folge,
daß die öffentliche Meinung in Arbeiterkreisen sich mehr von der
gewerkschaftlichen Richtung ab- und der politischen zuwandte. Ja es
bildeten sich die berüchtigten $_Molly Maguires_$, Geheimbünde, die
Gewaltthätigkeiten und Aufstände hervorriefen und gewaltsam unterdrückt
werden mußten. Ein Ausfluß dieser Stimmung war auch die auf dem
$Kongreß$ in $Newark$ vom 25. bis 31. Dezember 1877 beschlossene
Abänderung der bisherigen Bezeichnung »Arbeiterpartei der Vereinigten
Staaten« in »$Sozialistische Arbeiterpartei Nordamerikas$«. Die
gewerkschaftliche Richtung unter Führung von $Strasser$ wurde in
den Hintergrund gedrängt und ein selbständiges Auftreten bei der
Präsidentschaftswahl beschlossen. Auch die Mitgliederzahl hob sich auf
etwa 10000, die in 25 Staaten etwa 100 Sektionen bildeten.
Aber dieser Aufschwung der Sozialdemokratie fand rasch sein Ende
mit der im Jahre 1879 wieder beginnenden günstigern Entwicklung der
wirtschaftlichen Verhältnisse. Die Mitgliederzahlen der Vereine
schmolzen zusammen wie Schnee vor der Sonne, und auf dem vom
26. Dezember 1879 bis 1. Januar 1880 in Alleghany abgehaltenen
Jahreskongreß wurde berichtet, daß nur noch 1500 Mitglieder ihre
Beiträge zahlten. Man versuchte deshalb, durch Sendboten aus
Deutschland zu wirken, und verschiedene Parteiführer, insbesondere
$Fritzsche$ und $Viereck$, unternahmen große Agitationsreisen, jedoch
ohne nennenswerten Erfolg.
Auch die in Deutschland zurückgedrängte sozialrevolutionäre Richtung
glaubte in Amerika neuen Boden zu finden, und ihre Vertreter,
insbesondere $Hasselmann$ und $Most$, bearbeiteten denselben mit dem
Feuereifer des Fanatismus. In der That gelang es, am 14. Oktober 1883
in $Pittsburg$ einen Kongreß der Sozialrevolutionäre und Anarchisten
zustande zu bringen, auf dem Abgesandte aus 26 amerikanischen
Städten anwesend waren; auch einige Vertreter aus dem Auslande waren
erschienen. Man beschloß, eine $neue Internationale$ zu begründen und
gab dem neuen Verbande, der zunächst für Amerika wirken sollte, den
alten Namen: »Internationale Arbeiterassoziation« oder »$_International
Working Peoples' Association_$«; er betrachtete sich als einen Zweig
der auf dem Londoner Weltkongreß[60] am 14. Juli 1881 ins Leben
gerufenen neuen Internationale, die allerdings ihr Dasein nur auf dem
Papiere führte, denn das dort errichtete Auskunftsbureau hatte schon
längst seine Thätigkeit wieder eingestellt.
[60] Vgl. unten S....
Die Organisation des neuen Verbandes war dem Prinzip gemäß durchaus
föderalistisch, die Sektionen hatten weitgehende Autonomie. Der
verbindende Gedanke war die Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer
»Propaganda der That«; Beteiligung an der Politik wurde grundsätzlich
verworfen. Hinsichtlich der Gewerkschaften erklärte man: »Wir erblicken
in solchen Gewerkschaften, die auf radikalen Prinzipien beruhen und
die Abschaffung der Lohnarbeit erstreben, die Grundlage zu einem
besseren Gesellschaftssystem. Andrerseits sind wir entschlossen,
alle Organisationen, welche auf reaktionären Prinzipien beruhen, zu
bekämpfen, indem sie Feinde der Arbeiterklasse und ein Hindernis von
Humanität und Fortschritt sind.« Schiedsgerichte wurden, als für die
Arbeiter wertlos, unbedingt verworfen.
Das Verhältnis der neuen Internationale zu der sozialdemokratischen
Arbeiterpartei wurde, nachdem die zunächst, insbesondere auf dem in
Baltimore vom 26. bis 28. Dezember 1883 abgehaltenen Kongresse der
letzteren gemachten Versuche einer Annäherung gescheitert waren,
bald ein immer feindlicheres und die gegenseitigen Angriffe in den
Parteiblättern immer heftiger.
Hatte schon die bisherige Entwicklung den Beweis geliefert, daß die
praktisch veranlagten Amerikaner für die sozialistischen Bestrebungen
einen durchaus ungeeigneten Boden bildeten, denn auf dem im Mai 1883 in
Kopenhagen abgehaltenen Parteitage der deutschen Sozialdemokratie wurde
die Zahl der amerikanischen Genossen auf nur 2000 angegeben, so waren
die nächsten Jahre noch wesentlich ungünstiger. Der wirtschaftliche
Aufschwung im Anfange der 80er Jahre hatte für die Arbeiter den Anlaß
gegeben, in eine umfassende Bewegung zur Erringung des Achtstundentages
einzutreten. Aber die unternommenen Ausstände hatten wenig Erfolg,
führten dagegen vielfach zu Unruhen und Gewaltthätigkeiten, bei denen
insbesondere die sozialrevolutionäre Partei eine Rolle spielte. Die
schärfste Zuspitzung fanden diese Dinge in Chicago, wo vom 1. bis
4. Mai 1886 umfassende Straßenkämpfe stattfanden, bei denen durch
das Werfen von Dynamitbomben sieben Polizisten getötet und 60 schwer
verwundet wurden. Ihre Sühne fand diese Schreckensthat in der am 11.
November 1887 in Chicago erfolgten Hinrichtung der vier Anarchisten
$Spies$, $Parsons$, $Fischer$ und $Engel$. Aber die Folge dieser
Ereignisse war zugleich eine allgemeine Abneigung gegen alles, was
mit der sozialen Revolution kokettierte, und obgleich davon in erster
Linie die _International Working Peoples' Association_ betroffen
wurde und deren Schwächung ihrer Gegnerin, der sozialdemokratischen
Arbeiterpartei scheinbar hätte zu gute kommen müssen, so wandte sich
die Stimmung doch auch gegen sie, und indem Streitigkeiten persönlicher
Art noch hinzutraten, machte sich bald ein starker Rückgang bemerkbar,
ja $Most$ berechnet in seiner »Freiheit« die Mitgliederzahl für den
Sommer 1889 auf nur noch 780.
Die $Gewerkvereine$ hatten sich inzwischen kräftig entwickelt, und in
der Not sahen sich die Vertreter der politischen Richtung gezwungen,
die soeben noch als Aschenbrödel behandelte Gewerkschaftsbewegung
wieder in den Vordergrund zu rücken, wobei ihnen der schon nach 2-3
Jahren wieder einsetzende wirtschaftliche Rückgang wesentlich zu
statten kam.
So gelang es, in den meisten größeren Städten $_central labor unions_$
zu gründen, in denen überwiegend ungelernte Arbeiter vertreten waren
und die stark unter sozialistischem Einflusse standen. Die älteren,
mehr konservativen Gewerkschaften der gelernten Arbeiter fanden sich
meist zu sog. $_Trade Assemblies_$ zusammen, lokalen Verbänden,
die zunächst gegenseitige Unterstützung und erst in zweiter Linie
politische Thätigkeit bezweckten.
Die weitere Entwicklung knüpft sich vor allem an zwei große Verbände,
die in der amerikanischen Arbeiterbewegung eine erhebliche Bedeutung
erlangt haben.
Der erste derselben ist der Orden der Ritter der Arbeit ($_Knights
of Labor_$), der 1869 in Philadelphia von dem Schneider $Stevens$
begründet wurde, sich aber bald zu einem alle Berufszweige umfassenden
Bunde erweiterte. Er war anfangs ein Geheimbund und geriet dadurch,
daß er die Geheimhaltung seiner Einrichtungen auch im Beichtstuhle
forderte, in Gegensatz zu der katholischen Kirche, den er durch
Nachgeben beendigte. Seitdem wird er von katholischer Seite begünstigt;
übrigens hat er den Karakter als Geheimbund 1881 aufgegeben und seine
Statuten in dem Bundesblatte (_Journal of the Knights of Labor_)
bekannt gegeben.
Der Zweck des Ordens ist die allgemeine Hebung der Arbeiterklasse,
insbesondere die gemeinsame Vertretung der Arbeiterinteressen gegenüber
den Unternehmern. Aber seine Organisation ist insofern abweichend von
derjenigen der eigentlichen Gewerkvereine, als er sich $nicht auf die
Berufszugehörigkeit stützt$, sondern alle Arbeiter ohne Unterschied,
insbesondere also gelernte und ungelernte vereinigt; selbst andere,
nicht den Arbeiterkreisen angehörende Personen können ihm beitreten,
doch dürfen sie nicht 1/4 der Gesamtmitgliederzahl übersteigen. Auch
gegen die Unterschiede der Religion, Nationalität und Rasse ist er
durchaus gleichgültig und gestattet nicht allein den Negern, sondern
unter gewissen Beschränkungen sogar den Chinesen den Eintritt.
Endlich steht er allen politischen Anschauungen grundsätzlich neutral
gegenüber, und Sozialisten wie Anarchisten sind in ihm vertreten.
In den letzteren Jahren haben die sozialistischen Ideen sich etwas
mehr Boden verschafft, insbesondere wurde 1894 das noch zu erwähnende
von der _Federation of Labour_ abgelehnte Programm angenommen.
Dasselbe erklärt sich für Zusammenschluß aller Arbeiter- und
Farmerorganisationen zu einer einzigen politischen Partei und fordert:
»1. Obligatorischen Schulbesuch; 2. unmittelbare Gesetzgebung; 3.
gesetzlichen Achtstundentag; 4. sanitäre Ueberwachung der Werkstätten,
der Bergwerke und des Hauses; 5. ausgedehnte Unfallversicherung
seitens der Arbeitgeber; 6. Abschaffung des Kontraktsystems bei allen
öffentlichen Arbeiten; 7. Abschaffung des Schwitzsystems; 8. Erwerb
von Straßenbahnen, Gas- und elektrischen Werken seitens der Gemeinden
zum Zwecke öffentlicher Verteilung von Licht, Wärme und Betriebskraft;
9. Ankauf der Telegraphen, Telephone, Eisenbahnen und Bergwerke durch
den Staat; 10. gemeinsamen Besitz des Volkes an allen Mitteln der
Produktion und Güterverteilung; 11. Volksabstimmung (Referendum) bei
allen Gesetzen.«
Auf den Mitgliedskarten der $Arbeitsritter$ ist deren Standpunkt in
folgender Weise bezeichnet:
»Die Ritter der Arbeit bilden die größte Arbeiterorganisation der
Welt. Sie sind die einzige Organisation, die -- neben dem Eintreten
für möglichst günstigen Lohn, kurze Arbeitszeit und sonstige Vorteile
-- die der industriellen Ungerechtigkeit zu Grunde liegenden
Ursachen zu beseitigen sucht. Sie überlassen jedem Gewerbe und jedem
örtlichen Zweigvereine die selbständige Regelung der Verhältnisse
des betreffenden Gewerbes oder Ortes und können doch vermöge ihrer
Organisation, falls nötig, ihre Kräfte rasch zusammenfassen. Sie
streben nach der Beseitigung des kapitalistischen Systems der
Produktion und des Austausches, wollen aber, in der Ansicht, daß
Reformen nur wohltätig und von Dauer sein können, wenn sie auf der
Ueberzeugung eines gebildeten und einsichtigen Volkes beruhen, ihre
Ziele allein durch den Appell an die Vernunft und das Gewissen,
niemals auf gewaltsame Weise erreichen. Sie laden alle ehrlichen
und nützlichen, mit der Hand oder geistig thätigen Arbeiter zur
Mitgliedschaft ein ohne jede Rücksicht auf Religion, Rasse oder
Abstammung.«
Trotz dieser sozialistischen Anwandlungen hat der Orden sich nicht
allein gegenüber dem Anarchismus wegen seiner ungesetzlichen Haltung
durchaus gegensätzlich gestellt und z. B. die Attentate in Chicago
scharf getadelt, sondern auch zu der Sozialdemokratie wegen ihres
antireligiösen Verhaltens eine ablehnende Stellung eingenommen.
Die Hauptziele sind neben Erhöhung der Löhne und Herabsetzung der
Arbeitszeit insbesondere die Erringung des Achtstundentages, die
Errichtung arbeitsstatistischer Aemter, das Verbot der Kinderarbeit
und Sicherung gegen gesundheitsschädliche Einflüsse, Einschränkung der
Gefängnisarbeit, sowie die Einrichtung von Produktivgenossenschaften
und Konsumvereinen. Auf staatlichem Gebiete erstrebt der Bund die
Verstaatlichung der Telegraphen und Eisenbahnen, die Einrichtung von
Postsparkassen, die Reform des Münzwesens insbesondere durch freie
Silberprägung, die Zurückbehaltung der öffentlichen Ländereien für
wirkliche Bebauer und die Einführung der progressiven Einkommensteuer.
Endlich legt man das Hauptgewicht auf die Einschränkung der
Einwanderung, da diese ein Ueberangebot von Arbeitskräften erzeugt. Die
wirtschaftlichen Ziele sucht man in erster Linie durch Selbsthülfe,
insbesondere auf friedlichem Wege durch Verhandlungen mit den
Unternehmern und Schiedsgerichte zu erreichen, scheut aber auch vor
Arbeitseinstellungen nicht zurück, wie denn große Streiks seitens
des Bundes durchgeführt sind. Soweit auf diesem Wege Abhülfe nicht zu
erreichen ist, verlangt man das Eingreifen der staatlichen Gesetzgebung
ohne scharf ausgesprochenes Prinzip. In die eigentliche Politik hat
man, abgesehen von der 1886 bei den New-Yorker Gemeindewahlen dem
bekannten Bodenreformer $Henry George$ gewährten Unterstützung, sich
nur insoweit eingemischt, als man bei den Wahlen die Kandidaten zu
gewissen Zusagen zu bestimmen suchte; der Wunsch, auf Schaffung einer
selbständigen Arbeiterpartei neben Republikanern und Demokraten
hinzuwirken, ist allerdings seit Jahren laut geworden, bisher aber ohne
Erfolg geblieben.
Für die $Organisation$ des Bundes bilden die Grundlage die $_local
assemblies_$, Ortsvereine, in denen die Mitglieder ohne Unterschied der
Rasse, der Religion und des Berufes vereinigt sind, nur in größeren
Städten nimmt man diese Unterschiede zur Unterlage für Sondergruppen.
Meist sind Frauen den allgemeinen Vereinen zugeteilt, doch giebt es
einige Ortsvereine, die nur aus Frauen bestehen. Die Ortsvereine
werden zu Bezirksverbänden ($_district assemblies_$) vereinigt, über
denen die $_General Assembly_$ steht, die jährlich zusammentritt und
die oberste Instanz bildet. Sie wählt den Großmeister ($_Grand Master
Workman_$), der sehr weitgehende Befugnisse besitzt, jedoch von einem
$Aufsichtsrate$ aus 5 Mitgliedern kontrolliert wird.
Großmeister war von 1869 bis 1879 der Begründer des Ordens, $Stevens$,
der dann durch $Powderley$ ersetzt wurde; der letztere ist ebenso,
wie sein Vorgänger, aus den niedrigsten Verhältnissen hervorgegangen
und hat neben einem außerordentlichen Organisationstalente eine große
Mäßigung insbesondere in den Verhandlungen mit den Unternehmern
bewiesen. Auf dem Kongresse in Philadelphia 1893 wurde er wegen
des zurückgegangenen Einflusses des Ordens und der unzweckmäßigen
Verwendung der Gelder lebhaft angegriffen und legte, nachdem er nur mit
geringer Mehrheit wiedergewählt war, sein Amt nieder. Sein Nachfolger
wurde R. $Sovereign$, ein Mann, der zuerst _cowboy_, dann Steinhauer
und endlich Journalist gewesen war, auch bereits in der Politik eine
Rolle gespielt hatte und dem Orden seit 1887 angehörte. Seine Wahl
bedeutete den Sieg der westlichen über die bis dahin herrschend
gewesene östliche Gruppe, hat aber eine Verschiebung der allgemeinen
Richtung innerhalb des Bundes nicht zur Folge gehabt.
Der $äußere Entwickelungsgang$ drückt sich aus in der Zahl der
Mitglieder. Dieselbe hatte in den ersten Jahren nach der Gründung
schon einmal 80000 betragen, war aber 1878 auf 12000 zurückgegangen,
1883 betrug sie 52000, 1884 71000, 1885 111000, Anfang 1886 etwa
200000 und am 1. Juli 1886 sogar 752430; schon am 1. Juli 1887 war
sie wieder auf 585127 und am 1. Juli 1888 aus 425038 zurückgegangen.
Auf der Nationalkonvention (Generalversammlung) in St. Louis 1892
waren angeblich 241000, in Philadelphia 1893 nur noch 212000 Arbeiter
vertreten und in New-Orleans im November 1894 wurde nur erwähnt, daß
der Bestand an Mitgliedern noch weiter zurückgegangen sei. Später
scheint wieder ein Aufschwung eingetreten zu sein, denn für 1897 wird
die Mitgliederzahl auf 325000 angegeben[61].
[61] Bei W. T. $Stead$ a. a. O., S. 113.
Der Orden hat einen ausgesprochen $amerikanischen Karakter$. Aus diesem
erklärt sich auch seine Abneigung gegen die Einflüsse der deutschen
Sozialdemokratie, denn er fordert von seinen Mitgliedern, daß sie die
aus ihrer früheren Heimat mitgebrachten Anschauungen und Besonderheiten
völlig aufgeben und sich ganz als Amerikaner fühlen. Allerdings hat
er auch außerhalb Amerikas, insbesondere in England und Belgien[62],
Vereine zu gründen versucht, aber doch nur mit ziemlich geringem
Erfolge. Dadurch, daß er keinen Unterschied zwischen gelernten und
ungelernten Arbeitern macht, ja sich hauptsächlich auf die letztern
stützt, erhält er ein gewisses anti-aristokratisches Gepräge.
[62] Vergl. oben S....
Die staatssozialistischen Neigungen, die sich eine Zeit lang stark
geltend machten, sind auch in neuerer Zeit mehr zurückgetreten, nachdem
man die Erfahrung gemacht hat, daß die im Parlament durchgesetzten
arbeiterfreundlichen Gesetze, insbesondere das Gesetz über den
achtstündigen Arbeitstag für Regierungsarbeiter lediglich auf dem
Papiere stehen geblieben und von den Behörden nicht befolgt sind, so
daß man jetzt von der Stärkung der eigenen wirtschaftlichen Kraft
der Verbände sich mehr Erfolg verspricht, als von der Gesetzgebung.
Doch haben die großen Ausstände der letzten Jahre, der Minenarbeiter
in Idaho und Tennessee, der Eisenbahnarbeiter in Buffalo, der Eisen-
und Stahlarbeiter der Carnegie'schen Werke in Homestead und endlich
der große Pulman-Streik bewiesen, daß auch hier die Macht des großen
Kapitals überwiegt.
Bildet der hervorgehobene Umstand, daß der Orden der Arbeitsritter eine
Sonderung der Arbeiter nach Berufen nicht zuläßt, den Grund, weshalb
er als Gewerkverein im engeren Sinn nicht zu betrachten ist, so trägt
dagegen der zweite große Verband durchaus diesen Karakter. Es ist das
die $_American Federation of Labour_$.
Im Jahre 1881 hatten mehrere große Gewerkschaften in $Pittsburg$ unter
dem Namen »$_Federation of organised Trades and Labor Unions_$« einen
allgemeinen nationalen Verband gegründet, der auf jährlichen Kongressen
zu den die Arbeiter betreffenden gesetzlichen Einrichtungen Stellung
nehmen wollte. Der Verband stand den sozialistischen Ideen ziemlich
ablehnend gegenüber, und auf den Kongressen in $Pittsburg$ 1881 und
$Cleveland$ 1882 wurden die Anträge, die Verstaatlichung des Grund und
Bodens in das Programm aufzunehmen, mit großer Mehrheit verworfen.
Erst 1883 auf dem III. Kongreß in $New York$ wurde die Forderung der
Ueberführung der Eisenbahnen und Telegraphen in das Eigentum des
Staates zugestanden.
Auf dem im Oktober 1884 in $Chicago$ abgehaltenen IV. Kongresse
beschloß man, für die Erringung des Achtstundentages und die Feier
des 1. Mai einzutreten, wiederholte auch diesen Beschluß auf dem
V. Kongresse in $Washington$ im Dezember 1885, erzielte aber wenig
praktische Erfolge. Auf dem VI. Kongresse in $Columbus$ im Dezember
1886 änderte der Verband seinen Namen und bezeichnet sich seitdem als
»_$American Federation of Labor$_«.
Der Grundkarakter ist durchaus derjenige eines gewerkschaftlichen
Zentralverbandes, der sich aus einer Reihe einzelner nach Berufen
getrennter Vereine zusammensetzt. Zweck des Bundes ist die Weckung des
Klassen- und Solidaritätsgefühls der Arbeiter. Das nächste Ziel bildet
die Durchführung des Achtstundentages. Der Politik steht man sehr
kühl gegenüber, und der langjährige Präsident Samuel $Gompers$, der
sich vom einfachen Zigarrenarbeiter zu seiner jetzigen einflußreichen
Stellung emporgearbeitet hat, gilt den deutschen Sozialdemokraten
geradezu als der Typus eines »Nur-Gewerkschaftlers«, gegen den man die
schärfsten Angriffe richtet. Neben dem Präsidenten, der weitgehende
Machtvollkommenheit besitzt, besteht ein Exekutivausschuß aus vier
Mitgliedern. Bei kleinen Streiks, die nicht über 5 Wochen dauern,
erfolgt die Bewilligung der Unterstützung durch den Präsidenten,
in anderen Fällen findet Urabstimmung unter sämtlichen zum Bunde
gehörigen Vereinen statt. Das Organ des Bundes ist der seit März 1894
erscheinende »_American Federationist_«.
In neuester Zeit haben hinsichtlich der Stellung zum $Sozialismus$
heftige Kämpfe stattgefunden. Schon auf dem im Dezember 1892
in $Philadelphia$ abgehaltenen Kongresse neigte etwa 1/4 der
Abgeordneten nach dieser Richtung, insbesondere hinsichtlich einer
von den bestehenden Parteien unabhängigen Arbeiterpolitik und der
Verstaatlichung der Produktionsmittel. Die Mehrheit jedoch beschränkte
diese Forderung auf die Verkehrsmittel und erklärte die Bildung einer
selbständigen Arbeiterpartei solange für aussichtslos, wie die Arbeiter
nicht in wesentlich größerem Umfange an den Organisationen sich
beteiligten.
Auf dem Kongresse in $Chicago$ im Dezember 1893 setzte sich
dieser Kampf fort, indem der Sozialist $Morgan$ einen Antrag
einbrachte, der eine unabhängige Arbeiterpolitik verlangte und
folgende Einzelforderungen aufstellte: 1. Schulzwang; 2. direkte
Gesetzgebung[63]; 3. gesetzlicher achtstündiger Arbeitstag; 4.
Sanitäre Inspektion für Fabriken, Bergwerke und Arbeiterwohnhäuser;
5. Haftpflichtgesetz; 6. Abschaffung des Kontraktsystems bei
öffentlichen Arbeiten; 7. Beseitigung des Schwitzsystems; 8. Uebernahme
der Straßenbahnen, Gasanstalten und elektrischen Anlagen durch die
Stadt; 9. Verstaatlichung der Telegraphen, Telephone, Eisenbahnen und
Bergwerke; 10. Verstaatlichung aller Produktionsmittel; 11. Einführung
des Referendums für die gesamte Gesetzgebung. Der Kongreß lehnte es
jedoch ob, zu diesen Forderungen Stellung zu nehmen, indem er sie
lediglich den Arbeiterverbänden zur Erwägung überwies mit dem Ersuchen,
ihre Vertreter zur nächsten Jahreskonvention über die aufgeworfenen
Fragen zu instruieren.
[63] Es ist nicht recht verständlich, was damit gemeint ist,
denn die Forderung dahin zu verstehen, daß die Gesetze nicht von
Vertretungskörpern endgültig gemacht, sondern dem Volke selbst
zur Urabstimmung unterbreitet werden, scheint nicht angängig, da
dies schon unter Ziffer 11 (Referendum) ausgesprochen ist.
Dieser nächste Kongreß, der am 12. Dezember 1894 in $Denver$ stattfand,
entschied gegen die Sozialisten. Zunächst wurde die Forderung einer
unabhängigen Arbeiterpolitik verworfen. Dann wurden die mitgeteilten
Punkte 1-9, 11 angenommen, Ziffer 10 dagegen abgelehnt. Endlich wurden
bei der Gesamtabstimmung für das so geschaffene Programm nur 735,
dagegen aber 1173 Stimmen abgegeben, so daß es verworfen war, wobei die
Sozialisten sich der Abstimmung enthielten.
Auf diesem Kongresse, bei dem als Vertreter der englischen _trade
unions_ John Burns und David Holmes anwesend waren, wurde übrigens der
Sitz des Verbandes von New York nach Indianapolis verlegt und ebenso
an Stelle von Gompers zum Präsidenten $Mac Bride$ gewählt, eine Wahl,
die nicht eine prinzipielle Aenderung der Haltung, sondern nur den Sieg
des Westens über den Osten bedeutete. Bride war früher Kohlengräber
und wurde dann zum statistischen Beamten des Staates Ohio berufen; er
ist ebenso wie sein Vorgänger Gegner des Sozialismus und wird sogar
als noch weiter rechts stehend betrachtet. Uebrigens wurde schon nach
zwei Jahren Gompers mit großer Mehrheit wiedergewählt und ist seitdem
Präsident geblieben.
Der letzte (XVI.) Kongreß hat vom 12. bis 21. Dezember 1897 in
$Nashville$ stattgefunden unter Beteiligung von 97 Abgeordneten als
Vertreter von 74 Organisationen. Auch die englischen _trade unions_
hatten zwei Vertreter gesandt. Nach dem Jahresberichte hatte die
Einnahme sich auf 18639, die Ausgabe auf 10113 Dollars belaufen; der
Vermögensbestand betrug 4168 Dollars.
Die aufgestellten Forderungen waren: Allgemeine Schulpflicht,
Beschränkung der Kinderarbeit, direkte Gesetzgebung des
Volkes durch das Referendum und Initiativbegehren, sanitäre
Beaufsichtigung der Betriebsstätten, Haftpflicht der Unternehmer
bei Gesundheitsschädigungen und Tötungen der Arbeiter, Abschaffung
des Schwitzsystems, Aufhebung der Verschwörungsgesetze, städtische
Verwaltung aller öffentlichen Unternehmungen, Beseitigung des
Banknotenmonopols, Errichtung eines Arbeitsamtes, die Schaffung von
Postsparkassen, Beschränkung der Einwanderung durch Festsetzung eines
Bildungsminimums, die Einführung eines gesetzlichen Achtstundentages,
für die sich die Mehrheit erklärte. Auch forderte man, daß die
Regierung ihre Kriegsschiffe nicht Unternehmern in Auftrag geben,
sondern auf eignen Werften bauen solle und erklärte sich für den
Uebergang aller dem öffentlichen Verkehr dienenden Anstalten,
insbesondere der Telegraphen, in das Eigentum des Staates. Zu dem
vorgeschlagenen Gesetze über die _trusts_ nahm man im allgemeinen eine
zustimmende Haltung ein, wollte aber auch gegen dessen Anwendung auf
die Gewerkschaften geschützt sein. Für einige Streiks, so auch für
den der englischen Maschinenbauer, wurden Unterstützungen bewilligt.
Auch Fragen der Politik wurden behandelt. So erklärte man sich mit
der Anerkennung der Aufständischen auf Cuba als kriegführender Macht
einverstanden, mißbilligte aber die beabsichtigte Erwerbung von Hawaii.
Zur Vorbereitung der nächsten Parlamentswahlen wurde eine besondere
Konferenz ins Auge gefaßt. Der Bund will künftig das Hauptgewicht auf
die Bildung von Vereinen ungelernter Arbeiter legen. $Gompers$ wurde
mit 1858 Stimmen gegen 407, die auf den Sozialisten $Kraft$ fielen, als
Präsident wiedergewählt.
Den Gesamtkarakter des Kongresses bezeichnet ein Bericht in dem
»_American Federationist_«, dem Organ des Bundes[64], dahin: »Während
der ganzen Zusammenkunft beschränkten sich die Abgeordneten durchaus
auf praktische Fragen, welche den Arbeiter unmittelbar angehen. Sehr
wenig sozialistische Gesinnung wurde entfaltet. Nur sieben Abgeordnete
können als Mitglieder der sozialistischen Arbeiterpartei angesehen
werden.«
[64] Der Bericht ist in Nr. 7 des Korrespondenzblattes der
Generalkommission für die Gewerkschaften Deutschlands vom 14.
Februar 1898 abgedruckt.
Der $Mitgliederbestand$ des Bundes hat sehr geschwankt. Auf dem Kongreß
in Washington 1882 wurden 280000, in Columbus 1886 316469, in Boston
1889 549641 Mitglieder gezählt. Im Jahre 1890/91 soll diese Zahl
sogar auf 675117 in 60 Gewerkschaftsverbänden gestiegen sein, doch
wurden auf dem Kongreß in Philadelphia 1892 nur 17 Verbände mit 229800
Mitgliedern gezählt, die durch 89 Abgeordnete vertreten waren. In der
noch zu erwähnenden Statistik der New Yorker Volkszeitung wird die
Mitgliederzahl auf 350000 angegeben. Auf dem Kongreß in Nashville 1897
wurde mitgeteilt, daß dem Bunde im letzten Jahre 18 Zentralverbände,
189 Ortsvereine und 8 Nationalverbände mit insgesamt 34000 Mitgliedern
beigetreten waren, doch wurde der Gesamtbestand nicht angegeben.
Die _American Federation of Labor_ steht zu dem Orden der
Arbeiterritter in einem gewissen Konkurrenzverhältnisse, huldigt auch,
wie erwähnt, zum Teil anderen Ansichten, insbesondere ist der Orden
streng zentralistisch, während der Bund seinen einzelnen Unterverbänden
weitgehende Selbständigkeit gewährt. In dieser Beziehung steht zwischen
ihnen gewissermaßen in der Mitte der erst in den letzten Jahren
begründete Zentralverband der Eisenbahnangestellten, die $_American
Railway Union_$. Die Eisenbahnarbeiter hatten bis dahin eine große
Menge von Vereinen, die aber alle auf kleine Bezirke beschränkt
waren und sich nicht allein gegenseitig nicht unterstützten, sondern
häufig gegeneinander auftraten. Erst 1893 gelang es dem früheren
Lokomotivheizer, späteren Stadtschreiber $Eugen Debbs$, der bis dahin
Sekretär des Heizerverbandes und später Redakteur des Fachorganes
war, in dem neuen Verbande eine Verbindung zu schaffen, die sich zu
erheblicher Bedeutung entwickelt hat. Allerdings fand $Debbs$ bei
den bestehenden Vereinen den schärfsten Widerstand, doch gelang es
ihm, eine Menge bisher noch nicht organisierter Eisenbahnarbeiter
insbesondere aus dem Westen zu Vereinen zusammenzuschließen, die seinem
Verbande beitraten. Er suchte zwischen diesen und den Einzelvereinen
dadurch ein festes Band herzustellen, daß die Mitglieder der letzteren
zugleich einem Ortsvereine des Gesamtverbandes angehören mußten.
Der Standpunkt der $_Railway Union_$ ist am besten zu ersehen aus der
von $Debbs$ bei deren Gründung abgegebenen Erklärung, in der es heißt:
»Der Hauptpunkt der Organisation ist der Schutz der Mitglieder
hinsichtlich ihres Lohnes und ihrer Rechte. Die Eisenbahnbediensteten
können ein Mitbestimmungsrecht für den Lohnsatz und die
Arbeitsbedingungen beanspruchen. Genügender Lohn und angemessene
Behandlung müssen die Gegenleistung für erfolgreiche treue Dienste
bilden. So werden wir zu harmonischen Beziehungen und befriedigenden
Ergebnissen gelangen. Der neue Bund wird konservativen Grundsätzen
huldigen. Auch dem geringsten Mitgliede wird bei gerechten Forderungen
der Beistand nicht versagt werden, aber auf der anderen Seite
sollen keine maßlosen Forderungen, keine unberechtigten Beschwerden
Unterstützung finden. Nach gründlicher Organisation jedes Dienstzweiges
bei gebührender Berücksichtigung jedes Rechtes kann man zuversichtlich
hoffen, daß alle Differenzen zu befriedigender Erledigung kommen,
daß harmonische Beziehungen hergestellt werden, daß der Dienst
unberechenbar besser wird, daß die Notwendigkeit für Ausstände und
Sperren, Verrufserklärungen und schwarze Listen, die beiden Teilen
gleich verderblich sind und für die allgemeine Wohlfahrt eine
beständige Drohung bilden, ganz und für immer wegfällt«.
Die Gesamthaltung des Bundes ist hiernach als eine antisozialistische
zu bezeichnen. Allerdings verfolgt er im Gegensatze zu den älteren
Vereinen, die nur gelernte Arbeiter aufnehmen und deshalb einen
aristokratischen Karakter tragen, eine fortschrittliche Politik;
$Debbs$ selbst gehört zu der Partei der Demokraten. Aber der
Sozialismus hat von ihm keine Förderung zu erwarten; ebenso gilt er als
ein Mann, der dem in Amerika allmächtigen Einflusse des Dollars nicht
unterliegt.
Ueber den $Mitgliederbestand$ liegen nur Zahlen aus dem Jahre 1894 vor.
Danach zählte die Union im April 1894 80000 Angehörige, während auf
der ersten Generalversammlung Mitte Juni 1894 425 Vereine mit 125000
Mitgliedern vertreten waren.
Obgleich hiernach kollektivistische Anschauungen zum Teil in die
angeführten großen Verbände Einzug gehalten haben, so stehen diese
doch dem Sozialismus in der Form der Sozialdemokratie durchaus
ablehnend gegenüber; insbesondere ist es karakteristisch, daß die
genannten Führer streng religiös sind und zugleich dem Templerenztum
zuneigen. Es wird hier also der Beweis geliefert, daß eine in ihrer
Gegnerschaft gegen den Kapitalismus durchaus entschieden vorgehende
Arbeiterorganisation nicht entfernt Veranlassung hat, gleichzeitig
materialistischen Grundsätzen zu huldigen.
In neuester Zeit hat übrigens auch die sozialdemokratische Bewegung
wieder einen gewissen Aufschwung genommen und zugleich ihr Interesse
den Gewerkschaften in höherem Grade zugewandt. Es ist ihren
Anhängern gelungen, im November 1895 einen neuen gewerkschaftlichen
Zentralverband unter dem Namen »_$Socialist Trade and Labor Alliance$_«
ins Leben zu rufen, der vom 29. Juni bis 2. Juli 1896 in New York
seine erste Hauptversammlung abhielt. Schon der Name bezeichnet
die sozialistische Richtung, wie denn auch das Programm als Zweck
angiebt, den bestehenden Gewerkschaftsorganisationen und ihren teils
trägen, teils korrumpierten, teils bewußt reaktionären Elementen
eine Gewerkschaftsorganisation gegenüberzustellen, die es sich zur
Aufgabe macht, die Interessen der gewerkschaftlich organisierten
Arbeiter nicht nur nach der ökonomischen, sondern auch nach der
politischen Seite hin zu wahren«. In der Versammlung waren 64 Lokal-
und 7 Distriktsorganisationen, sowie einige gewerkschaftliche
Nationalverbände durch 75 Abgeordnete vertreten.
Außer den bisher behandelten großen Verbänden bestehen noch eine
ganze Anzahl von $Einzelgewerkschaften$, die ihnen teils angehören,
teils ihnen fern stehen. Dieselben bezeichnen sich, wenn sie auf die
Vereinigten Staaten beschränkt sind, als nationale, wenn sie dagegen
auch Mitglieder in Canada oder Mexiko haben, als $internationale
Vereine$. Die wichtigsten sind die Eisengießer, die Eisen- und
Stahlarbeiter, die Zigarrenarbeiter, die Möbelarbeiter, die
Hafenarbeiter, die Granithauer; unter den Buchdruckern bestehen zwei
Vereine, nämlich einerseits der deutsch-amerikanische Typographenbund
und andererseits die _International typographical union_. Meist giebt
es auch in den größeren Städten lokale Verbände der am Orte bestehenden
Gewerkschaften, die häufig in deren Selbstbestimmung tief eingreifende
Befugnisse haben. Ebenso haben sich zuweilen die _local assemblies_ der
einzelnen Staaten zu Verbänden zusammengeschlossen, so in New York, New
Jersey, Pennsylvania, Ohio, Illinois, Maryland, Missouri, Michigan und
Wisconsin.
Der Versuch, eine Zusammenfassung aller Gewerkschaften nach dem
Vorbilde der englischen _trade unions_-Kongresse mit ihren eigenem
parlamentarischen Komitee ins Leben zu rufen, ist 1881 unternommen
durch einen $nationalen Gewerkschaftskongreß$, der in Pittsburg tagte
und auf dem die »_$Federation of organised Trades and Labor Unions of
the United States and Canada$_« mit einem »_Legislative committee_« aus
5 Personen gegründet wurde. Aber obgleich einige Jahresversammlungen
abgehalten wurden -- auf derjenigen in Chicago im Oktober 1884
waren 400000 Arbeiter durch 200 Abgesandte vertreten -- hat es die
Organisation doch niemals zu wirklicher Bedeutung gebracht.
Hinsichtlich der $Statistik$ der gesamten amerikanischen
Arbeiterbewegung ist man auf private Angaben angewiesen, die um so
weniger zuverlässig sind, als viele Vereine ihre Mitgliederzahlen
absichtlich geheim halten. Aus älterer Zeit ist eine von der _American
Review_ für den 1. Januar 1885 veranstaltete Erhebung vorhanden,
nach der es damals 26 nationale und 15 internationale Gewerkschaften
mit zusammen 434550 Mitgliedern gab; doch waren dabei viele örtliche
Vereinigungen nicht mitgerechnet. Eine neuere Statistik hat die New
Yorker Volkszeitung veranstaltet und in ihrem Blatte vom 27. August
1892 veröffentlicht. Danach betrug die Mitgliederzahl: