Da wußte ich, wer die Kranke war. --

Nach einer längeren Pause strich mir Maren über den Scheitel und die

Schläfen. Sie hatte sich auf die Armlehne meines alten Sorgenstuhles

gesetzt und meinte sinnend: »Auch durch Nomines Schläfenhaare zieht

sich ein weißer Streifen.«

»Unsinn!« begehrte ich auf. »Das Mädchen ist vierundzwanzig Jahre alt.«

»Aber in diesen Weihnachtsferien um ein Jahrzehnt, wenn nicht um mehr

gereift ...«

Maren und ich verstanden uns ohne Worte. Ich fragte nicht, wie Nomine

den Anblick des veränderten Mutterhofes aufgenommen und verwunden

hatte, und erfuhr nicht, wie sich die Krankheit nannte, die sie

niederzwang. Ich weiß nur, daß ihr einziger Ausgang nach dem Friedhof

zu den beiden verschneiten Gräbern gewesen ist. Weiß auch, daß

Nomine jetzt im Ausland weilt, und daß sie auf ihren Wunsch über die

Heimathallig von Maren auf dem Laufenden erhalten wird.

So schlummert auch mein allzu lebendiger Groll nach und nach still

ein. Aber äußerlich wird dieses letzte Wiedersehen noch eine größere

Schranke denn vordem zwischen Nomine Holgers und mir errichtet haben.

Vielleicht werden wir uns jetzt jahrelang nicht wiedersehen. Sie wird

ihr Staatsexamen machen und in eine neue Welt eintreten. Ich aber will

weiter meine besten Kräfte aus der Heimat saugen, und ihr weiter mein

Bestes geben.

* * * * *

Seit einiger Zeit geht ein ungut Gerücht um.

Ich habe Müh’ und Not, es vor Maren zu bergen.

Man hat Edlef Holgers und Akke, geborene Luersen, in Hamburg zusammen

gesehen.

Warum sollen zwei Halligkinder sich nicht zufällig treffen können? Und

wenn Edlef wirklich längere Zeit mit ihr zusammen gewesen ist, so ist

das unvorsichtig, braucht aber keine Schlechtigkeit zu sein.

Wenn ich doch solche Zuträgereien von meiner Hallig verbannen könnte!

Sie passen so gar nicht zu unserer Einsamkeit, zu der tiefen,

besinnlichen Stille unserer Warfen!

Irgendeine fremde Eintagsfliege hat ein paar Staubkörner mit anderem

unnützen Tand auf die Insel gebracht.

Der Staub wuchs an, und nun bedarf es vieler Fäuste, um den

Schmutzhaufen fortzuschaffen.

Heute kam jemand zu mir und sprach davon mit ernstem Gesicht. Pastor

Ephraim Licht.

Dem mußte ich freilich zuhören. Denn ich weiß, daß ihm die Ehre seiner

Gemeinde am Herzen liegt.

Es wäre ja auch die allerernsteste Sache von der Welt ... _wenn_ ...

Aber dies »Wenn« würde ein Ehband zerreißen, würde Maren verzweifeln

lassen und Edlef zum Ehrlosen stempeln.

Und deshalb ist dieses »Wenn« ein Unsinn.

Das betonte ich auch dem Pastor gegenüber sehr energisch.

»Könnte man das Wort doch noch einfangen und unschädlich machen,« sagte

Pastor Licht traurig, »aber es hat schon Wurzel geschlagen ...«

»Wehe dem, durch den Ärgernis kommt.«

Für mich ist’s zum Lachen. Und dabei knirschte ich mit den Zähnen. --

Man raunt, Edlef sei der Vater von Akkes Kind. Pfui Teufel! --

* * * * *

Dieses kräftige Wort schrieb ich gestern abend.

Heute bin ich ganz frohgemut.

Denn ich bekam wieder Besuch. Ganz unerwartet -- einen Besuch, den ich

in Marens Mädchenstübchen einquartiert habe. Dort qualmt er den weißen

Betthimmel und die lichten Gardinen voll, aber er ist nicht zu bewegen,

herauszukommen.

Die Magd muß ihm auch das Essen hinbringen.

Ohm Rickert ist’s.

Ich saß wie immer des Nachmittags an meinem Werk. Da sprang die

Tür auf, und jemand stand vor mir. War er selbst hereingestürzt?

Hereingeflogen? Oder hatte ihn jemand hereingeworfen?

Nun entspann sich unser Gespräch.

»Ohm Rickert, Ihr werdet mit dem Alter immer stürmischer, wie’s

scheint.«

Keine Antwort.

»Nun, so seid willkommen und setzt Euch.«

Keine Antwort.

»Habt Ihr eine Bestellung von Maren?«

Keine Antwort.

»Ist etwas geschehen? Seid doch nicht wunderlich!«

Da sah er mich aus Jammeraugen an, legte sein großes, rotes Bündel

auf die Erde, und stand so mit verschlungenen Händen wie ein demütig

Bittender vor mir. Ich schüttelte den Kopf über dem Rätsel.

»Gebt mir um Gottes willen für diese Nacht Unterstand«, bat der alte

Mann. -- »_Maren hat mir die Tür gewiesen._«

Da mußte ich mich fest in meinen Ohrenstuhl setzen.

»Erzählt«, sagte ich kurz.

Er war noch ganz verbast.

»Gut hab’ ich’s gemeint«, murmelte er heiser. »Ist ja schier eine

Heilige, die Maren, deshalb glaubt der Schulmeister wohl selbst nicht,

daß ich ihr könnt was Böses antun. Aber ich konnt’s nicht mit ansehen,

daß die Maren, die junge Herrin vom Mutterhof, mit einer Binde vor den

Augen herumlief. Jeder guckte sie bedauernd an. Ich hab’ schon die

Gelbsucht gekriegt vor Ärger über die vielen Besucher in letzter Zeit,

die sich doch früher nicht blicken ließen. Und immer liefen sie zuerst

zur Wiege von der lüttjen Deern und beriefen das schöne Kind. Aber nur,

um zu sehen, ob das Schandgerücht wahr sei. Ob das Lüttje am Ende doch

die Holgersnäs hätt ... Lehr mich eins, die schadenfrohen Wiwer kennen.

Un da hab’ ich denn der Maren ...«

Ich packte ihn bei den Schultern und schüttelte ihn:

»Ohm Rickert! Unglücksmensch!« schrie ich ihn an. »Was ich verhüten

will, das tut Ihr so ohne Scheu? So alt und erfahren seid Ihr und wißt

nicht, daß ein junges Weib an so was sterben kann?«

»Schulmeister, da irren Sie sich. Die Maren kenn ich gut. Die ist

eine, die nicht geschont sein will. Die will allstunds der blutigsten

Wahrheit und Gewißheit ins Gesicht sehen. Aber davon ist hier gar keine

Rede. Wie ich nur so’n büschen angedeutet habe ... so ganz verblümt ...

nur so in aller Liebe für meinen Augapfel Maren, da horchte sie schon

scharf auf. Und wie ich so’n beten ins Tühnen komm, ganz sachtgen von

Edlef un Akke und ... dem lütt Soggerpöös, ... da war ich auch schon

draußen. Nicht, daß sie mich angerührt hätte, sie sprang nur auf, so

rasch und zornig ... nie hab’ ich sie so gesehn. Und zeigte nach der

Tür. Nie, -- und wenn ich hundert Jahr alt werde, nie werde ich den

aufgehobenen Arm vergessen, der dem alten Mutterbruder Rickert die

Tür wies.« Der alte Mann schluchzte. »Ich hab’ dann rasch mein Bündel

gepackt, wußt ja zuerst rein nicht wohin. Da fielen Sie mir ein,

Schulmeister. Aber die Maren, die hört ich gleichdrauf singen und mit

Klein-Anni scherzen, -- wie wenn nix wär.«

Ich drückte seine Hand, sprach kein Wort, sondern brachte ihn am

hellerlichten Tage mit einem Teepunsch zu Bett. Und dann ging ich

wieder in mein Arbeitszimmer und lachte, und atmete froh auf aus

tiefstem Herzensgrund.

Du söte, du fixe Deern! Dem Verleumder deines Gatten die Tür zeigen

und dann herzlich lachen. Das ist Lebensweisheit, deiner würdig, meine

Marenschwester! --

* * * * *

In der hellen Frühlingsonne stand Manne Wögens vor seinem

Schulhause. Es war erst sechs Uhr morgens, und er hielt seinen

stillen Dankgottesdienst, wie er es alltäglich tat. Denn es gab

täglich unendlich viel zu freuen, wie er in seinem dankbaren Herzen

feststellte. Und so erzog er auch seine Nachbarn und alle Schulkinder

und durch diese wieder die Eltern zur nimmermüden Dankbarkeit. Eine

feste, unangefochtene Gesundheit hatte er durch den Halligwinter

gebracht. Die gebrochene Hand war gut geheilt und ersparte ihm außerdem

das Barometer, denn sie zeigte in rührender Beflissenheit an, wenn sich

das Wetter ändern wollte. Sein Halligbuch gedieh ihm zur Herzensfreude.

Er hatte das Glück gehabt, in Berlin einen Verleger zu finden, der

sich für seine Arbeit interessierte. Er war persönlich bei ihm gewesen

und hatte ein paar anregende Tage in der fleißigen, nimmer rastenden

Großstadt verlebt. Nun schaffte er in großer Freude in dem Gedanken,

daß sein Werk nach der Vollendung weiter in guten Händen sein werde.

Ohm Rickert weilte noch bei ihm. Der arbeitete unermüdlich in Hof und

Garten und verdiente sich reichlich das Brot, das Manne Wögens ihm gab.

Denn durch Ohm Rickerts Hilfe war der Lehrer entlastet und konnte sich

nach den Unterrichtsstunden mit ganzer Hingabe seiner Arbeit widmen.

Auch Peder Luersen war ihm durch Ohm Rickert abgenommen worden. Der

Kranke hatte sich rasch an seinen neuen Pfleger gewöhnt.

Nach dem Mutterhof war Manne Wögens noch nicht wieder gekommen. Er

hatte durch Onnen hinsagen lassen, daß Ohm Rickert von ihm aufgenommen

sei. Nun wollte er Maren erst einmal in voller Ruhe das häßliche

Gerücht verwinden lassen. Er wußte, daß sie ihn suchen würde, wenn sie

des Bruders bedurfte. --

Der strahlende Sonnenaufgang verhieß einen frohen Tag.

In Manne Wögens’ Augen leuchtete ein helles Willkommen für das, was er

bringen würde.

»Dat is mit der Sonne grad so, wie mit den meisten Weltsachen und auch

mit den meisten Menschen«, sagte Ohm Rickert, der schon eine ganze

Weile hinter dem Lehrer stand, ohne daß dieser ihn bemerkte. »Sie

versprechen eine ganze Menge und dann halten sie’s nicht und narren

uns.«

»So kritisch?« lachte Manne Wögens. »Sind wir mit dem linken Bein

zuerst aus dem Bett gestiegen? Das gibt’s nicht im Schulhause. Schaut

nur weiter in die Sonne, Ohm Rickert, und auf unsere schöne, liebe

Hallig. Sie lacht nicht oft so, wir wollen’s wahrnehmen. Rein Hart,

klar Kimming!«

Ohm Rickert schüttelte den Kopf.

»An dem Lehrer erkenn ich den Schüler. Dem Onnen Holgers muß ich auch

des öfteren sagen: ›Lösch din Lichters ut, mien Jung, es kümmt anners,

as du dacht harst.‹«

»Nun, -- und?«

»Dat möt ik hüt ok dem Scholmeester seggen.«

»Man zu. Es wird nicht viel nützen, denn ich hab heut ›Spring im Herz’

und Sing im Leib‹, wie meine Großmutter zu sagen pflegte.«

»Schulmeister, -- -- das Bett von Peder Luersen ist leer. Und im

nächsten Umkreis vom Schulhaus ist er nicht zu finden.«

Manne Wögens erschrak heftig. »Das ist freilich böse Botschaft. Aber

ich kann mir nicht denken, daß er sich ein Leides angetan hat.«

»Ein Leides? Mich dünkt, es wär’ die größte Wohltat, die der da oben

für den arm Stackel haben könnt ...«

»Wir müssen uns gleich aufmachen«, gebot der Schulmeister hastig. »Ich

laufe zur Kirchwarf. Möglich, daß sein kranker Geist sich plötzlich

erinnert und die Ertrunkenen dort sucht ... Auf meine Schulkinder kann

ich mich verlassen. Die beschäftigen sich schon selbst, wenn sie mich

nicht vorfinden. Ich lege ihnen einen Zettel hin.«

»Tun Sie das, Schulmeister. Und ich such’ auf der andern Seite. Wenn

Nahbar Luersen nicht schon in der Ewigkeit ist, dann soll er her.«

So trennten sie sich.

Ohm Rickert humpelte nach dem Nachbarhause und durchspähte das Wrack.

Stieg im verschlammten Gärtchen umher, an welches seit dem Unglück noch

keine ordnende Hand gekommen war. Aber Vadder Luersen war nicht zu

entdecken.

Ohm Rickert sprach nach seiner Gewohnheit mit sich selbst. »Die größte

Möglichkeit wär’, dat he, wat Luersen is, sich nach dem Mutterhof

verlaufen hätte. Denn die Maren tut’s jedem an. Aber mich bringt

niemand nach dem Mutterhof.«

Immer wiederholte er dies Gelöbnis, trotzdem seine Füße längst den Weg

nach der Großwarf eingeschlagen hatten. »Nicht zehn Pferde ziehen mich

allmeindag auf das Flag, wo man die Hand gegen mich aufgehoben hat ...«

Damit fing er auch schon an zu laufen. So gut es sein Gliederreißen

gestatten wollte, ging es geradenwegs dem Mutterhof zu. Denn sein

immer noch recht scharfes Auge hatte da etwas entdeckt. Er hatte es

bald erreicht und hob das schmutzig weiße Bündel auf. Dann lief Ohm

Rickert weiter und pustete und schnaufte gefährlich, denn sein altes

Herz schlug heftig gegen die Rippen. Seine Angst war groß, und mit ihr

stritt sich noch allerhand Unbekanntes und Uneingestandenes in seinem

Innern.

Von der Treppe, die von der Großwarf nach den Fennen führte, kam jemand

herunter gestolpert. »Christ Kyrie, wo wollt Ihr hin, Vadder Luersen«,

fragte Ohm Rickert und hielt den Kranken fest. Der erschrak heftig,

lachte aber gleich drauf. »Baden. Klein-Akke baden«, lallte er.

Und wandte sich zum nahen Priel.

Mit der Linken hielt Ohm Rickert ihn fest. Mit der Rechten löste er das

kleine, schlafende Wesen aus Peder Luersens Arm.

Da warf sich der Irre in jäher Wut auf ihn. Beide fielen sie zu Boden.

Aber Ohm Rickert schützte das Kind mit seinen Armen. Und ehe der

Kranke sich wieder aufrichten konnte, hatte Rickert die Kleine weit von

sich geschoben in dichte Bonnestave hinein. Es war erwacht und schrie

jämmerlich. Vadder Luersen hörte die Klagetöne und warf sich aufs neue

auf seinen Feind. Da rief Ohm Rickert gellend zum Mutterhof hinauf:

»Maren! Maren!«

Es kam rasche Hilfe. Bei dem guten Wetter arbeiteten alle draußen im

Hof und Garten. Maren rannte allen voran die Stufen hinunter. Sie und

der rasch nachfolgende Knecht rissen den Kranken zurück. Er lachte

gleich wieder, als er Maren sah, und ließ sich willig vom Knecht

führen. Das schmutzige Kissen war auf die Erde gefallen, er hob es auf

und schaukelte es heftig. --

»Christ Kyrie, das Lütte«, rief die Magd, und kniete bei Klein-Anni. --

Maren stand vor Ohm Rickert. Er blutete aus vielen Kratzwunden.

»Stützt Euch auf mich«, bat Maren liebreich und führte den Erschöpften.

Der erzählte ihr stockend, was vorgefallen. Dann wandte er sich

finster. »Ich gehör’ nicht hierher, -- du hast mich fortgewiesen,

Nichte Maren.«

»So führ’ ich Euch nun wieder hinein.«

Sie legte ihr weißes Halstuch um seine zerschundene Hand. »Uns ist

beiden weh geschehen«, sagte sie sanft. »Nun muß ich Euch danken,

Ohm Rickert, daß Ihr mir das Pflegekind rettetet. So seht Ihr, daß

Gott Euch auf dem Mutterhof braucht und ich auch. Ihr seid mir sehr

abgegangen all die Tage, Ohm Rickert ...« Da war er schon wieder in

ihrem Bann.

Und ließ sich geduldig in seine alte Behausung geleiten und all die

häßlichen Schrammen von der weichen Hand verbinden. Und wie Frau Maren

über ihn geneigt stand, raunte er an ihrem Ohr: »Ich denk allstunds gut

vom Edlef.«

Da wurde ihr Gesicht sehr blaß und sie trat ein wenig zurück. »Das

_muß_ auch jeder tun in diesem Hause«, sagte sie fest. »Sonst müßt ich

selbst dem Wunden dies Dach wieder verbieten. Sprecht nie mehr davon,

Ohm Rickert, wenn Ihr mich lieb habt.«

Als nach einer Stunde Manne Wögens kam, ganz voll Sorgen über den

Verbleib seines Schützlings, fand er ein sehr friedliches Bild.

Vadder Luersen saß still an Klein-Annis Wiege, hielt das Wiegenband

und bewegte sacht damit die Schwengel, wie er es von der ihm

gegenübersitzenden Mutter Holgers sah. Das Kissen hatte man ihm

fortgenommen.

Die Geschwister besprachen ernst den Fall.

»Du kannst ihn nicht bei dir behalten«, meinte Manne Wögens besorgt.

»Das Kind würde immer gefährdet sein.«

Maren sah ihn ratlos an.

Der Lehrer legte die Hand auf die Schulter des Kranken. »Kommt, Vadder

Luersen, wi willn nah Hus’.«

Aber Vadder Luersen achtete nicht darauf, und als ihn Manne fortziehen

wollte, widersetzte er sich heftig und zugleich voll Angst.

»Laß ihn«, bat Maren. »Das verstört ihn mir wieder ganz. Ich will Ohm

Rickert bitten, daß er sich hereinsetzt und auf ihn aufpaßt. Wir müssen

dann mit dem Pastor sprechen, wie es weitergehen soll.«

»Wenigstens singt er doch das schreckliche Lied nicht mehr«, meinte

Mutter Holgers. »Es kann wohl noch besser mit ihm werden. Und Platz zum

Schlafen hat auch der Mutterhof für ihn.«

Maren geleitete den Bruder zur Haustür.

»Du hast dir viel Sorge aufgeladen, Marenschwester«, meinte er trübe.

»Du siehst müde aus.«

»Nicht doch«, wehrte sie. »Das war nur heute ein bißchen viel, so in

aller Herrgottsfrühe. Sorg’ dich nicht um mich. Der Ohm Rickert ist ja

nun wieder bei mir ...«

Manne Wögens schüttelte lächelnd den Kopf. »Wie du den gezähmt hast,

Maren. Wo ist sein loses Maul geblieben? Weißt du, daß er dich eine

Heilige nennt?«

Maren errötete. »Das ist ja Unsinn! Er weiß nur, daß ich Schluderworte

nicht hören mag.« Sie sah lieblich lächelnd den Bruder an. »Manne, wo

sollte wohl Ohm Rickert ›Heilige‹ kennen gelernt haben?«

Der Mutterhof: Ein Halligroman · 第 35 / 46 题