»Nicht so, Manne. Nicht beklagen. Ich habe alle meine Kraft so gerade
eben beisammen. Mitleid ... das könnte mich umwerfen.«
»Wie lange will Edlef fort?«
»Auf ein halbes Jahr, oder ein ganzes ... ich weiß es nicht.«
»Wir zwei wollen viel zusammen sein, mein Deern.«
»Ich will _viel_ arbeiten, Mannebruder. Daran werde ich gesunden. Der
Mutterhof hat einen Reichtum an Arbeit für mich ... Ich will auch Akkes
Kind behalten. Die Mutter ist auf und davon, und der Großvater ...« Sie
zeigte auf den Irren.
»Du starkes Herz!« sagte Manne Wögens. Und er küßte seine
Marenschwester auf das schlicht gescheitelte Braunhaar. »Geh’ jetzt«,
bat er dann liebreich. »Dein Bleiben ist auf dem Mutterhof. Wenn du
den Onnen entbehren kannst, schickst du mir Bericht, und ich gebe ihm
Nachricht von mir mit. Vadder Luersen bleibt bei mir, bis Fürsorge
getroffen ist, wo er unterkommt. Du siehst, er ist wie ein Kind. Mein
alter Knecht und ich bringen ihn jetzt zu Bett.«
»Ja, ja, ins Bett«, greinte Vadder Luersen. »Slaap, slaap, mien
Zockerpopp ...«
Da führte Manne Wögens seine Marenschwester hinaus.
Es war ihr unmöglich, noch einmal an Vadder Luersens Haus
vorbeizugehen. Ihre Nerven waren überreizt. Ihr schien es, als griffen
Arme und Hände von dort herüber nach ihr. So grauenvoll dünkte sie das
tote Haus. Und doch schritt Maren gleich rechter Hand den Weg hinunter
zur Kirchwarf hin. Trotzdem sie wußte, daß dort die Leichen aufgebahrt
lagen. Aber aus dem Pastorat schien ihr eine tröstliche Fernwirkung
zu kommen. Sie sehnte sich nach der gütigen Frau Luischen, nach dem
ernsten, verstehenden Lächeln des Seelsorgers. Und sie sah in Gedanken
an heiliger Stätte die ausgebreiteten Arme dessen, der gesagt hatte:
»Kommt alle her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!«
Pastor Licht und seine Frau traten gerade aus der Kirchtür. Sie gingen
wie zwei, die viel Leid tragen. Und man sah ihren bewegten Zügen an,
wie mächtig das, was da drinnen lag, ihr Inneres aufgerührt hatte.