»Ahne und Frau Mutter, macht mit uns, was ihr wollt. Nur zusammen tut
uns, meine Maren und mich. Aber wenn ich euch nachgeb’, dann müßt ihr
mir auch zu Willen sein und Frieden mit dem Pfarrer machen ...«
Die Großmutter sah ihn ernst an.
»Noch bin ich die Ahne«, sagte sie herb. »Und noch lebt deine Mutter.
_Du_ bist _Jung_-Edlef, vergiß das nicht ...«
Dann war er allein. Verblüfft sah er ihnen nach. Aber der gute Humor
behielt die Oberhand. »Sie meint’s gut«, rief er sich selbst zu. »O du
meine feine Maren, wie wirst du erschrecken, wenn all das närrische,
alte Halligtreiben über dich hereinbricht. Aber sollt ich der Ahne weh
tun? Und der Mutter? Und auf meinem Kopf bestehen?«
Er stellte sein Buch in das schlichte braune Regal zurück, nicht ohne
vorher liebevoll über die Seiten zu streichen.
»Du Großer! Wie hast _du_ dich ducken müssen! Wie hat man dich
geknechtet und gequält! Geschlagen und geschunden! Und doch bist
du immer wieder zum harten Vater gekommen und hast um Verzeihung
gebeten, weil du streng das vierte Gebot hieltest. ›Auf daß es dir
wohl gehe ...‹ Ja, du warst wahrlich ein _Großer_! Und als man deinen
liebsten Freund vor deinen Augen erschoß -- -- selbst da bliebst du
groß, einzig! Und auch der tote Freund hinterließ dir nur das Wort
›beuge dich!‹ -- Und ich, -- ich Kleiner, ich ›Wittenslicht‹ sollte
aufbegehren?«
So philosophierte Edlef und philosophierte sich »bei klein« in seinen
guten Anzug hinein, denn er mußte ja nun notwendig noch einmal zu
Maren, um die neue Hochzeitsordnung mit ihr zu besprechen. --
* * * * *
Andern Tags in aller Frühe kamen die Hochzeitsbitter mit eilfertigen
Riesenschritten zu den angesehensten Halligbauern gelaufen. Sie
schwenkten ihre Stäbe und riefen vor der Haustür mit gellender Stimme:
»Göh Dai! Göh Dai!« (Guten Tag, Guten Tag!) Dann öffneten sie selbst
die Stubentür, und kaum verständlich schrien sie gleichzeitig ihre
Einladung heraus: Edlef Holgers und sin Brud Maren Wögens leht Jam
badde Datt am söh wohl dühn en kamme en Freidai en fuhn watt Deerds mä.
Fahre wohl, kam fliitig tho öhs.[1]
[1] Edlef Holgers und seine Braut Manne Wögens lassen euch
bitten, daß ihr so gütig seid und kommt auf den Freitag und
nehmt das Mittagmahl mit ihnen. Gehabt euch wohl! Kommt
fleißig zu uns!