Ein interessantes Aktenstück, das ich der Güte des Herrn Hofrat

Professor _Seyfert_ verdanke, gibt Kunde von einer Reparierung der

Dächer und Aufsetzen des neu vergoldeten Turmknopfes im Jägerhofe und

enthält noch mancherlei wissenswerte Einzelheiten aus der Zeit um 1671;

es sei hier auszugsweise wiedergegeben: »Demnach der Durchlauchtigste

Hochgeborene Fürst und Herr, Herr Johann Georg der Andere, Hertzog zu

Sachßen, Jülich, Kleve und Bergk des Heil. Röm. Reichs Ertz-Marschall

und Churfürst Landtgraff in Düringen, Marggraff zu Meißen, auch

Ober- und Nieder Lausitz, Burggraf zu Magdeburg, Graff zu der Marck

und Ravensberg, Herr zum Ravenstein, Unser allerseits gnädigster

Herr und gütigster Landes-Vater, Bey nothwendiger Reparierung dieses

Churf. Sächß. Jägerhauses und derer Dächer-Außbeßerung, unter

andern auch diesen Thurm besteigen, und selbigen Knopff, weil er

ziemlich wandelbar befunden, den 15. Septembris des 1671sten Jahres

herunter nehmen, hingegen diesen sambt der Fahne gantz neu verfertigt

vergüldeten, den 19ten dieses umb 2 Uhr wieder hinaufsetzen lassen,

haben Höchstermeldte Ihr Churf. Durchl. der werten Posterität zu gutem

Andenken in gegenwertigen Knopff, welcher guter 3. Viertel übern

Diameter, nachfolgende kurtz entworffene Nachricht hinein zu legen und

zu verwahren vor gut befunden und gnädigst anbefohlen, Und zwar, so

soll anitzo nicht weitläuffig berühret, was etwan im Römischen Reich

und andern Orten hin und wieder dieses Jahr geschehen, welches denen

Historien: Chronic und Novellen Schreibern zu überlassen, sondern

nur dieses, was vor weniger Zeit allhier in unsern Landen geschehen.

Wir haben Gott lob und Danck wohlfeile Zeiten, wir wissen von keiner

ungesunden Lufft und graßirenden Seuche, keine so wohl öffentl. als

innerlichen Kriege und rebellion, sondern es blühet und grünet annoch

heutigen Tages bei unß der Anno 1648 durch göttliche Gnade im Heil.

Röm. Reich allgemeine sowol Religion- als Profan Friede, daß dannenhero

dero Churfürstenthum und Lande an Einwohnern und Unterthanen sehr wohl

zugenommen, also daß sowohl in Städten als Dörffern die liebe Jugend

in starker Anzahl heran gewachßen und daß Land sich umb ein merkliches

gebessert, zu welchem ende dann Unser gnädigster Herr aus Landes

Väterl. Vorsorge in seinem gantzen Lande anitzo eine Revision durch

die Herren Ober Consistoriales und hierzu verordnete Commißarien unter

denen geistlichen angestellet die schwachen Pfarren sonderl. aufm Lande

und in den Dörffern von dem benachbarten verstercket, die starcken mit

einsetzung noch eines pfarrers, damit der Gottesdienst desto besser

und füglicher abgewartet, einem Seelsorger auch sein Ambt nicht so

schwer wird: Zertheilet, die Winckel Schüler abgeschafft, hingegen

die öffentlichen Stadt- und Landschulen erweitert ... Inzwischen ist

nicht zu vergessen, daß an der vor drey Jahren durch einen starcken

unversehenen Donnerschlag hohen biß auff den innern Gang gantz

herunter geschlagenen Kreutzthurm Haube und Seiten Thürmchen, nach der

Schule zu in Neu-Dresden, wie auch in diesem Jägerhause nechst den

Bärengarten an einem Löwenhause (so den 8ten July instehenden Jahres

von Churf. Durchl. selbst eigner Person, neben hohen Cavalieren und

hierzu verordnete Baumeister durch legung des Ersten Grundsteins zu

bauen angefangen worden) annoch sehr starck gearbeitet wird, zu dem

ende, damit Stadt Dresden desto ehe wieder gezieret und die beyden

vom Großhertzog von Florentz Ihr Churf. Durchl. von dort aus allhier

nacher Dreßden zu einem Präsent geschickten Löwen, welche nach einem

verflossenen Jahre drey junge Löwen, als in diesen Landen noch nicht

erhört, gezeuget und zumahl wegen des alten in Neu-Dreßden zu kleinen

und sehr baufälligen Löwenhauses [in der Schössergasse] wie auch

besserer Lauff und Bequemlichkeit vor Selbige, mit der Zeit hinein

gethan würden, umb so viel desto mehr und weiln die hiergezeugten

Jungen Löwen eine fürtreffliche rarität beym Hause Sachsen sind, soll

dieses itztgedachte Löwenhauß vor eilff Wochen nunmehr angefangen

und zehn Ellen über die Erden aufgeführt, auch zu einer sonderbaren

künftigen Zierde des Jägerhauses, der vierte Theil davon noch vor

winters ins Dach gebracht werden. Im übrigen ist zum Schluß zu

vermelden,

Was an Churf. Durchl. und dero Bedienten damahls noch am Leben gewesen

als:

Churfürst Johann Georg der Andere dieses Namens als itzt regierender

Herr und Churfürst, sambt dero Vielgel. Herrn Brüdern als: Hertzog

August zu Halle, Hertzog Christian zu Merseburg und Hertzog Moritz zu

Zeitz, wie auch derselben allerseits jungen Herrlein und Fräulein die

Durchlauchtigste Churfürstin zu Sachßen, Frau Magdalena Sibylla geb.

Markgräfin zu Brandenburg. (Folgen die übrigen Prinzen.)

Die Barmhertzigkeit des Höchsten lasse das Churhaus Sachßen

zu mächtigen Schutz und Schirm der Evangelischen reinen Lehre

unveränderter Augsburgischen Confession unter den Fittichen seiner

väterl. Huld kräftiglich erwachsen, für allen geist- und leibl. Feinden

siegreich bestehen und in seinem allerheyligsten Namen zeitlich und

ewig gesegnet seyn!

Von Jägerey Bedienten:

Der Oberjägermeister Herr Loth. von Bomsdorff auf Medingen, der

Oberforstmeister Herr Wolff Siegm. von Pflug, der Pirschmeister Herr

Johann Georg Sittich, der Wagenmeister Herr Christian Angermann.

Von Steinmetzen, Maurern und Zimmerleuten:

Nikolaß Sauter, Hofsteinmetz, Andreas Hoffmeister und Jakob Richter,

beyde Hofmaurermeister, Caspar Hempel, Jägermaurermeister, Matthes

Schumann, Hofzimmermeister, Michel Fuchs, Jagtzimmermeister.

Von Bau-Ambts Bedienten:

Der Oberlandbaumeister Wolff Caspar von Klengel auf Radeburg und

Nauendorff, welcher zu itztgedachten Löwen Hause die invention gegeben

und der Landbaumeister Johann Albert Eckart, welcher gedachtes Gebäude

fortstellet.«

Neubauten entstanden noch 1720, 1722, 1723. Im Jahre 1740 kam der

90 Ellen lange und 14 Ellen breite englische Hundestall hinzu.

1743 beantragte der Oberhofjägermeister Graf Wolffersdorf den Bau

eines Stockwerks auf das große Vordergebäude des Jägerhofes als

Dienstwohnung für sich und erbot sich, die Baukosten von 10000 Talern

gegen ratenweise Rückzahlung vorzuschießen. Das Bauholz wurde der

Heide entnommen. Nach einem Plan, der die Lage des Jägerhofes ums Jahr

1750 zeigt, enthält dieser folgende Gebäude und Plätze: Der Jägerhof,

ein freier Platz, auf dem Wassertröge für die Hunde und einige große

Linden standen, wurde umsäumt nach Westen von dem langen und alten

Zeughaus, das nach Süden in das Hauptgebäude nach der Straßenfront zu

überging, dasselbe enthielt im Parterre die englischen Hundeställe,

darüber war der große Jägersaal. Im Parterre waren noch die Reise-

und Jagdwagen untergebracht. In dem anschließenden westlichen Flügel

war die Pirschmeisterwohnung. Auf der anderen Seite des Eingangstores

war das vordere hohe Zeughaus. Der Jägerhofplatz wurde nach Norden

abgeschlossen durch das Wildbretgewölbe, den Hundezwinger und das

Jägerwirtshaus. Hinter diesem Gebäudeblock war zunächst das hohe

Zeughaus, von ihm durch einen schmalen Gang getrennt die Gebäude für

die wilden Tiere: die sogenannten Affenstuben, Tiger- und Löwenfänge

und die Wohnung für den Löwenwärter. Die ganze Anlage hieß das

Löwenhaus, zu dem noch ein großer freier Platz gehörte. Gleich neben

dieser Anlage befand sich der Bärengarten mit dem Bärenfang. Der

Bärengarten wurde nach Süden von einem Wagenschuppen, nach Westen

vom sogenannten Winterlager und nach Norden von den Ställen für die

Kommissariatspferde abgeschlossen. Weitere Plätze waren noch der

Jagdzimmerhof, Jagdröhrenhof und Auslaufplätze für die Hunde.

Es liegt auf der Hand, daß bei so einer großen Anlage fortwährend

kleinere Umbauten, Reparaturen usw. sich nötig machten, daher man auch

besondere Handwerker anstellte, z. B. Jagdtischler, Jagdschlosser,

Jagdglaser. So z. B. wurden 1728 vier Fänge neu gemacht für das

Löwenhaus. Der vom Zimmermeister Johann Breißner gemachte Anschlag von

119 Taler 23 Groschen 3 Pfennig wurde vom damaligen Landbaumeister

Pöppelmann geprüft und auf 107 Taler 2 Groschen herabgesetzt. Die

Glanzzeit des Jägerhofes fällt entschieden in die erste Hälfte des

achtzehnten Jahrhunderts, aber auch schon Mitte des siebzehnten

Jahrhunderts waren die Hundeställe und Menagerie gut besetzt, wie aus

einem Bericht aus dem Jahre 1654 hervorgeht. Es kamen nämlich wegen

einer Auseinandersetzung in der Jülich-Hatzfeldschen und Erfurtischen

Sache auf Veranlassung des Kurfürsten Johann Georg I. der ~Dr.~ Georg

Franzke, Fürstl. Sächs. Geh. Rat und Kanzler zu Gotha, und ~Dr.~

Rudolf Wilhelm Krauße, Fürstl. Sächs. Konsistorialrat zu Weimar, nach

Dresden und besuchten außer andern Sehenswürdigkeiten auch das Jagdhaus

in Altdresden. An Jagdzeug ohne Reh-, Wolf- und Hasennetze waren

über dreihundert Fuder zu finden, ohne die, die die Kurfürstlichen

Forstmeister auf dem Lande hatten. Mit den Netzen konnte man fünfzehn

Meilen Weges stellen. Drei große Häuser mit allerhand Jagdzeugen waren

vorhanden, in welchen die Wagen vierfach standen.

Über das, was die Zeughäuser des Jägerhofes enthielten, sind wir

genau unterrichtet, da aus dem Jahre 1725 ein Inventurverzeichnis,

angefertigt vom Proviantverwalter Johann Friedrich Heylandt, vorhanden

ist. Es waren vorhanden: 22 Fuder und 2 Tücher, hohe Tücher so

grüngefärbete. – 2 Fuder Schuß-Tücher, an 4 Tüchern. – 1 Fuder hohe

Zwilligten Tücher, an 5 Tüchern so bey Lustjagen aufm Schloßhofe wie

auch im Jägerhofe gebrauchet worden. – 14 Fuder Mittel-Tücher, an

42 Tüchern. – 9 Fuder Schmahle Tücher, an 27 Tüchern. – 1 Quertuch

mit dem gemachten Churf. Wappen. – 4 Lauff-Flügel-Tücher. – 6 Fuder

dänisches Zeug, an 36 Tüchern, 5 Tücher oder sog. Fußlappen. – 18 Fuder

und 1 Gebund Hirschlappen, an 361 Gebunden. – 9 Fuder Fang-Netze,

an 25 Netzen. – 1 Fuder Fang-Netze so schwächer, an 13 Netzen. –

2 Krumb-Ruthen-Netze. – 5 Fuder Spiegel-Netze, an 11 Netzen. – 7

Prell-Netze. – 1 Quertuch-Netze. – 3 Rehe-Netzgen, ums Rehehäusgen zu

stellen. – 11 Rehe- und Hasen-Netze. – 110 Wolfs-Netze. – 1 Netz in

Fuchszwinger gehörig. – 2 Kaninchen-Netze. – 60 Lerchen-Schlebnetze.

– 90 Zwilligtne Wagendecken. – 90 Wagen mit zugehörigen Hemmketten

und Vorläge-Wangen, Zum Hohen-, Mittel- und dähnischen Tüchern,

Lappen und Netzen. – 1 Rock-Wagen. – 1 Wirck-Wagen. – 1 Wagen zur

Blauhuts-Mondur. – 1 Wagen mit der Feldschmiede. – 2 Pirsch-Wagen. –

1 Roll-Wagen. – 5 Schirmwagen. – 1 langer Hunde-Wagen. – 4 Wagen zum

Hirsch-Kasten. – 1 Wagen zum Rehhäusgen. – 1 Kalesche zur Hirsch- und

Schweins-Waage. – 4 eiserne grüngemahlte Gitterwagen vor die Löwen,

Tiger und Bäre. – 3 Bären-Wagen [mit denen die im Lande gefangenen

Bären aus den an verschiedenen Orten z. B. Hohnstein, Augustusburg

befindliche Bärengärten nach Dresden in den Jägerhof transportiert

wurden]. – 9 Zeug-Schlitten, worbey das Stellzeug an Forrkeln,

Gabeln, Schlegeln, Haarken, Krum-Ruthen, Äxten, Picken, Stickeln,

Radehauen, Lampen und Wagen-Winden, desgl. die Bären-, Hirsch-, Sau-,

Wolfs-, Lux-, Fuchs- und Haasenkästen, nicht weniger die Schieß- und

Hundeschirme, Fürstenhäusergen [aus denen die Fürstlichkeiten bei

eingestellten Tagen das Wild beschossen], Fuchsprellen, Wolfs- und

Fuchszeugen, Wolfskeulen, Biber- und Fischottergabeln, auch wenn

was sonsten zur Jagerey gehörig, wegen dessen Weitläufigkeit, nicht

spezificiert ist.

[Illustration: Abb. 1]

Nach diesem Verzeichnisse des Proviantverwalters Heylandt kann man

ermessen, wie große Anforderungen an die Jägerei gestellt wurden

und wie umständlich der Jagdbetrieb in der damaligen Zeit sich

gestaltete. In dem bekannten Werke von Fleming: »Der Vollkommene

Teutsche Jäger«, Leipzig 1719 finden sich nähere Angaben über die

damals üblichen Jagdmethoden. Leider ist uns vieles von diesen

Jagdgerätschaften verloren gegangen, aber vieles findet sich vielleicht

noch in den Forstämtern und auf dem Lande zerstreut unbeachtet vor,

dessen Erhaltung und Sammlung aus heimatlichem Interesse äußerst

wünschenswert wäre. Wie schön und erstrebenswert wäre es, wenn in

dem jetzt noch erhaltenen Teile des Jägerhofes, in unserm herrlichen

volkskundlichen Museum, alles das gesammelt und aufgestellt würde,

was von der Altsächsischen Jägerei noch erhalten geblieben ist. Unser

Hofrat _Seyfert_ würde sich gewiß einer solchen Sammlung gegenüber,

die so recht eigentlich im Jägerhof am rechten Platz ist, nicht

ablehnend verhalten und ihr ein bescheidenes Plätzchen einräumen. Es

hat sich auch zu diesem Zweck ein Ausschuß gebildet, denen Herren vom

Deutschen Jagdschutzverein, höhere Forstbeamte und Mitglieder des

Landesvereins Sächsischer Heimatschutz angehören. Hoffentlich nimmt

dieser Ausschuß bald Veranlassung, mit einem diesbezüglichen Aufruf an

die Öffentlichkeit zu treten und zur Sammlung und Ablieferung alter,

auf die Jagd bezüglicher Gebrauchsgegenstände aufzufordern.

Von lebendem Inventar waren in den Hundeställen vorhanden: 37 große

englische Doggen und Bärenbeißer, jeder an einer eisernen Kette, 30

Leithunde, 20 Jagdleithunde, 20 Besuchknechtsleithunde, 40 Hirschhunde,

40 Koppeljagdhunde, 5 Leib- und Kammerhunde, 50 englische Hunde, 40

Saufinder, 50 Dachsschleifer, 20 Streichweidhunde. In besonderen

Behältnissen waren damals 40 Bären zu sehen. Im Löwenhaus befanden sich

zwei weiße Füchse, ein Kreuzfuchs, ein indianischer Fuchs, 25 Luchse,

vier weiße und ein schwarzer Bär, ein Tigertier, gelb mit schwarzen

Flecken (also wahrscheinlich ein Leopard), ein Löwe, eine Löwin, jedes

in einem absonderlichen Behältnis, ein »halber Pavian« und ein Affe.

Die ausländischen wilden Tiere wurden teils angekauft, teils erhielt

sie der Kurfürst als Geschenk von anderen Fürsten. So erhielt König

Friedrich August I. vom König von Schweden 1731 einen Löwen, zwei

Löwinnen, einen Tiger, eine indische Katze, Tiere, welche ihm selbst

vom Dey von Algier und Tunis geschenkt und durch einen aus Holstein

stammenden freigelassenen Sklaven überbracht worden waren. 1728 erhielt

er vom Markgrafen von Bayreuth vier Tiger geschenkt. Es scheint

übrigens, als ob es sich öfter statt Tigern um Leoparden gehandelt

hat, da auch die Wendung: »ein gefleckt Tigerthier« vorkommt. Der

König Friedrich August I. kaufte auf der Leipziger Ostermesse 1727

drei Affen, ebenso 1731 ein Stachelschwein, 1729 eine Löwin, einen

Tiger, einen Pavian, ein »arabisch Tier«; 1726 wurden erworben ein

schwarzer Fuchs, Mammarcke genannt, und ein roter afrikanischer Fuchs

(wahrscheinlich Schakal). Im Jahre 1730 rüstete _August der Starke_

sogar eine Expedition nach Afrika aus, mit der Aufgabe, seltene Tiere

entweder lebendig oder in Häuten, Skeletten oder Abbildungen zu

erlangen.

K. von _Weber_ hat über diese _sächsische Expedition nach Afrika_

genaueres im Archiv für die Sächsische Geschichte (Bd. III, 1865)

berichtet. Der Leiter der Expedition, _Hebenstreit_, studierte in

Leipzig Medizin und ward 1729 Doktor. Durch den ihm befreundeten

Leibmedikus von Heucher wurde er dem König empfohlen, dem er einen

Plan einer Entdeckungsreise nach Afrika zur Erlangung seltener Tiere

und Pflanzen entwickelte. Der Plan fand den Beifall des Königs, der

Hebenstreit veranlaßte, sich tüchtige Reisegefährten auszusuchen. Er

wählte als Zeichner Chr. Aug. Ebersbach, als Botanist Chr. Gottlieb

Ludwig, als Anatomist Zach. Phil. Schulze, als Mechanist Joh.

Heinr. Buchner, als Maler Chr. Friedr. Schuberth. In Hebenstreits

Instruktion war bestimmt, daß er in Afrika »für die königlichen

Cabinette und die Menagerie Thiere, Vögel, Kräuter, Blumen, Gewächse,

Steine nebst anderen Dingen, für welche er eine aparte Spezifikation

bekommen, sammeln solle« usw.; lebendige Tiere sollte er in mehreren

Exemplaren kaufen und zu ihrer Wartung Leute annehmen oder Sklaven

und Mohren kaufen. Er sollte flüchtig alle Sachen abmalen lassen und

als Schildereien überschicken. Aus der Hofapotheke wurden ihm die

nötigen Medikamente verabfolgt; außerdem erhielt er zwei Büchsen, zwei

Flinten und zwei Paar Pistolen. Die Reisedauer war auf zwei bis drei

Jahre bestimmt. Am 28. September 1731 wurde Hebenstreit durch den

Kabinettsminister Grafen Brühl vereidigt und am 30. Oktober 1731 wurde

von Leipzig aus die Reise angetreten. Am 24. Januar 1732 schifften sich

die Reisenden auf einem englischen Schiffe nach Algier ein, dessen

Dey die Fremdlinge wohlwollend aufnahm. Dem leidenden Sohne des Dey

konnte Hebenstreit durch seine ärztliche Kunst helfen, und er erhielt

als ärztliches Honorar eine junge Löwin und zwei Stachelschweine. Von

der Stadt Algier reisten sie nach Blida und besuchten das Innere von

Algier. In der Landschaft Amùrah erhielt Hebenstreit vom Aga einen

jungen Löwen und einen jungen Bacheraluasch, ~bubalum Aldrovandi~

oder wilden Ochsen, »der die Gestalt eines Hirsches habe, dem er in

allem gleiche, bis auf die Beine und Hörner, welche letztere denen

der Gazelle gleichen«. Das noch junge Tier wurde mit der Milch

einiger Ziegen, welche Hebenstreit kaufte, aufgezogen. Ein Marabout

(Priester) beschenkte ihn ebenfalls mit einem Bacheraluasch, und zwar

einem Weibchen. Hebenstreit hatte sich dem Aga angeschlossen, der mit

zahlreicher bewaffneter Begleitung die Steuern eintrieb. Bei einer

botanischen Exkursion erlangte Hebenstreit ein Chamäleon, das ihm

von sehr großer Seltenheit erschien. Am 26. Mai 1732 traf er wieder

in Algier ein und sandte seine Tiere auf einem englischen Schiffe

nach Marseille. Es waren ein junger Löwe, drei Bacheraluasche, die

aber auf dem Schiffe starben, zwei Gazellen, zwei Strauße, zwei

Genetten, zwei Frettchen, zwei afrikanische Hühner und ein schöner

Falke. Zum Wärter bestellte er einen von ihm freigekauften Sklaven,

den Chirurgus Renneberg aus Schleitz. Er selbst blieb noch in Algier,

von wo aus er nach Konstantia, Tunis und Tripolis ging. An der Küste

in der Nähe von Bona, lernte Hebenstreit auch die Korallenfischerei

kennen. In Biserta gelang es ihm, verschiedene Tiere, wie Strauße

und Flamingos, sowie auch schöne Pferde zu erlangen. Zwei Mitglieder

seiner Gesellschaft ließ er nebst den Tieren in Tunis zurück und

ging selbst mit drei Gefährten nach Tripolis. Am 19. Dezember 1732

schifften sich die Reisenden nach Malta ein, um am 1. Februar wieder

nach Tunis zurückzukehren und von da aus ganz Numidien zu bereisen. In

Zaguan bekam er zwei einjährige Löwen, welche die Einwohner in einer

Höhle gefangengehalten hatten. In dem seichten Kanal, den die Insel

Querquenor bildet, beobachtete Hebenstreit das Fischen der Schwämme

und gelangte auch in den Besitz von acht Antilopen, die dort sehr

häufig waren. In dem Wüstenorte Capra erhielt er ein von ihm Audét

genanntes Tier, das von der Ziege die Hörner, vom Hirsch den Kopf,

die wolligen Haare vom Schaf entlehnt zu haben schien. Von Tunis aus

sandte Hebenstreit am 17. April 1733 seinen Gefährten Ludwig wegen

dessen schwacher Gesundheit mit den erlangten Tieren und Sammlungen

auf einem Hamburger Schiff nach Europa zurück. Ludwig wurde später in

Leipzig Professor der Medizin und veröffentlichte als Ergebnis seiner

Reiseerfahrungen eine ~Epistola de vomitu navigantium~. Da Friedrich

August I. am 1. Dezember 1733 gestorben war, wurde Hebenstreit von

dessen Nachfolger Friedrich August II. zurückgerufen. Im Mai 1733

landete er in Marseille. Für das Kgl. Naturalien- und Raritätenkabinett

brachte er eine reiche Sammlung von Pflanzen, Muscheln und anderen

ausländischen Seltenheiten mit. Die Zahl der lebenden Tiere war im

Verhältnis zu den Kosten und der Dauer der Reise gering. Dazu kam,

daß eine große Anzahl Tiere noch auf der Seereise umkam, wie z. B.

Antilopen, Chamäleons, zwei Strauße. Von lebenden Tieren gelangten

mit Hebenstreit nach Hamburg: sieben Strauße, welche dann in einem

Gehege bei Moritzburg untergebracht wurden, zwei bunte Esel (Zebras),

einige Schafe mit großen Schwänzen und Hörnern, zwei guinäische

Schafe, ein Tiger (!?), ein Löwe, ein Dabba oder afrikanischer

Wolf, ein Dieb (afrikanischer Fuchs), zwei Stachelschweine, eine

Demoiselle (Jungfernkranich), vier afrikanische Mäuse (wahrscheinlich

Springmäuse), fünf guinäische Hühner, zwei Geier, ein Adler, drei

Meerkatzen, zwei Affen, allerhand Tauben. In dem mitangeführten Tiger

hat man wohl einen Leopard zu vermuten, da die Verbreitung der Tiger

auf Asien beschränkt ist.

Hebenstreit wirkte dann bis zu seinem im Jahre 1757 erfolgten Tode in

der medizinischen Fakultät der Universität Leipzig als Professor der

Pathologie und Therapie.

[Illustration: Abb. 2 =Abbildung des Jägerhofes= (aus Weck, Churf.

Sächs. Residenz u. Haupt Vestung, Dresden 1685)]

Die Bedürfnisse für die Tiere wurden meist durch den

Oberhofjägermeister beim Kammerkollegium beantragt, und zwar für jedes

Tier einzeln. Jedoch kümmerte sich König August der Starke persönlich

eingehend um die Angelegenheiten des Jägerhofes und ließ sich Bericht

erstatten. Das tägliche Deputat für einen Löwen betrug acht Pfund

Rindfleisch, ebenso für den Leoparden; für den Tiger waren fünf Pfund

Rindfleisch bewilligt, für den afrikanischen Fuchs wurden täglich zwei

Groschen Verpflegungsgeld bewilligt, für einen Affen ein Groschen.

Ein Luchs erhielt drei Pfund Rindfleisch. Für die Verpflegung des

Stachelschweins, von dem übrigens ein Paar vorhanden war, waren zwei

Groschen täglich ausgesetzt. Diese hatten sich wiederholt vermehrt,

und so wurde für jedes Junge, nachdem es selbständig geworden war,

ein Groschen bewilligt. Indes die mit der Auszahlung des Geldes

beauftragten Beamten scheinen sehr säumig gewesen zu sein, da sich

der mit der Verpflegung der Stachelschweine betraute Löwenwärter

Naumann mehrfach an den König selbst wendet und um Auszahlung des

rückständigen Verpflegungsgeldes bittet. Trotz der großen Summen, die

die Unterhaltung der Jägerei kostete, war man doch bestrebt, möglichst

sparsam zu wirtschaften, wie aus folgendem Aktenstück hervorgeht.

»Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König und Herr!

Ew. Kgl. Majestät und Churf. Durchlaucht haben zwar

dem am 16. Okt. verwichenen Jahres in dero Löwenhaus

anhero gebrachten Leopard zur tägl. Unterhaltung 8 Pfund

Schöpsenfleisch allergnädigst geordnet, welches ich auch

bis ultimo Dezember verwichenen Jahres um denjenigen Preyß,

davor 14 Pf. gleichwie das Rindfleisch mir bezahlet wird,

an den Löwenwärter geliefert. Nachdem aber bekannt, daß

besagtes Schöpsenfleisch jedesmahl im Sommer im Preyß zu

steigen pfleget, daß solches vielmahls das Pfund zu 18, 20

und mehr Pfennigen zu stehen kommt, welches dann bei heuriger

notorischen Theuerung umb so viel mehr zu besorgen stehet, ich

aber erwehntes Schöpsenfleisch um besagten Preyß weiter nicht

zu liefern vermögend bin. Und aber der Löwenwärter vermöge

beiliegenden Attestates vorzugeben weiß und anführet, wie das

Rindfleisch diesem Leopard zur Speisung viel zuträglicher

als Schöpsenfleisch sei, indem er hierdurch besser gedeyen

und Kraft bekäme, überlasse zu Ew. Kgl. Majestät allergnäd.

resolution, ob dieselbe geruhen wolle, statt des in der

Verordnung enthaltenen Schöpsenfleisches nunmehro Rindfleisch,

welches ich das ganze Jahr über vor 14 Pf. zu liefern verbunden

bin, allergn. zu verwilligen und solches vom 1. Januar a. c.

den Anfang nehmen lassen.

Dresden 1. Febr. 1727.

Ew. Kgl. Maj. u. Churf. Durchlaucht

Johann Georg Geym, Hofmetzger.«

Mit Bezug auf vorstehendes berichtet der Löwenwärter Christian

Naumann: »Ein leobardt ist Anno 1726 den 16. oktober inß Königs

Löwenhauß gebracht worden. Darauf ist täglich gegeben worden 8 Pf.

Schebsenfleisch, nachdem aber solch fleisch nicht umb den Preiß kan

geliefert werden, so hab ich dem leobardt Rindfleisch gegeben und

befindet sich bey Rindfleisch besser als bei Schebsenfleisch. Dahero

ich bei dem Hofmetzger angehalten umb Rindfleisch, bekam auch solches

richtig und ist der anfang gemacht worden.«

[Illustration: Abb. 3 =Das Landesmuseum für Sächsische Volkskunst=]

In den Streckenberichten erscheinen zum ersten Male ausländische

Tiere, die bei Kampfjagen usw. verwandt wurden, bei Johann Georg II.,

welcher fünf Löwen, vier Löwinnen, zwei Tiger, vier Affen erlegte;

bei Johann Georg III. erschienen ein Löwe, ein Leopard, ein Panther

im Streckenbericht, während König August der Starke drei Löwen, zwei

Panther, fünf Tiger, sechs Affen, ein Tier »Menschenfresser« genannt,

und ein Stachelschwein (!) zur Strecke brachte.

Daß der Verkehr mit den wilden Tieren auch im Jägerhofe nicht ohne

Gefahr für die Wärter war, zeigt folgender dem »Sammler« entnommener

Bericht: »An bestimmten Tagen wurden diese Tiere aus ihren Tierkästen

gelassen, um diese von Unrat zu reinigen; nachher trieb man sie wieder

in ihr Behältnis und legte ein Schloß vor die Tür. An einem Tage läßt

man einen Tiger aus Unvorsichtigkeit aus dem Kasten bleiben, welcher

sich in einem Winkel des Tiergartens versteckt hatte. Der Hüter begibt

sich, seiner Verbindlichkeit nach, nach dem Tiergarten und wird

plötzlich von dem Tiger, der sich aufrichtet, angefallen. Die Gefahr

flößt dem Manne eine außerordentliche Herzhaftigkeit ein. Er ergriff

mit der linken Hand den Hals dieser Bestie und hat noch Entschließung

genug, um dem Tiere geschwinde die Luftröhre zusammenzudrücken. Er

greift auch mit der rechten Hand zu und drängt mit solcher Gewalt

seine Brust an die Brust des Tieres, daß dieses weder mit seinen

Zähnen noch mit seinen Tatzen dem Leibe des Hüters schaden konnte. In

diesem kläglichen Zustande stunden sie beide vier oder fünf Minuten

gegeneinander angeklemmt. Endlich verzweifelt der Hüter an der längeren

Fortdauer seiner Kräfte, ließ die Bestie plötzlich mit aller Macht aus

seinen Händen und stieß sie weit zurück. In dieser Bestürzung wich sie

geschwind nach dem Winkel des Kastens und ließ ihrem Überwinder Zeit

genug, um in der Flucht wiewohl halbtot die Türe zu erreichen. Eben

dieser Hüter mußte sich 1738 mit einer starken Meerkatze oder einem

Affen herumschlagen, welche sich von der Kette losgerissen hatte.

Dieser Kampf fiel so unglücklich aus, daß er mit großer Not mit dem

Leben davon kam. Seine rechte Hand ward abscheulich zugerichtet und er

lag sehr lange krank.«

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XI, Heft 10-12 · 第 2 / 6 段